Gedenkstätten

  1. Gedenkzeichen an der Großen Choral-Synagoge von Liepāja
  2. Massenerschießungen

Reisebericht von Günther Lübbers

Dieses wird ein Bericht über eine Urlaubsreise im Sommer 2025, die vom 12. August bis zum 15. September dauerte, durch Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden und Dänemark führte, und auf der meine Frau Elfriede und ich sowie unsere beiden Westiehündinnen Beauly und Enya insgesamt 5.317 km zurücklegten. Wir hatten uns vorgenommen, die Gedenkstätten zu besuchen, die wir in Baltikum-Reiseführern entdeckt hatten.

Gedenkzeichen an der Großen Choral-Synagoge von Liepāja

Nach der 21-stündigen Fährüberfahrt von Kiel nach Klaipeda ging es zunächst auf die Kurische Nehrung Richtung Nida. Der weitere Weg führte uns am sechsten Tag über die litauisch-lettische Grenze nach Liepaja. In der Stadt entdeckten wir zunächst die Stelle, wo bis zum Juli 1941 die Große Choral-Synagoge stand. Dazu finden sich im Internet viele Informationen, u.a.:
https://liepaja.travel/de/sehen-und-tun/gedenkzeichen-an-die-grosse-choral-synagoge-von-liepaja

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Liepāja 12 Synagogen und Gebetshäuser. Die Große Choral-Synagoge war die bedeutendste von allen.

Die Große Choral-Synagoge von Liepāja wurde von 1870 bis 1873 im Stil der Neorenaissance gebaut und nach der Berliner Synagoge Oranienburger Straße gestaltet. Auf der westlichen Seite erhoben sich drei Kuppeln.

Während des Zweiten Weltkriegs – im Juli 1941 – gaben die Deutschen den Juden den Befehl, das Gotteshaus mit bloßen Händen abzureißen, da eine Sprengung in der Stadtmitte gefährlich war. Nach dem Krieg wurde anstelle der Synagoge ein Wohnhaus gebaut.

Unser Weg führte uns dann zu der beeindruckende größten Gedenkstätte für Holocaustopfer in Lettland. Sie liegt versteckt in den Dünen von Skede bei Liepaja. Hier sind einige Links dazu:

Die in Lettland größte Gedenkstätte für Holocaustopfer befindet sich in Liepāja, in den Dünen von Šķēde. Die Gedenkstätte ist den über 3000 im Zweiten Weltkrieg ermordeten Juden von Liepāja gewidmet. Die Gedenkstätte hat die Form des nationalen Symbols von Israel – der Menora bzw. eines siebenarmigen Leuchters. Die Konturen, die aus der Vogelperspektive gut erkennbar sind, sind aus gespaltenen Feldsteinen und Granitblöcken gemacht.

Die “Lichter” der Menora sind Granitpfeiler mit geprägten Inschriften – Versen aus dem Klagelied Jeremias auf Hebräisch, Englisch, Lettisch und Russisch.

Die Allee “Gerechter unter den Völkern” zu Ehren der furchtlosen Menschen, die während der Holocaustzeit Juden retteten, ist eine Ergänzung der Gedenkstätte. “Gerechter unter den Völkern” ist ein Ehrentitel von “Yad Vashem”, der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust, der an nichtjüdische Personen vergeben wird, die während der Zeit des Holocausts ihr Leben riskierten, um Juden vor der Ermordung zu retten. Der Ehrentitel ist an 26 Liepajaner vergeben worden.

Meine nachfolgenden Fotos mögen einen kleinen Eindruck vermitteln:

Zur nächsten Gedenkstätte war der Weg nicht weit. Nur wenige Kilometer entfernt liegt der sogenannte Freiheitsweg „Brivibas Taka“ zur Erinnerung an den Freiheitskampf der Letten gegen russische und deutsche Truppen am Ende des I. Weltkriegs 1918 bis 1919. Meine Fotos machte ich beim nördlichen Fort am Strand von Skede.

Weiter ging unsere Reise über durch das schöne Städtchen Kuldiga und durch Saldus wieder zurück nach Litauen. Die nächste Gedenkstätte, zu der wir unser Wohnmobil lenkten, war der berühmte katholische Wallfahrtsort „Berg der Kreuze“, 12 km nördlich von Siauliai in Litauen gelegen. Hierzu finden sich hier nähere Informationen:

Ich habe dort eine ganze Reihe von Fotos gemacht; hier folgt eine kleine Auswahl:

Weiter ging es zu den Schlössern Rundale pils und Jelgava und dann zum Strand von Jurmala bei Riga. Unser Campingplatz lag dort auf der Halbinsel Kipsala. Dort befindet sich auch die folgende Gedenkstätte:

Diese Gedenkstätte ist einem mutigen Mann gewidmet. Zanis Lipke hat während des Zweiten Weltkriegs über 50 Juden in einem in seiner Holzscheune eingerichteten Bunker versteckt und so vor dem NS-Regime gerettet hat. Die Gedenkstätte war nicht so leicht zu finden. Sie liegt ziemlich abgelegen am Ende eines verwinkelten Weges. Ich hatte vorher noch nicht von Herrn Lipke gehört und war erstaunt über die interessante Ausstellung, die sehr gut die damalige Situation wiedergibt. Hier kommen einige Fotos:

Etwa 18 km von Riga entfernt befindet sich die nächste Gedenkstätte. Sie dient der Erinnerung an das „erweiterte Polizeigefängnis und Arbeitserziehungslager Salaspils“. Dieses wurde im Winter 1941/42 von etwa 1.000 aus dem Deutschen Reich deportierten jüdischen Männern errichtet, die unter den beim Bau herrschenden unmenschlichen Bedingungen fast alle starben. Das Lager bestand bis zum Sommer 1944. In dieser Zeit starben weitere 2.000 bis 3.000 Menschen, darunter viele Kinder. Insgesamt sollen nach neuesten Quellen bis zu 12.000 Gefangene das Lager Salaspils durchlaufen haben.

Die Gedenkstätte wurde 1967 errichtet, zu einer Zeit also, wo Lettland eine Sowjetrepublik war. Das ist auch gut an den sieben überlebensgroßen Skulpturen des Künstlers Levs Bukowskis zu erkennen, die eindrucksvoll auf dem ehemaligen Lagergelände platziert wurden.

Ich werde an dieser Stelle einige Fotos einstellen, um einen Eindruck zu vermitteln. Weitere Fotos über das Lager Salaspils, die zum Beispiel alle Gedenktafeln und Lagerbeschreibungen wiedergeben sowie eine textliche Zusammenfassung, habe ich in meine MagentaCLOUD hochgeladen. Sie sind unter folgendem Link abrufbar: https://magentacloud.de/s/Jf4NB7ERqeoAd6i.

Ganz in der Nähe von Salaspils auf dem Weg zurück nach Riga befindet sich im Wald von Rumbula eine Gedenkstätte zur Erinnerung an das Massaker von Rumbula. Am 30. November und am 8. Dezember 1941 ermordeten Mitglieder der Waffen-SS über 25.000 jüdische Gefangene des Rigaer Ghettos sowie etwa 1.000 aus dem Deutschen Reich deportierte Juden. Weitere hunderte Juden aus dem Konzentrationslager Riga-Kaiserwald wurden hier im Sommer 1944 umgebracht. Daran erinnerte zunächst nur der 1964 von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Riga errichtete Gedenkstein mit Inschriften in russisch, lettisch und jiddisch.

Im November 2002 wurde dann mit internationaler finanzieller Unterstützung die heutige Gedenkstätte fertig gestellt.

Foto- und Textzusammenstellung auf meiner MagentaCLOUD:
https://magentacloud.de/s/ZFtLoBbsoDgp7TH

Wir sind dann weitergefahren nach Sigulda, einer schönen Kleinstadt mit Schloss sowie einer durch internationale Wettkämpfe bekannten Bob- und Rodelbahn. Wir fanden einen hervorragend ausgestatteten Wohnmobilstellplatz. Hier trafen wir uns dann auch wieder mit Hester und Inge Beekman aus Zandvoort / NL, die wir auf der Fährüberfahrt von Kiel nach Klaipeda kennen gelernt hatten und die auch in einer Nacht neben uns auf einem Stellplatz in Juodkrante auf der Kurischen Nehrung standen.

Es stellte sich heraus, das die beiden in der Zwischenzeit den Wald von Bikernieki, auch Hochwald von Riga genannt, besucht hatten. Hier wurde im Jahre 2001 eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die dort ab 1942 stattgefundenen Massenerschießungen eröffnet, die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut wird. Es gilt als nachgewiesen, dass etwa 20.000 Juden aus Lettland, Deutschland, Österreich und Tschechien sowie etwa 10.000 Kriegsgefangene und 5.000 Widerstandskämpfer hier ihr Leben verloren.

„Nach unbekannt“ notierten die Einwohnermeldeämter damals, wenn jüdische Familien ab Herbst 1941 zwangsdeportiert wurden. Eines jener Ziele hieß Riga. Im besetzten Lettland begann 1941 die menschenverachtende „Endlösung“. Mehr als 25 000 Männer, Frauen und Kinder aus deutschen Städten wurden dorthin verschleppt, gequält und ermordet. Wer nicht schon auf dem Transport verdurstet, erstickt oder vor Erschöpfung zusammengebrochen war, landete im Ghetto von Riga, im Jungfernhof oder im Konzentrationslager Kaiserwald. Die Toten wurden zu Zehntausenden namenlos in den Wäldern von Rumbula und Bikernieki verscharrt (aus der Homepage des Riga Komitees zitiert). Zu diesen Opfern zählen auch mindestens 18 Juden aus Aurich, die zunächst nach Riga ins Ghetto deportiert und anschließend in den Wäldern von Rumbula und Bikernieki erschossen wurden.

Elfriede und ich kannten diesen traurigen Ort leider nicht, sonst hätten wir ihn sicher auf unserer Reiseroute eingeplant und nun wäre es auch zeitaufwändig gewesen, noch wieder zurückzufahren. Das war aber auch nicht unbedingt nötig, denn Hester und Inge hatten Fotos gemacht, die sie mir für den Reisebericht zur Verfügung gestellt haben und die ich an dieser Stelle einfügen werde.

Unsere Reise ging weiter durch den 1973 gegründeten Gauja-Nationalpark in Richtung Valmiera. Etwa auf halber Strecke und mittendrin liegt Cesis, eine Stadt mit 18.000 Einwohnern, 90 km von Riga entfernt, die früher Wenden hieß. In der schönen Altstadt befinden sich nicht nur eine mittelalterliche Burgruine und ein Schloss sondern auch ein ganz und gar nicht idyllischer Ort. Dabei handelt es sich um das „Museum der Okkupation und Freiheitskämpfe“ im ehemaligen Gestapo- und KGB-Gefängnis. Ich besuchte die dortige historische Ausstellung „Das Feuer des Gewissens“ über die Okkupation Lettlands durch deutsche und russische Truppen und den Widerstand der Letten zwischen den Jahren 1939 und 1957.

Weitere Fotos aus der Gedenkstätte befinden sich in diesem Link zu meiner MagentaCLOUD:
https://magentacloud.de/s/RPxdyZQZgfJfPkS

Wir fuhren anschließend weiter über Valmiera und erreichten bei Valga die Grenze nach Estland. Auch hier wie im gesamten Baltikum keine Grenzkontrollen. Unsere 13. Nacht verbrachten wir dann beim Biathlonstadion in Otepää, wo im März 2026 wieder Weltcuprennen stattfinden werden.

Weiter ging die Reise über Tartu, entlang des Peipussees, der übrigens siebenmal so groß ist wie der Bodensee, und über Sillamäe (14. Nacht) bis nach Narva, der drittgrößten Stadt Estlands. Von den etwa 52.500 Einwohnern sind fast 95 Prozent Russen. Die Hermannsfeste in Narva und die Festung Ivangorod am anderen Ufer der Narva in Russland trennen nur gut 200 m. Die Grenze ist für Fahrzeuge geschlossen, Fußgängergrüppchen sieht man aber über die Brücke gehen. Von hier nach Aurich sind es mit dem Auto 1.877 km.

Wir blieben hier nur kurz und fuhren weiter in Richtung Tallin. Unser nächstes Übernachtungsziel war Jägala. Hier befindet sich ein Sand- und Waldgebiet, genannt Kalevi-Liiva. Hier fanden ab dem 5. September 1942 Massenerschießungen statt. Hier folgt ein Auszug aus den Beschreibungen im Internet:

Massenerschießungen

Während der Belagerung Leningrads durch die Wehrmacht machte sich in Estland ein Arbeitskräftemangel bemerkbar. Besonders für Straßen- und Eisenbahnbau sowie für die Ausbeutung des Ölschiefers im Nordosten des Landes fehlten Arbeiter. Spätestens seit dem Spätsommer 1942 wurden in sogenannten „Judentransporten“ jüdische Häftlinge als potentielle Zwangsarbeiter nach Estland verbracht.

Am 5. September 1942 erreichte ein Zwangstransport von etwa 2100 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt nach fünf Tagen Fahrt den Bahnhof von Raasiku. Als Zielort des Transports war eigentlich Riga vorgesehen gewesen. Da das dortige Ghetto aber angeblich überfüllt war, wurde der Zug nach Estland umgeleitet. Am Bahnhof fand die Selektion statt. Die Männer, Frauen und Kinder, die nicht für einen Arbeitseinsatz in Frage kamen, mussten sich in Busse setzten und wurden nach Kalevi-Liiva gefahren. Dort wurden sie gezwungen, sich auszuziehen und alle Wertsachen abzugeben. Bis zu 1600 von ihnen wurden am Ankunftstag in Kalevi-Liiva erschossen und in zuvor ausgehobenen Massengräbern verscharrt. Die übrigen mussten in der Nähe das Lager Jägala/Kalevi-Liiva errichten.[1]

Das gleiche Schicksal traf einen ähnlichen Zwangstransport mit etwa 1250 Personen, der wenige Tage später von Berlin aus im Lager Jägala eintraf. In den folgenden Monaten wurden kranke und schwache Arbeiter sowie willkürlich weitere Gefangene in Kalevi-Liiva erschossen.

Wahrscheinlich wurden in Kalevi-Liiva vom September 1942 bis zum Spätsommer 1943 zwischen 2000 und 5000 Menschen ermordet, wobei sich die genauen Opferzahlen wohl nicht mehr feststellen lassen. Die meisten Ermordeten waren wahrscheinlich Juden aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und Polen. Außerdem befanden sich unter den Opfern Sinti, Roma und weitere Personen.

Auch den Bahnhof in Raasiku haben wir danach aufgesucht. Bei Wikipedia ist dazu Folgendes zu finden:

1941 und 1949 deportierten die sowjetischen Besatzungsbehörden zahlreiche Menschen mit Zügen von Raasiku ins Innere Russlands. An die Ereignisse erinnert ein Gedenkstein.

Während der deutschen Besetzung Estlands wurden 1942 nach heutigen Angaben 234 Juden aus dem Raum Frankfurt am Main über Raasiku deportiert. Am Zielort wurden Frauen, Kinder, ältere und nicht gesund wirkende Menschen selektiert, in ein Dünengebiet an der Ostsee bei Kalevi-Liiva gebracht und dort von einem deutsch-estnischen Kommando erschossen.[3] Weitere etwa 1000 Personen, die am 5. September 1942 mit einem Transport aus dem KZ Theresienstadt ankamen, wurden ebenfalls ausselektiert und erschossen.[4]

Die folgenden Fotos mögen einen Eindruck vom heutigen Zustand des Bahnhofes vermitteln:

Der 16. Tag unserer Reise neigte sich dem Ende zu. Wir wollten aber auf dem Weg nach Tallinn noch einen kleinen Umweg machen, um 30 km westlich die Gedenkstätte in Klooga zu besuchen. Hier hatten die Nazis von September 1943 bis September 1944 ein Arbeitslager errichtet, als eines von mehr als 20 Außenlagern des KZs Vaivara. Am 19. September 1944 fand hier ein Massenmord an über 2.000 Gefangenen statt.

Ich habe weitere Fotos von der Gedenkstätte mit vielen Schautafeln sowie einer Textzusammenstellung mit meiner MagentaCLOUD verlinkt:
https://magentacloud.de/s/XsxeaE8pzeKXdCT

Am Abend erreichten wir Estlands Hauptstadt Tallinn. Zwei Tage später nahmen wir die Fähre über die Ostsee nach Helsinki. Wir hatten 1.732 km im Baltikum zurückgelegt.