| Rebekka Hoffmann wird am 5.05.1893 geboren als das 14. Kind der Eltern Benjamin Baruch Wallheimer und Eva Markus geb. Herzberg. Rebekka hat noch drei jüngere Geschwister. Ihr Vater betreibt mit seinen Onkeln Levy und Abraham Cohen das Viehhändlergeschäft und Schlachterhandwerk im Haus Breiter Weg 1 in Aurich. Hinter dem Haus dort befinden sich Stallungen und Räume einer koscheren Fleischfabrikation. Die Waren werden in ganz Deutschland vertrieben.
Rebekka heiratet den Koch und Hotelbesitzer Friedrich Hoffmann. Sie und Ihr Mann betreiben es – das Hoffmanns Hotel Falk – zusammen mit Friedrichs Bruder Julius und seiner Schwester Johanne auf Norderney. Dort lebt die Familie und es werden drei Kinder geboren: Eva, Helene und Henry.
Mit der Wirtschaftskrise und mit den schon im Frühjahr 1933 anschließenden Boykottaufrufen gegen jüdische Gäste gerät der Familienbetrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die 1935 in der Zwangsversteigerung enden. Die Familie zieht nach Aurich, Rebekkas Geburtsort. Ihr Mann arbeitet dann als Koch an vielen Orten in Deutschland und auch in der Seefahrt. Er ist nur alle paar Monate für wenige Tage zu Hause in Aurich.
Sie bringen die beiden Mädchen ins Ausland. Zuerst Eva im Mai 1938 zu Verwandten nach Italien, dann Helene mit der Jugend-Aliyah im März 1939 nach Palästina. Auch ihr Sohn Henry – noch ein Kind – soll nach Erez Israel kommen. Ihr Mann versucht es mit allen Mitteln über die Reichsvereinigung zu erreichen – wenigstens den Aufenthalt in einem Vorbereitungslager. Dies gelingt aber erst im Frühjahr 1940 im Landwerk Steckelsdorf bei Rathenow.
Das Haus in der Wallstraße 19 muss verkauft werden. Rebekka lebt allein mit ihrem halbwüchsigen Sohn und führt den Haushalt als Mittelpunkt der nun weitverstreuten Familie im Haus Markstraße 4, einem „Judenhaus“. Zwischenzeitlich nimmt sie ein Kleinkind in Pflege namens Lora oder ähnlich.
Die letzten Arbeitsstätten ihres Mannes sind das Jüdische Krankenhaus in Leipzig und das Jüdischen Gemeindezentrum in der Hartungstraße in Hamburg. Letzteres muss 1939 aus wirtschaftlichen Gründen den Gaststättenbetrieb schließen. Ihr Mann wird wieder arbeitslos und kommt nach Aurich zurück.
Mit der Vertreibung der Auricher Juden im Frühjahr 1940 können Rebekka und ihr Mann ins Altenheim nach Emden umziehen und führen dort die Hauswirtschaft. Bald reißen die Brief-Nachrichten von dort an ihre Tochter Leni ab. Es ist anzunehmen ist, dass sich ihre Lebenslage rapide verschlechtert hat.
Am 23.10.1941 muss sie mit ihrem Mann und weiteren 121 Insassen des Heims den Weg zum Bahnhof-West antreten. Sie werden mit einem Zuliefertransport nach Berlin gebracht, der es am 24.10. erreicht, und gleich weiter nach Łódź deportiert, wo sie am 25.10.1941 eintreffen. Auf der Transportliste ist Rebekka mit Beruf „Köchin“ und „arbeitsfähig“ vermerkt und sie führt den festgestellten Geldbetrag von 52,21 RM mit. Die Emder werden im sogen. Greisenheim in der ulica Gnieźnieńska 26 untergebracht.
In Łódź verlieren sich die individuellen Spuren von Rebekka Hoffmann. Die Lebensumstände im Ghetto aus Enge, Hunger und Kälte fordern schnell Opfer bei den Alten.
Dieser Transport war einer der ersten zu einer Zeit, als das industrielle System des Massenmords noch nicht etabliert und dementsprechend behelfsmäßig war. Um im Ghetto Platz zu schaffen, werden ab Januar 1942 Arbeitsunfähige in das 70 km entfernte Chełmno nad Nerem gebracht. Rebekka Hoffmann und ihr Mann sind am 4.05.1942 dabei. Die Opfer werden in bereitstehende Möbellastwagen getrieben. Die umgelenkten Auspuffgase des dann angelassenen Motors ersticken die Eingepferchten. Der Fahrer fährt das Fahrzeug anschließend zum Entladen an vorbereitete Gruben.
Gedenkwand bei den Massengräbern bei Chelmno nad Nerem (Kulmhof)
Freilegung von Gebäuderesten auf dem Museumsgelände des früheren Vernichtungslagers. Fotos Günther Lübbers
Die Stolpersteine für Familie Hoffmann an der Stelle, wo früher das Haus Wallstraße 19 stand, heute ist dort die Zufahrt zum Gebäude der Sparkasse Aurich-Norden.
Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2015) |