Betty (Betti) Wolffs geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Betty (Betti) WOLFFS  geb. Wallheimer
geboren am 19. November 1877 in Aurich

Straße: Wallstraße 14
Todesdatum: September 1942
Todesort: Chelmno nad Nerem (Kulmhof)
Geboren wird Betti Wallheimer am 19.11.1877 in Aurich als Tochter des Ehepaares Benjamin Wallheimer (1856 – 1923) und Eva Wallheimer geb. Herzberg (1857 – 1926). Betti Wallheimer ist die älteste von 19 Kindern, von denen nur 10 über das Kindesalter hinausgelangen, die im Haus am Breiten Weg 1, das nachweislich seit 1888 im Familienbesitz ist, aufwachsen.

Ich zitiere aus einem Vortrag von Johannes Diekhoff, den er anlässlich der feierlichen Namensgebung „Haus Wallheimer“ des Neubaus des Europahauses am 3.11.1992 hält: “Auf Bettis Großvater, den Viehhändler Joseph Wallheimer, folgt 1897 ihr Vater Benjamin als Besitzer und Gewerbenachfolger. Mit ihm scheint die Familie hier ihre Blütezeit erlebt zu haben.“

Sein Enkel Benno Wolffs, geb. 1910 in der Wallstr. 14, kann auf seiner Flucht nach Israel ein Ölgemälde des Wohnhauses seiner Großeltern am Breiten Weg retten. Er lässt eine Kopie fertigen, die er dem Europahaus schenkt, im Gefühl der Freude und Genugtuung darüber, dass das neue Gebäude von nun an den Namen „Haus Wallheimer“ tragen wird.

Betti Wallheimer heiratet am 28.12.1902 den Malermeister Abraham Wolff Wolffs und lebt mit ihm in der Wallstr. 14.

Aus der Ehe gehen 3 Kinder hervor: Wolff Abraham Wolffs, geb. 1904 in Aurich, Erna Abraham Wolffs, geb. 1905 in Aurich und der eben schon erwähnte Benno Wolffs, geb. 1910 in Aurich.

Ihr Schicksal gleicht dem ihres Mannes Abraham, in dessen Biographie ich ausführlich berichtet habe. Sie gehört mit Ihrem Mann zu den älteren Mitbürgern, die, nachdem Aurich am 10.4.1940 für „judenfrei“ erklärt wird, nach Emden in ein Altenheim zieht. Abraham Wolffs und seine Frau Betti, werden am 22.10.1941 über Berlin, Rosenstr. 2-4, nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Im September 1942 werden sie in Kulmhof (Chelmno nad Nerem) ermordet.

Ihr Sohn Wolff stellt aus Palästina den Antrag auf ihre Todeserklärung. Am 29.12.1950 werden sie per Beschluss des Amtsgerichts Emden mit dem 08.05.1945 für tot erklärt.
Anmerkung: Im Historischen Museum der Stadt Aurich wird in der Vitrine mit den jüdischen Exponaten ein Megillot Esther aus der Familie Wallheimer gezeigt, ein Geschenk des Enkels Berni Wallheimer.

(Megillot (pl. zu hebr. מְגִלָּה megilla, „Buchrolle“, „Buch“) ist im Judentum die Bezeichnung für fünf Schriften aus dem Tanach. Sie gehören zum dritten Teil der hebräischen Bibel, den Ketuvim („Schriften“). Die fünf Bücher Rut, Hoheslied, Kohelet, Klagelieder und Ester werden den wichtigsten fünf Festen Schawuot, Pessach, Sukkot, Tischa beAv und Purim zugeordnet und daher auch als „Festrollen“ bezeichnet.)

Ebenfalls im Museum ist ein Foto eines gedeckten Sabbathtisches der Familie Wallheimer am Breiten Weg 1 zu sehen.

Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Kulmhof

Gedenktafeln erinnern an die vielen Tausend ermordeten und in Massengräbern verscharrten Opfer in der KZ-Gedenkstätte Chelmno nad Nerem (Kulmhof)

Helga Oldermann trägt die Biographien der Opfer vor dem Haus Wallstraße 14 vor

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte

Vortrag von Johannes Diekhoff vom 03.11.1992, „Haus Wallheimer“
Weiter Quellen s. Abraham Wolffs

https://spurenimvest.de/2020/06/30/wolffs-betty/

Literatur:
Patenschaft: Helga Oldermann
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

 

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.