Louis Watermann

Veröffentlicht: 2. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Louis WATERMANN
geboren am 1. November 1891 in Marienhafe

Straße: Wallstr. 4
Todesdatum: 22. Januar 1942
Todesort: Lodz
Louis Watermann wurde am 1. November 1891 in Marienhafe geboren. Seine Eltern, der Kaufmann Simon Meyer Watermann (26.12.1855) und Helene Watermann geb. de Loewe (5.02.1866) bekamen drei Kinder.

Simon Meyer Watermann

Der ältere Bruder Sally wurde am 7.05.1888 geboren. Der jüngere Bruder August wurde am 25.04.1890 geboren. Er ging nach Hamburg und wurde ein angesehener Psychiater.

Die Familie lebte in Marienhafe, wo sie ein Geschäft betrieben. Louis Mutter kam aus einer Kaufmannsfamilie, die ein Modewarengeschäfts in Norden hatten. Seine Mutter stirbt am 9.11.1925 im Alter von 69 Jahren, sein Vater 14.11.1933 im Alter von 77 Jahren.

Sein Bruder Sally mit seiner Frau Gerta Wallheimer steigen in das Geschäft in der Rosenstraße in Marienhafe ein.

Louis diente im 1. Weltkrieg und war Mitte 20, als er als Kriegsinvalide zurückkehrt. Er blieb unverheiratet und hatte keine Kinder. Er muss schwerst behindert gewesen sein, denn er bekam einen gesetzlichen Vormund, den Kaufmann Harry Knurr, dessen Ehefrau Louis Schwägerin war.
Laut Meldekartei wohnte Louis seit 15.12.1934 in der Wallstr. 4 bei  Moritz Moses Wolff. Eine kurze Zeit, bis zum 15.12.1938, dem Zeitpunkt der Auswanderung der Familie Knurr, hatte er bei ihnen in Leer, in der Hindenburgstr. 24 gewohnt.

Anfang 1940 erhalten alle Juden die Aufforderung, Ostfriesland zu verlassen – aus „sicherheitspolizeilichen Gründen“ sollte die Region „judenfrei“ werden.

Louis Watermann zieht am 5. März 1940 zusammen mit der Familie seines Vermieters Moritz Moses Wolff und dessen Frau Lilly nach Essen, zuerst in die Schützenstr. 24, dann am 7.03. in die  Laut Meldekartei wohnte Louis seit 15.12.1934 in der Wallstr. 4 bei  Moritz Moses Wolff.
Eine kurze Zeit, bis zum 15.12.1938, dem Zeitpunkt der Auswanderung der Familie Knurr, hatte er bei ihnen in Leer, in der Hindenburgstr. 24 gewohnt. Lindenallee 96.

Am 27.10.1941 wird er mit 1.003 anderen Juden in das Ghetto Lodz deportiert (s. u. „Transportliste“, 2. Zeile). Dort stirbt er drei Monate nach seiner Ankunft am 22. Januar1942 im Alter von 51 Jahren.

Sein Bruder August Watermann floh bereits  1933 vor dem Naziregime aus Hamburg in die Niederlande, wo er sich als Psychiater/Psychoanalytiker niederließ (s. u.  Artikel „Hamburgs erste Psychoanalytiker“) und die Niederländerin Deena Vecht heiratete. Nach einigen Wirren wurde er Mitglied der Niederländischen Vereinigung für Psychoanalyse. Unter der deutschen Besatzung, ab Mai 1940, konnte er fast zwei Jahren nicht mehr weiterarbeiten. Er wurde mit seiner Frau und seinem 7-jährigen Sohn John Jack über Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 06. Oktober 1944 ermordet.

Sally Watermann stellt einen Widergutmachungsantrag. Er erhält nach einem langjährigen Verfahren (1948–1953) im Rahmen eines Vergleichs 5.000 Mark.

Beschreibung der Deportation mit dem auch Louis Watermann  von Düsseldorf in Ghetto Lodz deportiert wird: Am 27.10.1941 um 7:50 Uhr verlässt ein Sonderzug mit 1.003 Niederrheiner darunter Männer, Frauen und Kinder den Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf mit Ziel Lodz. Der Zug erreicht Lodz am 28.10.1941.

Geschichte des Transportes
Der Transport geht am Montag den 27.10.1941 ab Düsseldorf um 7:50 Uhr ab.
Es muss pro Person mitgenommen werden:
Zahlungsmittel bis zu 100.- RM
Ein Koffer mit Ausrüstungsgegenständen bis zu 50 Kg
Vollständige Bekleidung.
Bettzeug mit Decke.
Verpflegung für 8 Tage (Brot, Mehl und Hülsenfrüchte)
Marschverpflegung für 2 Tage. (Butterbrote)

Vermögenseinziehung
Das Vermögen der zu evakuierenden Juden wird mittels kleinem Formular staatspolizeilich sichergestellt und beschlagnahmt. Das Formular ist daher bei der Vorladung von den Juden zu unterschreiben und festzuhalten. Die vorliegenden Vermögenserklärungen sind von jedem Juden auszufüllen und zu unterschreiben und zurückzugeben. Sämtliche Formulare müssen bis Freitag, den 24.10.1941 vormittags in Düsseldorf Stapoleitstelle, II B 4, Zimmer 226, sein.
Die Wohnungen der Juden sind zu verschließen und zu versiegeln.

Ankunft in Lodz
1.003 Niederrheiner wurden am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto Lodz deportiert, darunter Männer, Frauen und Kinder. Lediglich 16 aus diesem Transport haben Ghetto und Konzentrationslager überlebt.
Es ist zwölf Grad Celsius unter Null, als die Juden aus dem Rheinland im Getto eintreffen. Der erste Schnee ist gefallen. Und aufgrund vieler Verspätungen erreichen sie Lodz erst mitten in der Nacht. Die Unterkunft der 1.003 Juden sind zwei leere Schulsäle. Leer meint hier wirklich leer: keine Schränke, Tische oder Stühle, nicht einmal Pritschen stehen bereit. 500 Menschen werden auf jeden Saal verteilt, drei Latrinen gibt es und eine Wasserpumpe im Hof.

Recherche: Christiane Meissner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.10.2017)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich, Geburtsbücher
Staatsarchiv Aurich, Rep. 107, acc.2009/075 Nr. 1500
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411027-20a.jpg
http://www.tenhumbergreinhard.de/05aaff9c310b0fe15/05aaff9c360ff9610/index.html
http://www.Joodsemonument.nl
http://www.alemannia-judaica.de/norden_synagoge.htm
http://www.geni.com
http://www.myheritage.com
Literatur:
Patenschaft: Aktion 9.11.2014
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

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