Röschen STERNBERG geb. STEIN
geboren am 11. Juni 1861 in Emden
| Straße: | Osterstraße 16/18 |
| Todesdatum: | 19. Februar 1937 |
| Todesort: | Aurich |
| Röschen Stein wird am 11. Juni 1861 in Emden geboren. Sie ist die Tochter des Schlachters Abraham Isaac Stein (20.06.1816 Emden – 14.04.1897 Emden) und Betty Behla Benjamin Stein geb. Wolffs (19.01.1828 Aurich – 20.07.1898 Emden). Diese heiraten am 3.06.1851 und haben neun Kinder: Benjamin Baruch Bendit Abraham Stein (*3.03.1852), Therese Stein verh. Gossel-Stein (*27.02.1854), Isaac Stein (*13.04.1856), Bernhard Stein (*30.10.1858), Röschen, Levi Stein (*8.10.1863), Wolf Abraham Stein (*23.12.1865), Guste Stein (* 4.08.1867) und Zerline verh. de Taube (*29.04.1870).Benjamin, Levi und Wolf sterben bereits im Kindesalter. Therese Gossel-Stein stirbt am 30.12.1942 in Haarlemmermeer (NL). Die jüngste Tochter Zerline de Taube geb. Stein wird am 19.07.1942 nach Treblinka deportiert und dort am 21.07.1942 ermordet. Über die anderen Geschwister von Röschen konnten wir nichts herausfinden.
Röschen wächst in Emden auf. Sie heiratet im Jahr 1887 den Auricher Kaufmann Jacob Meyer Sternberg (s. Biografie) und zieht nach Aurich. Jacob Meyer Sternberg führt in Aurich das Geschäft seines Vaters, ein Kaufhaus in der Osterstraße. ![]() Jacob und Röschen Sternberg mit ihren Kindern ca, 1904, v. l. Röschen, Max, Erich, Leo (sitzend), Alfred, Jakob und Joseph. Der Sohn Bruno war zum Zeitpunkt des Fotos bereits verstorben. (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 9) Röschen und Jacob Sternberg haben sieben Söhne: Max (*1889), Alfred (*1890), Bruno/Bendix (*1892), Leo (*1894), Joseph (*1896), Bendix (*1900) und Erich (*1901). Bruno und Bendix sterben bereits im Kindesalter. Alfred zieht 1907 mit seinem Onkel Siegfried Sternberg und seiner Tante Anna geb. Lichtenfeld nach North Carolina, als die ihn nach einem Besuch in Aurich bei sich aufnehmen. Die Söhne Max, Leo und Joseph dienen im 1. Weltkrieg. Joseph fällt bereit am 5.12.1914 in Russland. Max und Leo werden verletzt und erhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse sowie weitere Auszeichnungen. Im Jahr 1919 übernehmen Max (s. Biografie) und Erich Sternberg (s. Biografie) das Geschäft ihres Vaters Jacob Sternberg. Zu der Zeit arbeiten dort 28 Angestellte. Leo heiratet Recha Wolff aus Leer und steigt dort in das Geschäft seines Schwiegervaters Salomon Wolff (s. Biografie) ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird auch in Aurich zum Boykott von jüdischen Geschäften aufgerufen. Der darauffolgende Rückgang des Geschäftes, die persönlichen Anfeindungen und Ausgrenzungen aus dem öffentlichen Leben führen dazu, dass die Familie eine Auswanderung in die USA erwägt. Erich Sternberg flieht im Januar 1936 in die USA und kann dort mit Unterstützung seines Onkels Siegfried Fuß fassen. Im Dezember 1936 können Erichs Frau Lea geb. Knurr und ihre drei Kinder ihm in die USA folgen. Max Sternberg bleibt zunächst mit seiner Frau Frieda und ihrem Sohn Manfred noch in Aurich. Er möchte bei seinen Eltern bleiben, die nicht auswandern wollen, und hofft, dass er das Geschäft weiterführen kann. Auch Leo Sternberg flieht Ende 1936 aus Emden in die USA. Im April 1937 können Leos Frau Resi, die Tochter Irmgard und der Neffe Manfred (Sohn von Max und Frieda Sternberg) ihm in die USA folgen. Röschen Sternberg verstirbt am 19.02.1937 im Alter von 75 Jahren und liegt auf dem Auricher Judenfriedhof begraben. Eigentlich hatte sie vor, mit ihrem Mann nach Berlin zu ziehen. Im Jahr 1938 ist dann auch Max entschlossen, in die USA zu emigrieren und kann seinen Vater, der nun Witwer ist, davon überzeugen, nicht nach Berlin zu ziehen, sondern mit auszuwandern. Am 6.06.1938 kommt Jacob im Alter von 81 Jahren zusammen mit seinem Sohn Max und dessen Frau in den USA an – gerade noch rechtzeitig vor dem Novemberpogrom 1938. Hans-Joachim Sternberg (s. Biografie), Sohn von Erich Sternberg, berichtet, dass sein Großvater Jacob Sternberg seine Frau Röschen und seine alte Heimat sehr vermisste. Er erzählt, dass für ihn als Kind sein Großvater sein bester Freund war, dass er viel mit ihm spielte und mit ihm Deutsch sprach. Jacob Sternberg lernte nicht mehr so richtig die englische Sprache, obwohl die Enkelkinder versuchten, es ihm beizubringen. Er stirbt am 22.10.1941 im Alter von 84 Jahren in Baton Rouge, Louisiana, an Magenkrebs. |
|
| Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 1.01.2023) |
|
| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Datenbanken: https://www.geni.com/people/Jakob-Meyer-Sternberg/6000000023057512244 https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I6254&lang=de |
| Literatur: | Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009 Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012. |
| Patenschaft: | Bündnis 90/Die Grünen |
| Verlegetermin: | Geplant: April 2023 |


