Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Günther Wolff

Veröffentlicht: 18. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Günther WOLFF
geboren am 16. April 1930 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Flucht nach Palästina 1939, verstorben 1974
Todesort: Gedera
Günther Wolff wird am 16.04.1930 in Aurich geboren. Er ist das zweite Kind von Frida Wolff geb. Valk und Levy Isaak Wolff. Seine ältere Schwester Renate wird am 10.01.1929 in Aurich geboren. Zunächst können wir außer dem Geburtsdatum und den Namen der Eltern nichts über sein Leben erfahren.

Seine Mutter Frida Valk wird am 31.03.1897 in Emden geboren. Sie ist die Tochter von Valk Valk (1855-1941) und Hinderina geb. Fulda (1864-1942), beide geboren in Emden. Frida hat 3 Geschwister, von denen zwei Opfer der Shoa werden (Samuel Erich, + Auschwitz 1943 und Moritz, + 1942 Minsk). Ihre Mutter stirbt 1942 im Ghetto Lodz.

Frida heiratet am 31. Mai 1927 Levy Isaak Wolff aus Aurich.

Levy Isaak Wolff wird am 28.05.1892 geboren. Seine Eltern sind Isaak Abraham Wolff (1848-1933) und Regine Schulenklopper (1853-1936) aus Norden. Die beiden haben sieben Söhnen. Levy ist der 5. in dieser Reihe. Zwei seiner Brüder (Jakob Isaak Wolff, + Minsk 1941 und David Isaak Wolff + Auschwitz 1943) werden Opfer der Shoa, die anderen können nach Südamerika (Abraham und Wilhelm), Palästina (Levy) bzw. in die USA (Joseph und Siegfried) fliehen.

Der Vater von Levy arbeitet wie bereits Generationen vor ihm als Schlachter und Viehhändler und auch Levy wird in diesem Beruf tätig. Zusammen mit seinen Brüdern Abraham und Wilhelm arbeitet er im Betrieb seines Vaters in der Markstraße 5, so erfahren wir es aus dem Einwohnerverzeichnis von 1926.

Renate und Günther Wolff ca. 1932, Foto: privat

Im Juni 1927 ziehen Frida und Levy in ihr eigenes Heim in der Wallstraße 56. Sie bekommen zwei Kinder. Am 10.01.1929 wird ihre Tochter Renate geboren und am 16.04.1930 ihr Sohn Günther.

Wie alle jüdischen Geschäfte leidet auch die Schlachterei der Wolffs unter den schon im April 1933 beginnenden Boykottmaßnahmen der Nazis. Auch in Aurich werden vor jüdischen Geschäften Schilder mit dem Text „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei Juden!“ aufgestellt. So wird ihnen systematisch die Kundschaft und die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Am 24.03.1933 zieht Levy Wolff mit seiner Familie in die Leerer Landstraße 18. Dort wohnt er zusammen mit der Familie Martin Wolff, zu der auch Hannelore Wolff – bekannt durch ihre Rettung auf Schindlers Liste – gehört. Hier stand auch der Fliederbaum, der ihrem Buch „Ich pflanze einen Flieder für Dich“ den Titel gab.

Schon ein Jahr später zieht die Familie Levy Wolff in die Wallstraße 37 zu Calmer und Helene Wolff. Als diese das Haus verlassen müssen, zieht Levy am 2.05.1938 mit seiner Familie zu seinem Bruder Abraham in die Marktstr. 5.  Dieser häufige Wohnungswechsel deutet an, wie schwierig die wirtschaftlichen Verhältnisse für die jüdische Bevölkerung damals gewesen sein müssen.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 bringt mit Plünderungen von Wohnungen und Geschäften, Verschleppung der Juden in die Auricher Bullenhalle, Misshandlungen, Schikanierung und Quälereien durch SA-Männer nicht nur traumatische Erlebnisse für die jüdische Bevölkerung, ihnen wird auch endgültig die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Levy Isaak Wolff wird – wie viele jüdische Auricher Männer – im KZ Sachsenhausen interniert und erst am 15. Dezember 1938 aus der sogenannten „Schutzhaft“ entlassen. Danach steht für ihn fest, dass er mit seiner Familie aus Deutschland fliehen muss.

Nach der Rückkehr aus dem KZ zieht er noch für wenige Monate in die Marktstraße 25 zu Isaak Levy Wolff, der auch in der Schlachterei der Familie in der Marktstraße 5 gearbeitet hatte.

Reisepass Levy Isaak Wolff, Foto: privat

Am 15. Februar 1939 flieht Levy Isaak Wolff mit Frau und Kindern vermutlich mit dem Zug nach Triest und von dort mit dem Schiff nach Palästina. Levys Reisepass existiert noch! Die Kinder Renate und Günther sind damals 10 und 8 Jahre alt. Die Familiengeschichte erzählt, dass Levy beim Verlassen des Hotels am Triester Hafen mit seinem schweren Koffer eine Glastür beschädigte. Ein verständnisvoller Hotelangestellter riet ihm, schnell zu verschwinden, damit er sein Schiff nicht verpassen müsste!

Zunächst war es unmöglich, außer dem Todesjahr von Günther Wolff irgendwelche Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie zu finden.  Aber dank der Verbindungen von Günther Lübbers und der DIG zu früheren Auricher Bürgern und deren Nachkommen, die heute in Israel leben, können wir von Jack de Lowe aus Israel zumindest die Lebensdaten der Familie Wolff und die Eheschließung von Renate Wolff mit Arthur Steinmann erfahren.

Mehr können wir leider zunächst nicht über Renate und Günther herausfinden. Aber dann landen wir

Der von Arthur Steinmann gefertigte Schuh

doch noch einen Treffer im Internet. Auf Facebook finden wir einen Artikel unter dem Motto „Gegenstände erzählen ihre Geschichte“. Es geht um einen Schuh, den Arthur/Asher Steinmann gefertigt hat. Hier erfahren wir mehr über sein Leben und das von Renate Wolff. Mit diesen Informationen können wir über den Synagogen-Verein in Rexingen im Schwarzwald – von dort flohen viele Juden nach Nahariya – eine Verbindung zu Ronit Wolff verh. Schwarz, einer Tochter von Renate Wolff, herstellen. Von ihr erfahren wir viel über ihre Eltern und Großeltern. Sie verfügt über viele Photos und Dokumente und sogar noch über eine Singer Nähmaschine ihrer Großeltern.

Levy und Frieda Wolff in Gedera

Doch zurück zur Familiengeschichte: Levy und Frida Wolff leben mit ihren Kindern zunächst in Gedera, einem kleinen Ort etwa 40 km südlich von Tel Aviv. Frida arbeite in einer Wäscherei und als Reinigungskraft. Levy fand nur Gelegenheitsarbeiten beim Straßenbau. Später findet er Arbeit in einer Molkerei in Gedera.

Die Familie lebt zunächst in nur einem Zimmer bis sie sich einige Jahre später von dem Reparationsgeld eine richtige Wohnung mit Küche und Bad leisten und sogar einen Weinberg kaufen können. Im Jahr 1966 ziehen Levy und Frida

Renate und Günther Wolff ca. 1940, Foto: privat

Wolff von Gedera zu ihrer Tochter Renate nach Nahariya, einem Küstenort etwa 120 km nördlich von Tel Aviv.  Frida Wolff verstirbt am 30.05.1975 im Alter von 78 Jahren, Levy Wolff am 15.03.1979 im Alter von 86 Jahren. Er war ein sehr religiöser Mensch und betete zweimal täglich in der Synagoge.

Günther Wolff ca. 1948, Foto: privat

Ihr Sohn Günther stirbt schon im November 1954 bei einem tragischen Traktorunfall während der Arbeit in einem Kibbuz. Er wird nur 24 Jahre alt.

Ihre Tochter Renate wird nach der Grundschule auf ein Internat nach Tel Aviv geschickt. Später lebt sie in Jerusalem bei einem Bruder ihrer Mutter, Ludwig Valk. In Jerusalem absolviert sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester im Bikur Cholim Hospital . Im Jahr 1952 heiratet sie Asher/Arthur Steinmann.

Arthur Steinmann wird im Jahr 1923 in Gemünden/Wohra (30km nordöstlich von Marburg) geboren. Er flieht 1939 aus Deutschland mit Hilfe der Kinder- und Jugend Aliya, einer jüdischen Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Etwa 21.000 Kinder und Jugendliche konnten auf diese Weise aus dem Nazi-Deutschland entkommen.

Renate Wolff und Asher Steinmann haben zwei Kinder:  Eine Tochter, Ronit, geboren 1954, und einen Sohn, Yigal, geboren 1957. Die Tochter Ronit ist mit Yigal Schwarz verheiratet und hat 3 Kinder.

Aus den Berichten über Arthurs Kindheit erfahren wir von den Schikanen durch Lehrer und Mitschüler, den Rat eines wohlgesonnenen Schulleiters, auszuwandern, die Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina auf einem Bauernhof in der Nähe von Hamburg und die Ankunft in Palästina im März 1939. Bald nach der Ankunft nehmen ihn Verwandte, Max und Pepi Kadden, auf, die in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nahariya leben. Max ist Schumacher und bringt Arthur dieses Handwerk bei. So wurde Arthur/Asher ein erfolgreicher Schuhmacher.

Asher/Arthur Steinmann stirbt im Jahr 2009 im Alter von 86 Jahren. Noch mit 80 Jahren soll er Schuhe gefertigt haben. Seine Frau Renate/Rachel stirbt am 30.08.2010 im Alter von 81 Jahren in Nahariya, ihr Sohn Yigal  am 01.02. 2010 in Haifa.

Dank Ronit Schwarz, der Enkeltochter von Levy und Frida Wolff konnten wir doch noch viel über das Leben der Familie Levy Wolff in Israel herausfinden.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto: Familienbesitz: Ronit Schwarz
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Ronit Schwarz
Objects tell stories: https://www.facebook.com/shaveitzionarchives/posts/2708027426111018?comment_id=2708060512774376
Literatur:
Patenschaft: Ann und Ron Baracker, USA
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Renate Wolff verh. Steinmann

Veröffentlicht: 18. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Renate WOLFF verh. Steinmann
geboren am 10. Januar 1929 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Flucht nach Palästina 1939, verstorben 2010
Todesort: Nahariva
Renate Wolff wird am 10.01.1929 in Aurich geboren. Sie ist das erste Kind von Frida Wolff geb. Valk und Levy Isaak Wolff. Am 16.04.1930 wird ihr Bruder Günther geboren. Zunächst können wir außer dem Geburtsdatum und den Namen der Eltern nichts über ihr Leben erfahren.

Ihre Mutter Frida Valk wird am 31.03.1897 in Emden geboren. Sie ist die Tochter von Valk Valk (1855-1941) und Hinderina geb. Fulda (1864-1942), beide geboren in Emden. Frida hat 3 Geschwister, von denen zwei Opfer der Shoa werden (Samuel Erich, + Auschwitz 1943 und Moritz, + 1942 Minsk). Ihre Mutter stirbt 1942 im Ghetto Lodz.

Frida heiratet am 31. Mai 1927 Levy Isaak Wolff aus Aurich.

Levy Isaak Wolff wird am 28.05.1892 geboren. Seine Eltern sind Isaak Abraham Wolff (1848-1933) und Regine Schulenklopper (1853-1936) aus Norden. Die beiden haben sieben Söhnen. Levy ist der 5. in dieser Reihe. Zwei seiner Brüder (Jakob Isaak Wolff, + Minsk 1941 und David Isaak Wolff + Auschwitz 1943) werden Opfer der Shoa, die anderen können nach Südamerika (Abraham und Wilhelm), Palästina (Levy) bzw. in die USA (Joseph und Siegfried) fliehen.

Der Vater von Levy arbeitet wie bereits Generationen vor ihm als Schlachter und Viehhändler und auch Levy wird in diesem Beruf tätig. Zusammen mit seinen Brüdern Abraham und Wilhelm arbeitet er im Betrieb seines Vaters in der Markstraße 5, so erfahren wir es aus dem Einwohnerverzeichnis von 1926.

Levy Isaak Wolff mit Tochter Renate ca. 1930, Foto: privat

Im Juni 1927 ziehen Frida und Levy in ihr eigenes Heim in der Wallstraße 56. Sie bekommen zwei Kinder. Am 10.01.1929 wird ihre Tochter Renate geboren und am 16.04.1930 ihr Sohn Günther.

Wie alle jüdischen Geschäfte leidet auch die Schlachterei der Wolffs unter den schon im April 1933 beginnenden Boykottmaßnahmen der Nazis. Auch in Aurich werden vor jüdischen Geschäften Schilder mit dem Text „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei Juden!“ aufgestellt. So wird ihnen systematisch die Kundschaft und die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Renate und Günther Wolff ca. 1932, Foto: privat

Am 24.03.1933 zieht Levy Wolff mit seiner Familie in die Leerer Landstraße 18. Dort wohnt er zusammen mit der Familie Martin Wolff, zu der auch Hannelore Wolff – bekannt durch ihre Rettung auf Schindlers Liste – gehört. Hier stand auch der Fliederbaum, der ihrem Buch „Ich pflanze einen Flieder für Dich“ den Titel gab.

Schon ein Jahr später zieht die Familie Levy Wolff in die Wallstraße 37 zu Calmer und Helene Wolff. Als diese das Haus verlassen müssen, zieht Levy am 2.05.1938 mit seiner Familie zu seinem Bruder Abraham in die Marktstr. 5.  Dieser häufige Wohnungswechsel deutet an, wie schwierig die wirtschaftlichen Verhältnisse für die jüdische Bevölkerung damals gewesen sein müssen.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 bringt mit Plünderungen von Wohnungen und Geschäften, Verschleppung der Juden in die Auricher Bullenhalle, Misshandlungen, Schikanierung und Quälereien durch SA-Männer nicht nur traumatische Erlebnisse für die jüdische Bevölkerung, ihnen wird auch endgültig die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Levy Isaak Wolff wird – wie viele jüdische Auricher Männer – im KZ Sachsenhausen interniert und erst am 15. Dezember 1938 aus der sogenannten „Schutzhaft“ entlassen. Danach steht für ihn fest, dass er mit seiner Familie aus Deutschland fliehen muss.

Nach der Rückkehr aus dem KZ zieht er noch für wenige Monate in die Marktstraße 25 zu Isaak Levy Wolff, der auch in der Schlachterei der Familie in der Marktstraße 5 gearbeitet hatte.

Reisepass Levy Isaak Wolff, Foto: privat

Am 15. Februar 1939 flieht Levy Isaak Wolff mit Frau und Kindern vermutlich mit dem Zug nach Triest und von dort mit dem Schiff nach Palästina. Levys Reisepass existiert noch! Die Kinder Renate und Günther sind damals 10 und 8 Jahre alt. Die Familiengeschichte erzählt, dass Levy beim Verlassen des Hotels am Triester Hafen mit seinem schweren Koffer eine Glastür beschädigte. Ein verständnisvoller Hotelangestellter riet ihm, schnell zu verschwinden, damit er sein Schiff nicht verpassen müsste!

Zunächst war es unmöglich, außer dem Todesjahr von Günther Wolff irgendwelche Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie zu finden.  Aber dank der Verbindungen von Günther Lübbers und der DIG zu früheren Auricher Bürgern und deren Nachkommen, die heute in Israel leben, können wir von Jack de Lowe aus Israel zumindest die Lebensdaten der Familie Wolff und die Eheschließung von Renate Wolff mit Arthur Steinmann erfahren.

Mehr können wir leider zunächst nicht über Renate und Günther herausfinden. Aber dann landen wir

Der von Arthur Steinmann gefertigte Schuh

doch noch einen Treffer im Internet. Auf Facebook finden wir einen Artikel unter dem Motto „Gegenstände erzählen ihre Geschichte“. Es geht um einen Schuh, den Arthur/Asher Steinmann gefertigt hat. Hier erfahren wir mehr über sein Leben und das von Renate Wolff. Mit diesen Informationen können wir über den Synagogen-Verein in Rexingen im Schwarzwald – von dort flohen viele Juden nach Nahariya – eine Verbindung zu Ronit Wolff verh. Schwarz, einer Tochter von Renate Wolff, herstellen. Von ihr erfahren wir viel über ihre Eltern und Großeltern. Sie verfügt über viele Photos und Dokumente und sogar noch über eine Singer Nähmaschine ihrer Großeltern.

Levy und Frieda Wolff in Gedera

Doch zurück zur Familiengeschichte: Levy und Frida Wolff leben mit ihren Kindern zunächst in Gedera, einem kleinen Ort etwa 40 km südlich von Tel Aviv. Frida arbeite in einer Wäscherei und als Reinigungskraft. Levy fand nur Gelegenheitsarbeiten beim Straßenbau. Später findet er Arbeit in einer Molkerei in Gedera.

Renate und Günther Wolff in Gedera ca. 1943

Die Familie lebt zunächst in nur einem Zimmer bis sie sich einige Jahre später von dem Reparationsgeld eine richtige Wohnung mit Küche und Bad leisten und sogar einen Weinberg kaufen können. Im Jahr 1966 ziehen Levy und Frida Wolff von Gedera zu ihrer Tochter Renate nach Nahariya, einem Küstenort etwa 120 km nördlich von Tel Aviv.  Frida Wolff verstirbt am 30.05.1975 im Alter von 78 Jahren, Levy Wolff am 15.03.1979 im Alter von 86 Jahren. Er war ein sehr religiöser Mensch und betete zweimal täglich in der Synagoge.

Ihr Sohn Günther stirbt schon im November1954 bei einem tragischen Traktorunfall während der Arbeit in einem Kibbuz. Er wird nur 24 Jahre alt.

Renate Wolff ca. 1948, Foto: privat

Ihre Tochter Renate wird nach der Grundschule auf ein Internat nach Tel Aviv geschickt. Später lebt sie in Jerusalem bei einem Bruder ihrer Mutter, Ludwig Valk. In Jerusalem absolviert sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester im Bikur Cholim Hospital. Im Jahr 1952 heiratet sie Asher/Arthur Steinmann.

Arthur Steinmann wird im Jahr 1923 in Gemünden/Wohra (30km nordöstlich von Marburg) geboren. Er flieht 1939 aus Deutschland mit Hilfe der Kinder- und Jugend Aliya, einer jüdischen Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Etwa 21.000 Kinder und Jugendliche konnten auf diese Weise aus dem Nazi-Deutschland entkommen.

Renate Wolff und Asher Steinmann haben zwei Kinder:  Eine Tochter, Ronit, geboren 1954, und einen Sohn, Yigal, geboren 1957. Die Tochter Ronit ist mit Yigal Schwarz verheiratet und hat 3 Kinder.

Aus den Berichten über Arthurs Kindheit erfahren wir von den Schikanen durch Lehrer und Mitschüler, den Rat eines wohlgesonnenen Schulleiters, auszuwandern, die Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina auf einem Bauernhof in der Nähe von Hamburg und die Ankunft in Palästina im März 1939. Bald nach der Ankunft nehmen ihn Verwandte, Max und Pepi Kadden, auf, die in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nahariya leben. Max ist Schumacher und bringt Arthur dieses Handwerk bei. So wurde Arthur/Asher ein erfolgreicher Schuhmacher.

Asher/Arthur Steinmann stirbt im Jahr 2009 im Alter von 86 Jahren. Noch mit 80 Jahren soll er Schuhe gefertigt haben. Seine Frau Renate/Rachel stirbt am 30.08.2010 im Alter von 81 Jahren in Nahariya, ihr Sohn Yigal  am 01.02. 2010 in Haifa.

Dank Ronit Schwarz, der Enkeltochter von Levy und Frida Wolff konnten wir doch noch viel über das Leben der Familie Levy Wolff in Israel herausfinden.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto: Familienbesitz: Ronit Schwarz
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Ronit Schwarz
Objects tell stories: https://www.facebook.com/shaveitzionarchives/posts/2708027426111018?comment_id=2708060512774376
Literatur:
Patenschaft: Hans-Jürgen Westermayer
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Frida Wolff geb. Valk

Veröffentlicht: 18. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Frida WOLFF geb. Valk
geboren am 31. März 1897 in Emden

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Flucht nach Palästina 1939, verstorben 1975
Todesort: Nahariya
Frida Valk wird am 31.03.1897 in Emden geboren. Sie ist die Tochter von Valk Valk (1855-1941) und Hinderina geb. Fulda (1864-1942), beide geboren in Emden. Frida hat 3 Geschwister, von denen zwei Opfer der Shoa werden (Samuel Erich, + Auschwitz 1943 und Moritz, + 1942 Minsk). Ihre Mutter stirbt 1942 im Ghetto Lodz.

Frida heiratet am 31. Mai 1927 Levy Isaak Wolff aus Aurich.

Levy Isaak Wolff wird am 28.05.1892 geboren. Seine Eltern sind Isaak Abraham Wolff (1848-1933) und Regine Schulenklopper (1853-1936) aus Norden. Die beiden haben sieben Söhne. Levy ist der 5. in dieser Reihe. Zwei seiner Brüder (Jakob Isaak Wolff, + Minsk 1941 und David Isaak Wolff + Auschwitz 1943) werden Opfer der Shoa, die anderen können nach Südamerika (Abraham und Wilhelm), Palästina (Levy) bzw. in die USA (Joseph und Siegfried) fliehen.

Der Vater von Levy arbeitet wie bereits Generationen vor ihm als Schlachter und Viehhändler und auch Levy wird in diesem Beruf tätig. Zusammen mit seinen Brüdern Abraham und Wilhelm arbeitet er im Betrieb seines Vaters in der Markstraße 5, so erfahren wir es aus dem Einwohnerverzeichnis von 1926.

Levy Isaak Wolff mit Tochter Renate ca. 1930, Foto: privat

Im Juni 1927 ziehen Frida und Levy in ihr eigenes Heim in der Wallstraße 56. Sie bekommen zwei Kinder. Am 10.01.1929 wird ihre Tochter Renate geboren und am 16.04.1930 ihr Sohn Günther.

Wie alle jüdischen Geschäfte leidet auch die Schlachterei der Wolffs unter den schon im April 1933 beginnenden Boykottmaßnahmen der Nazis. Auch in Aurich werden vor jüdischen Geschäften Schilder mit dem Text „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei Juden!“ aufgestellt. So wird ihnen systematisch die Kundschaft und die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Renate und Günther Wolff ca. 1932, Foto: privat

Am 24.03.1933 zieht Levy Wolff mit seiner Familie in die Leerer Landstraße 18. Dort wohnt er zusammen mit der Familie Martin Wolff, zu der auch Hannelore Wolff – bekannt durch ihre Rettung auf Schindlers Liste – gehört. Hier stand auch der Fliederbaum, der ihrem Buch „Ich pflanze einen Flieder für Dich“ den Titel gab.

Schon ein Jahr später zieht die Familie Levy Wolff in die Wallstraße 37 zu Calmer und Helene Wolff. Als diese das Haus verlassen müssen, zieht Levy am 2.05.1938 mit seiner Familie zu seinem Bruder Abraham in die Marktstr. 5.  Dieser häufige Wohnungswechsel deutet an, wie schwierig die wirtschaftlichen Verhältnisse für die jüdische Bevölkerung damals gewesen sein müssen.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 bringt mit Plünderungen von Wohnungen und Geschäften, Verschleppung der Juden in die Auricher Bullenhalle, Misshandlungen, Schikanierung und Quälereien durch SA-Männer nicht nur traumatische Erlebnisse für die jüdische Bevölkerung, ihnen wird auch endgültig die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Levy Isaak Wolff wird – wie viele jüdische Auricher Männer – im KZ Sachsenhausen interniert und erst am 15. Dezember 1938 aus der sogenannten „Schutzhaft“ entlassen. Danach steht für ihn fest, dass er mit seiner Familie aus Deutschland fliehen muss.

Reisepass Levy Isaak Wolff, Foto: privat

Nach der Rückkehr aus dem KZ zieht er noch für wenige Monate in die Marktstraße 25 zu Isaak Levy Wolff, der auch in der Schlachterei der Familie in der Marktstraße 5 gearbeitet hatte.

Am 15. Februar 1939 flieht Levy Isaak Wolff mit Frau und Kindern vermutlich mit dem Zug nach Triest und von dort mit dem Schiff nach Palästina. Levys Reisepass existiert noch! Die Kinder Renate und Günther sind damals 10 und 8 Jahre alt. Die Familiengeschichte erzählt, dass Levy beim Verlassen des Hotels am Triester Hafen mit seinem schweren Koffer eine Glastür beschädigte. Ein verständnisvoller Hotelangestellter riet ihm, schnell zu verschwinden, damit er sein Schiff nicht verpassen müsste!

Zunächst war es unmöglich, außer dem Todesjahr von Günther Wolff irgendwelche Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie zu finden.  Aber dank der Verbindungen von Günther Lübbers und der DIG zu früheren Auricher Bürgern und deren Nachkommen, die heute in Israel leben, können wir von Jack de Lowe aus Israel zumindest die Lebensdaten der Familie Wolff und die Eheschließung von Renate Wolff mit Arthur Steinmann erfahren.

Der von Arthur Steinmann gefertigte Schuh

Mehr können wir leider zunächst nicht über Renate und Günther herausfinden. Aber dann landen wir doch noch einen Treffer im Internet. Auf Facebook finden wir einen Artikel unter dem Motto „Gegenstände erzählen ihre Geschichte“. Es geht um einen Schuh, den Arthur/Asher Steinmann gefertigt hat. Hier erfahren wir mehr über sein Leben und das von Renate Wolff. Mit diesen Informationen können wir über den Synagogen-Verein in Rexingen im Schwarzwald – von dort flohen viele Juden nach Nahariya – eine Verbindung zu Ronit Wolff verh. Schwarz, einer Tochter von Renate Wolff, herstellen. Von ihr erfahren wir viel über ihre Eltern und Großeltern. Sie verfügt über viele Fotos und Dokumente und sogar noch über eine Singer Nähmaschine ihrer Großeltern.

Levy und Frieda Wolff in Gedera

Doch zurück zur Familiengeschichte: Levy und Frida Wolff leben mit ihren Kindern zunächst in Gedera, einem kleinen Ort etwa 40 km südlich von Tel Aviv. Frida arbeitet in einer Wäscherei und als Reinigungskraft. Levy fand nur Gelegenheitsarbeiten beim Straßenbau. Später findet er Arbeit in einer Molkerei in Gedera.

Die Familie lebt zunächst in nur einem Zimmer bis sie sich einige Jahre später von dem Reparationsgeld eine richtige Wohnung mit Küche und Bad leisten und sogar

Levy unf Frida in ihrem Weinberg, Foto: privat

einen Weinberg kaufen können. Im Jahr 1966 ziehen Levy und Frida Wolff von Gedera zu ihrer Tochter Renate nach Nahariya, einem Küstenort etwa 120 km nördlich von Tel Aviv.  Frida Wolff verstirbt am 30.05.1975 im Alter von 78 Jahren, Levy Wolff am 15.03.1979 im Alter von 86 Jahren. Er war ein sehr religiöser Mensch und betete zweimal täglich in der Synagoge.

Ihr Sohn Günther stirbt schon im November 1954 bei einem tragischen Traktorunfall während der Arbeit in einem Kibbuz. Er wird nur 24 Jahre alt.

Ihre Tochter Renate wird nach der Grundschule auf ein Internat nach Tel Aviv geschickt. Später lebt sie in Jerusalem bei einem Bruder ihrer Mutter, Ludwig Valk. In Jerusalem absolviert sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester im Bikur Cholim Hospital . Im Jahr 1952 heiratet sie Asher/Arthur Steinmann.

Arthur Steinmann wird im Jahr 1923 in Gemünden/Wohra (30km nordöstlich von Marburg) geboren. Er flieht 1939 aus Deutschland mit Hilfe der Kinder- und Jugend-Aliya, einer jüdischen Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Etwa 21.000 Kinder und Jugendliche konnten auf diese Weise aus dem Nazi-Deutschland entkommen.

Renate Wolff und Asher Steinmann haben zwei Kinder:  Eine Tochter, Ronit, geboren 1954, und einen Sohn, Yigal, geboren 1957. Die Tochter Ronit ist mit Yigal Schwarz verheiratet und hat 3 Kinder.

Aus den Berichten über Arthurs Kindheit erfahren wir von den Schikanen durch Lehrer und Mitschüler, den Rat eines wohlgesonnenen Schulleiters, auszuwandern, die Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina auf einem Bauernhof in der Nähe von Hamburg und die Ankunft in Palästina im März 1939. Bald nach der Ankunft nehmen ihn Verwandte, Max und Pepi Kadden, auf, die in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nahariya leben. Max ist Schumacher und bringt Arthur dieses Handwerk bei. So wurde Arthur/Asher ein erfolgreicher Schuhmacher.

Asher/Arthur Steinmann stirbt im Jahr 2009 im Alter von 86 Jahren. Noch mit 80 Jahren soll er Schuhe gefertigt haben. Seine Frau Renate/Rachel stirbt am 30.08.2010 im Alter von 81 Jahren in Nahariya, ihr Sohn Yigal am 01.02. 2010 in Haifa.

Dank Ronit Schwarz, der Enkeltochter von Levy und Frida Wolff, konnten wir doch noch viel über das Leben der Familie Levy Wolff in Israel herausfinden.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto: Familienbesitz: Ronit Schwarz
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Ronit Schwarz
Objects tell stories: https://www.facebook.com/shaveitzionarchives/posts/2708027426111018?comment_id=2708060512774376
Literatur:
Patenschaft: Kati Valk und Cindy Valk-Danish
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Levy Isaak Wolff

Veröffentlicht: 18. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Levy Isaak WOLFF
geboren am 28. Mai 1892 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Flucht nach Palästina 1939, verstorben 1979
Todesort: Nahariya
Levy Isaak Wolff wird am 28.05.1892 geboren. Seine Eltern sind Isaak Abraham Wolff (1848-1933) und Regine Schulenklopper (1853-1936) aus Norden. Die beiden haben sieben Söhnen. Levy ist der 5. in dieser Reihe. Zwei seiner Brüder (Jakob Isaak Wolff, + Minsk 1941 und David Isaak Wolff + Auschwitz 1943) werden Opfer der Shoa, die anderen können nach Südamerika (Abraham und Wilhelm), Palästina (Levy) bzw. in die USA (Joseph und Siegfried) fliehen.

Der Vater von Levy arbeitet wie bereits Generationen vor ihm als Schlachter und Viehhändler und auch Levy wird in diesem Beruf tätig. Zusammen mit seinen Brüdern Abraham und Wilhelm arbeitet er im Betrieb seines Vaters in der Markstraße 5, so erfahren wir es aus dem Einwohnerverzeichnis von 1926.

Am 31. Mai 1927 heiratet Levy die am 31.03.1897 in Emden geborene Frida Valk. Sie ist die Tochter von Valk Valk und Hinderina geb. Fulda, beide geboren in Emden. Frida hat 3 Geschwister, von denen zwei Opfer der Shoa werden (Samuel Erich, + Auschwitz 1943 und Moritz, + 1942 Minsk). Ihre Mutter stirbt 1942 im Ghetto Lodz.

Levy Isaak Wolff mit Tochter Renate ca. 1930, Foto: privat

Im Juni 1927 ziehen Levy und Frida in ihr eigenes Heim in der Wallstraße 56. Sie bekommen zwei Kinder. Am 10.01.1929 wird ihre Tochter Renate geboren und am 16.04.1930 ihr Sohn Günther.

Wie alle jüdischen Geschäfte leidet auch die Schlachterei der Wolffs unter den schon im April 1933 beginnenden Boykottmaßnahmen der Nazis. Auch in Aurich werden vor jüdischen Geschäften Schilder mit dem Text „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei Juden!“ aufgestellt. So wird ihnen systematisch die Kundschaft und die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Am 24.03.1933 zieht Levy Wolff mit seiner Familie in die Leerer Landstraße 18. Dort wohnt er zusammen mit der Familie Martin Wolff, zu der auch Hannelore Wolff – bekannt durch ihre Rettung auf Schindlers Liste – gehört. Hier stand auch der Fliederbaum, der ihrem Buch „Ich pflanze einen Flieder für Dich“ den Titel gab.

Renate und Günther Wolff ca. 1932, Foto: privat

Schon ein Jahr später zieht die Familie Levy Wolff in die Wallstraße 37 zu Calmer und Helene Wolff. Als diese das Haus verlassen müssen, zieht Levy am 2.05.1938 mit seiner Familie zu seinem Bruder Abraham in die Marktstr. 5.  Dieser häufige Wohnungswechsel deutet an, wie schwierig die wirtschaftlichen Verhältnisse für die jüdische Bevölkerung damals gewesen sein müssen.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 bringt mit Plünderungen von Wohnungen und Geschäften, Verschleppung der Juden in die Auricher Bullenhalle, Misshandlungen, Schikanierung und Quälereien durch SA-Männer nicht nur traumatische Erlebnisse für die jüdische Bevölkerung, ihnen wird auch endgültig die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Levy Isaak Wolff wird – wie viele jüdische Auricher Männer – im KZ Sachsenhausen interniert und erst am 15. Dezember 1938 aus der sogenannten „Schutzhaft“ entlassen. Danach steht für ihn fest, dass er mit seiner Familie aus Deutschland fliehen muss.

Nach der Rückkehr aus dem KZ zieht er noch für wenige Monate in die Marktstraße 25 zu Isaak Levy Wolff, der auch in der Schlachterei der Familie in der Marktstraße 5 gearbeitet hatte.

Reisepass Levy Isaak Wolff 26.01.1939, Foto: privat

Am 15. Februar 1939 flieht Levy Isaak Wolff mit Frau und Kindern vermutlich mit dem Zug nach Triest und von dort mit dem Schiff nach Palästina. Levys Reisepass existiert noch! Die Kinder Renate und Günther sind damals 10 und 8 Jahre alt. Die Familiengeschichte erzählt, dass Levy beim Verlassen des Hotels am Triester Hafen mit seinem schweren Koffer eine Glastür beschädigte. Ein verständnisvoller Hotelangestellter riet ihm, schnell zu verschwinden, damit er sein Schiff nicht verpassen müsste!

Zunächst war es unmöglich, außer dem Todesjahr von Günther Wolff irgendwelche Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie zu finden.  Aber dank der Verbindungen von Günther Lübbers und der DIG zu früheren Auricher Bürgern und deren Nachkommen, die heute in Israel leben, können wir von Jack de Lowe aus Israel zumindest die Lebensdaten der Familie Wolff und die Eheschließung von Renate Wolff mit Arthur Steinmann erfahren.

Der von Arthur Steinmann gefertigte Schuh

Mehr können wir leider zunächst nicht über Renate und Günther herausfinden. Aber dann landen wir doch noch einen Treffer im Internet. Auf Facebook finden wir einen Artikel unter dem Motto „Gegenstände erzählen ihre Geschichte“. Es geht um einen Schuh, den Arthur/Asher Steinmann gefertigt hat. Hier erfahren wir mehr über sein Leben und das von Renate Wolff. Mit diesen Informationen können wir über den Synagogen-Verein in Rexingen im Schwarzwald – von dort flohen viele Juden nach Nahariya – eine Verbindung zu Ronit Wolff verh. Schwarz, einer Tochter von Renate Wolff, herstellen. Von ihr erfahren wir viel über ihre Eltern und Großeltern. Sie verfügt über viele Photos und Dokumente und sogar noch über eine Singer Nähmaschine ihrer Großeltern.

Levy und Frida Wolff in Gedera

Doch zurück zur Familiengeschichte: Levy und Frida Wolff leben mit ihren Kindern zunächst in Gedera, einem kleinen Ort etwa 40 km südlich von Tel Aviv. Frida arbeite in einer Wäscherei und als Reinigungskraft. Levy fand nur Gelegenheitsarbeiten beim Straßenbau. Später findet er Arbeit in einer Molkerei in Gedera.

Die Familie lebt zunächst in nur einem Zimmer bis sie sich einige

Levy und Frida in ihrem Weinberg, Foto: privat

Jahre später von dem Reparationsgeld eine richtige Wohnung mit Küche und Bad leisten und sogar einen Weinberg kaufen können. Im Jahr 1966 ziehen Levy und Frida Wolff von Gedera zu ihrer Tochter Renate nach Nahariya, einem Küstenort etwa 120 km nördlich von Tel Aviv.  Frida Wolff verstirbt am 30. Mai 1975 im Alter von 78 Jahren, Levy Wolff vier Jahre später am 15.03.1979 im Alter von 86 Jahren. Er war ein sehr religiöser Mensch und betete zweimal täglich in der Synagoge.

Ihr Sohn Günther stirbt schon im November 1954 bei einem tragischen Traktorunfall während der Arbeit in einem Kibbuz. Er wird nur 24 Jahre alt.

Ihre Tochter Renate wird nach der Grundschule auf ein Internat nach Tel Aviv geschickt. Später lebt sie in Jerusalem bei einem Bruder ihrer Mutter, Ludwig Valk. In Jerusalem absolviert sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwesterim Bikur Cholim Hospital. Im Jahr 1952 heiratet sie Asher/Arthur Steinmann.

Arthur Steinmann wird im Jahr 1923 in Gemünden/Wohra (30km nordöstlich von Marburg) geboren. Er flieht 1939 aus Deutschland mit Hilfe der Kinder- und Jugend Aliya, einer jüdischen Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Etwa 21.000 Kinder und Jugendliche konnten auf diese Weise aus dem Nazi-Deutschland entkommen.

Renate Wolff und Asher Steinmann haben zwei Kinder:  Eine Tochter, Ronit, geboren 1954, und einen Sohn, Yigal, geboren 1957. Die Tochter Ronit ist mit Yigal Schwarz verheiratet und hat 3 Kinder.

Aus den Berichten über Arthurs Kindheit erfahren wir von den Schikanen durch Lehrer und Mitschüler, den Rat eines wohlgesonnenen Schulleiters, auszuwandern, die Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina auf einem Bauernhof in der Nähe von Hamburg und die Ankunft in Palästina im März 1939. Bald nach der Ankunft nehmen ihn Verwandte, Max und Pepi Kadden, auf, die in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nahariya leben. Max ist Schumacher und bringt Arthur dieses Handwerk bei. So wurde Arthur/Asher ein erfolgreicher Schuhmacher.

Asher/Arthur Steinmann stirbt im Jahr 2009 im Alter von 86 Jahren. Noch mit 80 Jahren soll er Schuhe gefertigt haben. Seine Frau Renate/Rachel stirbt ebenso wie ihr Sohn Yigal im Jahr 2010. Sie wird 81 Jahre alt.

Dank Ronit Schwarz, der Enkeltochter von Levy und Frida Wolff konnten wir doch noch viel über das Leben der Familie Levy Wolff in Israel herausfinden.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto: Familienbesitz: Ronit Schwarz
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Ronit Schwarz
Literatur:
Patenschaft: Matthäus Kirchengemeinde Wallinghausen
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Herta Wolff geb. Ronsheim

Veröffentlicht: 16. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Herta WOLFF geb. Ronsheim
geboren am 12. November 1912 in Abterode, Kreis Eschwege

Straße: Osterstraße 27
Todesdatum: Flucht nach Argentinien 1938, verstorben 1968
Todesort: Buenos Aires
Herta Ronsheim wird am 12.11.1912 in Abterode, Kreis Eschwege geboren. Ihre Eltern sind Moses (1870-1935) und Ida Ronsheim geb. Laub (*1874). Herta hat einen älteren Bruder Max Ronsheim (*20.04.1900).

Herta Wolff geb. Rosheim, Foto: geni.com

Herta heiratet am 29.11.1933 den 10 Jahre älteren Jakob Wolff aus Aurich. Zwei ihrer Kusinen, auch wohnhaft in Abterode, heiraten ebenfalls nach Aurich. So heiratet Rosi Ronsheim 1938 den Auricher Arzt Dr. Manfred Hoffmann und deren Schwester Bettina den Auricher Siegfried Wolff.

Hertas Ehemann Jakob Wolff wird am 3. Juli1902 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers David Levy Wolff (1847-1911) und seiner Frau Marianne geb. von Oss (1855-1931) in Aurich geboren. Jakob ist das jüngste von 15 Kindern. Fünf seiner Geschwister sterben bereits im Kindesalter. Sieben Geschwister werden Opfer des Völkermordes an den Juden. Nur drei der Kinder, darunter Jakob, können vor dem Naziterror noch rechtzeitig fliehen.

Jakobs Eltern wohnen in der Wallstraße 16. Sein Vater stirbt 1911 im Alter von 64 Jahren. Jakob ist zu diesem Zeitpunkt erst 9 Jahre alt. Seine Mutter und die älteren Geschwister kümmern sich um ihn.

Später arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Julius im Haus der Eltern als Viehhändler (Einwohnerverzeichnis 1926).

Als er von zu Hause auszieht, wohnt er für ein Jahr in der Esenser Straße 12 und zieht im März 1933 zu seinem Bruder Julius Wolff in die Norderstraße 18.

Jakob und Herta ziehen gleich nach ihrer Eheschließung im November 1933 in die Osterstraße 27 und wohnen dort für dreieinhalb Jahre. Am 30.08.1934 wird ihr Sohn Dietz geboren.

Im August 1938 gelingt Jakob mit Frau und Sohn die Flucht nach Argentinien. Die Reichspogromnacht müssen sie nicht miterleben. Anders ergeht es Hertas Bruder, dem Viehhändler Max Ronsheim, in Abterode. Er wird in der Reichspogromnacht durch die Stadt gehetzt und beinahe von der Empore der Synagoge gestützt, wenn der Pfarrer des Ortes nicht eingeschritten wäre.

Bei der ersten Woche der Begegnung in Aurich im Jahr 1992, zu der frühere jüdische Einwohner Aurichs und deren Angehörige aus aller Welt eingeladen sind, kommt auch Dietz/Diego Wolff mit seiner Frau Dora nach Aurich. Davon gibt es einige Fotos.

Genaueres über sein Leben in Buenos Aires und über das seiner Eltern konnten wir zunächst nicht in Erfahrung bringen. Mit Hilfe von Tito Wolff – ganz herzlichen Dank dafür an dieser Stelle, lieber Tito! – konnten wir Kontakt zu einer Tochter von Diego, zu Irene Wolff, herstellen. Sie freute sich sehr über den Kontakt zu uns und nimmt über Videotelefon an der Verlegung der Steine für ihren Vater und ihre Großeltern teil.

Von Irene Wolff bekamen wir dann viele Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie in Buenos Aires.

Jakob Wolff, Foto: geni.com

Jakob, Herta und ihr Sohn Diego Wolff kommen am 19.09.1938 mit dem Schiff GROIX aus Hamburg in Buenos Aires in Argentinien an. Eine Passagierliste, auf der sich ihre Namen finden, ist noch erhalten. Auch Hertas Kusine Bettina und ihr Ehemann Siegfried Wolff befinden sich an Bord der GROIX.

Nach ihrer Ankunft bleiben sie zunächst im „Hotel de los Immigrants“. Hier konnten direkt am Hafen bis zu 4.000 Einwanderer vorübergehend untergebracht werden. Nach einigen Tagen finden sie in der Stadt eine Unterkunft.

Jakob findet zunächst Arbeit in einem Vorort von Buenos Aires und betreibt später ein Feinkostgeschäft namens „Spineto“ auf einem Markt.

Am 29.12.1943 bekommen Herta und Jakob Wolff einen zweiten Sohn. Er wird Mario José genannt. Seine Tochter Roxana Hilda, geboren 26.06.1970, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Diego Wolff ist 1938 bei der Ankunft in Argentinien vier Jahre alt. Er muss zunächst für einige Monate mit einer schweren Bindehautentzündung im Krankenhaus behandelt werden.

Nach dem Abitur richtet sich Diego im hinteren Teil seines Elternhauses eine Metallwerkstatt ein. Im Laufe der Zeit, mit viel Mühe und Arbeit, gründet er eine Autoteilefirma.

Diegos große Leidenschaft ist der Wasserballsport. Er ist sehr talentiert, trainiert fleißig und wird 1959 sogar in die Argentinische Wasserball Nationalmannschaft aufgenommen. Auf der Position des Torhüters gewinnt er mit der Nationalmannschaft bei den Panamerikanischen Spielen 1959 die Silbermedaille und 1963 die Bronzemedaille. Er nimmt 1960 auch an den Olympischen Spielen in Rom teil. Als herausragender Schwimmsportler wird er in der „International Swimming Hall of Fame“ in Fort Lauderdale, Florida, geehrt.

Diego und Dora Wolff bei der Begegnugswoche 1992 auf Norderney, Foto: G. Lübbers

Diego heiratet am 26.12.1959 Doris Lowenstein, nun Dora genannt. Sie ist Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer, die ebenfalls vor dem Nazi-Terror aus Deutschland geflohen waren.

Diego und Dora haben 2 Kinder: Irene und Eduardo.

Irene, geboren am 3.07.1963, ist Sportlehrerin und arbeitet als Lehrerin und Studienleiterin. Sie ging in diesem Jahr (2021) in den Ruhestand.

Irene ist mit Eduardo Katzenell verheiratet, Sohn eines österreichischen Vaters und einer deutschen Mutter, die aufgrund ihres jüdischen Status aus ihrer Heimat geflohen sind. Sie haben 2 Kinder: Nicolas, 25 Jahre, studiert Ernährungswissenschaft und Micaela 21 Jahre alt, studiert Betriebswirtschaftslehre.

Das zweite Kind von Diego und Dora, Eduardo German, geboren am 11.10.1965, ist klinischer Arzt und arbeitet in einer renommierten Klinik in der Stadt Buenos Aires. Er ist mit Laura Solari verheiratet, sie haben keine Kinder.

Diegos Mutter Herta verstirbt 1968 im Alter von 56 Jahren, sein Vater Jakob 1982 im Alter von 80 Jahren. Beide sind in Buenos Aires bestattet.

Diego Wolff stirbt im Jahr 2010 im Alter von 76 Jahren.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Irene Wolff
Literatur:
Patenschaft: Bündnis „Aurich zeigt Gesicht“
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

 

 

 

Dietz „Diego“ Wolff

Veröffentlicht: 16. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Dietz „Diego“ WOLFF
geboren am 30. August 1934 in Aurich

Straße: Osterstraße 27
Todesdatum: Flucht nach Argentinien 1938, verstorben 2010
Todesort: Buenos Aires
Dietz Wolff wird am 30.08.1934 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Jakob Wolff und Herta Wolff geb. Ronsheim. In Argentinien nennt er sich Diego.

Herta Wolff geb. Rosheim, Foto: geni.com

Diegos Mutter Herta Ronsheim wird am 12.11.1912 in Abterode, Kreis Eschwege geboren. Ihre Eltern sind Moses (1870-1935) und Ida Ronsheim geb. Laub (*1874). Herta hat einen älteren Bruder Max Ronsheim (*20.04.1900).
Herta heiratet am 29.11.1933 den 10 Jahre älteren Jakob Wolff aus Aurich. Zwei ihrer Kusinen, auch wohnhaft in Abterode, heiraten ebenfalls nach Aurich. So heiratet Rosi Ronsheim 1938 den Auricher Arzt Dr. Manfred Hoffmann und deren Schwester Bettina den Auricher Siegfried Wolff.

Diegos Vater Jakob Wolff wird am 3. Juli1902 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers David Levin Wolff (1847-1911) und seiner Frau Marianne geb. von Oss (1855-1931) in Aurich geboren. Jakob ist das jüngste von 15 Kindern. Fünf seiner Geschwister sterben bereits im Kindesalter. Sieben Geschwister werden Opfer des Völkermordes an den Juden. Nur drei der Kinder, darunter Jakob, können vor dem Naziterror noch rechtzeitig fliehen.

Jakobs Eltern wohnen in der Wallstraße 16. Sein Vater stirbt 1911 im Alter von 64 Jahren. Jakob ist zu diesem Zeitpunkt erst 9 Jahre alt. Seine Mutter und die älteren Geschwister kümmern sich um ihn.

Jakob Wolff, Foto: geni.com

Später arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Julius im Haus der Eltern als Viehhändler (Einwohnerverzeichnis 1926).
Als er von zu Hause auszieht, wohnt er für ein Jahr in der Esenser Str. 12 und zieht im März 1933 zu seinem Bruder Julius Wolff in die Norder Str. 18.

Jakob und Herta ziehen gleich nach ihrer Eheschließung im November 1933 in die Osterstraße 27 und wohnen dort für dreieinhalb Jahre. Dort wird auch am 30.08.1934 ihr erster Sohn Dietz geboren.

Im August 1938 gelingt Jakob mit Frau und Sohn die Flucht nach Argentinien. Die Reichspogromnacht müssen sie nicht miterleben. Anders ergeht es Hertas Bruder, dem Viehhändler Max Ronsheim, in Abterode. Er wird in der Reichspogromnacht durch die Stadt gehetzt und beinahe von der Empore der Synagoge gestützt, wenn der Pfarrer des Ortes nicht eingeschritten wäre.

Dietz/Diego und Doris/Dora Wolff bei der Begegnungswoche 1992 in Aurich, Foto: G. Lübbers

Bei der ersten Woche der Begegnung in Aurich im Jahr 1992, zu der frühere jüdische Einwohner Aurichs und deren Angehörige aus aller Welt eingeladen sind, kommt auch Dietz/Diego Wolff mit seiner Frau Dora nach Aurich. Davon gibt es einige Fotos.

Genaueres über sein Leben in Buenos Aires und über das seiner Eltern konnten wir zunächst nicht in Erfahrung bringen.

Mit Hilfe von Tito Wolff konnten wir Kontakt zu einer Tochter von Diego, zu Irene Wolff, herstellen. Sie freute sich sehr über den Kontakt zu uns und nahm über Videotelefon an der Verlegung der Steine für ihren Vater und ihre Großeltern teil.

Von Irene Wolff bekamen wir dann viele Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie in Buenos Aires.

Jakob, Herta und ihr Sohn Dietz Wolff kommen am 19.09.1938 mit dem Schiff GROIX aus Hamburg in Buenos Aires in Argentinien an. Eine Passagierliste, auf der sich ihre Namen finden, ist noch erhalten. Auch Hertas Kusine Bettina und ihr Ehemann Siegfried Wolff befinden sich an Bord der GROIX.

Nach ihrer Ankunft bleiben sie zunächst im „Hotel de los immigrants“. Hier konnten direkt am Hafen bis zu 4.000 Einwanderer vorübergehend untergebracht werden. Nach einigen Tagen finden sie in der Stadt eine Unterkunft.

Jakob findet zunächst Arbeit in einem Vorort von Buenos Aires und betreibt später ein Feinkostgeschäft namens „Spineto“ auf einem Markt.

Am 29.12.1943 bekommen Herta und Jakob Wolff einen zweiten Sohn. Er wird Mario José genannt. Seine Tochter Roxana Hilda, geboren 26.06.1970, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Diego Wolff ist 1938 bei der Ankunft in Argentinien vier Jahre alt. Er muss zunächst für einige Monate mit einer schweren Bindehautentzündung im Krankenhaus behandelt werden.

Nach dem Abitur richtet sich Diego im hinteren Teil seines Elternhauses eine Metallwerkstatt ein. Im Laufe der Zeit, mit viel Mühe und Arbeit, gründet er eine Autoteilefirma.

Diegos große Leidenschaft ist der Wasserballsport. Er ist sehr talentiert, trainiert fleißig und wird 1959 sogar in die Argentinische Wasserball Nationalmannschaft aufgenommen. Auf der Position des Torhüters gewinnt er mit der Nationalmannschaft bei den Panamerikanischen Spielen 1959 die Silbermedaille und 1963 die Bronzemedaille. Er nimmt 1960 auch an den Olympischen Spielen in Rom teil. Als herausragender Schwimmsportler wird er in der „International Swimming Hall of Fame“ in Fort Lauderdale, Florida, geehrt.

Diego heiratet am 26.12.1959 Doris Lowenstein, nun Dora genannt. Sie ist Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer, die ebenfalls vor dem Nazi-Terror aus Deutschland geflohen waren.

Diego und Dora haben 2 Kinder: Irene und Eduardo.

Irene Wolff-Katzenell mit ihren Kindern Nicolas und Micaela in der „International Swimming Hall of Fame“

Irene, geboren am 3.07.1963, ist Sportlehrerin und arbeitet als Lehrerin und Studienleiterin. Sie ging in diesem Jahr (2021) in den Ruhestand.

Irene ist mit Eduardo Katzenell verheiratet, Sohn eines österreichischen Vaters und einer deutschen Mutter, die aufgrund ihres jüdischen Status aus ihrer Heimat geflohen sind. Sie haben 2 Kinder: Nicolas, 25 Jahre, studiert Ernährungswissenschaft und Micaela 21 Jahre alt, studiert Betriebswirtschaftslehre.

Das zweite Kind von Diego und Dora, Eduardo German, geboren am 11.10.1965, ist klinischer Arzt und arbeitet in einer renommierten Klinik in der Stadt Buenos Aires. Er ist mit Laura Solari verheiratet, sie haben keine Kinder.

Diegos Mutter Herta verstirbt 1968 im Alter von 56 Jahren, sein Vater Jakob 1982 im Alter von 80 Jahren. Beide sind in Buenos Aires bestattet.

„Diego Wolff stirbt im Jahr 2010 im Alter von 76 Jahren.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Irene Wolff
Literatur:
Patenschaft: Elfriede und Günther Lübbers
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

 

 

 

Jakob Wolff

Veröffentlicht: 16. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Jakob WOLFF
geboren am 3. Juli 1902 in Aurich

Straße: Osterstraße 27
Todesdatum: Flucht nach Argentinien 1938, verstorben 1982
Todesort: Buenos Aires

Marianne Wolff geb. von Oss (1855-1931), Mutter von Jakob Wolff, Foto: geni.com

Jakob Wolff wird am 3. Juli 1902 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers David Levin Wolff (1847-1911) und seiner Frau Marianne geb. von Oss (1855-1931) in Emden geboren. Jakob ist das jüngste von 15 Kindern. Fünf seiner Geschwister sterben bereits im Kindesalter. Sieben Geschwister werden Opfer des Völkermordes an den Juden. Nur drei der Kinder, darunter Jakob, können vor dem Naziterror noch rechtzeitig fliehen.

Jakobs Eltern wohnen in der Wallstraße 16. Sein Vater stirbt 1911 im Alter von 64 Jahren. Jakob ist zu diesem Zeitpunkt erst 9 Jahre alt. Seine Mutter und die älteren Geschwister kümmern sich um ihn.

Später arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Julius im Haus der Eltern als Viehhändler (Einwohnerverzeichnis 1926).
Als er von zu Hause auszieht, wohnt er für ein Jahr in der Esenser Str. 12

Jakob Wolff, Foto: geni.com

und zieht im März 1933 zu seinem Bruder Julius Wolff in die Norder Str. 18.

Jakob heiratet 29.11.1933 die 10 Jahre jüngere Herta Ronsheim (*12.11.1902) aus Abterode im Kreis Eschwege. Zwei ihrer Kusinen, auch wohnhaft in Abterode, heiraten ebenfalls nach Aurich. So heiratet Rosi Ronsheim 1938 den Auricher Arzt Dr. Manfred Hoffmann und deren Schwester Bettina den Auricher Siegfried Wolff. Hertas Eltern sind Moses (1870-1935) und Ida Ronsheim geb. Laub (*1874). Herta hat einen älteren Bruder Max Ronsheim (*20.04.1900).

Jakob und Herta ziehen gleich nach ihrer Eheschließung im November 1933 in die Osterstraße 27 und wohnen dort für dreieinhalb Jahre. Am 30.08.1934 wird ihr Sohn Dietz geboren.

Im August 1938 gelingt Jakob mit Frau und

Herta Wolff geb. Ronsheim

Sohn die Flucht nach Argentinien. Die Reichspogromnacht müssen sie nicht miterleben. Anders ergeht es Hertas Bruder, dem Viehhändler Max Ronsheim, in Abterode. Er wird in der Reichspogromnacht durch die Stadt gehetzt und beinahe von der Empore der Synagoge gestützt, wenn der Pfarrer des Ortes nicht eingeschritten wäre.

Bei der ersten Woche der Begegnung in Aurich im Jahr 1992, zu der frühere jüdische Einwohner Aurichs und deren Angehörige aus aller Welt eingeladen sind, kommt auch Dietz/Diego Wolff mit seiner Frau Dora nach Aurich. Davon gibt es einige Fotos.

Genaueres über sein Leben in Buenos Aires und über das seiner Eltern konnten wir zunächst nicht in Erfahrung bringen. Mit Hilfe von Tito Wolff – ganz herzlichen Dank dafür an dieser Stelle, lieber Tito! – konnten wir Kontakt zu einer Tochter von Diego, zu Irene Wolff, herstellen. Sie freute sich sehr über den Kontakt zu uns und nimmt über Videotelefon an der Verlegung der Steine für ihren Vater und ihre Großeltern teil.

Von Irene Wolff bekamen wir dann viele Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie in Buenos Aires.

Jakob, Herta und ihr Sohn Diego Wolff kommen am 19.09.1938 mit dem Schiff GROIX aus Hamburg in Buenos Aires in Argentinien an. Eine Passagierliste, auf der sich ihre Namen finden, ist noch erhalten. Auch Hertas Kusine Bettina und ihr Ehemann Siegfried Wolff befinden sich an Bord der GROIX.

Nach ihrer Ankunft bleiben sie zunächst im „Hotel de los immigrants“. Hier konnten direkt am Hafen bis zu 4.000 Einwanderer vorübergehend untergebracht werden. Nach einigen Tagen finden sie in der Stadt eine Unterkunft.

Jakob findet zunächst Arbeit in einem Vorort von Buenos Aires und betreibt später ein Feinkostgeschäft namens „Spineto“ auf einem Markt.

Am 29.12.1943 bekommen Herta und Jakob Wolff einen zweiten Sohn. Er wird Mario José genannt. Mit seiner Frau Ana hat er eine Tochter, Roxana Hilda, geboren 26.06.1970. Sie ist verheiratet mit Sergio Dobzewicz und hat zwei Kinder, Kevin and Shirly.

Diego Wolff ist 1938 bei der Ankunft in Argentinien vier Jahre alt. Er muss zunächst für einige Monate mit einer schweren Bindehautentzündung im Krankenhaus behandelt werden.

Nach dem Abitur richtet sich Diego im hinteren Teil seines Elternhauses eine Metallwerkstatt ein. Im Laufe der Zeit, mit viel Mühe und Arbeit, gründet er eine Autoteilefirma.

Diegos große Leidenschaft ist der Wasserballsport. Er ist sehr talentiert, trainiert fleißig und wird 1959 sogar in die Argentinische Wasserball Nationalmannschaft aufgenommen. Auf der Position des Torhüters gewinnt er mit der Nationalmannschaft bei den Panamerikanischen Spielen 1959 die Silbermedaille und 1963 die Bronzemedaille. Er nimmt 1960 auch an den Olympischen Spielen in Rom teil. Als herausragender Schwimmsportler wird er in der „International Swimming Hall of Fame“ in Fort Lauderdale, Florida, geehrt.

Diego und Dora Wolff bei der Begegnungswoche 1992 auf Norderney, Foto: G. Lübbers

Diego heiratet am 26.12.1959 Doris Lowenstein, nun Dora genannt. Sie ist Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer, die ebenfalls vor dem Nazi-Terror aus Deutschland geflohen waren.

Diego und Dora haben 2 Kinder: Irene und Eduardo.

Irene, geboren am 3.07.1963, ist Sportlehrerin und arbeitet als Lehrerin und Studienleiterin. Sie ging in diesem Jahr (2021) in den Ruhestand.

Irene ist mit Eduardo Katzenell verheiratet, Sohn eines österreichischen Vaters und einer deutschen Mutter, die aufgrund ihres jüdischen Status aus ihrer Heimat geflohen sind. Sie haben 2 Kinder: Nicolas, 25 Jahre, studiert Ernährungswissenschaft und Micaela 21 Jahre alt, studiert Betriebswirtschaftslehre.

Das zweite Kind von Diego und Dora, Eduardo German, geboren am 11.10.1965, ist klinischer Arzt und arbeitet in einer renommierten Klinik in der Stadt Buenos Aires. Er ist mit Laura Solari verheiratet, sie haben keine Kinder.

Diegos Mutter Herta verstirbt 1968 im Alter von 56 Jahren, sein Vater Jakob 1982 im Alter von 80 Jahren. Beide sind in Buenos Aires bestattet.

Diego Wolff stirbt im Jahr 2010 im Alter von 76 Jahren.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Irene Wolff
Literatur:
Patenschaft: Bündnis 90/Die Grünen, Ortverband Aurich
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Manfred Sternberg

Veröffentlicht: 15. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Manfred STERNBERG
geboren am 25. Dezember 1921 in Aurich

Straße: Osterstraße 18
Todesdatum: 12. Januar 1971
Todesort: Baton Rouge, Louisiana, USA
Eine Gruppe von Jugendlichen der Kirchengemeinde Victorbur hat zur Geschichte der Familie Sternberg recherchiert. Hier ihre Ergebnisse:

Einen weiteren Blick haben wir auf das Schicksal von Manfred Sternberg geworfen, dessen Weg beispielhaft für die vielen Kinder und Jugendlichen steht, die allein ihre Heimat verlassen mussten. Für viele bedeutete das, dass sie ihre Eltern und Familien nicht wiedersehen würden. Hier war es Gott sei Dank anders: in letzter Minute entschlossen sich Manfreds Eltern, ihrem Sohn zu folgen.

Manfred Sternberg wurde am 25. Dezember 1921 in Aurich als Sohn der Eheleute Max und Frieda Sternberg geborene Wolff geboren. Sein Vater Max, geboren am 26.05.1889 in Aurich war der älteste Bruder von Erich Sternberg. Auch Max setzte die Tradition der Auricher Textilkaufleute Sternberg fort und stieg in das elterliche Geschäft mit ein. Seine Frau Frieda (oft genannt „Ida“) Wolff, geboren am 24.07.1894, stammte ebenfalls aus Aurich. Sie hat viele ihrer engsten Verwandten im Holocaust verloren, ein Bruder Moritz starb 1942 im Ghetto Lodz, eine Schwester Erna im KZ Stutthof bei Danzig.

Mitte der 1930er Jahre hatte sich Max Sternberg endgültig entschlossen, das elterliche Geschäft so gut wie möglich in Aurich weiterzuführen, selbst angesichts der immer stärker werdenden Bedrohungen durch die Nazis. Er wollte sich auch gerne um seine kranke Mutter Röschen kümmern. Wir haben uns besonders bemüht, die Lebensgeschichte seines Sohnes Manfred Sternbergs weiter zu verfolgen.

Sein Lebensweg steht beispielhaft für die Sorge der jüdischen Familien um die Zukunft ihrer Kinder. Was war Mitte der 1930er Jahre richtig? Sollte man die Familie um jeden Preis zusammenhalten, selbst bei Lebensgefahr? Oder die Kinder an einen sicheren Ort schicken und so eventuell die Trennung für immer zu riskieren? Max und Ida Sternberg wollten nichts lieber, als ihren einzigen damals 14jährigen Sohn Manfred bei sich in Aurich zu behalten. Andererseits erlebten sie rund um sich herum so viel Schreckliches, das den jüdischen Familien angetan wurde, dass sie auch ahnten, welches Risiko sie damit eingingen.
Die Verwandten Mel und Ethel Sternberg in New Orleans, die Manfreds Onkel Erich bei seinem Start so sehr unterstützt hatten, bedrängten Max und Ida, ihren Sohn doch zu ihnen nach New Orleans zu schicken. Sie hatten selbst keine Kinder und wollten Manfred gerne nach Kräften unterstützen und ihm eine gute Ausbildung ermöglichen. Doch die Eltern Max und Ida konnten sich nicht entscheiden.

Schließlich kam es 1937 doch zur Auswanderung Manfreds. Seine Eltern blieben immer noch in Aurich, doch sein Onkel Leo Sternberg aus Emden hatte sich mit seiner Familie auch zur Auswanderung nach Amerika entschlossen. Im April 1937 findet sich Manfreds Name auf der Passagierliste des Dampfers „Washington“, mit seiner Tante Recha aus Emden. Recha und Leo Sternbergs Töchter nahmen Manfred unter ihre Fittiche und die drei landeten wohlbehalten bei ihren Verwandten in New Orleans, die sie auf die Weiterreise nach Baton Rouge in Louisiana vorbereiteten. Noch war Manfred allein unterwegs in Amerika, doch quasi in letzter Minute entschlossen sich seine Eltern Max und Frieda mit Manfreds Großvater, dem schon 81jährigen Jakob Sternberg, auch zur Auswanderung. Wir haben ihre Namen auf der Passagierliste des Dampfers „Queen Mary“ gefunden, der am 6. Juni 1938 New York erreichte.
Nach seinem Schulabschluss besuchte Manfred drei Jahre lang ein College, später die Louisiana State Universität in Baton Rouge. Kurz danach brach der Zweite Weltkrieg aus und der junge Manfred Sternberg wurde in den USA zum Militärdienst eingezogen. Am 15. Februar 1943 wurde er zum

Manfred Sternberg ca. 1943

Dienst in der US-Army einberufen und am 20. Dezember 1945 aus dem Militärdienst entlassen.
Am 10. Juli 1955 heiratete Manfred Audrey Lehmann, deren Eltern in North Carolina lebten. Audreys Großvater war schon früh aus Westpreußen nach Amerika ausgewandert. Das Ehepaar blieb wie so viele andere Verwandte in Baton Rouge ansässig und Manfred Sternberg arbeitete in der Immobilienverwaltung.

Manfred Sternberg wurde nur 49 Jahre alt und starb am 12. Januar 1971. Sein Grab liegt auf dem Friedhof „Hebrew Rest Cemetery“ in New Orleans, Louisiana.

Recherche: Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Aurich Rep. 91, Nr. 263 OL C 1
www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/Dokumente Adressbuch_Aurich_1926.pdf
Polk`s Greater Baton Rouge City Directory 1943, R.L. Polk & Co Publishers, 202 Thomas Bldg, Dallas 1, Texas. Copyright 1943.
Literatur: Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012.
Patenschaft: Ostfriesische Brandkasse
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

 

Frieda Sternberg geb. Wolff

Veröffentlicht: 15. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Frieda STERNBERG geb. Wolff
geboren am 24. Juli 1894 in Aurich

Straße: Osterstraße 18
Todesdatum: 1938 Flucht in die USA, verstorben am 7.04.1986
Todesort: Baton Rouge, Louisiana, USA
Eine Gruppe von Jugendlichen der Kirchengemeinde Victorbur hat zur Geschichte der Familie Sternberg recherchiert. Hier ihre Ergebnisse:

Frieda Wolff (oft genannt „Ida“) kommt am 24.07.1894 in Aurich als sechstes von zehn Kindern von Moses Levy Wolff (1859-1916) und dessen Frau Rosa Rechle Meyer geb. Sternberg (1860-1917) zur Welt. Ihr Vater ist Kaufmann und ihre Mutter Rosa stammt ebenfalls aus einer Kaufmannsfamilie – das Textilwarengeschäft „Meyer Sternberg“ gehörte vor 1933 zu den bedeutendsten Kaufhäusern der Stadt Aurich. Ihre Schwester Erna heiratet 1920 in eine andere Kaufmannsfamilie ein: Sie ehelicht Karl van Dyk, dessen Familie in der Wilhelmstraße, heute Burgstraße, ebenfalls einen Textilwarenhandel betreibt.

Frieda hat viele ihrer engsten Verwandten im Holocaust verloren, ein Bruder Moritz starb 1942 im Ghetto Lodz, eine Schwester Erna im KZ Stutthof bei Danzig.

Frieda heiratet Max Sternberg, geboren am 26.05.1889 in Aurich. Er war der älteste Bruder von Erich Sternberg. Auch Max setzte die Tradition der Auricher Textilkaufleute Sternberg fort und stieg in das elterliche Geschäft mit ein. Die Eheleute Max und Frieda Sternberg haben einen Sohn: Manfred Sternberg wurde am 25. Dezember 1921 in Aurich.

Mitte der 1930er Jahre hatte sich Max Sternberg endgültig entschlossen, das elterliche Geschäft so gut wie möglich in Aurich weiterzuführen, selbst angesichts der immer stärker werdenden Bedrohungen durch die Nazis. Er wollte sich auch gerne um seine kranke Mutter Röschen kümmern.

Der Lebensweg des Sohnes Manfred steht beispielhaft für die Sorge der jüdischen Familien um die Zukunft ihrer Kinder. Was war Mitte der 1930er Jahre richtig? Sollte man die Familie um jeden Preis zusammenhalten, selbst bei Lebensgefahr? Oder die Kinder an einen sicheren Ort schicken und so eventuell die Trennung für immer zu riskieren? Max und Ida Sternberg wollten nichts lieber, als ihren einzigen damals 14jährigen Sohn Manfred bei sich in Aurich zu behalten. Andererseits erlebten sie rund um sich herum so viel Schreckliches, das den jüdischen Familien angetan wurde, dass sie auch ahnten, welches Risiko sie damit eingingen.
Die Verwandten Mel und Ethel Sternberg in New Orleans, die Manfreds Onkel Erich bei seinem Start so sehr unterstützt hatten, bedrängten Max und Ida, ihren Sohn doch zu ihnen nach New Orleans zu schicken. Sie hatten selbst keine Kinder und wollten Manfred gerne nach Kräften unterstützen und ihm eine gute Ausbildung ermöglichen. Doch die Eltern Max und Ida konnten sich nicht entscheiden.

Schließlich kam es 1937 doch zur Auswanderung Manfreds. Seine Eltern blieben immer noch in Aurich, doch sein Onkel Leo Sternberg aus Emden hatte sich mit seiner Familie auch zur Auswanderung nach Amerika entschlossen.
Im April 1937 findet sich Manfreds Name auf der Passagierliste des Dampfers „Washington“, mit seiner Tante Recha aus Emden. Recha und Leo Sternbergs Töchter nahmen Manfred unter ihre Fittiche und die drei landeten wohlbehalten bei ihren Verwandten in New Orleans, die sie auf die Weiterreise nach Baton Rouge in Louisiana vorbereiteten.
Noch war Manfred allein unterwegs in Amerika, doch quasi in letzter Minute entschlossen sich seine Eltern Max und Frieda mit Manfreds Großvater, dem schon 81jährigen Jakob Sternberg, auch zur Auswanderung. Wir haben ihre Namen auf der Passagierliste des Dampfers „Queen Mary“ gefunden, der am 6. Juni 1938 New York erreichte.

Nach seinem Schulabschluss besuchte Manfred drei Jahre lang ein College, später die Louisiana State Universität in Baton Rouge. Kurz danach brach der Zweite Weltkrieg aus und der junge Manfred Sternberg wurde in den USA zum Militärdienst eingezogen. Am 15. Februar 1943 wurde er zum Dienst in der US-Army einberufen und am 20. Dezember 1945 aus dem Militärdienst entlassen.
Am 10. Juli 1955 heiratete Manfred Audrey Lehmann, deren Eltern in North Carolina lebten. Audreys Großvater war schon früh aus Westpreußen nach Amerika ausgewandert. Das Ehepaar blieb wie so viele andre Verwandte in Baton Rouge ansässig und Manfred Sternberg arbeitete in der Immobilienverwaltung.
Manfred Sternberg wurde nur 49 Jahre alt und starb am 12. Januar 1971. Sein Grab liegt auf dem Friedhof „Hebrew Rest Cemetery“ in New Orleans, Louisiana.

Frieda Sternberg verstarb am 7.04.1986 im Alter von 91 Jahren, ihr Ehemann Max Sternberg bereits am 23.04.1969. Beide sind auf dem „Jewish Cemetery“ in Baton Rouge beerdigt.

Recherche: Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur
Ergänzungen und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Aurich Rep. 91, Nr. 263 OL C 1
www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/Dokumente Adressbuch_Aurich_1926.pdf
Polk`s Greater Baton Rouge City Directory 1943, R.L. Polk & Co Publishers, 202 Thomas Bldg, Dallas 1, Texas. Copyright 1943.
Literatur: Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012.
Patenschaft: Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Aurich
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

 

Max Sternberg

Veröffentlicht: 15. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Max STERNBERG
geboren am 26. Mai 1889 in Aurich

Straße: Osterstraße 18
Todesdatum: 1938 Flucht in die USA, verstorben 23.04.1969
Todesort: Baton Rouge, Louisiana, USA
Eine Gruppe von Jugendlichen der Kirchengemeinde Victorbur hat zur Geschichte der Familie Sternberg recherchiert. Hier ihre Ergebnisse:

Max Sternberg, geboren am 26.05.1889 in Aurich, war der älteste Bruder von Erich Sternberg. Auch Max setzte die Tradition der Auricher Textilkaufleute Sternberg fort und stieg in das elterliche Geschäft mit ein. Er heiratet Frieda Wolff, geboren am 24.07.1894. Seine Frau Frieda (oft genannt „Ida“) Wolff, geboren am 24.07.1894, stammte ebenfalls aus Aurich. Sie hat viele ihrer engsten Verwandten im Holocaust verloren, ein Bruder Moritz starb 1942 im Ghetto Lodz, eine Schwester Erna im KZ Stutthof bei Danzig.
Die Eheleute Max und Frieda Sternberg haben einen Sohn: Manfred Sternberg wurde am 25. Dezember 1921 in Aurich.

Mitte der 1930er Jahre hatte sich Max Sternberg endgültig entschlossen, das elterliche Geschäft so gut wie möglich in Aurich weiterzuführen, selbst angesichts der immer stärker werdenden Bedrohungen durch die Nazis. Er wollte sich auch gerne um seine kranke Mutter Röschen kümmern.

Der Lebensweg des Sohnes Manfred steht beispielhaft für die Sorge der jüdischen Familien um die Zukunft ihrer Kinder. Was war Mitte der 1930er Jahre richtig? Sollte man die Familie um jeden Preis zusammenhalten, selbst bei Lebensgefahr? Oder die Kinder an einen sicheren Ort schicken und so eventuell die Trennung für immer zu riskieren? Max und Ida Sternberg wollten nichts lieber, als ihren einzigen damals 14jährigen Sohn Manfred bei sich in Aurich zu behalten. Andererseits erlebten sie rund um sich herum so viel Schreckliches, das den jüdischen Familien angetan wurde, dass sie auch ahnten, welches Risiko sie damit eingingen.
Die Verwandten Mel und Ethel Sternberg in New Orleans, die Manfreds Onkel Erich bei seinem Start so sehr unterstützt hatten, bedrängten Max und Ida, ihren Sohn doch zu ihnen nach New Orleans zu schicken. Sie hatten selbst keine Kinder und wollten Manfred gerne nach Kräften unterstützen und ihm eine gute Ausbildung ermöglichen. Doch die Eltern Max und Ida konnten sich nicht entscheiden.

Schließlich kam es 1937 doch zur Auswanderung Manfreds. Seine Eltern blieben immer noch in Aurich, doch sein Onkel Leo Sternberg aus Emden, hatte sich mit seiner Familie auch zur Auswanderung nach Amerika entschlossen.
Im April 1937 findet sich Manfreds Name auf der Passagierliste des Dampfers „Washington“, mit seiner Tante Recha aus Emden. Recha und Leo Sternbergs Töchter nahmen Manfred unter ihre Fittiche und die drei landeten wohlbehalten bei ihren Verwandten in New Orleans, die sie auf die Weiterreise nach Baton Rouge in Louisiana vorbereiteten.
Noch war Manfred allein unterwegs in Amerika, doch quasi in letzter Minute entschlossen sich seine Eltern Max und Frieda mit Manfreds Großvater, dem schon 81jährigen Jakob Sternberg, auch zur Auswanderung. Wir haben ihre Namen auf der Passagierliste des Dampfers „Queen Mary“ gefunden, der am 6. Juni 1938 New York erreichte.

Nach seinem Schulabschluss besuchte Manfred drei Jahre lang ein College, später die Louisiana State Universität in Baton Rouge. Kurz danach brach der Zweite Weltkrieg aus und der junge Manfred Sternberg wurde in den USA zum Militärdienst eingezogen. Am 15. Februar 1943 wurde er zum Dienst in der US-Army einberufen und am 20. Dezember 1945 aus dem Militärdienst entlassen.
Am 10. Juli 1955 heiratete Manfred Audrey Lehmann, deren Eltern in North Carolina lebten. Audreys Großvater war schon früh aus Westpreußen nach Amerika ausgewandert. Das Ehepaar blieb wie so viele andre Verwandte in Baton Rouge ansässig und Manfred Sternberg arbeitete in der Immobilienverwaltung.
Manfred Sternberg wurde nur 49 Jahre alt und starb am 12. Januar 1971. Sein Grab liegt auf dem Friedhof „Hebrew Rest Cemetery“ in New Orleans, Louisiana.

Max Sternberg verstarb am 23.04.1969, seine Ehefrau Frieda am 7.04.1986 im Alter von 91 Jahren.

Recherche: Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Aurich Rep. 91, Nr. 263 OL C 1
www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/Dokumente Adressbuch_Aurich_1926.pdf
Polk`s Greater Baton Rouge City Directory 1943, R.L. Polk & Co Publishers, 202 Thomas Bldg, Dallas 1, Texas. Copyright 1943.
Literatur: Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012.
Patenschaft: Paul Sternberg
Verlegetermin: 5. Oktober 2021