Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Emmy Samson verh. Stern

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Emmy  SAMSON verh. Stern
geboren am 12. Dezember 1908 in Sandhorst

Straße: Esenser Straße 107 (füher: Sandhorst 8, Coldehörn)
Todesdatum: Unbekannt (vermutlich Deportation nach Auschwitz am 2.11.1943)
Todesort: Unbekannt (vermutlich Auschwitz)
Emmi Samson, geboren am 12.12.1908 in Sandhorst, wohnte in Aurich Sandhorst, Gut Coldehörn. Sie ist das zweites Kind der Eltern Abraham und Hedwig Samson in Sandhorst.

Ende der 30er Jahre geht sie nach Dortmund und heiratet Siegfried Stern. Das Paar hat keine Kinder und wohnt in der Westerbleichstraße 3, einem Judenhaus.
Am 23. Januar 1942 erhält das Paar die Aufforderung sich in einer Sammelstelle, der Gaststätte „Zur Börse“ in der Steinstraße (beim Viehmarkt), einzufinden. Ein Merkblatt der Reichsvereinigung informiert die Betroffenen, dass es u.a. gestattet sei, dreiteilige Matratzen, Nähmaschinen, kleine Kanonenöfen oder Herde, sowie möglichst viel Werkzeug mitzunehmen.

In Riga wird ihnen jedoch alles abgenommen. Nachdem die vorgegebene Sollstärke von 1.000 Personen für Deportationstransporte erreicht ist, verlässt der Zug am 27.01.1942 Dortmund mit Ziel Riga. Am 1. Februar trifft der Zug in Riga-Skirotva ein. Emmi Samson muss im Ghetto, dessen eingesessene Bewohner vorher schon ermordet waren, Zwangsarbeit für die Wehrmachtsausrüstung leisten.

Am 2. November 1943 wird das Ghetto geräumt. Ein Transport mit 1.000 Personen geht nach Auschwitz. Emmi könnte dabei gewesen sein. Eine Häftlingsnummer (d.h. wg. Arbeitsfähigkeit) aus Auschwitz existiert jedoch nicht.

Von Siegfried ist noch bekannt, dass auch er am 2.11.1943 nach Auschwitz kommt. Der weitere Verbleib von Emmi Stern ist unbekannt. Für den 31.12.1943 wird sie 1950 vom Amtsgericht Dortmund für tot erklärt.

 Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.12.2015)
Foto: 

 

 

– Haus Coldehörn – Emmy Samson vor der Haustür (Foto: Lorraine Hoffmann, Milwaukee)
– Vor dem Haus Gut Coldehörn, undatiert: v. l. Herta Goldschmidt später verh. Hoffmann – Nichte von Hedwig Samson, Emmy Samson, Hedwig Samson geb. Goldschmidt, Julius Samson, Hermann Knurr (Foto: Lorraine Hoffmann – Milwaukee)
– Neujahrsabend bei Goldschmidts (Foto undatiert: Lorraine Hoffmann – Milwaukee)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv
– Stadtarchiv Dortmund, Markus Günnewig, Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.
Literatur: Verfolgung und Vernichtung, Dr. Rolf Fischer, Stadt Dortmund Essen 2015
Patenschaft: Hilde Ubben
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

Neujahrsabend bei Goldschmidts

von links Dina Buxbaum, Julius Samson, Emmi Samson = Julius‘ Schwester, Harri Hoffmann, dann Martha Moses des Lehrers Moses‘ Tochter und Hanna Sondhelms Mutter, Manfred Hoffman in den Armen von Herta Goldschmidt = zukünftige Frau von Harri. und vorne sind Mary Gidansky und Henry Lachmann. Die beiden Perosnen rechts daneben sind unbekannt.

 

Emmy vor dem Haus Coldehörn

 

 

 

 

 

Julius Samson mit Familie

Julius Abraham Samson

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Julius Abraham  SAMSON
geboren am 18. Juli 1907 in Sandhorst

Straße: Esenser Straße 107 (füher: Sandhorst 8, Coldehörn)
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 2.03.1943)
Todesort: Auschwitz
 

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Julius Samson wird am 18.07.1907 in Sandhorst geboren und wohnte in Aurich Sandhorst, Gut Coldehörn.Seine Eltern sind Abraham Samson und Hedwig Samson geb. Goldschmidt. Julius besucht ab Ostern 1917 das Gymnasium Ulricianum. Er ist zur Weiterführung des väterlichen Geschäfts bestimmt. Julius lernt Dina Buxbaum aus Rennertehausen kennen. Die jungen Leute: Julius, seine Schwester Emmi, die Wolff-Kinder (auch genannt die Pinseler), Dina, die Hoffmann-Kinder und Herta Goldschmidt gehören zur lebenslustigen noch feiernden Jeunesse in Aurich. Photos aus dieser Zeit bezeugen es. Julius und Dina wollen nach der Dominikanischen Republik auswandern. Der einzige, neben Shanghai, noch sichere Hafen der Welt, der bedingungslos Juden aufnimmt. Der damalige Diktator Trujillo wünschte sich jüdische Einwanderer zur Aufweißung und Rasseverbesserung (sic!) der schwarzen oder kreolischen Inseleinwohner.

Julius heiratet Dina Buxbaum am 24.11.1939 in Aurich. Trauzeugen sind der Schwiegervater Abraham und dessen Bruder Herz (Urkundenausschnitt s. u.)Im April 1940 zieht das Paar nach Dortmund, wo die Eltern Samson und seine Schwester Emmi bereits leben. Zuerst in der Saarlandstraße71, dann in der Weiherstraße 75 und zuletzt Königswall 44 – alles Judenhäuser. Das Paar bekommt zwei Kinder: Reha *16.07.1940 und Dan *4.07.1942. Neugeborene aus dieser Zeit durften  von ihren Eltern nur noch Namen aus einer speziellen Personenstandsverordnung bekommen. Die Annotation dieser Vornamen sollte besonders fremd, semitisch, undeutsch sein.

Julius leistet Zwangsarbeit in einer Dortmunder Tiefbaufirma. Das bewahrt ihn und seine Familie von den ersten im Frühjahr 42 angelaufenen großen Deportationen

Am 27.02.1943 wird Julius Samson an seiner Arbeitsstelle verhaftet und in ein Sammellager, die Gaststätte Deutsches Haus am Brackeler Hellweg, eingesperrt. Seine Familie wird aufgefordert, sich am nächsten Tag dort einzufinden. Am 2. März dann um acht Uhr müssen sich alle auf den Weg zum Südbahnhof machen. Von Brackel mit der Straßenbahn bis zum Ostentor, dann müssen sie in Formation zum Südbahnhof marschieren. Dort steht schon eine Lokomotive unter Dampf mit angehängten Viehwaggons bereit. Am Abend des 3. März kommt der Zug in Auschwitz an. „Männer nach rechts, Frauen nach links“. Julius Samson wird mit 50 anderen auf einen offenen Lastwagen verladen, der sie nach Auschwitz-Monowitz bringt. Der Kopf wird ihm zum zweiten Mal im Leben kahl geschoren und er bekommt die Nummer 105496 auf den linken Unterarm eintätowiert.

Dort, aufgrund der allerhärtesten Arbeitsbedingungen – die Baustelle Buna-Werk wird zivil von Ingenieuren der IG-Farben geführt – sterben täglich Dutzende. Oder sie werden nach sogen. Überstellungslisten nach Auschwitz-Birkenau gebracht, weil sie krank und nicht mehr ausbeutbar waren. Ein solcher Überstellungseintrag fehlt. Man kann annehmen, Julius Samson ist im Krankenbau Monowitz dort an unbekanntem Datum gestorben.

Eine ausführliche Biografie von Julius Samson findet sich in dem Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

 Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.01.2016)
Foto:

 

 

 

 

– Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– Vor dem Haus Gut Coldehörn, undatiert: v. l. Herta Goldschmidt später verh. Hoffmann – Nichte von Hedwig Samson, Emmy Samson, Hedwig Samson geb. Goldschmidt, Julius Samson, Hermann Knurr(Foto: Lorraine Hoffmann – Milwaukee)
– Heiratsurkunde (Ausschnitt mit Namen der Trauzeugen)
– Familienfoto Mitglieder der Familien Samson, Hoffmann  und Goldschmidt, undatiert (Foto: Lorraine Hoffmann, Milwaukee)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsar-chiv,- Standesamt Aurich, Heiratsregister,- Stadtarchiv Dortmund, Markus Günnewig, Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.
Literatur: Verfolgung und Vernichtung, Dr. Rolf Fischer, Stadt Dortmund Essen 2015

 

Patenschaft: Wolfgang Ontijd
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

 

A German-Jewish family enjoys a cup of coffee in a courtyard in Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heiratsurkunde Julius Samson und Dina Buxbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

Julius Samson mit Familie

Abraham Josef Samson

Veröffentlicht: 28. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham  Josef SAMSON
geboren am 15. September 1870 in Sandhorst

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.03.2016)

Straße: Esenser Straße 107 (füher: Sandhorst 8, Coldehörn)
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 26.10.1944)
Todesort: Auschwitz

Abraham Josef Samson (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

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Abraham Samson wurde am 15.09.1870 als jüngstes von fünf weiteren Geschwistern geboren. Sein Vater war Joseph Hartog Samson *13.12.1822, seine Mutter Esther Benjamin Wolff. Sie wohnten in Aurich Sandhorst Gut Coldehörn.
Abraham Samson heiratet Hedwig Goldschmidt. Das Paar bekommt zwei Kinder Julius *1907 und Emmy *1908. Der Sohn Julius geht Ostern 1917 auf das Ulricianum und ist für die Übernahme des Viehhandelsgeschäfts bestimmt.
1926 kauft Abraham Samson zusammen mit seinem Bruder Ruben das Gut Coldehörn (s. Foto unten), welches von weiträumigen Ländereien nördlich der Straße Am Tiergarten bis zur Alten Ehe im Westen, umgeben ist. Die anderen Brüder Bendit und Herz haben Nießbrauchsrecht. Zugleich hat Abraham Samson das halbe Besitzrecht am Haus Zingelstraße 3, die andere Hälfte wiederum Ruben.
Diese Samsons waren Viehhändler und Schlachter. Landwirte auch soweit es das Aufstellen und Versorgen der gekauften Tiere betraf. Abraham Samson mit seinen drei Brüdern führen einen sehr prosperierenden Viehhandel und Schlachtbetrieb. Frühere Gewerbesteuerlisten und auch die heute noch existierenden Bauten, wie z.B. die Villa Zingelstraße 3 und der Schlachthof (heute JUZ) mögen davon Vorstellung geben.
Abraham Samson muss seinen ganzen Betrieb aufgrund der behördlichen Berufsverbote auflösen und am 3.08.1938 ein erstes Stück Land verkaufen. Es ist eine Parzelle auf der heute das Ostfrieslandhaus und zwei Marinewohnhäuser an der Weddigenstraße stehen. Er verkauft sie an die benachbarte Reichsmarineverwaltung für 80 Pf/qm insgesamt für 14.064 RM. In der letzten Zeit der Auricher Juden gab es nur im Haus Coldehörn ein Telefon für alle noch in Aurich wohnenden Juden. Nur dieses durften sie benutzen.
1938 geht ihre Tochter Emmy nach Dortmund und heiratet einen Siegfried Stern. Die Eltern Samson ziehen schon Ende 1939, noch vor dem zwangsweisen Wegzug aller Juden im Februar 1940, nach Dortmund. Am 24. November 1939 heiratet sein Sohn Julius in Aurich Dina Buxbaum aus Rennertehausen.
Abraham Samson und sein Bruder Herz sind Trauzeugen (s. u., Urkundenausschnitt). Das Ehepaar Samson wohnt in Dortmund in der Saarlandsraße 71, ein Judenhaus der damaligen Zeit.Der Sandhorster Bürgermeister Harm Harms führt ab 4.04.1940 das Gut treuhänderisch weiter und überweist Pachterträge an Abraham Samson nach Dortmund. Allerdings kann er aus den Erträgen und seinem Vermögen nur bis 200 RM/Monat darüber verfügen, denn: nach dem Gesetz über die Devisenbewirtschaftung- da sie auszuwandern beabsichtigen – „ … erscheint die vorbeugende Maßnahme der Sicherungsanordnung zur Verhinderung einer unerlaubten Verbringung von Vermögenswerten in das Ausland erforderlich“  – so das formalkorrekte Juristendeutsch der OFD Bremen.
Am 27. Juli 1942 erreicht Abraham Samson ein Schreiben der Oberfinanzdirektion mit Postzustellungsurkunde. Ihm wird eröffnet, sein Vermögen wird ihm hiermit entzogen, „… nach dem Gesetz über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vom Juli 1933 in Verbindung mit Erlaß des Führers u. Reichskanzlers über die Verwertung eingezogenen Vermögens von Reichsfeinden vom 29.5.41.“
Abraham Samson muss zwei Tage vor der Verschleppung in den Tod auch noch die Kosten der Zustellung der Enteignungsverfügung zahlen. Es sind 1,05 RM u. a. bestehend aus 10 Pf Formularkosten und 5 Pf Fahrkosten.
Am 29.07.1942 wird er mit seiner Ehefrau Hedwig und seinen anderen Brüdern Ruben, Herz und Bendit mit TransportX1 ab Dortmund nach Theresienstadt deportiert. Von Theresienstadt geht der Weitertransport am 26.10.1944 nach Auschwitz. Dort werden sie sofort in die Gaskammern getrieben.Von den Bewohnern der Samson Häuser Zingelstraße 3 und Coldehörn wurden alle – auch die Nachkommen, zu Opfern der Shoah.
In einem lange Jahre währenden Wiedergutmachungsverfahren in den 50ern bekommen die Überlebenden, das sind die Enkelinnen von Ruben: Sonja Samson, Marga van Geebergen, der Enkel Hans Samson und zwei Söhne eines der vor dem Krieg gestorbenen Samson-Brüder, ihren Anteil an der gerichtlich festgesetzten Nachzahlung als Ausgleich aus Zwangsverkauf und Raub des Samson-Vermögens. In vielen und langen Schriftsätzen der am Raub beteiligten Oberfinanzverwaltung bestreiten deren Juristen das Kriminelle ihrer Amtstaten in ungeheuerlichen Verdrehungen. Der Verkauf wäre freiwillig und der Preis marktüblich gewesen, was örtliche Bodenschätzer bestreiten, und die Konfiskation wäre ein Vorgriff und Äquivalent der Reichsfluchtsteuer (sic!) gewesen.Allerdings konfiszierte die Marine dieses volks- und staatsfeindliche Vermögen bereits Anfang 1940 und verwüstete im Dienstgebrauch Haus und Außenanlagen.
Eine Scheune musste abgerissen werden. Die in der Wiedergutmachung bedachte Sonja Samson – Vollwaise – konnte bezeichnenderweise dieses Geldvermögen nur zum Teil wg. damals geltender Kapitalmarktkontrollen in die USA transferieren. Sie kaufte davon einen Volkswagen, der dann am Ladegeschirr hängend, in Bremerhaven verschifft wurde.Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.03.2016)
Foto:

 

 

 

– Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– Haus Gut Coldehörn in den 30ern (Foto: Besitzer)
– Heiratsurkunde (Ausschnitt mit Namen der Trauzeugen)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv,- Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786.
Literatur: Verfolgung und Vernichtung, Dr. Rolf Fischer, Stadt Dortmund Essen 2015
Patenschaft: Margret Mühring
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

 

Haus Gut Coldehörn in den 1930ern (Foto: Besitzer)

Heiratsurkunde Julius Abraham und Dina Samson v. 24.11.1939 (Ausschnitt mit Namen der Trauzeugen)

 

 

Margrit van Dyk

Veröffentlicht: 27. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Margrit van DYKMargrit van Dyk
geboren am 5. Mai 1929 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21 (ehem. Wilhelmstraße)
Todesdatum: Unbekannt (Registrierung im KZ Stutthof am 9.08.1944)
Todesort: KZ Stutthof
dyk-margrit-van-geb-05-05-1929-in-aurich

Margrit von Dyk (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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I. Die Vorfahren der Geschwister Abraham Alfred (*9.10.1921), Meno Lothar (*24.05.1923) und Margrit (*5.05.1929) van Dyk
Wir beginnen unseren Überblick zur Geschichte der Familie van Dyk   zunächst mit den Daten, die wir aus vier Generationen der Familie herausfinden konnten. 200 Jahre der Geschichte dieser Familie können wir so wenigstens ansatzweise überblicken:
Urgroßeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno Lothar und Margrit:
Gessel Aron van Dyk, Geboren um 1811, gestorben Aurich 19.08. 1892
Verheiratet mit: Guterath Samuel Heymann, Geb. Aurich 29.07. 1824, gestorben Aurich 17.07. 1880
Zwei Kinder dieser Ehe sind relativ jung in Aurich gestorben:a). Esther Gessel van Dyk, geb. Aurich 1857, gest. Aurich 1885
b). Aaron Gessel van Dyk, geb. Aurich 1859, gest. Aurich 1888
c). mit dem dritten Kind Abraham Gessel van Dyk: geht die Geschichte der Familie in Aurich weiter:Großeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Abraham Gessel van Dyk,Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde
Geboren Aurich 13.08.1861, Gestorben Aurich 12.11.1934
Für ihn gab es einen ausführlichen Nachruf, s. unten.
Verheiratet mit: Mathilde Levy, geb. Altenkirchen 18.06.1864,
deportiert nach Theresienstadt 16.06.1942, dort verschollen
deren Eltern: Hirsch und Amalie Levy, geb. Stern
gemeinsames Kind: Karl van Dyk, s. unten „Eltern“
Eltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:Karl van Dyk
Kaufmann, im Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich
geboren Aurich 05. 08.1894, ermordet KZ Buchenwald 07.02.1945
verheiratet mitErna Wolff
geboren Aurich 04.03.1893, gest. KZ Stutthof bei Danzig 18.12.1944
deren Eltern: Moses Levy Wolff und Frau Rosa Meyer, geb. Sternbeg

Kinder von Karl und Erna van Dyk:
1). Abraham Alfred van Dyk, später genannt „Fred“
geb. Aurich 09. 10. 1921, 1940 nach Amerika
2). Meno Lothar van Dyk
geb. Aurich 21.05.1923, 1940 nach Amerika
3). Margrit van Dyk
geb. 05.05.1929 in Aurich, gestorben 15.01.1945 im KZ Stutthof

Wir erforschen den Lebenslauf der Geschwister Margrit, Alfred und Meno Lothar van Dyk. Um etwas über ihre Familie lernen zu können, haben wir hier zuerst Informationen über die Großeltern und Eltern der Kinder gesammelt. Die Familie van Dyk war so sehr bekannt in Aurich, dass sie auch in plattdeutschen Theaterstücken, die in der jüdischen Gemeinde in Aurich spielen, vorkommt. Ein Beispiel ist das Stück: „Das verfrühte Schulerufen“ , das 1902 geschrieben wurde. (Quelle: Gertrud Reershemius).

Der Großvater Abraham van Dyk war ein sehr anerkannter Mann und hat sich große Verdienste als Gemeindevorsteher erworben. Auf eine Anfrage in der Kirchengemeinde, ob es noch Erinnerungsstücke in Victorbur an diese Familie gibt, erhielten wir einen Kleiderbügel mit der Aufschrift „A. van Dyk“ und den Hinweis auf eine Stellenanzeige aus einer alten Zeitung, aus der hervorgeht, dass Abraham van Dyk seinen Glauben sehr ernst nahm und sein Geschäft am Sabbath und an jüdischen Festtagen immer geschlossen hielt. 1931 wurde mit einer großen Feier sein 70. Geburtstag begangen. 1934 ist Abraham van Dyk verstorben. Wir fanden es interessant, dass zwei Jahre später in einem Extra-Artikel noch auf seine Verdienste hingewiesen wurden, da sie in einem Bericht über die jüdische Gemeinde nicht ausreichend erwähnt worden waren. (Artikel über Großvater van Dyk s.u. Anhang 1

II. Die Familie van Dyk muss Aurich verlassen

In einem Artikel aus der Zeitung „Der Israelit“   vom 23. Juni 1938 (s. u. Anhang 2) ist zu lesen, wie schmerzhaft der Abschied von Aurich und der jüdischen Gemeinde für die Familie van Dyk und die verbleibenden Gemeindeglieder war.

Ein Blick in die frühere Wilhelmstraße in Aurich; rechts in der Mitte befand sich das Textilgeschäft van Dyk (heute „H & M“). Von hier wurde die Familie van Dyk durch massiven Terror vertrieben.

Die letzten Wohnsitze der Familie waren in Köln nachweisbar, die Karten der zuständigen Einwohnermeldeämter haben wir im Staatsarchiv in Aurich gesehen. Wir haben gelernt, dass die jüdischen Mitbürger mit immer stärker werdender Gewalt und massivem Terror zunächst gezwungen wurde, Aurich zu verlassen. Nicht einmal zusammen durften die Eltern van Dyk mit ihrer Tochter Margrit an ihrem letzten Wohnsitz Köln wohnen, Tochter und Vater mussten in eine Wohnung ziehen, die Mutter in eine andere. Es waren sehr beengte Verhältnisse und immer mehr Leute mussten auf engem Raum zusammen unter den schlechtesten Verhältnissen leben.

Von Köln aus wurden die Eltern und die Tochter verschleppt nach Riga, kamen dann nach Buchenwald bzw. Stutthof bei Danzig in ein Konzentrationslager, wo sie schließlich umgebracht wurden. In einem offiziellen Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wird die Erinnerung an dieses schreckliche Ende von Eltern und Tochter aufbewahrt. Der Vater Karl van Dyk (*05.08.1894 in Aurich, +07.02.1945 in Buchenwald) wurde mit letzter Anschrift in Köln Thieboldsgasse 93 geführt, bevor er mit Frau und Kind am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Er gehörte zu denen, die von Riga im Sommer 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig verlegt wurden, von wo er am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald kam. Vom 21.08.1944 datiert sein letztes Lebenszeichen.

Seine Frau Erna van Dyk geb. Wolff (*04.03.1893, +18.12.1944 in Stutthof) musste in Köln von ihm getrennt in der Rochusstrasse 108 leben, ehe sie mit dem gleichen Transport wie ihr Mann am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Auch sie wurde noch ins KZ Stutthof verlegt, wo sie am 09.08.1944 registriert wurde.
Die gemeinsame Tochter Margrit van Dyk (*05.05.1929 in Aurich, +15.01.1945 in Stutthof) lebte vor der Deportation mit dem Vater in Köln, Thieboldsgasse 93. Sie wurde mit ihren Eltern am 07.12.1941 nach Riga deportiert, von dort ins KZ Stutthof, wo sie wie ihre Mutter am 09.08.1944 registriert wurde. Hier fanden sie den Tod. (Quelle: Gedenkbuch und Unterlagen aus YadVashem)

III. Die Flucht der Brüder van Dyk nach Amerika

Als nächsten Schritt versuchen wir, die Übersiedlung der beiden überlebenden Brüder van Dyk zu dokumentieren. Hierfür erhielten wir folgende Dokumente von der Einwanderungsbehörde der USA. Dazu erfuhren wir, dass die Menschen, die vor dem Nazi-Terror in die USA flüchten wollten, nicht einfach so einreisen konnten, sondern einen Bürgen brauchten, der für sie aufkam und sich die Kosten, die die Einwanderer verursachen könnten, übernehmen würde. Folgende Grund-Kosten wurden uns im Falle der Brüder van Dyk genannt:

Steamship Passage (approximate)…………..$350.00
Embarkation Fee……………………………………….19.50
U.S. Head Tax…………………………………………….8.00
Maintenance at Lisbon (10 days average)…….10.00
Board money on ship…………………………………10.00
Rail fare Spanish Border to Lisbon……………. 42.00
Cable Charge………………………………………………2.50
Balance to apply to possible additional cable…8.00
Somit mussten zunächst 450 Dollar für jeden Bruder eingezahlt werden. Folgende Einträge gibt es im Einwanderungsregister der USA:

Name: Meno L Van Dyk
Arrival: 17 April 1940, Emigration Location: Germany,
Birth Location: Aurich
Age: 16
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friend’s Name: H Gleuck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Rotterdam
Occpation: Confectioner

Name Abraham Alfred Van Dijk
Arrival: 17 April 1940
Birth Location: Aurich, Age: 18, Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friends Name: H. Glueck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Winschoten
Occupation: Tailor

Quelle: Lorinda Mann, Salt Lake City/USA

Soweit wir ermitteln konnten, lebten die Brüder van Dyk dann zuerst im Bundesstaat Pennsylvania. Dort erhielten sie ihre Sozialversicherungsnummer (social security). Anhand dieser Nummer werden sich dann Einzelheiten aus dem Leben wieder finden lassen.

Meno Lothar van Dyk nahm am 1. März 1943 seinen Dienst in der US-Armee auf und verließ die Armee am 13. November 1947. Gewohnt hat er zuletzt in Camden New Jersey, wo er am 24. Juni 1996 starb. Über seine Familie wissen wir noch nicht viel.

Abraham Alfred van Dyk nannte sich in den USA Fred und ist leider in diesem Jahr verstorben. Auch er ist im Militärdienst der US-Armee gewesen, dazu fehlen im Moment noch die Daten. Er lebte in Philadelphia/Pennsylvania zusammen mit seinem Freund William Brodsky, der ebenfalls aus einer alten jüdischen Familie stammte. Seine Familie war aber schon viel eher nach Amerika gekommen. Es war eine russisch-jüdische Familie, die vor über 100 Jahren in Russland sehr verfolgt wurde. Die Vorfahren von William, Brodsky gründeten 1883 die erste landwirtschaftlich ausgerichtete jüdische Siedlung im US-Bundesstaat New York.

Quelle: Persky/Perski/Perskie, (Yocheved Persky Branch), Home Page von Jana Lynne Perskie

Wir fanden eine Todesanzeige für einen Fred van Dyk, der nach unserer Meinung mit unserem Auricher Abraham-Alfred van Dyk identisch ist, in der von einer Schwägerin Elisabeth van Dyk sowie von Neffen und Nichten die Rede ist. Danach war sein Bruder Meno verheiratet und seine Witwe lebt noch. Hier arbeiten wir noch daran, nähere Informationen zu bekommen.

Fred van Dyk (wenn es der „Richtige“ ist, wie wir vermuten) starb am 23. März 2013 und wir haben ein Kondolenzbuch im Internet gefunden. Wir könnten überlegen, ob wir uns dort zur Verlegung des Stolpersteins eintragen. Das jüdische Beerdigungsinstitut „Joseph Levine & Son. Inc.“ hält die Seite noch bis zum 25. März 2014 vor.

FRED VAN DYK

This Guest Book will remain online until 3/25/2014 courtesy of Joseph Levine & Son, Inc..

Sign Guest Book Add Photo to Gallery Light a Candle

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

 

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Moritz Lerf, Laura Lindena, Jana Warnke, Jürgen Hoogstraat
Hauptkonfirmandengruppe Neu-Ekels
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 5.09.2013)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Anhang 1

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 27. August 1931

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 29. November 1934: „Aurich, 19. November (1934).

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. Dezember 1936

Stellenanzeige für einen Lehrling für die Firma van Dyk in Aurich in der Provinz Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang 2

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 23. Juni 1938
Quelle: Alle Zeitungsartikel stammen aus der Sammlung judaica alemanica im Internet.

 

 

 

 

 

 

Meno Lothar van Dyk

Veröffentlicht: 27. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Meno Lothar van DykMeno Lothar van Dyk
geboren am 24. Mai 1923 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21 (ehem. Wilhelmstraße)
Todesdatum: 24.06.1996
Todesort: Camden, New Jersey, USA
I. Die Vorfahren der Geschwister Abraham Alfred (*9.10.1921), Meno Lothar (*24.05.1923) und Margrit (*5.05.1929) van DykWir beginnen unseren Überblick zur Geschichte der Familie van Dyk   zunächst mit den Daten, die wir aus vier Generationen der Familie herausfinden konnten. 200 Jahre der Geschichte dieser Familie können wir so wenigstens ansatzweise überblicken:
Urgroßeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno Lothar und Margrit:
Gessel Aron van Dyk,
geboren um 1811, gestorben Aurich 19.08. 1892
verheiratet mit: Guterath Samuel Heymann
geb. Aurich 29.07. 1824, gestorben Aurich 17.07. 1880Zwei Kinder dieser Ehe sind relativ jung in Aurich gestorben: a). Esther Gessel van Dyk, geb. Aurich 1857, gest. Aurich 1885
b). Aaron Gessel van Dyk, geb. Aurich 1859, gest. Aurich 1888
c). mit dem dritten Kind Abraham Gessel van Dyk: geht die Geschichte der Familie in Aurich weiter:
Großeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Abraham Gessel VAN DYK,Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde
geboren Aurich 13.08.1861, gestorben Aurich 12.11.1934
Für ihn gab es einen ausführlichen Nachruf, s. unten.
Verheiratet mit:
Mathilde Levy
Altenkirchen 18.06.1864,
deportiert nach Theresienstadt 16.06.1942, dort verschollen
deren Eltern: Hirsch und Amalie Levy, geb. Stern
gemeinsames Kind: Karl van Dyk, s. unten „Eltern“
Eltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:Karl van Dyk
Kaufmann, im Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich
geboren Aurich 05. 08.1894, gestorben KZ Buchenwald 07.02.1945
Verheiratet mit
Erna Wolf
geboren Aurich 04.03.1893, gest. KZ Stutthof   bei Danzig 18.12.1944
deren Eltern: Moses Levy Wolff und Frau Rosa Meyer, geb. SternbergKinder von Karl und Erna van Dyk:

1). Abraham Alfred van Dyk, später genannt „Fred“
Geb. Aurich 09. 10. 1921, 1940 nach Amerika

2). Meno Lothar van Dyk
Geb. Aurich 21.05.1923, 1940 nach Amerika

3). Margrit van Dyk
Geb. 05.05.1929 in Aurich, gestorben 15.01.1945 im KZ Stutthof

 

Wir erforschen den Lebenslauf der Geschwister Margrit, Alfred und Meno Lothar van Dyk. Um etwas über ihre Familie lernen zu können, haben wir hier zuerst Informationen über die Großeltern und Eltern der Kinder   gesammelt. Die Familie van Dyk war so sehr bekannt in Aurich, dass sie auch in plattdeutschen Theaterstücken, die in der jüdischen Gemeinde in Aurich spielen, vorkommt. Ein Beispiel ist das Stück: „Das verfrühte Schulerufen“ , das 1902 geschrieben wurde.   (Quelle: Gertrud Reershemius).

Der Großvater Abraham van Dyk war ein sehr anerkannter Mann und hat sich große Verdienste als Gemeindevorsteher erworben. Auf eine Anfrage in der Kirchengemeinde, ob es noch Erinnerungsstücke in Victorbur an diese Familie gibt, erhielten wir einen Kleiderbügel mit der Aufschrift „A. van Dyk“ und den Hinweis auf eine Stellenanzeige aus einer alten Zeitung, aus der hervorgeht, dass Abraham van Dyk seinen Glauben sehr ernst nahm und sein Geschäft am Sabbath und an jüdischen Festtagen immer geschlossen hielt. 1931 wurde mit einer großen Feier sein 70. Geburtstag begangen. 1934 ist Abraham van Dyk verstorben. Wir fanden es interessant, dass zwei Jahre später in einem Extra-Artikel noch auf seine Verdienste hingewiesen wurden, da sie in einem Bericht über die jüdische Gemeinde nicht ausreichend erwähnt worden waren. (Artikel über Großvater van Dyk s.u. Anhang 1)

II. Die Familie van Dyk muss Aurich verlassen
In einem Artikel aus der Zeitung „Der Israelit“   vom 23. Juni 1938 (s. u. Anhang 2) ist zu lesen, wie schmerzhaft der Abschied von Aurich und der jüdischen Gemeinde für die Familie van Dyk und die verbleibenden Gemeindeglieder war.

Ein Blick in die frühere Wilhelmstraße in Aurich; rechts in der Mitte befand sich das Textilgeschäft van Dyk (heute „H & M“). Von hier wurde die Familie van Dyk durch massiven Terror vertrieben. Die letzten Wohnsitze der Familie waren in Köln nachweisbar, die Karten der zuständigen Einwohnermeldeämter haben wir im Staatsarchiv in Aurich gesehen. Wir haben gelernt, dass die jüdischen Mitbürger mit immer stärker werdender Gewalt und massivem Terror zunächst gezwungen wurde, Aurich zu verlassen. Nicht einmal zusammen durften die Eltern van Dyk mit ihrer Tochter Margrit an ihrem letzten Wohnsitz Köln wohnen, Tochter und Vater mussten in eine Wohnung ziehen, die Mutter in eine andere. Es waren sehr beengte Verhältnisse und immer mehr Leute mussten auf engem Raum zusammen unter den schlechtesten Verhältnissen leben.

Von Köln aus wurden die Eltern und die Tochter verschleppt nach Riga, kamen dann nach Buchenwald bzw. Stutthof bei Danzig in ein Konzentrationslager, wo sie schließlich umgebracht wurden. In einem offiziellen Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wird die Erinnerung an dieses schreckliche Ende von Eltern und Tochter aufbewahrt. Der Vater Karl van Dyk (*05.08.1894 in Aurich, +07.02.1945 in Buchenwald) wurde mit letzter Anschrift in Köln Thieboldsgasse 93 geführt, bevor er mit Frau und Kind am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Er gehörte zu denen, die von Riga im Sommer 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig verlegt wurden, von wo er am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald kam. Vom 21.08.1944 datiert sein letztes Lebenszeichen.

Seine Frau Erna van Dyk geb. Wolff (*04.03.1893, +18.12.1944 in Stutthof) musste in Köln von ihm getrennt in der Rochusstrasse 108 leben, ehe sie mit dem gleichen Transport wie ihr Mann am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Auch sie wurde noch ins KZ Stutthof verlegt, wo sie am 09.08.1944 registriert wurde.
Die gemeinsame Tochter Margrit van Dyk (*05.05.1929 in Aurich, +15.01.1945 in Stutthof) lebte vor der Deportation mit dem Vater in Köln, Thieboldsgasse 93. Sie wurde mit ihren Eltern am 07.12.1941 nach Riga deportiert, von dort ins KZ Stutthof, wo sie wie ihre Mutter am 09.08.1944 registriert wurde. Hier fanden sie den Tod. (Quelle: Gedenkbuch und Unterlagen aus YadVashem)

III. Die Flucht der Brüder van Dyk nach Amerika

Als nächsten Schritt versuchen wir, die Übersiedlung der beiden überlebenden Brüder van Dyk zu dokumentieren. Hierfür erhielten wir folgende Dokumente von der Einwanderungsbehörde der USA. Dazu erfuhren wir, dass die Menschen, die vor dem Nazi-Terror in die USA flüchten wollten, nicht einfach so einreisen konnten, sondern einen Bürgen brauchten, der für sie aufkam und sich die Kosten, die die Einwanderer verursachen könnten, übernehmen würde. Folgende Grund-Kosten wurden uns im Falle der Brüder van Dyk genannt:

Steamship Passage (approximate)………….$350.00

Embarkation Fee…………………………………….19.50

U.S. Head Tax………………….. ……….8.00

Maintenance at Lisbon (10 days average)…….10.00

Board money on ship………………………10.00

Rail fare Spanish Border to Lisbon……….. 42.00

Cable Charge……………………………..2.50

Balance to apply to possible additional cable..8.00

Somit mussten zunächst 450 Dollar für jeden Bruder eingezahlt werden. Folgende Einträge gibt es im Einwanderungsregister der USA:

Name: Meno L Van Dyk
Arrival: 17 April 1940
Emigration Location: Germany
Birth Location: Aurich
Age: 16
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friend’s Name: H Gleuck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Rotterdam
Occpation: Confectioner

Name Abraham Alfred Van Dijk
Arrival: 17 April 1940
Birth Location: Aurich
Age: 18
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friends Name: H. Glueck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Winschoten
Occupation: Tailor

Quelle: Lorinda Mann, Salt Lake City/USA

Soweit wir ermitteln konnten, lebten die Brüder van Dyk dann zuerst im Bundesstaat Pennsylvania. Dort erhielten sie ihre Sozialversicherungsnummer (social security). Anhand dieser Nummer werden sich dann Einzelheiten aus dem Leben wieder finden lassen.

Meno Lothar van Dyk nahm am 1. März 1943 seinen Dienst in der US-Armee auf und verließ die Armee am 13. November 1947. Gewohnt hat er zuletzt in Camden New Jersey, wo er am 24. Juni 1996 starb. Über seine Familie wissen wir noch nicht viel.

Abraham Alfred van Dyk nannte sich in den USA Fred und ist leider in diesem Jahr verstorben. Auch er ist im Militärdienst der US-Armee gewesen, dazu fehlen im Moment noch die Daten. Er lebte in Philadelphia/Pennsylvania zusammen mit seinem Freund William Brodsky, der ebenfalls aus einer alten jüdischen Familie stammte. Seine Familie war aber schon viel eher nach Amerika gekommen. Es war eine russisch-jüdische Familie, die vor über 100 Jahren in Russland sehr verfolgt wurde. Die Vorfahren von William, Brodsky gründeten 1883 die erste landwirtschaftlich ausgerichtete jüdische Siedlung im US-Bundesstaat New York.

Quelle: Persky/Perski/Perskie, (Yocheved Persky Branch), Home Page von

Jana Lynne Perskie

Wir fanden eine Todesanzeige für einen Fred van Dyk, der nach unserer Meinung mit unserem Auricher Abraham-Alfred van Dyk identisch ist, in der von einer Schwägerin Elisabeth van Dyk sowie von Neffen und Nichten die Rede ist. Danach war sein Bruder Meno verheiratet und seine Witwe lebt noch. Hier arbeiten wir noch daran, nähere Informationen zu bekommen.

Fred van Dyk (wenn es der „Richtige“ ist, wie wir vermuten) starb am 23. März 2013 und wir haben ein Kondolenzbuch im Internet gefunden. Wir könnten überlegen, ob wir uns dort zur Verlegung des Stolpersteins eintragen. Das jüdische Beerdigungsinstitut „Joseph Levine & Son. Inc.“ hält die Seite noch bis zum 25. März 2014 vor.

FRED VAN DYK

This Guest Book will remain online until 3/25/2014 courtesy of Joseph Levine & Son, Inc..

Sign Guest Book Add Photo to Gallery Light a Candle

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

 

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Moritz Lerf, Laura Lindena, Jana Warnke

Jürgen Hoogstraat

Hauptkonfirmandengruppe Neu-Ekels
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 5.09.2013)

Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Anhang 1

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 27. August 1931

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 29. November 1934: „Aurich, 19. November (1934).

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. Dezember 1936

Stellenanzeige für einen Lehrling für die Firma van Dyk in Aurich in der Provinz Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang 2

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 23. Juni 1938
Quelle: Alle Zeitungsartikel stammen aus der Sammlung judaica alemanica im Internet.

 

 

 

 

 

 

Abraham Alfred van Dyk

Veröffentlicht: 27. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham Alfred van DykAbraham Alfred van DYK
geboren am 9. Oktober 1921 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21 (ehem. Wilhelmstraße)
Todesdatum: 23. März 2013
Todesort: Philadelphia/Pennsylvania, USA
I. Die Vorfahren der Geschwister Abraham Alfred (*9.10.1921), Meno Lothar (*24.05.1923) und Margrit (*5.05.1929) van Dyk.
Wir beginnen unseren Überblick zur Geschichte der Familie van Dyk   zunächst mit den Daten, die wir aus vier Generationen der Familie herausfinden konnten. 200 Jahre der Geschichte dieser Familie können wir so wenigstens ansatzweise überblicken:Urgroßeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno Lothar und Margrit:
Gessel Aron van Dyk, Geboren um 1811, gestorben Aurich 19.08. 1892
Verheiratet mit: Guterath Samuel Heymann, Geb. Aurich 29.07. 1824, gestorben Aurich 17.07. 1880Zwei Kinder dieser Ehe sind relativ jung in Aurich gestorben:
a). Esther Gessel van Dyk, geb. Aurich 1857, gest. Aurich 1885
b). Aaron Gessel van Dyk, geb. Aurich 1859, gest. Aurich 1888
c). mit dem dritten Kind Abraham Gessel van Dyk: geht die Geschichte der Familie in Aurich weiter:Großeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Abraham Gessel VAN DYK, Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, geboren Aurich 13.08.1861, Gestorben Aurich 12.11.1934
Für ihn gab es einen ausführlichen Nachruf, s. unten.
Verheiratet mit: Mathilde Levy, Altenkirchen 18.06.1864, deportiert nach Theresienstadt 16.06.1942, dort verschollen
deren Eltern: Hirsch und Amalie Levy, geb. Stern
gemeinsames Kind: Karl van Dyk, s. unten „Eltern“

Eltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Karl van Dyk, Kaufmann, im Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich,
geboren Aurich 05. 08.1894, gestorben KZ Buchenwald 07.02.1945
Verheiratet mit:
Erna Wolff, Geboren Aurich 04.03.1893, ermordet KZ Stutthof  bei Danzig 18.12.1944
deren Eltern: Moses Levy Wolff und Frau Rosa Meyer, geb. Sternberg

Kinder von Karl und Erna van Dyk:
1). Abraham Alfred van Dyk, später genannt „Fred“
geb. Aurich 09. 10. 1921, 1940 nach Amerika

2). Meno Lothar van Dyk
geb. Aurich 21.05.1923, 1940 nach Amerika

3). Margrit van Dyk
geb. 05.05.1929 in Aurich, ermordet 15.01.1945 im KZ Stutthof

Wir erforschen den Lebenslauf der Geschwister Margrit, Alfred und Meno Lothar van Dyk. Um etwas über ihre Familie lernen zu können, haben wir hier zuerst Informationen über die Großeltern und Eltern der Kinder gesammelt. Die Familie van Dyk war so sehr bekannt in Aurich, dass sie auch in plattdeutschen Theaterstücken, die in der jüdischen Gemeinde in Aurich spielen, vorkommt. Ein Beispiel ist das Stück: „Das verfrühte Schulerufen“ , das 1902 geschrieben wurde. (Quelle: Gertrud Reershemius).

Der Großvater Abraham van Dyk war ein sehr anerkannter Mann und hat sich große Verdienste als Gemeindevorsteher erworben. Auf eine Anfrage in der Kirchengemeinde, ob es noch Erinnerungsstücke in Victorbur an diese Familie gibt, erhielten wir einen Kleiderbügel mit der Aufschrift „A. van Dyk“ und den Hinweis auf eine Stellenanzeige aus einer alten Zeitung, aus der hervorgeht, dass Abraham van Dyk seinen Glauben sehr ernst nahm und sein Geschäft am Sabbath und an jüdischen Festtagen immer geschlossen hielt. 1931 wurde mit einer großen Feier sein 70. Geburtstag begangen. 1934 ist Abraham van Dyk verstorben. Wir fanden es interessant, dass zwei Jahre später in einem Extra-Artikel noch auf seine Verdienste hingewiesen wurden, da sie in einem Bericht über die jüdische Gemeinde nicht ausreichend erwähnt worden waren. (Artikel über Großvater van Dyk s.u. Anhang 1)

II. Die Familie van Dyk muss Aurich verlassen

In einem Artikel aus der Zeitung „Der Israelit“   vom 23. Juni 1938 (s. u. Anhang 2) ist zu lesen, wie schmerzhaft der Abschied von Aurich und der jüdischen Gemeinde für die Familie van Dyk und die verbleibenden Gemeindeglieder war.

Ein Blick in die frühere Wilhelmstraße in Aurich; rechts in der Mitte befand sich das Textilgeschäft van Dyk (heute „H & M“). Von hier wurde die Familie van Dyk durch massiven Terror vertrieben.

Die letzten Wohnsitze der Familie waren in Köln nachweisbar, die Karten der zuständigen Einwohnermeldeämter haben wir im Staatsarchiv in Aurich gesehen. Wir haben gelernt, dass die jüdischen Mitbürger mit immer stärker werdender Gewalt und massivem Terror zunächst gezwungen wurde, Aurich zu verlassen. Nicht einmal zusammen durften die Eltern van Dyk mit ihrer Tochter Margrit an ihrem letzten Wohnsitz Köln wohnen, Tochter und Vater mussten in eine Wohnung ziehen, die Mutter in eine andere. Es waren sehr beengte Verhältnisse und immer mehr Leute mussten auf engem Raum zusammen unter den schlechtesten Verhältnissen leben.

Von Köln aus wurden die Eltern und die Tochter verschleppt nach Riga, kamen dann nach Buchenwald bzw. Stutthof bei Danzig in ein Konzentrationslager, wo sie schließlich umgebracht wurden. In einem offiziellen Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wird die Erinnerung an dieses schreckliche Ende von Eltern und Tochter aufbewahrt. Der Vater Karl van Dyk (*05.08.1894 in Aurich, +07.02.1945 in Buchenwald) wurde mit letzter Anschrift in Köln Thieboldsgasse 93 geführt, bevor er mit Frau und Kind am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Er gehörte zu denen, die von Riga im Sommer 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig verlegt wurden, von wo er am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald kam. Vom 21.08.1944 datiert sein letztes Lebenszeichen.

Seine Frau Erna van Dyk geb. Wolff (*04.03.1893, +18.12.1944 in Stutthof) musste in Köln von ihm getrennt in der Rochusstrasse 108 leben, ehe sie mit dem gleichen Transport wie ihr Mann am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Auch sie wurde noch ins KZ Stutthof verlegt, wo sie am 09.08.1944 registriert wurde.
Die gemeinsame Tochter Margrit van Dyk (*05.05.1929 in Aurich, +15.01.1945 in Stutthof) lebte vor der Deportation mit dem Vater in Köln, Thieboldsgasse 93. Sie wurde mit ihren Eltern am 07.12.1941 nach Riga deportiert, von dort ins KZ Stutthof, wo sie wie ihre Mutter am 09.08.1944 registriert wurde. Hier fanden sie den Tod. (Quelle: Gedenkbuch und Unterlagen aus YadVashem)

III. Die Flucht der Brüder van Dyk nach Amerika

Als nächsten Schritt versuchen wir, die Übersiedlung der beiden überlebenden Brüder van Dyk zu dokumentieren. Hierfür erhielten wir folgende Dokumente von der Einwanderungsbehörde der USA. Dazu erfuhren wir, dass die Menschen, die vor dem Nazi-Terror in die USA flüchten wollten, nicht einfach so einreisen konnten, sondern einen Bürgen brauchten, der für sie aufkam und sich die Kosten, die die Einwanderer verursachen könnten, übernehmen würde. Folgende Grund-Kosten wurden uns im Falle der Brüder van Dyk genannt:

Steamship Passage (approximate)…………….$350.00
Embarkation Fee…………………………………………19.50
U.S. Head Tax………………………………………………8.00
Maintenance at Lisbon (10 days average)……….10.00
Board money on ship……………………………………10.00
Rail fare Spanish Border to Lisbon………………. 42.00
Cable Charge…………………………………………………2.50
Balance to apply to possible additional cable…….8.00
Somit mussten zunächst 450 Dollar für jeden Bruder eingezahlt werden. Folgende Einträge gibt es im Einwanderungsregister der USA:

Name: Meno L Van Dyk
Arrival: 17 April 1940, Emigration Location: Germany
Birth Location: Aurich, Age: 16, Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friend’s Name: H Gleuck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volendam
Last Permanent Address: Rotterdam
Occpation: Confectioner

Name Abraham Alfred Van Dijk
Arrival: 17 April 1940,
Birth Location: Aurich, Age: 18, Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friends Name: H. Glueck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volendam
Last Permanent Address: Winschoten
Occupation: Tailor

Quelle: Lorinda Mann, Salt Lake City/USA

Soweit wir ermitteln konnten, lebten die Brüder van Dyk dann zuerst im Bundesstaat Pennsylvania. Dort erhielten sie ihre Sozialversicherungsnummer (social security). Anhand dieser Nummer werden sich dann Einzelheiten aus dem Leben wieder finden lassen.

Meno Lothar van Dyk nahm am 1. März 1943 seinen Dienst in der US-Armee auf und verließ die Armee am 13. November 1947. Gewohnt hat er zuletzt in Camden New Jersey, wo er am 24. Juni 1996 starb. Über seine Familie wissen wir noch nicht viel.

Abraham Alfred van Dyk nannte sich in den USA Fred und ist leider in diesem Jahr verstorben. Auch er ist im Militärdienst der US-Armee gewesen, dazu fehlen im Moment noch die Daten. Er lebte in Philadelphia/Pennsylvania zusammen mit seinem langjährigen Lebenspartner  William Brodsky, der ebenfalls aus einer alten jüdischen Familie stammte. Seine Familie war aber schon viel eher nach Amerika gekommen. Es war eine russisch-jüdische Familie, die vor über 100 Jahren in Russland sehr verfolgt wurde. Die Vorfahren von William Brodsky gründeten 1883 die erste landwirtschaftlich ausgerichtete jüdische Siedlung im US-Bundesstaat New York.

Quelle: Persky/Perski/Perskie, (Yocheved Persky Branch), Home Page von Jana Lynne Perskie

Wir fanden eine Todesanzeige für einen Fred van Dyk, der nach unserer Meinung mit unserem Auricher Abraham-Alfred van Dyk identisch ist, in der von einer Schwägerin Elisabeth van Dyk sowie von Neffen und Nichten die Rede ist. Danach war sein Bruder Meno verheiratet und seine Witwe lebt noch. Hier arbeiten wir noch daran, nähere Informationen zu bekommen.

Fred van Dyk (wenn es der „Richtige“ ist, wie wir vermuten) starb am 23. März 2013 und wir haben ein Kondolenzbuch im Internet gefunden. Wir könnten überlegen, ob wir uns dort zur Verlegung des Stolpersteins eintragen. Das jüdische Beerdigungsinstitut „Joseph Levine & Son. Inc.“ hält die Seite noch bis zum 25. März 2014 vor.

FRED VAN DYK

This Guest Book will remain online until 3/25/2014 courtesy of Joseph Levine & Son, Inc..

Sign Guest Book Add Photo to Gallery Light a Candle

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Moritz Lerf, Laura Lindena, Jana Warnke, Jürgen Hoogstraat
Hauptkonfirmandengruppe Neu-Ekels
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 5.09.2013)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft: Wolfgang Mönkemeier
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Anhang 1

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 27. August 1931

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 29. November 1934: „Aurich, 19. November (1934).

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. Dezember 1936

Stellenanzeige für einen Lehrling für die Firma van Dyk in Aurich in der Provinz Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang 2

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 23. Juni 1938
Quelle: Alle Zeitungsartikel stammen aus der Sammlung judaica alemanica im Internet.

 

 

 

 

 

 

Ursula Glück verh. Sherman

Veröffentlicht: 19. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Ursula GLÜCK verh. Sherman
geboren am 16. Februar 1935 in Aurich

Straße: Leerer Landstraße 14
Todesdatum: 1937 Flucht in die USA
Todesort:
Ursula Glück wird am 16. Februar 1935 als jüngstes Kind des Kaufmanns Abraham Glück und seiner Frau Hilde Glück in Aurich geboren.

Abraham Glück, Jahrgang 1899, stammt aus Odessa im damaligen Russland, wo er schon als Kleinkind beide Eltern verloren hat. Er ist in Hamburg-Altona aufgewachsen und ist 1918 von dort nach Aurich gekommen. Als Kaufmann hat er zusammen mit Gustav Katz in der Marktstr. 13 das Leder- und Pelzgeschäft „Glück und Katz“ betrieben.

Hilde Glück (Jahrgang 1902), Ursulas Mutter, ist in Aurich als Tochter des Kaufmanns Moses Wolff und seiner Ehefrau Rosa Wolff (geb. Sternberg) aufgewachsen. Hilde hatte sieben Geschwister.
Abraham Glück und Hilde Wolff haben am 4. Dezember 1926 geheiratet. Die deutsche bzw. preußische Staatsbürgerschaft hat Abraham Glück erst 1929 nach einem jahrelangen Antragsverfahren bekommen. Zu dem Zeitpunkt ist der Sohn Heinz, Ursulas älterer Bruder, schon geboren.

Die Familie wohnt in der Leerer Landstr. 14. Auf der Meldekarte sind verschiedene weitere Bewohner vermerkt. Im September 1935 zieht die nun vierköpfige Familie um in die damalige Gartenstraße, heute von-Jhering-Str. 27.

Ab 1935 wird die Situation für Juden in Deutschland immer schwieriger. Das wird der Grund dafür gewesen sein, dass die Familie Glück im September 1937 die Flucht in die USA antritt. Ursula ist zu der Zeit 2 ½ Jahre alt, ihr Bruder 9. Die Schiffsreise führt von Hamburg über Le Havre nach New York. In der Passagierliste des Schiffes „Georgic“ sind die Namen aller Familienmitglieder zu finden.

In den USA wohnen sie zunächst in Philadelphia in Pennsylvania und ziehen später um nach Kalifornien.

Ursula heiratet am 6. Juli 1957 den Musiker und Komponisten Richard M. Sherman, der am 12. Juni 1928 in New York als Sohn russischer Einwanderer geboren wurde. Er ist zusammen mit seinem älteren Bruder Robert B. Sherman (1925 – 2012) berühmt geworden und hat als Songwriter und Komponist von Musicals (z.B. „Mary Poppins“) und Filmmusiken („Dschungelbuch“) viele Preise und Auszeichnungen (Academy Awards bzw. Oscars) verliehen bekommen. Von solchen und ähnlichen Anlässen ist eine Reihe von Fotos im Internet zu finden. Auch Ursula, die in den USA auch Elizabeth genannt wird, ist häufig darauf zu sehen.

Richard und Ursula Sherman geb. Glück mit ihrer Tochter Victoria (Foto: facebook)

Sie und Richard M. Sherman haben zwei inzwischen erwachsene Kinder: einen Sohn und eine Tochter, Gregory Vincent und Victoria Lynn, und sechs Enkelkinder.

Ursula Elizabeth Sherman, geb. Glück, lebt in Beverly Hills /California. Ihr Ehemann Richard ist dort am 25. Mai 2024 im Alter von 95 Jahren verstorben.

Die Verlegung der Stolpersteine vor dem Haus Leerer Landstraße 14

Der Bericht in den Ostfriesischen Nachrichten vom 27. Mai 2024

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021), Ergänzungen Günther Lübbers 1.06.2024
Foto:

Fotos Verlegung

Facebook

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: www.myheritage.de/research;
https://search.ancestry.com (Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York 1897-1957)
https://en.wikipedia.org/wiki/Richard_M._Sherman
Literatur:
Patenschaft: GE-Kurs der IGS Aurich
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Cäcilie Usansky geb. Rowoldt

Veröffentlicht: 19. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Cäcilie USANSKY geb. Rowoldt
geboren am 10. August 1862 in Wyk/Föhr

Straße: Wallstraße 24
Todesdatum: 1939 Flucht nach Schweden, verstorben am 30.12.1948
Todesort: Stockholm
Geboren wird Cäcilie Rowoldt am 10.08.1862 in Wyk auf Föhr. Sie ist das älteste von acht Kindern ihrer Eltern Regine geb. Trier (1838-1930) und Wilhelm Rowoldt (1822-1912). 1879 zieht sie nach Aurich und arbeitet als Kindermädchen.

Sie heiratet am 18.09.1883 in Hamburg-Altona Jacob Markus Usansky, geboren 1859 in Neshwisch, Novogrudek/Minsk, der wahrscheinlich 1877 nach Deutschland gekommen ist.
1883 zieht das Ehepaar nach Aurich in die Kirchstr. 7.

V. l. Julius, Leo, Rosa, Friedrich, Regine, Bertha, Sara, Albert und die Eltern Jakob und Cäcilie Usansky, Aurich 1898 (Foto: Privat)

Jacob Usansky betreibt ein Pfandleihgeschäft in der Kirchstraße 39. Er verstirbt am 11.Mai 1900 im Alter von 41 Jahren in Aurich.

Jakob und Cäcilie Usansky bekommen 9 Kinder.

– Rosa: geb. 20.07.1884, heiratet Georg Sabel (*22.06.1879) und zieht nach Krefeld. Sie haben 3 Kinder (Julius *27.05.1910, Charlotte verh. Servos *15.09.1914, Frieda *25.12.1922). Beide werden mit ihrer Tochter Charlotte und deren Mann Fritz Servos am 11.12.1941 nach Riga deportiert. Georg wird 1942 in Stutthof ermordet, Rosa im Jahr 1943, Lotte am 22.10.1944.

– Albert: geb. 20.09.1885, zieht nach Hamburg und heiratet dort am 27.06.1913 Dora Müller (*24.01.1891 +7.05.1940). Er flieht nach Argentinien und stirbt dort 1969 in Buenos Aires. Die Söhne Werner Gustav (1913-1981) und Leonhard Frederik (1916-1988) können in Argentinien bzw. England überleben.

– Josef: 03.03.1887 (er nennt sich später Julius Upmann) verstirbt im Jahr 1941. Seine Ehefrau Aenne geb. Jülich verstirbt bereits 1936 in Duisburg.

– Friedrich Wilhelm: geb. 04.07.1888, verstorben 1910 in Nizza

– Leonhard: geb. 04.12.1889, verstorben 1915 in Aurich

– Regine: 09.02.1892, heiratet Max Goldberg, beide verziehen 1933 nach Stockholm. Regine verstirbt 1984 in Stockholm.

– Bertha: 17.05.1895, heiratet Christof (Kitty) Bruns. Sie bekommen zwei Söhne, Hans und Harald, die beide in Michendorf (in der Nähe von Potsdam) geboren werden. Die Eheleute entscheiden sich 1935, ihren ältesten Sohn Hans nach Schweden zu seiner Tante Ine und seinem Onkel Max zu geben, da er in der Schule wegen seiner jüdischen Mutter schikaniert wird. Im Sommer 1938 emigriert Bertha mit ihrem jüngeren Sohn Harald ebenfalls nach Schweden. Ihr Mann Kitty (Christof) darf als Angehöriger der deutschen Wehrmacht im Dezember 1938 während eines Urlaubs seine Familie in Schweden besuchen. Er desertiert und bleibt in Schweden.

Die Tochter von Hans, Eva, heiratet Tadeusz Gruber.
Bertha stirbt 1989 in Stockholm.

v. l. Klas Hellstadius, Susanne Hellstadius, Eva Gruber, Emma Blesene, Rolf-Werner Blesene, Tadeusz Gruber (Foto: T. Gruber)

Eva und Tadeusz Gruber nehmen an der Stolpersteinverlegung für ihre Urgroßmutter Cäcilie am 05. Oktober 2021 teil, ebenso die Tochter von Harald, Susanne, mit ihrem Mann Klas Hellstadius (s. Foto).

 

– Sara: 10.08.1897, zieht am 22.07.1929 von Walsrode (unbekannt, wann sie dort hinzog) zurück nach Aurich. Sie heiratet am 18.08.1929 Jakob Pels. Das Ehepaar verzieht nach Leer. Sara wird am 11.07.1942 von Hamburg aus nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Sohn Meno überlebt, da er 1939 mit seiner Großmutter Cäcilie nach Schweden emigrieren kann (s. u.).

Hochzeitsfoto von Sara geb. Usansky und Jakob Pels am 18.08.1929   – 1 Sara Pels geb. Usansky, 2 Jakob Pels, 3 Regine Goldberg geb. Usansky, 4 Bertha Bruns geb. Usansky, 5 Kitty/Christoph Bruns, 6 Cäcilie Usansky (Saras Mutter), 7 Rosa Sabel geb. Usansky mit Kind, über dem Kind: Josef „Julius Upmann“ mit Frau Anne, 8 Albert Usansky, links neben der Braut der Vater Bräutigams mit Enkel (Foto: Privat)

– Louise: geb.12.11.1899, verst. 28.06.1900

Cäcilie Usansky verzieht am 1.03.1930 in die Kirchdorfer Str. 36, am 1.06.1931 in den Breiten Weg 1, am 1.04.1932 in die Wallstr. 24, am 15.10.1937 in die Marktstr. 2.

Am 6.02.1939 übersiedelt sie zu ihrer Tochter Regine und ihrem Schwiegersohn Max Goldberg nach Stockholm, Svarvargatan 14, zusammen mit Enkel Meno Jakob Pels. Dadurch verliert sie 1942 die deutsche Staatsangehörigkeit.
Sie verstirbt am 30.12.1948 in Stockholm.

Bemerkung auf der Meldekarte: “die Usansky ist nach Schweden abgemeldet, kommt vielleicht wieder. Der Haushalt wird übernommen von der Tochter Sara Pels, geb. Usansky am 07.02.1939.“

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Fotos Familienbesitz: Eva Bruns, T. Gruber
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
Auskünfte der Familie
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_411211.html
Literatur:
Patenschaft: Familie Blesene/Schicho
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Günther Wolff

Veröffentlicht: 18. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Günther WOLFF
geboren am 16. April 1930 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Flucht nach Palästina 1939, verstorben 1974
Todesort: Gedera
Günther Wolff wird am 16.04.1930 in Aurich geboren. Er ist das zweite Kind von Frida Wolff geb. Valk und Levy Isaak Wolff. Seine ältere Schwester Renate wird am 10.01.1929 in Aurich geboren. Zunächst können wir außer dem Geburtsdatum und den Namen der Eltern nichts über sein Leben erfahren.

Seine Mutter Frida Valk wird am 31.03.1897 in Emden geboren. Sie ist die Tochter von Valk Valk (1855-1941) und Hinderina geb. Fulda (1864-1942), beide geboren in Emden. Frida hat 3 Geschwister, von denen zwei Opfer der Shoa werden (Samuel Erich, + Auschwitz 1943 und Moritz, + 1942 Minsk). Ihre Mutter stirbt 1942 im Ghetto Lodz.

Frida heiratet am 31. Mai 1927 Levy Isaak Wolff aus Aurich.

Levy Isaak Wolff wird am 28.05.1892 geboren. Seine Eltern sind Isaak Abraham Wolff (1848-1933) und Regine Schulenklopper (1853-1936) aus Norden. Die beiden haben sieben Söhnen. Levy ist der 5. in dieser Reihe. Zwei seiner Brüder (Jakob Isaak Wolff, + Minsk 1941 und David Isaak Wolff + Auschwitz 1943) werden Opfer der Shoa, die anderen können nach Südamerika (Abraham und Wilhelm), Palästina (Levy) bzw. in die USA (Joseph und Siegfried) fliehen.

Der Vater von Levy arbeitet wie bereits Generationen vor ihm als Schlachter und Viehhändler und auch Levy wird in diesem Beruf tätig. Zusammen mit seinen Brüdern Abraham und Wilhelm arbeitet er im Betrieb seines Vaters in der Markstraße 5, so erfahren wir es aus dem Einwohnerverzeichnis von 1926.

Renate und Günther Wolff ca. 1932, Foto: privat

Im Juni 1927 ziehen Frida und Levy in ihr eigenes Heim in der Wallstraße 56. Sie bekommen zwei Kinder. Am 10.01.1929 wird ihre Tochter Renate geboren und am 16.04.1930 ihr Sohn Günther.

Wie alle jüdischen Geschäfte leidet auch die Schlachterei der Wolffs unter den schon im April 1933 beginnenden Boykottmaßnahmen der Nazis. Auch in Aurich werden vor jüdischen Geschäften Schilder mit dem Text „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei Juden!“ aufgestellt. So wird ihnen systematisch die Kundschaft und die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Am 24.03.1933 zieht Levy Wolff mit seiner Familie in die Leerer Landstraße 18. Dort wohnt er zusammen mit der Familie Martin Wolff, zu der auch Hannelore Wolff – bekannt durch ihre Rettung auf Schindlers Liste – gehört. Hier stand auch der Fliederbaum, der ihrem Buch „Ich pflanze einen Flieder für Dich“ den Titel gab.

Schon ein Jahr später zieht die Familie Levy Wolff in die Wallstraße 37 zu Calmer und Helene Wolff. Als diese das Haus verlassen müssen, zieht Levy am 2.05.1938 mit seiner Familie zu seinem Bruder Abraham in die Marktstr. 5.  Dieser häufige Wohnungswechsel deutet an, wie schwierig die wirtschaftlichen Verhältnisse für die jüdische Bevölkerung damals gewesen sein müssen.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 bringt mit Plünderungen von Wohnungen und Geschäften, Verschleppung der Juden in die Auricher Bullenhalle, Misshandlungen, Schikanierung und Quälereien durch SA-Männer nicht nur traumatische Erlebnisse für die jüdische Bevölkerung, ihnen wird auch endgültig die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Levy Isaak Wolff wird – wie viele jüdische Auricher Männer – im KZ Sachsenhausen interniert und erst am 15. Dezember 1938 aus der sogenannten „Schutzhaft“ entlassen. Danach steht für ihn fest, dass er mit seiner Familie aus Deutschland fliehen muss.

Nach der Rückkehr aus dem KZ zieht er noch für wenige Monate in die Marktstraße 25 zu Isaak Levy Wolff, der auch in der Schlachterei der Familie in der Marktstraße 5 gearbeitet hatte.

Reisepass Levy Isaak Wolff, Foto: privat

Am 15. Februar 1939 flieht Levy Isaak Wolff mit Frau und Kindern vermutlich mit dem Zug nach Triest und von dort mit dem Schiff nach Palästina. Levys Reisepass existiert noch! Die Kinder Renate und Günther sind damals 10 und 8 Jahre alt. Die Familiengeschichte erzählt, dass Levy beim Verlassen des Hotels am Triester Hafen mit seinem schweren Koffer eine Glastür beschädigte. Ein verständnisvoller Hotelangestellter riet ihm, schnell zu verschwinden, damit er sein Schiff nicht verpassen müsste!

Zunächst war es unmöglich, außer dem Todesjahr von Günther Wolff irgendwelche Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie zu finden.  Aber dank der Verbindungen von Günther Lübbers und der DIG zu früheren Auricher Bürgern und deren Nachkommen, die heute in Israel leben, können wir von Jack de Lowe aus Israel zumindest die Lebensdaten der Familie Wolff und die Eheschließung von Renate Wolff mit Arthur Steinmann erfahren.

Mehr können wir leider zunächst nicht über Renate und Günther herausfinden. Aber dann landen wir

Der von Arthur Steinmann gefertigte Schuh

doch noch einen Treffer im Internet. Auf Facebook finden wir einen Artikel unter dem Motto „Gegenstände erzählen ihre Geschichte“. Es geht um einen Schuh, den Arthur/Asher Steinmann gefertigt hat. Hier erfahren wir mehr über sein Leben und das von Renate Wolff. Mit diesen Informationen können wir über den Synagogen-Verein in Rexingen im Schwarzwald – von dort flohen viele Juden nach Nahariya – eine Verbindung zu Ronit Wolff verh. Schwarz, einer Tochter von Renate Wolff, herstellen. Von ihr erfahren wir viel über ihre Eltern und Großeltern. Sie verfügt über viele Photos und Dokumente und sogar noch über eine Singer Nähmaschine ihrer Großeltern.

Levy und Frieda Wolff in Gedera

Doch zurück zur Familiengeschichte: Levy und Frida Wolff leben mit ihren Kindern zunächst in Gedera, einem kleinen Ort etwa 40 km südlich von Tel Aviv. Frida arbeite in einer Wäscherei und als Reinigungskraft. Levy fand nur Gelegenheitsarbeiten beim Straßenbau. Später findet er Arbeit in einer Molkerei in Gedera.

Die Familie lebt zunächst in nur einem Zimmer bis sie sich einige Jahre später von dem Reparationsgeld eine richtige Wohnung mit Küche und Bad leisten und sogar einen Weinberg kaufen können. Im Jahr 1966 ziehen Levy und Frida

Renate und Günther Wolff ca. 1940, Foto: privat

Wolff von Gedera zu ihrer Tochter Renate nach Nahariya, einem Küstenort etwa 120 km nördlich von Tel Aviv.  Frida Wolff verstirbt am 30.05.1975 im Alter von 78 Jahren, Levy Wolff am 15.03.1979 im Alter von 86 Jahren. Er war ein sehr religiöser Mensch und betete zweimal täglich in der Synagoge.

Günther Wolff ca. 1948, Foto: privat

Ihr Sohn Günther stirbt schon im November 1954 bei einem tragischen Traktorunfall während der Arbeit in einem Kibbuz. Er wird nur 24 Jahre alt.

Ihre Tochter Renate wird nach der Grundschule auf ein Internat nach Tel Aviv geschickt. Später lebt sie in Jerusalem bei einem Bruder ihrer Mutter, Ludwig Valk. In Jerusalem absolviert sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester im Bikur Cholim Hospital . Im Jahr 1952 heiratet sie Asher/Arthur Steinmann.

Arthur Steinmann wird im Jahr 1923 in Gemünden/Wohra (30km nordöstlich von Marburg) geboren. Er flieht 1939 aus Deutschland mit Hilfe der Kinder- und Jugend Aliya, einer jüdischen Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Etwa 21.000 Kinder und Jugendliche konnten auf diese Weise aus dem Nazi-Deutschland entkommen.

Renate Wolff und Asher Steinmann haben zwei Kinder:  Eine Tochter, Ronit, geboren 1954, und einen Sohn, Yigal, geboren 1957. Die Tochter Ronit ist mit Yigal Schwarz verheiratet und hat 3 Kinder.

Aus den Berichten über Arthurs Kindheit erfahren wir von den Schikanen durch Lehrer und Mitschüler, den Rat eines wohlgesonnenen Schulleiters, auszuwandern, die Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina auf einem Bauernhof in der Nähe von Hamburg und die Ankunft in Palästina im März 1939. Bald nach der Ankunft nehmen ihn Verwandte, Max und Pepi Kadden, auf, die in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nahariya leben. Max ist Schumacher und bringt Arthur dieses Handwerk bei. So wurde Arthur/Asher ein erfolgreicher Schuhmacher.

Asher/Arthur Steinmann stirbt im Jahr 2009 im Alter von 86 Jahren. Noch mit 80 Jahren soll er Schuhe gefertigt haben. Seine Frau Renate/Rachel stirbt am 30.08.2010 im Alter von 81 Jahren in Nahariya, ihr Sohn Yigal  am 01.02. 2010 in Haifa.

Dank Ronit Schwarz, der Enkeltochter von Levy und Frida Wolff konnten wir doch noch viel über das Leben der Familie Levy Wolff in Israel herausfinden.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto: Familienbesitz: Ronit Schwarz
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Ronit Schwarz
Objects tell stories: https://www.facebook.com/shaveitzionarchives/posts/2708027426111018?comment_id=2708060512774376
Literatur:
Patenschaft: Ann und Ron Baracker, USA
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Renate Wolff verh. Steinmann

Veröffentlicht: 18. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Renate WOLFF verh. Steinmann
geboren am 10. Januar 1929 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Flucht nach Palästina 1939, verstorben 2010
Todesort: Nahariva
Renate Wolff wird am 10.01.1929 in Aurich geboren. Sie ist das erste Kind von Frida Wolff geb. Valk und Levy Isaak Wolff. Am 16.04.1930 wird ihr Bruder Günther geboren. Zunächst können wir außer dem Geburtsdatum und den Namen der Eltern nichts über ihr Leben erfahren.

Ihre Mutter Frida Valk wird am 31.03.1897 in Emden geboren. Sie ist die Tochter von Valk Valk (1855-1941) und Hinderina geb. Fulda (1864-1942), beide geboren in Emden. Frida hat 3 Geschwister, von denen zwei Opfer der Shoa werden (Samuel Erich, + Auschwitz 1943 und Moritz, + 1942 Minsk). Ihre Mutter stirbt 1942 im Ghetto Lodz.

Frida heiratet am 31. Mai 1927 Levy Isaak Wolff aus Aurich.

Levy Isaak Wolff wird am 28.05.1892 geboren. Seine Eltern sind Isaak Abraham Wolff (1848-1933) und Regine Schulenklopper (1853-1936) aus Norden. Die beiden haben sieben Söhnen. Levy ist der 5. in dieser Reihe. Zwei seiner Brüder (Jakob Isaak Wolff, + Minsk 1941 und David Isaak Wolff + Auschwitz 1943) werden Opfer der Shoa, die anderen können nach Südamerika (Abraham und Wilhelm), Palästina (Levy) bzw. in die USA (Joseph und Siegfried) fliehen.

Der Vater von Levy arbeitet wie bereits Generationen vor ihm als Schlachter und Viehhändler und auch Levy wird in diesem Beruf tätig. Zusammen mit seinen Brüdern Abraham und Wilhelm arbeitet er im Betrieb seines Vaters in der Markstraße 5, so erfahren wir es aus dem Einwohnerverzeichnis von 1926.

Levy Isaak Wolff mit Tochter Renate ca. 1930, Foto: privat

Im Juni 1927 ziehen Frida und Levy in ihr eigenes Heim in der Wallstraße 56. Sie bekommen zwei Kinder. Am 10.01.1929 wird ihre Tochter Renate geboren und am 16.04.1930 ihr Sohn Günther.

Wie alle jüdischen Geschäfte leidet auch die Schlachterei der Wolffs unter den schon im April 1933 beginnenden Boykottmaßnahmen der Nazis. Auch in Aurich werden vor jüdischen Geschäften Schilder mit dem Text „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei Juden!“ aufgestellt. So wird ihnen systematisch die Kundschaft und die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Renate und Günther Wolff ca. 1932, Foto: privat

Am 24.03.1933 zieht Levy Wolff mit seiner Familie in die Leerer Landstraße 18. Dort wohnt er zusammen mit der Familie Martin Wolff, zu der auch Hannelore Wolff – bekannt durch ihre Rettung auf Schindlers Liste – gehört. Hier stand auch der Fliederbaum, der ihrem Buch „Ich pflanze einen Flieder für Dich“ den Titel gab.

Schon ein Jahr später zieht die Familie Levy Wolff in die Wallstraße 37 zu Calmer und Helene Wolff. Als diese das Haus verlassen müssen, zieht Levy am 2.05.1938 mit seiner Familie zu seinem Bruder Abraham in die Marktstr. 5.  Dieser häufige Wohnungswechsel deutet an, wie schwierig die wirtschaftlichen Verhältnisse für die jüdische Bevölkerung damals gewesen sein müssen.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 bringt mit Plünderungen von Wohnungen und Geschäften, Verschleppung der Juden in die Auricher Bullenhalle, Misshandlungen, Schikanierung und Quälereien durch SA-Männer nicht nur traumatische Erlebnisse für die jüdische Bevölkerung, ihnen wird auch endgültig die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Levy Isaak Wolff wird – wie viele jüdische Auricher Männer – im KZ Sachsenhausen interniert und erst am 15. Dezember 1938 aus der sogenannten „Schutzhaft“ entlassen. Danach steht für ihn fest, dass er mit seiner Familie aus Deutschland fliehen muss.

Nach der Rückkehr aus dem KZ zieht er noch für wenige Monate in die Marktstraße 25 zu Isaak Levy Wolff, der auch in der Schlachterei der Familie in der Marktstraße 5 gearbeitet hatte.

Reisepass Levy Isaak Wolff, Foto: privat

Am 15. Februar 1939 flieht Levy Isaak Wolff mit Frau und Kindern vermutlich mit dem Zug nach Triest und von dort mit dem Schiff nach Palästina. Levys Reisepass existiert noch! Die Kinder Renate und Günther sind damals 10 und 8 Jahre alt. Die Familiengeschichte erzählt, dass Levy beim Verlassen des Hotels am Triester Hafen mit seinem schweren Koffer eine Glastür beschädigte. Ein verständnisvoller Hotelangestellter riet ihm, schnell zu verschwinden, damit er sein Schiff nicht verpassen müsste!

Zunächst war es unmöglich, außer dem Todesjahr von Günther Wolff irgendwelche Informationen über den weiteren Lebensweg der Familie zu finden.  Aber dank der Verbindungen von Günther Lübbers und der DIG zu früheren Auricher Bürgern und deren Nachkommen, die heute in Israel leben, können wir von Jack de Lowe aus Israel zumindest die Lebensdaten der Familie Wolff und die Eheschließung von Renate Wolff mit Arthur Steinmann erfahren.

Mehr können wir leider zunächst nicht über Renate und Günther herausfinden. Aber dann landen wir

Der von Arthur Steinmann gefertigte Schuh

doch noch einen Treffer im Internet. Auf Facebook finden wir einen Artikel unter dem Motto „Gegenstände erzählen ihre Geschichte“. Es geht um einen Schuh, den Arthur/Asher Steinmann gefertigt hat. Hier erfahren wir mehr über sein Leben und das von Renate Wolff. Mit diesen Informationen können wir über den Synagogen-Verein in Rexingen im Schwarzwald – von dort flohen viele Juden nach Nahariya – eine Verbindung zu Ronit Wolff verh. Schwarz, einer Tochter von Renate Wolff, herstellen. Von ihr erfahren wir viel über ihre Eltern und Großeltern. Sie verfügt über viele Photos und Dokumente und sogar noch über eine Singer Nähmaschine ihrer Großeltern.

Levy und Frieda Wolff in Gedera

Doch zurück zur Familiengeschichte: Levy und Frida Wolff leben mit ihren Kindern zunächst in Gedera, einem kleinen Ort etwa 40 km südlich von Tel Aviv. Frida arbeite in einer Wäscherei und als Reinigungskraft. Levy fand nur Gelegenheitsarbeiten beim Straßenbau. Später findet er Arbeit in einer Molkerei in Gedera.

Renate und Günther Wolff in Gedera ca. 1943

Die Familie lebt zunächst in nur einem Zimmer bis sie sich einige Jahre später von dem Reparationsgeld eine richtige Wohnung mit Küche und Bad leisten und sogar einen Weinberg kaufen können. Im Jahr 1966 ziehen Levy und Frida Wolff von Gedera zu ihrer Tochter Renate nach Nahariya, einem Küstenort etwa 120 km nördlich von Tel Aviv.  Frida Wolff verstirbt am 30.05.1975 im Alter von 78 Jahren, Levy Wolff am 15.03.1979 im Alter von 86 Jahren. Er war ein sehr religiöser Mensch und betete zweimal täglich in der Synagoge.

Ihr Sohn Günther stirbt schon im November1954 bei einem tragischen Traktorunfall während der Arbeit in einem Kibbuz. Er wird nur 24 Jahre alt.

Renate Wolff ca. 1948, Foto: privat

Ihre Tochter Renate wird nach der Grundschule auf ein Internat nach Tel Aviv geschickt. Später lebt sie in Jerusalem bei einem Bruder ihrer Mutter, Ludwig Valk. In Jerusalem absolviert sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester im Bikur Cholim Hospital. Im Jahr 1952 heiratet sie Asher/Arthur Steinmann.

Arthur Steinmann wird im Jahr 1923 in Gemünden/Wohra (30km nordöstlich von Marburg) geboren. Er flieht 1939 aus Deutschland mit Hilfe der Kinder- und Jugend Aliya, einer jüdischen Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Etwa 21.000 Kinder und Jugendliche konnten auf diese Weise aus dem Nazi-Deutschland entkommen.

Renate Wolff und Asher Steinmann haben zwei Kinder:  Eine Tochter, Ronit, geboren 1954, und einen Sohn, Yigal, geboren 1957. Die Tochter Ronit ist mit Yigal Schwarz verheiratet und hat 3 Kinder.

Aus den Berichten über Arthurs Kindheit erfahren wir von den Schikanen durch Lehrer und Mitschüler, den Rat eines wohlgesonnenen Schulleiters, auszuwandern, die Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina auf einem Bauernhof in der Nähe von Hamburg und die Ankunft in Palästina im März 1939. Bald nach der Ankunft nehmen ihn Verwandte, Max und Pepi Kadden, auf, die in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nahariya leben. Max ist Schumacher und bringt Arthur dieses Handwerk bei. So wurde Arthur/Asher ein erfolgreicher Schuhmacher.

Asher/Arthur Steinmann stirbt im Jahr 2009 im Alter von 86 Jahren. Noch mit 80 Jahren soll er Schuhe gefertigt haben. Seine Frau Renate/Rachel stirbt am 30.08.2010 im Alter von 81 Jahren in Nahariya, ihr Sohn Yigal  am 01.02. 2010 in Haifa.

Dank Ronit Schwarz, der Enkeltochter von Levy und Frida Wolff konnten wir doch noch viel über das Leben der Familie Levy Wolff in Israel herausfinden.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021)
Foto: Familienbesitz: Ronit Schwarz
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Ronit Schwarz
Objects tell stories: https://www.facebook.com/shaveitzionarchives/posts/2708027426111018?comment_id=2708060512774376
Literatur:
Patenschaft: Hans-Jürgen Westermayer
Verlegetermin: 5. Oktober 2021