Riwka „Berta“ HARTOG
geboren am 2. August 1872 in Aurich
Riwka „Berta“ HARTOG
geboren am 2. August 1872 in Aurich
Wilhelm HOFFMANN
geboren am 22. April 1905 in Aurich
| Straße: | Ukenastraße 2 |
| Todesdatum: | 19. August 1942 |
| Todesort: | Aurich |
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Wilhelm Hoffmann wird am 22.04.1905 in Aurich geboren. Er ist das einzige Kind der Eheleute Meyer Feibelmann und Henriette. Er ist wie sein Vater von Beruf Rind- und Pferdehändler.
Meyer Feibelmann ist im Adressbuch von 1926 als Produkten-, Vieh- und Pferdekommissär notiert. Sogar ein Telefon der Nummer 308 ist angegeben, also ein Zeichen kleiner Prosperität. Wegen Erwerbsverbot und Armut in Folge muss die Familie dieses Haus am 23.12.1936 aber aufgeben und zur Miete in die Emderstraße 16, dem Haus der jüdischen Gemeindeverwaltung, umziehen. Dort muss später die Familie Abraham Samson ebenfalls aus gleichen Gründen unterkommen. Wilhelm wohnt bei seinen Eltern, zuerst hier in der Ukenastraße 2, dann in der Emderstraße 16. Am 6.03.1938 stirbt dort sein Vater. Am 15.08.1942 wird er zusammen mit 1.004 weiteren vom Güterbahnhof Moabit nach Riga deportiert und dort wahrscheinlich kurz nach der Ankunft am 19.08.1942 ermordet. Seine Mutter wird am 14.09.1942 vom Lehrter Güterbahnhof mit 1.000 anderen nach Theresienstadt deportiert. Sie stirbt dort am 23.02.1943. Die „amtliche Todesfallanzeige“ stellt dazu fest: Marasmus senilis. – Altersschwäche. |
| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 27.01.2015) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Rep. 20 Nr. 743; Meldeblätter; Dep. 34C 143 |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Bernhard Siebelds |
| Verlegetermin: | 21. Oktober 2016 |
Meyer Feibelmann HOFFMANN
geboren am 9. März 1869 in Aurich
| Straße: | Ukenastraße 2 |
| Todesdatum: | 6. März 1938 |
| Todesort: | Aurich |
| Meyer Feibelmann Hoffmann wird am 9.03.1869 in Aurich geboren. Er ist Sohn des Feibelmann Meyer und der Röschen Selig geb. Wolff. Er hat zwei Geschwister, die jeweils 1918 und 1925 gestorben sind.
Er ist verheiratet mit Henriette geb. Hurwitz aus Lübbecke. Sie haben einen Sohn Wilhelm (geboren am 22.04.1905). Meyer Feibelmann ist von Beruf Rinder- und Pferdehändler. Produkten-, Vieh- und Pferdekommissär, wie es im Adreßbuch 1926 notiert ist. Sogar ein Telefon der Nummer 308 ist angegeben, also ein Zeichen kleiner Prosperität. Wegen Erwerbsverbot und Armut in Folge muss die Familie dieses Haus am 23.12.1936 aber aufgeben und zur Miete in die Emderstraße 16, dem Haus der jüdischen Gemeindeverwaltung, umziehen. Dort muss später die Familie Abraham Samson ebenfalls aus gleichen Gründen unterkommen. Dort stirbt Meyer Feibelmann Hoffmann am 6. 3. 1938
Im Februar 1940 muss Henriette mit ihrem Sohn Wilhelm, wie auch alle anderen Juden, Aurich verlassen. Sie ziehen nach Berlin-Schöneberg in die Kurfürstenstraße 146, ein Judenhaus. Am 14.09.1942 wird sie vom Lehrter Güterbahnhof mit 1.000 anderen nach Theresienstadt deportiert. Sie stirbt dort am 23.02.1943. Die „amtliche Todesfallanzeige“ stellt dazu fest: Marasmus senilis. – Altersschwäche. Sein Sohn Wilhelm wird am 15.08.1942 zusammen mit 1.004 weiteren vom Güterbahnhof Moabit nach Riga deportiert und dort wahrscheinlich kurz nach der Ankunft am 18.08.1942 ermordet. |
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| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 27.01.2015) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Rep. 20 Nr. 743; Meldeblätter; Dep. 34C 143 |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Arbeitskreis Stolpersteine |
| Verlegetermin: | 21. Oktober 2016 |
Henriette HOFFMANN geb. HURWITZ
geboren am 7. Januar 1869 in Lübbecke
| Straße: | Ukenastraße 2 |
| Todesdatum: | 23. Februar 1943 |
| Todesort: | Theresienstadt |
| Henriette Hoffmann geb. Hurwitz wird am 7.01.1869 in Lübbecke geboren. Sie ist heiratet den Rinder- und Pferdehändler Meyer Feibelmann Hoffmann. Als Produkten-, Vieh- und Pferdekommissär ist er im Adressbuch 1926 notiert. Sogar ein Telefon der Nummer 308 ist angegeben, also ein Zeichen kleiner Prosperität. Sie haben einen Sohn Wilhelm (geboren am 22.04.1905) und wohnen zusammen im Haus Ukenastraße 2. Wegen Erwerbsverbot und Armut in Folge muss die Familie dieses Haus am 23.12.1936 aber aufgeben und zur Miete in die Emderstraße 16, dem Haus der jüdischen Gemeindeverwaltung, umziehen. Dort stirbt ihr Ehemann am 6.03.1938. Im Februar 1940 muss Henriette mit ihrem Sohn Wilhelm, wie auch alle anderen Juden, Aurich verlassen. Sie ziehen nach Berlin-Schöneberg in die Kurfürstenstraße 146, ein Judenhaus. Am 14.09.1942 wird sie vom Lehrter Güterbahnhof mit 1.000 anderen nach Theresienstadt deportiert. Sie stirbt dort am 23.02.1943. Die „amtliche Todesfallanzeige“ stellt dazu fest: Marasmus senilis. – Altersschwäche. |
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| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 27.01.2015) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Rep. 20 Nr. 743; Meldeblätter; Dep. 34C 143 |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Gerta Gebhardt |
| Verlegetermin: | 21. Oktober 2016 |
Minka „Mia“ COHEN verh. Vos
geboren am 8. September 1923 in Aurich
| Straße: | Wallstraße 33 |
| Todesdatum: | überlebt |
| Todesort: | |
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Minka „Mia“ Cohen wird am 8.09.1923 in Aurich geboren. Sie ist das erste Kind der Eltern Jakob Moses Cohen und Hannchen geb. Wolff und hat drei weitere Geschwister: David, Martha, Manfred. Zwei weitere werden noch geboren, ein Junge vor ihr. Er stirbt am Tag der Geburt, Zilla stirbt 1939 nach 12 Tagen.
Mia wächst in einer regen großen Familie auf, einbezogen die zahlreiche Verwandtschaft aus Onkeln und Tanten, welche fast in Rufweite wohnen. Über allem lenkt und wacht mit gütigem Herz ihre Mutter. Viele weitere Kinder aus der enggebauten Auricher Altstadt gehen ein und aus. Er war ein Paradies. „Wir Kinder, die wir zu Besuch waren, liebten dieses Aurich. Motjes Kinner sünd all dor“ (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lea Oelsner in Berlin 12. Februar 2017), hieß es, wenn diese vom Haus der Wallstraße quer durch den Garten Onkel Siegfried Wolff in der Norderstraße 18 aufsuchen – und andere anderswo. Martha ist eine früh erblühende Schönheit, „aber ich war die Ältere“ . Aber ab Mitte der 30er änderte sich vieles. Die christlichen Kinder sollen nicht mehr mit den jüdischen spielen. HJ-Führer treiben die Pimpfe durch die Wallstraße, diese das Lied mit dem Judenblut und dem Messer zu brüllen hatten (Erinnerungen des Zeitzeugen und Spielgefährten der Cohen-Kinder – Heinz Determann). Mia besucht wie alle jüdischen Kinder die jüdische Volksschule in der Kirchstraße. Zum Gymnasium wäre sie nicht zugelassen worden. Eine berufliche Ausbildung ist unter diesen Umständen ebenso nicht möglich. Mia ist kurzzeitig auf einem Vorbereitungslager der Hachschara. Früh ist den Eltern klargeworden, sie müssen Deutschland verlassen. Aber wie und wohin? Ende 1938 steht hierfür eine kleine Tür offen. Ihr Vater ist mit seinem Bruder Hermann Levy in Köln auf dem britischen Konsulat. Ihnen wird ein Touristenvisum angeboten. Ihr Onkel nimmt sofort an, ihr Vater nicht, er will seinen Kindern nicht zur Last fallen (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lea Oelsner in Berlin 12. Februar 2017) . ![]() Minka Cohen ca. 1941 und Stationen der Flucht ‐ Ausschnitte aus dem Paß von Mia Januar 1940‐41 – Foto: Chana Nahari Minka verlässt Aurich am 11.08.1938 nach Bad Soden im Taunus und arbeitet in der Israelitischen Kuranstalt in der Talstraße. Diese wird in der Pogromnacht in Brand gesetzt. Mia muss Hals über Kopf am gleichen Tag von dort abreisen und kehrt nach Aurich zurück. Am 3.05.1939 geht sie nach Emden und hilft in der Küche des jüdischen Altersheims in der Klaas-Tholen-Straße. Dort arbeitet auch ihr Nachbar – Fritz Hoffmann als Koch. Sie verlässt Aurich nun endgültig am 24. November 1939. Durch Hehalutz in Berlin, einer Organisation, welche die jüdische Einwanderung nach Palästina der Alija und die Hachschara organisiert, hat sie einen Platz auf der Fluchtroute per Schiff über die Donau gefunden (Viele Details im weiteren nun aus: Gabriele Anderl, Walter Manoschek Gescheiterte Flucht „Der jüdische Kladovo-Transport“ auf dem Weg nach Palästina, Wien 1993 und – Dalia Ofer, Hannah Weiner „Dead-End Journey“ University Press of America, 1996). Sie warten auf weitere, die noch kommen sollen. Schließlich legt die URANUS der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft [DDSG] am 8. Dezember 1939 mit 1002 Flüchtlingen und Ziel Sulina, am Schwarzen Meer, ab. Unterwegs bekommt die DDSG kalte Füße, sie befürchtet ihr Schiff könnte von rumänischen Behörden festgehalten, werden, wenn in Sulina kein Seeschiff bereitliegt. Keines der Transitländer will für die Flüchtlinge aufkommen, sollten diese aus irgendwelchen Gründen an der Weiterfahrt gehindert sein. Die Flüchtlingsgruppe muss auf drei altersschwache Dampfer der jugoslawischen Staatsreederei umsteigen. Mia kommt mit 350 anderen auf die CAR DUSAN. In Kladowo hinter dem Eisernen Tor ist am 31. Dezember 1939 die Fahrt zu Ende. Der Winter kommt überraschend und man befürchtet Eisgang. Die Flüchtlinge müssen an Land in Behelfsunterkünften aushalten. Auch im Frühjahr und im ganzen Folgejahr klappt die Weiterfahrt nicht, es fehlen immer Transitvisa. Werden welche erteilt, verfallen diese innerhalb der zu kurz gesetzten Frist, da technische und finanzielle Probleme dazukommen. On doit entrer en Turque jusqu’à 5 mars 1941 – so steht es in einem geplatzten Visum. Es ist eine bittere Ironie des Schicksals, als die verzweifelten Flüchtlinge an Land auch noch miterleben müssen, wie Anfang September 1940 ein großer illegaler Transport – der letzte, der das Reichsgebiet verlassen kann – an ihnen vorüberfährt. Vier DDSG-Schiffe – MELK, SCHÖNBRUNN, HELIOS und URANUS (auf letztem hatte auch die Kladovo-Gruppe in Bratislava ihre Reise angetreten) – gleiten nun donauabwärts an ihnen vorüber. Die Verzweiflung ist unbeschreiblich. Wir konnten keinen Kontakt mit ihnen aufnehmen, da das Schiff nicht stehenblieb. Auf einem der Schiffe sind Mias Freunde aus der Auricher Nachbarschaft: Wolff Wolffs, Benno und Irma. Mia weiß dies aber zu diesem Zeitpunkt nicht. Während des Sommers 1940 ist immer wieder von einem Remorqueur (Schleppzug) die Rede, der das mit den Flüchtlingen besetzte Objekt – mit Brettern zum provisorischen Wohnschiff gemacht, den Kahn PENELOPE und einen weiteren aus dem Hafen von Kladovo ziehen soll (die jugoslawische Reederei hatte ihre Schiffe längst zurückgefordert). Im September werden die Gerüchte konkret. Ziel der Reise ist jedoch nicht mehr ein Hafen an der unteren Donau oder am Schwarzen Meer, sondern zurück zu einem serbisches Städtchen an der Save. Am 17. September 40 werden alle mit der PENELOPE und zwei weiteren Kähnen per Schlepper nach Šabac in einer fünf Tage dauernden Fahrt stromaufwärts gebracht. Am 22. Ankunft dort. Im allerletzten Augenblick, nur wenige Wochen vor dem deutschen Überfall auf Jugoslawien, kann ein kleiner Teil dieser Kladovo-Flüchtlinge doch nach Palästina entkommen. Alle Mitglieder des Transportes im Alter der Jugend-Alija befinden, also zwischen 15 und 17 Jahre alt, sind dabei. Mia ist 17½. Die Altersgrenze sei dabei, strikt eingehalten worden. Denn im Februar 1941 kommt plötzlich die überraschende Meldung, 200 Zertifikate für die Jugend-Alijah sind angekommen, mit einigen weiteren Zertifikaten für Erwachsene als Begleiter. Die Fahrt geht, im letzten Augenblick vor Ablauf der Zertifikate, in vier Gruppen über Griechenland; Bulgarien verweigert kurz zuvor. Am 16. März, um 15 Uhr, tritt die Gruppe schließlich ihre Fahrt an. Mit Lehitraoth-Rufen« [hebräisch f. Auf Wiedersehen! Aber es gibt kein Wiedersehen. Fast alle Flüchtlinge werden von der Wehrmacht später ermordet] verabschiedet sie sich. An den Bahnhöfen entlang der Strecke erhalten die Flüchtlinge von Juden, die von ihrer Durchreise erfahren hatten, Speisen und Getränke. Fast eine Woche dauerte die Fahrt bis Istanbul, da die Gleise in Griechenland durch Bombardierungen beschädigt sind. In Istanbul werden sie in einer schönen Pension einquartiert und erhalten sogar etwas Taschengeld. Junge türkische Offiziere führen sie aus und kauften den beiden Mädchen, die seit vielen Monaten nicht mehr satt geworden waren, Hühnchen, Halwa und Strümpfe. Dann geht die Reise weiter. Über die türkische Grenzstadt Meidan-Ekbès gelangen sie nach Syrien, weiter zur libanesischen Grenzstadt Nakoura. Am 30. März 41 betritt sie dann in Rosh Haniqra palästinensischen Boden. Die Fahrt endet in dem mit Stacheldraht gesicherten Lager Atlit am Strand hinter den Dünen, südlich von Haifa. ![]() Jüdische Kinderflüchtlinge, die den Holocaust überlebten, steigen am 15.07.1945 in Atlit aus Nach nur neun Tagen kommt sie überraschend frei. Die Mutter ihrer Kusine (Mia damals unbekannt) geht in das Lager, um ihren dort angekommenen Neffen Kurt aus Gotha auszulösen. Dieser hatte einen Freund dort gefunden: Jupp Vos, auch illegal, aus Neuenahr. Und was ist mit ihr? Und sie deuteten auf Mia (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lea Oelsner in Berlin 12. Februar 2017). Sie kann Mia mitnehmen und bei ihrer Tante Erna Schlüssel geb. Wolff unterbringen. Besagter Jupp wird später ihr Ehemann. Mia besucht die Hauswirtschaftsschule Beit Zeirot Misrachi (Haus für religiöse junge Frauen) in Jerusalem. Diese Schule nimmt geflüchtete junge Frauen auf, um ihnen grundlegende Pionier-Fertigkeiten in Haus- und Landwirtschaft in einer tropischen Umgebung zu vermitteln. Sie ist noch durch die Hungerzeit in Jugoslawien krank und geschwächt. Sie erwähnt in den Briefen aber kein weiteres Detail. Mia und Jupp werden bald ein Paar. Jupp Vos wird zuvor als Illegaler auf der PATRIA festgehalten und soll mit vielen anderen nach Mauritius deportiert werden. Die PATRIA explodiert durch eine Bombe, gelegt von der Hagana, und kentert im Hafen von Haifa. Jupp übersteht dies und wird stattdessen für 10 Monate in Atlit interniert.
Sie heiraten am 4. Februar 1943 in Jerusalem, wohnen in Ra’anana, Chana wird am 4. Dezember 1946, Eliezer am 1. August 1950 geboren. Mia führt den Haushalt, arbeitete zeitweilig in einem Konsum, macht alles und kann alles. „Jeder mußte alles können, der Beruf von jedem in dieser Zeit war „Universalist‘“ so beschreibt es ihre Kusine Lea Oelsner. Und so ist Mia überall, emsig und flink und alles für die Familie. Aber sie hilft auch anderen in Not geratenen, ist im sozialen Leben von Ra’anana mittendrin und beteiligt sich an verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen. Die Familie Vos pflegt ein offenes und geselliges Haus. „ … Es war immer remmi-demmi, die Tür stand stets auf.“ Ihr Onkel Levy Hermann mit seinen Kindern und Kindeskindern wohnt direkt gegenüber. Ihr Mann Jupp, aus einer Viehhändler-Familie stammend, arbeitet erst in zwei Kibbuzim in der Landwirtschaft. Später macht er sich selbständig mit einem Pferd. Dann baut er Stallanlagen, später hat er ein Fahrradgeschäft. Zuletzt ist er Zivilangestellter bei einer staatlichen Rüstungsfirma, der Israel Military Industries (IMI). Er stirbt plötzlich im 65. Lebensjahr am 26. Juli 1983 während eines Tennisspiels. Eine ausführliche Biografie von findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.
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| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 24.01.2018) |
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| Foto: | Fotos der Familie: Chana Nahari |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | – Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786 – Dokumente der Nachkommen – Interviews mit Zeitzeugen. |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Chana Nahari und Ely Vos |
| Verlegetermin: | 20. Oktober 2016 |
Martha Jakob COHEN
geboren am 9. August 1927 in Aurich
| Straße: | Wallstraße 33 |
| Todesdatum: | Unbekannt, Deportation nach Minsk am 18.11.1941 |
| Todesort: | Minsk |
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Martha Cohen wird am 9.08.1927 in Aurich geboren. Sie ist das dritte Kind der Eltern Jakob Moses Cohen und Hannchen geb. Wolff und hat drei weitere Geschwister: David, Minka (Mia), Manfred. Zwei weitere werden noch geboren, ein Junge vor ihr. Er stirbt am Tag der Geburt, Zilla stirbt 1939 nach 12 Tagen.
Martha wächst in einer regen großen Familie auf, einbezogen die zahlreiche Verwandtschaft aus Onkeln und Tanten, welche fast in Rufweite wohnen. Über allem lenkt und wacht mit gütigem Herz ihre Mutter. Viele weitere Kinder aus der enggebauten auricher Altstadt gehen ein und aus. Er war ein Paradies. „Wir Kinder, die wir zu Besuch waren, liebten dieses Aurich (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lotte Oelsner in Berlin 12. Februar 2017). Motjes Kinner sünd all dor“, hieß es wenn diese vom Haus der Wallstraße quer durch den Garten Onkel Siegfried Wolff in der Norderstraße 18 aufsuchen – und andere anderswo. Martha ist eine früh erblühende Schönheit, „aber ich war die Ältere“ ... so sagt es heute die Kusine und Zeitzeugin Lotte Oelsner. Aber ab Mitte der 30er änderte sich vieles. Die christlichen Kinder sollen nicht mehr mit den jüdischen spielen. HJ-Führer treiben die Pimpfe durch die Wallstraße, diese das Lied mit dem Judenblut und dem Messer zu brüllen hatten (Erinnerungen des Zeitzeugen und Spielgefährten der Cohen-Kinder – Heinz Determann). Ihre Eltern verarmen zusehends. Sie müssen ihr Haus in der Wallstraße 33 aufgeben und in das noch in jüdischem Besitz befindlichen Haus Zingel 3 der Samson-Brüder am 6.09.1939 umziehen. Am Tag des Novemberpogroms 1938 wird ihr Vater in Aurich verhaftet mit vielen anderen am 10. November nach Sachsenhausen deportiert. Dort muss er bis zum 6. Dezember bleiben. Ihre Mutter Hannchen ist zu dieser Zeit hochschwanger mit Zilla. Im Februar 1940 müssen alle Juden Aurich verlassen. Martha und ihr Bruder Manfred müssen in ein jüdisches Kinderheim nach Köln in der Lützowstraße 55. Ihre Eltern ziehen am 28.04.1940 nach Bremen-Vegesack in die Alte Hafenstraße 23. Sie müssen dort Zwangsarbeit leisten und können sich um ihre Kinder nicht kümmern. Vor Ostern 41 schließt o.g. Kölner Heim. Sie und ihr Bruder kommen in ein anderes. Zu Pessach sind sie bei den Eltern in Vegesack. Am 27.10.1941 schreibt die Mutter an ihre geflüchteten Geschwister: „Wir werden nun auch die Kinder wieder zu uns nehmen. Martha kommt aus der Schule [=Ende der achtjährigen Zeit in der jüdischen Volksschule] und Manfred soll nicht alleine in Köln bleiben.“
Am 18.11.1941 muss Martha mit ihrem Bruder und ihren Eltern in einen Zug zu einer Sammelstation nach Hamburg steigen, der an-schließend nach Minsk Weißrußland fährt. Die Familie lebt im Ghetto in einem von der deutschen Besatzung abgetrennten Gebiet, welches zuvor die weißrussische Judenschaft bewohnt. Diese wird kurz vor Beginn der Deportation aus dem Reich, Mitte November, vollständig ermordet. Es ist nicht belegt, ob ihre Eltern auch unter diesen Opfern sind. Aber auch alle Arbeitsfähigen erleiden bis zum 21. 10. 1943 ein gleiches Schicksal. Ihr Todestag ist somit nicht bestimmt. Aber in Analogie zu ähnlichen Ereignissen, kann man annehmen, daß auch ihr Todestag der der ihrer Kinder ist. Von den vielen Tausend dort überlebten nur fünf. |
| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 24.01.2018) |
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| Foto: | Martha Jakob Cohen – Foto: Chana Nahari |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | – Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786 – Dokumente der Nachkommen – Interviews mit Zeitzeugen. |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Familie Beninga-Arendt |
| Verlegetermin: | 20. Oktober 2016 |
Manfred Jakob COHEN
geboren am 14. März 1930 in Aurich
Abraham WOLFF
geboren am 24. September 1894 in Aurich
| Straße: | Ab 1929 wohnhaft in Emden |
| Todesdatum: | 9. August 1944 |
| Todesort: | Stutthof |
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Abraham Wolff wird am 24. September 1894 als Zwillingsbruder von Martin Wolff in Aurich geboren. Er hat noch eine jüngere Schwester Hannchen (*27.02.1901). Die Eltern sind Wolff Wolff (*24.01.1858 Aurich – 31.01.1926 Aurich) und Rosetta Schönthal (15.09.1863 Marienhafe – 8.12.1941 Ghetto Litzmannstadt).
Abraham arbeitet im Betrieb seines Vaters als Schlachter und Viehhändler. Als sein Vater 1926 stirbt, führt er zusammen mit seinem Bruder Martin das Geschäft. Nach der Pogromnacht 9./10.11.1938 wird Abraham Wolff bis zum 22. Dezember 1938 im KZ Sachsenhausen interniert. Als alle Juden bis zum 1. April 1940 Ostfriesland verlassen müssen, zieht die Familie nach Berlin-Wilmersdorf. Auch Abrahams Mutter und sein Bruder Martin werden Opfer der Shoa. Seine Mutter wird am 23.10.1941 in das Ghetto Lodz/Litzmannstadt deportiert und stirbt dort am 8.12.1941. Sein Bruder Martin wird am 23.01.1942 in Weimar verhaftet und zunächst in Buchenwald inhaftiert. Er war unerlaubterweise als Jude mit einem Fahrrad gefahren. Da Martin aufgrund einer Kriegsverletzung gehbehindert ist, konnte er nur so seine weiter entfernte Arbeitsstelle bei einem Kartoffelhändler erreichen. Am 12.03.1942 wird Martin Wolff im Alter von 47 Jahren in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet. Abrahams Schwester Hannchen heiratet Carl Friedberg (*28.05.1895 in Elberfeld – 1983) und zieht am 3.02.1933 aus Aurich nach Mönchengladbach. Sie und ihr Mann können dem Völkermord entkommen. Sie verstirbt am 1. Juni 1973. Für Rosetta Wolff sowie für Martin Wolff und seine Familie sind Stolpersteine in der Leerer Landstraße 18 verlegt. |
| Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 20.01.2023) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Gedenkbuch Bundesarchiv Datenbank: https://www.geni.com/people/Abraham-Wolff/319035837420004738 |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | |
| Verlegetermin: | Für Abraham Wolff wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er bereits 1929 Aurich verließ und sein letzter frei gewählter Wohnsitz in Emden lag. |
Joseph WOLFFS
geboren am 16. März 1880 in Aurich
| Straße: | Zuletzt wohnhaft in Leer |
| Todesdatum: | 8. September 1942 |
| Todesort: | Riga Ghetto |
| Joseph Wolffs wird am 16. März 1880 in Aurich geboren. Er ist das sechste von sieben Kindern der Eheleute Wolff Benjamin Abraham Wolffs (9.11.1839 Aurich – 26.12.1912 Aurich) und Gelli Cosmann Wolffs geb. Hoffmann (16.06.1843 Aurich – 19.02.1884 Aurich). Joseph war noch nicht 4 Jahre alt; als seine Mutter starb, sein Vater hat danach noch einmal geheiratet (Fanny Wolffs 1856-1934).
Joseph arbeitet wie sein Vater als Schlachter und Viehhändler. Er heiratet am 9.05.1909 in Felsberg Ida Dannenberg (*9.05.1875 Felsberg Krs. Melsungen). Das Paar wohnt zunächst in Aurich in der Lilienstraße 12 bei Familie Abraham Levy Wolff. Hier werden ihre Kinder Werner (*12.03.1911) und Ruth (*13.06.1912) geboren. Im Jahr 1914 zieht die Familie in die Große Mühlenwall Str. 13 und wohnt dort 12 Jahre lang. Am 9.03.1926 zieht die Familie nach Wittmund. Sie ist dort am 15.03.1926 gemeldet. Von Wittmund aus ziehen Joseph und Ida Wolffs am 1.04.1929 nach Leer in die Heisfelder Straße 44. An allen Orten ist Joseph in der Synagoge als Vorbeter/Vorsänger tätig. In Leer wohnt er als Synagogendiener gleich bei der Synagoge. Die Enkeltochter berichtet: „Die Familie war ziemlich streng religiös, und mein Vater (Werner) konnte aus seiner Kindheit noch alle Melodien, die man damals dort gesungen hat, auswendig.“ In der Reichspogromnacht 9./10.11.1938 erhielt das Einsatzkommando in Leer gegen drei Uhr nachts von Bürgermeister Erich Drescher genaue Instruktionen, die besagten, dass das Synagogengebäude an der Heisfelderstraße in Brand gesetzt und dabei auch die Wohnung des Synagogendieners „ausgeräuchert“ werden sollte. Außerdem wurde die SA angewiesen, die Schaufenster aller noch vorhandenen jüdischen Geschäfte zu demolieren. Anschließend wurden die jüdischen Bürger in der Viehhofanlage auf der Nesse zusammengetrieben (vgl. Darstellung s. Link unten). Aus Leer wurden 56 Männer in das KZ Sachsenhausen verbracht, darunter auch Joseph Wolffs. Er kam am 15.12.1938 als gebrochener Mann nach Leer zurück. Als alle Juden Ostfriesland bis zum 1.04.1940 verlassen müssen, ziehen Joseph und Ida Wolffs nach Berlin (C2, Neue Königstraße 42, heute Otto-Braun-Straße). Ihre Kinder konnten dem Völkermord durch Flucht nach Israel entkommen. Die Kinder Werner (Seewi) und Ruth (Rund) nahmen an der Begegnungswoche 1992 teil, Ruth mit Sohn Emanuel. Werners Tochter Schulamith wohnt in Ramat Gan, Israel, die Tochter Ada Zeevi Ohana wohnt in Jerusalem. Zu den Geschwistern von Joseph Wolffs: Sein ältester Bruder Abraham 28.03.1868) zog aus Aurich nach Stettin. Er wurde am 12.02.1940 in das Ghetto Glusk deportiert. Dort verliert sich seine Spur. Für Clara Wolff geb. Wolffs wurde am 24.06.21 ein Stolperstein in der Osterstraße 25 verlegt. |
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| Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 22.01.2023) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Gedenkbuch Bundesarchiv Meldekarte Aurich, NLA Aurich Meldebuch Wittmund Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8069&lang=de Pogromnacht Leer: https://pogrome1938-niedersachsen.de/leer/ Transportliste: https://www.statistik-des-holocaust.de/OT19-2.jpg |
| Literatur: |
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| Patenschaft: | |
| Verlegetermin: | Für Joseph Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er bereits 1926 Aurich verließ. |
Abraham WOLFFS
geboren am 28. März 1868 in Aurich
| Straße: | zuletzt wohnhaft in Stettin |
| Todesdatum: | 12. Februar 1940 Deportation Glusk Ghetto |
| Todesort: | unbekannt |
| Abraham Wolffs wird am 28. März 1868 in Aurich geboren. Er war das älteste von sieben Kindern der Eheleute Wolff Benjamin Abraham Wolffs (9.11.1839 Aurich – 26.12.1912 Aurich) und Gelli Cosmann Wolffs geb. Hoffmann (16.06.1843 Aurich – 19.02.1884 Aurich). Abraham verlor seine Mutter schon mit 15 Jahren, sein Vater hat danach noch einmal geheiratet (Fanny Wolffs 1856-1934).
Abraham zieht aus Aurich nach Stettin. Leider wissen wir nichts über sein Leben dort. Im November 1939 hatte die SS-Führung beschlossen, im Distrikt Lublin ein sogenanntes „Judenreservat“ für Juden aus dem Reich einzurichten. Von Dezember 1939 bis Februar 1940 wurden zehntausende Juden aus dem Deutschen Reich und den neugeschaffenen „Reichsgauen“ in die Umgebung von Lublin deportiert. Nach dem Stopp der Deportationen wurden einige Deportierte nach Lublin verbracht, andere in kleinere Ghettos in Piaski, Glusk und Bełżyce. Zu den Geschwistern von Abraham Wolffs: Seine Schwester Clara „Clärchen“ Wolff geb. Wolffs heiratete den Auricher Schlachter Levy Abraham Wolff (1862-1937) und hatte mit ihm vier Kinder. Sie wohnte in der Osterstraße 25, floh 1938 zu ihrem Sohn Abraham Levy Wolff nach Groningen in die Folkingerstraat 19, wurde am 12. März 1943 im Durchgangslager Westerbork interniert, kurz darauf in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort am 25. März 1943 ermordet. Sein Bruder Joseph heiratete Ida Dannenberg und hatte mit ihr zwei Kinder. Sie wohnten zunächst bis 1926 in Aurich, dann in Wittmund und Leer. Als sie gezwungen waren, Ostfriesland zu verlassen, zogen sie nach Berlin. Von dort wurden Joseph und Ida Wolffs am 5. September 1942 in das Ghetto Riga deportiert und ermordet. Als ihr Todesdatum gilt der 8. September 1942. Für Clara Wolffs wurde am 24.06.21 ein Stolperstein in der Osterstraße 25 verlegt.
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| Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 20.01.2023) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8069&lang=de Ghetto Glusk: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Lublin
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| Verlegetermin: | Für Abraham Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sein letzter frei gewählter Wohnort in Stettin lag. |