Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Edith Sorsky geb. Wolffs

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Edith SORSKY geb. Wolffs
geboren am 2. September 1913 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 17.07.1942, Deportation nach Auschwitz am 15.07.1942
Todesort: Auschwitz
Edith Sorsky geb. Wolffs wird am 2. September 1913 als 4. von 6 Kindern von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen geboren. Sie heiratet im Jahr 1936 Fritz Sorsky. Auf ihr Schicksal wird weiter unten eingegangen.

Ihr Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.
Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.

Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo am 3.09.1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen. (Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht.  Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: SPD, OV Aurich-Mitte
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Hans Sorsky

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hans SORSKY
geboren am 3. September 1938 in Rotterdam

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 17.07.1942, Deportation nach Auschwitz am 15.07.1942
Todesort: Auschwitz
Hans Sorky wird am 3.09.1938 in Rotterdam geboren. Seine Eltern Fritz Sorsky und Edith Sorsky geb. Wolffs (Tochter von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen) sind 1937 aus Aurich geflohen. Auf das Schicksal der Familie wird weiter unten eingegangen.

Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden. 1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.

Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen. (Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bemerkung: „Kindertransport“. (s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Der Niederländer Dr. Bab Wilders übernahm am 27. September 2018 die Adoption für die Namenseintragung von Hans Sorsky in das Niederländische Holocaust Namensmonument.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 13.02.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Fritz Sorsky

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Fritz SORSKY
geboren am 17. November 1907 in Bittkow Krs. Kattowitz

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 11.September 1942, Deportation nach Auschwitz ab Westerbork am 15.07.1942
Todesort: Auschwitz
Fritz Sorsky wird am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk. Er heiratet Edith Wolffs, 4. Von 6 Kindern von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen. Auf das Schicksal von Fritz Sorsky wird weiter unten eingegangen.

Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.  1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.

Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt. Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.

Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.
Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo am 3.09.1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.

Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Grete Wolffs

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Grete WOLFFS
geboren am 20. April 1918 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt (Flucht in die USA 1936)
Todesort:
Grete Wolffs wird am 20. April 1918 als 6. und jüngstes Kind von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen in Aurich geboren. Grete überlebt, weil ihr die Flucht in die USA gelingt. Sie ist erst 18 Jahre alt, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Sein Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.

Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen. (Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet. Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Jakob Wolffs

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Jakob WOLFFS
geboren am 1. Februar 1916 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt (Flucht in die USA 1936)
Todesort:
Jakob Wolffs wird am 1. Februar 1916 als 5. Kind von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen in Aurich geboren. Er überlebt den Völkermord, das ihm gelingt, in die USA zu fliehen. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft.

Sein Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren:1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.
Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.
Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet. Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Dirk Freese
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Hermann Wolffs

Veröffentlicht: 30. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hermann WOLFFS
geboren am 22. März 1903 in Großefehn

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt (Flucht nach Argentinien 1936)
Todesort:
Hermann Wolffs wird am 22. März 1903 als 3. Kind von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen in Großefehn geboren. Er arbeitet wie sein Vater als Viehhändler.

Sein Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren:
1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.

Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten.
Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.  Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.
Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.
Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Helene Wolffs geb. Cohen

Veröffentlicht: 29. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Helene WOLFFS geb. COHEN
geboren am 21. Mai 1879 in Emden

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt  (Flucht in die USA im August 1937)
Todesort:
Helene Cohen wird am 21.05.1879 in Emden geboren. Sie heiratet den 9 Jahre älteren Meyer Zwi Wolffs aus Aurich. Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater.

Fünf von insgesamt acht Kindern von Helene und Meyer Zwi Wolffs werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.
Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.

(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

 

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten.

Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.
Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.
Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.
Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht.
Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“. (s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Kollegium der BBS II Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Abraham Selly Wolff

Veröffentlicht: 28. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham Selly WOLFF
geboren am 27. Juni 1903 in Aurich

Straße: Lilienstr. 9
Todesdatum: überlebt
Todesort:

Abraham Selly Wolff 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

Abraham Selly Wolff 1943 (Foto der Application for Registration)

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Abraham wird am 27. Juni 1903 geboren als Sohn des Ehepaares Henriette Wolff geb. Von der Walde und Selke Levy Wolff, genannt Selly Wolff.  Abraham ist das 7. von insgesamt 12 Kindern des Ehepaares. Er hat einen Zwillingsbruder Isidor, der allerdings als Kind mit 6 Jahren verstirbt. Sein Vater wird 67 Jahre alt und stirbt am 23. August 1930 ohne die Greul der Hitlerzeit zu erleben.

Am 30.02.1940 muss seine Mutter Henriette das Haus „aus sicherheitspolizeilichen Gründen“ verlassen und zieht mit zwei Töchtern nach Weimar. Minna und Abraham haben Aurich zu dieser Zeit schon verlassen. Das Haus Lilienstraße 9 wird noch im selben Jahr zwangsversteigert.
Henriette Wolff wird am 10. März 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt im Alter von 68 Jahren ermordet.

Für sie und sechs ihrer Kinder Rosa Grünberg geb. Wolff, Alma und Magnus Wolff, Gerda Selli Jakobs, Jakob Wolff und Ilse Gutmann geb. Wolff wurden bereits am 9. November 2012 in der Lilienstraße Stolpersteine verlegt. Für zwei weitere Geschwister von Abraham und Minna und deren Familien liegen Stolpersteine an der Leerer Landstraße 18 (Karoline Wolff geb. Wolff) und im Krähennestergang 1 (Eva van der Wall geb. Wolff).

Nur drei der insgesamt 12 Kinder überleben den Holocaust. Minna und Abraham sind zwei davon, der Bruder Ludwig ist der dritte Überlebende.

Bereits seit 1926 ist Abraham als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet und übernimmt, als der Vater 1930 stirbt, zusammen mit seinen beiden Brüdern Magnus und Ludwig Wolff die Geschäfte.
Nach der Reichspogromnacht wird er am 10. November 1938 zusammen mit 41 anderen Männern aus Aurich im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Dort wird er schwer misshandelt (eine Niere wird zerschlagen) und darf erst nach 6 Wochen am 23.12.1938 nach Aurich zurückkehren.

Am 12.10.1939 verlässt Abraham Wolff Aurich und zieht nach Güstrow in Mecklenburg Vorpommern. Dort heiratet er Margot Becker (* 15.07.1908 in Röbel/Waren/Mecklenburg) und hat mit ihr einen Sohn namens Denny. Sie wohnen in der Hansenstr. 1 in Güstrow. Seinen Sohn hat Abraham nie gesehen, da er aus Deutschland flüchtet. Vermutlich wollte er wie viele jüdische Männer, seine Familie nachholen. Doch dazu kam es nicht mehr. Seine Frau und der Sohn werden am 10.07.1942 in Ludwigslust interniert und am 11. Juli 1942 bei einem Zwischenstopp in Ludwigslust in einen Zug aufgenommen (s. Transportliste), der ab Bielefeld (10.07.1942) über Hamburg nach Ausschwitz fährt. Sie werden als Opfer des Völkermordes für tot erklärt. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Im Jahr 1942 werden auch 6 von Abrahams Geschwistern und seine Mutter Henriette getötet, außerdem die Ehemänner und Ehefrauen seiner Geschwister und deren Kinder, die zum Teil noch nicht einmal geboren waren: durch Bombenangriffe, Erschießungen oder Ermordung in Ausschwitz.

Abraham Wolff flieht 1940 zunächst nach England. Am 12.05.1940 beginnen die Engländer damit, männliche  Bürger der Feindländer zu internieren. Am 26.05.1940 wird auch Abraham Wolff aufgegriffen und zunächst im Kitchener Camp, Richborough, Kent interniert (s. u. Report – Australian Military Forces v. 14.11.1940) und dann zwangsweise in einem Truppentransporter nach Australien verschifft. Am 6.09.1940, nach 57 Tagen, kommt er in Sydney, Australien an und muss  zunächst im Internment Camp Hay leben. Die meisten Insassen dort waren Juden. Mit der HTM Dunera werden 2.542 Männer („feindliche Ausländer“) – unter ihnen auch Abraham Wolff – zwangsweise nach Australien verschifft. An Bord ist auch Max Cohen (*7.11.1920) aus Aurich. Die Zustände an Bord sind grausam und unmenschlich – eine Qual für die Menschen, die gerade erst dem Naziterror entflohen waren. Die Britische Regierung muss sich später für diese Behandlung der Flüchtlinge („Dunera Boys“) entschuldigen.
Im May 1941 können die Häftlinge das Hay Camp verlassen. Etwa Hälfte dieser Internierten (900) bleibt später in Australien und ist dort gut integriert. Abraham Wolff verlässt das Camp Hay am 26.05.1941, lebt danach bis zum 24.02.1943 im Camp Tatura (Victoria)  und stellt schließlich von Orrvale, Shepparton aus (nördl. Melbourne) am 26.02.1943 einen Einbürgerungsantrag (s. u.).

Nach den Angaben der Schwester Minna, zieht diese im Jahr 1952 nach Australien zu ihrem Bruder Abraham, um ihn zu pflegen, da er durch die Misshandlungen in der Nazizeit gesundheitlich schwer angeschlagen ist. Zwei Jahre leben die Geschwister zusammen in Australien bis Abraham Wolff Ende 1954 (oder im Januar 1955 – Angaben der Schwester) in Melbourne verstirbt.

Recherche: Schüler der BBS II/Hans-Jürgen Westermayer
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.10.2017)
Foto:  – Report on Internee v. 14.11.1940 (s. u.) – Einwanderungsdatenbank Australien
– Application for Registration v. 26.02.1943 (s. u.) – Einwanderungsdatenbank Australien
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Briefe Minna Wolff an Johannes Diekhoff v. 10.02.1979 und 17.03.1983 http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_420710.html (Deportation 10.7.1942)
– Kitchener Camp: https://www.wienerlibrary.co.uk/The-Kitchener-Camp-for-Refugees
– Einwanderungsdatenbank Australien: https://recordsearch.naa.gov.au/SearchNRetrieve/Interface/ListingReports/ItemsListing.aspx– HTM Dunera: https://de.wikipedia.org/wiki/HMT_Dunera
Literatur:
Patenschaft: BBS II BFS Bautechnik
Verlegetermin: 21. Oktober  2016

Meyer Zwi Wolffs

Veröffentlicht: 27. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Meyer Zwi WOLFFS
geboren am 2. November 1870 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 16.01.1938 (Flucht in die USA im August 1937)
Todesort: New York
Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.  1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.
Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.
Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.
Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht.
Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Anna und Udo Kettwig
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

Martin Wolff

Veröffentlicht: 27. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Martin Wolff - SteinMartin WOLFF
geboren am 24. September 1894 in Aurich

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: 12. März 1942
Todesort: Bernburg
Martin Wolff wurde am 24. September 1894 mit seinem Zwillingsbruder Abraham in Aurich als Kind von Wolff Abraham und Rosetta Wolff geboren. Er arbeitet im Viehhandel seines Vaters mit und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter. Martin dient im 1. Weltkrieg als Soldat. Er wird verwundet und erhält als Auszeichnung das Eiserne Kreuz. Als der Naziterror beginnt, glaubt er, dass diese Auszeichnung und seine Mitgliedschaft im „Frontkämpferbund“ ihn vor Repressalien schützen würden.Martin heiratet Karoline Wolff und hat mit ihr fünf Kinder: Roesel, Hildegard, Hannelore, Wolfgang und Selly.
In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree” (2005) zeichnet die Tochter Hannelore ein liebenswertes Bild ihres Vaters.Im Juli 1934 zieht Martin Wolff mit seiner Familie nach Sandhorst in ein Nebengebäude von Gut  Eschen.

Der Besitzer des Gutes, Menko Dieken, hatte schon immer mit jüdischen Viehhändlern zusammengearbeitet und sieht offensichtlich auch 1934 kein Problem darin, Räume auf dem Gut an die jüdische Familie Wolff zu vermieten.  Die Familie Wolff organisiert in den folgenden Jahren Ferienaufenthalte für jüdische Großstadtkinder aus Bremen und Berlin, die von der „Kinderlandverschickung“ der Nazis grundsätzlich ausgeschlossen sind. Dies nehmen Nazis in Aurich 1938 zum Anlass, in Zeitungsartikeln gegen „diesen skandalösen Zustand“ zu polemisieren, eine Unterschriftenliste gegen diese „Belästigung“ zu organisieren und die Schließung des „Kinderheims“ sowie die Kündigung der Familie Wolff zu erzwingen. Am 27.09.1938 müssen Martin und Karoline Wolff mit ihren Kindern Hannelore, Wolfgang und Selly Gut Eschen verlassen und ziehen nach Aurich in die Marktstraße 4.Auf Betreiben des Kreisbauernführers Trauernicht strengt der Landesbauernführer einen Prozess zur Aberkennung der „Bauernfähigkeit“ des Menko Dieken an. Dieser Prozess geht schließlich vor das Landeserbhofgericht in Celle, zieht sich über 2 ½ Jahre hin und endet zum Glück für Menko Dieken mit der Einstellung des Verfahrens. Am 10.10.1939 werden Martin Wolff mit Frau Karoline und Söhnen Wolfgang und Sally auf der Liste der im Kreis Aurich und Stadt Aurich gemeldeten Juden aufgeführt. Auch nach den traumatischen Erlebnissen des Terrors in der Reichspogromnacht bleibt die Familie in Aurich. Martin Wolff wird – vermutlich aufgrund seiner Kriegsverletzung  –  nicht wie die meisten jüdischen Männer nach der Pogromnacht in Sachsenhausen inhaftiert.

In der Zeit des zunehmenden Naziterrors gegen die jüdische Bevölkerung wird die Familie auseinandergerissen. Ihre beiden älteren Töchter Rösel und Hildegard können nach England bzw. Palästina auswandern. Hannelore, ihr 3. Kind, geht nach Berlin in eine jüdische Schule für Kindergärtnerinnen; die beiden Jungen Wolfgang und Selly werden nach Köln in ein jüdisches Kinderheim geschickt. Im Februar 1940 müssen Martin und Karoline dann gezwungenermaßen Aurich verlassen.  Sie ziehen mit Karolines Mutter, Henriette Wolff (wohnhaft in der Lilienstraße 9), nach Weimar in die Kaiserin Augusta Straße 57, später in das Haus Brühlplatz 6.

Am 23.01.1942 wird Martin Wolff in Weimar verhaftet und zunächst in Buchenwald inhaftiert. Er war unerlaubterweise als Jude mit einem Fahrrad gefahren. Da Martin aufgrund einer Kriegsverletzung  gehbehindert ist, konnte er nur so seine weiter entfernte Arbeitsstelle bei einem Kartoffelhändler erreichen.
Am 12.03.1942 wird Martin Wolff  im Alter von 47 Jahren in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
Von den Angehörigen wird auf den Genealogiedatenbanken geni.com und ancestry.com der 23.03.1942 als Todestag genannt. In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“, (S. 9) nennt Martins Tochter Hannelore Wolff/Laura Hillmanden den 14.03.1942 als Todesdatum, das ihrer Mutter zusammen mit der Zusendung der Asche des Toten mitgeteilt wurde. Die Angehörigen erhielten vermutlich eine Todesurkunde mit einer Falschbeurkundung – wie auch in „Euthanasie“ Fällen häufig geschehen. Der 12.03.1942 ist der tatsächliche Todstag (Auskunft Dr. Ute Hoffmann, „Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg“).

In der „Tötungsanstalt Bernburg“ wurden im Rahmen der  „Aktion 14f13“, in der Sprache des Nationalsozialismus auch als „Sonderbehandlung 14f13“  bezeichnet, kranke, alte und als „nicht mehr arbeitsfähig“  betitelte KZ-Häftlinge im Deutschen Reich in den Jahren 1941 bis 1944 ermordet.

Als Martins Frau Karoline in Weimar den Deportationsbefehl erhält, reist ihre Tochter Hannelore aus Berlin zu ihrer Mutter. Am 10. Mai 1942 muss sich Karoline mit ihren Kindern Hannelore, Wolfgang und Selly in der Viehauktionshalle von Weimar zur „Abfertigung“ einfinden – eine erniedrigende Prozedur.

Am 12.05.1942 erreicht der Zug Lublin mit 1.002 Deportierten.  Karoline lebt zunächst mit ihren Kindern im dortigen Ghetto und wird später nach Auflösung des Ghettos in Belzyce ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Die Tochter Hannelore kann den Völkermord überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wird. Die Söhne Wolfgang und Selly werden ermordet. Die Töchter Roesel und Hildegard überleben ebenfalls.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

Fotos von der Stolpersteinverlegung: Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto: – Martin Wolff und seine Frau Karoline Wolff, geb. Wolff
– Gut Eschen (ca. 1929)
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:  Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Arno Hedke
Verlegetermin: 21. Februar 2013
Gut Eschen 3 Foto C. Dieken 1929

Das Gut Eschen (Foto: C. Dieken 1929)

Karoline und Martin Wolff (Foto: Laura Hillman, I will plant you a lilac tree, S. 216)