Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Henriette Hoffmann geb. Hurwitz

Veröffentlicht: 25. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Henriette HOFFMANN geb. HURWITZ
geboren am 7. Januar 1869 in Lübbecke

Straße: Ukenastraße 2
Todesdatum: 23. Februar 1943
Todesort: Theresienstadt
Henriette Hoffmann geb. Hurwitz wird am 7.01.1869 in Lübbecke geboren. Sie ist heiratet den Rinder- und Pferdehändler Meyer Feibelmann Hoffmann. Als Produkten-, Vieh- und Pferdekommissär ist er im Adressbuch 1926 notiert. Sogar ein Telefon der Nummer 308 ist angegeben, also ein Zeichen kleiner Prosperität.
Sie haben einen Sohn Wilhelm (geboren am 22.04.1905) und wohnen zusammen im Haus Ukenastraße 2.

Wegen Erwerbsverbot und Armut in Folge muss die Familie dieses Haus am 23.12.1936 aber aufgeben und zur Miete in die Emderstraße 16, dem Haus der jüdischen Gemeindeverwaltung, umziehen. Dort stirbt ihr Ehemann am 6.03.1938.

Im Februar 1940 muss Henriette mit ihrem Sohn  Wilhelm, wie auch alle anderen Juden, Aurich verlassen. Sie ziehen nach Berlin-Schöneberg in die Kurfürstenstraße 146, ein Judenhaus.

Am 14.09.1942 wird sie vom Lehrter Güterbahnhof mit 1.000 anderen nach Theresienstadt deportiert. Sie stirbt dort am 23.02.1943. Die „amtliche Todesfallanzeige“ stellt dazu fest: Marasmus senilis. – Altersschwäche.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 20 Nr. 743; Meldeblätter; Dep. 34C 143
Literatur:  
Patenschaft: Gerta Gebhardt
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Minka „Mia“ Cohen verh. Vos

Veröffentlicht: 24. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Minka „Mia“ COHEN verh. Vos
geboren am 8. September 1923 in Aurich

Straße: Wallstraße 33
Todesdatum: überlebt
Todesort:

Minka „MIa“ Cohen 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

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Minka „Mia“ Cohen wird am 8.09.1923 in Aurich geboren. Sie ist das erste Kind der Eltern Jakob Moses Cohen und Hannchen geb. Wolff und hat drei weitere Geschwister: David, Martha, Manfred. Zwei weitere werden noch geboren, ein Junge vor ihr. Er stirbt am Tag der Geburt, Zilla stirbt 1939 nach 12 Tagen.

Mia wächst in einer regen großen Familie auf, einbezogen die zahlreiche Verwandtschaft aus Onkeln und Tanten, welche fast in Rufweite wohnen. Über allem lenkt und wacht mit gütigem Herz ihre Mutter. Viele weitere Kinder aus der enggebauten Auricher Altstadt gehen ein und aus. Er war ein Paradies. „Wir Kinder, die wir zu Besuch waren, liebten dieses Aurich. Motjes Kinner sünd all dor“ (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lea Oelsner in Berlin 12. Februar 2017), hieß es, wenn diese vom Haus der Wallstraße quer durch den Garten Onkel Siegfried Wolff in der Norderstraße 18 aufsuchen – und andere anderswo. Martha ist eine früh erblühende Schönheit, „aber ich war die Ältere“ . Aber ab Mitte der 30er änderte sich vieles. Die christlichen Kinder sollen nicht mehr mit den jüdischen spielen. HJ-Führer treiben die Pimpfe durch die Wallstraße, diese das Lied mit dem Judenblut und dem Messer zu brüllen hatten (Erinnerungen des Zeitzeugen und Spielgefährten der Cohen-Kinder – Heinz Determann).

Mia besucht wie alle jüdischen Kinder die jüdische Volksschule in der Kirchstraße. Zum Gymnasium wäre sie nicht zugelassen worden. Eine berufliche Ausbildung ist unter diesen Umständen ebenso nicht möglich. Mia ist kurzzeitig auf einem Vorbereitungslager der Hachschara.

Früh ist den Eltern klargeworden, sie müssen Deutschland verlassen. Aber wie und wohin? Ende 1938 steht hierfür eine kleine Tür offen. Ihr Vater ist mit seinem Bruder Hermann Levy in Köln auf dem britischen Konsulat. Ihnen wird ein Touristenvisum angeboten. Ihr Onkel nimmt sofort an, ihr Vater nicht, er will seinen Kindern nicht zur Last fallen (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lea Oelsner in Berlin 12. Februar 2017) . 

Minka Cohen ca. 1941 und Stationen der Flucht ‐ Ausschnitte aus dem Paß von Mia Januar 1940‐41 – Foto: Chana Nahari

Minka verlässt Aurich am 11.08.1938 nach Bad Soden im Taunus und arbeitet in der Israelitischen Kuranstalt in der Talstraße. Diese wird in der Pogromnacht in Brand gesetzt. Mia muss Hals über Kopf am gleichen Tag von dort abreisen und kehrt nach Aurich zurück. Am 3.05.1939 geht sie nach Emden und hilft in der Küche des jüdischen Altersheims in der Klaas-Tholen-Straße. Dort arbeitet auch ihr Nachbar – Fritz Hoffmann als Koch.
Bereits zu Jahresbeginn ist unter den jungen Aurichern das Gespräch und es findet sich im Briefverkehr ein Hauptthema; wer, wann und wie die Flucht ins Ausland gehen kann. Alle sind zu dieser Zeit auf dem Absprung, „[…] fährt in nächster Zeit“, so steht es typischerweise in den überlieferten Briefen.

Sie verlässt Aurich nun endgültig am 24. November 1939. Durch Hehalutz in Berlin, einer Organisation, welche die jüdische Einwanderung nach Palästina der Alija und die Hachschara organisiert, hat sie einen Platz auf der Fluchtroute per Schiff über die Donau gefunden (Viele Details im weiteren nun aus: Gabriele Anderl, Walter Manoschek Gescheiterte Flucht „Der jüdische Kladovo-Transport“ auf dem Weg nach Palästina, Wien 1993 und – Dalia Ofer, Hannah Weiner „Dead-End Journey“ University Press of America, 1996).
Es sind überwiegend Wiener Juden, Alte, viele Familien mit Kindern und junge und 50 Juden aus Danzig. Sie sammeln sich in Wien. Am 25. November fahren sie weiter nach Bratislava. Diese Fluchtroute haben zionistische Organisationen, Vorläufer des Mossad, Adolf Eichmann, dem damaligen Judenreferenten in Wien, abgekauft. Das so abgepresste Geld leitet Eichmann in seine Privatschatulle.

Sie warten auf weitere, die noch kommen sollen. Schließlich legt die URANUS der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft [DDSG] am 8. Dezember 1939 mit 1002 Flüchtlingen und Ziel Sulina, am Schwarzen Meer, ab. Unterwegs bekommt die DDSG kalte Füße, sie befürchtet ihr Schiff könnte von rumänischen Behörden festgehalten, werden, wenn in Sulina kein Seeschiff bereitliegt. Keines der Transitländer will für die Flüchtlinge aufkommen, sollten diese aus irgendwelchen Gründen an der Weiterfahrt gehindert sein. Die Flüchtlingsgruppe muss auf drei altersschwache Dampfer der jugoslawischen Staatsreederei umsteigen. Mia kommt mit 350 anderen auf die CAR DUSAN. In Kladowo hinter dem Eisernen Tor ist am 31. Dezember 1939 die Fahrt zu Ende. Der Winter kommt überraschend und man befürchtet Eisgang. Die Flüchtlinge müssen an Land in Behelfsunterkünften aushalten. Auch im Frühjahr und im ganzen Folgejahr klappt die Weiterfahrt nicht, es fehlen immer Transitvisa. Werden welche erteilt, verfallen diese innerhalb der zu kurz gesetzten Frist, da technische und finanzielle Probleme dazukommen. On doit entrer en Turque jusqu’à 5 mars 1941 – so steht es in einem geplatzten Visum.
In den Transitvisa der Flüchtenden steht deutlich Sans Arrêt. Und es ist der Ort und das späteste Datum vermerkt, wo sie das jeweilige Transitland wieder verlassen müsse. Ständig platzen Abfahrten, es gibt nicht ausgeschöpfte Sommer- und Winter-Schedulen der englischen Mandatsverwaltung. Die irgendwie übertragen werden können, oder auch nicht. Es ist eine Kette bürokratischen Irrsinns und eine unglaubliche Verweigerung elementarer humanitärer Pflicht angesichts der immer näher rückenden tödlichen Bedrohung der jüdischen Flüchtlinge.

Es ist eine bittere Ironie des Schicksals, als die verzweifelten Flüchtlinge an Land auch noch miterleben müssen, wie Anfang September 1940 ein großer illegaler Transport – der letzte, der das Reichsgebiet verlassen kann – an ihnen vorüberfährt. Vier DDSG-Schiffe – MELK, SCHÖNBRUNN, HELIOS und URANUS (auf letztem hatte auch die Kladovo-Gruppe in Bratislava ihre Reise angetreten) – gleiten nun donauabwärts an ihnen vorüber. Die Verzweiflung ist unbeschreiblich. Wir konnten keinen Kontakt mit ihnen aufnehmen, da das Schiff nicht stehenblieb. Auf einem der Schiffe sind Mias Freunde aus der Auricher Nachbarschaft: Wolff Wolffs, Benno und Irma. Mia weiß dies aber zu diesem Zeitpunkt nicht.

Während des Sommers 1940 ist immer wieder von einem Remorqueur (Schleppzug) die Rede, der das mit den Flüchtlingen besetzte Objekt – mit Brettern zum provisorischen Wohnschiff gemacht, den Kahn PENELOPE und einen weiteren aus dem Hafen von Kladovo ziehen soll (die jugoslawische Reederei hatte ihre Schiffe längst zurückgefordert). Im September werden die Gerüchte konkret. Ziel der Reise ist jedoch nicht mehr ein Hafen an der unteren Donau oder am Schwarzen Meer, sondern zurück zu einem serbisches Städtchen an der Save. Am 17. September 40 werden alle mit der PENELOPE und zwei weiteren Kähnen per Schlepper nach Šabac in einer fünf Tage dauernden Fahrt stromaufwärts gebracht. Am 22. Ankunft dort.

Die Kladovo‐Flüchtlinge auf der Donau zurück nach Šabac auf Schleppkähnen – Foto UHSM

Im allerletzten Augenblick, nur wenige Wochen vor dem deutschen Überfall auf Jugoslawien, kann ein kleiner Teil dieser Kladovo-Flüchtlinge doch nach Palästina entkommen. Alle Mitglieder des Transportes im Alter der Jugend-Alija befinden, also zwischen 15 und 17 Jahre alt, sind dabei. Mia ist 17½. Die Altersgrenze sei dabei, strikt eingehalten worden. Denn im Februar 1941 kommt plötzlich die überraschende Meldung, 200 Zertifikate für die Jugend-Alijah sind angekommen, mit einigen weiteren Zertifikaten für Erwachsene als Begleiter.

Die Fahrt geht, im letzten Augenblick vor Ablauf der Zertifikate, in vier Gruppen über Griechenland; Bulgarien verweigert kurz zuvor. Am 16. März, um 15 Uhr, tritt die Gruppe schließlich ihre Fahrt an. Mit Lehitraoth-Rufen« [hebräisch f. Auf Wiedersehen! Aber es gibt kein Wiedersehen. Fast alle Flüchtlinge werden von der Wehrmacht später ermordet] verabschiedet sie sich. An den Bahnhöfen entlang der Strecke erhalten die Flüchtlinge von Juden, die von ihrer Durchreise erfahren hatten, Speisen und Getränke. Fast eine Woche dauerte die Fahrt bis Istanbul, da die Gleise in Griechenland durch Bombardierungen beschädigt sind. In Istanbul werden sie in einer schönen Pension einquartiert und erhalten sogar etwas Taschengeld. Junge türkische Offiziere führen sie aus und kauften den beiden Mädchen, die seit vielen Monaten nicht mehr satt geworden waren, Hühnchen, Halwa und Strümpfe. Dann geht die Reise weiter. Über die türkische Grenzstadt Meidan-Ekbès gelangen sie nach Syrien, weiter zur libanesischen Grenzstadt Nakoura. Am 30. März 41 betritt sie dann in Rosh Haniqra palästinensischen Boden. Die Fahrt endet in dem mit Stacheldraht gesicherten Lager Atlit am Strand hinter den Dünen, südlich von Haifa.

Jüdische Kinderflüchtlinge, die den Holocaust überlebten, steigen am 15.07.1945 in Atlit aus
Waggons – Foto Zoltan Kluger

Nach nur neun Tagen kommt sie überraschend frei. Die Mutter ihrer Kusine (Mia damals unbekannt) geht in das Lager, um ihren dort angekommenen Neffen Kurt aus Gotha auszulösen. Dieser hatte einen Freund dort gefunden: Jupp Vos, auch illegal, aus Neuenahr. Und was ist mit ihr? Und sie deuteten auf Mia (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lea Oelsner in Berlin 12. Februar 2017).  Sie kann Mia mitnehmen und bei ihrer Tante Erna Schlüssel geb. Wolff unterbringen. Besagter Jupp wird später ihr Ehemann.

Mia besucht die Hauswirtschaftsschule Beit Zeirot Misrachi (Haus für religiöse junge Frauen) in Jerusalem. Diese Schule nimmt geflüchtete junge Frauen auf, um ihnen grundlegende Pionier-Fertigkeiten in Haus- und Landwirtschaft in einer tropischen Umgebung zu vermitteln. Sie ist noch durch die Hungerzeit in Jugoslawien krank und geschwächt. Sie erwähnt in den Briefen aber kein weiteres Detail. Mia und Jupp werden bald ein Paar. Jupp Vos wird zuvor als Illegaler auf der PATRIA festgehalten und soll mit vielen anderen nach Mauritius deportiert werden. Die PATRIA explodiert durch eine Bombe, gelegt von der Hagana, und kentert im Hafen von Haifa. Jupp übersteht dies und wird stattdessen für 10 Monate in Atlit interniert.

Mia und Jupp 1942

Mia und Jupp Vos 1943

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie heiraten am 4. Februar 1943 in Jerusalem, wohnen in Ra’anana, Chana wird am 4. Dezember 1946, Eliezer am 1. August 1950 geboren. Mia führt den Haushalt, arbeitete zeitweilig in einem Konsum, macht alles und kann alles. „Jeder mußte alles können, der Beruf von jedem in dieser Zeit war „Universalist‘“ so beschreibt es ihre Kusine Lea Oelsner. Und so ist Mia überall, emsig und flink und alles für die Familie. Aber sie hilft auch anderen in Not geratenen, ist im sozialen Leben von Ra’anana mittendrin und beteiligt sich an verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen.

Mia mit ihrer Tochter Chana – 1950

Mia mit Eliezer – 1950

Die Familie Vos pflegt ein offenes und geselliges Haus. „ … Es war immer remmi-demmi, die Tür stand stets auf.“ Ihr Onkel Levy Hermann mit seinen Kindern und Kindeskindern wohnt direkt gegenüber.

Ihr Mann Jupp, aus einer Viehhändler-Familie stammend, arbeitet erst in zwei Kibbuzim in der Landwirtschaft. Später macht er sich selbständig mit einem Pferd. Dann baut er Stallanlagen, später hat er ein Fahrradgeschäft. Zuletzt ist er Zivilangestellter bei einer staatlichen Rüstungsfirma, der Israel Military Industries (IMI). Er stirbt plötzlich im 65. Lebensjahr am 26. Juli 1983 während eines Tennisspiels.
Zuvor passiert Minka selbst ein großes Unglück. Eines Tages, sie ist 55, erleidet sie einen plötzlichen Pneumothorax aus einer unentdeckten Vorerkrankung. Die Atmung stockt, und sie droht zu ersticken. Erst im Krankenhaus setzt die Atmung wieder ein. Das Gehirn ist jedoch durch Sauerstoffnot geschädigt, und sie bleibt teilweise gelähmt. Das ist für die Familie sehr schwer. Sie sitzt im Rollstuhl und muss gepflegt werden und lebt zuletzt in einem Heim. Dennoch erträgt sie tapfer ihr auferlegtes Schicksal und verfällt nicht in Depression. Sie ist körperlich behindert, ihr Geist aber wach. Sie nimmt an allem teil was um sie geschieht und ist dabei stets zu Scherzen aufgelegt. Am 1. Februar 1997 stirbt sie.

Eine ausführliche Biografie von findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

Mia und Jupp Vos – 1966

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.01.2018)
Foto:  Fotos der Familie: Chana Nahari
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786
– Dokumente der Nachkommen
– Interviews mit Zeitzeugen.
Literatur:
Patenschaft: Chana Nahari und Ely Vos
Verlegetermin: 20. Oktober  2016

 

 

 

Martha Jakob Cohen

Veröffentlicht: 24. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Martha Jakob COHEN
geboren am 9. August 1927 in Aurich

Straße: Wallstraße 33
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Minsk am 18.11.1941
Todesort: Minsk

Martha Jakob Cohen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Martha Cohen wird am 9.08.1927 in Aurich geboren. Sie ist das dritte Kind der Eltern Jakob Moses Cohen und Hannchen geb. Wolff und hat drei weitere Geschwister: David, Minka (Mia), Manfred. Zwei weitere werden noch geboren, ein Junge vor ihr. Er stirbt am Tag der Geburt, Zilla stirbt 1939 nach 12 Tagen.

Martha wächst in einer regen großen Familie auf, einbezogen die zahlreiche Verwandtschaft aus Onkeln und Tanten, welche fast in Rufweite wohnen. Über allem lenkt und wacht mit gütigem Herz ihre Mutter. Viele weitere Kinder aus der enggebauten auricher Altstadt gehen ein und aus. Er war ein Paradies. „Wir Kinder, die wir zu Besuch waren, liebten dieses Aurich (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lotte Oelsner in Berlin 12. Februar 2017). Motjes Kinner sünd all dor“, hieß es wenn diese vom Haus der Wallstraße quer durch den Garten Onkel Siegfried Wolff in der Norderstraße 18 aufsuchen – und andere anderswo. Martha ist eine früh erblühende Schönheit, „aber ich war die Ältere“ ... so sagt es heute die Kusine und Zeitzeugin Lotte Oelsner. Aber ab Mitte der 30er änderte sich vieles. Die christlichen Kinder sollen nicht mehr mit den jüdischen spielen. HJ-Führer treiben die Pimpfe durch die Wallstraße, diese das Lied mit dem Judenblut und dem Messer zu brüllen hatten (Erinnerungen des Zeitzeugen und Spielgefährten der Cohen-Kinder – Heinz Determann).

Ihre Eltern verarmen zusehends. Sie müssen ihr Haus in der Wallstraße 33 aufgeben und in das noch in jüdischem Besitz befindlichen Haus Zingel 3 der Samson-Brüder am 6.09.1939 umziehen.

Am Tag des Novemberpogroms 1938 wird ihr Vater in Aurich verhaftet mit vielen anderen am 10. November nach Sachsenhausen deportiert. Dort muss er bis zum 6. Dezember bleiben. Ihre Mutter Hannchen ist zu dieser Zeit hochschwanger mit Zilla.

Im Februar 1940 müssen alle Juden Aurich verlassen. Martha und ihr Bruder Manfred müssen in ein jüdisches Kinderheim nach Köln in der Lützowstraße 55. Ihre Eltern ziehen am 28.04.1940 nach Bremen-Vegesack in die Alte Hafenstraße 23. Sie müssen dort Zwangsarbeit leisten und können sich um ihre Kinder nicht kümmern.

Vor Ostern 41 schließt o.g. Kölner Heim. Sie und ihr Bruder kommen in ein anderes. Zu Pessach sind sie bei den Eltern in Vegesack. Am 27.10.1941 schreibt die Mutter an ihre geflüchteten Geschwister: „Wir werden nun auch die Kinder wieder zu uns nehmen. Martha kommt aus der Schule [=Ende der achtjährigen Zeit in der jüdischen Volksschule] und Manfred soll nicht alleine in Köln bleiben.“

 

Am 18.11.1941 muss Martha mit ihrem Bruder und ihren Eltern in einen Zug zu einer Sammelstation nach Hamburg steigen, der an-schließend nach Minsk Weißrußland fährt. Die Familie lebt im Ghetto in einem von der deutschen Besatzung abgetrennten Gebiet, welches zuvor die weißrussische Judenschaft bewohnt. Diese wird kurz vor Beginn der Deportation aus dem Reich, Mitte November, vollständig ermordet.
Am 28. Juli 42 setzen die deutschen Besatzer erstmals mobile Vergasungsanlagen ein. Möbelwagen, in deren mit Häftlingen vollgepferchten Laderaum Auspuffgase geleitet werden. Es werden alle nichtarbeitsfähigen Lagerinsassen, das sind Martha und ihr Bruder, umgebracht.

Es ist nicht belegt, ob ihre Eltern auch unter diesen Opfern sind. Aber auch alle Arbeitsfähigen erleiden bis zum 21. 10. 1943 ein gleiches Schicksal. Ihr Todestag ist somit nicht bestimmt. Aber in Analogie zu ähnlichen Ereignissen, kann man annehmen, daß auch ihr Todestag der der ihrer Kinder ist. Von den vielen Tausend dort überlebten nur fünf.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.01.2018)
Foto: Martha Jakob Cohen – Foto: Chana Nahari
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786
– Dokumente der Nachkommen
– Interviews mit Zeitzeugen.
Literatur:
Patenschaft: Familie Beninga-Arendt
Verlegetermin: 20. Oktober  2016

 

 

 

Manfred Jakob Cohen

Veröffentlicht: 24. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Manfred Jakob COHEN
geboren am 14. März 1930 in Aurich

Straße: Wallstraße 33
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Minsk am 18.11.1941
Todesort: Minsk

Manfred Jakob Cohen letztes Foto 1940 – Foto Chana Nahari

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Manfred wird am 14.03.1930 in Aurich geboren. Er ist das dritte Kind der Eltern Jakob Moses Cohen und Hannchen geb. Wolff und hat drei weitere Geschwister: David, Minka (Mia) und Martha. Zwei weitere werden noch geboren, ein Junge vor ihm. Er stirbt am Tag der Geburt, Zilla stirbt 1939 nach 12 Tagen.

Manfred wächst in einer regen großen Familie auf, einbezogen die zahlreiche Verwandtschaft aus Onkeln und Tanten, welche fast in Rufweite wohnen.
Über allem lenkt und wacht mit gütigem Herz ihre Mutter. Viele weitere Kinder aus der enggebauten Auricher Altstadt gehen ein und aus. Er war ein Paradies. „Wir Kinder, die wir zu Besuch waren, liebten dieses Aurich (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lotte Oelsner in Berlin 12. Februar 2017). Motjes Kinner sünd all dor“, hieß es wenn diese vom Haus der Wallstraße quer durch den Garten Onkel Siegfried Wolff in der Norderstraße 18 aufsuchen – und andere anderswo.
Manfred erkrankt als kleines Kind an einer schweren Gehirnhautentzündung. Diese Erkrankung war damals noch oft tödlich, da es noch kein Penicillin gab. Manfred überlebt.

Manfred Jakob Cohen Einschulung Ostern 1937 vor der jüdischen Volksschule in der Kirchstraße in Aurich – Foto Chana Nahari

Seine Eltern verarmen zusehends. Sie müssen ihr Haus in der Wallstraße 33 aufgeben und in das noch in jüdischem Besitz befindlichen Haus Zingelstr. 3 der Samson-Brüder am 6.09.1939 umziehen.
Am Tag des Novemberpogroms 1938 wird sein Vater in Aurich verhaftet mit vielen anderen am 10. November nach Sachsenhausen deportiert. Dort mus0 er bis zum 6. Dezember bleiben. Seine Mutter Hannchen ist zu dieser Zeit hochschwanger mit Zilla.

Im Februar 1940 müssen alle Juden Aurich verlassen. Manfred und seine Schwester Martha müssen in ein jüdisches Kinderheim nach Köln in der Lützowstraße 55. Ihre Eltern ziehen am 28. 4.1940 nach Bremen-Vegesack in die Alte Hafenstraße 23. Sie müssen dort Zwangsarbeit leisten und können sich um ihre Kinder nicht kümmern.

Vor Ostern 1941 schließt das o.g. Kölner Heim. Er und seine Schwester kommen in ein anderes. Zu Pessach sind sie bei den Eltern in Vegesack. Am 27.10.1941 schreibt die Mutter an ihre geflüchteten Geschwister: „Wir werden nun auch die Kinder wieder zu uns nehmen. Martha kommt aus der Schule [=Ende der achtjährigen Zeit in der jüdischen Volksschule] und Manfred soll nicht alleine in Köln bleiben [d.h. er kann keine Schule mehr besuchen].“

Am 18.11.1941 muss Manfred mit seiner Schwester und seinen Eltern in einen Zug zu einer Sammelstation nach Hamburg steigen, der anschließend nach Minsk Weißrußland fährt. Die Familie lebt im Ghetto in einem von der deutschen Besatzung abgetrennten Gebiet, welches zuvor die weißrussische Judenschaft bewohnt. Diese wird kurz vor Beginn der Deportation aus dem Reich, Mitte November, vollständig ermordet.

Am 28. Juli 1942 setzen die deutschen Besatzer erstmals mobile Vergasungsanlagen ein. Möbelwagen, in deren mit Häftlingen vollgepferchten Laderaum Auspuffgase geleitet werden. Es werden alle nichtarbeitsfähigen Lagerinsassen, das sind Manfred und seine Schwester, umgebracht.
Es ist nicht belegt, ob seine Eltern auch unter diesen Opfern sind. Aber auch alle Arbeitsfähigen erleiden bis zum 21.10.1943 ein gleiches Schicksal. Ihr Todestag ist somit nicht bestimmt. Aber in Analogie zu ähnlichen Ereignissen, kann man annehmen, dass ihr Todestag auch der ihrer Kinder ist. Von den vielen Tausend dort überlebten nur fünf.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.01.2018)
Foto: Manfred Jakob Cohen 1937 (Foto Chana Nahari)
Manfred Jakob Cohen 194o (Foto Chana Nahari)
Geburtsurkunde Manfred Jakob Cohen
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786
– Dokumente der Nachkommen
– Interviews mit Zeitzeugen.
Literatur:
Patenschaft: Familie Beninga-Arendt
Verlegetermin: 20. Oktober  2016

Abraham Wolff

Veröffentlicht: 23. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham WOLFF
geboren am 24. September 1894 in Aurich

Straße: Ab 1929 wohnhaft in Emden
Todesdatum: 9. August 1944
Todesort: Stutthof

Abraham Wolff 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abraham Wolff wird am 24. September 1894 als Zwillingsbruder von Martin Wolff in Aurich geboren. Er hat noch eine jüngere Schwester Hannchen (*27.02.1901). Die Eltern sind Wolff Wolff (*24.01.1858 Aurich – 31.01.1926 Aurich) und Rosetta Schönthal (15.09.1863 Marienhafe – 8.12.1941 Ghetto Litzmannstadt).

Abraham arbeitet im Betrieb seines Vaters als Schlachter und Viehhändler. Als sein Vater 1926 stirbt, führt er zusammen mit seinem Bruder Martin das Geschäft.
Abraham heiratet 1925 Käthe Karseboom (*11.02.1897 Emden). Er zieht zu seiner Frau nach Emden (lt. Meldekarte erst 1929). Sie bekommen eine Tochter Inge (*3. Mai 1925).
Seine Mutter Rosetta wohnt zunächst bei ihrem Sohn Martin in Aurich und dann ab Mitte der 30er Jahre bei Abraham in Emden, bevor sie 1941 in das dortige jüdische Altersheim zieht.

Nach der Pogromnacht 9./10.11.1938 wird Abraham Wolff bis zum 22. Dezember 1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Als alle Juden bis zum 1. April 1940 Ostfriesland verlassen müssen, zieht die Familie nach Berlin-Wilmersdorf.
Am 19. Januar 1942 wird Abraham Wolff mit seiner Frau Käthe und der Tochter Inge in das Ghetto Riga deportiert. Von dort werden Abraham und seine Tochter Inge in das KZ Stutthof deportiert und dort ermordet. Die Spur seiner Frau verliert sich im Ghetto Riga.

Auch Abrahams Mutter und sein Bruder Martin werden Opfer der Shoa. Seine Mutter wird am 23.10.1941 in das Ghetto Lodz/Litzmannstadt deportiert und stirbt dort am 8.12.1941.

Sein Bruder Martin wird am 23.01.1942 in Weimar verhaftet und zunächst in Buchenwald inhaftiert. Er war unerlaubterweise als Jude mit einem Fahrrad gefahren. Da Martin aufgrund einer Kriegsverletzung gehbehindert ist, konnte er nur so seine weiter entfernte Arbeitsstelle bei einem Kartoffelhändler erreichen. Am 12.03.1942 wird Martin Wolff im Alter von 47 Jahren in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.

Abrahams Schwester Hannchen heiratet Carl Friedberg (*28.05.1895 in Elberfeld – 1983) und zieht am 3.02.1933 aus Aurich nach Mönchengladbach. Sie und ihr Mann können dem Völkermord entkommen. Sie verstirbt am 1. Juni 1973.

Für Rosetta Wolff sowie für Martin Wolff und seine Familie sind Stolpersteine in der Leerer Landstraße 18 verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 20.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.geni.com/people/Abraham-Wolff/319035837420004738
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Abraham Wolff wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er bereits 1929 Aurich verließ und sein letzter frei gewählter Wohnsitz in Emden lag.

 

 

Joseph Wolffs

Veröffentlicht: 23. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Joseph WOLFFS
geboren am 16. März 1880 in Aurich

Straße: Zuletzt wohnhaft in Leer
Todesdatum: 8. September 1942
Todesort: Riga Ghetto
Joseph Wolffs wird am 16. März 1880 in Aurich geboren. Er ist das sechste von sieben Kindern der Eheleute Wolff Benjamin Abraham Wolffs (9.11.1839 Aurich – 26.12.1912 Aurich) und Gelli Cosmann Wolffs geb. Hoffmann (16.06.1843 Aurich – 19.02.1884 Aurich). Joseph war noch nicht 4 Jahre alt; als seine Mutter starb, sein Vater hat danach noch einmal geheiratet (Fanny Wolffs 1856-1934).

Joseph arbeitet wie sein Vater als Schlachter und Viehhändler. Er heiratet am 9.05.1909 in Felsberg Ida Dannenberg (*9.05.1875 Felsberg Krs. Melsungen). Das Paar wohnt zunächst in Aurich in der Lilienstraße 12 bei Familie Abraham Levy Wolff. Hier werden ihre Kinder Werner (*12.03.1911) und Ruth (*13.06.1912) geboren.

Im Jahr 1914 zieht die Familie in die Große Mühlenwall Str. 13 und wohnt dort 12 Jahre lang. Am 9.03.1926 zieht die Familie nach Wittmund. Sie ist dort am 15.03.1926 gemeldet.
Sohn Werner verbleibt noch bis 1929 in Aurich und zieht dann nach Frankfurt am Main. Tochter Ruth zieht nach Groningen und erlernt dort das Schneiderhandwerk

Von Wittmund aus ziehen Joseph und Ida Wolffs am 1.04.1929 nach Leer in die Heisfelder Straße 44. An allen Orten ist Joseph in der Synagoge als Vorbeter/Vorsänger tätig. In Leer wohnt er als Synagogendiener gleich bei der Synagoge. Die Enkeltochter berichtet: „Die Familie war ziemlich streng religiös, und mein Vater (Werner) konnte aus seiner Kindheit noch alle Melodien, die man damals dort gesungen hat, auswendig.“

In der Reichspogromnacht 9./10.11.1938 erhielt das Einsatzkommando in Leer gegen drei Uhr nachts von Bürgermeister Erich Drescher genaue Instruktionen, die besagten, dass das Synagogengebäude an der Heisfelderstraße in Brand gesetzt und dabei auch die Wohnung des Synagogendieners „ausgeräuchert“ werden sollte. Außerdem wurde die SA angewiesen, die Schaufenster aller noch vorhandenen jüdischen Geschäfte zu demolieren.
An der Synagoge angekommen, wurden zunächst die Wolffs‘schen Möbel aus der Wohnung nach draußen geschafft. Der Kantor der jüdischen Gemeinde Joseph Wolffs und seine Frau Ida wurden rüde aus dem Schlaf gerissen. In Nachtkleidung mussten sie mit ansehen, wie der Bürgermeister Maßnahmen in die Wege leitete, ihr Mobiliar zu verladen und für Absperrungsmaßnahmen Sorge trug, wodurch er erst die Voraussetzungen für die Brandstiftung schaffte.

Anschließend wurden die jüdischen Bürger in der Viehhofanlage auf der Nesse zusammengetrieben (vgl. Darstellung s. Link unten).

Aus Leer wurden 56 Männer in das KZ Sachsenhausen verbracht, darunter auch Joseph Wolffs. Er kam am 15.12.1938 als gebrochener Mann nach Leer zurück.

Als alle Juden Ostfriesland bis zum 1.04.1940 verlassen müssen, ziehen Joseph und Ida Wolffs nach Berlin (C2, Neue Königstraße 42, heute Otto-Braun-Straße).
Von dort werden sie am 31. August 1942 ab Berlin-Moabit in das Ghetto Riga deportiert (Nr. 34 und 35 auf der Transportliste, s.u.). Andere Quellen nennen den 5.09.1942 als Transportbeginn. Demnach wären sie am 8. September in Riga angekommen. Vermutlich wurden sie nach der Ankunft ermordet, denn dieses Datum gilt als Todestag.

Ihre Kinder konnten dem Völkermord durch Flucht nach Israel entkommen.

Die Kinder Werner (Seewi) und Ruth (Rund) nahmen an der Begegnungswoche 1992 teil, Ruth mit Sohn Emanuel. Werners Tochter Schulamith wohnt in Ramat Gan, Israel, die Tochter Ada Zeevi Ohana wohnt in Jerusalem.

Zu den Geschwistern von Joseph Wolffs:
Zwei seiner Geschwister (Cossmann Wolff 1870-1873 und Sara 1874-1876) sterben bereits im Kindesalter. Über die jüngste Schwester Sara (*31.10.1882) konnten wir nichts in Erfahrung bringen.

Sein ältester Bruder Abraham 28.03.1868) zog aus Aurich nach Stettin. Er wurde am 12.02.1940 in das Ghetto Glusk deportiert. Dort verliert sich seine Spur.
Seine Schwester Clara „Clärchen“ Wolff geb. Wolffs heiratete den Auricher Schlachter Levy Abraham Wolff (1862-1937) und hatte mit ihm vier Kinder. Sie wohnte in der Osterstraße 25, floh 1938 zu ihrem Sohn Abraham Levy Wolff nach Groningen in die Folkingerstraat 19, wurde am 12. März 1943 im Durchgangslager Westerbork interniert, kurz darauf in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort am 25. März 1943 ermordet.

Für Clara Wolff geb. Wolffs wurde am 24.06.21 ein Stolperstein in der Osterstraße 25 verlegt.
Für Joseph und Ida Wolffs werden Stolpersteine in Leer verlegt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Meldekarte Aurich, NLA Aurich
Meldebuch Wittmund
Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8069&lang=de
Pogromnacht Leer: https://pogrome1938-niedersachsen.de/leer/
Transportliste: https://www.statistik-des-holocaust.de/OT19-2.jpg
Literatur:  

 

Patenschaft:
Verlegetermin: Für Joseph Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er bereits 1926 Aurich verließ.

 

 

Abraham Wolffs

Veröffentlicht: 23. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

 Abraham WOLFFS
geboren am 28. März 1868 in Aurich

Straße: zuletzt wohnhaft in Stettin
Todesdatum: 12. Februar 1940 Deportation Glusk Ghetto
Todesort: unbekannt
Abraham Wolffs wird am 28. März 1868 in Aurich geboren. Er war das älteste von sieben Kindern der Eheleute Wolff Benjamin Abraham Wolffs (9.11.1839 Aurich – 26.12.1912 Aurich) und Gelli Cosmann Wolffs geb. Hoffmann (16.06.1843 Aurich – 19.02.1884 Aurich). Abraham verlor seine Mutter schon mit 15 Jahren, sein Vater hat danach noch einmal geheiratet (Fanny Wolffs 1856-1934).

Abraham zieht aus Aurich nach Stettin. Leider wissen wir nichts über sein Leben dort.
Am 12. Februar 1940 wird er nach Glusk Ghetto deportiert. Hier verliert sich seine Spur.

Im November 1939 hatte die SS-Führung beschlossen, im Distrikt Lublin ein sogenanntes „Judenreservat“ für Juden aus dem Reich einzurichten. Von Dezember 1939 bis Februar 1940 wurden zehntausende Juden aus dem Deutschen Reich und den neugeschaffenen „Reichsgauen“ in die Umgebung von Lublin deportiert. Nach dem Stopp der Deportationen wurden einige Deportierte nach Lublin verbracht, andere in kleinere Ghettos in Piaski, Glusk und Bełżyce.
1940 fanden in Lublin und Umgebung zahlreiche Razzien durch SS- und Polizeieinheiten statt, die dabei ergriffenen Juden wurden zur Zwangsarbeit in Arbeitslager in der Gegend um Bełżec verbracht und dort zum Bau von Grenzbefestigungen eingesetzt. Viele von ihnen starben unter den dort herrschenden Bedingungen.

Zu den Geschwistern von Abraham Wolffs:
Zwei seiner Geschwister (Cossmann Wolff 1870-1873 und Sara 1874-1876) sterben bereits im Kindesalter. Über die jüngste Schwester Sara (*31.10.1882) konnten wir nichts in Erfahrung bringen.

Seine Schwester Clara „Clärchen“ Wolff geb. Wolffs heiratete den Auricher Schlachter Levy Abraham Wolff (1862-1937) und hatte mit ihm vier Kinder. Sie wohnte in der Osterstraße 25, floh 1938 zu ihrem Sohn Abraham Levy Wolff nach Groningen in die Folkingerstraat 19, wurde am 12. März 1943 im Durchgangslager Westerbork interniert, kurz darauf in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort am 25. März 1943 ermordet.

Sein Bruder Joseph heiratete Ida Dannenberg und hatte mit ihr zwei Kinder. Sie wohnten zunächst bis 1926 in Aurich, dann in Wittmund und Leer. Als sie gezwungen waren, Ostfriesland zu verlassen, zogen sie nach Berlin. Von dort wurden Joseph und Ida Wolffs am 5. September 1942 in das Ghetto Riga deportiert und ermordet. Als ihr Todesdatum gilt der 8. September 1942.
Ihre Kinder konnten dem Völkermord durch Flucht nach Israel entkommen. Sie kamen 1992 zur „Woche der Begegnung“ nach Aurich.

Für Clara Wolffs wurde am 24.06.21 ein Stolperstein in der Osterstraße 25 verlegt.
Für Joseph Wolff wird ein Stolperstein in Leer verlegt.

 

 

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 20.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8069&lang=de

Ghetto Glusk: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Lublin

 

Literatur:  

 

Patenschaft:
Verlegetermin: Für Abraham Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sein letzter frei gewählter Wohnort in Stettin lag.

 

 

Fanny Wolff geb. Aron

Veröffentlicht: 21. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Fanny WOLFF geb. ARON
geboren am 25. Dezember 1874 in Hamburg

Straße: wohnhaft in Emden
Todesdatum: 15. Februar 1943
Todesort: Theresienstadt Ghetto
Fanny Aron wurde am 25. Dezember 1874 in Hamburg geboren. Sie heiratete den Auricher Kaufmann Salomon Wolff.

Salomon Wolff wurde als neuntes von 13 Kindern von Handelsmann Levy Wolff (18.07.1823 Aurich -1894 Aurich) und Röschen Wolff Wolff (11.02.1828 Aurich – 5.08.1909 Aurich) am

Die Eheleute zogen nach Emden, wo ihnen 19.03.1899 eine Tochter Recha geboren wurde.
Salomon Wolff gründete sein erstes Geschäft in der Kleinen Brückstraße im September 1900. Im Jahre 1919 kaufte er ein komfortables Gebäude in der Martin-Faber-Straße als Wohnhaus für seine Familie.

Die Tochter Recha verlobte sich im April 1919 mit dem Kaufmann Leo Sternberg (*24.01.1894) aus Aurich, den sie auch heiratete. Den Eheleuten wurde am 23. März 1923 die Tochter Irmgard geboren. Leo Sternberg, dessen Vorfahren alle Kaufleute waren, stieg in das Geschäft seines Schwiegervaters in Emden ein. Die Einnahmen waren so gut, dass beide Familien ein großbürgerliches Leben führen konnten.

1924 und 1929 konnte Samuel Wolff das Geschäft, welches nun unter „Damen-, Herren- und Kinderbekleidung S. Wolff“ firmierte, erheblich vergrößern.

Nach dem Boykottaufruf am 1.04.1933 kamen zunächst noch mutige Kundinnen zum Einkauf. Die Einnahmen wurden aber so gering, dass er das Geschäft mit einem großen Warenlager verpachten musste.

In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurden Salomon und Fanny Wolff von SA-Männern in die Neutorschule geschleppt, wo sie bis zum nächsten Morgen gedemütigt und gequält wurden. Im Dezember 1938 erhielt Salomon Wolff die Aufforderung seinen gesamten Grundbesitz sofort zu verkaufen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt kaufte im Jahr 1939 das Wohnhaus in der Martin-Faber-Straße. Bis zum 1. Mai 1939 musste es geräumt werden und der Umzug in das Jüdische Altersheim vollzogen sein.
Von dort aus wurden Salomon und Fanny Wolff am 22. Oktober 1941 nach Varel deportiert. Die Nationalsozialisten hatten ihnen einen sogenannten Heimplatz in Theresienstadt für ihr Vermögen versprochen.

Bewahrt vor der Deportation starb Salomon Wolff am 16. Mai 1942 in Varel im Alter von 77 Jahren. Der NS-Staat zog sein gesamtes Vermögen ein.

Seine Ehefrau Fanny Wolff wurde am 23. Juli 1942 über Bremen, Hannover und Leipzig in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Aufgrund der unzureichenden Lebensbedingungen verstarb sie dort am 15. Februar 1943 im Alter von 68 Jahren.

Die Tochter Recha „Resi“ konnte rechtzeitig in die USA fliehen.
Im Juli 1936 veranlassten antisemitische Übergriffe Leo Sternberg so schnell wie möglich in die USA zu emigrieren.

Recha Sternberg, die alle Resi nannten, blieb zunächst bei ihren Eltern in Emden. Neun Monate später buchte sie die Reise in die USA mit ihrer Tochter Irmgard und dem Neffen Manfred auf der „Washington“. Sie betraten am 21. April 1937 amerikanischen Boden.

Leo Sternberg arbeitete zunächst im Kaufhaus seines Bruders Erich, konnte aber bald sein eigenes Geschäft in der Hauptstadt Baton Rouge eröffnen. Dort lebte Recha Sternberg, die sich in den USA Resi Wolff-Sternberg nannte, mit ihrem Mann bis zu ihrem Tod am 10. März 1985. Sie wurde auf dem Liberal Jewish Synagoque Cementary in Louisiana beigesetzt. Ihre Tochter Irmgard verstarb am 27.07.2013.

Für Fanny Wolff geb. Aron, ihren Ehemann Salomon, die Tochter Recha verh. Sternberg, Leo Sternberg und deren Tochter Irmgard wurden Stolpersteine in Emden in der Martin-Faber-Straße 2 verlegt.

Recherche: Gesine Janssen (Emden)
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 20.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8107&lang=de
Stolpersteine Emden: https://www.emden.de/fileadmin/media/stadtemden/PDF/Stolpersteine/neu/okt_21/Biografie_Wolff_Fanny.pdf
Literatur:  

 

Patenschaft:
Verlegetermin: Für Salomon Wolff wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sein Lebensmittelpunkt in Emden lag.

 

 

Salomon Wolff

Veröffentlicht: 21. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

 Salomon WOLFF
geboren am 29. August 1864 in Aurich

Straße: wohnhaft in Emden
Todesdatum: 16. Mai 1942
Todesort: Varel

Salomon Wolff 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Salomon Wolff wurde als neuntes von 13 Kindern von Handelsmann Levy Wolff (18.07.1823 Aurich -1894 Aurich) und Röschen Wolff Wolff (11.02.1828 Aurich – 5.08.1909 Aurich) am 29. August 1864 in Aurich geboren.
Er wurde Kaufmann und heiratete Fanny Aron aus Hamburg (*25.12.1874). Die Eheleute zogen nach Emden, wo ihnen 19.03.1899 eine Tochter Recha geboren wurde.
Salomon Wolff gründete sein erstes Geschäft in der Kleinen Brückstraße im September 1900. Im Jahre 1919 kaufte er ein komfortables Gebäude in der Martin-Faber-Straße als Wohnhaus für seine Familie.Die Tochter Recha verlobte sich im April 1919 mit dem Kaufmann Leo Sternberg (*24.01.1894) aus Aurich, den sie auch heiratete. Den Eheleuten wurde am 23. März 1923 die Tochter Irmgard geboren. Leo Sternberg, dessen Vorfahren alle Kaufleute waren, stieg in das Geschäft seines Schwiegervaters in Emden ein. Die Einnahmen waren so gut, dass beide Familien ein großbürgerliches Leben führen konnten.1924 und 1929 konnte Samuel Wolff das Geschäft, welches nun unter „Damen-, Herren- und Kinderbekleidung S. Wolff“ firmierte, erheblich vergrößern.Nach dem Boykottaufruf am 1.04.1933 kamen zunächst noch mutige Kundinnen zum Einkauf. Die Einnahmen wurden aber so gering, dass er das Geschäft mit einem großen Warenlager verpachten musste.In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurden Salomon und Fanny Wolff von SA-Männern in die Neutorschule geschleppt, wo sie bis zum nächsten Morgen gedemütigt und gequält wurden. Im Dezember 1938 erhielt Salomon Wolff die Aufforderung seinen gesamten Grundbesitz sofort zu verkaufen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt kaufte im Jahr 1939 das Wohnhaus in der Martin-Faber-Straße. Bis zum 1. Mai 1939 musste es geräumt werden und der Umzug in das Jüdische Altersheim vollzogen sein.
Von dort aus wurden Salomon und Fanny Wolff am 22. Oktober 1941 nach Varel deportiert. Die Nationalsozialisten hatten ihnen einen sogenannten Heimplatz in Theresienstadt für ihr Vermögen versprochen.Bewahrt vor der Deportation starb Salomon Wolff am 16. Mai 1942 in Varel im Alter von 77 Jahren. Der NS-Staat zog sein gesamtes Vermögen ein.Seine Ehefrau Fanny Wolff wurde am 23. Juli 1942 über Bremen, Hannover und Leipzig in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Aufgrund der unzureichenden Lebensbedingungen verstarb sie dort am 15. Februar 1943 im Alter von 68 Jahren.Eine ausführliche Biografie von Salomon und Fanny Wolff, v. a. über ihre Zeit im Altersheim in Varel und über ihre Nachfahren in den USA, findet sich beim „Arbeitskreis Gröschler Haus“ (s. Link ganz unten).Die Tochter Recha „Resi“ konnte rechtzeitig in die USA fliehen.
Im Juli 1936 veranlassten antisemitische Übergriffe Leo Sternberg so schnell wie möglich in die USA zu emigrieren.

Recha Sternberg, die alle Resi nannten, blieb zunächst bei ihren Eltern in Emden. Neun Monate später buchte sie die Reise in die USA mit ihrer Tochter Irmgard und dem Neffen Manfred auf der „Washington“. Sie betraten am 21. April 1937 amerikanischen Boden.

Leo Sternberg arbeitete zunächst im Kaufhaus seines Bruders Erich, konnte aber bald sein eigenes Geschäft in der Hauptstadt Baton Rouge eröffnen. Dort lebte Recha Sternberg, die sich in den USA Resi Wolff-Sternberg nannte, mit ihrem Mann bis zu ihrem Tod am 10. März 1985. Sie wurde auf dem Liberal Jewish Synagoque Cementary in Louisiana beigesetzt. Ihre Tochter Irmgard verstarb am 27.07.2013.

Für Salomon Wolff, seine Ehefrau Fanny, die Tochter Recha verh. Sternberg, Leo Sternberg und deren Tochter Irmgard wurden Stolpersteine in Emden in der Martin-Faber-Straße 2 verlegt.

Recherche: Gesine Janssen (Emden)
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 20.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8107&lang=de
Stolpersteine Emden: https://www.emden.de/fileadmin/media/stadtemden/PDF/Stolpersteine/neu/okt_21/Biografie_Wolff_Salomon.pdf
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Salomon Wolff wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sein Lebensmittelpunkt in Emden lag.

Was uns eine Grabplatte auf dem Jüdischen Friedhof Varel erzählt

 

Hanna „Hannchen“ David Cohen geb. Wolff

Veröffentlicht: 21. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hanna „Hannchen“ David COHEN  geb. WOLFF
geboren am 17. September 1892 in Aurich

Straße: Wallstraße 33
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Minsk 18.11.1941
Todesort: Minsk
Hanna David Cohen
(Foto Chana Nahari) 

 

 

Hannchen David Cohen geb. Wolff 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

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Hanna „Hannchen“ Cohen wird am 17.09.1892 in Großefehn als Hanna David Wolff geboren Ihre Eltern sind David Abraham Wolff und Martha Abraham Samson. Sie hat acht Geschwister.

Hanna heiratet am 15.11.1922 Jakob Moses Cohen aus Aurich. Zusammen haben sie vier Kinder. Es werden zwei weitere geboren, ein Junge, der am Tag der Geburt am 8.05.1926 stirbt, und Zilla, am 18.01.1939 in Aurich geboren und wenig darauf am 30.01. gestorben. Die Familie lebt traditionell religiös. Im nahen Umkreis von Aurich wohnen Verwandtschaft aus Onkeln, Tanten und Kindern. Vielen gelingt vor Ausbruch des Krieges die Flucht ins Ausland, das waren Palästina, Uruguay, Argentinien, Chile und Ecuador.

Hanna ist in jeder Weise Seele und Mittelpunkt der großen Familie, während ihr Mann stets unterwegs ist. Klein, rundlich, herzlich, alle Kinder kamen zu ihr. „Wir Kinder, die wir zu Besuch waren, liebten dieses Aurich (Interview mit der Nichte und Zeitzeugin Lotte Oelsner in Berlin 12. Februar 2017) . Motjes Kinner sünd all dor“, hieß es wenn diese vom Haus der Wallstraße quer durch den Garten Onkel Siegfried Wolff in der Norderstraße 18 aufsuchten – und anderswo.
Ende 1938 ist ihr Mann mit ihrem Schwager Levy Hermann in Köln auf dem englischen Konsulat. Durch einen unerwarteten Fehler im Büro bietet man den Cohen-Brüdern Touristenvisa an, statt der regulären Immigration, die von den Engländern verwehrt wird. Hermann schlägt sofort ein – nichts wie weg, auch ohne Möbel, Jakob dagegen sagt nein – er will seinen Kindern nicht zur Last fallen – in vorsichtiger Erwägung, er könne dort in Palästina wirtschaftlich nicht klarkommen.

Die Cohens verlieren durch Änderungen der Gewerbeordnung, die einem Berufsverbot für diesen judentypischen Erwerb gleichkommt, ihre Wirtschaftsgrundlage. Sie müssen ihr Haus in der Wallstraße 33 aufgeben und in das noch in jüdischem Besitz befindlichen Haus Zingel 3 der Samson-Brüder am 6.09.1939 umziehen.

Am Tag des Novemberpogroms 1938 wird ihr Mann in Aurich verhaftet mit vielen anderen am 10. November nach Sachsenhausen deportiert. Dort muß er bis zum 6. Dezember bleiben. Hannchen ist zu dieser Zeit hochschwanger mit Zilla.

Ihre älteste Tochter Mia erhält über die Jugend-Alijah, eine zionistische Einwanderungsorganisation ein ,Affidavit, eine Genehmigung und Bürgschaft zur Einreise. Sie verläßt Aurich am 24. 11. 39 mit dem Ziel Wien, wo sie anschließend ein Schiff in Bratislava zur Flucht über die Donau besteigt. Ihr Sohn David, er hat ein Affidavit seines Onkels Levy Herman Cohen, folgt ihr vier Wochen später. Er steigt in Triest auf ein Schiff mit Ziel Palästina. Seine Tante nimmt ihn dort auf.

Im Februar 1940 müssen alle Juden Aurich verlassen. Ihre zwei jüngsten Kinder müssen in ein jüdisches Kinderheim nach Köln. Sie zieht mit ihrem Mann am 28. 4. 40 nach Bremen-Vegesack in die Alte Hafenstraße 23. Sie müssen dort Zwangsarbeit leisten.

Hannchen korrespondiert in Rundbriefen mit ihren nach Südamerika geflüchteten Verwandten. Sie schreibt von Widerständen und Enttäuschungen, welche sehr an ihrer Gesundheit gerüttelt hätten. In der Briefreihe ist bei genauem Hinsehen die pure Verzweiflung aus den Zeilen zu lesen. „Meine lieben Brüder, gebe Gott, daß es euch gelingen möge, uns recht bald aus diesem Goles [Exil, Verbannung] zu erlösen. […] Ihr könnt Euch ja wohl unsere Gefühle denken, die Kinder so in die Welt hinein zu schicken, aber es ist eben unser Schicksal, und wir müssen uns damit abfinden, auch Mia wird in Kürze auswandern […] möge der Allmächtige uns bald mit Euch vereinen“. – Hannchen konnte in Vegesack noch erfahren, dass ihre beiden Kinder – Mia nach 1½-jähriger Irrfahrt – in Palästina angekommen und in Obhut ihrer Schwester Erna Schlüssel sind.

Ende Oktober 41 kommen ihre jüngsten Kinder, Martha und Manfred, aus Köln zurück. Martha ist mit der Schule fertig, und Manfred soll nicht allein in Köln bleiben.

Am 18.11.1941 müssen Hannchen und ihre Familie in einen Zug zu einer Sammelstation nach Hamburg steigen, der anschließend nach Minsk

Weißrußland fährt. Die Familie lebt im Ghetto in einem von der deutschen Besatzung abgetrennten Gebiet, welches zuvor die weißrussische Judenschaft bewohnt. Diese wird kurz vor Beginn der Deportation aus dem Reich, Mitte November, vollständig ermordet. Am 28. Juli 42 setzen die deutschen Besatzer erstmals mobile Vergasungsanlagen ein. Das sind Möbelwagen, in deren mit Häftlingen vollgepferchten Laderaum Auspuffgase geleitet wurden. Es wurden alle nichtarbeitsfähigen Lagerinsassen, die Kinder Martha und Manfred, umgebracht.

Es ist nicht belegt, ob Hannchen und ihr Mann unter diesen Opfern waren. Aber auch alle Arbeitsfähigen erlitten bis zum 21.10.1943 das gleiche Schicksal. Ihr Todestag ist nicht bestimmt. Aber in Analogie zu ähnlichen Ereignissen, kann man annehmen, daß auch ihr Todestag der der ihrer dort mitgefangenen Familie war. Von den vielen Tausend dort überlebten nur fünf.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 20.01.2018)
Foto: Hanna David Cohen (Foto: Chana Nahari)
Bremen, Vegesack, Alte Hafenstraße 23, 50er J. (Foto: Wiltrud Ahlers)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786

– Dokumente der Nachkommen

– Interviews mit Zeitzeugen

Literatur:
Patenschaft: Hanna Vaknim
Verlegetermin: 21. Oktober  2016