Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Ruben „Rudolf“ Gottschalk Leers

Veröffentlicht: 15. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Ruben „Rudolf“ Gottschalk LEERS
geboren am 12. Mai 1872 in Aurich

Straße: Wohnte seit 1895 in München
Todesdatum: 29. September 1942
Todesort: Treblinka, Vernichtungslager

Ruben Leers, Dezember 1938, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruben Gottschalk Leers wird am 12.Mai 1872 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Gottschalk Gossel Victor Leers, geboren 12.09.1823 in Aurich, verstorben 28.05.1889 in Aurich, und Mirjam Calmer Leers geborene Wolff, geboren 08.07.1837 in Aurich, verstorben 24.06.1873 in Aurich.

Ruben Gottschalk hat 8 Geschwister:
– Victor Gottschalk Leers; *7.12.1861 Aurich +29.07.1942 Theresienstadt
– Röschen Leers; *4.01.1863 Aurich +24.06.1863 Aurich
– Caroline „Kendel“ Gottschalk Leers; *20.12.1863 Aurich +26.09.1942 Treblinka
– Elias Gottschalk Leers; *20.12.1864 Aurich +24.01.1864
– NN. *10.06.1867 +13.06.1867
– Röschen Leers *13.04.1868 Aurich
– Aaron Leers *22.07.1870 Aurich +11.11.1870
– Halbbruder: Abraham Leers *18.10.1875 – Eltern: Gottschalk Leers und Minna Leers *1836
Nur drei von ihnen erreichen also das Erwachsenenalter.

Ruben Leers zieht am 23.08.1895 nach München und arbeitet dort als Schumachermeister und als Zimmervermieter.
Er heiratet am 7.11.1900 in Reichenberg Kreis Würzburg Friederike Ehrlich (*23.11.1874 in Rosenberg Kreis Adelsheim). Die Ehe bleibt kinderlos.

In München wohnen Ruben und Friederike Leers am Viktualienmarkt 13/III. Friederike verstirbt am 25.04.1939 in München im Alter von 64 Jahren.
Bald darauf (am 30.09.1939) zieht Ruben in das IKG Altenheim in der Klenzestraße 4.

Am 12.03.1942 muss er in das Barackenlager in der Knorrstraße 148 ziehen und wird am 29.07.1942 aus München nach Theresienstadt deportiert.
Von dort wird er am 29.09.1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort im Alter von 70 Jahren ermordet.

Auch seine Geschwister Victor Gottschalk Leers und Caroline Leers wurden Opfer der Shoa. Für sie wurden in Aurich am 27.01.2015 in der Wallstraße 56 Stolpersteine verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 15.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank:  https://www.geni.com/people/Ruben-Leers/6000000027275368244Gedenkbuch München: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_suche_schnell&tx_mucstadtarchiv_stadtarchivkey%5Bopferid%5D=7169&tx_mucstadtarchiv_stadtarchivkey%5Baction%5D=showopfer&tx_mucstadtarchiv_stadtarchivkey%5Bcontroller%5D=Archiv&cHash=ce6490074b38f917b673c5336e2399d8
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Ruben Leers wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sein letzter frei gewählter Wohnort in München lag und dort sein Lebensmittelpunkt war.

 

 

Siegfried Wolffs

Veröffentlicht: 15. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Siegfried WOLFFS
geboren am 8. August 1870 in Aurich

Straße: Wohnort: Münster
Todesdatum: 23. September 1942
Todesort: Treblinka, Vernichtungslager
Siegfried Wolffs wird am 8. August 1870 in Aurich geboren. Er ist das älteste von 7 Kindern seiner Eltern Wolff Selig Wolffs (*18.11.1838 Aurich +3.04.1891 Aurich) und Eva Wolffs geb. Wolffs (*7.11.1845 Aurich +11.03.1920 Aurich) geb. Wolffs.

Drei seiner Geschwister sterben schon im Kindesalter. Für seine Geschwister Abraham Wolff Wolffs (*18.01.1872 Aurich +September 1942 Kulmhof) und Sara Wolffs geb. Wolffs (*20.10.1878 Aurich +1942 Izbica) wurden Stolpersteine in Aurich verlegt.

Siegfried heiratet Helene Oswald (*29.03.1876 Münster) und zieht nach Münster. Die Ehe bleibt kinderlos.

Am 31. Juli 1942 werden Siegfried Wolffs und seine Frau Helene ab Münster nach Theresienstadt, Ghetto deportiert.
Beide werden am 23. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Für Helene und Siegfried Wolffs wurden 2008 Stolpersteine in Münster in der Achtermannstraße 13 verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.geni.com/people/Siegfried-Selig-Wolffs/6000000008424051377

Literatur:  
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Siegfried Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er seinen Lebensmittelpunkt in Münster hatte.

 

 

 

Helene Wolffs geb. Oswald

Veröffentlicht: 15. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Helene WOLFFS geb. OSWALD
geboren am 29. März 1876 in Münster

Straße: Wohnort: Münster
Todesdatum: 23. September 1942
Todesort: Treblinka, Vernichtungslager
Helene Oswald wird am 23. März 1876 in Münster geboren. Sie ist das vierte von 9 Kindern ihrer Eltern Levy Louis Oswald (*19.12.18340 Ibbenbüren +8.04.1926 Münster) und Rosalie Oswald geb. Cantor (*19.12.1842 Ootmarsum, NL +25.07.1889 Münster).

Helene Oswald heiratet Siegfried Wolffs (*8.08.1870 Aurich). Das Paar wohnt in Münster. Die Ehe bleibt kinderlos.

Am 31. Juli 1942 werden Siegfried Wolffs und seine Frau Helene ab Münster nach Theresienstadt, Ghetto deportiert.
Beide werden am 23. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Für Helene und Siegfried Wolffs wurden 2008 Stolpersteine in Münster in der Achtermannstraße 13 verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.geni.com/people/Helene-Wolffs/6000000085543725867

Literatur:  
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Helene Wolffs geb. Oswald wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie ihren Lebensmittelpunkt in Münster hatte.

 

 

 

Julius Winter

Veröffentlicht: 15. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Julius WINTER
geboren am 28. Mai 1875 in Glehn, Kreis Grevenbroich-Neuss

Straße: Lilienstr. 8 (39.05.bis 20.11.1939)
Todesdatum: 17. Mai 1943
Todesort: Theresienstadt, Ghetto
Julius Winter wird am 28.05.1875 in Glehn, Kreis Grevenbroich-Neuss, geboren. Sein Beruf wird mit Manufakturwarenhändler angegeben.
Er heiratet Klementine (Clementine) Lion (*5.11.1879 Willich/Krefeld). Sie haben zwei Kinder: Gertrud (*17.03.1909 Willich) und Hermann Richard (*8.05.1911). Die Familie wohnt zunächst in Willich (ca. 15 km nordöstlich von Mönchengladbach) – hier werden ihre Kinder geboren -, dann in Remscheid in der Barmer Str. 22.
Am 30.05.1939 ziehen Julis Winter und seine Frau Klementine nach Aurich und wohnen in der Lilienstraße 8. Warum sie nach Aurich zogen, ist nicht bekannt. Sie verlassen Aurich nach wenigen Monaten am 20.11.1939 und ziehen nach Dortmund in die Leopoldstr. 31.Am 29. Juli 1942 werden Julius Winter und seine Frau Klementine von Kempen aus ab Dortmund in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Insgesamt werden mit diesem Transport (X/1,968) 970 Menschen, überwiegend ältere, nach Theresienstadt deportiert.
Julius wird dort am 17. Mai 1943 kurz vor seinem 68. Geburtstag ermordet. Seine Frau Klementine wird am 15.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wird sie nach der Ankunft ermordet.Auch ihre Kinder, die offensichtlich das Elternhaus schon einige Jahre zuvor verlassen haben, werden Opfer der Shoa. Gertrud ist wohnhaft in Wuppertal und Remscheid. Sie wird am 27.10.1941 ab Düsseldorf in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Am 6.05.1942 deportiert man sie in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno, wo sie am 7.05.1942 im Alter von 33 Jahren ermordet wird.Ihr Bruder Hermann wohnt zunächst in Remscheid und wird nach der Reichpogromnacht im KZ Dachau interniert (7.12.1938 – 12.01.1939). Auch er wird wie seine Schwester am 27.10.1941 ab Düsseldorf in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Hier verliert sich seine Spur.

Für die Familie wurden am 28.03.2006 vier Stolpersteine in Remscheid-Lüttringhausen, Barmer Str. 22 verlegt.

 

 

 

 

 

 

 

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Zur Familie: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I14451&lang=de

Deportation: https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_420729.html

 

Literatur:
Bilstein, Jochen, Backhaus, Frieder, Geschichte der Remscheider Juden, 1992     
Breidenbach Armin, Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 - 1945, 1983
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Julius Winter wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er nur wenige Monate in Aurich wohnte.

 

 

 

Klementine Winter geb. Lion

Veröffentlicht: 15. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Klementine WINTER
geboren am 5. November 1879 in Willich/Krefeld

Straße: Lilienstr. 8 (39.05.bis 20.11.1939)
Todesdatum: 15. Mai 1944 Deportation nach Auschwitz
Todesort: Auschwitz
Klementine (Clementine) Lion wird am 5. November 1879 in Willich (Krefeld) geboren.

Sie heiratet den Manufakturwarenhändler Julius Winter (*28.05.1875 Glehn, Kreis Grevenbroich-Neuss). Sie haben zwei Kinder: Gertrud (*17.03.1909 Willich) und Hermann Richard (*8.05.1911). Die Familie wohnt zunächst in Willich (ca. 15 km nordöstlich von Mönchengladbach) – hier werden ihre Kinder geboren -, dann in Remscheid in der Barmer Str. 22.
Am 30.05.1939 ziehen Klementine und ihr Mann Julius nach Aurich und wohnen in der Lilienstraße 8. Warum sie nach Aurich zogen, ist nicht bekannt. Sie verlassen Aurich nach wenigen Monaten am 20.11.1939 und ziehen nach Dortmund in die Leopoldstr. 31.

Am 29. Juli 1942 werden Klementine und ihr Mann Julius ab Dortmund in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Insgesamt werden mit diesem Transport (X/1,968) 970 Menschen, überwiegend ältere, nach Theresienstadt deportiert.
Julius wird dort am 17. Mai 1943 kurz vor seinem 68. Geburtstag ermordet. Klementine wird am 15.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wird sie nach der Ankunft ermordet.

Auch ihre Kinder, die offensichtlich das Elternhaus schon einige Jahre zuvor verlassen haben, werden Opfer der Shoa. Gertrud ist wohnhaft in Wuppertal und Remscheid. Sie wird am 27.10.1941 ab Düsseldorf in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Am 6.05.1942 deportiert man sie in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno, wo sie am 7.05.1942 im Alter von 33 Jahren ermordet wird.

Ihr Bruder Hermann wohnt zunächst in Remscheid und wird nach der Reichspogromnacht im KZ Dachau interniert (7.12.1938 – 12.01.1939). Auch er wird wie seine Schwester am 27.10.1941 ab Düsseldorf in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Hier verliert sich seine Spur.

Für die Familie wurden am 28.03.2006 vier Stolpersteine in Remscheid-Lüttringhausen, Barmer Str. 22 verlegt.

 

 

 

 

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Zur Familie: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I14452&nachname=Lion&lang=de

Deportation: https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_420729.html

 

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Klementine Winter geb. Lion wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie nur wenige Monate in Aurich wohnte.

 

 

 

Friederike Hoffmann verh. Wildstrom

Veröffentlicht: 15. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Friederike Hoffmann verh. Wildstrom
geboren am 7. Juli 1912 in Aurich

Straße: Wallstraße 24
Todesdatum: überlebt
Todesort:
Friederike Hoffmann wurde am 07.Juli 1912 als Tochter des Möbelhändlers Jakob Hoffmann und seiner Ehefrau Hanchen Hoffmann geb. Wolff geboren. Drei Jahre später, am 14.08.1915, ihr Sohn Werner geboren. Ihr Vater, Jakob Hoffmann, diente im 1. Weltkrieg. Er starb an den Spätfolgen seiner Kriegsverletzungen am 19.01.1935 im Alter von 53 Jahren. Er ruht auf dem jüdischen Friedhof in Aurich.

Der junge Harri vorm Elternhaus. Vorne Benno Wolffs, hinten Frieda Hoffmann seine Cousine, später verheiratete Wildstrom

Friederike wuchs in der Wallstr. 24 auf. Ihr Beruf „Verkäuferin“ wurde in der Meldekarte durchgestrichen und durch Haustochter ersetzt. Im Jahr 1929 verließ sie im Alter von 17 Jahren Aurich und wohnte in Leer, Kassel und Emden.
Am 15.09.1932 zog sie nach Köln. Hier lernte sie ihren späteren Ehemann Moritz Wildstrom, geb.19.09.1904 in Köln, Sohn von Samuel und Sabina Fest, kennen.
Am 01.04.1933, nach den ersten Zerstörungen jüdischer Einrichtungen und Geschäfte, fuhr Moritz Wildstrom zu der Familie seiner späteren Ehefrau nach Aurich. Sie wollten Deutschland verlassen und er kam mit Hilfe von Friederikes Familie über die grüne Grenze nach Middelburg in Holland. Dort bekam er, auch hier von Friederikes Familie, Unterkunft und Arbeit. Wenig später verließ Friederike ordnungsgemäß laut Meldekarte am 18.06.1933 mit dem Vermerk „Ist von Aurich aus erteilt“ die Stadt und lebte als Hausgehilfin und Gesellschaftsdame bei dem Neffen ihres Vaters in Scheveningen.Friederike und Moritz wollten heiraten, aber die Papiere von Moritz wurden nicht anerkannt. Durch seine Eltern war er ja noch polnischer Staatsbürger. Sie gingen nach Brüssel und heirateten am 08.01.1936 in Schaerbeck, Belgien. Die sahen das damals nicht so eng. Zurück in Middelburg feierten sie ihre Chuppah, die jüdische Hochzeit, am 16.02.1936. Der erste Sohn, James, wurde geboren. Er wollte heute an dieser Stolpersteinverlegung teilnehmen. Leider lässt sein gesundheitlicher Zustand das nicht zu.1938, nach der Pogromnacht, verließ Friederikes Mutter, Hanchen Hoffmann geb. Wolff, Aurich und zog zu ihrer Tochter Friederike und deren Ehemann Moritz nach Amsterdam. Laut Einwohnermeldeamt Aurich meldete sie sich am 27.03.1939 ordnungsgemäß ab. Hanchen Hoffmann blieb in der folgenden Zeit bei ihrer Tochter und begleitete sie auf der Flucht über Belgien nach Frankreich.

Am 10. Mai 1940, als die Deutschen Holland überfielen, begann die Flucht für Friederike, Moritz, James und ihre Mutter Hanchen. Sie hatten vom niederländischen Generalstab ein amtliches Papier: „Alle Dienststellen und Armee-Einheiten werden ersucht, den Inhabern dieses Dokuments – deutsche Juden – behilflich zu sein und ihnen freies Geleit zu geben.“ Das Papier wirkte tatsächlich Wunder. Eine niederländische Einheit brachte sie und ein zweites deutsch- jüdisches Paar mit einem Lastwagen nach Vlissingen. Sie fuhren weiter mit der Fähre nach Breskens, Belgien. Ihr Ziel war Frankreich. Aber auch Belgien war inzwischen von den Deutschen besetzt. Was nun?

Ihr deutscher Mitflüchtling hatte etwas Gold mitnehmen können. Davon kauften sie sich ein altes, klappriges Auto, einen kleinen Renault, und fuhren mitten durch das besetzte Belgien nach Frankreich. Dank des niederländischen Dokumentes, das auch von den Franzosen mit dem Vermerk „Libre“ abgestempelt war, kamen sie nun nach Cognac. Doch der böse Traum ging weiter. Auch die französischen Streitkräfte kapitulierten. In Toulouse angekommen, mussten sich alle Ausländer melden und Moritz Wildstrom wurde in St. Cyprien an der spanischen Grenze interniert. Friederike, ihre Mutter und ihr Sohn durften in Toulouse bleiben.

Moritz konnte fliehen. Wieder bei seiner Familie in Toulouse angekommen, wurden sie an die spanische Grenze nach Aspet gebracht. Hier kümmerten sie sich um jüdische Kinder in einem Kinderheim, deren Eltern in Frankreich deportiert waren. Es waren deutsche Kinder, die natürlich kein Französisch verstanden. Lebensmittel bekamen sie von französischen Bauern. Das war 1941/42.

Doch es kam noch schlimmer. Sie wurden alle in ein neues Lager nach Noe gebracht.  Friederikes Mutter wurde von Noe aus vermutlich nach Drancy überführt und am 21.08.1942 von dort aus nach Auschwitz deportiert. Sie sahen sie nie wieder.

Friederike überlebte mit ihrer Familie. Mit fremder Hilfe konnten sie auch dieses Lager verlassen und ihre Flucht führte sie in die Schweiz. Sie hatten gehört, dass dort schwangere Frauen mit ihren Familien einreisen durften. So planten sie eine 2. Schwangerschaft während ihrer Flucht, um der rassistischen Verfolgung zu entkommen. 1943 wurde das zweite Kind in Genf geboren.
Nach der Befreiung kehrten sie auf dem schnellsten Weg nach Holland zurück. Friederike hat den Holocaust zusammen mit ihrer Familie und deren Nachkommen überlebt.
1947 wurden sie alle Niederländer. Friederike Wildstrom, geb. Hoffmann aus Aurich, Wallstr. 24, hat bis zum 07.01.2009 in Amsterdam gelebt. Sie wurde 96 Jahre alt.

Ihr Sohn James hat nach dem Krieg einen Gedenkstein für die Mutter von Friederike am Denkmal von Friederikes Vater, Jakob Hoffmann, anbringen lassen. Da steht unter ihrem Namen: “Umgekommen wegen ihres Glaubens“. Er wollte, dass keiner sagen kann, ich habe es nicht gewusst.

Die Eltern und Großeltern von Moritz Wildstrom waren polnische Juden aus Oswiecim (Auschwitz). Alle, die in Deutschland blieben, wurden dort wieder hingebracht und ermordet.

Hanchen Hoffmann, geb. Wolff wurde am 21.08.1942 aus dem Lager Drancy nach Auschwitz deportiert. Ihr Name stand auf einer Liste mit vielen anderen, die verlesen wurden. Am nächsten Tag wurden sie alle in Güterwagen abtransportiert. Ein letztes Mal im September 1942 wurde sie in Auschwitz gesehen. Sie starb dort mit 52 Jahren.

Recherche: Lenchen Holthuis und Schüler der Förderschule Körperliche und Motorische Entwicklung Aurich
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.10.2017)
Foto: Moritz Woldström und Friederike Wildström geb. Hoffmann
Gedenkstein für Jakob Hoffmann und Hanchen Hoffmann geb. Wolff
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Volker Jakob/Annet van der Voort; Anne Frank war nicht allein. Lebensgeschichten deutscher Juden in den Niederlanden, Berlin-Bonn 1988, S. 67-75
Patenschaft: Schülerfirma „Elk un Een“ der Förderschule KME Aurich
Verlegetermin: 3. Juli  2015

Friederike Wildström geb. Hoffmann und ihr Ehemann Moritz Wildström

Gedenkstein auf dem Auricher Judenfriedhof für Jakob Hoffmann und seine Ehefrau Hanchen Hoffmann geb. Wolff, gestiftet von ihrem Enkelsohn James Wildström

Hanchen Hoffmann geb. Wolff

Veröffentlicht: 15. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hanchen Hoffmann
geboren am 29. November 1889 in Aurich

Straße: Wallstraße 24
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 4.09.1942
Todesort: Auschwitz
Hanchen Hoffmann geb. Wolff wurde am 29.11.1889 in Aurich als Tochter von Nathan Levy Wolff (1849-1934) und Friederike Jonas Wolff geb. Weinberg geboren.
Sie heiratete den Möbelhändler Jakob Hoffmann, geb. am 21.03.1881. Sie wohnten in der Wallstr. 24.

Am 07.07.1912 wurden ihre Tochter Friederike und drei Jahre später, am 14.08.1915, ihr Sohn Werner geboren.

Jakob Hoffmann diente im 1. Weltkrieg. Er starb an den Spätfolgen seiner Kriegsverletzungen am 19.01.1935 im Alter von 53 Jahren. Er ruht auf dem jüdischen Friedhof in Aurich.

1938, nach der Pogromnacht, verließ Hanchen Hoffmann Aurich und zog zu ihrer Tochter Friederike und deren Ehemann Moritz nach Amsterdam. Laut Einwohnermeldeamt Aurich meldete sie sich am 27.03.1939 ordnungsgemäß ab. Auch die Eltern von Moritz Wildström, dem Ehemann ihrer Tochter Friederike, zogen nach Amsterdam.

Hanchen Hoffmann blieb in der folgenden Zeit bei ihrer Tochter und begleitete sie auf der Flucht über Belgien nach Frankreich.

 

Ihre Tochter Friederike wuchs in der Wallstr. 24 auf. Ihr Beruf „Verkäuferin“ wurde in der Meldekarte durchgestrichen und durch Haustochter ersetzt. Im Jahr 1929 verließ sie im Alter von 17 Jahren Aurich und wohnte in Leer, Kassel und Emden.
Am 15.09.1932 zog sie nach Köln. Hier lernte sie ihren späteren Ehemann Moritz Wildstrom, geb.19.09.1904 in Köln, Sohn von Samuel und Sabina Fest, kennen.
Am 01.04.1933, nach den ersten Zerstörungen jüdischer Einrichtungen und Geschäfte, fuhr Moritz Wildstrom zu der Familie seiner späteren Ehefrau nach Aurich. Sie wollten Deutschland verlassen und er kam mit Hilfe von Friederikes Familie über die grüne Grenze nach Middelburg in Holland. Dort bekam er, auch hier von Friederikes Familie, Unterkunft und Arbeit.
Wenig später verließ Friederike ordnungsgemäß laut Meldekarte am 18.06.1933 mit dem Vermerk „Ist von Aurich aus erteilt“ die Stadt und lebte als Hausgehilfin und Gesellschaftsdame bei dem Neffen ihres Vaters in Scheveningen.

Friederike und Moritz wollten heiraten, aber die Papiere von Moritz wurden nicht anerkannt. Durch seine Eltern war er ja noch polnischer Staatsbürger. Sie gingen nach Brüssel und heirateten am 08.01.1936 in Schaerbeck, Belgien. Die sahen das damals nicht so eng.
Zurück in Middelburg feierten sie ihre Chuppah, die jüdische Hochzeit, am 16.02.1936. Der erste Sohn, James, wurde geboren. Er wollte heute an dieser Stolpersteinverlegung teilnehmen. Leider lässt sein gesundheitlicher Zustand das nicht zu.

Am 10. Mai 1940, als die Deutschen Holland überfielen, begann die Flucht für Friederike, Moritz, James und ihre Mutter Hanchen. Sie hatten vom niederländischen Generalstab ein amtliches Papier: „Alle Dienststellen und Armee-Einheiten werden ersucht, den Inhabern dieses Dokuments – deutsche Juden – behilflich zu sein und ihnen freies Geleit zu geben.“ Das Papier wirkte tatsächlich Wunder. Eine niederländische Einheit brachte sie und ein zweites deutsch- jüdisches Paar mit einem Lastwagen nach Vlissingen. Sie fuhren weiter mit der Fähre nach Breskens, Belgien. Ihr Ziel war Frankreich. Aber auch Belgien war inzwischen von den Deutschen besetzt. Was nun?
Ihr deutscher Mitflüchtling hatte etwas Gold mitnehmen können. Davon kauften sie sich ein altes, klappriges Auto, einen kleinen Renault, und fuhren mitten durch das besetzte Belgien nach Frankreich. Dank des niederländischen Dokumentes, das auch von den Franzosen mit dem Vermerk „Libre“ abgestempelt war, kamen sie nun nach Cognac. Doch der böse Traum ging weiter. Auch die französischen Streitkräfte kapitulierten. In Toulouse angekommen, mussten sich alle Ausländer melden und Moritz Wildstrom wurde in St. Cyprien an der spanischen Grenze interniert. Friederike, ihre Mutter und ihr Sohn durften in Toulouse bleiben.

Moritz konnte fliehen. Wieder bei seiner Familie in Toulouse angekommen, wurden sie an die spanische Grenze nach Aspet gebracht. Hier kümmerten sie sich um jüdische Kinder in einem Kinderheim, deren Eltern in Frankreich deportiert waren. Es waren deutsche Kinder, die natürlich kein Französisch verstanden. Lebensmittel bekamen sie von französischen Bauern. Das war 1941/42.
Doch es kam noch schlimmer. Sie wurden alle in ein neues Lager nach Noe gebracht. Sie sahen sie nie wieder. Von Noe aus wurde Hanchen Hoffmann vermutlich nach Drancy überführt und am 21.08.1942 von dort aus nach Auschwitz deportiert.

Friederike überlebte mit ihrer Familie. Mit fremder Hilfe konnten sie auch dieses Lager verlassen und ihre Flucht führte sie in die Schweiz. Sie hatten gehört, dass dort schwangere Frauen mit ihren Familien einreisen durften. So planten sie eine 2. Schwangerschaft während ihrer Flucht, um der rassistischen Verfolgung zu entkommen. 1943 wurde das zweite Kind in Genf geboren.
Nach der Befreiung kehrten sie auf dem schnellsten Weg nach Holland zurück. Friederike hat den Holocaust zusammen mit ihrer Familie und deren Nachkommen überlebt.
1947 wurden sie alle Niederländer. Friederike Wildstrom, geb. Hoffmann aus Aurich, Wallstr. 24, hat bis zum 07.01.2009 in Amsterdam gelebt. Sie wurde 96 Jahre alt.

Ihr Sohn James hat nach dem Krieg einen Gedenkstein für die Mutter von Friederike am Denkmal von Friederikes Vater, Jakob Hoffmann, anbringen lassen. Da steht unter ihrem Namen: “Umgekommen wegen ihres Glaubens“. Er wollte, dass keiner sagen kann, ich habe es nicht gewusst.

Die Eltern und Großeltern von Moritz Wildstrom waren polnische Juden aus Oswiecim (Auschwitz). Alle, die in Deutschland blieben, wurden dort wieder hingebracht und ermordet.

Hanchen Hoffmann, geb. Wolff wurde am 21.08.1942 aus dem Lager Drancy nach Auschwitz deportiert. Ihr Name stand auf einer Liste mit vielen anderen, die verlesen wurden. Am nächsten Tag wurden sie alle in Güterwagen abtransportiert. Ein letztes Mal im September 1942 wurde sie in Auschwitz gesehen. Sie starb dort mit 52 Jahren.

Recherche: Lenchen Holthuis und Schüler der Förderschule Körperliche und Motorische Entwicklung Aurich
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.10.2017)
Foto: Moritz Woldström und Friederike Wildström geb. Hoffmann
Gedenkstein für Jakob Hoffman und Hanchen Hoffmann geb. Wolff
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Volker Jakob/Annet van der Voort; Anne Frank war nicht allein. Lebensgeschichten deutscher Juden in den Niederlanden, Berlin-Bonn 1988, S. 67-75
Patenschaft: I. Rüttgens-Schlette
Verlegetermin: 3.  Juli  2015

Friederike Wildström geb. Hoffmann mit ihrem Ehemann Jakob Wildström

Gedenkstein auf dem Auricher Judenfriedhof für Jakob Hoffmann und Hanchen Hoffmann geb. Wolff, gestiftet von ihrem Enkelsohn James Wildström

 

 

Dr. Wilhelm Kroner

Veröffentlicht: 13. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Dr. Wilhelm KRONER
geboren am 14. August 1870 in Aurich

Straße: Wohnte überwiegend in Berlin
Todesdatum: 15. Oktober 1942
Todesort: Theresienstadt
Wilhelm Kroner wird am 14. August 1970 in Aurich geboren. Sein Vater ist der Rabbiner und Gymnasialprofessors Dr. Philipp Kroner, 1907 in Berlin verstorbenen. Ihm wurde seinerzeit vom König von Preußen der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen.

Wilhelm Kroner ist verheiratet mit Adelheid Vera Hermine Kroner geb. Simon, geboren am 1. August 1887 in Bromberg. Sie haben drei Kinder: Ruth, Ernst und Adelheid.

Wilhelm Kroner ist Mitglied der SPD. Er wird bekannt, als er im Dezember 1924 in einem Artikel in der Vossischen Zeitung scharfe Kritik an dem Schöffengericht Magdeburg und seiner Urteilsbegründung äußert. Das Gericht stellte fest, Ebert habe im Zusammenhang mit dem Streik „Landesverrat im strafrechtlichen Sinne“ begangen. Kroner wird deswegen zunächst zu einer Geldstrafe von 3000 Mark verurteilt, in der Berufungsinstanz wurde das Urteil jedoch aufgehoben. Der Zeitungskommentar von Kroner und seine juristische Aufarbeitung gingen wegen ihrer politischen Kontroverse in die Justizgeschichte der Weimarer Republik ein.

Kroner gibt im Oktober 1925 mit anderen Juristen die justizpolitische Zeitschrift „Die Justiz“ als Organ des Republikanischen Richterbundes heraus. Er fungiert als Vorsitzender des Bundes und Herausgeber der Zeitschrift.

Am 7.10.1925 wird er gegen den Widerstand des Gerichtspräsidenten zum Rat am Preußischen Oberverwaltungsgerichts befördert.

Aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wird Kroner im Juni 1933 aus dem Dienst entlassen.

Wilhelm Kroner lebt mit seiner Familie seit den 1930er Jahren in einer Wohnung im Haus Kurfürstendamm 146 in Berlin. Im Mai 1939 müssen die Eheleute Kroner die Wohnung am Kurfürstendamm zwangsweise verlassen und in die Wernerstraße 8 nach Wannsee umziehen, wo sie bis zu ihrer Deportation am 3. Oktober 1942 in einem Zimmer lebten.

Die drei Kinder Ruth, Ernst und Adelheid können 1935 und 1938 in die Schweiz emigrieren. Das gelingt ihren Eltern nicht mehr.

Wilhelm Kroner und seine Frau Adelheid werden am 3. Oktober 1942 mit dem sogenannten „3. großen Alterstransport“ in einem mit 1021 Menschen überfüllten Zug in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo seine Frau Adelheid am 4. Oktober 1942 im Alter von 55 Jahren und Wilhelm Kroner am 15. Oktober 1942 im Alter von 72 Jahren an den erlittenen Entbehrungen und Strapazen sterben.

Am 8. Mai 2012 wurden für Kroner und seine Frau vor ihrem ehemaligen Wohnhaus am Kurfürstendamm 146 Stolperstein verlegt. Ein weiterer Stolperstein wurde am 14. November 2016 vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, Berlin-Charlottenburg, Hardenbergstraße 31, verlegt.

Ausführliche Biografien finden sich bei Wikipedia und Stolpersteine Berlin (s. u.).

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kroner

Stolpersteine Berlin: https://www.stolpersteine-berlin.de/de/hardenbergstrasse/31/wilhelm-kroner

 

Literatur:  
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Dr. Wilhelm Wilhelm Kroner wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sein letzter frei gewählter Wohnort in Berlin lag und dort sein Lebensmittelpunkt war.

 

 

Erna de Haas

Veröffentlicht: 13. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Erna de Haas
geboren am 3. September 1922 in Werlte/Hümmling

Straße: Wallstraße 28
Todesdatum: 1.10.1944
Todesort: Stutthof
Erna de Haas wurde am 3. September 1922 in Werlte am Hümmling geboren. Ihr Vater Siegmund de Haas, geboren am 7. März 1876 in Harpstedt, war seit dem 26. Februar 1914 in zweiter Ehe verheiratet mit Klara Lindemann, geboren am 12. April 1885 in Tubbergen in den Niederlanden. Aus dieser Ehe gingen neben Erna drei weitere Kinder hervor:  Rieka, am 6. Dezember 1914 geboren, David am 9. Oktober 1919 und Minna  am 29. Mai 1926.

Aus der ersten Ehe des Vaters mit Emma Frank gab es bereits fünf Kinder: Arthur (Jg. 1903), Julius (Jg. 1904), Adolf (Jg. 1907), Berta (Jg. 1909) und Carl (Jg. 1912).  Deren Mutter Emma de Haas, geb. am 18. Januar 1878, starb am 1. September 1912 in Werlte, ihr Grab ist auf dem Sögeler Friedhof.

Ernas Vater Siegmund de Haas war Handelsmann. In einem Zeitungsinserat weist er darauf hin, dass er ein Haus im Ortsteil Osterende von Werlte erworben hat. Er bietet höchste Preise für Kuh-, Kalb-, Schaf-, Ziegen- und Wildfelle und auch für Eisen und Lumpen.

Nach dem Volksschulbesuch (1928-1937) zieht Erna de Haas Ende Juli 1937 mit knapp 15 Jahren nach Aurich in die Wallstraße 28. Dort wohnt sie bei Rosalie Hoffmann, einer Kleinmöbelhändlerin (  geb. 1857 in Bochum ), die aber nur bis zum 1. Februar 1938 in der Wallstr. 28 wohnt und am 28. Juni 1939 in Aurich stirbt. Erna arbeitet als Haushaltshilfe (Berufsangabe in der Meldekarte: Stütze, Familienstand: ledig).

Am 8. Januar 1938 verlässt sie Aurich wieder und zieht in ihren Heimatort Werlte. Von dort zieht sie am 9. März nach Horstmar in Westfalen und arbeitet als Hausmädchen. Ab dem 30. August 1938 ist sie wieder in Werlte, wohnt etwas mehr als zwei Jahre lang bei einer jüdischen Landwirtsfamilie Samuel Jacobs (Hauptstraße 55 in Werlte) und ist dort beschäftigt

In Werlte haben vor 1939 sieben jüdische Familien gelebt. Ein Stammbaum der Familie de Haas wurde von Joseph Meyer erstellt. Seine Forschungen über die Situation der Juden in Werlte belegen, dass im November 1938 den Familien die Gewerbescheine entzogen wurden und die Kinder die Volks- und Mittelschule verlassen mussten. So erklärt es sich vielleicht, dass Erna de Haas seit Ende Dezember 1940 in Bielefeld lebt, aber ab Mitte Juni 1941 wieder in Werlte. Vom 24.11.1940 an befindet sich Erna (wie ihr Burder David) im Umschulungs-Lager Bielefeld, Schloßhofstraße 73 a, einem ehemaligen Gutshof. Kurz vor der Auflösung des Lagers am 5.07.1941 zieht Erna am 16.06.1941 zurück nach Werlte.

Im Dezember 1941 wird sie zusammen mit 1.030 weiteren Personen nach Riga deportiert. Auf der  Deportationsliste vom 15.12.1941 nach Riga sind 12 Mitglieder der Familie de Haas verzeichnet, Eltern, acht Kinder, Schwiegersohn und Enkeltochter. Vor der Deportation werden sie zunächst am 11.12.1941 in ein Sammellager nach Osnabrück (Schule Am Pottgraben nahe des Hauptbahnhofs) und am 13.12.1941 unter Polizeieskorte vom Sammelpunkt der Schule rund zwei Kilometer zum Hauptbahnhof Osnabrück verbracht.

Nach der Auflösung des Ghetto Riga Ende 1943 wird Erna de Haas als arbeitsfähig im KZ Kaiserwald (Riga) interniert und nach der Auflösung des KZ im Sommer 1944 per Schiff nach Stutthof deportiert. Dort kommt sie am 1. Oktober 1944 an. Damit verliert sich ihre Spur. Vermutlich kommt sie bei der großen Fleckfieber-Epidemie im Herbst 1944 in Stutthof („Flecktyphus“) um.

Ihr Bruder David hat überlebt, ist in die USA  geflohen, hat 1947 in Werlte Liesel Marx geheiratet. Der gemeinsame Sohn Siegfried wurde am 24. Oktober 1949 geboren. Sein Vater starb vermutlich 1980 in den USA.

Von den 5 Geschwistern aus der ersten Ehe des Vaters von Erna de Haas haben drei überlebt: Arthur (*12.9.1903 in Werlte; ✡ 22.6.1973 in Sögel) , Adolf (1.4.1907 in Werlte; ✡ 29.10.1979 in Werlte) und Carl (*7.3.1912 in Werlte; befreit 1945 in Theresienstadt; Carl wird nach dem Tod der Mutter adoptiert von seinem Onkel Moritz de Haas und Frau Sophie geb. van der Zijl.

Recherche: Irmtraut Schulze Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.10.2017)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Staatsarchiv Aurich, Meldekarte
http://www.erinnerungsbuch-oldenburg.de
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch
http://spurenimvest.de/2023/08/04/de-haas-erna/
Literatur: Dominik Meyer, Das Schicksal jüdischer Familien von Werlte in der Zeit des Nationalsozialismus,  Facharbeit
Patenschaft: Brigitte und Werner Sodeik
Verlegetermin: 3. Juli  2015

 

 

 

David Hoffmann

Veröffentlicht: 13. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

David HOFFMANN
geboren am 24. Februar 1877 in Aurich

Straße: Wallstraße 28
Todesdatum: Dezember 1942
Todesort: Minsk / Belarus

David Hoffmann 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

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David Hoffmann wurde am 24. Februar 1877 in Aurich geboren. Er war der zweite von vier Söhnen von Zwi Aron Hoffmann (11. Juni 1839) und seiner ersten Frau Caroline de Vries. Der ältere Bruder Aron Zwi wurde am 7. Juli 1875 geboren, Lazarus am 14. Februar 1879 und Jacob Zwi am 21. März 1881. Der Vater ist 91 Jahre alt geworden, er starb am 17. November 1930 in Aurich, während die Mutter wenige Wochen nach der Geburt des jüngsten Sohnes mit knapp 30 Jahren gestorben ist. Der Vater heiratete noch ein zweites Mal. Aus dieser Ehe mit Susannah Sätje Moses Leers, geb. am 4. Juli 1845 in Aurich, verstorben am 23. Februar 1931 in Aurich, gingen Gertrude, geb. am 20. Februar 1885, verstorben am 29. März 1983 in Baton Rouge / USA, Stolperstein für sie verlegt am 23. Oktober 2017 Marktplatz 31 und Samuel Semmi, geb. am 5. März 1888, ermordet am 4. Mai 1944 in Auschwitz hervor.

David Hoffmann wird Viehhändler. Er heiratet am 25. November 1903 Selma Polak, die Tochter des Viehhändlers Arend Pollak aus Westerstede, und sie leben in Rastede in der Knoopstraße 120 (heute Raiffeisenstraße 16). Auch Selmas Schwester, die ebenfalls mit einem Viehhändler verheiratet ist,  Levie de Levie aus der niederländischen Provinz Groningen, lebt in Rastede. Neben dem Viehhandel versorgen sie (beide Familien) auch noch eine eigene Landwirtschaft. Sie unterscheiden sich damit keineswegs von anderen jüdischen Viehhändlern, wie Werner Vahlenkamp in seiner „Geschichte der Rasteder Juden“ hervorhebt. David Hoffmann und sein Schwager Levie de Levie genießen bei ihren damaligen Geschäftspartnern einen guten Ruf. Privat seien „die beiden Familienväter recht selbstbewusste und gläubige Juden“ gewesen. Die Kinder „besuchten die evangelische Volksschule in Rastede bzw. die Oberschule in Oldenburg. Zum jüdischen Religionsunterricht fuhren sie nach Oldenburg, oder der Lehrer kam ins Haus“. Beim christlichen Hauspersonal galten die Hoffmanns und die de Levies als „großzügige und verständnisvolle Arbeitgeber.“ (Vahlenkamp, S. 16) Wirtschaftlich soll es beiden Familien recht gut gegangen sein.

David und Selma Hoffmann haben vier Kinder:

Arend, geb. am 14. August 1904 in Nordhorn, wird Viehhändler und Haussohn in Rastede. Am 9. November 1937 meldet er sich von dort ab und geht nach Australien. Er wird dort erfolgreicher Viehzüchter und stirbt am 28. Juli 1972 in Berri bei Adelaide (Südaustralien).

Siegfried, geb. am 2. Februar 1906 in Rastede. Auch er wird Viehhändler in Rastede. Er stirbt am 22. Januar 1936 im Gerichtsgefängnis in Oldenburg, wo er wegen angeblicher „Rassenschande“ (Verlobung mit einer „Arierin“ ) einsitzen musste. Die Todesursache war angeblich Selbstmord, vermutlich aber Folge von Misshandlungen. Sein Grab ist auf dem jüdischen Friedhof Westerstede.

Carla, geb. am 3. September 1907 in Rastede. Sie arbeitet als Haustochter, meldet sich am 3. Juni 1938 ab nach den Niederlanden. Von dort emigriert sie nach Australien, wo sie durch Heirat den Familiennamen Rosenberg bekommt. Sie stirbt am 16. März 1984 in Adelaide (Südaustralien).

Hermann, geb. am 1. Dezember 1908 in Rastede. Auch er emigriert nach Australien, wo er am 8. August 1991 in Loxton (Südaustralien) verstirbt.

Bei Ausbruch des Krieges 1914 werden auch die Juden eingezogen, und David Hoffmann wird Soldat (s. Foto).

Seine Frau, Selma Hoffmann, stirbt am 11. Mai 1933 im Alter von 60 Jahren in Rastede. David Hoffmann selbst muss Rastede im Juni 1938 verlassen und geht zurück in seine Geburtsstadt Aurich. Er wohnt dort zunächst am Marktplatz 31 bei Gertrude Gidansky, geb. Hoffmann, seiner Halbschwester aus der zweiten Ehe seines Vaters. Da diese jedoch im Januar 1939 aus Aurich flieht bzw. ihre Flucht nach Amerika antritt, wohnt David Hoffmann ab dem 20. Januar 1939 in der Wallstr. 24 bei Hoffmann, der Familie seines 1935 verstorbenen Bruders Jacob Hoffmann. Seit dem 15. Juni 1939 ist er in der Wallstr. 28  als Untermieter gemeldet bei Rosa Wolffs geb. Wolff, der Witwe von Siegfried Wolffs, die wie David Hoffmann am 29. Februar 1940 nach Hamburg flieht, Großneumarkt 56. Vom 19. August 1940 bis zur Deportation wohnt er in der Poolstraße 41, wo zu seiner Erinnerung ein Stolperstein verlegt wurde.

Am 8. November 1941 wird David Hoffmann von Hamburg aus nach Minsk  deportiert. Der Transport umfasst  960 Juden. Mindestens 952 kommen um. David Hoffmann stirbt im Dezember 1942 im Ghetto in Minsk.

  Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 10.08.2016)
Foto: David Hoffmann als Soldat im 1. Weltkrieg
David Hoffmann 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Staatsarchiv Aurich: Rep. 248, Nr. 943
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de938567
– http:/www.erinnerungsbuch-oldenburg.de
– Familiendatenbank Juden im nördlichen Teil des ehemaligen Deutschen Reiches: David Hoffmann
Literatur:

– Werner Vahlenkamp, Von der Achtung zur Ächtung – Die Geschichte der Rasteder Juden, 1989, S. 13, 15f

s. auch https://www.radeln-gegen-rassismus.de/radtouren/rastede/das-schicksal-der-rasteder-juden/haus-der-familie-hoffmann/

Patenschaft: Heimatverein Aurich
Verlegetermin: 3. Juli 2015

David Hoffmann als Soldat im 1. Weltkrieg

Diese Aufnahmen entstanden während der 9. Stolpersteinverlegeaktion vor dem Haus Wallstraße 28.
(Fotos Günther Lübbers)