Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Elfriede Kussel

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Elfriede KUSSEL
geboren am 18. Februar 1925 in Aurich

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Ghetto Minsk

Elfriede Kussel 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

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Elfriede Kussel wird am 18. Februar 1925 geboren. Sie ist die zweite Tochter des Schlachters und Viehhändlers Hugo Kussel und dessen Frau Marianne. Elfriede hat eine zweieinhalb Jahre ältere Schwester, Netta. Beide Mädchen wachsen in Aurich wohl zunächst recht behütet auf. Sie wohnen bis zum 1. Dezember 1930 noch im Haus der Großeltern, Wolff und Fanni Wolff, in der Wallstraße 8/10, das Elfriedes Großvater gehört. Auch ihre Tante Regine, die Schwester ihrer Mutter, wohnt dort mit ihrem Mann Benno. 1930 zieht die kleine Familie in die Marktstraße 2 um. Die Geschäfte von Elfriedes Vater scheinen gut zu laufen, was die lange Liste der Hausmädchen, die Elfriedes Mutter im Haushalt unterstützen, belegt.Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten muss sich dies jedoch grundlegend gewandelt haben: Schon 1933 gibt es erste Boykotte gegen jüdische Geschäfte, und in der Folgezeit hat die Familie immer stärker unter den Repressalien zu leiden. Der Umzug in das Haus in der Marktstraße 18 am 15. Januar 1938 ist wohl nicht zuletzt auch der schwierigen wirtschaftlichen Lage geschuldet. Elfriedes Vater muss seinen Betrieb schließlich schließen.

Ein sehr einschneidendes Erlebnis muss für die dreizehnjährige Elfriede die Pogromnacht am 9. November 1938 gewesen sein: Nicht nur, dass die Synagoge niedergebrannt wird, auch ihr Vater wird verhaftet. Die Familien wusste zunächst gar nicht, was mit den Verhafteten geschehen würde. Elfriedes Vater wird nach Sachsenhausen gebracht und dort bis zum 17. Dezember interniert. Die Haftbedingungen sind sehr hart und die Gefangenen werden im Lager schikaniert und misshandelt. Vielleicht reifte in diesen letzten Monaten 1938 in Elfriede der Entschluss, Aurich zu verlassen und zu versuchen, einen Platz für eine Auswanderung nach Palästina zu erhalten. Elfriedes Schwester Netta hatte zu diesem Zeitpunkt das Elternhaus bereits verlassen, sie ist nach Mannheim gezogen, wo ihre Tante Auguste lebt, und macht dort möglicherweise dort eine Ausbildung ist als Hausmädchen in Stellung gegangen.

Am 27. Juli 1939 meldet sich Elfriede aus Aurich ab. Sie zieht zunächst nach Hannover in die Grabekstraße 86, später ist sie in Spreenhagen in Brandenburg gemeldet: Möglicherweise lebte und arbeitete sie dort auf dem Gut Winkel, das auswanderungswillige Jugendliche auf ein Leben in Israel vorbereitete. Das Gut Winkel bildete u.a. junge Frauen zu Hauswirtschafterinnen aus, zudem wurden landwirtschaftliche Tätigkeiten und Hebräisch unterrichtet. Als das endgültige Ausreiseverbot für Juden 1941 erlassen wurde, wurde auch das Gut geschlossen. 1941 kehrt Elfriede zu ihren Eltern zurück – diese leben jedoch auch bereits nicht mehr in Aurich. Da alle Juden die Aufforderung erhielten, bis zum 1. April 1940 Ostfriesland zu verlassen, zogen auch Hugo und Marianne aus Aurich fort. Gemeinsam mit Elfriedes Tante Regine und deren Mann Benno ließen sie sich in Düsseldorf nieder. In Düsseldorf wohnt Elfriede jedoch nicht bei ihren Eltern im Düsselkämpchen 2, sondern in der Kleverstraße 29.

Im Herbst 1941 erhalten Elfriede und ihre Eltern die Aufforderung, sich am 9. November 1941 in Düsseldorf am Schlachthof einzufinden. Am nächsten Tag werden sie von dort aus gemeinsam mit 994 anderen Menschen nach Minsk deportiert. Das Ghetto Minsk war im Juli 1941 eingerichtet worden: Man hatte einen rund zwei Quadratkilometer großen Stadtteil abgegrenzt und die Juden aus Minsk dort zusammengepfercht. Hinzu kommen nun mehrere tausend deportierte Juden aus Deutschland, Österreich und Tschechien. Als das Ghetto eingerichtet wurde, wurde ein Platzbedarf von 1,5 Quadratmeter pro Person berechnet, dementsprechend eng wurde es im Ghetto. Die Lebensbedingungen sind sehr schlecht – zur räumlichen Enge und schlechten hygienischen Bedingungen kommt eine katastrophale Versorgung: Pro Bewohner werden pro Tag rund 200 Gramm Brot kalkuliert; Juden, die als Zwangsarbeiter in den Fabriken eingesetzt waren, können allenthalben noch hoffen, in der Fabrik eine zusätzliche Suppe zu erhalten.

Die Spur von Elfriede verliert sich hier: Sie verschwindet gemeinsam mit ihrer Mutter im Ghetto Minsk – bis heute ist unklar, wann genau sie starb. Bei ihrer Deportation war sie sechzehn Jahre alt. Von den 997 Menschen, die am 10. November 1941 von Düsseldorf aus deportiert worden waren, überlebten lediglich fünf. Zu den Ermordeten gehört auch Elfriedes Vater. Ihre Schwester Netta, der die Flucht nach Schweden gelang, ist die einzige der Familie, die den Holocaust überlebte.

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.12.2015)
Foto: Kennkarte v. 16.05.1939
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 1596; Rep. 107, Nr. 1535;

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=1002890&language=en#!prettyPhoto%5Bgallery2%5D/0/

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411110-Duesseldorf29.jpg

Literatur: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Minsk

https://de.wikipedia.org/wiki/Hachschara

http://forge.fh-potsdam.de/~SWABD/eckd-gw.htm

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ns-polizeibericht-ueber-judendeportation-in-duesseldorf-entdeckt-a-832335.html

http://duesseldorf.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-duesseldorf-Von-Duesseldorf-nach-Minsk-2013

Patenschaft: Sandra Weferling und Heiko Schlake
Verlegetermin: 17. Juli  2014

 

 

 

Netta Kussel verh. Beil

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Netta KUSSEL verh. Beil
geboren am 29. Juni 1922 in Aurich

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: überlebt
Todesort: überlebt
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Netta Kussel, Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich

Netta Kussel wird am 29. Juni 1922 geboren. Sie ist die älteste Tochter des Schlachters und Viehhändlers Hugo Kussel und dessen Frau Marianne. Netta hat eine zweieinhalb Jahre jüngere Schwester, Elfriede. Beide Mädchen wachsen in Aurich wohl zunächst recht behütet auf. Sie wohnen bis zum 1. Dezember 1930 noch im Haus der Großeltern, Wolff und Fanni Wolff, in der Wallstraße 8/10, das Nettas Großvater gehört. Auch ihre Tante Regine, die Schwester ihrer Mutter, wohnt dort mit ihrem Mann Benno. 1930 zieht die kleine Familie in die Marktstraße 2 um. Die Geschäfte von Nettas Vater scheinen gut zu laufen, was die lange Liste der Hausmädchen, die ihre Mutter im Haushalt unterstützen, belegt.

Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten muss sich dies jedoch grundlegend gewandelt haben: Schon 1933 gibt es erste Boykotte gegen jüdische Geschäfte, und in der Folgezeit hat die Familie immer stärker unter den Repressalien zu leiden. Der Umzug in das Haus in der Marktstraße 18 am 15. Januar 1938 ist wohl nicht zuletzt auch der schwierigen wirtschaftlichen Lage geschuldet. Nettas Vater muss seinen Betrieb schließlich schließen.

1938 lebt Netta jedoch bereits nicht mehr bei ihren Eltern: Mit fast vierzehn meldete sie sich am 24. Mai 1936 nach Mannheim ab, wo ihre Tante Auguste lebt – sie hatte Max Sommer aus Mannheim geheiratet und war dorthin gezogen. Netta ist in Mannheim wahrscheinlich als „Hausmädchen“ „in Stellung gegangen“, möglicherweise macht sie aber auch eine Ausbildung: Ihre Schwester Elfriede sollte später versuchen, durch eine Ausbildung einen Platz für eine Auswanderung nach Palästina zu bekommen.

Für wenige Wochen – vom 10. Juni bis zum 27. Juli 1938 ist Netta noch einmal in Aurich, sie zieht dann um nach Oldenburg und von dort aus vermutlich nach Havelberg. Letztendlich gelingt ihr die Flucht nach Schweden. Hier lässt sich Netta, inzwischen verheiratete Lehfeldt, in Helsingborg nieder. Nach einer Scheidung heiratet sie zu Beginn der 1950er Jahre Willi Beil. Netta ist die einzige Überlebende der Familie. Ihre Eltern und ihre Schwester Elfriede werden 1941 von Düseldorf aus nach Minsk deportiert. Die Spur von Marianne und Elfriede Kussel verliert sich dort, Nettas Vater Hugo wird von Minsk aus weiter nach Natzweiler, Ravensbrück und schließlich ins Lager Mittelbau-Dora verschleppt – hier verliert sich auch seine Spur.

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 2

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.12.2015)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Genealogie Datenbank)
Literatur:
Patenschaft: SPD – Fraktion
Verlegetermin: 17. Juli  2014

Gelli Meyerstein geb. Wolffs

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Gelli MEYERSTEIN geb. WOLFFS
geboren am 1. Mai 1888 in Aurich

Straße: Osterstraße 8
Todesdatum: Deportation Ghetto Warschau am 31. März 1942
Todesort: Warschau Ghetto

Gelli Meyerstein geb. Wolffs, 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

Gelli Wolffs wird als zweites Kind ihrer Eltern Wolff Benjamin Abraham Wolffs  (*9.11.1839 Aurich +26.12.1912 Aurich) und Fanny geb. Wolff (*1.03.1856 Aurich +28.12.1934) in Aurich geboren. Sie hat einen älterer Bruder Benjamin (*17.06.1885 Aurich – 16.07.1943 Sobibor) und sieben Geschwister aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Gella Cosman Wolffs geb. Hoffmann (*14.06.1843 +19.02.1884).

Gelli heiratet Leopold Meyerstein (*5.12.1892 Bremke +1942 Warschau Ghetto). Leopold ist der Sohn von Max Meyerstein (1857 – 1943) und Bertha Meyerstein geb. Oppenheim (1856-1943). Er hat einen Bruder Hermann Meyerstein (1886 -1957).

Gelli und Leopold Meyerstein haben drei Kinder: Walter (*21.06.1920), Franziska „Franzi“ (*4.02.1922) und Margot (1923).

Die Familie wohnt in Bremke, wo alle drei Kinder geboren sind und später in Göttingen. Sohn Walter lebt einige Zeit in Eberswalde, Tochter Franzi in Berlin.

Am 26./27.März 1942 werden die Eltern Leopold und Gelli Meyerstein sowie ihre beiden älteren Kinder Walter und Franzi im Sammellager Hannover-Ahlem interniert und am 31. März 1942 in das Ghetto Warschau deportiert. Hier verliert sich ihre Spur.

Nur die jüngste Tochter Margot überlebt den Holocaust. Sie heiratet in Israel Shlomo Beer und hat mit ihm drei Kinder.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 11.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.geni.com/people/Gelli-Meyerstein/6000000009161058703

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Gelli Meyerstein geb. Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie schon vor 1920 Aurich erließ.

 

 

Marianne Kussel

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Marianne KUSSEL geb. Wolff
geboren am 11. Juni 1891 in Aurich

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Ghetto Minsk

Marianne Kussel geb. Wolff 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

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Marianne Kussel wird am 11. Juni 1891 in Aurich geboren. Sie ist das zweitälteste Kind von Wolff Levy Wolff und Fanni Jakob Wolff: Schon 1890 war ihre Schwester Regine auf die Welt gekommen, ihre Schwester Augusta folgt 1893. Das Nesthäkchen der Familie ist Mariannes Bruder Ino, der 1896 das Licht der Welt erblickt. Mariannes Vater Wolff ist Schlachter und Viehhändler, und seine Geschäfte laufen gut: Ihm gehört sowohl das Haus Haus in der Wallstraße 8/10, in dem Marianne aufwächst und in dem später ihre Schwester Regine mit ihrer Familie leben sollte, als auch das Haus in der Marktstraße 18, in dem Marianne und ihre Familie ab Januar 1938 wohnen.1920 heiratet Marianne den Schlachter und Viehhändler Hugo Kussel aus Gruiten, Kreis Mettmann. Das Paar lässt sich in Aurich nieder und Hugo eröffnet einen eigenen Viehhandel. Auch die Geschäfte von Hugo laufen gut, wovon beispielsweise die Dienstmädchen zeugen, die Marianne im Haushalt unterstützen.

Marianne und Hugo bekommen zwei Töchter: Am 29. Juni 1922 wird Netta geboren, zweieinhalb Jahre später, am 18. Februar 1925, kommt Elfriede zur Welt. Die Mädchen verbringen wohl eine recht unbeschwerte Kindheit in Aurich, die jedoch vom Machtantritt der Nationalsozialisten überschattet wird. So hat die Familie mehr und mehr unter den Boykotten und Repressalien zu leiden, Hugo muss schließlich auch seinen Betrieb schließen. Am 10. November 1938 wird er, wie alle übrigen arbeitsfähigen jüdischen Männer aus Aurich, verhaftet und im KZ Sachsenhausen interniert. Erst am 17. Dezember kann er zu seiner Familie heimkehren. Die Verhaftung sollte dazu dienen, die jüdischen Familien endgültig in den finanziellen Ruin zu treiben und die „Rearisierung“ jüdischen Besitzes voranzubringen. Hugo hat nach seiner Haftentlassung eine neue Arbeitsstelle: 1939 arbeitet er in Wilhelmshaven und wohnt dort auch – seine Frau sieht er nur noch gelegentlich an den Wochenenden. Die Töchter Netta und Elfriede leben zu diesem Zeitpunkt bereits beide nicht mehr Aurich: Netta lebt seit 1936 in Mannheim, wo Mariannes Schwester Auguste wohnt. Elfriede geht im Juli 1939 zunächst nach Oldenburg und dann nach Spreenhagen, wo es mehrere Lehrgüter gibt: Vermutlich möchte sie eine Ausbildung machen, um einen der begehrten Plätze für eine Auswanderung nach Palästina zu bekommen.

Als alle Juden die Aufforderung erhalten, bis zum 1. April 1940 Ostfriesland zu verlassen, ziehen auch Hugo und Marianne aus Aurich fort: Am 26. Februar melden sich Marianne, ihr Mann Hugo sowie ihre Schwester Regine und deren Mann Benno aus Aurich ab. Beide Paare ziehen nach Düsseldorf.

Rund eineinhalb Jahre später erhalten Marianne und ihr Mann sowie ihre Tochter Elfriede, die inzwischen auch in Düsseldorf lebte, die Aufforderung, sich am 9. November 1941 in Düsseldorf am Schlachthof einzufinden. Am nächsten Tag werden sie von dort aus gemeinsam mit 994 anderen Menschen nach Minsk deportiert. Das Ghetto Minsk war im Juli 1941 eingerichtet worden: Man hatte einen rund zwei Quadratkilometer großen Stadtteil abgegrenzt und die Juden aus Minsk dort zusammengepfercht. Hinzu kommen nun mehrere tausend deportierte Juden aus Deutschland, Österreich und Tschechien. Als das Ghetto eingerichtet wurde, wurde ein Platzbedarf von 1,5 Quadratmeter pro Person berechnet, dementsprechend eng wurde es im Ghetto. Die Lebensbedingungen sind sehr schlecht – zur räumlichen Enge und schlechten hygienischen Bedingungen kommt eine katastrophale Versorgung: Pro Bewohner werden pro Tag rund 200 Gramm Brot kalkuliert; Juden, die als Zwangsarbeiter in den Fabriken eingesetzt waren,  können allenthalben noch hoffen, in der Fabrik eine zusätzliche Suppe zu erhalten.

Die Spur von Marianne verliert sich hier: Sie verschwindet wie ihre Tochter Elfriede im Ghetto Minsk – bis heute ist unklar, wann genau beide starben. Von den 997 Menschen, die am 10. November 1941 von Düsseldorf aus deportiert worden waren, überlebten lediglich fünf. Auch Mariannes Mann Hugo wurde ermordet, seine Spur verliert sich im Lager Mittelbau-Dora. Einzig Mariannes Tochter Netta überlebt den Holocaust, da es ihr gelingt, nach Schweden zu fliehen.

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 2

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.12.2015)
Foto: Kennkarte v. 26.05.1939
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 1596; Rep. 107, Nr. 1535;

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=5647149&language=en#!prettyPhoto%5Bgallery2%5D/0/

http://www.historisches-dorf-gruiten.de/15_1914-1945/a_1914_1945_Kristallnacht.htm

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411110-Duesseldorf29.jpg

Literatur: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Minsk

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ns-polizeibericht-ueber-judendeportation-in-duesseldorf-entdeckt-a-832335.html
http://duesseldorf.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-duesseldorf-Von-Duesseldorf-nach-Minsk-2013

Patenschaft: GfA – Gemeinsam für Aurich
Verlegetermin: 17. Juli  2014

 

 

Hugo Kussel

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hugo KUSSEL
geboren am 16. Februar 1894 in Gruiten, Kreis Mettmann

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Mittelbau-Dora
Hugo Kussel wird am 16. Februar 1894 in Gruiten, Kreis Mettmann geboren. Er ist der Sohn von Martin Kussel und dessen Ehefrau Henrietta. (Die Vornamen Martin und Henrietta nennt Hugos Tochter Netta, auf der Seite „Historisches Dorf Gruiten“ finden sich die Angaben „Herz“ und „Jeanette“.) Hugos Vater ist Schlachter und Viehhändler und auch Hugo ergreift diesen Beruf, er lässt sich jedoch nicht in Gruiten nieder, sondern zieht am 27. Mai 1920 nach Aurich um, denn er heiratet Marianne Wolff, deren Vater ebenfalls Schlachter und Viehhändler ist. Der väterliche Betrieb in Gruiten wird von Hugos jüngerem Bruder Walter fortgeführt, Hugo eröffnet in Aurich eröffnet einen eigenen Viehhandel.

Das junge Ehepaar lebt zunächst im Haus in der Wallstraße 10, das Hugos Schwiegervater gehört, und zieht 1930 in die Marktstraße 2 um. Hugos Geschäfte laufen gut, wovon beispielsweise die Dienstmädchen zeugen, die seine Frau im Haushalt unterstützen.

Hugo bekommt zwei Töchter: Am 29. Juni 1922 wird Netta geboren, zweieinhalb Jahre später, am 18. Februar 1925, kommt Elfriede zur Welt. Die Mädchen verbringen eine recht unbeschwerte Kindheit in Aurich, die jedoch vom Machtantritt der Nationalsozialisten überschattet wird. So hat die Familie mehr und mehr unter den Boykotten und Repressalien zu leiden, Hugo muss schließlich auch seinen Betrieb schließen. Der Umzug in die Marktstraße 18 am 15. Januar 1938 ist vermutlich diesen finanziellen Schwierigkeiten geschuldet.

Am 10. November 1938 wird er, wie alle übrigen arbeitsfähigen jüdischen Männer aus Aurich, verhaftet und im KZ Sachsenhausen interniert. Erst am 17. Dezember kann er zu seiner Familie heimkehren. Die Verhaftung sollte dazu dienen, die jüdischen Familien endgültig in den finanziellen Ruin zu treiben und die „Rearisierung“ jüdischen Besitzes voranzubringen. Hugo hat nach seiner Haftentlassung eine neue Arbeitsstelle: 1939 arbeitet er in Wilhelmshaven und wohnt dort auch – seine Frau sieht er nur noch gelegentlich an den Wochenenden. Seine Töchter Netta und Elfriede leben nicht mehr in Aurich: Netta war schon 1936 nach Mannheim verzogen, wo ihre Tante Auguste, Mariannes Schwester, lebt. Letztendlich gelingt ihr die Flucht nach Schweden. Elfriede, Hugos jüngere Tochter, versucht vermutlich ab 1939, eine Ausbildung zu machen, um nach Palästina auswandern zu können. Sie geht zunächst nach Oldenburg, später ist sie in Spreenhagen in Brandenburg gemeldet, wo es mehrere Lehrgüter gab, die auf die Auswanderung vorbereiteten.

Als alle Juden die Aufforderung erhalten, bis zum 1. April 1940 Ostfriesland zu verlassen, zieht auch Hugo mit seiner Frau Marianne aus Aurich fort: Am 26. Februar unterzeichnetet er gemeinsam mit seiner Frau sowie Mariannes Schwester Regine und deren Mann Benno den Vertrag, mit dem sie das Haus Wallstraße 8/10 verkaufen. Am nächsten Tag melden sich alle vier aus Aurich ab und ziehen nach Düsseldorf.

Rund eineinhalb Jahre später erhalten Hugo und seine Frau Marianne sowie ihre Tochter Elfriede, die inzwischen ebenfalls in Düsseldorf lebte, die Aufforderung, sich am 9. November 1941 in Düsseldorf am Schlachthof einzufinden. Am nächsten Tag werden sie von dort aus gemeinsam mit 994 anderen Menschen nach Minsk deportiert. Das Ghetto Minsk war im Juli 1941 eingerichtet worden: Man hatte einen rund zwei Quadratkilometer großen Stadtteil abgegrenzt und die Juden aus Minsk dort zusammengepfercht. Hinzu kamen nun mehrere tausend deportierte Juden aus Deutschland, Österreich und Tschechien. Als das Ghetto eingerichtet wurde, wurde ein Platzbedarf von 1,5 Quadratmeter pro Person berechnet, dementsprechend eng wurde es im Ghetto. Die Lebensbedingungen waren sehr schlecht – zur räumlichen Enge und schlechten hygienischen Bedingungen kam eine katastrophale Versorgung: Pro Bewohner wurden pro Tag rund 200 Gramm Brot kalkuliert; Juden, die als Zwangsarbeiter in den Fabriken eingesetzt waren, konnten allenthalben noch hoffen, in der Fabrik eine zusätzliche Suppe zu erhalten.

Hugo wird zunächst wie seine Frau und seine Tochter in Minsk interniert, doch wird er von dort aus weiter deportiert: So ist er zunächst in den Konzentrationslagern Natzweiler und Ravensbrück, bevor sich seine Spur schließlich im Lager Mittelbau-Dora verliert.

Auch seine Frau Marianne und seine jüngere Tochter Elfriede werden ermordet, einzig Hugos ältere Tochter Netta überlebt den Holocaust.

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 2

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.12.2015)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 1596; Rep. 107, Nr. 1535;
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=5647148&language=en#!prettyPhoto%5Bgallery2%5D/0/
http://www.historisches-dorf-gruiten.de/15_1914-1945/a_1914_1945_Kristallnacht.htm
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411110-Duesseldorf29.jpg
Literatur: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Minsk
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ns-polizeibericht-ueber-judendeportation-in-duesseldorf-entdeckt-a-832335.html
http://duesseldorf.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-duesseldorf-Von-Duesseldorf-nach-Minsk-2013
Patenschaft: Stefan Schewiola
Verlegetermin: 17. Juli  2014

 

 

 

Betti Jakob Behrens geb. Samson

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Betti Jakob BEHRENS geb. Samson
geboren am 28. November 1908 in Aurich

Straße: Nürnburger Straße 24
Todesdatum: unbekannt (Deportation nach Warschau Ghetto am 31.03.1942
Todesort: unbekannt

Betti Behrens geb. Samson 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Betti Jakob Behrens geb. Samson wird am 28. 11. 1908 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jakob Hartog Samson und Jenny Salomon „Minna“ Samson geb. Windmüller. Sie hat eine ältere Schwester Resi und einen jüngeren Bruder Hugo. Ihr Vater Jakob betreibt mit seinem Bruder Simon Hartog eine Schlachterei in der Marktstraße 19. In den Sommerferien arbeitet ihr Vater in der koscheren Fleischversorgung auf Norderney in der Winterstraße 5. Er stirbt 1934.

Betti und ihre später an Depressionen erkrankte Schwester Resi arbeiten als Haus- und Küchenhilfen an vielen Orten Deutschlands. In der Kennkarte von 1939 ist als Beruf vermerkt: Köchin und Diätköchin.

Betti arbeitet z. T. mehrfach in:
·         Berlin,
·         Emden,
·         Norderney, einmal als Hausangestellte dann als Köchin im Kindererholungsheim der Zions-Loge Hannover in der Benekestraße 44,
·         Ahlem Israelitische Gartenbauanstalt,
·         Groningen,
·         Esens.

Sie heiratet am 25.04.1940 Alfred Behrens aus Hoya. Alfred Behrens arbeitet im Altmaterialhandel seines Vaters Adolf in Hoya. Betti ist zweimal krank und liegt im Israelitischen Krankenhaus Hannover in der Ellernstraße 16.

Betti schreibt Anfang Oktober 1940, zum Zeitpunkt als ihre Schwester gerade in Brandenburg ermordet war, von dort an die Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück:

„Sehr geehrte Frau Oberin [Helmers] – ich liege hier im Krankenhaus doch bin ich auf dem Wege der Besserung daher schreibe ich mit Bleistift was Sie bitte Entschuldigen. Ich war schon einmal dort. Wie Sie vielleicht wissen, mußten wir Juden Aurich verlassen. Mein liebe Mutter ist in Hamburg Altersheim mein Bruder mit Frau sind im Ausland, ich bin hier in Hannover verheiratet. Nun möchte ich Sie geehrte Frau Oberin bitten es gehen so allerhand Gerüchte herum ist meine Schwester Resi Samson noch dort und wie geht es Resi falls Sie nicht mehr dort sein sollte bitte ich auch um Auskunft, Rückporto liegt bei“

[Antwort der Anstalt]

S.g. Frau Behrens!

Das Befinden Ihrer Schwester Resi Samson hat sich [..] gebessert. Sie ist oft unter dem Einfluß von […] und Wahnvorstellungen, […] abweisend und ganz unzugänglich und zu einer Beschäftigung nicht zu bewegen, […] wenn auch z.Zt. nicht krank. Sie ist mit anderen […] zusammen am 21. Sept. 1940 von hier nach Heil u Pflegeanstalt Wunstorf verlegt […] ist mir nicht bekannt […] ist die gemeinnützige Kranken-Transportgesellschaft m.b.H in Berlin W9 Potsdamerplatz 1 […] vielleicht fragen sie dort mal an […] Hochachtungsvoll, abgesandt 11. Okt. 1940.

Aus der Interpretation der Archiv-Dokumente wird deutlich: Betti hat das Schicksal ihrer Schwester nie erfahren. Denn ein Schreiben an die Gemeinnützigen Transportgesellschaft [Gekrat] würde bedeuten, geradezu die Mordgehilfen nach ihrer Tat zu fragen. Diese Pseudogesellschaft ist der verlängerte Arm der Aktion T4 – die Zentralverwaltung zur Ermordung alles sogen. lebensunwerten Lebens. Anfragen dieser Art wurden deshalb nach Chelm in Ost-Polen an ein Pseudo-Meldeamt weitergeschickt – und auch nicht beantwortet.
Bezeichnenderweise kann die Heilanstalt Osnabrück über Resi Samson nichts Konkretes schreiben, schon gar nicht warum sie denn, weil nicht krank, nach Wunstorf verlegt wurde. Aber im Antwortentwurf fügt die Frau Oberschwester Helmers dann überkorrekt aber überflüssig „Kranken-„ und „m.b.H.“ ein. Aus diesen und anderen hier nicht aufgeführten Zeichen sind Gewussthaben und mittelbare Täterschaft der Ärzte und Pfleger der Heilanstalt Osnabrück erkennbar.

Betti und ihr Mann Alfred wohnen in Hannover zuerst in der Celler Straße 152. Ihre Schwiegereltern und ihr Schwager müssen ebenfalls nach Hannover ziehen. Seit September 1941 leben sie in Judenhäusern. Am 14.12.1941 wird ein Kind geboren, welches aber drei Tage später stirbt. Nach dem 23.02.1942 wohnen sie im ehem. jüdischen Altenheim Ellernstraße 16, jetzt auch ein Judenhaus. Die Schwiegermutter Klara stirbt am 16.09.1941, der Schwiegervater Adolf begeht vor der Deportation Selbstmord.

Ein paar Tage vor der Deportation werden alle Hannoveraner Juden in Ahlem, was nun als KZ fungiert, zusammengepfercht. Am 31.03.1942 werden alle in das Ghetto Warschau deportiert. Wahrscheinlich werden sie im Zuge der dort einsetzenden Ghettoräumung weiter nach Treblinka deportiert. Von Betti Behrens gibt es nach dem 31.03.1942 kein Lebenszeichen mehr.

Die Stolpersteine vor dem Haus Nürnburger Straße 24

Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bei der Verlegung

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand 21.03.2013)
Foto: Foto der Kennkarte 1939 (StA Aurich)
Jüdisches Altersheim Ellernstraße, Hannover
Gartenbauanstalt SAhlem um 1900
Ahlem, Eingang zur ehemaligen Gartenbauschule und Hachschara-Stätte, links Gedenktafel

Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich,
·  Staatsarchiv Osnabrück
·  Stadtarchiv Hannover
·  Stadtarchiv Norderney
· Stadtarchiv Hoya.
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Jüdisches Altersheim, Ellernstraße, Hannover

 

Gartenbauanstalt Ahlem um 1900

Ahlem – Eingang zur ehemaligen Gartenbauschule und Hachschara-Stätte, links Gedenktafel

Goldine Grünberg geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 10. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Goldine GRÜNBERG geb. WALLHEIMER
geboren am 13. April 1858 in Aurich

Straße: Kirchdorf 11 (heute Kreuzstr. 6d)
Todesdatum: 25. Juli 1943
Todesort: Theresienstadt
Goldine Wallheimer wird am 13. April 1858 als Tochter von Wolff Benjamin Abraham Wallheimer (*4.06.1821 Aurich, + 8.03.1871 Aurich) und Engel Engeline Egle Samuel Wolff (*2.11.1831 Norden, +15.07.1914 Aurich) in Aurich geboren.
Sie hat eine Schwester Minna Minkel (*15.10.1863, +27.02.1948 Bremen) und insgesamt fünf Brüder, von denen zwei als Kind oder Jugendlicher sterben: Abraham Wallheimer; Samuel Wallheimer; Joseph Wallheimer; Karl Calmer Wallheimer und ein weiterer).Ihr Bruder Samuel Wallheimer ist der Vater von Elli Wallheimer (s. Biografie), die später einen Sohn von Goldine (Adolf Grünberg) heiratet.Goldine heiratet Joseph Grünberg (*26.01.1858 Weener +15.01.1919 Bremen) und hat mit ihm 7 Kinder: Marianne (Minna) Grünberg; Wolff Joseph Grünberg; Elsa Grünberg; Hermann Grünberg; Siegfried Grünberg; Adolf Grünberg, und ein weiteres).Goldine wohnt mit ihrer Familie in Bremen in der Biebricher Straße 7. Dorthin zieht ihr Bruder Calmer Wallheimer mit seiner Frau Julie und Schwester Minkel Wallheimer 1938. Aus hier nicht bekannten Gründen muss das Ehepaar später ohne Minkel aber mit Goldine in das Judenhaus Große Johannisstraße 85 in der Bremer Neustadt umziehen.

Am 23.07.1942 werden alle von Bremen über Hannover in das KZ Theresienstadt deportiert.

Calmer Wolff Wallheimer stirbt dort bereits am 21.10.1942, vermutlich an Hunger und Entkräftung. Seine Frau Julie muss bald darauf unter ähnlichen Umständen am 10.12.1942 sterben.

Seine Schwester Goldine stirbt am 25.07.1943 – amtliche Todesursache „Marasmus senilis“.
Ihr Sohn, Hermann (20.04.1890 +15.03.1968) und Calmer Wolffs Nichte Lilly vom Kirchdorfer Weg 36 stellen später Rückgabe- und Wiedergutmachungsansprüche als Erben der überlebenden Schwester Minkel.

In Aurich wurden am 21.1.2016  Stolpersteine verlegt für
Calmer Wolff Wallheimer
Julie Wallheimer geb. Salinger
„Minna“ Minkel Wallheimer
alle: Kirchdorf Nr. 11 (heute: Kreuzstraße 6d – 21.10.2016)

Unten: Grabstein der Familie Grünberg in Bremen

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.geni.com/people/Goldine-Gr%C3%BCnberg/6000000009645233757

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Goldine Grünberg geb. Wallheimer wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da ihr letzter frei gewählter Wohnort Bremen lag.

 

 

Elli Grünberg geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 10. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Elli GRÜNBERG geb. WALLHEIMER
geboren am 18. September 1900 in Aurich

Straße: Kirchdorf 11 (heute Kreuzstr. 6d)
Todesdatum: 28. Juli 1942
Todesort: Minsk Ghetto

Elli Grünberg geb. Wallheimer, Kennkarte 1939, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Elli Wallheimer wird am 28. Juli 1900 als Tochter von Samuel Wallheimer (*5.07.1861 Aurich, + 14.10.1931 Aurich) und Jeanette Seba Wolff N. Wallheimer (*7.07.1861 Aurich +5.02.1935 Aurich) in Aurich geboren. Sie hat eine ältere Schwester Eva (*28.01.1899 Aurich) verh. Weinkowitz.

Elli verlässt Aurich am 15.08.1925 und zieht nach Bremen. Dort heiratet sie den Kaufmann Adolf Grünberg (*29.12.1898 Bremen +28.07.1942 Minsk Ghetto). Nach der Datenbank „Geni.com“ haben sie eine Tochter Goldy (*30.03.1927). Deren Todesdatum ist dort mit „23.02.1940 Theresienstadt Ghetto“ angegeben. Da dieses Ghetto erst im November 1941 eingerichtet wurde, muss diese Angabe fehlerhaft sein. Im Gedenkbuch Bundesarchiv ist Goldy nicht verzeichnet.

Elli wohnt mit ihrer Familie in Bremen in der Biebricher Straße 7 bei ihrer Tante Goldine Grünberg geb. Wallheimer.
Ellis Mann Adolf Grünberg wird am 10.11.1938 nach der Reichspogromnacht im KZ Sachsenhausen interniert und kommt am 5. Dezember 1938 wieder frei.

Elli und ihr Mann Adolf Grünberg werden am 18. November 1941 ab Hamburg in das Ghetto Minsk deportiert. Das Ghetto wurde am 21. Oktober 1943 liquidiert, wobei die meisten Gefangenen in Sobibor und im nahegelegenen Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet wurden. Für Elli und Adolf Grünberg wird der 28 Juli 1942 als Todesdatum angegeben (Gedenkbuch).

Ellis Tante Goldine, deren Bruder Calmer Wallheimer mit seiner Frau Julie und Schwester Minkel Wallheimer werden am 23.07.1942 von Bremen über Hannover in das KZ Theresienstadt deportiert.

Calmer Wolff Wallheimer stirbt dort bereits am 21.10.1942, vermutlich an Hunger und Entkräftung. Seine Frau Julie muss bald darauf unter ähnlichen Umständen am 10.12.1942 sterben.

Seine Schwester Goldine stirbt am 25.07.1943 – amtliche Todesursache „Marasmus senilis“.
Goldines Sohn, Hermann (20.04.1890 +15.03.1968) und Calmer Wolffs Nichte Lilly vom Kirchdorfer Weg 36 stellen später Rückgabe- und Wiedergutmachungsansprüche als Erben der überlebenden Schwester Minkel.

In Aurich wurden am 21.1.2016  Stolpersteine verlegt für
Calmer Wolff Wallheimer
Julie Wallheimer geb. Salinger
„Minna“ Minkel Wallheimer
alle: Kirchdorf Nr. 11 (heute: Kreuzstraße 6d – 21.10.2016)

Unten: Grabstein der Familie Grünberg in Bremen

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Meldekarte Aurich, NLA Aurich
Datenbank: https://www.geni.com/people/Elli-Gr%C3%BCnberg/6000000032021970569
Juden in Bremen: http://die-maus-bremen.info/fileadmin/db_query/juedische_fam/ausgabe/09/ofb1k2042.html
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Elli Grünberg geb. Wallheimer wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie bereits 1925 Aurich verließ und ihr letzter frei gewählter Wohnort in Bremen lag.

 

 

Selly Martin Wolff

Veröffentlicht: 9. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Selly Martin WOLFF
geboren am 11. November 1927 in Aurich

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: unbekannt, am 10.05.1942 Deportation nach Lublin
Todesort: Budzyn, am 31.12.1943 für tot erklärt
Selly Wolff ist das fünfte und jüngste Kind von Karoline (*1897-1942) und Martin Wolff (1894-1942). Er wird am 11. November  1927 in Aurich geboren. Er wird nach seinem Großvater mütterlicherseits benannt.

Sein Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Selly wächst zunächst mit den Geschwistern Roesel, Hildegard, Hannelore und Wolfgang in der Leerer Landstraße 18 auf und zieht dann mit seiner Familie nach Gut Eschen. Als sie die Wohnung dort verlassen müssen, zieht er mit seinen Eltern in die Marktstraße 4.

Als die letzten jüdischen Bürger gezwungen werden, Aurich zu verlassen, schicken seine Eltern ihn zusammen mit seinem älteren Bruder Wolfgang im Februar 1940 in ein jüdisches Kinderheim in Köln (Jüdisches Waisenhaus in Köln-Braunsfeld, Aachener Straße 443). Als Hannelore Wolff im April 1942 aus Berlin zu ihrer Mutter nach Weimar zurückkehrt, wohnen ihre Brüder Wolfgang und Selly bereits wieder bei der Mutter.

Am 10. Mai 1942 wird Selly im Alter von 14 Jahren mit seiner Mutter und den Geschwistern Hannelore und Selly  nach Lublin deportiert.  Er  lebt zunächst mit ihnen im dortigen Ghetto. Dort muss er mit seinem Bruder Wolfgang unter unmenschlichen Bedingungen im Steinbruch arbeiten.

Als das Ghetto Lublin geräumt wird, wird Selly von seiner Mutter getrennt. Seine Schwester Hannelore trifft ihn im KZ Belzyce bei ihrer Arbeit in der Krankenstation wieder. Dort wird Selly eingeliefert, nachdem er von einem Kapo brutal zusammengeschlagen wurde. Er zieht sich dabei innere Verletzungen an der Lunge zu.
Hannelore begegnet  ihrem Bruder erneut im KZ Budzyn auf der Krankenstation. Mittlerweile ist er 15 Jahre alt. Selly hat sich von den Misshandlungen durch den Kapo nicht erholt, ist schwer erkrankt und stirbt nach wenigen Tagen.

Sellys Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Sein Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Sein Bruder Wolfgang wurde im KZ Majdanek ermordet.

Seine Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, der Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina, die Schwester Hannelore konnte den Lagerterror überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wurde.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

Die vor dem Haus Leerer Landstraße 18 verlegten Stolpersteine für Familie Wolff. Fotos: Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand 21.03.2013)
Foto: -Wolfgang und Selly Wolff, in: Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006), S. 34
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Olga und Willi Blesene
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Selly und Wolfgang Wolff

 

 

 

Heinrich Urbach

Veröffentlicht: 9. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Heinrich URBACH
geboren am 8. Dezember 1903 in Leer

Straße: Bgm.-Schwiening-Str. 9 (30.01.1933 – 1.04.1933)
Todesdatum: 29. September 1944
Todesort: Auschwitz
Heinrich Urbach wird am 8. Dezember 1903 als zweites Kind seiner Eltern Betty Büchler (*4.01.1867 Neustadtgödens +1943) und Jakob Urbach (*25.05.1865 Aurich +5.06.1928 Leer) geboren.

Sein älterer Bruder Eduard wird am 30.06.1899 geboren.

Heinrich zieht am 30.01.1933 nach Aurich in die Bürgermeister-Schwiening-Straße 9. Auf der Meldekarte wird sein Beruf mit „Gerichtsassessor“ angegeben.
Wo er sein Jurastudium absolviert hat, wissen wir nicht – vielleicht in Berlin, denn er ist 1929/30 im Berliner Jüdischen Adressbuch aufgelistet in Berlin NO 18, Weberstraße 42.

Es ist zu vermuten, dass er in Aurich seine Assessorenzeit absolvieren wollte.

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 stellt eine der ersten zentralen Maßnahmen des NS-Regimes dar, die gezielt auf die Diskriminierung der jüdischen Staatsbürger gerichtet war und ihre Rückstufung zu Bürgern zweiter Klasse als Staatsdoktrin proklamierte. Damit war eine Perspektive auf Berufsausübung für Heinrich Urban nicht mehr gegeben. Er zieht bereits am 1.04.1933 zurück nach Leer.

Später zieht er nach Berlin-Schöneberg. Von dort aus wird er am 19. Mai 1943 in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 29. September 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Sein älterer Bruder Eduard wird am 3. März 1943 von Berlin aus nach Auschwitz deportiert. Er wohnte in Berlin Charlottenburg.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.geni.com/people/Heinrich-Heinz-Urbach/6000000050566298511

Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I64304&nachname=Urbach&lang=de

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Heinrich Urbach wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da nur wenige Wochen in Aurich wohnte.