Herta Samson

Veröffentlicht: 1. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Herta Samson
geboren am 16. Oktober 1919 in Aurich

Straße: Wallstraße 22
Todesdatum: 17. Oktober 2012
Todesort: New York
Herta Samson ist das erste Kind der Eltern Abraham Josef und Frieda geb. Wolff aus Sandhorst. Die Familie wohnt in der Wallstraße 22 und zuletzt kurzzeitig im Haus Emder Straße 16.Die Familie ist sehr religiös und beachtet alle Gesetze der Religion. Um sie herum gibt es viel weitere Verwandtschaft der beiden Elternteile.

Wie alle jüdischen Kinder kann Herta nach der jüdischen Volksschule keine weitere Schul- oder Berufsausbildung in Aurich anschließen. Der Antrag auf Aufnahme in das Ulricianum wird abgelehnt. Es scheint für sie – wie auch für alle anderen jüdischen Mädchen in dieser Zeit – nur der Beruf der Haushaltshilfe in einem jüdischen Haushalt möglich zu sein.

In der Nacht des reichsweiten Pogroms, als die Auricher Synagoge brennt und die anderen jüdischen Kultuseinrichtungen zerstört werden, wird allen jungen Auricher Juden deutlich, dass sie ihr Land so schnell wie möglich verlassen müssen. Herta emigriert am 21. 12. 1938 mit einem Kindertransport nach England. Sie hilft ein Jahr in einem Haushalt in Northampton. Sie bleibt während der ganzen Kriegsjahre in England und steht auch in Kontakt mit ihrem in London lebenden Bruder Josef.

Nach dem Krieg emigriert sie in die USA, nach New York, um in der Nähe ihrer Schwester Grete zu sein. Sie macht eine Ausbildung als Radiologische Assistentin [MTA]. Nach ein paar Jahren macht sie eine Weiterbildung als Assistentin in der Strahlentherapie.

Sie ist attraktiv und belesen. Geistig unabhängig, selbstschaffend ist sie Teil der Intelligentia von Lower Manhattan von den 50ern bis zu den 70ern. Sie ist umgänglich und hat einen großen Freundeskreis und hat auch feste Beziehungen. Sie bekommt Heiratsanträge, die sie aber ablehnt. So bleibt sie unverheiratet und lebt alleinstehend. Sie bekommt auch keine Kinder.

„Ich, von der jüngeren Generation, stand ihr gefühlsmäßig sehr nah. Sie hatte viel Ärger mit meinem Bruder Allan und später sogar mit meiner Mutter. Auch mit mir hatte sie manchmal welchen. Aber wir hatten uns alle mit ihr, als es zum Ende ging, gut versöhnt.“ [Samson Munn]
Sie stirbt am 17. Oktober 2012, einen Tag nach ihrem Geburtstag, an Lungenkrebs – obwohl sie nie eine Raucherin war.

Das Foto erhielt Günther Lübbers von Dr. Samson Munn. Es entstand im Juli 1958 im Hafen von New York an Bord eines kurz danach nach Argentinien auslaufenden Schiffes. Samson (Bildmitte) besuchte mit seiner Mutter Grete (3. von links) unter anderem Siegfried Wolff (links) und Eva Wolff (rechts).

Die Stolpersteine vor dem Haus Wallstraße 22

Dr. Samson Munn (Bildmitte) mit Ehefrau Rachel und den Kindern Amalia und Saul nahmen in Begleitung einer befreundeten Familie aus Berlin sowie Joan Chantrell aus England an der Verlegung teil.

 

Recherche:Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 1.06.2015)

Fotos: – Geburtsurkunde Herta Samson (Standesamt Aurich)
– Familie Samson 1937 (Sammlung Munn)- Stolpersteinverlegung (Günther Lübbers)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsar-chiv,

– Standesregister Standesamt Aurich,

– Korrespondenz Samson Munn – Boston

Literatur:
Patenschaft: Isolde Jungenkrüger
Verlegetermin: 17. Juli  2014

 

Geburtsurkunde Herta Samson

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Familie Samson 1937

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