| Frieda Wolff wird am 24.07.1892 in Sandhorst bei Aurich geboren. Sie ist das erste Kind der Eltern Joseph Wolff und Regine Reische geb. Von der Wall aus Norden. Sie hat noch drei weitere jüngere Geschwister. Ihre Schwester Eva verh. Salomons kommt mit Kind und Ehemann in der Shoah um.
Frieda Wolff heiratet den Viehhändler Abraham Josef Samson. Zusammen haben sie vier Kinder. Der älteste Sohn Josef ist schon im Geschäft.
Die Familie ist sehr religiös und beachtet die Gesetze der Religion.
Die staatlichen Verfolgungen der Juden machen auch vor den Samsons nicht halt. Sie müssen ihr Haus verkaufen und ziehen als Untermieter in das Haus der Jüdischen Gemeinde in der Emder Straße 16 ein. Die Familie will auswandern, aber sie haben keinen Verwandten in Amerika, der der Familie die begehrte Bürgschaft, das Affidavit verschafft. Ihre älteste Tochter Herta geht bereits 1938 als Au pair nach England, ihr Sohn Josef mit einem Kindertransport auch dorthin. Zuvor musste ihr Sohn die Torturen der Reichspogromnacht in Aurich und im KZ Sachsenhausen erleiden. Ihrem Mann gelang es ihn nach 14 Tagen dort gegen Lösegeld freizubekommen.
Die Familie, Frieda, ihr Mann Abraham Josef und ihr jüngstes Kind Siegfried müssen am 27. Februar 1940 Aurich verlassen und nach Berlin ziehen. Ihre Tochter Grete ist bereits dort und lernt Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus. Sie müssen Zwangsarbeit leisten. Sohn Siegfried kann in eine nahegelegene jüdische Bildungseinrichtung (Hachscharah) zur Vorbereitung auf Palästina gehen.
Am 28.01.1943 bekommen Frieda und ihr Mann den Befehl, sich am nächsten Tag für die Abholung bereitzuhalten.
Abraham Samson ruft abends noch seine Tochter aus der Telefonzelle an. Sie, Grete, will mit ins Lager, ihre Eltern nicht alleine lassen. Abraham Joseph antwortet in den letzten überlieferten Worten:“ Keine Frage, Du musst Dein Leben retten. Es ist nicht gut, wenn Eltern ihre Kinder leiden sehen, noch schlechter ist es, wenn Kinder ihre Eltern leiden sehen. Hüte dich. Sei stark. Und esse genug, alles was Du bekommst ohne Rücksicht auf die Religion.“
Frieda und Josef besteigen am 29.01.1943 den Deportationszug nach Auschwitz. Unmittelbar nach ihrer Ankunft werden beide ermordet.

Das Foto erhielt Günther Lübbers von Dr. Samson Munn. Es entstand im Juli 1958 im Hafen von New York an Bord eines kurz danach nach Argentinien auslaufenden Schiffes. Samson (Bildmitte) besuchte mit seiner Mutter Grete (3. von links) unter anderem Siegfried Wolff (links) und Eva Wolff (rechts).

Die Stolpersteine vor dem Haus Wallstraße 22

Dr. Samson Munn (Bildmitte) mit Ehefrau Rachel und den Kindern Amalia und Saul nahmen in Begleitung einer befreundeten Familie aus Berlin sowie Joan Chantrell aus England an der Verlegung teil.
Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.10.2015) |