Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Erich Gidansky

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Erich GIDANSKY
geboren am 16. April 1914 in Aurich

Straße: Marktplatz 31
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben 18. März 2004
Todesort: Milwaukee, USA

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Erich Gidansky wird am 16. April 1914  als zweites Kind des späteren Kaufmanns Karl Gidansky und seiner Frau Gertrude Gidansky, geb. Hoffmann in Aurich geboren. Sein Vater Karl, der aus Memel in Litauen nach Aurich gekommen war, hatte dort eine Lehre für koscheres Schlachten und für rituelle Beschneidungen d.h. zum Mohel gemacht. In Aurich wurde er Hausmeister der Synagoge und konnte mit seiner Frau Gertrude nach der Heirat 1910 die Wohnung oberhalb der Synagoge bekommen. Gertrude hatte die Verantwortung für die rituellen Bäder für Frauen. Erichs ältere Schwester Merri Therese wurde 1911 geboren.

So wächst Erich mit seinen Eltern und seiner Schwester zunächst in der Synagogenwohnung auf, bis sie 1921 in das Haus am Marktplatz 31 umziehen, wo sein Vater von nun an im Erdgeschoss einen Tabakladen betreibt. Erich macht wie auch sein Vater und Großvater eine Lehre für koscheres Schlachten und rituelles Beschneiden. Ein bis zwei Jahre nach Hitlers Machtergreifung 1933 schicken seine Eltern ihn nach Memel in Litauen in der Hoffnung, dass es dort für Juden sicherer sei als in Deutschland. Er lebt dort bei Verwandten und kann in einer jüdischen Schule seine Ausbildung zum Mohel und Schochet   fortsetzen.

1941 jedoch, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Litauen, werden er und die vielen anderen Familienmitglieder von den Nationalsozialisten verhaftet. Die meisten von ihnen werden, wie viele andere jüdische Männer, entweder in den Wäldern erschossen  oder in Lager gebracht, wo viele von ihnen umkommen. Erich und sein Cousin, Jacob Telser, werden in verschiedene Gefängnisse gebracht, bevor sie 1941 nach Dachau kommen. Erich erzählt später, dass er nur überleben konnte, weil er drinnen arbeiten musste und weil er noch jung war. Jacob meinte, dass er sicherlich nicht überlebt hätte, wenn Erich ihm nicht Extra-Lebensmittel und Decken nachts durch die hintere Tür hinausgeschmuggelt hätte. Beide bleiben bis zum Ende des Krieges im Lager Dachau, bis zur Befreiung im Mai 1945. Erich ist aber so geschwächt und entkräftet, dass er in ein Krankenhaus in einem Flüchtlingslager gebracht wird, wo er ein Jahr lang bleibt, um sich von den Torturen zu erholen. In dieser Zeit hilft ihm das Amerikanische Rote Kreuz, seine Mutter und seine Schwester in Baton Rouge ausfindig zu machen. (Er hatte zunächst vermutet, dass sie umgekommen seien, und sie glaubten, er sei umgekommen.) Sein Vater war schon im Februar 1936 in Aurich an einem Krebsleiden gestorben.

Erichs  Mutter war im Januar 1939 von Aurich aus nach Luxembourg geflohen, wo ihr Bruder lebte. Im März 1940 ist sie in Amerika angekommen. Erichs Schwester Merri Therese  muss im Januar 1939 von Hamburg aus nach Amerika geflohen sein. Erich  Gidansky kommt am 20. Mai 1946 in den USA an und trifft die Familie in Baton Rouge wieder. Aus Erich Gidansky wird Eric Gidan.

In Baton Rouge begegnet ihm eine andere Überlebende aus einem Konzentrationslager, Geertruida Zuidema Heilbronn aus Winschoten, und sie wird bald seine Frau. Sie heiraten 1948 und bekommen 1950 ihre erste Tochter, Maureen Karen. Der Name „Karen“ soll an den Großvater Karl erinnern. Die zweite Tochter wird 1953 geboren und heißt Susanne nach der Urgroßmutter Susanna Leers Hoffmann, sie wird von der Familie „Susie“ genannt. Eric  lebt mit seiner Familie viele Jahre in Baton Rouge. Als Handlungsreisender ist er in allen US-Südstaaten unterwegs und verkauft Damenwäsche. Als die Töchter erwachsen sind, begleitet Trudy ihn auf seinen Reisen.  Als fromme Juden sind sie sehr aktive Mitglieder der Synagogen-Gemeinde in Baton Rouge in der ganzen Zeit, in der sie dort leben. Sie beide filmen Zeugenaussagen für das Shoah-Projekt von Steven Spielberg und gehen oft in örtliche Schulen, um über ihre Holocaust-Erfahrungen zu berichten. Sie machen dies auch in Aurich während der „Woche der Begegnung“  im Mai 1992.

Erich G. mit seiner Frau Trude. Im Sessel seine Mutter Gelli Gidansky an ihrem 95. Geburtstag (Februar 1980)

Das Alter und ein schlechter werdender Gesundheitszustand veranlassen die beiden, Ende der  1990er Jahre nach Milwaukee, WI, umzuziehen, wo ihre beiden Töchter mit ihren Familien leben. Auch hier werden Eric und Trudy wieder aktive Mitglieder der jüdischen Gemeinde.

Erich G. mit seiner Frau Trude (im roten Kleid), seiner Schwester Merri und deren Enkel Jonathan (1987)

Nach einem Jahr nachlassender Gesundheit stirbt Eric am 18. März 2004 mit 89 Jahren. Er wird auf dem Jüdischen Friedhof in Milwaukee beigesetzt wie auch seine Witwe, die 6 Jahre später stirbt, und wo auch das Grab ihres Enkels Michael Kovnar zu finden ist, der schon 1999 mit 13 Jahren gestorben ist.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.02.2019)
Foto: Carol Kain
Opfergruppe: Juden
Quellen: Nds. Landesarchiv Aurich, Rep. 16/1;
Korrespondenz mit Nachkommen;
https://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/klaipeda-stadt.html
Literatur:
Patenschaft: Familie Mönkemeier
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

 

Heinz Schlomo Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Heinz Schlomo WOLFF
geboren am 20. März 1927 in Aurich

Straße: Norderstraße 29
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, stirbt am 15. März 2007
Todesort: Haifa, Israel
Eltern: Julius Wolff (geb.  12.08.1891 in Aurich; verstorben 1946 in Haifa), Henriette Wolff geb. Katz (geb. 10.01.1891 in Guxhagen; verstorben 1954 in Israel).
29.04.1920    Dina wird in Aurich geboren, Wohnung und Geschäft der Eltern in der Norderstraße 29.20.03.1927    Bruder Heinz Wolff (in Israel: Schlomo) wird geboren
1./ 2.03.1939    Nach der Pogromnacht vom 9. Nov. 1938 verlässt die Familie Aurich mit dem Ziel Palästina.

März 1939     Ankunft der Eltern mit Heinz in Palästina

August 1939  Ankunft Dina Wolff in Palästina

Dina konnte ihren Eltern erst fünf Monate später nach Palästina folgen, da sie auf Grund ihrer Volljährigkeit eine getrennte/eigene Einwanderungserlaubnis benötigte.

Seit 1940      Gemeinsam mit anderen baut Familie Wolff den Moshav‘  Bet-Jizchak auf.

1941   Heirat mit Zwi Selka, den sie in Bet-Jizchak kennenlernt.

Er stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main.

Dina Selka lebt dann mit ihrem Mann Zwi und ihren Kindern im Moshav Bet-Jizchak, bis beide 1993 nach Kfar-Saba in ein Seniorenheim umziehen.

1983         Seit dem ersten Besuch Jugendlicher bei Ex-Aurichern nehmen Dina Selka und ihr Mann an solchen Treffen regelmäßig teil. Dabei erklären sie den jungen Leuten gegenüber immer ihr vorrangiges Interesse, über die Entwicklung der alten Heimat zu hören und die Jugendlichen nicht mit der Historie der vorausgegangenen Generation zu belasten.

Foto vom Treffen 1983: rechts außen v. r. n.l.: Zwi Selka, Dina Selka geb. Wolff, Schlomo Wolff

1984          Besucht Dina Selka mit ihrem Mann Aurich, trifft auch (wie auch bei allen späteren Besuchen) zu einem Teenachmittag mit den jetzigen Besitzern ihres elterlichen Hauses zusammen.

1992          Mit vielen anderen Ex-Aurichern aus aller Welt besuchen Dina Selka und ihr Ehemann für eine „Woche der Begegnung“ Aurich. Dabei verzichten sie gerne auf eine Unter-bringung im Hotel und sind auch bereit, von Aurichern privat untergebracht zu werden.

Dina Selka im März 1988

2002          Besuch Aurichs zur zweiten „Begegnungswoche“ mit Einweihung der Gedenksteine auf dem Platz der ehemaligen Auricher Synagoge.

2005       stirbt Dina Selka in Kwa Saba, Israel
2007      stirbt ihr Bruder Heinz Schlomo

I Moshav = genossenschaftliche Siedlung (Dorf) mit gemeinsamer Wasserverwaltung, Landvergabe; oft auch gemeinsames Marketing; Gemeinschaftseinrichtungen;    aber in Abhebung zu Kibbuzim: erarbeiteter Gewinn bleibt privat, Nutzung des zugewiesenen Landes ist Einzelentscheidung.

Zwi und Dina Selka bemühen sich bis zu Ihrem Tode sehr intensiv um die Kontakte zu Dina Selkas Heimatstadt. Auch nach ihrem Tod vergeht kein Weihnachtsfest ohne Anruf aus Beth Jitzchak bzw. später aus Kfar-Saba.

Weg nach Palästina

Die Ankunft erfolgte im August 1939.

Die Eltern von Dina (Julius und Henriette Wolff)  befanden sich bereits mit dem Bruder Heinz seit März 1939 in Palästina. Die Tochter benötigte eine getrennte Einwanderungserlaubnis aufgrund eines „Affidavit“ (= Bürgschaftserklärung), da sie das 18. Lebensjahr bereits vollendet hatte. Die Einwanderung erfolgte legal mit Erlaubnis der britischen Mandatsbehörden, die sich solche Zertifikate teuer bezahlen ließ.

August 1939 – Überfahrt nach Palästina; auf einem Rettungsbot, links Dina Wolff

Der Aufbau Israels

Recht bald nach ihrer legalen Ankunft begeben sich die Eltern Julius und Henriette mit ihrer Tochter Dina und den Sohn Heinz (nun: Schlomo) in einen neu gegründeten Moshav. (Ein Moshav ist eine genossenschaftliche, landwirtschaftliche Siedlung. Anders als im Kibbuzz — wo Produktionsmittel und Arbeitserträge als Gemeinschaftseigentum gelten — stellt der Moshav zwar auch eine Selbstverwaltungsform dar. Land- und Wasserzuteilung sowie andere Lebensnotwendigkeiten werden unter den Mitgliedern zugeteilt. Das Einkommen der Familie ist aber weitgehend privat verfügbar.)

Ende der 30er Jahre war der Moshav Bet Jizchak gerade neu gegründet worden. Besonders viele deutschsprachige Auswanderer ließen sich dort nieder. (Noch heute sind einige alte Hinweistafeln aus der Gründerzeit deutschsprachig dort zu finden.) Die Probleme bei der Gründung einer solchen landwirtschaftlichen Siedlung waren viel¬schichtig: Das Gelände war vorher nicht landwirtschaftlich genutzt und musste erst mühsam hergerichtet werden. Zum anderen waren diejenigen, die sich nun nach ihrer Vertreibung solchen Aufgaben gegenüber sahen, hierfür überhaupt nicht vorgebildet. Deshalb konnte 1941 das Foto entstehen, das einen britischen Instrukteur zeigt, der die jüdischen Neueinwanderer darin unterweist, wie Gurkensamen fachgerecht auszubringen waren.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

1974 hat die Familie Selka/Wolff Kontakt zu dem Vorsitzenden des Kreissportbundes, Bruno Drees, aufgenommen, als sie von dessen Anwesenheit in Israel zufällig erfuhren. Im darauf folgenden Jahr entstanden Kontakte zu Johannes Diekhoff, der als Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Aurich mit einer Schülerarbeitsgemeinschaft über die Geschichte der jüdischen Gemeinde arbeitete. 1982 wurde ein erstes bescheidenes Treffen ehemaliger Auricher für eine Zusammenkunft mit dem stellver-tretenden Landrat Günter Lüttge organisiert.

Nachdem 1983 erstmalig Schülerinnen und Schüler der IGS Aurich-West Bet Jizchak besuchten, entschloss sich das Ehepaar Selka 1984 seinerseits an einer Fahrt nach Aurich, der alten nun gewandelten Heimatstadt von Dina, teilzunehmen. Seitdem bestehen zwischen Jugendlichen der Schule und den Selka’s regelmäßige Kontakte.

(nach Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988)

Recherche: Wolfgang Freitag
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2019)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988
Literatur:
Patenschaft: Ursula und Wolfgang Freitag
Verlegetermin: 19. September  2019

Henriette Wolff geb. Katz

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Henriette WOLFF geb. Katz
geboren am 10. Januar 1891 in Guxhagen

Straße: Norderstraße 29
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, stirbt 1954
Todesort: In Israel
Eltern: Julius Wolff (geb.  12.08.1891 in Aurich; verstorben 1946 in Haifa), Henriette Wolff geb. Katz (geb. 10.01.1891 in Guxhagen; verstorben 1954 in Israel)

29.04.1920    Dina wird in Aurich geboren, Wohnung und Geschäft der Eltern in der Norderstraße 29

20.03.1927    Bruder Heinz Wolff (in Israel: Schlomo) wird geboren 1./ 2.03.1939

Nach der Pogromnacht vom 9. Nov. 1938 verlässt die Familie Aurich mit dem Ziel Palästina.

März 1939     Ankunft der Eltern mit Heinz in Palästina

August 1939  Ankunft Dina Wolff in Palästina

Dina konnte ihren Eltern erst fünf Monate später nach Palästina folgen, da sie auf Grund ihrer Volljährigkeit eine getrennte/eigene Einwanderungserlaubnis benötigte.

Seit 1940      Gemeinsam mit anderen baut Familie Wolff den Moshav‘  Bet-Jizchak auf.

1941   Heirat mit Zwi Selka, den sie in Bet-Jizchak kennenlernt.

Er stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main.

Dina Selka lebt dann mit ihrem Mann Zwi und ihren Kindern im Moshav Bet-Jizchak, bis beide 1993 nach Kfar-Saba in ein Seniorenheim umziehen.

1983         Seit dem ersten Besuch Jugendlicher bei Ex-Aurichern nehmen Dina Selka und ihr Mann an solchen Treffen regelmäßig teil. Dabei erklären sie den jungen Leuten gegenüber immer ihr vorrangiges Interesse, über die Entwicklung der alten Heimat zu hören und die Jugendlichen nicht mit der Historie der vorausgegangenen Generation zu belasten.

Foto vom Treffen 1983: rechts außen v. r. n.l.: Zwi Selka, Dina Selka geb. Wolff, Schlomo Wolff

1984          Besucht Dina Selka mit ihrem Mann Aurich, trifft auch (wie auch bei allen späteren Besuchen) zu einem Teenachmittag mit den jetzigen Besitzern ihres elterlichen Hauses zusammen.

1992          Mit vielen anderen Ex-Aurichern aus aller Welt besuchen Dina Selka und ihr Ehemann für eine „Woche der Begegnung“ Aurich. Dabei verzichten sie gerne auf eine Unter-bringung im Hotel und sind auch bereit, von Aurichern privat untergebracht zu werden.

Dina Selka im März 1988

2002          Besuch Aurichs zur zweiten „Begegnungswoche“ mit Einweihung der Gedenksteine auf dem Platz der ehemaligen Auricher Synagoge.

2005       stirbt Dina Selka in Kwa Saba, Israel

I Moshav = genossenschaftliche Siedlung (Dorf) mit gemeinsamer Wasserverwaltung, Landvergabe; oft auch gemeinsames Marketing; Gemeinschaftseinrichtungen;    aber in Abhebung zu Kibbuzim: erarbeiteter Gewinn bleibt privat, Nutzung des zugewiesenen Landes ist Einzelentscheidung.

Zwi und Dina Selka bemühen sich bis zu Ihrem Tode sehr intensiv um die Kontakte zu Dina Selkas Heimatstadt. Auch nach ihrem Tod vergeht kein Weihnachtsfest ohne Anruf aus Beth Jitzchak bzw. später aus Kfar-Saba.

 

Weg nach Palästina

Die Ankunft erfolgte im August 1939.

Die Eltern von Dina (Julius und Henriette Wolff)  befanden sich bereits mit dem Bruder Heinz seit März 1939 in Palästina. Die Tochter benötigte eine getrennte Einwanderungserlaubnis aufgrund eines „Affidavit“ (= Bürgschaftserklärung), da sie das 18. Lebensjahr bereits vollendet hatte. Die Einwanderung erfolgte legal mit Erlaubnis der britischen Mandatsbehörden, die sich solche Zertifikate teuer bezahlen ließ.

August 1939 – Überfahrt nach Palästina; auf einem Rettungsbot, links Dina Wolff

Der Aufbau Israels

Recht bald nach ihrer legalen Ankunft begeben sich die Eltern Julius und Henriette mit ihrer Tochter Dina und den Sohn Heinz (nun: Schlomo) in einen neu gegründeten Moshav. (Ein Moshav ist eine genossenschaftliche, landwirtschaftliche Siedlung. Anders als im Kibbuzz — wo Produktionsmittel und Arbeitserträge als Gemeinschaftseigentum gelten — stellt der Moshav zwar auch eine Selbstverwaltungsform dar. Land- und Wasserzuteilung sowie andere Lebensnotwendigkeiten werden unter den Mitgliedern zugeteilt. Das Einkommen der Familie ist aber weitgehend privat verfügbar.)

Ende der 30er Jahre war der Moshav Bet Jizchak gerade neu gegründet worden. Besonders viele deutschsprachige Auswanderer ließen sich dort nieder. (Noch heute sind einige alte Hinweistafeln aus der Gründerzeit deutschsprachig dort zu finden.) Die Probleme bei der Gründung einer solchen landwirtschaftlichen Siedlung waren viel¬schichtig: Das Gelände war vorher nicht landwirtschaftlich genutzt und musste erst mühsam hergerichtet werden. Zum anderen waren diejenigen, die sich nun nach ihrer Vertreibung solchen Aufgaben gegenüber sahen, hierfür überhaupt nicht vorgebildet. Deshalb konnte 1941 das Foto entstehen, das einen britischen Instrukteur zeigt, der die jüdischen Neueinwanderer darin unterweist, wie Gurkensamen fachgerecht auszubringen waren.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

1974 hat die Familie Selka/Wolff Kontakt zu dem Vorsitzenden des Kreissportbundes, Bruno Drees, aufgenommen, als sie von dessen Anwesenheit in Israel zufällig erfuhren. Im darauf folgenden Jahr entstanden Kontakte zu Johannes Diekhoff, der als Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Aurich mit einer Schülerarbeitsgemeinschaft über die Geschichte der jüdischen Gemeinde arbeitete. 1982 wurde ein erstes bescheidenes Treffen ehemaliger Auricher für eine Zusammenkunft mit dem stellver-tretenden Landrat Günter Lüttge organisiert.

Nachdem 1983 erstmalig Schülerinnen und Schüler der IGS Aurich-West Bet Jizchak besuchten, entschloss sich das Ehepaar Selka 1984 seinerseits an einer Fahrt nach Aurich, der alten nun gewandelten Heimatstadt von Dina, teilzunehmen. Seitdem bestehen zwischen Jugendlichen der Schule und den Selka’s regelmäßige Kontakte.

(nach Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988)

Recherche: Wolfgang Freitag
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.02.2019)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988
Literatur:
Patenschaft: Fa. Farben Fangmann, Torsten Grapengeter
Verlegetermin: 19. September  2019

 

 

 

Jonas „Julius“ Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Julius WOLFF
geboren am 12. August 1891 in Aurich

Straße: Norderstraße 29
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, stirbt 1946
Todesort: Haifa, Israel
Eltern: Julius Wolff (geb.  12.08.1891 in Aurich; verstorben 1946 in Haifa), Henriette Wolff geb. Katz (geb. 10.01.1891 in Guxhagen;verstorben 1954 in Israel)

29.04.1920    Dina wird in Aurich geboren,

Wohnung und Geschäft der Eltern in der Norderstraße 29

20.03.1927    Bruder Heinz Wolff (in Israel: Schlomo) wird geboren 1./ 2.03.1939

Nach der Pogromnacht vom 9. Nov. 1938 verlässt die Familie Aurich mit dem Ziel Palästina.

März 1939     Ankunft der Eltern mit Heinz in Palästina

August 1939  Ankunft Dina Wolff in Palästina

Dina konnte ihren Eltern erst fünf Monate später nach Palästina folgen, da sie auf Grund ihrer Volljährigkeit eine getrennte/eigene Einwanderungserlaubnis benötigte.

Seit 1940      Gemeinsam mit anderen baut Familie Wolff den Moshav‘  Bet-Jizchak auf.

1941   Heirat mit Zwi Selka, den sie in Bet-Jizchak kennenlernt.

Er stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main.

Dina Selka lebt dann mit ihrem Mann Zwi und ihren Kindern im Moshav Bet-Jizchak, bis beide 1993 nach Kfar-Saba in ein Seniorenheim umziehen.

1983         Seit dem ersten Besuch Jugendlicher bei Ex-Aurichern nehmen Dina Selka und ihr Mann an solchen Treffen regelmäßig teil. Dabei erklären sie den jungen Leuten gegenüber immer ihr vorrangiges Interesse, über die Entwicklung der alten Heimat zu hören und die Jugendlichen nicht mit der Historie der vorausgegangenen Generation zu belasten.

Foto vom Treffen 1983: rechts außen v. r. n.l.: Zwi Selka, Dina Selka geb. Wolff, Schlomo Wolff

1984          Besucht Dina Selka mit ihrem Mann Aurich, trifft auch (wie auch bei allen späteren Besuchen) zu einem Teenachmittag mit den jetzigen Besitzern ihres elterlichen Hauses zusammen.

1992          Mit vielen anderen Ex-Aurichern aus aller Welt besuchen Dina Selka und ihr Ehemann für eine „Woche der Begegnung“ Aurich. Dabei verzichten sie gerne auf eine Unter-bringung im Hotel und sind auch bereit, von Aurichern privat untergebracht zu werden.

Dina Selka im März 1988

2002          Besuch Aurichs zur zweiten „Begegnungswoche“ mit Einweihung der Gedenksteine auf dem Platz der ehemaligen Auricher Synagoge.

2005       stirbt Dina Selka in Kwa Saba, Israel

I Moshav = genossenschaftliche Siedlung (Dorf) mit gemeinsamer Wasserverwaltung, Landvergabe; oft auch gemeinsames Marketing; Gemeinschaftseinrichtungen;    aber in Abhebung zu Kibbuzim: erarbeiteter Gewinn bleibt privat, Nutzung des zugewiesenen Landes ist Einzelentscheidung.

Zwi und Dina Selka bemühen sich bis zu Ihrem Tode sehr intensiv um die Kontakte zu Dina Selkas Heimatstadt. Auch nach ihrem Tod vergeht kein Weihnachtsfest ohne Anruf aus Beth Jitzchak bzw. später aus Kfar-Saba.

Weg nach Palästina

Die Ankunft erfolgte im August 1939.

Die Eltern von Dina (Julius und Henriette Wolff)  befanden sich bereits mit dem Bruder Heinz seit März 1939 in Palästina. Die Tochter benötigte eine getrennte Einwanderungserlaubnis aufgrund eines „Affidavit“ (= Bürgschaftserklärung), da sie das 18. Lebensjahr bereits vollendet hatte. Die Einwanderung erfolgte legal mit Erlaubnis der britischen Mandatsbehörden, die sich solche Zertifikate teuer bezahlen ließ.

August 1939 – Überfahrt nach Palästina; auf einem Rettungsbot, links Dina Wolff

Der Aufbau Israels

Recht bald nach ihrer legalen Ankunft begeben sich die Eltern Julius und Henriette mit ihrer Tochter Dina und den Sohn Heinz (nun: Schlomo) in einen neu gegründeten Moshav. (Ein Moshav ist eine genossenschaftliche, landwirtschaftliche Siedlung. Anders als im Kibbuzz — wo Produktionsmittel und Arbeitserträge als Gemeinschaftseigentum gelten — stellt der Moshav zwar auch eine Selbstverwaltungsform dar. Land- und Wasserzuteilung sowie andere Lebensnotwendigkeiten werden unter den Mitgliedern zugeteilt. Das Einkommen der Familie ist aber weitgehend privat verfügbar.)

Ende der 30er Jahre war der Moshav Bet Jizchak gerade neu gegründet worden. Besonders viele deutschsprachige Auswanderer ließen sich dort nieder. (Noch heute sind einige alte Hinweistafeln aus der Gründerzeit deutschsprachig dort zu finden.) Die Probleme bei der Gründung einer solchen landwirtschaftlichen Siedlung waren viel¬schichtig: Das Gelände war vorher nicht landwirtschaftlich genutzt und musste erst mühsam hergerichtet werden. Zum anderen waren diejenigen, die sich nun nach ihrer Vertreibung solchen Aufgaben gegenüber sahen, hierfür überhaupt nicht vorgebildet. Deshalb konnte 1941 das Foto entstehen, das einen britischen Instrukteur zeigt, der die jüdischen Neueinwanderer darin unterweist, wie Gurkensamen fachgerecht auszubringen waren.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

1974 hat die Familie Selka/Wolff Kontakt zu dem Vorsitzenden des Kreissportbundes, Bruno Drees, aufgenommen, als sie von dessen Anwesenheit in Israel zufällig erfuhren. Im darauf folgenden Jahr entstanden Kontakte zu Johannes Diekhoff, der als Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Aurich mit einer Schülerarbeitsgemeinschaft über die Geschichte der jüdischen Gemeinde arbeitete. 1982 wurde ein erstes bescheidenes Treffen ehemaliger Auricher für eine Zusammenkunft mit dem stellver-tretenden Landrat Günter Lüttge organisiert.

Nachdem 1983 erstmalig Schülerinnen und Schüler der IGS Aurich-West Bet Jizchak besuchten, entschloss sich das Ehepaar Selka 1984 seinerseits an einer Fahrt nach Aurich, der alten nun gewandelten Heimatstadt von Dina, teilzunehmen. Seitdem bestehen zwischen Jugendlichen der Schule und den Selka’s regelmäßige Kontakte.

(nach Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988)

Recherche: Wolfgang Freitag
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.02.2019)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988
Literatur:
Patenschaft: Christel und Dirk Berends
Verlegetermin: 19. September  2019

Benjamin „Benni“ Wallheimer

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Benjamin „Benni“ WALLHEIMER
geboren am 6. Mai 1912 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben am 2. August 1992
Todesort: Buenos Aires
  Benjamin Wallheimer ist am 6. Mai 1912 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Levy Benjamin Wallheimer, geboren am 20. November 1881 in Aurich und Regine Reichel Joseph Wallheimer, geborene Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich.

Die Großeltern sind Benjamin Baruch Levy Wallheimer, geboren am 08. Juni 1856 in Aurich und Eva Maria Wallheimer, geborene Herzberg, geboren am 19. Dezember in Aurich, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Markus Mordechai Herzberg, geboren 1822, und Rebekka Herzberg, geborene Mannheim, geboren 1825.

Benjamin Wallheimer hat eine Schwester, Eva Wallheimer ist am 13. März 1911 geboren, und einen Bruder, Josef Wallheimer ist am 12. Juni 1915 in Aurich geboren. Benjamin Wallheimer wohnt mit seinen Eltern Levy Benjamin und Regine Reichel und der Schwester Eva und dem Brudern Josef zunächst in der Norderstraße 19, dann nach dem Tod der Mutter Regine Reichel am 07. September 1931, ab dem 01.April 1932 im Haus der Großeltern Benjamin Baruch und Eva Maria Wallheimer,  Breiter Weg 1.

Ab dem 10. September 1935  wohnt Benjamin Wallheimer mit dem Vater Levy Benjamin und der Schwester Eva und dem Bruder  Josef im Haus der Witwe Henriette Wolff in der Wallstraße 56, heute Wallstraße 54.

Am 20. August 1936 heiratet Benjamin Wallheimers Vater Levy Benjamin Wallheimer die Witwe und Geschäftsfrau Henriette Wolff, geborene Heß.

Benjamin „Benni“ Wallheimer ist von Beruf Viehhändler und Schlachter und betreibt das Geschäft wohl im Haus in der Wallstraße 56, heute Wallstraße 54.

Am 19. November 1937 sind Benjamin Levy Wallheimer und die Eltern Levy Benjamin  und Henriette Wallheimer  aus Aurich abgemeldet (so die Eintragung auf der Meldekarte) nach Barill-Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires, Argentinien. Ob er sich dort zunächst aufhält  oder gleich in der Stadt Buenos Aires bleibt, ist unbekannt. Der Bruder Josef Wallheimer ist bereits am 05. Januar 1937 aus Aurich abgemeldet nach Barill- Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires. Nach Aussage des Neffen Levy „Tito“ Wolff hält sich ein Teil der Familie Wallheimer und Wolff in den Jahren nach 1937 in Buenos Aires auf. Sie arbeiten dort als Schlachter und Kaufleute.

Im Mai 1992 besucht Benjamin Levy „Benni“ im Rahmen der Begegnungswoche in Aurich zusammen mit seinen Neffen Wilhelm „Willi“ und Levy „Tito“ Wolff seine Geburtsstadt.

Kurz nach seinem Besuch in Aurich stirbt  Benjamin „Benni“ Levy Wallheimer am 02. August 1992 in Buenos Aires.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen:  
Literatur:  
Patenschaft: Roberto Lichtenstein
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Josef Wallheimer

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Josef WALLHEIMER
geboren am 12. Juni 1915 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben am 8. Dezember 1982
Todesort: Buenos Aires
Josef Wallheimer ist am 12. Juni 1915 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Levy Benjamin Wallheimer, geboren am 20. November 1881 in Aurich und Regine Reichel Joseph Wallheimer, geborene Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich.

Die Großeltern sind Benjamin Baruch Levy Wallheimer, geboren am 08. Juni 1856 in Aurich und Eva Maria Wallheimer, geborene Herzberg, geboren am 19. Dezember in Aurich, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Markus Mordechai Herzberg, geboren 1822, und Rebekka Herzberg, geborene Mannheim, geboren 1825.

Josef Wallheimer hat eine Schwester, Eva Wallheimer ist am 13. März 1911 in Aurich geboren, und einen Bruder, Benjamin Levy  Wallheimer ist am 16. Mai 1912 in Aurich geboren. Josef Wallheimer wohnt mit seinen Eltern Levy Benjamin und Regine Reichel und der Schwester Eva und dem Brudern Benjamin Levy zunächst in der Norderstraße 19, dann nach dem Tod der Mutter Regine Reichel am 07. September 1931, ab dem 01. April 1932 im Haus der Großeltern Benjamin Baruch und Eva Maria Wallheimer,  Breiter Weg 1.

Josef Wallheimer ist von Beruf Kaufmann (so ist es auf der Meldekarte angegeben) und hält sich ab dem 23. Juli 1934 in Rüstringen auf, kommt aber 1935 zurück, um dann am 08.Januar 1936 wieder in Wilhelmshaven/Rüstringen zu sein. Ob es mit dem Beruf als Kaufmann zu tun hat, ist nicht geklärt.

Am 22. Juni 1936 ist Josef Wallheimer in Neuendorf/Fürstenwalde, (das Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde ist zu dieser Zeit eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte für auswanderungswillige jüdische Bürger nach Palästina- Anmerkung des Verfassers nach Recherche), kommt aber schon nach einem Monat nach Aurich zurück.

                            Benni Samson, Berni Wallheimer und Josef Wallheimer (1937)

Ab dem 19. Juli 1936 wohnt Josef Wallheimer mit dem Vater Levy Benjamin und der Schwester Eva und dem Bruder Benjamin Levy im Haus der Witwe Henriette Wolff in der Wallstraße 56, heute Wallstraße 54.

Am 20. August 1936 heiratet Benjamin Wallheimers Vater Levy Benjamin Wallheimer die Witwe und Geschäftsfrau Henriette Wolff, geborene Heß.

Am 05. Januar 1937 ist Josef Wallheimer aus Aurich abgemeldet nach Barill-Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires, Argentinien. Er ist der erste aus der Familie Wallheimer der dorthin ausreist.

Ob Josef Wallheimer sich zunächst dort aufhält oder in Buenos Aires bleibt, ist nicht zu klären.

Nach Aussage des Neffen Levy „Tito“ Wolff hält sich ein Teil der Mitglieder der Familie Wallheimer und später auch der Familie Wolff ab dem Jahr 1937 und in den Jahren danach in Buenos Aires auf. Sie arbeiten dort als Schlachter und Kaufleute. Näheres ist nicht bekannt.

Josef Wolff stirbt am 08. Dezember 1982 in Buenos Aires.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Roberto Lichtenstein
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Henriette Wallheimer geb. Heß verw. Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Henriette WALLHEIMER geb. Heß verw. Wolff
geboren am 31. März 1889 in Dornum

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben im 29. Juni 1956
Todesort: Buenos Aires
Henriette Heß ist am 30. März 1889 in Dornum geboren. Ihre Eltern sind  Moses Heß, geboren am 27.Februar 1861 und Bertha Pess Wolff Heß, geborene Wolff, geboren am 02. März 1863 in Großefehn.

Die Großeltern sind Joseph Moses Heß und Jette Heß, geborene Weinthal, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Wolf Jacob Wolff, geboren am 26. Januar 1837 in Großefehn und Henriette Hindel Wolff, geborene Rose, geboren am 15. Oktober 1837.

Henriette Heß hat zwölf Geschwister. Neun Geschwister sterben im Säuglings- und Kindesalter. Ihre Schwester Jettchen Jetty Heß, geboren um 09. November 1890 in Dornum, stirbt 1950 in Toledo (Ohio). Sie war mit Abraham Jakob Cohen (1871-1943, Stolperstein in der Marktstraße 16) verheiratet und hatte mit ihm sechs Kinder. Die Schwester Jeanette Schöntje Heß, geboren  am 13. Dezember 1895 in Dornum, stirbt am 13. Dezember 1961 in Norden. Die Schwester Käthe Caroline Heß, geboren am 21. Juni 1901 in Dornum, wohnt später im Haus der Familie Wolff in der Wallstraße 56, stirbt am 03. Mai 1942 in Lodz (Ghetto). Für sie ist in der Wallstraße 56, heute 54, ein Stolperstein verlegt.

Henriette Heß heiratet im Jahr 1908 in Dornum Wilhelm Samuel Wolff, geboren am 12. Mai 1881 in Aurich. Wilhelm Samuel Wolff ist von Beruf Schlachter. Das Ehepaar wohnt in der Wallstraße 56 in Aurich und hat zwei Kinder. Der Sohn Siegfried ist am 29. Oktober 1908 in Aurich geboren. Die Tochter Bertha ist am 02. April 1910 ebenfalls in Aurich geboren.

Bertha Wolff heiratet später in Amsterdam Hans Gottheim. Sie überlebt mit ihrer Familie den Holocaust nicht. Ihr Sterbedatum und Sterbeort ist der 17. Juli 1942 in Auschwitz. Für sie ist der Stolperstein in der Wallstraße 56, heute 54, verlegt.

Am 11. April 1924 stirbt der Ehemann Wilhelm Samuel Wolff an einer Lungenentzündung und wird auf dem Jüdischen Friedhof in Aurich beigesetzt. In der Wallstraße 56 wohnen in den Jahren danach die Witwe und Geschäftsfrau  Henriette Wolff, der Sohn Siegfried und die Tochter Bertha.

Am  12. Mai 1933 heiratet ihr Sohn Siegfried Wolff in Aurich Eva Wallheimer, geboren am 13. März 1911 in Aurich.  Das Ehepaar bekommt zwei Kinder, den Sohn Wilhelm, geboren am 28. Juli 1933 und den Sohn Levy, geboren 11. April 1936 und wohnt im Elternhaus des Siegfried Wolff in der Wallstraße 56.

Am 01. Juni 1936 verlässt das Ehepaar Siegfried und Eva Wolff mit ihren Kindern Wilhelm und Levy Aurich und zieht nach Amsterdam in die Niederlande und von dort nicht ganz zwei Jahre später nach Buenos Aires, Argentinien.

Am 20. August 1936 heiratet Henriette Wolff, geborene Heß, in Aurich den Viehhändler Levy Benjamin Wallheimer, geboren am 20. November 1881 in Aurich. Im Haus der Henriette Wolff leben in dieser Zeit auch die Tochter Bertha Wollf, die Schwester Käthe Caroline Heß und die beiden Söhne des Levy Benjamin, Benjamin Levy und Josef Wallheimer.

Am 19. November 1937 sind das Ehepaar Levy Benjamin und Henriette Wallheimer und der Sohn Benjamin (Benni) Levy abgemeldet aus Aurich nach Barill-Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires, Argentinien. Der Sohn Josef Wallheimer ist bereits am 05. Januar 1937 dorthin abgemeldet.

In Buenos Aires teilt sich die Familie, so ist es dem Bericht des Enkels Levy Wolff zu entnehmen. Einige Mitglieder der Familie Wallheimer und später auch der Familie Wolff bleiben in Buenos Aires und arbeiten als Schlachter und Kaufleute.

Levy Benjamin Wallheimer, im Jahr 1938 kommt der Enkel Levy Wolff dazu, geht in die Barill-Siedlung und bearbeitet ein etwa 100 ha großes landwirtschaftliches Anwesen. Es gibt keinen Strom und keine Autos. Nach Buenos Aires sind es mit der Kutsche und der Eisenbahn zwei Tagesreisen.

Da keine anders lautenden Berichte vorliegen, ist davon auszugehen, dass Henriette Wallheimer, verwitwete Wolff, geborene Heß, in Buenos Aires  verbleibt.

Henriette Wallheimer stirbt am 29. Juni 1956 in Buenos Aires.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Roberto Lichtenstein
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Levy Benjamin Wallheimer

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Levy Benjamin WALLHEIMER
geboren am 20. November 1881 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben im September 1961
Todesort: Buenos Aires
Levy Benjamin Wallheimer ist am 20. November 1881 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Benjamin Baruch Wallheimer, geboren am 08. Juni 1856 in Aurich Und Eva Maria Wallheimer, geborene Herzberg, geboren am 19. Dezember 1856.

Seine Großeltern sind Levy Abraham Wolffs, genannt Wallheimer, geboren am 28. April 1819 in Aurich und Beta Betty Nathan Wolffs, geborene Rosenstein, geboren 1816, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Markus Mordechai Herzberg, geboren 1822, und Rebekka Herzberg, geborene Mannheim, geboren 1825.

Levy Benjamin Wallheimer hat siebzehn Geschwister. Acht  Geschwister sterben (nachweislich) bereits im Säuglings- und Kindesalter. Fünf Geschwister haben den Holocaust nicht überlebt. Für sie sind Stolpersteine in Breiter Weg 1, in der Rudolf-Eucken-Allee 4 und in der Wallstraße 19 verlegt. Der Vater Benjamin Baruch Wallheimer stirbt am 17. Juni 1923, die Mutter Eva Markus Wallheimer am 03. April 1926. Beide Eltern sind auf dem Jüdischen Friedhof in Aurich beigesetzt.

Levy Benjamin Wallheimer heiratet (das Datum ist nicht angegeben) Regine Reichel Joseph Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich. Das Ehepaar hat drei Kinder. Die Tochter Eva ist am 13. März 1911 in Aurich geboren, der Sohn Benjamin Levy ist am 16. Mai 1912 in Aurich geboren und der Sohn Josef ist am 12 Juni 1915 geboren, ebenfalls in Aurich.

Levy Benjamin Wallheimer ist von Beruf Schlachter und wohnt in der Norder Straße 19 und betreibt dort, so ist anzunehmen, eine Schlachterei. Seine Frau Regine Reichel Joseph Wallheimer stirbt 1931 an einer schweren Krankheit und ist in Ibbenbüren beisetzt.

Levy Benjamin Wallheimer  zieht ab dem 01. April 1932 mit den Kinder Eva, Benjamin Levy und Josef in das Haus der Eltern Benjamin Baruch und Eva Maria Wallheimer, Breiter Weg 1. Es ist anzunehmen das nach dem Tod der Eltern dort auch Geschwister von Levy Benjamin wohnen.

Am 12. Mai 1933 heiratet Levy Benjamin Wallheimers Tochter Eva in Aurich Siegfried Wolff, geboren am 19. Oktober 1908 in Aurich. Das Ehepaar wohnt in der Wallstraße 56 im Haus der Mutter von Siegfried Wolff, Henriette Wolff. Am 10. September 1935 zieht Levy Benjamin Wallheimer mit den Söhnen Benjamin Levy und Josef in das Haus der Witwe und Geschäftsfrau Henriette Wolff in die Wallstraße 56, heute 54.

Levy Benjamins Sohn Josef ist ab dem Jahr 23. Juli 1934 zwischenzeitlich in Rüstringen, kehrt aber 1935 nach Aurich zurück, und ist dann wieder ab dem 08. Januar 1936 noch einmal in Wilhelmshaven/Rüstringen.

Am 20. August 1936 heiratet Levy Benjamin Wallheimer in Aurich die Witwe und Geschäftsfrau Henriette Wolff, geborene Heß.

Ab dem 05. Januar 1937 ist Josef Wallheimer aus Aurich abgemeldet nach Barill-Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires, Argentinien.

Am 19. November 1937 sind Levy Benjamin Wallheimer und Henriette Wallheimer, verwitwete Wolff, geborene Heß, und Sohn Benjamin Levy aus Aurich abgemeldet nach Barill-Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires, Argentinien. Hier teilt sich die Familie, so ist es dem Bericht des Enkels Levy Wolff zu entnehmen. Einige Mitglieder der Familie Wallheimer und später auch der Familie Wolff bleiben in Buenos Aires und arbeiten als Schlachter und Kaufleute.

Levy Benjamin Wallheimer, im Jahr 1938 kommt der Enkel Levy Wolff dazu, geht in die Barill-Siedlung, Entre Rios, und bearbeitet ein etwa 100 ha großes landwirtschaftliches Anwesen. Es gibt keinen Strom und keine Autos. Nach Buenos Aires sind es mit der Kutsche und der Eisenbahn zwei Tagesreisen.

Wann Levy Benjamin Wallheimer wieder nach Buenos Aires kommt, ist nicht bekannt.

Levy Benjamin Wallheimer stirbt im September 1961 in Buenos Aires.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Roberto Lichtenstein
Verlegetermin: 19. September  2018

Levy „Tito“ Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Levy „Tito“ WOLFF
geboren am 11. April 1936 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Überlebt den Völkermord
Todesort:
Levy Wolff ist am 11. April 1936 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Siegfried Wolff, geboren am 29. Oktober 1908 in Aurich, und Eva Wolff geborene Wallheimer, geboren  am 13. März 1911 in Aurich. Levy Wolffs Bruder ist Wilhelm Wolff, geboren am 28. Juli 1933 in Aurich.

Die Großeltern sind  Wilhelm Samuel Wolff, geboren am 12. Mai 1881 in Aurich, und Henriette Wolff geborene Heß, geboren am 31. März 1889 in Dornum, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Levy Benjamin Wallheimer, geboren am 20. November 1881 in Aurich und Regine Reichel Wallheimer, geborene Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich.

Levy Wolff lebt mit seinen Eltern Siegfried und Eva Wolff und seinem Bruder Wilhelm im Haus der Großmutter Henriette Wolff in der Wallstraße 56. Der Großvater Wilhelm Samuel Wolff ist bereits am 11. April 1924 verstorben.

Am 01. Juni 1936 verlassen Siegfried und Eva Wolff  und ihre Kinder Wilhelm und Levy Aurich und ziehen nach Amsterdam in den Stadtteil Laandam ( so die Eintragung), heute Zaandam, in die Niederlande. Levy Wolff verlässt Aurich also im Säuglingsalter von zwei Monaten.

Am 04. April 1938 kommt die Familie über Amsterdam nach Argentinien, nach Buenos Aires. Levy Wolff  ist fast zwei Jahre alt. Hier teilt sich die Familie. Levy Wolff kommt zu seinem Großvater Levy Benjamin Wallheimer in die Barill-Siedlung, Entre Rios. (Entre Rios ist eine Provinz im Nordosten Argentiniens – Anmerkung des Verfassers).  Es sind von dort nach Buenos Aires zwei Tagesreisen mit der Kutsche und der Eisenbahn, so berichtet Levy Wolff.

Hier bewirtschaftet der Großvater ein etwa 100 ha großes landwirtschaftliches Anwesen. Es gibt keinen Strom und keine Autos, aber Pferde und Kutschen. Hier erhält Levy Wolff auch den Namen „Tito“, weil, so erzählt er, die Nachbarn  mit dem Namen Levy nicht klarkommen. „Tito“ kommt aus dem Spanischen und heißt so viel wie „kleiner Onkel“.

Im Alter von 8 Jahren kommt Levy „Tito“ Wolff, wie er jetzt heißt, wieder zu seinen Eltern nach Buenos Aires.

Im Jahr 1958 gründet der Vater Siegfried Wolff zusammen mit seinem Sohn Levy Wolff die Importfirma  SIGFRIDO WOLFF e HIJO S. A., dessen alleiniger Firmeninhaber heute Levy Wolff ist.

Ein paar Mal im Jahr besucht Levy „Tito“ Wolff immer noch das „Camp“ (gemeint ist wohl die Barill-Siedlung), so erzählt er. Er besucht dort einen Freund im gleichen Alter wie er, der dort mit ihm zusammen angekommen ist.

Im Mai 1992 besucht Tito Wolff zusammen mit seinem Bruder Wilhelm und seinem Onkel Benjamin Levy „Benni“  Wallheimer im Rahmen der Begegnungswoche in Aurich  seine Geburtsstadt.

Tito ist regelmäßiger Gast bei den Stolpersteinverlegungen in Aurich.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Wolfgang Ontijd
Verlegetermin: 19. September  2018

Wilhelm „Willi“ Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Wilhelm „Willi“ Guillermo WOLFF
geboren am 28. Juli 1933 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben am 30. Januar 2006
Todesort: Buenos Aires
Wilhelm Wolff ist am 28.Juli 1933 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Siegfried Wolff, geboren am 29. Oktober 1908 in Aurichund Eva Wolff, geborene Wallheimer, geboren  am 13. März 1911 in Aurich. Wilhelm Wolffs Bruder ist Levy Wolff, geboren am 11. April 1936 in Aurich.

Die Großeltern sind  Wilhelm Samuel Wolff, geboren am 12. Mai1881 in Aurich, und Henriette Wolff, geborene Heß, geboren am 31. März 1889 in Dornum, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Levy Benjamin Wallheimer, geboren am

20. November 1881 in Aurich und Regine Reichel Wallheimer, geborene Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich.

Wilhelm Wolff lebt mit seinen Eltern Siegfried und Eva Wolff und seinem Bruder Levy im Haus der Großmutter Henriette Wolff in der Wallstraße 56. Der Großvater Wilhelm Samuel Wolff ist bereits am 11. April 1924 verstorben.

Am 01. Juni 1936 verlassen Siegfried und Eva Wolff  und ihre Kinder Wilhelm und Levy Aurich und ziehen nach Amsterdam in den Stadtteil Laandam (so die Eintragung), heute Zaandam, in die Niederlande. Wilhelm Wolff verlässt Aurich also im Kleinkindalter von fast drei Jahren.

Am 04. April 1938 kommt die Familie über Amsterdam nach Argentinien, nach Buenos Aires. Wilhelm Wolff ist fast 5 Jahre alt.

Wilhelm Wolff bleibt mit der Familie in Buenos Aires. Angehörige der  Familie Wallheimer, die ein Jahr zuvor hier angekommen sind, arbeiten hier als Schlachter und Kaufleute. Wilhelm „Willi“ Wolff wird später Architekt.

Im Mai 1992 besucht Wilhelm „Willi“ Wolff  im Rahmen der Begegnungswoche in Aurich zusammen mit seinem Bruder Levy „Tito“ und dem Onkel Benjamin Levy Wallheimer seine Geburtsstadt.

Wilhelm „Willi“ Wolff stirbt am 30. Januar 2006 in Buenos Aires.

Bei der Verlegung  am 18. September 2018 bedankt sich seine Witwe Martha Wolff in einem Brief sehr herzlich für den Stolperstein ihres Mannes.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Elfriede und Günther Lübbers
Verlegetermin: 19. September  2018