Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Hermann Aron

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

Hermann ARON
geboren am 2. August 1901 in Aurich

Straße: Oldersumer Str. 53 (ehemals Georgstr. 53)
Todesdatum: verschollen
Todesort:
Hermann Aron wird am 2. August 1901 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Sophie Aron, geb. Aron, und Gottschalk Hirsch Aron. Sein Vater betreibt in der Norderstr. 37 ein Optikergeschäft, seine Mutter arbeitet als Putzmacherin.

Er ist der ältere Bruder von Johanne und Paula. Hermann wächst mit seinen Schwestern in der Norderstraße 8 auf.

Nach dem Tod des Vaters, der am 19. November 1919 einem Schlaganfall erliegt, zieht die Familie Anfang der 20er Jahre in die Georgstraße 53, heute Oldersumer Straße 53, einem großen Haus, in dem noch eine Witwe eines Predigers, ein Referendar und eine Hausdame wohnen.
Hermann arbeitet als Händler.

Seine Schwestern melden sich am 1. Dezember 1933 nach Amsterdam ab. Vielleicht haben sie die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 richtig gedeutet.

Hermann bleibt zunächst in Aurich bei seiner Mutter Sophie. Gemeinsam folgen sie Johanne und Paula erst Anfang Oktober 1935 nach Amsterdam. Am 6. Februar 1936 meldet er sich von dort schon wieder ab (sein Wegzug wird in Aurich am 23.07.1936 amtlich vermerkt): Er will zurück nach Deutschland, allerdings nicht nach Aurich, sondern ins Ruhrgebiet, nach Essen. Dort verliert sich seine Spur. Ob er je im Ruhrgebiet angekommen ist, lässt sich derzeit nicht feststellen. 1954 beschließt das Amtsgericht Aurich ihn für tot zu erklären, und zwar für den 6. Februar 1936.

Seine Mutter Sophie Aron und seine Schwestern Paula und Johanne werden zunächst in Westerbork interniert und von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Gunter Demnig bei der Verlegung

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.03.2018)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA- Standort Aurich- : Meldekartei der Stadt Aurich (Dep. 34 C Nr. 1203/1)

Auskunft von Jose Martin, Erinnerungszentrum Lager Gedenkstätte Westerbork

Literatur:
Patenschaft: Paulusgemeinde Aurich-Kirchdorf
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Helmut Wolff

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

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Helmut WOLFF
geboren am 8. Mai 1929 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 6.10.1944
Todesort: Auschwitz

Helmut Wolff, Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich

Helmut Wolff, Foto Caroline Wolff jetzt Lea Rotfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Helmut Wolff wird am 8. Mai 1929 als jüngstes von vier Kindern seiner Eltern Daniel Wolff und Henny Wolff geb. Hartogsohn in Aurich geboren. Er wächst bei seiner Familie in der Fockenbollwerkstraße 12 auf. Im Jahr 1936 zieht die Familie vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen, da der Vater seinen Betrieb als Schlachter und Viehhändler aufgrund der Repressalien aufgeben musste,  in die Wallstraße 56 um.
Daniel und Henny planen, mit dem zehnjährigen Sohn Helmut in die Niederlande auswandern, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges macht diese Pläne letztendlich zunichte. Als alle jüdischen Einwohner Aurichs Anfang 1940 die Aufforderung erhalten, Ostfriesland bis zum 1. April zu verlassen, ziehen Daniel und Henny nach Dortmund, in die Märkische Straße 70. Später sind sie unter der Adresse Ostenhellweg 41 gemeldet. Da sie nicht wissen, ob und wann sie eine ausreichend große Unterkunft finden, wird der elfjährige Helmut in Köln, vermutlich in einem jüdischen Kinderheim, untergebracht. Viele Kinder aus Ostfriesland wurden damals vorübergehend nach Köln oder Hildesheim geschickt. Sowohl Helmut als auch Senta ziehen später jedoch auch nach Dortmund, wobei das genaue Datum hierfür nicht bekannt ist. Daniel, seine Frau Henny und ihr Sohn Helmut werden am 29. Juli 1942 von Dortmund aus nach Theresienstadt deportiert (Transport X/1, Liste s.u.). Über zwei Jahre leben sie in dem Ghetto. Am 28. September 1944 muss sich Daniel von seiner Frau und seinem Sohn Helmut verabschieden: Er wird von Theresienstadt nach Auschwitz, ins Vernichtungslager, deportiert. Er wird dort vermutlich direkt nach seiner Ankunft ermordet. Daniel wurde 58 Jahre alt. Sein vierzehnjähriger Sohn Helmut und seine Frau Henny werden nur acht Tage nach ihm nach Auschwitz deportiert und dort ebenfalls umgebracht. Lediglich zwei der Kinder, Ernst und Caroline, überleben den Holocaust.In der Biografie von Helmuts Vater Daniel Wolff finden sich ausführliche Informationen über seine Eltern und Geschwister.

Hier der Text der Konfirmanden:
Unsere Konfirmandengruppe hat die Patenschaft für den Stolperstein von Helmut Samuel Wolff übernommen.
Er wurde am 8.05.1929 in Aurich geboren und wohnte in der Wallstraße 26, zwischen der heutigen 54 und 54a. Am 20.04.1940 wurde er im Alter von 10 Jahren von seinen Eltern in den Zug gesetzt mit der Hoffnung, in Köln in einem Kinderheim der jüdischen Gemeinde besser überleben zu können als in Aurich. Er wurde von Köln nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz  gebracht. Dort endete sein Leben.

Wir haben im Staatsarchiv Aurich ein Photo von ihm gefunden, das ihn als 10-jährigen Jungen zeigt. Er trägt dabei eine Trachtenhose. Mit seinem Bruder Ernst Wolff haben wir am 15.10.2014 telefoniert und ihm eine E-Mail gesandt. Sein Bruder Ernst Wolff war 5 Jahre älter als Helmut. Er hat erzählt, dass er selbst im Alter von 14 Jahren nach Holland geflüchtet ist. Dort ist er 1942 gefangen genommen worden und nach Westerbork ins KZ gekommen. Von dort kam er nach Theresienstadt, nach Auschwitz, Schwarzheide und wieder nach Theresienstadt, wo er seine Eltern und seinen Bruder wiedertraf. Als er aus dem KZ befreit wurde, wog er nur noch 27kg. Er konnte nicht mehr laufen. Am Tag vor dem Abtransport konnte er wählen, ob er lieber mit dem LKW transportiert werden möchte. Er entschied sich, doch zu Fuß zu gehen. Das war seine Rettung. Der LKW wurde während des Transports am nächsten Tag zerbombt.

Jetzt lebt Ernst Wolff in Israel. Er ist 90 Jahre alt (2015) und lebt in einem Altersheim. Seine Frau ist am 3. Oktober 2014 verstorben. Die Kosten des Altersheims sind so hoch, dass er sie kaum bezahlen kann.
Er wirkte beim Telefonat offen und gab gerne Auskunft, aber er war auch traurig. Wir hörten gespannt zu, was er erzählte.
Zum Schluss fragten wir ihn, ob er uns noch etwas sagen möchte. Daraufhin sagte er: Ich schätze Euer Gedenken an die Opfer des Dritten Reiches, an die noch Lebenden und die nicht mehr Lebenden. Darauf sagten wir: Wir denken am 9.11. und am 27.1. besonders an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Darauf sagte er: Ich denke jeden Tag daran, jede Stunde.
Und wir sagten, dass wir seinem Sohn ein Bild geben möchten von unserer Gruppe, aufgenommen vor dem Haus der Familie in der Wallstraße und auf dem jüdischen Friedhof.

Recherche: Konfirmandengruppe der ev. – ref. Kirche Aurich (2015) und Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.03.2020)
Foto: https://photos.yadvashem.org/photo-details.html?language=en&item_id=976650&ind=8
NLA, Kennkarte Helmut Wolff, 1939
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943
Literatur:
Patenschaft: Konfirmandengruppe Ev.-ref. Kirche Aurich 2015
Verlegetermin: 27. Januar  2015

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Senta Wolff

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

Senta Sara WOLFF
geboren am 26. August 1922 in Aurich

 

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Zamosc ab Dortmund am 30.04.1942
Todesort: Unbekannt

Senta Sara Wolf

Senta Wolff wird am 26. August 1922 als drittes von vier Kindern ihrer Eltern Daniel Wolff und Henny Wolff geb. Hartogsohn in Aurich geboren. Senta wächst bei ihrer Familie in der Fockenbollwerkstraße 12 auf.
Nach dem Umzug in die Wallstraße 56 im Jahr 1936 geht Senta „in Stellung“ bei Familie Sternberg, später arbeitet sie als Hausmädchen bei Knurrs – beides bekannte Kaufmannsfamilien.

Später findet sie einen Platz auf einem Lehrgut das sie auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet soll, dem Gut Gehringshof bei Fulda. Mit einer abgeschlossenen landwirtschaftlichen Ausbildung konnte man von der britischen Regierung, die Palästina damals verwaltete, ein Zertifikat zur Einwanderung erhalten. Die Anzahl der Zertifikate, die es erlaubten, nach Palästina zu immigrieren, war jedoch sehr begrenzt. Senta erhält die begehrten Papiere nicht.

Spätestens im Herbst 1941, als die Ausbildungsstätte von den Nationalsozialisten geschlossen wird, zieht sie nach Dortmund. Es spricht allerdings einiges dafür, dass Senta nicht bei ihren Eltern und Helmut in der Wohnung im Ostenhellweg eingezogen ist, da sie nicht mit diesen gemeinsam deportiert wird: Senta wird bereits am 30. April 1942 nach Zamosc deportiert. Diese Deportation wird ausführlich dargestellt in: Ralf Piorr / Peter Witte (Hg.), Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942 (auch als PDF, s. u.).
An diesem Tag werden 790 Menschen in das Ghetto in Polen verbracht, der Zug kommt am 3. Mai 1942 an. Wenige Tage zuvor waren bereits zwei Züge mit insgesamt fast 2000 Gefangenen aus Theresienstadt in Zamosc angekommen. Die vielen Neuankömmlinge werden im Ghetto notdürftig untergebracht und schnellstmöglich weiter deportiert: Keinen Monat später sind von den fast 3000 Menschen, die Anfang Mai angekommen waren, nur noch rund 1000 im Ghetto. Das Schicksal von Senta bleibt im Dunkeln, von ihr fehlt jede Spur.
In der Biografie von Sentas Vater Daniel Wolff finden sich ausführliche Informationen über ihre Eltern und Geschwister.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.03.2020)
Foto: Senta: https://photos.yadvashem.org/photo-details.html?language=en&item_id=9029023&ind=29
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943
http://www.schoah.org/schoah/todesmarsch.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/Atlit_detainee_camp
http://www.hagalil.com/archiv/2000/11/patria.htm
Literatur: http://de.wikipedia.org/wiki/Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014
http://fuldawiki.de/fd/index.php?title=Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014
Ralf Piorr / Peter Witte (Hg.), Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942,
auch als PDF:
http://zamosc-jews.com/wb/media/articles/shoa/Deportation%20Arnsberg-Zamosc_April1942.pdf
Patenschaft:

Verlegetermin:

Rosemarie und Hans-Hermann Harms

27.01.2015

Röschen Sternberg geb. Stein

Veröffentlicht: 23. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Röschen STERNBERG geb. STEIN
geboren am 11. Juni 1861 in Emden

Straße: Osterstraße 16/18
Todesdatum: 19. Februar 1937
Todesort: Aurich
Röschen Stein wird am 11. Juni 1861 in Emden geboren. Sie ist die Tochter des Schlachters Abraham Isaac Stein (20.06.1816 Emden – 14.04.1897 Emden) und Betty Behla Benjamin Stein geb. Wolffs (19.01.1828 Aurich – 20.07.1898 Emden). Diese heiraten am 3.06.1851 und haben neun Kinder: Benjamin Baruch Bendit Abraham Stein (*3.03.1852), Therese Stein verh. Gossel-Stein (*27.02.1854), Isaac Stein (*13.04.1856), Bernhard Stein (*30.10.1858), Röschen, Levi Stein (*8.10.1863), Wolf Abraham Stein (*23.12.1865), Guste Stein (* 4.08.1867) und Zerline verh. de Taube (*29.04.1870).Benjamin, Levi und Wolf sterben bereits im Kindesalter. Therese Gossel-Stein stirbt am 30.12.1942 in Haarlemmermeer (NL). Die jüngste Tochter Zerline de Taube geb. Stein wird am 19.07.1942 nach Treblinka deportiert und dort am 21.07.1942 ermordet. Über die anderen Geschwister von Röschen konnten wir nichts herausfinden.

Röschen wächst in Emden auf. Sie heiratet im Jahr 1887 den Auricher Kaufmann Jacob Meyer Sternberg (s. Biografie) und zieht nach Aurich. Jacob Meyer Sternberg führt in Aurich das Geschäft seines Vaters, ein Kaufhaus in der Osterstraße.

Jacob und Röschen Sternberg mit ihren Kindern ca, 1904, v. l. Röschen, Max, Erich, Leo (sitzend), Alfred, Jakob und Joseph. Der Sohn Bruno war zum Zeitpunkt des Fotos bereits verstorben. (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 9)

Röschen und Jacob Sternberg haben sieben Söhne: Max (*1889), Alfred (*1890), Bruno/Bendix (*1892), Leo (*1894), Joseph (*1896), Bendix (*1900) und Erich (*1901). Bruno und Bendix sterben bereits im Kindesalter. Alfred zieht 1907 mit seinem Onkel Siegfried Sternberg und seiner Tante Anna geb. Lichtenfeld nach North Carolina, als die ihn nach einem Besuch in Aurich bei sich aufnehmen.

Die Söhne Max, Leo und Joseph dienen im 1. Weltkrieg. Joseph fällt bereit am 5.12.1914 in Russland. Max und Leo werden verletzt und erhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse sowie weitere Auszeichnungen.

Im Jahr 1919 übernehmen Max (s. Biografie) und Erich Sternberg (s. Biografie) das Geschäft ihres Vaters Jacob Sternberg. Zu der Zeit arbeiten dort 28 Angestellte. Leo heiratet Recha Wolff aus Leer und steigt dort in das Geschäft seines Schwiegervaters Salomon Wolff (s. Biografie) ein.

Kaufhaus Meyer Sternberg ca. 1923 (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 11)

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird auch in Aurich zum Boykott von jüdischen Geschäften aufgerufen. Der darauffolgende Rückgang des Geschäftes, die persönlichen Anfeindungen und Ausgrenzungen aus dem öffentlichen Leben führen dazu, dass die Familie eine Auswanderung in die USA erwägt.

Erich Sternberg flieht im Januar 1936 in die USA und kann dort mit Unterstützung seines Onkels Siegfried Fuß fassen. Im Dezember 1936 können Erichs Frau Lea geb. Knurr und ihre drei Kinder ihm in die USA folgen.

Max Sternberg bleibt zunächst mit seiner Frau Frieda und ihrem Sohn Manfred noch in Aurich. Er möchte bei seinen Eltern bleiben, die nicht auswandern wollen, und hofft, dass er das Geschäft weiterführen kann.

Auch Leo Sternberg flieht Ende 1936 aus Emden in die USA. Im April 1937 können Leos Frau Resi, die Tochter Irmgard und der Neffe Manfred (Sohn von Max und Frieda Sternberg) ihm in die USA folgen.

Röschen Sternberg verstirbt am 19.02.1937 im Alter von 75 Jahren und liegt auf dem Auricher Judenfriedhof begraben. Eigentlich hatte sie vor, mit ihrem Mann nach Berlin zu ziehen.

Im Jahr 1938 ist dann auch Max entschlossen, in die USA zu emigrieren und kann seinen Vater, der nun Witwer ist, davon überzeugen, nicht nach Berlin zu ziehen, sondern mit auszuwandern.

Am 6.06.1938 kommt Jacob im Alter von 81 Jahren zusammen mit seinem Sohn Max und dessen Frau in den USA an – gerade noch rechtzeitig vor dem Novemberpogrom 1938.

Hans-Joachim Sternberg (s. Biografie), Sohn von Erich Sternberg, berichtet, dass sein Großvater Jacob Sternberg seine Frau Röschen und seine alte Heimat sehr vermisste. Er erzählt, dass für ihn als Kind sein Großvater sein bester Freund war, dass er viel mit ihm spielte und mit ihm Deutsch sprach.

Jacob Sternberg lernte nicht mehr so richtig die englische Sprache, obwohl die Enkelkinder versuchten, es ihm beizubringen. Er stirbt am 22.10.1941 im Alter von 84 Jahren in Baton Rouge, Louisiana, an Magenkrebs.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 1.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Datenbanken:
https://www.geni.com/people/Jakob-Meyer-Sternberg/6000000023057512244
https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I6254&lang=de
Literatur: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009
Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012.
Patenschaft: Bündnis 90/Die Grünen
Verlegetermin: Geplant: April 2023

Jacob Meyer Sternberg

Veröffentlicht: 23. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Jacob Meyer STERNBERG
geboren am 24. Dezember 1856 in Aurich

Straße: Osterstraße 16/18
Todesdatum: 22. Oktober 1941
Todesort: Baton Rouge
Jacob Meyer Sternberg wird am 24. Dezember 1856 in Aurich geboren. Nach der Familiengeschichte („We were merchants“, S. 8) ist Jacob das älteste von neun Kindern des Kaufmanns Meyer Salmon Sternberg (18.08.1821 Aurich – 28.04.1885 Aurich) und seiner Ehefrau Eva Jakob Sternberg geb. Hoffmann (1831 Aurich – 28.04. 1914 Aurich). Sie heirateten im Jahr 1854.
In der Datenbank „genealogy.net“ (Link s. u.) finden sich zu Jacobs Geschwistern abweichende Angaben.
Zwei von Jacobs Brüdern, Joseph und Siegfried, emigrieren bereits in jungen Jahren im April 1891 in die USA. Das sollte sich später für die Familienmitglieder, die in den 30er Jahren vor dem Naziterror in die USA fliehen wollten, als hilfreich erweisen.Jacob Meyer Sternberg führt das Geschäft seines Vaters, ein Kaufhaus in der Osterstraße weiter. Er heiratet 1887 Röschen Stein aus Emden (11.06.1861 Emden – 19.02.1937 Aurich). Sie haben sieben Söhne: Max (*1889), Alfred *1890, Bruno/Bendix *1892, Leo *1894, Joseph *1896, Bendix *1900 und Erich *1901. Bruno und Bendix sterben bereits im Kindesalter. Alfred zieht 1907 mit seinem Onkel Siegfried Sternberg und seiner Tante Anna geb. Lichtenfeld nach North Carolina, als die ihn nach einem Besuch in Aurich bei sich aufnehmen.

Jacob und Röschen Sternberg mit ihren Kindern ca, 1904, v. l. Röschen, Max, Erich, Leo (sitzend), Alfred, Jakob und Joseph. Der Sohn Bruno war zum Zeitpunkt des Fotos bereits verstorben. (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 9)

Die Söhne Max, Leo und Joseph dienen im 1. Weltkrieg. Joseph fällt bereit am 5.12.1914 in Russland. Max und Leo werden verletzt und erhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse sowie weitere Auszeichnungen.

Im Jahr 1919 übernehmen Max (s. Biografie) und Erich Sternberg (s. Biografie) das Geschäft ihres Vaters Jacob Sternberg. Zu der Zeit arbeiten dort 28 Angestellte. Leo heiratet Recha Wolff aus Leer und steigt dort in das Geschäft seines Schwiegervaters Salomon Wolff (s. Biografie) ein.

Kaufhaus Meyer Sternberg ca. 1923 (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 11)

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird auch in Aurich zum Boykott von jüdischen Geschäften aufgerufen. Der darauffolgende Rückgang des Geschäftes, die persönlichen Anfeindungen und Ausgrenzungen aus dem öffentlichen Leben führen dazu, dass die Familie eine Auswanderung in die USA erwägt.

Erich Sternberg flieht im Januar 1936 in die USA und kann dort mit Unterstützung seines Onkels Siegfried Fuß fassen. Im Dezember 1936 können Erichs Frau Lea geb. Knurr und ihre drei Kinder ihm in die USA folgen.

Max Sternberg bleibt zunächst mit seiner Frau Frieda und ihrem Sohn Manfred noch in Aurich. Er möchte bei seinen Eltern bleiben, die nicht auswandern wollen, und hofft, dass er das Geschäft weiterführen kann.

Auch Leo flieht Ende 1936 aus Emden in die USA. Im April 1937 können Leos Frau Resi, die Tochter Irmgard und der Neffe Manfred (Sohn von Max und Frieda Sternberg) ihm in die USA folgen.

Im Jahr 1938 ist dann auch Max entschlossen, in die USA zu emigrieren und kann seinen Vater, der seit dem 19.02.1937 Witwer ist, davon überzeugen, nicht nach Berlin zu ziehen, sondern mit auszuwandern.

Am 6.06.1938 kommt Jacob im Alter von 81 Jahren zusammen mit seinem Sohn Max und dessen Frau in den USA an – gerade noch rechtzeitig vor dem Novemberpogrom 1938.

Hans-Joachim Sternberg (s. Biografie), Sohn von Erich Sternberg, berichtet, dass sein Großvater Jacob Sternberg seine Frau Röschen und seine alte Heimat sehr vermisste. Er erzählt, dass für ihn als Kind sein Großvater sein bester Freund war, dass er viel mit ihm spielte und mit ihm Deutsch sprach.

Jacob Sternberg lernte nicht mehr so richtig die englische Sprache, obwohl die Enkelkinder versuchten, es ihm beizubringen. Er stirbt am 22.10.1941 im Alter von 84 Jahren in Baton Rouge, Louisiana, an Magenkrebs.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 1.03.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Datenbanken:
https://www.geni.com/people/Jakob-Meyer-Sternberg/6000000023057512244
https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I6254&lang=de
Literatur: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009

Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012.

Patenschaft: Sibylle Nixdorf und Carsten Wilhelm-Nixdorf
Verlegetermin: Geplant: April 2023

Merri Therese Gidansky verh. Knurr

Veröffentlicht: 21. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Merri Therese GIDANSKY verh. Knurr
geboren am 25. Mai 1911 in Aurich

Straße: Marktplatz 31
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstirbt am 14. März 2002
Todesort: Chicago
Merri Therese Gidansky wird am 25. Mai 1911 als Tochter von Karl Gidansky und Gertrude  Gidansky geb. Hoffmann in Aurich geboren. Die Familie wohnt zunächst in einer Wohnung oberhalb der Synagoge, denn Karl Gidansky ist dort Hausmeister und Gelli ist verantwortlich für die rituellen Bäder der Frauen.

Merri mit ihrer Mutter Gertrude „Gelli“ Gidansky

Im April 1914 wird Merris Bruder Erich geboren. 1921 zieht die Familie um in das Haus Marktplatz 31, das der Vater gekauft hat, um dort im Erdgeschoss einen Tabakladen zu betreiben.

Merri  besucht in Aurich das Mädchengymnasium. Sie wäre gern Zahnärztin geworden, aber entweder die Einschränkungen für Juden oder ein Mangel am nötigen Geld (oder beides zusammen) verhindern das. Anfang der dreißiger Jahre macht sie mehrere Reisen, ihrem Reisepass des „Deutschen Reiches“  und ihrer Meldekarte zufolge nach Memel in Litauen.     Dort besucht sie vermutlich Familienmitglieder, denn ihr Vater Karl Gidansky stammt von dort. Im Spätsommer 1930 muss eine Verwandte von ihr, nämlich Paula Gidansky aus Memel, wie Merri Jahrgang 1911, für einige Wochen als „Haustochter“ bei den Gidanskys in Aurich gewohnt haben. Merri lebt nach ihren Reisen weiter bei ihren Eltern im Haus am Marktplatz und hilft im Tabak-Geschäft aus, bis ihr Vater Karl 1936 vermutlich an einem Krebsleiden stirbt.  Danach ist Merri überwiegend  mit ihrer Mutter zu Hause.

Mary Knurr geb. Gigansky – Anfang der 1930ger Jahre

Das Leben für Menschen jüdischen Glaubens wird immer schwieriger, so dass sie und ihre Mutter daran denken, aus Deutschland zu fliehen. Im August 1938 verkauft ihre Mutter das Haus am Marktplatz.

Die Pogromnacht ( 9./10. November 1938) behält Merri in sehr bedrückender Erinnerung. Im Dezember 1938 wird ihr von der Reichsregierung mitgeteilt , dass ihr 2. Name nun „Sarah“ sei.  Am 15. November 1938 bekommt sie vom Amerikanischen Konsulat ein Visum für ihre Flucht. Sie muss im Januar 1939 von Hamburg aus allein gestartet sein. Zuerst fährt sie nach New York City, wo sie für eine kurze Zeit bei Verwandten bleibt, danach geht sie nach Pittsburg PA, um die Familie ihres Onkels und ihrer Tante, die Levys, wiederzusehen, die schon viele Jahre früher aus Memel gekommen sind. In deren großem Haus bleibt sie, bis ihre Mutter  und ihr Verlobter, Hermann Knurr, 1940 auch in die USA kommen können.

Merri (nun Mary) und Hermann, der auch aus Aurich stammt (geb. 1908), heiraten am 23. Februar 1941 im Haus von Verwandten in Chicago und ziehen danach um nach Baton Rouge, in Begleitung von Mary‘s Mutter, Gertrude. Sie leben dort viele Jahre. Hermann und Mary arbeiten beide in dem Kaufhaus, das Hermanns Schwester und seinem Schwager gehört  (Lea und Erich Sternberg). 1944 wird ihre Tochter Carol geboren, und ihre Großmutter Gertrude kümmert sich um sie und um den Haushalt der Familie.  In den 1950-er Jahren bekommt Mary Probleme mit der Wirbelsäule und kann nicht mehr in dem Geschäft arbeiten. Nach einer Operation beginnt sie für die Regierung in Louisiana zu arbeiten und bleibt dort für längere Zeit.

Hermann und Mary Knurr – 1962

Am 24. Juli 1974 stirbt ihr Mann Hermann. Mary kehrt danach als Büroangestellte ins Kaufhaus Sternberg zurück, wo sie bis über ihren 80. Geburtstag hinaus arbeitet. In ihrer Synagogen-Gemeinde ist sie ein treues Mitglied und besucht regelmäßig die Gottesdienste.

Nach dem Tod ihrer Mutter (1983) lebt sie allein bis 1997 in Baton Rouge. Zu dem Zeitpunkt verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand so sehr, dass sie nach Chicago umzieht, wo ihre einzige Tochter, Carol, mit ihrer Familie lebt. Die letzten Jahre ihres Lebens verbringt sie in Chicago in einer Selbsthilfe-Einrichtung für ältere Menschen. Die ist in den 1950-er Jahren von anderen deutschen Juden, die auch  aus Deutschland fliehen mussten, für deren Eltern gegründet worden. Sie lebt dort zusammen mit vielen anderen Bewohnern, die wie sie selbst aus Deutschland geflohen sind.

Mary stirbt am 14. März 2002  und wird in Baton Rouge in der Nähe der Gräber ihres Mannes Hermann und ihrer Mutter Gertrude beigesetzt.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 16.02.2019)
Foto: Carol Kain
Opfergruppe: Juden
Quellen: Nds. Landesarchiv Aurich, Rep. 16/1;
Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Familie Knurr/Gidansky
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

Dina Wolff verh. Selka

Veröffentlicht: 21. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Dina WOLFF verh. Selka
geboren am 29. April 1920 in Aurich

Straße: Norderstraße 29
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, stirbt 2005
Todesort: Kwa Saba, Israel
Eltern: Julius Wolff (geb.  12. 08.1891 in Aurich; verstorben 1946 in Haifa), Henriette Wolff geb. Katz (geb. 10.01.1891 in Guxhagen; verstorben 1954 in Israel)29.04.1920    Dina wird in Aurich geboren, Wohnung und Geschäft der Eltern in der Norderstraße 29

20.03.1927    Bruder Heinz Wolff (in Israel: Schlomo) wird geboren

1./ 2. 03. 1939   Nach der Pogromnacht vom 9. Nov. 1938 verlässt die Familie Aurich mit dem Ziel Palästina.

März 1939     Ankunft der Eltern mit Heinz in Palästina

August 1939  Ankunft Dina Wolff in Palästina

Dina konnte ihren Eltern erst fünf Monate später nach Palästina folgen, da sie auf Grund ihrer Volljährigkeit eine getrennte/eigene Einwanderungserlaubnis benötigte.

Seit 1940      Gemeinsam mit anderen baut Familie Wolff den Moshav‘  Bet-Jizchak auf.

1941   Heirat mit Zwi Selka, den sie in Bet-Jizchak kennenlernt. Er stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main. Dina Selka lebt dann mit ihrem Mann Zwi und ihren Kindern im Moshav Bet-Jizchak, bis beide 1993 nach Kfar-Saba in ein Seniorenheim umziehen.

1983         Seit dem ersten Besuch Jugendlicher bei Ex-Aurichern nehmen Dina Selka und ihr Mann an solchen Treffen regelmäßig teil. Dabei erklären sie den jungen Leuten gegenüber immer ihr vorrangiges Interesse, über die Entwicklung der alten Heimat zu hören und die Jugendlichen nicht mit der Historie der vorausgegangenen Generation zu belasten.

Foto vom Treffen 1983: rechts außen v. r. n.l.: Zwi Selka, Dina Selka geb. Wolff, Schlomo Wolff

1984          Besucht Dina Selka mit ihrem Mann Aurich, trifft auch (wie auch bei allen späteren Besuchen) zu einem Teenachmittag mit den jetzigen Besitzern ihres elterlichen Hauses zusammen.

1992          Mit vielen anderen Ex-Aurichern aus aller Welt besuchen Dina Selka und ihr Ehemann für eine „Woche der Begegnung“ Aurich. Dabei verzichten sie gerne auf eine Unter-bringung im Hotel und sind auch bereit, von Aurichern privat untergebracht zu werden.

Dina Selka im März 1988

2002          Besuch Aurichs zur zweiten „Begegnungswoche“ mit Einweihung der Gedenksteine auf dem Platz der ehemaligen Auricher Synagoge.

2005       stirbt Dina Selka in Kwa Saba, Israel

I Moshav = genossenschaftliche Siedlung (Dorf) mit gemeinsamer Wasserverwaltung, Landvergabe; oft auch gemeinsames Marketing; Gemeinschaftseinrichtungen;    aber in Abhebung zu Kibbuzim: erarbeiteter Gewinn bleibt privat, Nutzung des zugewiesenen Landes ist Einzelentscheidung.

Zwi und Dina Selka bemühen sich bis zu Ihrem Tode sehr intensiv um die Kontakte zu Dina Selkas Heimatstadt. Auch nach ihrem Tod vergeht kein Weihnachtsfest ohne Anruf aus Beth Jitzchak bzw. später aus Kfar-Saba.

Weg nach Palästina

Die Ankunft erfolgte im August 1939.
Die Eltern von Dina befanden sich bereits mit dem Bruder Heinz seit März 1939 in Palästina. Die Tochter benötigte eine getrennte Einwanderungserlaubnis aufgrund eines „Affidavit“ (= Bürgschaftserklärung), da sie das 18. Lebensjahr bereits vollendet hatte. Die Einwanderung erfolgte legal mit Erlaubnis der britischen Mandatsbehörden, die sich solche Zertifikate teuer bezahlen ließ.

August 1939 – Überfahrt nach Palästina; auf einem Rettungsbot, links Dina Wolff

Der Aufbau Israels

Recht bald nach ihrer legalen Ankunft begeben sich die Eltern Julius und Henriette mit ihrer Tochter Dina und den Sohn Heinz (nun: Schlomo) in einen neu gegründeten Moshav. (Ein Moshav ist eine genossenschaftliche, landwirtschaftliche Siedlung. Anders als im Kibbuzz — wo Produktionsmittel und Arbeitserträge als Gemeinschaftseigentum gelten — stellt der Moshav zwar auch eine Selbstverwaltungsform dar. Land- und Wasserzuteilung sowie andere Lebensnotwendigkeiten werden unter den Mitgliedern zugeteilt. Das Einkommen der Familie ist aber weitgehend privat verfügbar.)

Ende der 30er Jahre war der Moshav Bet Jizchak gerade neu gegründet worden. Besonders viele deutschsprachige Auswanderer ließen sich dort nieder. (Noch heute sind einige alte Hinweistafeln aus der Gründerzeit deutschsprachig dort zu finden.) Die Probleme bei der Gründung einer solchen landwirtschaftlichen Siedlung waren viel¬schichtig: Das Gelände war vorher nicht landwirtschaftlich genutzt und musste erst mühsam hergerichtet werden. Zum anderen waren diejenigen, die sich nun nach ihrer Vertreibung solchen Aufgaben gegenüber sahen, hierfür überhaupt nicht vorgebildet. Deshalb konnte 1941 das Foto entstehen, das einen britischen Instrukteur zeigt, der die jüdischen Neueinwanderer darin unterweist, wie Gurkensamen fachgerecht auszubringen waren.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

1974 hat die Familie Selka/Wolff Kontakt zu dem Vorsitzenden des Kreissportbundes, Bruno Drees, aufgenommen, als sie von dessen Anwesenheit in Israel zufällig erfuhren. Im darauf folgenden Jahr entstanden Kontakte zu Johannes Diekhoff, der als Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Aurich mit einer Schülerarbeitsgemeinschaft über die Geschichte der jüdischen Gemeinde arbeitete. 1982 wurde ein erstes bescheidenes Treffen ehemaliger Auricher für eine Zusammenkunft mit dem stellver-tretenden Landrat Günter Lüttge organisiert.

Nachdem 1983 erstmalig Schülerinnen und Schüler der IGS Aurich-West Bet Jizchak besuchten, entschloss sich das Ehepaar Selka 1984 seinerseits an einer Fahrt nach Aurich, der alten nun gewandelten Heimatstadt von Dina, teilzunehmen. Seitdem bestehen zwischen Jugendlichen der Schule und den Selka’s regelmäßige Kontakte.

(nach Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988)

Von Dr. Franz-Josef Wittstamm aus Bochum erhielten wir den folgenden Link zu Hermann Selka, der sich später in Zwi umbenannte.

Spuren im Vest

Juden im Vest Recklinghausen

Selka Hermann

 

Recherche: Wolfgang Freitag
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.02.2019)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Ulla und Heinrich Winkelmann
Verlegetermin: 19. September  2019

Prof. Adolf Friedrich Jensen

Veröffentlicht: 20. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Prof. Adolf Friedrich JENSEN
geboren am 21. Januar 1878 in Landwehr bei Kiel

Straße: Oldersumer Str. 74 (Ort des Verstecks)
Todesdatum: 6. Februar 1965
Todesort: Aurich
Adolf Friedrich Jensen wird am 21. Januar 1878 in Landwehr bei Kiel geboren. Sein Vater war dort Gutsinspektor auf dem Gut Quarmbeck. Adolf hat vier Brüder und vier Schwestern und wächst mit einer Gouvernante auf.

Prof. Adolf Friedrich Jensen, Foto: Wikipedia

Nach der Lehrerausbildung beginnt er 1899 seine Berufstätigkeit als Lehrer in Kiel. 1903 wird er nach Lauenburg versetzt, 1905 nach Hamburg.
1920 wird Adolf Jensen zum Rektor an die Neuköllner Versuchsschule „Rütlischule“ berufen. Hier kann er seine Vorstellungen von einer modernen, schülerfreundlichen Schule umsetzen. Nach Vortragsreisen im gesamten Reichsgebiet zur Reformpädagogik wird er 1929 als Professor für Methodik und Didaktik an die Technische Hochschule in Braunschweig berufen.

Im Jahr 1933 wird der Sozialdemokrat (Parteimitglied seit 1907) Adolf Jensen von den Nazis aus dem braunschweigischen Staatsdienst entlassen. Danach versucht er seinen Lebensunterhalt mit Privatunterricht zu verdienen und unterrichtet ab 1942 verwundetet deutsche Soldaten in Utrecht (NL). Seine Äußerungen „Juden seien auch nur Menschen“ werden von einer Agentin kolportiert und bringen ihn vor den Kriegsgerichtshof in Den Haag. Dort wird er zum Tode verurteilt, aber mit Rücksicht auf sein Alter nicht hingerichtet.

Als ihm kolportiert wird, dass er „auf der Flucht erschossen“ werden soll, flieht er aus den Niederlanden, erst mit dem Zug, dann zu Fuß über die Grenze und schließlich mit „Jan-Klein“ von Leer nach Aurich zu seiner Schwester. Bei ihr in Haxtum 49, heute: Oldersumer Straße 74 wird er auf dem Dachboden versteckt und kann sich nur in den Nachtstunden im Garten an frischer Luft bewegen.

Portrait von Adolf Friedrich Jensen, gemalt von dem mit ihm befreundeten Kunstmaler Rudolf Frederik

Nach Kriegsende wird er 1946 von der Technischen Hochschule in Braunschweig rehabilitiert, lehnt aber eine Lehrtätigkeit ab. Stattdessen hilft er in Aurich dabei, die SPD im Landkreis wieder aufzubauen.
Am 20.04.1947 wird Adolf Jensen für die 1. Wahlperiode des Niedersächsischen Landtages als Mitglied der SPD-Fraktion berufen und arbeitet dort bis zum 30.04.1951 als Mitglied im Schulausschuss.

In Aurich unterstützt Adolf Jensen die Gründung einer Ortsgruppe der SPD und hilft bei den Vorbereitungen für die anstehenden Wahlen zum Stadtrat und Kreistag.
Im November 1956 wird er in den Stadtrat und den Kreistag gewählt. Bis 1957 gehört er dem Kreistag und bis 1960 dem Stadtrat an.

Am 3.06.1963 wird ihm das „Verdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen.

Von 1963 an wohnt Adolf Jensen im Wilhelminenholz 4.
Er verstirbt am 6. Februar 1965.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 1.02.2023)
Foto:
Opfergruppe: Politisch Verfolgte
Quellen: https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/2232567

https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Jensen_(Politiker)

Literatur: Groeneveld, Albert: Professor Adolf Jensen 23.01.1878 – 6.02.1965. Ein Sozialdemokrat und Schulreformer von ganzem Herzen, Aurich 2020

Jensen, Adolf; Lamszus, Wilhelm: Unser Schulaufsatz ein verkappter Schundliterat: ein Versuch zur Neugründung des deutschen Schulaufsatzes für Volksschule und Gymnasium, Hamburg, 1910

Patenschaft: IGS Aurich
Verlegetermin: x.04.2023 (in Planung)

David Cohen

Veröffentlicht: 20. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

David COHEN
geboren am 9. März 1925 in Aurich

Straße: Wallstraße 33
Todesdatum: überlebt
Todesort:
09.03.1925    in Aurich geboren, wohnt Wallstraße 33, Aurich

Eltern und Geschwister von David Cohen

Vor 1938       Aushilfsarbeiten bei Bauer Redenius in Kirchdorf

04.12.1938    Legale Einwanderung nach Palästina: von Aurich über Berlin nach Triest, von dort mit dem Schiff „Jerusalem“ innerhalb vier Tagen nach Palästina. Diese Emigrationsmöglichkeit wurde von einer englischen Kindereinwanderungsorganisation durchgeführt. Kurz¬fristiger Aufenthalt bei Verwandten in Palästina

Um 1940-42   Unterbringung in einem Jugenddorf, dort Erlernen landwirtschaftlicher Tätigkeiten. Zu dieser Zeit werden die Eltern und Geschwister über Veyesak nach Minsk deportiert, dort 1942 ermordet)

1942-44        Eineinhalbjähriges Leben im Kibbuz Tirat-Zvi, Tätigkeit als landwirtschaftlicher Gehilfe in Ra‘anana

1944-45        Fortsetzung dieser Arbeit zunächst in Naharija bei einer deutschstämmigen Familie, dann in der Nähe von Haifa (Kirjat Bialik)

1946-47        Tätigkeit als Bauarbeiter

Nov./Dez. 47 Einzug durch die (illegale) zionistische Armee

Nov. 1948     Anschluss an die Untergrundorganisation Hagana

Mai 1948-50   Militärdienst im neugegründeten Staat Israel. Durch eine Verwundung wird er Verbindungsmann verschiedener Organisationen (Transportsergant)

April 1950      Freistellung von der Armee

1950-54        Aufgreifen seiner Tätigkeit im Bauwesen

Seit 1954      Tätigkeit in einer Waffenfabrik

1958-1959     Rückkehr(versuch) nach Deutschland, geringe „Wiedergutmachung“ finanzieller Art, Rückkehr nach Israel

1961            Dreimonatiger Aufenthalt in Deutschland zur Beratung durch die Bundeswehr — Einweisung in gekaufte Waffensysteme.

David Cohen – 1985

Bis zur Pensionierung ist David Cohen Produktionsleiter der Waffenfabrik.

David Cohen mit Familie – 1985

Er hat zwei Söhne und eine Tochter und lebt in Yokneam in der Nähe von Haifa.

 

1983    Erste Kontakte zu Auricher IGS-Schülern (ständig aufrecht erhalten)

David Cohen mit Schülern der IGS-Aurich – 1987

1984, 1992, 2002     Besuch Aurichs zusammen mit anderen ehemaligen Mitbürgern, Unterbringung in privaten Familien; Durch Schülerbesuche und deren Eltern hat David Cohen inzwischen vielfältige Kontakte zu seiner alten Heimatstadt aufgebaut.

David Cohen bei seinem Besuch in Aurich 1992

David Cohen bei einem Besuch in Aurich – 2002

13. 03. 2009     David Cohen verstorben in YokneamElit

Das Leben in Ostfriesland

Noch vor der Pogromnacht. Bevor Cohen Aurich verließ, hatte er eine Konfrontation mit SA-Männern: Auf dem Weg zum Kirchdorfer Feld – er arbeitete bei dem Bauern Redenius – fuhr er mit seinem Fahrrad von Aurich in Richtung Kirchdorf. An der Brücke über dem Kanal traf er zwei SA-Männer, die ihn aufforderten, vom Fahrrad abzusteigen. Sie befragten ihn, wohin er wolle. Als er ihnen mitteilte, dass er auf dem Weg zur Arbeit bei Bauer Redenius sei, nahmen sie ihm sein Rad weg und warfen es in den Kanal. Mit der Bemerkung „Heute fällt die Arbeit aus!“ warfen sie auch ihn ins Wasser.

(Bericht Schülerbesuch 1983)

Erinnerung an eine Nachbarin aus der Wallstraße.

Eine damals schon ältere christliche(!) Mitbürgerin in der Wallstraße war wegen einer Behinderung auf die Hilfe und Versorgung durch ihre Nachbarn angewiesen. „Kaum krauchen konnte sie auf ihren Gliedern“ (Cohen). Cohen schildert sehr eindringlich, wie diese Frau nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten anfing, ihre jüdischen Mitbürger (Kinder) zu beschimpfen und auch ihn zu bespucken.

Bei seiner Rückkehr Ende der 50er Jahre nach Deutschland und einem kurzen Besuch in Aurich war diese Frau der einzige Mensch, den David Cohen verbunden mit persönlichen negativen Gefühlen gesucht hat. Er hat sie damals nicht gefunden.

( Bericht Schülerbesuch 1983 )

Progromnacht

„Die ,Reichskristallnacht` war für meine Eltern der Anlass, meine Schwester und mich alleine nach Palästina zu schicken, weil meine Eltern nach der Kristallnacht kein Geld mehr hatten. Wir waren nicht sehr wohlhabend, aber wir hatten ein Haus. … Jeder musste sein Bußgeld bezahlen, und wir hatten kein Geld mehr. Wir hatten die Absicht, mit den Eltern nach Haifa (Palästina) oder Argentinien auszuwandern, ir¬gendwo nach Südamerika oder Zentralamerika. Aber das Geld war nicht mehr da!

Und da haben meine Eltern beschlossen, uns allein nach Palästina fahren zu lassen. Meine Schwester ist einen Monat bevor ich geschickt wurde, gefahren. Sie ist illegal unterwegs gewesen. Sie ist nachmittags angekommen, … nachdem sie fast zwei Jahre unterwegs war über Jugoslawien. Ich bin legal gekommen, ich kann mich jetzt noch erinnern. Ich bin am 04.12.1938 mit der Kinderalia, d. h. mit der Kindereinwanderung gekommen“.

(Ausschnitt Tonbandaufzeichnung März 1988)

Als David Cohen im Gespräch darauf kommt, inwiefern er bestimmte Gewohnheiten aus der alten Heimat hier in Israel weiter beibehalten hat, kommt das Gespräch auch aufs Teetrinken. Bei dieser Gelegenheit übergeben wir ihm den von der Firma Thiele und Freese — Emden — in einer hübschen Schmuckdose zur Verfügung gestellten Tee als Erinnerung an die alte Heimat.

Er freut sich darüber und wird sehr nachdenklich, als wir ihm dazu einen silbernen Löffel mit ostfriesischer Prägung schenken; als er nach der Pogromnacht seine Familie und seine Heimatstadt Aurich verlassen musste, gab ihm seine Mutter als einziges Andenken an die Familie und gleichzeitig als kleinen Wertgegenstand einen silbernen Löffel mit. Den hat er noch.

(Ausschnitt aus Notizen zum Besuch von David Cohen 1983)

Weg nach Palästina

„Ich sehe das noch ganz genau, wie ich von Zuhause wegging: Mein Vater ist mit zum Bahnhof gefahren nach Aurich. Meine Tante, die in Kirchdorf gewohnt hat, hat mich nach Berlin gebracht. In Berlin hat sich die Gruppe der Kindereinwanderungsorganisation gesammelt. Von Berlin sind wir nach Triest gefahren und von dort mit der „Jerusalem”, einem ziemlich großen Schiff, innerhalb von vier Tagen nach Palästina übergesetzt.

Zuerst habe ich einen Monat bei meinem Onkel gelebt, der in Ra’anana wohnte und zehn bis fünfzehn Jahre später nach Deutschland zurückging. Er hat mich zu meiner Tante nach Jerusalem geschickt. Ein Jahr später bin ich irgendwie in ein Jugenddorf gekommen. Zwei Jahre habe ich dort gelernt, später bin ich in einen Kibbuz gegangen für eineinhalb Jahre. Der Kibbuzz heißt Tirat-Zwi.

Am 4. Dezember 1939 bin ich hier angekommen. Ich bin legal gekommen, als ich erst 14 Jahre alt war. Im Jahre 1938 wurde ich dreizehn Jahre alt. Da haben wir meine Konfirmation (jüdisch: Bar Mitzva; Anm. d. Autors) gefeiert. Das war das letzte Mal, wo meine ganze Familie zusammen war. … 1938 ging es allen ziemlich dreckig.

Den Silberlöffel, den meine Mutter mir mitgegeben hat, habe ich noch, er ist noch vorhanden.

An sehr viele Sachen von früher kann ich mich nicht erinnern. Ich habe einen Teil vergessen. Ich habe nur die schönen Sachen erzählt!“

(Ausschnitt Tonbandaufzeichnung März 1988)

„Ich habe als landwirtschaftlicher Gehilfe gearbeitet. Nachdem ich den Kibbuzz verlassen habe, bin ich nach Naharija gegangen. Dort habe ich gearbeitet bei einer deutschen Familie, die einen großen Viehstall hatten. Der war der erste, der Weiden gehabt hat, wo die Kühe draußen geweidet haben. Der hat … an die fünfzig Kühe gehabt. Damals hat man die Kühe noch mit den Händen gemolken. Anschließend habe ich in der Gegend von Haifa bei einer Familie gearbeitet, ich habe die Landwirtschaft geführt.

Dann wurde ich Bauarbeiter, hauptsächlich musste ich Baumaschinen, Betonmaschinen und Kräne bedienen. Im November 1947 hat man mich eingezogen, dann war ich Soldat. Nachdem der Staat Israel ausgerufen war, kurz nach dem Mai 1948, wurde die israelische Armee gegründet. Dann habe ich zwei Jahre Wehrpflicht gemacht. Ich wurde offiziell in die Armee eingezogen, ich habe zwei Jahre gedient. Durch eine Verwundung wurde ich Verbindungsmann zwischen verschiedenen Positionen auf dem Motorrad. Anschließend wurde ich Transportsergeant bei einer gemischten Abteilung. Im April 1950 wurde ich vom Militär befreit. Bis 1954 war ich wieder am Bau tätig.

Und vom Februar 1954 bis zum heutigen Tag arbeite ich in einer Fabrik, die mich öfter nach Deutschland geschickt hat. Das Paradoxe dabei ist, dass im Jahre 1961 ich zur Bundeswehr geschickt worden bin, um eine Einweisung in gekaufte Waffensysteme zu ermöglichen.

Nachher ging das Leben normal weiter, ich habe drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter“.

(Ausschnitt Tonbandaufzeichnung März 1988)

Recherche: Wolfgang Freitag
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.02.2019
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Ursula und Wolfgang Freitag
Verlegetermin: 21. Oktober  2016

Caroline Wolff verh. Rothfeld

Veröffentlicht: 11. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

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Caroline WOLFF verh. Rothfeld
geboren am 5. Februar 1921 in Aurich

Straße: Wallstraße 54/54a
Todesdatum: überlebt
Todesort:
Lea Rothfeld wird am 05. Februar 1921 als Caroline Wolff in Aurich geboren und von ihren Eltern und Geschwistern „Lina“ gerufen. Sie ist das erste Kind des Viehhändlers Daniel Wolff und dessen Frau Henny, geborene Hartogsohn. Lea hat drei jüngere Geschwister: Ihre Schwester Senta ist nur eineinhalb Jahre jünger als sie, 1924 wird ihr Bruder Ernst geboren und 1929 folgt das Nesthäkchen Helmut.

Die Geschwister wachsen in Aurich behütet auf, die Familie Wolff ist in Aurich „alteingesessen“ und Leas Vater Daniel hat eine ganze Reihe von Geschwistern, die in Aurich und der näheren Umgebung leben. Die Familie wohnt zunächst in der Fockenbollwerkstraße Nr. 12, später in Nr. 16.
Die Geschäfte des Vaters laufen gut, sodass Henny, Leas Mutter, im Haushalt regelmäßig von Hausmädchen unterstützt wird. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 ändert sich diese positive Situation grundlegend: Noch im selben Jahr wird ein Gesetz erlassen, dass das Schächten von Tieren verbietet und damit Leas Vater die Ausübung seines Berufes unmöglich macht. Drei von Leas Onkeln verlassen Deutschland bereits in jenem Jahr: Jonas emigriert in die USA, Hermann und Levi (genannt Louis) ziehen in die Niederlande.

Daniel, Leas Vater, bleibt mit seiner Familie jedoch zunächst in Aurich, er ist nach der Aufgabe seines Betriebes als Arbeiter tätig. Da er im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war, hofft er möglicherweise auch, dass ihm und seiner Familie zu weitgehende Schikanen erspart bleiben.
1936 zieht die Familie in das Haus in der Wallstraße 56 um, hier bewohnen die Wolffs fortan die gesamte obere Etage. Lea wohnt hier jedoch nur sehr kurze Zeit, denn sie hatte die Familie bereits am 1. Mai 1935 verlassen, wohl, um in Wolfrathshausen „in Stellung zu gehen“. Am 03. April 1936 kehrt sie für rund fünf Wochen zurück nach Aurich, jedoch nur, um schon am 14. Mai 1936 erneut umzuziehen – diesmal nach Frankfurt am Main. Es ist unklar, welcher Tätigkeit Lea dort nachging und ob sie wirklich länger in Frankfurt wohnte. Möglicherweise war sie als Hausmädchen tätig, ihre Schwester Senta übernimmt zur etwa gleichen Zeit eine Stelle als Hausmädchen in Aurich, sie arbeitet bei Familie Sternberg.
Später versuchen zwei von Leas Geschwistern, durch eine landwirtschaftliche Ausbildung ihre Chancen für eine Auswanderung nach Palästina zu erhöhen – so sind Ernst und Senta ab 1938 auf „Lehrgütern“ tätig: Sie hoffen, auf legalem Wege nach Palästina einwandern zu dürfen, eine Hoffnung, die sich letztendlich leider nicht erfüllt.

Lea schlägt hier, wohl auch unter dem Eindruck der immer stärker zunehmenden Repressionen sowie der durch den Kriegsausbruch erschwerten Auswanderungsmöglichkeiten einen anderen Weg ein: Sie versucht, illegal nach Palästina zu gelangen.
Am 16. August 1940 beginnt für Lea eine sehr beschwerliche und abenteuerliche Reise: So schlägt sie sich per Schiff über die Donau schließlich bis zum Hafen Sulina in Rumänien durch. Das Schiff ist klein und überfüllt und droht mehrfach auf dem Fluss zu kentern. Lea ist heilfroh, als sie endlich den Hafen Sulina erreicht und dort am 11. Oktober 1940 die Fahrt nach Palästina antreten kann.
Das Schiff, das sie nach Palästina bringen soll, heißt „Pacific“. Es handelt sich um ein altes Frachtschiff, auf dem eigentlich nur rund 100 Personen transportiert werden sollten. Als die Pacific ausläuft, sind jedoch rund 1000 Menschen an Bord. Das Schiff ist gefährlich überladen und völlig überfüllt – es herrschen katastrophale hygienische Zustände, es gibt kaum Trinkwasser und gerade einmal einen einzigen Ofen, der Wärme spendet. Geschlafen werden kann nur abwechselnd, andernfalls reicht der Platz nicht aus.

Die Fahrt dauert bis zum 14. November – an diesem Tag wird die Pacific von zwei englischen Kriegsschiffen aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet. Um der illegalen Einwanderung Herr zu werden, beschließt die britische Mandatsregierung direkt darauf, alle illegal eingewanderten Personen bis Kriegsende in eine britische Kolonie zu deportieren. Lea soll daher mit den übrigen Passagieren der Pacific sowie weiteren illegalen Einwanderern mit der in Haifa liegenden Patria nach Mauritius gebracht werden. Um die Deportation der Flüchtlinge zu verhindern, schmuggelt die jüdische Widerstandsgruppe Haganah Sprengstoff an Bord des Schiffes: Die Patria soll seeuntüchtig gemacht werden. Doch dieser Versuch, die Aufnahme der Flüchtlinge zu erzwingen, schlägt gründlich fehl, da die Haganah die Sprengstoffmenge falsch berechnet. Die Patria sinkt im Hafen von Haifa, 270 Menschen kommen ums Leben. Lea überlebt zum Glück, doch darf sie sich zunächst doch nicht in Palästina niederlassen: Sie und die anderen Überlebenden des Unglücks werden im Lager Atlit in Palästina interniert.
Es ist unklar, wie lange sie dort bleiben muss – die letzten Internierten werden erst am 10. Oktober 1945 von der Haganah befreit. Lea lässt sich nach ihrer Internierung im Kibbutz Be´erot Yitzhak nieder und heiratet Abraham Rothfeld.
Von ihrer Familie überlebt nur ihr Bruder Ernst den Holocaust. Er wandert nach dem Krieg nach Israel aus und nennt sich Asher Wolff, nach seinem Großvater.

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 28.01.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – geni.com (Genealogiedatenbank)- http://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp? book=133459&lang=eng&site=gfh, Zugriff vom 12.10.2014
Literatur: http://records.ancestry.com/henny_hartogsohn_records.ashx?pid=76251347, Zugriff vom 12.10. 2014

http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

http://de.wikipedia.org/wiki/Atlit

http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/schwarzmeer/juden_flucht_schiffe.htm
http://www.wlb-Stuttgart.de/seekrieg/ksp/schwarzmeer/juden_flucht_schiffe.htm

http://www.hagalil.com/archiv/2000/11/patria.htm

http://www.hagalil.com/israel/geschichte/palaestina-5.htm

https://stolpersteineaurich.wordpress.com/1914/12/08/levi-louis-wolff/, Zugriff vom 3.12.2014

Patenschaft: Amtsgericht Aurich/Ulrich Kötting
Verlegetermin: 27. Januar  2015