Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Helga Wolff

Veröffentlicht: 1. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Helga WOLFF
geboren am 18. Dezember 1929 in Aurich

Straße: Große Mühlenwallstr. 34 (früher: Ostertorplatz 14)
Todesdatum: 5.09.2003
Todesort: Los Angeles
Helga Wolff wird am 18. Dezember 1928 als zweites Kind von Ludwig Wolff und Hildegard Auguste Woff geb. Simson geboren.Ihr Vater Ludwig Wolff wird im Jahr 2.07.1899 als viertes von zwölf Kindern seiner Eltern Henriette und Selly Wolff geboren. Die Familie lebt in der Lilienstr. 9. Dort wurden bereits mehrere Stolpersteine verlegt. Von den zwölf Kindern überleben nur drei den Völkermord.

Ludwigs Vater, Selly Wolff, war ein nicht nur in der Stadt Aurich, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus  bekannter und geachteter Viehhändler und Schlachter, der regelmäßig in den „Ostfriesischen Nachrichten“ sein „Ausstellungs- Fleisch, Das Beste vom Besten“ annoncierte. Selly Wolff verstirbt im Jahr 1930. Seine Söhne Ludwig , Magnus und Abraham, die schon 1926 als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet  werden, führen das Geschäft ihres Vaters unter seinem Namen  weiter.

Familie Hugo Simson mit den Kindern Wilhelm Feodor, Gustav, Fanny und Hildegard Auguste (der späteren Ehefrau von Ludwig Wolff (*1899). Ca. 1915

Ihre Mutter Hildegard Auguste Simson wird am 4. November 1906 in Mettmann im Kreis Mettmann geboren. Hildegard Simson ist Tochter von Hugo Simson (*17.09.1863) und Henrietta Simson geb. Mayer (*10.03.1880). Ihr Vater, ein Viehhändler und Metzger, ist relativ wohlhabend und ein angesehener Bürger der Stadt, der sogar Mitglied im Rat der Stadt war. Er stirbt am 29.01.1929. Hildegard hat drei ältere Geschwister (Wilhelm Feodor Simson *1902, Gustav Simson *1903 und Fanny Simson *1905, die alle Opfer des Völkermordes an den Juden wurden und für die Stolpersteine in Mettman, Goethestraße (früher: Pfingstgarten 288) verlegt sind. Ihre Mutter wird am 1.03.1943 zusammen mit ihrem damals 15 Jahre alten Enkelsohn Sally Ludwig nach Auschwitz deportiert.

Am 18.08.1926 heiraten Hildegard Auguste und Ludwig Wolff. Das junge Paar Ludwig und Hildegard Wolff zieht zunächst für einige Jahre in die Leererstr. 32. Im Jahr 1928 wird ihr Sohn „Hans“ Sally Ludwig geboren, ein Jahr später ihre Tochter  Helga.
Im Jahr 1932 zieht die Familie in die Georgstr. 39, zwei Jahre später zum Ostertorplatz 14. Hier ist ihr letzter frei gewählter Wohnort, an dem wir heute die Steine verlegen.  Als die Lebensbedingungen für die jüdische Bevölkerung immer schwieriger werden, muss Ludwig Wolff mit seiner Frau und den beiden Kindern im Juli 1938 zu seiner Tante Hedwig Wolff in die Lilienstr. 9 ziehen (s. unten 1). Dieses Haus war zu einem „Judenhaus“ geworden.

Als in der Reichspogromnacht die Auricher Juden in der Bullenhalle zusammengetrieben  werden, ist Ludwig Wolff mit Sicherheit auch dabei. Auch von seiner Internierung in Sachsenhausen ist auszugehen. Nach diesen Erfahrungen bleibt für ihn und seine Familie nur die Hoffnung auf eine Flucht aus Deutschland.

Am 25.07.1939 zieht Helga Wolff im Alter von knapp 10 Jahren allein nach England, vermutlich mit einem „Kindertransport“. Einen Monat später (30.08.1939) flüchtet ihr Vater Ludwig Wolff ebenfalls nach England. Vermutlich wollte er – wie bei vielen jüdischen Familien, die die Flucht planten –  den Nachzug von Frau und Sohn vorbereiten. Durch den Beginn des Krieges wenige Tage nach seiner Flucht wird dieses verhindert. Die Familie bleibt getrennt.

Im Februar 1940 wird Hildegard Wolff – ebenso wie die letzten noch in Aurich verbliebenen jüdischen Bürger – gezwungen,  mit ihrem Sohn die Stadt zu verlassen. Sie zieht nach Berlin zu ihrer Mutter Henriette Simson (Kreuzberg, Skalitzerstr. 20). Dort muss sie vermutlich wie die meisten anderen Juden Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion leisten.
Nach den Beschlüssen der Wannseekonferenz  beginnen die Judendeportationen nach Osten. Anfang 1943 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden.
Der erste im Rahmen der sog. „Fabrikaktion“ aus Berlin abgehende Transport vom 1.März 1943 war zugleich der 31. Osttransport. Von den 1.736 Deportierten werden am nächsten Tag in  Auschwitz 677 als arbeitsfähig registriert. Die übrigen 1.059 Männer, Frauen und Kinder werden demnach sofort ermordet. Unter den Opfern ist auch Sally Ludwig Wolff (Nr. 697), der zusammen mit seiner Großmutter Henriette Simson (Nr. 696), aber getrennt von seiner Mutter, mit diesem Transport nach Auschwitz deportiert und im Alter von knapp 15 Jahren dort ermordet wird.
Zwei Wochen später wird auch seine Mutter, Hildegard Wolff, nach Auschwitz deportiert (Nr. 936).  Von den 964 deportierten Juden werden nur 218 Männer und 147 Frauen zum Arbeitseinsatz eingeteilt. Wir wissen nicht, ob auch Hildegard Wolff – damals 37 Jahre alt – noch zum Arbeitseinsatz eingeteilt wurde. Es ist davon auszugehen, dass auch sie in Auschwitz ermordet wurde.

Ihrem Ehemann Ludwig Wolff heiratet am 26.04.1947 in zweiter Ehe Hedwig Schlotterer (geb. 1.07.1904 in Wien. Ende März 1949 gelingt es ihnen zusammen mit seiner bei Kriegsende 16 Jahre alten Tochter Helga an Bord der „Queen Mary“ von England in die USA nach Kalifornien auszuwandern (Brief Minna Wolff an Johannes Diekhoff v. 16.03.1982). Seine Schwester Minna Wolff, die sich vor der Verfolgung in die Schweiz retten konnte, zieht 1955 zu ihrem Bruder Ludwig und sorgt sich um ihn, nachdem sie schon zuvor ihren Bruder Abraham in Australien gepflegt hatte. Ludwig Wolff stirbt 1971 an seinem 72. Geburtstag in Lakewood, Kalifornien.

Seine Tochter Helga Wolff lebt ebenfalls in Kalifornien. Sie heiratet am 17.06.1951 in Reno, Washoe, County Nevada, den ebenfalls aus Aurich (Kirchdorf-Westerfeld) geflohenen Siegfried Wolff (geb. 11.10.1900), ein Bruder von Senta Wolff (geb. 30.06.1903), für die am 24.06.2021 ein Stolperstein verlegt wurde. Sie haben eine Tochter, Helen Emilie Wolff (geb. 19.09.1952). Nach dem Tod von Siegfried (12.03.1962) ist Helga noch dreimal verheiratet, zuletzt mit Robert Lane Kadau (1922-1994). Sie stirbt in Los Angeles am 5.09.2003.
Hier ein Foto ihres Grabsteins.Helga Wolff-Kadau Grabstein

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1) In einem  Verzeichnis vom 27.06.1939 (Der Bürgermeister Aurich des bei jüdischem Hauseigentum vorhandenen Wohnraums) ist folgendes aufgelistet:)

„Lilienstraße 12, Hauseigentümer: Abraham Levy Wolff, Witwe, Beilen/Holland
Zweifamilienhaus
Zahl der Wohnräume:
Erdgeschoß 2 Küchen und 6 Zimmer
1. Stock       2 Küchen und 5 Zimmer
Hausboden 2 Zimmer und Wohnraum

Zur Zeit benutzt:
1) Karl Wolff:   1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
2) Ludwig Wolff: 1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
3) Libmann Knurr: 1 Küche und 4 Zimmer (1. Stock)
4) Abraham Wolff u. Hermann Alsberger: 1 Küche
5)  Nachmon und Jakob Wolff: Hausboden

Zahl der Hausangehörigen: 16
a) Erwachsene:       16
b) Kinder:     2
c) Untermieter:        —
Jude oder Nichtjude: Juden
Mietvertrag läuft auf unbestimmte Zeit.

Ist die Aufnahme weiterer Personen möglich?     Nein “

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.01.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot36.html
http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot31.html
Literatur:
Patenschaft: Kollekte 27. Januar 2015
Verlegetermin: 23. Oktober 2017

Auguste Hildegard Wolff geb. Simson

Veröffentlicht: 1. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Auguste Hildegard WOLFF geb. Simson
geboren am 4. November 1906 in Mettmann

Straße: Große Mühlenwallstr. 34 (früher: Ostertorplatz 14)
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 12.03.1943
Todesort: Auschwitz
Hildegard Auguste Simson wird am 4. November 1906 in Mettmann im Kreis Mettmann geboren. Hildegard Simson ist Tochter von Hugo Simson (*17.09.1863) und Henrietta Simson geb. Mayer (*10.03.1880). Ihr Vater, ein Viehhändler und Metzger, ist relativ wohlhabend und ein angesehener Bürger der Stadt, der sogar Mitglied im Rat der Stadt war.

Familie Hugo Simson mit den Kindern Wilhelm Feodor, Gustav, Fanny und Hildegard Auguste (der späteren Ehefrau von Ludwig Wolff (*1899). Ca. 1915

Er stirbt am 29.01.1929. Hildegard hat drei ältere Geschwister (Wilhelm Feodor Simson *1902, Gustav Simson *1903 und Fanny Simson *1905, die alle Opfer des Völkermordes an den Juden wurden und für die Stolpersteine in Mettman, Goethestraße (früher: Pfingstgarten 288) verlegt sind. Ihre Mutter wird am 1.03.1943 zusammen mit ihrem damals 15 Jahre alten Enkelsohn Sally Ludwig nach Auschwitz deportiert.

Am 18.08.1926 heiratet Hildegard Auguste den Auricher Ludwig. Ludwig Wolff wird im Jahr 2.07.1899 als viertes von zwölf Kindern seiner Eltern Henriette und Selly Wolff geboren. Die Familie lebt in der Lilienstr. 9. Dort wurden bereits mehrere Stolpersteine verlegt. Von den zwölf Kindern überleben nur drei den Völkermord.

Ludwigs Vater, Selly Wolff, war ein nicht nur in der Stadt Aurich, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus  bekannter und geachteter Viehhändler und Schlachter, der regelmäßig in den „Ostfriesischen Nachrichten“ sein „Ausstellungs- Fleisch, Das Beste vom Besten“ annoncierte. Selly Wolff verstirbt im Jahr 1930. Seine Söhne Ludwig , Magnus und Abraham, die schon 1926 als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet  werden, führen das Geschäft ihres Vaters unter seinem Namen  weiter.

Das junge Paar Ludwig und Hildegard Wolff zieht zunächst für einige Jahre in die Leererstr. 32. Im Jahr 1928 wird ihr Sohn „Hans“ Sally Ludwig geboren, ein Jahr später ihre Tochter  Helga. Im Jahr 1932 zieht die Familie in die Georgstr. 39, zwei Jahre später zum Ostertorplatz 14. Hier ist ihr letzter frei gewählter Wohnort, an dem wir heute die Steine verlegen.  Als die Lebensbedingungen für die jüdische Bevölkerung immer schwieriger werden, muss Ludwig Wolff mit seiner Frau und den beiden Kindern im Juli 1938 zu seiner Tante Hedwig Wolff in die Lilienstr. 9 ziehen (s. unten 1). Dieses Haus war zu einem „Judenhaus“ geworden.

Als in der Reichspogromnacht die Auricher Juden in der Bullenhalle zusammengetrieben  werden, ist Ludwig Wolff mit Sicherheit auch dabei. Auch von seiner Internierung in Sachsenhausen ist auszugehen. Nach diesen Erfahrungen bleibt für ihn und seine Familie nur die Hoffnung auf eine Flucht aus Deutschland.

Am 25.07.1939 zieht die Tochter Helga Wolff im Alter von knapp 10 Jahren allein nach England, vermutlich mit einem „Kindertransport“. Einen Monat später (30.08.1939) flüchtet ihr Vater Ludwig Wolff ebenfalls nach England. Vermutlich wollte er – wie bei vielen jüdischen Familien, die die Flucht planten –  den Nachzug von Frau und Sohn vorbereiten. Durch den Beginn des Krieges wenige Tage nach seiner Flucht wird dieses verhindert. Die Familie bleibt getrennt.

Im Februar 1940 wird Hildegard Wolff – ebenso wie die letzten noch in Aurich verbliebenen jüdischen Bürger – gezwungen,  mit ihrem Sohn die Stadt zu verlassen. Sie zieht nach Berlin zu ihrer Mutter Henriette Simson (Kreuzberg, Skalitzerstr. 20). Dort muss sie vermutlich wie die meisten anderen Juden Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion leisten.
Nach den Beschlüssen der Wannseekonferenz  beginnen die Judendeportationen nach Osten. Anfang 1943 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden.
Der erste im Rahmen der sog. „Fabrikaktion“ aus Berlin abgehende Transport vom 1.März 1943 war zugleich der 31. Osttransport. Von den 1.736 Deportierten werden am nächsten Tag in  Auschwitz 677 als arbeitsfähig registriert. Die übrigen 1.059 Männer, Frauen und Kinder werden demnach sofort ermordet. Unter den Opfern ist auch Sally Ludwig Wolff (Nr. 697), der zusammen mit seiner Großmutter Henriette Simson (Nr. 696), aber getrennt von seiner Mutter, mit diesem Transport nach Auschwitz deportiert und im Alter von knapp 15 Jahren dort ermordet wird.
Zwei Wochen später wird auch seine Mutter, Hildegard Wolff, nach Auschwitz deportiert (Nr. 936).  Von den 964 deportierten Juden werden nur 218 Männer und 147 Frauen zum Arbeitseinsatz eingeteilt. Wir wissen nicht, ob auch Hildegard Wolff – damals 37 Jahre alt – noch zum Arbeitseinsatz eingeteilt wurde. Es ist davon auszugehen, dass auch sie in Auschwitz ermordet wurde.

Ihrem Ehemann Ludwig Wolff gelingt es über viele Umwege zusammen mit seiner bei Kriegsende 16 Jahre alten Tochter Helga von England in die USA nach Kalifornien auszuwandern (Brief Minna Wolff  an Johannes Diekhoff v. 16.03.1982). Seine Schwester Minna Wolff, die sich vor der Verfolgung in die Schweiz retten konnte, zieht 1955 zu ihrem Bruder Ludwig und sorgt sich um ihn, nachdem sie schon zuvor ihren Bruder Abraham in Australien gepflegt hatte. Ludwig Wolff stirbt 1971 an seinem 72. Geburtstag in Lakewood, Kalifornien.

Seine Tochter lebt ebenfalls in Kalifornien. Über ihr Leben dort konnten wir bisher nichts in Erfahrung bringen.

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1) In einem  Verzeichnis vom 27.06.1939 (Der Bürgermeister Aurich des bei jüdischem Hauseigentum vorhandenen Wohnraums) ist folgendes aufgelistet:)

„Lilienstraße 12, Hauseigentümer: Abraham Levy Wolff, Witwe, Beilen/Holland
Zweifamilienhaus
Zahl der Wohnräume:
Erdgeschoß 2 Küchen und 6 Zimmer
1. Stock            2 Küchen und 5 Zimmer
Hausboden 2 Zimmer und Wohnraum

Zur Zeit benutzt:
1) Karl Wolff:  1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
2) Ludwig Wolff: 1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
3) Libmann Knurr: 1 Küche und 4 Zimmer (1. Stock)
4) Abraham Wolff u. Hermann Alsberger: 1 Küche
5)  Nachmon und Jakob Wolff: Hausboden

Zahl der Hausangehörigen: 16
a) Erwachsene:       16
b) Kinder:     2
c) Untermieter:        —
Jude oder Nichtjude: Juden
Mietvertrag läuft auf unbestimmte Zeit.

Ist die Aufnahme weiterer Personen möglich?     Nein“

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.01.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot36.html
http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot31.html
https://www.geni.com/people/Auguste-Hildegard-Simson/6000000031176093406
Literatur: – Gudrun Wolfertz, Mettmann, Die Reihe Archivbilder, Erfurt 2008, S. 56
Patenschaft: Reinhard Warmulla
Verlegetermin: 23. Oktober 2017

 

 

 

Ludwig Selly Wolff

Veröffentlicht: 1. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Ludwig WOLFF
geboren am 2. Juli 1899 in Aurich

Straße: Große Mühlenwallstr. 34 (früher: Ostertorplatz 14)
Todesdatum: 2.07.1971
Todesort: Lakewood, Kalifornien, USA
Ludwig Wolff wird im Jahr 1899 als viertes von zwölf Kindern seiner Eltern Henriette und Selly Wolff geboren. Die Familie lebt in der Lilienstr. 9. Dort haben wir bereits mehrere Stolpersteine verlegt. Von den zwölf Kindern überleben nur drei den Völkermord.Ludwigs Vater, Selly Wolff, war ein nicht nur in der Stadt Aurich, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus  bekannter und geachteter Viehhändler und Schlachter, der regelmäßig in den „Ostfriesischen Nachrichten“ sein „Ausstellungs- Fleisch, Das Beste vom Besten“ annoncierte.
Kalli Gramberg erzählt im 3. Band seiner Rückblicke auf die Auricher Geschichte über den Schlachter Selly Wolff folgende Anekdote: „Als seine vielen Kinder noch klein  waren, saßen sie oft auf den Steinen des Bürgersteigs. Selly rief: “Jonni, Luti, Abi „(usw.)“wollt ihr wohl mit de blode Moors von de kalte Schteine ab!“ Selly Wolff verstirbt im Jahr 1930. Seine Söhne Ludwig , Magnus und Abraham, die schon 1926 als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet  werden, führen das Geschäft ihres Vaters unter seinem Namen  weiter.

Familie Hugo Simson mit den Kindern Wilhelm Feodor, Gustav, Fanny und Hildegard Auguste (der späteren Ehefrau von Ludwig Wolff (*1899). Ca. 1915

Ludwig Wolff heiratet im Jahr 1926 Hildegard Augusta Simson aus Mettmann im Kreis Mettmann. Das liegt zwischen Düsseldorf und Wuppertal. Hildegard Simson ist Tochter von Hugo und Henrietta Simson. Ihr Vater, ein Viehhändler und Metzger, war relativ wohlhabend und ein angesehener Bürger der Stadt, der sogar Mitglied im Rat der Stadt war. Hildegard hat drei ältere Geschwister, die alle Opfer des Völkermordes an den Juden wurden.
Das junge Paar Ludwig und Hildegard Wolff zieht zunächst für einige Jahre in die Leererstr. 32. Im Jahr 1928 wird ihr Sohn „Hans“ Sally Ludwig geboren, ein Jahr später ihre Tochter Helga.
Im Jahr 1932 zieht die Familie in die Georgstr. 39, zwei Jahre später zum Ostertorplatz 14. Hier ist ihr letzter frei gewählter Wohnort, an dem wir heute die Steine verlegen.  Als die Lebensbedingungen für die jüdische Bevölkerung immer schwieriger werden, muss Ludwig Wolff mit seiner Frau und den beiden Kindern im Juli 1938 zu seiner Tante Hedwig Wolff in die Lilienstr. 9 ziehen (s. unten 1). Dieses Haus war zu einem „Judenhaus“ geworden.

Als in der Reichspogromnacht die Auricher Juden in der Bullenhalle zusammengetrieben  werden, ist Ludwig Wolff mit Sicherheit auch dabei. Auch von seiner Internierung in Sachsenhausen ist auszugehen. Nach diesen Erfahrungen bleibt für ihn und seine Familie nur die Hoffnung auf eine Flucht aus Deutschland.

Ende Juli 1939 zieht die Tochter Helga Wolff im Alter von knapp 10 Jahren allein nach England, vermutlich mit einem „Kindertransport“. Einen Monat später flüchtet ihr Vater Ludwig Wolff ebenfalls nach England. Vermutlich wollte er – wie bei vielen jüdischen Familien, die die Flucht planten –  den Nachzug von Frau und Sohn vorbereiten. Durch den Beginn des Krieges wenige Tage nach seiner Flucht wird dieses verhindert. Die Familie bleibt getrennt.

Im Februar 1940 wird Hildegard Wolff – ebenso wie die letzten noch in Aurich verbliebenen jüdischen Bürger – gezwungen,  mit ihrem Sohn die Stadt zu verlassen. Sie zieht nach Berlin zu ihrer Mutter Henriette Simson (Kreuzberg, Skalitzerstr. 20). Dort muss sie vermutlich wie die meisten anderen Juden Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion leisten.
Nach den Beschlüssen der Wannseekonferenz  beginnen die Judendeportationen nach Osten. Anfang 1943 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden.
Der erste im Rahmen der sog. „Fabrikaktion“ aus Berlin abgehende Transport vom 1.März 1943 war zugleich der 31. Osttransport. Von den 1.736 Deportierten werden am nächsten Tag in  Auschwitz 677 als arbeitsfähig registriert. Die übrigen 1.059 Männer, Frauen und Kinder werden demnach sofort ermordet. Unter den Opfern ist auch Sally Ludwig Wolff (Nr. 697), der zusammen mit seiner Großmutter Henriette Simson (Nr. 696), aber getrennt von seiner Mutter, mit diesem Transport nach Auschwitz deportiert und im Alter von knapp 15 Jahren dort ermordet wird.
Zwei Wochen später wird auch seine Mutter, Hildegard Wolff, nach Auschwitz deportiert (Nr. 936).  Von den 964 deportierten Juden werden nur 218 Männer und 147 Frauen zum Arbeitseinsatz eingeteilt. Wir wissen nicht, ob auch Hildegard Wolff – damals 37 Jahre alt – noch zum Arbeitseinsatz eingeteilt wurde. Es ist davon auszugehen, dass auch sie in Auschwitz ermordet wurde.

Ihrem Ehemann Ludwig Wolff heiratet am 26.04.1947 in zweiter Ehe Hedwig Schlotterer (geb. 1.07.1904 in Wien. Ende März 1949 gelingt es ihnen zusammen mit seiner bei Kriegsende 16 Jahre alten Tochter Helga an Bord der „Queen Mary“ von England in die USA nach Kalifornien auszuwandern (Brief Minna Wolff  an Johannes Diekhoff v. 16.03.1982). Seine Schwester Minna Wolff, die sich vor der Verfolgung in die Schweiz retten konnte, zieht 1955 zu ihrem Bruder Ludwig und sorgt sich um ihn, nachdem sie schon zuvor ihren Bruder Abraham in Australien gepflegt hatte. Ludwig Wolff stirbt 1971 an seinem 72. Geburtstag in Lakewood, Kalifornien.

Seine Tochter Helga lebt ebenfalls in Kalifornien. Sie heiratet am 17.06.1951 in Reno, Washoe, County Nevada, den ebenfalls aus Aurich (Kirchdorf-Westerfeld) geflohenen Siegfried Wolff (geb. 11.10.1900), ein Bruder von Senta Wolff (geb. 30.06.1903), für die am 24.06.2021 ein Stolperstein verlegt wurde. Sie haben eine Tochter, Helen Emilie Wolff (geb. 19.09.1952). Nach dem Tod von Siegfried ist Helga noch dreimal verheiratet. Sie stirbt in Los Angeles am 5.09.2003.

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1) In einem  Verzeichnis vom 27.06.1939 (Der Bürgermeister Aurich des bei jüdischem Hauseigentum vorhandenen Wohnraums) ist folgendes aufgelistet:)
„Lilienstraße 12, Hauseigentümer: Abraham Levy Wolff, Witwe, Beilen/Holland
Zweifamilienhaus
Zahl der Wohnräume:
Erdgeschoß 2 Küchen und 6 Zimmer
1. Stock            2 Küchen und 5 Zimmer
Hausboden 2 Zimmer und Wohnraum
Zur Zeit benutzt:
1) Karl Wolff:  1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
2) Ludwig Wolff: 1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
3) Libmann Knurr: 1 Küche und 4 Zimmer (1. Stock)
4) Abraham Wolff u. Hermann Alsberger: 1 Küche
5)  Nachmon und Jakob Wolff: Hausboden

Zahl der Hausangehörigen: 16
a) Erwachsene:       16
b) Kinder:     2
c) Untermieter:   —
Jude oder Nichtjude: Juden
Mietvertrag läuft auf unbestimmte Zeit.
Ist die Aufnahme weiterer Personen möglich?     Nein“

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.01.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: ABH, Herr Kuiper
Verlegetermin: 23. Oktober 2017

Edith Sorsky geb. Wolffs

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Edith SORSKY geb. Wolffs
geboren am 2. September 1913 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 17.07.1942, Deportation nach Auschwitz am 15.07.1942
Todesort: Auschwitz
Edith Sorsky geb. Wolffs wird am 2. September 1913 als 4. von 6 Kindern von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen geboren. Sie heiratet im Jahr 1936 Fritz Sorsky. Auf ihr Schicksal wird weiter unten eingegangen.

Ihr Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.
Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.

Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo am 3.09.1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen. (Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht.  Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: SPD, OV Aurich-Mitte
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Hans Sorsky

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hans SORSKY
geboren am 3. September 1938 in Rotterdam

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 17.07.1942, Deportation nach Auschwitz am 15.07.1942
Todesort: Auschwitz
Hans Sorky wird am 3.09.1938 in Rotterdam geboren. Seine Eltern Fritz Sorsky und Edith Sorsky geb. Wolffs (Tochter von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen) sind 1937 aus Aurich geflohen. Auf das Schicksal der Familie wird weiter unten eingegangen.

Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden. 1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.

Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen. (Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bemerkung: „Kindertransport“. (s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Der Niederländer Dr. Bab Wilders übernahm am 27. September 2018 die Adoption für die Namenseintragung von Hans Sorsky in das Niederländische Holocaust Namensmonument.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 13.02.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Fritz Sorsky

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Fritz SORSKY
geboren am 17. November 1907 in Bittkow Krs. Kattowitz

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 11.September 1942, Deportation nach Auschwitz ab Westerbork am 15.07.1942
Todesort: Auschwitz
Fritz Sorsky wird am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk. Er heiratet Edith Wolffs, 4. Von 6 Kindern von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen. Auf das Schicksal von Fritz Sorsky wird weiter unten eingegangen.

Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.  1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.

Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt. Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.

Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.
Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo am 3.09.1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.

Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Grete Wolffs

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Grete WOLFFS
geboren am 20. April 1918 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt (Flucht in die USA 1936)
Todesort:
Grete Wolffs wird am 20. April 1918 als 6. und jüngstes Kind von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen in Aurich geboren. Grete überlebt, weil ihr die Flucht in die USA gelingt. Sie ist erst 18 Jahre alt, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Sein Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.

Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen. (Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet. Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Jakob Wolffs

Veröffentlicht: 31. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Jakob WOLFFS
geboren am 1. Februar 1916 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt (Flucht in die USA 1936)
Todesort:
Jakob Wolffs wird am 1. Februar 1916 als 5. Kind von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen in Aurich geboren. Er überlebt den Völkermord, das ihm gelingt, in die USA zu fliehen. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft.

Sein Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren:1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.
Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien. Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.
Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet. Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Dirk Freese
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Hermann Wolffs

Veröffentlicht: 30. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hermann WOLFFS
geboren am 22. März 1903 in Großefehn

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt (Flucht nach Argentinien 1936)
Todesort:
Hermann Wolffs wird am 22. März 1903 als 3. Kind von Meyer Zwi Wolffs und Helene Wolffs geb. Cohen in Großefehn geboren. Er arbeitet wie sein Vater als Viehhändler.

Sein Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren:
1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.

Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten.
Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.  Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.
Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.
Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht. Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche:Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Helene Wolffs geb. Cohen

Veröffentlicht: 29. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Helene WOLFFS geb. COHEN
geboren am 21. Mai 1879 in Emden

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: überlebt  (Flucht in die USA im August 1937)
Todesort:
Helene Cohen wird am 21.05.1879 in Emden geboren. Sie heiratet den 9 Jahre älteren Meyer Zwi Wolffs aus Aurich. Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater.

Fünf von insgesamt acht Kindern von Helene und Meyer Zwi Wolffs werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.
Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.

(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

 

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten.

Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.
Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.
Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können.
Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.

Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht.
Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“. (s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Kollegium der BBS II Aurich
Verlegetermin: 21. Oktober 2016