Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Abraham Selly Wolff

Veröffentlicht: 28. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham Selly WOLFF
geboren am 27. Juni 1903 in Aurich

Straße: Lilienstr. 9
Todesdatum: überlebt
Todesort:

Abraham Selly Wolff 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

Abraham Selly Wolff 1943 (Foto der Application for Registration)

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Abraham wird am 27. Juni 1903 geboren als Sohn des Ehepaares Henriette Wolff geb. Von der Walde und Selke Levy Wolff, genannt Selly Wolff.  Abraham ist das 7. von insgesamt 12 Kindern des Ehepaares. Er hat einen Zwillingsbruder Isidor, der allerdings als Kind mit 6 Jahren verstirbt. Sein Vater wird 67 Jahre alt und stirbt am 23. August 1930 ohne die Greul der Hitlerzeit zu erleben.

Am 30.02.1940 muss seine Mutter Henriette das Haus „aus sicherheitspolizeilichen Gründen“ verlassen und zieht mit zwei Töchtern nach Weimar. Minna und Abraham haben Aurich zu dieser Zeit schon verlassen. Das Haus Lilienstraße 9 wird noch im selben Jahr zwangsversteigert.
Henriette Wolff wird am 10. März 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt im Alter von 68 Jahren ermordet.

Für sie und sechs ihrer Kinder Rosa Grünberg geb. Wolff, Alma und Magnus Wolff, Gerda Selli Jakobs, Jakob Wolff und Ilse Gutmann geb. Wolff wurden bereits am 9. November 2012 in der Lilienstraße Stolpersteine verlegt. Für zwei weitere Geschwister von Abraham und Minna und deren Familien liegen Stolpersteine an der Leerer Landstraße 18 (Karoline Wolff geb. Wolff) und im Krähennestergang 1 (Eva van der Wall geb. Wolff).

Nur drei der insgesamt 12 Kinder überleben den Holocaust. Minna und Abraham sind zwei davon, der Bruder Ludwig ist der dritte Überlebende.

Bereits seit 1926 ist Abraham als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet und übernimmt, als der Vater 1930 stirbt, zusammen mit seinen beiden Brüdern Magnus und Ludwig Wolff die Geschäfte.
Nach der Reichspogromnacht wird er am 10. November 1938 zusammen mit 41 anderen Männern aus Aurich im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Dort wird er schwer misshandelt (eine Niere wird zerschlagen) und darf erst nach 6 Wochen am 23.12.1938 nach Aurich zurückkehren.

Am 12.10.1939 verlässt Abraham Wolff Aurich und zieht nach Güstrow in Mecklenburg Vorpommern. Dort heiratet er Margot Becker (* 15.07.1908 in Röbel/Waren/Mecklenburg) und hat mit ihr einen Sohn namens Denny. Sie wohnen in der Hansenstr. 1 in Güstrow. Seinen Sohn hat Abraham nie gesehen, da er aus Deutschland flüchtet. Vermutlich wollte er wie viele jüdische Männer, seine Familie nachholen. Doch dazu kam es nicht mehr. Seine Frau und der Sohn werden am 10.07.1942 in Ludwigslust interniert und am 11. Juli 1942 bei einem Zwischenstopp in Ludwigslust in einen Zug aufgenommen (s. Transportliste), der ab Bielefeld (10.07.1942) über Hamburg nach Ausschwitz fährt. Sie werden als Opfer des Völkermordes für tot erklärt. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Im Jahr 1942 werden auch 6 von Abrahams Geschwistern und seine Mutter Henriette getötet, außerdem die Ehemänner und Ehefrauen seiner Geschwister und deren Kinder, die zum Teil noch nicht einmal geboren waren: durch Bombenangriffe, Erschießungen oder Ermordung in Ausschwitz.

Abraham Wolff flieht 1940 zunächst nach England. Am 12.05.1940 beginnen die Engländer damit, männliche  Bürger der Feindländer zu internieren. Am 26.05.1940 wird auch Abraham Wolff aufgegriffen und zunächst im Kitchener Camp, Richborough, Kent interniert (s. u. Report – Australian Military Forces v. 14.11.1940) und dann zwangsweise in einem Truppentransporter nach Australien verschifft. Am 6.09.1940, nach 57 Tagen, kommt er in Sydney, Australien an und muss  zunächst im Internment Camp Hay leben. Die meisten Insassen dort waren Juden. Mit der HTM Dunera werden 2.542 Männer („feindliche Ausländer“) – unter ihnen auch Abraham Wolff – zwangsweise nach Australien verschifft. An Bord ist auch Max Cohen (*7.11.1920) aus Aurich. Die Zustände an Bord sind grausam und unmenschlich – eine Qual für die Menschen, die gerade erst dem Naziterror entflohen waren. Die Britische Regierung muss sich später für diese Behandlung der Flüchtlinge („Dunera Boys“) entschuldigen.
Im May 1941 können die Häftlinge das Hay Camp verlassen. Etwa Hälfte dieser Internierten (900) bleibt später in Australien und ist dort gut integriert. Abraham Wolff verlässt das Camp Hay am 26.05.1941, lebt danach bis zum 24.02.1943 im Camp Tatura (Victoria)  und stellt schließlich von Orrvale, Shepparton aus (nördl. Melbourne) am 26.02.1943 einen Einbürgerungsantrag (s. u.).

Nach den Angaben der Schwester Minna, zieht diese im Jahr 1952 nach Australien zu ihrem Bruder Abraham, um ihn zu pflegen, da er durch die Misshandlungen in der Nazizeit gesundheitlich schwer angeschlagen ist. Zwei Jahre leben die Geschwister zusammen in Australien bis Abraham Wolff Ende 1954 (oder im Januar 1955 – Angaben der Schwester) in Melbourne verstirbt.

Recherche: Schüler der BBS II/Hans-Jürgen Westermayer
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.10.2017)
Foto:  – Report on Internee v. 14.11.1940 (s. u.) – Einwanderungsdatenbank Australien
– Application for Registration v. 26.02.1943 (s. u.) – Einwanderungsdatenbank Australien
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Briefe Minna Wolff an Johannes Diekhoff v. 10.02.1979 und 17.03.1983 http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_420710.html (Deportation 10.7.1942)
– Kitchener Camp: https://www.wienerlibrary.co.uk/The-Kitchener-Camp-for-Refugees
– Einwanderungsdatenbank Australien: https://recordsearch.naa.gov.au/SearchNRetrieve/Interface/ListingReports/ItemsListing.aspx– HTM Dunera: https://de.wikipedia.org/wiki/HMT_Dunera
Literatur:
Patenschaft: BBS II BFS Bautechnik
Verlegetermin: 21. Oktober  2016

Meyer Zwi Wolffs

Veröffentlicht: 27. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Meyer Zwi WOLFFS
geboren am 2. November 1870 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 16.01.1938 (Flucht in die USA im August 1937)
Todesort: New York
Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs.

Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.  1919 kann die Familie das Mehrfamilienhaus mit Scheune und Stall kaufen und vermutlich beruflich nutzen. Die beiden älteren Söhne erlernen ebenfalls das Handwerk ihres Vaters und haben einen Gesellenbrief.

Das Haus ist untervermietet, insgesamt wohnen in den Jahren 1927 – 1935 zehn verschiedene Personen im Hause Wolff. Jedoch scheinen finanzielle Probleme die Familie zu plagen. Bereits 1926 soll das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert werden. Immer wieder droht der Verkauf des Hauses, Schulden können aber auch wieder getilgt werden. Als Meyer Zwi 1932 den Viehhandel aufgibt, fehlt der Familie vermutlich die Existenzgrundlage. Am 16.5. 1938 kommt es tatsächlich zur Zwangsversteigerung des Hauses zum Preis von 9000 Reichsmark. Zu diesem Zeitpunkt wohnt hier aber bereits niemand mehr. Laut Zeugenaussagen soll Familie Wolffs verschuldet und das Haus in einem verwahrlosten Zustand sein.
Auffallend ist, dass die Familienmitglieder wohl keine Zukunft für sich in Aurich sehen. Sie ziehen aus Aurich fort und wandern zum Großteil nach Amerika und Argentinien aus. Vielleicht wurden sie erfasst von der ersten großen Auswanderungswelle jüdischer Bewohner, die Deutschland wegen der zunehmenden Diskriminierung oder wegen des Boykotts jüdischer Geschäfte verlassen wollten. Zwischen 1933 und 1937 waren es jährlich 20 – 25.000 Juden, die aus Deutschland flohen. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde die Auswanderung verboten und zur Zeit der Deportationen ab 1942 war die Flucht beinahe unmöglich.
(Quelle: http://www.kinofenster.de/filme/ausgaben/kf0201/juedische_emigration_im_dritten_reich/)

Auf diesem Hintergrund ist es zu erklären, dass die Ausreisen von sechs Familienmitgliedern vor Kriegsbeginn geglückt sind. Sie können sich vor dem Holocaust retten. Dazu zählen die Eltern: Meyer Zwi Wolffs und seine Frau Helene, die zunächst bei ihrer Tochter Elsa und dem Schwiegersohn Julius Kahn in Köln unterkommen. Sie fliehen im August 1937 über Amsterdam nach Amerika, wohin auch bereits Tochter Käthe im Jahr 1930 und die beiden jüngsten Kinder Jakob und Grete 1936 geflohen sind. Nur 6 Monate später, am 16. Januar 1938, stirbt der Vater in New York und lässt seine Frau allein zurück.

Im Jahr 1950 beauftragt Helene Wolffs von New York aus den Rechtsanwalt Ellscheid aus Köln mit einem Antrag auf Wiedergutmachung für das zwangsversteigerte Haus Lüchtenburger Weg Nr.8  in Aurich. Es ist jetzt in einem pfleglichen Zustand, sein Wert beträgt 15.000 DM. 1953 kommt es zu einer gerichtlichen Einigung: Helene Wolffs wird nur geringfügig entschädigt.

Und auch die drei Geschwister Hermann Wolffs, geb. 22.03.1903, Jakob Wolffs, geb. 1.2.1916 und Grete Wolffs, geb. 20.4.1918 überleben, weil sie rechtzeitig ins Ausland fliehen können.
Hermann, von Beruf Viehhändler wie sein Vater, flieht als Einziger aus der Familie 1936 nach Argentinien.
Jakob ist 19 Jahre, als er 1935 die Flucht nach New York schafft und auch Grete ist erst 18 Jahre, als sie 1936 in Amerika ankommt.

Anders ergeht es denen, die wohl Aurich, nicht aber Europa verlassen können. Helenes und Meyer Zwis vierte Tochter Edith wird am 2. September 1913 in Aurich geboren. Sie erlernt den Beruf einer Verkäuferin und verlässt im November 1934 das Elternhaus. Im Februar 1936 kehrt sie nach Aurich zurück und heiratet Fritz Sorsky, der am 17. November 1907 in Bittkow, Kreis Kattowitz in Schlesien geboren wurde. Fritz Sorsky ist Manufaktorist und kommt im Jahr 1926 nach Deutschland, er erhält eine Einbürgerungsurkunde, die ihm die preußische Staatsangehörigkeit bescheinigt. Im Oktober 1926 bezieht er eine Wohnung in Aurich in der Kirchstraße 7 als Mieter bei Familie van Dyk.
Für ein Jahr wohnen das Ehepaar Fritz und Edith Sorsky im Lüchtenburger Weg 8. Auf der Meldekarte von Fritz Sorsky heißt es mit Datum vom 30.12. 1937: „er ist verheiratet mit der Tochter des Viehhändlers Meyer Zwi und ist Mitte April 1937 nach Holland ausgewandert, befindet sich jetzt in USA“.

Tragischer Weise belegt also die Meldekarte, dass die Sorskys vorhatten auszuwandern, dass es ihnen aber nicht gelungen ist. Zunächst wohnen sie, wie aus Ediths Meldekarte hervorgeht, in Rotterdam, wo 1938 ihr Sohn Hans Sorsky geboren wird.  Im Februar 1941 ziehen sie noch für kurze Zeit nach Amsterdam in die Mauvestraat 59 I, doch dann werden alle drei im Durchgangslager Westerbork interniert.

Das Sammellager Westerbork bei Assen „wurde ursprünglich von den niederländischen Behörden eingerichtet, um dem Flüchtlingsstrom aus dem ´Dritten Reich´ Herr zu werden.“ 1942 bestimmten die deutschen Besatzer Westerbork zum „polzeilichen Judendurchgangslager“ und schufen eine Verbindung zum Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches. Die SS nutzte das vorhandene Lager und sammelte Juden aus dem gesamten Land, um sie Richtung Osten zu deportieren und die „Endlösung der Judenfrage in den Niederlanden“ durchzuführen.
(Quelle: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)

Am 15. und 16. Juli 1942 gehen die ersten beiden Züge mit insgesamt 2030 Gefangenen ab Westerbork in das Vernichtungslager nach Ausschwitz. Die Sorskys sind darunter. Edith und ihr dreijähriger Sohn werden direkt nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt und ermordet.
Fritz Sorsky hat noch zwei Monate zu leben und wird am 11. September 1942 in Ausschwitz ermordet. Ihr Traum von einer Flucht in die USA und vom Überleben hat sich nicht erfüllt.

Ähnlich wird es auch der Familie des Bruders Ludwig ergangen sein. Er verließ schon 1925 Aurich als Viehhandelsgeselle und arbeitete zunächst in Viersen am Niederrhein. Seine Spuren findet man erst im Februar 1941 in Amsterdam wieder. Dort wohnt er am Moddermolensteeg zusammen mit seiner Frau Wilhemine und seinen beiden Söhnen Jaques, drei Jahre, und Maurits Simon, 6 Jahre. Genau wie die Sorskys wird Ludwig mit seiner Familie nach Westerbork gebracht. Ein Jahr nach Edith, Fritz und Hans Sorsky wird Luwigs Familie am 8. Juni 1943 in den Zug  durch Deutschland nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor gebracht.
Die Fahrt dauert drei Tage und trägt die Bermerkung: „Kindertransport“.
(s. Deportationsliste buarch)

Ludwig und seine Familie werden in Sobibor ermordet und am 11. Juni 1943 für tot erklärt. Für ihn, seine Frau und die beiden Söhne wurden Stolpersteine an ihrem letzten Wohnort in Beilen, Niederlande, verlegt.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 21.10.2016)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/
Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork)
Literatur:
Patenschaft: Anna und Udo Kettwig
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

Martin Wolff

Veröffentlicht: 27. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Martin Wolff - SteinMartin WOLFF
geboren am 24. September 1894 in Aurich

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: 12. März 1942
Todesort: Bernburg
Martin Wolff wurde am 24. September 1894 mit seinem Zwillingsbruder Abraham in Aurich als Kind von Wolff Abraham und Rosetta Wolff geboren. Er arbeitet im Viehhandel seines Vaters mit und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter. Martin dient im 1. Weltkrieg als Soldat. Er wird verwundet und erhält als Auszeichnung das Eiserne Kreuz. Als der Naziterror beginnt, glaubt er, dass diese Auszeichnung und seine Mitgliedschaft im „Frontkämpferbund“ ihn vor Repressalien schützen würden.Martin heiratet Karoline Wolff und hat mit ihr fünf Kinder: Roesel, Hildegard, Hannelore, Wolfgang und Selly.
In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree” (2005) zeichnet die Tochter Hannelore ein liebenswertes Bild ihres Vaters.Im Juli 1934 zieht Martin Wolff mit seiner Familie nach Sandhorst in ein Nebengebäude von Gut  Eschen.

Der Besitzer des Gutes, Menko Dieken, hatte schon immer mit jüdischen Viehhändlern zusammengearbeitet und sieht offensichtlich auch 1934 kein Problem darin, Räume auf dem Gut an die jüdische Familie Wolff zu vermieten.  Die Familie Wolff organisiert in den folgenden Jahren Ferienaufenthalte für jüdische Großstadtkinder aus Bremen und Berlin, die von der „Kinderlandverschickung“ der Nazis grundsätzlich ausgeschlossen sind. Dies nehmen Nazis in Aurich 1938 zum Anlass, in Zeitungsartikeln gegen „diesen skandalösen Zustand“ zu polemisieren, eine Unterschriftenliste gegen diese „Belästigung“ zu organisieren und die Schließung des „Kinderheims“ sowie die Kündigung der Familie Wolff zu erzwingen. Am 27.09.1938 müssen Martin und Karoline Wolff mit ihren Kindern Hannelore, Wolfgang und Selly Gut Eschen verlassen und ziehen nach Aurich in die Marktstraße 4.Auf Betreiben des Kreisbauernführers Trauernicht strengt der Landesbauernführer einen Prozess zur Aberkennung der „Bauernfähigkeit“ des Menko Dieken an. Dieser Prozess geht schließlich vor das Landeserbhofgericht in Celle, zieht sich über 2 ½ Jahre hin und endet zum Glück für Menko Dieken mit der Einstellung des Verfahrens. Am 10.10.1939 werden Martin Wolff mit Frau Karoline und Söhnen Wolfgang und Sally auf der Liste der im Kreis Aurich und Stadt Aurich gemeldeten Juden aufgeführt. Auch nach den traumatischen Erlebnissen des Terrors in der Reichspogromnacht bleibt die Familie in Aurich. Martin Wolff wird – vermutlich aufgrund seiner Kriegsverletzung  –  nicht wie die meisten jüdischen Männer nach der Pogromnacht in Sachsenhausen inhaftiert.

In der Zeit des zunehmenden Naziterrors gegen die jüdische Bevölkerung wird die Familie auseinandergerissen. Ihre beiden älteren Töchter Rösel und Hildegard können nach England bzw. Palästina auswandern. Hannelore, ihr 3. Kind, geht nach Berlin in eine jüdische Schule für Kindergärtnerinnen; die beiden Jungen Wolfgang und Selly werden nach Köln in ein jüdisches Kinderheim geschickt. Im Februar 1940 müssen Martin und Karoline dann gezwungenermaßen Aurich verlassen.  Sie ziehen mit Karolines Mutter, Henriette Wolff (wohnhaft in der Lilienstraße 9), nach Weimar in die Kaiserin Augusta Straße 57, später in das Haus Brühlplatz 6.

Am 23.01.1942 wird Martin Wolff in Weimar verhaftet und zunächst in Buchenwald inhaftiert. Er war unerlaubterweise als Jude mit einem Fahrrad gefahren. Da Martin aufgrund einer Kriegsverletzung  gehbehindert ist, konnte er nur so seine weiter entfernte Arbeitsstelle bei einem Kartoffelhändler erreichen.
Am 12.03.1942 wird Martin Wolff  im Alter von 47 Jahren in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
Von den Angehörigen wird auf den Genealogiedatenbanken geni.com und ancestry.com der 23.03.1942 als Todestag genannt. In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“, (S. 9) nennt Martins Tochter Hannelore Wolff/Laura Hillmanden den 14.03.1942 als Todesdatum, das ihrer Mutter zusammen mit der Zusendung der Asche des Toten mitgeteilt wurde. Die Angehörigen erhielten vermutlich eine Todesurkunde mit einer Falschbeurkundung – wie auch in „Euthanasie“ Fällen häufig geschehen. Der 12.03.1942 ist der tatsächliche Todstag (Auskunft Dr. Ute Hoffmann, „Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg“).

In der „Tötungsanstalt Bernburg“ wurden im Rahmen der  „Aktion 14f13“, in der Sprache des Nationalsozialismus auch als „Sonderbehandlung 14f13“  bezeichnet, kranke, alte und als „nicht mehr arbeitsfähig“  betitelte KZ-Häftlinge im Deutschen Reich in den Jahren 1941 bis 1944 ermordet.

Als Martins Frau Karoline in Weimar den Deportationsbefehl erhält, reist ihre Tochter Hannelore aus Berlin zu ihrer Mutter. Am 10. Mai 1942 muss sich Karoline mit ihren Kindern Hannelore, Wolfgang und Selly in der Viehauktionshalle von Weimar zur „Abfertigung“ einfinden – eine erniedrigende Prozedur.

Am 12.05.1942 erreicht der Zug Lublin mit 1.002 Deportierten.  Karoline lebt zunächst mit ihren Kindern im dortigen Ghetto und wird später nach Auflösung des Ghettos in Belzyce ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Die Tochter Hannelore kann den Völkermord überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wird. Die Söhne Wolfgang und Selly werden ermordet. Die Töchter Roesel und Hildegard überleben ebenfalls.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

Fotos von der Stolpersteinverlegung: Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto: – Martin Wolff und seine Frau Karoline Wolff, geb. Wolff
– Gut Eschen (ca. 1929)
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:  Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Arno Hedke
Verlegetermin: 21. Februar 2013
Gut Eschen 3 Foto C. Dieken 1929

Das Gut Eschen (Foto: C. Dieken 1929)

Karoline und Martin Wolff (Foto: Laura Hillman, I will plant you a lilac tree, S. 216)

Minna Selly Wolff

Veröffentlicht: 27. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Minna Selly WOLFF
geboren am 29. Mai 1911 in Aurich

Straße: Lilienstr. 9
Todesdatum: überlebt
Todesort:
Minna wird am 29. Mai 1911 geboren als Tochter des Ehepaares Henriette Wolff geb. Von der Walde und Selke Levy Wolff, genannt Selly Wolff.
Minna ist das 11. von insgesamt 12 Kindern des Ehepaares.
Der Vater der beiden wird 67 Jahre alt und stirbt am 23. August 1930 ohne die Greul der Hitlerzeit zu erleben.Am 30.02.1940 muss ihre Mutter Henriette das Haus „aus sicherheitspolizeilichen Gründen“ verlassen und zieht mit zwei Töchtern nach Weimar. Minna und Abraham haben Aurich zu dieser Zeit schon verlassen. Das Haus Lilienstraße 9 wird noch im selben Jahr zwangsversteigert.
Henriette Wolff wird am 10. März 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt im Alter von 68 Jahren ermordet.
Für sie und sechs ihrer Kinder Rosa Grünberg geb. Wolff, Alma und Magnus Wolff, Gerda Selli Jakobs, Jakob Wolff und Ilse Gutmann geb. Wolff wurden bereits am 9. November 2012 in der Lilienstraße Stolpersteine verlegt.
Für zwei weitere Geschwister von Abraham und Minna und deren Familien liegen Stolpersteine an der Leerer Landstraße 18 (Karoline Wolff geb. Wolff) und im Krähennestergang 1 (Eva van der Wall geb. Wolff).
Nur drei der insgesamt 12 Kinder überleben den Holocaust. Minna und Abraham sind zwei davon, der Bruder Ludwig ist der dritte Überlebende.1979 schreibt Minna Wolff aus Jerusalem an Johannes Diekhoff in Aurich einen Brief. Sie hat häufiger mit Johannes Diekhoff korrespondiert (s. Nachlass Diekhoff). Minna Selly Wolff  soll hier selbst zu Wort kommen (in Klammern Ergänzungen aus einem Brief an Johannes Diekhoff vom 17.03.1983):„Mehr als 400 Jahre hat unsere Familie in Aurich gelebt. Alle Auricher Juden waren – oder besser gesagt, dachten sie waren – Deutsche, jüdischen Glaubens.
Nur zwei Brüder und ich haben die Hitlerzeit überlebt. Meine Brüder sind an den Folgen der schweren Jahre später gestorben. Meine Mutter, Geschwister mit ihren Männern, Frauen und Kindern sind in Konzentrationslagern vergast oder zu Tode geschlagen worden, nur Gott weiß es. (…)
Ich wurde am 29. Mai 1911 als elftes Kind des Viehhändlers und Schlachtermeisters Selly Wolff in Aurich, Lilienstraße 9, geboren.
Ich besuchte die jüdische Volksschule, dann die Höhere Mädchenschule in Aurich und machte die Schlussprüfung am Oberlyceum in Leer.
Nachdem ich die Höhere Handelsschule  in Hannover beendet hatte, arbeitete ich als Buchhalterin im Geschäft meiner Eltern.
Im Juni 1939 flüchtete ich nach Belgien. (Am 12.Mai) 1940, als Hitler Belgien angriff, flüchtete ich von dort nach Frankreich. Dort wurde ich (am 28.Mai 1940 in Bordeaux) erwischt (Petain Regierung, Frankreich arbeitete zusammen mit den Nazis) und ins Konzentrationslager (Guers hoch oben in den Pyrenäen an der spanischen  Grenze) geschickt. Es gelang mir nach 3 Monaten aus dem Lager zu flüchten (Ich wurde im August 1940 durch einen guten Freund, der viel Geld dafür zahlte, aus dem Lager geschmuggelt). Ich lebte dann zwei Jahre im Untergrund (in und um Marseille).Im Herbst 1942 flüchtete ich in die Schweiz (was mir mit Hilfe dner Katholischen Kirche, die mir falsche Papiere besorgte unter dem Namen Marie Louise Müller geb. in Colmar, Elsass Lothringen, gelang), war dort einige Jahre interniert und arbeitete dann bis zum Ende des Krieges in Zürich in einem christlichen Krankenhaus als Köchin in der koscheren Küche (im Katholischen Krankenhaus „Bethanienheim“ am Zuerich-Berg in Zuerich).
Im August 1945 wanderte ich von dort aus (und kam im Oktober 1945 über Spanien, Portugal in Haifa an) nach Palästina, jetzt Israel. Dort erfuhr ich durch das Internationale Rote Kreuz, dass zwei meiner Brüder (Ludwig und Abraham) den Krieg überlebten (und deren Wohnsitz).
1952 verließ ich Israel und wanderte nach Australien aus. Dort lebte ich bei meinem Bruder Abraham, dessen Frau und Sohn von Hitler umgebracht wurden. Die Nazis hatten meinen Bruder in der Kristallnacht und später im Konzentrationslager so zerschlagen, dass er 1954 nur 48 Jahre alt an den Folgen in Melbourne starb.

Meinem älteren Bruder Ludwig, dessen Frau und Sohn auch von Hitler umgebracht wurden, gelang es nach dem Krieg (über viele Umwege) nach Amerika auszuwandern. 1955 verließ ich Australien, um mit meinem Bruder in Kalifornien zu leben (und nach 21 Jahren sahen wir uns dort wieder. Dort lebte ich dann 18 Jahre, arbeitete als Buchhalterin. Im Jahr 1968 musste ich auf ärztliche Anordnung krankheitshalber meine Arbeit aufgeben. Die schwere Zeit, die Hunger-, Flucht- und Kriegsjahre, der Verlust all meiner Angehörigen, blieb nicht in den Kleidern hängen, sie griffen Herz, Seele und Körper an.). Er starb 1971.“

Nach ihren vielen Lebensstationen der Flucht, des Lebens im Untergrund, der Gefangenschaft und der Suche nach Familienangehörigen und nach einer Heimat kehrt Minna Wolff nach Israel zurück. Sie schreibt:
„1973 wanderte ich von Amerika zurück nach Israel und hoffe nun hier den Rest meines Lebens in Frieden zu leben.“

Das Todesdatum von Minna Wolff konnte bisher nicht festgestellt werden.

Recherche: Schüler der BBS II/Hans-Jürgen Westermayer
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.10.2017)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Briefe Minna Wolff an Johannes Diekhoff v. 10.02.1979 und 17.03.1983
Literatur:
Patenschaft: Irmtraut Hausmann
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Henny Hartog

Veröffentlicht: 26. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Henny HARTOG
geboren am 27. Juni 1882 in Aurich

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: Unbekannt, Deportation von Köln nach Litzmannstadt 30.10.1941
Todesort: Chelmno (Kulmhof)
Für Henny Hartog wurde in Aurich  kein Stolperstein verlegt, da sie bereits vor 1933 die Stadt verließ. Für seine Geschwister Riwka „Berta“, Sara und Kossmann „Oskar“ Hartog wurden Stolpersteine in der Wallstraße 16 verlegt.

Henny Hartog wurde als fünftes von sieben Kindern ihrer Eltern Philip Hartog jun. und Rachel Hoffmann am 22. Februar 1887 in Aurich geboren.
Ihre Geschwister waren:
a) Riwka (auch genannt Bertha), geboren Aurich 02.08.1872
b) Sara, geboren Aurich 05.02.1875
c) Kossmann (auch Oskar genannt), geb. Aurich 06.06.1877
d) Jettchen, geboren Aurich 1879, nur 13 Jahre alt geworden)
e) Henni (Henny), geb. Aurich 27.06.1882
f) Gelli, geboren Aurich 1884, nur 18 Jahre alt geworden
g) Hermann, geb. Aurich 22.02.1887

Ihre Mutter verstarb 1890, ihr Vater 1898. Henny war also mit 16 Jahren bereits Vollwaise.

Henny Hartog wurde wie ihre Geschwister Riwka, Sara, Kossmann und Hermann ermordet. Ihr Name findet sich im Gedenkbuch der jüdischen Opfer in der Gedenkstätte Yad Vashem und im Gedenkbuch des Bundesarchivs.
Sie wohnte zuletzt in Köln, wurde am 30.10.1941 von dort in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert und im Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2018)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen:  
Literatur:  
Patenschaft:
Verlegetermin:

 

 

Veröffentlicht: 26. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hermann HARTOG
geboren am 22. Februar 1887 in Aurich

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: Unbekannt, Deportation ab Drancy (F) am 4. September 1942
Todesort: Auschwitz
Für Hermann Hartog wurde in Aurich  kein Stolperstein verlegt, da er bereits vor 1933 die Stadt verließ. Er lebte 1939 für zwei Monate in Aurich. Dies war aber kein „freiwillig gewählter“ Wohnsitz.

Für seine Geschwister Riwka „Berta“, Sara und Kossmann „Oskar“ Hartog wurden Stolpersteine in der Wallstraße 16 verlegt.

Hermann Hartog wurde als siebentes und jüngstes Kind seiner Eltern Philip Hartog jun. und Rachel Hoffmann am 22. Februar 1887 in Aurich geboren.
Seine Geschwister waren:
a) Riwka (auch genannt Bertha), geboren Aurich 02.08.1872
b) Sara, geboren Aurich 05.02.1875
c) Kossmann (auch Oskar genannt), geb. Aurich 06.06.1877
d) Jettchen, geboren Aurich 1879, nur 13 Jahre alt geworden)
e) Henni (Henny), geb. Aurich 27.06.1882
f) Gelli, geboren Aurich 1884, nur 18 Jahre alt geworden

Seine Mutter verstarb 1890, sein Vater 1898. Hermann war also mit 11 Jahren bereits Vollwaise.

Hermann Hartog wird Lehrer. Er zieht nach Jever und heiratet dort Henny Scheuer (* 21.07.1997 in Frankfurt/Main. In Jever sind ihre Namen auf einem Gedenkstein vermerkt.
Hermann wird nach der Reichspogromnacht am 9.11.1938 bis zum 12.12.1938 in Sachsenhausen interniert.
In Wilhelmshaven wohnen sie in der Bismarckstr. 107 (Angaben der Tochter, s.u.).
Ihre Tochter Inge (* Dez. 1926) konnte nach England (Kindertransport?) entkommen.

Am 9.08.1939 ziehen Hermann und Henny Hartog aus Wilhelmshaven (Tonndeichstr. 4) nach Aurich in die Wallstr. 39 zu Hermanns Geschwistern Riwka, Sara und Kossmann „Oskar“.
Schon am 13.10.1939 ziehen sie weiter nach Brüssel und weiter nach Frankreich (Rue de Virgon, Assette, Basses Pyrenee, France – Angaben der Tochter, s.u.), wohl in der Hoffnung, dem Naziterror entkommen zu können.

Hermann und Henny Hartog werden am 4.09.1942 vom Sammellager Drancy (südlich Paris) nach Auschwitz deportiert.
Dort werden sie umgebracht. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: https://www.groeschlerhaus.eu/erinnerungsorte/gerichtsgefaengnis-jever/
– http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?itemId=1947567&language=de Angaben der Tochter: Inge Sinden, 52, Woodsland Road, Hassocks, W. Sussex, BN6 8EU (Blatt unterschrieben am 24.1.1993)
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin:

 

 

 

Kossmann „Oskar“ Hartog

Veröffentlicht: 26. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Kossmann „Oskar“ HARTOG
geboren am 6. Juni 1877 in Aurich

Straße: Wallstr. 46
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Litzmannstadt (Lodz) 23.10.1941
Todesort: unbekannt

Kossmann „Oskar“ Hartog 1939 (Sammlung Hepburn)

 

 

 

 

 

 

 

 

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I). Familie Hartog in Aurich – ein kurzer Überblick

Die Eltern der Geschwister Hartog in Aurich, um die es uns heute geht, waren Philipp Gottschalk Hartog (geboren 1838) und Frau Rahel Cossmann Hoffmann (geboren 1845). Ihr Haus stand in der Wallstraße 46 in Aurich. Da die Straßenansichten sich hier in den Jahren seit der Familie Hartog etwas verändert haben, haben wir ein Foto mitgebracht. Es zeigt die Lage der Häuser vor etwa 60 Jahren und stammt aus den Beständen der Dorgerie Maaß. Vater Philipp Hartog war von Beruf Schlachter. Dieser Beruf hatte eine große Tradition in dieser Auricher Familie. Übrigens waren von den 20 Schlachtereien in Aurich 1933 14 in jüdischer Hand. Diese Zahl belegt, welche große Rolle die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in diesem Berufsfeld hatten. Zu bedenken ist dabei, dass sie viele Berufe ohnehin nicht ergreifen durften. Philipp Hartog hatte Vor- und Zunamen von seinem Großvater Philipp Hartog senior bekommen, der bis 1820 in Aurich lebte und als Schlachter arbeitete. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts muss sein Geschäft eher noch klein gewesen sein, er bezahlt ein vergleichsweise nur geringes Schutzgeld.
 Quelle: Online Ofb /  Quelle: Staatsarchiv Aurich Dep. 34b, 1103, fol. 18.

Aurich, Wallstraße Richtung Große Mühlenwallstraße vor 60 Jahren – das Haus mit der kleinen Gaube hat die Hausnummer 40. (Foto nur zum privaten Gebrauch; zur Stolpersteinverlegung am 21. Oktober 2016 Copyright: Drogerie Maaß, Osterster. 26, Aurich)

Von ihm ging der Betrieb über an seinen Sohn Gottschalk oder Gossel Hartog über, der den Betrieb bis zu seinem plötzlichen Tod 1856 weiterführte. Sehr früh stand nun der 18jährige Philipp Hartog junior vor der Herausforderung, den elterlichen Betrieb über die Runden zu bringen und weiterzuführen. Aber auch er hat kein langes Leben gehabt: Philipp Hartog junior wurde nur 50 Jahre alt und liegt auf dem jüdischen Friedhof hier in Aurich begraben. Er starb 1898. Damals war er schon Witwer. Seine Ehefrau Rahel wurde nur 45 Jahre alt und starb 1890.  Damals war der jüngste Sohn Hermann der Familie erst drei Jahre alt. Die Familie hat es über Generationen hinweg nicht leicht gehabt. Sie war über Generationen in Aurich sehr bekannt und das galt auch für die Familie von Rachel, Philipp Hartog juniors Ehefrau. Ihre Familie stammte eigentlich aus Marienhafe und beschäftigte sich in erster Linie mit dem Viehhandel. So war sie vielen in Stadt und Land gut bekannt. Rachels Vater hieß Cossmann Moses Salomon Hoffmann und lebte von 1802-1865, Rachels Mutter war Sara Krieger Abrams. Sie ist die Älteste in ihrer Familie gewesen und wurde 84 Jahre alt. Nun kommen wir zu den Kindern von Philipp junior und Rachel, die uns heute besonders beschäftigen und zu deren Andenken auch insgesamt drei Stolpersteine verlegt werden sollen.
II). Die Kinder von Philipp Hartog junior und Rachel Hoffmann:

Geschwister Hartog vor ihem Haus in der Wallstr. 46 – v. l. sitzend: Bertha, Henny – stehend: Oskar, Sara, Hermann

Insgesamt gehörten folgende Kinder zur Familie Hartog:a). Riwka (auch genannt Bertha), geboren Aurich 02.08.1872
b). Sara, geboren Aurich 05.02.1875
c). Kossmann (auch Oskar genannt), geb. Aurich 06.06.1877
d). Jettchen, geboren Aurich 1879, nur 13 Jahre alt geworden)
e). Henni (Henny), geb. Aurich 27.06.1882
f). Gelli, geboren Aurich 1884, nur 18 Jahre alt geworden
g). Hermann, geb. Aurich 1887

An diese Familie wollen wir heue erinnern. Von den sieben Kindern der Familie Hartog sind zwei schon in der Zeit des deutschen Kaiserreiches gestorben. Die Familientradition der Schlachterei in Aurich führte der Sohn Kossmann, benannt nach seinem Großvater mütterlicherseits, weiter. Meistens nannte er sich Oskar.
III.  Zum Schicksal dieser Kinder kann man folgendes sagen:

Bertha Hartog 1939 (Sammlung Hepburn)

Zu a). Riwka oder Bertha Hartog war soweit wir bisher herausgefunden haben, nicht verheiratet. Sie lebte in einer Hausgemeinschaft mit ihre Bruder, Schlachter Kossmann „Oskar“ Hartog und ihrer Schwester Sara im Haus der Familie in der Wallstraße, Aurich. Bertha arbeitete als Näherin. Sie war bei der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 61 Jahre alt und musste mit über 70 Jahren dann noch die schreckliche Deportation erleben. Über Berlin wurde sie 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) gebracht und kam von da in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno). Sie wurde am 12. Mai 1942 dort ermordet. Wir wollen sie nicht vergessen.

Zu b). Sara Hartog war, soweit wir herausgefunden haben, ebenfalls nicht verheiratet. Sie lebte in Hausgemeinschaft mit der eben genannten Schwester Bertha und dem Schlachter Kossmann „Oskar“ Hartog. Über sie haben wir nicht als erste geforscht. Weil sie zuletzt in Emden lebte, wurde ihr Schicksal bereits von einer Arbeitsgruppe der Berufsbildenden Schulen recherchiert und wir können zum Teil auf einige interessante einzelne Dokumente aus der Emder Arbeitsgruppe zurückgreifen. Die Arbeitsgruppe wurde von der Emder Max Windmüller-Gesellschaft unterstützt und hat ihre Ergebnisse auch im Internet unter der Überschrift „Eine Reise nach Lodz“ veröffentlicht.  Dafür erhielt die Gruppe den Schülerfriedenspreis des Landes Niedersachsen.
Quelle: Eine Reise nach Lodz. Auf der Suche nach Spuren der letzten ostfriesischen Juden, Emden 2014.

Staatsarchiv Lodz, Mikrofilm: L21113cz4 – 5872, aufgefunden von der Forschungsgruppe aus Emden.

Sara Hartog war schon Rentnerin, als sie von den Nationalsozialisten deportiert wurde. Sie kam über Hamburg in das Ghetto Litzmannstadt und von da wie ihre Schwester Bertha in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno). Dazu gibt es ein grausiges Dokument: der sogenannte „Älteste der Juden“ in Litzmannstadt bescheinigt die Abmeldung der Sara Hartog mit dem Hinweis, sie sei „ausgewiesen“ worden. Das war eine Umschreibung für die Reise in den Tod, in das Vernichtungslager. In Chemno wurden die Ankommenden mit Auspuffgasen in LKWs auf grausame Weise ermordet.

Postkarte Sara Hartog an Emmy Wolffs (Quelle: Staatsarchiv Lodz, Mikrofilm: L 20933 III – 10434, aufgefunden von der Forschungsgruppe aus Emden)

Die Emder Arbeitsgruppe zur Erforschung ihres Schicksals hat eine sehr anrührende Postkarte aufgespürt, die noch ihre Handschrift zeigt. Sie stammt vom Neujahrstag 1942 und ist eine Antwort auf eine Karte, die am Silvestertag 1941 dort ankam. So wissen wir, dass sie im Ghetto Litzmannstadt in der Gnesener  Straße in einem sogenannten „Altersheim“ lebte. Wie schlimm werden die Lebensbedingungen dort gewesen sein! Nichts durfte sie natürlich davon schreiben. Aber besonders berührt hat uns, dass sie sehr liebe Zeilen an ihre Bekannte Frau Emmy Wolffs schrieb, die in ein sogenanntes jüdisches Altersheim nach Varel gebracht worden war. Aber dort sind diese Zeilen niemals gelesen worden – Post aus dem Ghetto wurde einfach beiseitegelegt und nicht befördert,  mit deutscher Gründlichkeit aber gut aufgeboben und so existiert diese Karte im Staatsarchiv von Lodz bis heute.

„Liebe Familie Wolffs! Ihre Karte haben wir gestern erhalten, ebenso die 32 Mark, die Herr Wolffs uns schickt. Wir haben uns sehr damit gefreut und sagen unseren besten Dank dafür. Hoffentlich geht es Ihnen allen gut. Wir sind soweit auch gesund. Nur Oskar hatte vorige Woche einen Herzanfall, ist aber Gott sei dank schnell vorüber gegangen. Mit Rosa bin ich immer zusammen, auch hier im Altenheim. Auch sie ist gesund. Sehr leid tut es uns, dass Adelheid C. und Frau Haag so krank sind. Ich wünsche beiden von Herzen gute Besserung. Frau Maiberg ist heute zu ihrem Mann gegangen. Herr Weinberg ist hier bei uns. Seine Schwester ist auch fort. Nun seien Sie, liebe Frau Wolffs, recht herzlich gegrüßt von Ihren Geschwistern Hartog. Bitte Adolf Wolffs und Mutter zu grüßen. Ihre Geschwister Hartog.“

Zu c). Für den Schlachter Kossmann (Oskar) Hartog gibt es eine günstigere Quellenlage als bei seinen Schwestern, weil er sich auch öffentlich betätigte. Wir folgen hierin den sehr ausführlichen Untersuchungen von Johannes Diekhoff, der die Lage der jüdischen Bewohner Aurichs damals sehr detailliert erarbeitet hat.  Er hat bei seinen Arbeiten auch ein Porträt von Kossmann Oskar Hartog aufgespürt.
Quelle: Diekhoff, Johannes, Die Auricher Judengemeinde von 1930-1940; in: Die Juden in Aurich, hg. von Herbert Reyer, Aurich 1992, S. 129ff.

Großes Interesse hatte er an der Arbeit des „Israelitischen Jüngslingsvereins“ in Aurich, der bereits im 19. Jahrhundert gegründet wurde. Eines der Hauptziele dieses Vereines war neben der Pflege der Geselligkeit unter den jungen Leuten die Unterstützung von Mitgliedern, die den Lehrerberuf ergreifen wollten. In diesem Verein arbeitete Kossmann Hartog als Schriftführer. Vorsitzender war Benjamin Samson. 1934 hatte dieser Verein in Aurich 25 Mitglieder. Aus dem Verzeichnis der Auricher Schlachterinnung wissen wir, dass Kossmann nicht nur selbst in seiner Schlachterei arbeitete, sondern auch einen Gesellen beschäftigte. Christliche und jüdische Schlachter gehörten derselben Schlachterinnung an und trafen die ihre Arbeit betreffenden Entscheidungen gemeinsam.

Oskar Hartog ca. 1934 (Sammlung Hepburn)

Kossmann Hartog war stellvertretender Obermeister in Aurich. Durch Die Gleichschaltung aller Organisationen seit 1933 durfte er dieses Amt nicht mehr ausüben. Ohne dass die jüdischen Mitglieder der Innung überhaupt informiert wurden, wurde quasi über Nacht ein neuer Vorstand gebildet. Jüdische Schlachten sollten nicht mehr darin vertreten sein und auch keine öffentlichen Aufträge mehr erhalten. Das wollte Schlachter Hartog nicht ohne Weiteres hinnehmen und fragte mutig in einer der nächsten Innungsversammlungen Mitte 1933 an, ob so ein Vorgehen überhaupt mit der Satzung der Innung im Einklang stünde. Schon bald gab es den nächsten Konflikt: weil die Innungsversammlungen mit Rücksicht auf die jüdischen Mitglieder nie Freitags (zum Beginn des Sabbattages) anberaumt wurden, machten die nationalsozialistisch gesinnten neuen Vorstandmitglieder das natürlich mit Absicht. Auch hiergegen protestierte Schlachter Hartog bei der Stadtverwaltung und es wurde ihm auch Recht gegeben. Wenn sie Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg gewesen waren, sollten Auricher jüdische Schlachter auch wieder Aufträge für das Krankenhaus erhalten. Diekhoff bringt auch Schilderungen in seinen Bericht ein, wie christliche Kunden trotz aller Drohungen eine Zeitlang weiter bei Hartogs kauften. 1934 wird in einem Polizeibericht geklagt, dass Schlachter Hartog praktisch kaum Kunden verloren hatte.
Quelle: Diekhoff, s.o. Seite 143.

Auch Schlachter Hartog war nicht verheiratet und hat dieselben Etappen seiner Deportation hinnehmen müssen: über das jüdische Altersheim in Emden (11.02.1940) ging es nach am 23.10.1941 nach Litzmannstadt (Lodz). Er wird in der Postkarte seiner Schwester vom Neujahrstag 1942 erwähnt, weil er einen Herzanfall erlitt.

Eine Quelle im Staatsarchiv Aurich bezieht sich sehr wahrscheinlich auch auf ihn:
Schreiben des Landrates Krieger, Aurich, vom 29.August 1939 an die Gestapo Wilhelmshaven hinsichtlich der Inschutzhaftnahme des Auricher Juden Oskar Hartog, der sich auf dem Bahnsteig Aurich ohne besondere Veranlassung aufhielt. Auf dem Gleis stand ein Zug, in dem zum Wehrdienst einberufene Auricher saßen, die zu ihren Gestellungsorten reisten. Wie der Landrat berichtete, soll der Jude Hartog „in besonders auffallender Art wiederholt den Bahnsteig auf und ab am Zug entlang“ gegangen sein. „Er trug hierbei ein besonders herausforderndes Benehmen zur Schau und begleitete die zum Teil bewegten Abschiedsszenen mit hämischem Lächeln. Die Bevölkerung fühlte sich in ihrem Empfinden mit recht hierdurch tiefst verletzt.“ Auch war er nicht im Besitz einer Fahrkarte. Da zu befürchten war, dass die Bevölkerung eine berechtigte Vergeltung für das Verhalten an diesem ausüben könnte, wurde dieser in Schutzhaft genommen. Die Einlieferung in das Gerichtsgefängnis erfolgte. Der Landrat bat die Gestapo Oskar Hartog möglichst bald in ein Konzentrationslager einzuliefern.
Quelle: Niedersächisches Staatsarchiv Aurich, Rep. 16/1, Nr. 1025

Wir sind uns nicht sicher, wie diese Szene am Bahnhof zu deuten ist. Sicher ist nur, dass alles, was jüdische Mitbürger damals taten oder sagten, sofort gegen sie verwendet wurde und schlimmste Folgen für sie hatte – selbst wenn sie sich nichts zuschulden kommen lassen hatten. Die Beschuldigung des Schlachters Hartog wird auch in einer Veröffentlichung des Emder Bunkermuseums dokumentiert.

Zu e). Henny Hartog wurde auch ermordet, ihr Name findet sich im Gedenkbuch der jüdischen Opfer in der Gedenkstätte Yad Vashem. Sie wohnte zuletzt in Köln, wurde am 30.10.1941 von dort in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert und im Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) ermordet.
Quelle: Gedenkbuch Bundesarchiv)

Henny geb. Scheuer und Hermann Hartog mit ihrer Tochter Lore ca. 1935 (Sammlung Hepburn)

Zu g). Hermann Hartog war erst 11 Jahre, als sein Vater starb. Seine Schwestern finanzieren ihm eine Ausbildung zum Lehrer. Er zieht schon in jungen Jahren nach Jever und heiratet am 10.03.1921 Henny Scheuer

aus Frankfurt/Main. Am 20.11.1924 wird in Jever ihre Tochter Lore geboren, am 4.12.1926 ihre Tochter Inge. Die Familie zieht nach Wilhelmshaven um (Bismarckstr. 107). Lore wird 1935/36 zum Schulbesuch nach England geschickt.
Nach der Pogromnacht am 9.11.1038 wird Hermann bis zum 12.12.1938 in Sachsenhausen interniert. Auch seine Frau Henny und die Tochter Inge werden kurze Zeit festgesetzt. Sofort nach der Freilassung wird auch Inge mit einem Kindertransport nach England geschickt. Am 9.08.1939 ziehen ihre Eltern für kurze Zeit nach Aurich. Hermann flieht am 13.10.1939 nach Brüssel; Henny folgt ihm am 2.11.1939. Sie können  sich mit Hilfe der Resistance in Assette, einem kleinen Dorf in den Pyrenäen, verstecken, werden aber aufgegriffen und im Sammellager Drany (südl. von Paris) interniert. Von dort aus werden sie am 4. September 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Lore schließt in England ihre Schulausbildung ab und wird Sekretärin. Sie heiratet im May 1944 den Engländer Ron Hepburn. Ihr einziges Kind, Peter Hepburn, wird 1950 geboren. Lore stirbt im Februar 2016.
Ihre Schwester Inge heirate ebenfalls einen Engländer, Peter Sinden. Sie stirbt wenige Wochen vor ihrer Schwester im Dezember 2015.

Eine ausführliche Biografie von Oskar Hartog findet sich in dem Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehn werden.

Recherche: Jugendarbeitskreis der Kirchengemeinde Victorbur/Hans-Jürgen Westermayer
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 9.02.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:  Informationen von Ainslie Hepburn (Schwiegertochter von Lore Hartung verh. Hepburn) v. 9.02.2018
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Sara Hartog

Veröffentlicht: 26. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Sara HARTOG
geboren am 5. Februar 1875 in Aurich

Straße: Wallstr. 46
Todesdatum: 12. Mai 1942
Todesort: Kulmhof (Chelmno)
I). Familie Hartog in Aurich – ein kurzer Überblick

  Die Eltern der Geschwister Hartog in Aurich, um die es uns heute geht, waren Philipp Gottschalk Hartog (geboren 1838) und Frau Rahel Cossmann Hoffmann (geboren 1845). Ihr Haus stand in der Wallstraße 46 in Aurich. Da die Straßenansichten sich hier in den Jahren seit der Familie Hartog etwas verändert haben, haben wir ein Foto mitgebracht. Es zeigt die Lage der Häuser vor etwa 60 Jahren und stammt aus den Beständen der Dorgerie Maaß. Vater Philipp Hartog war von Beruf Schlachter. Dieser Beruf hatte eine große Tradition in dieser Auricher Familie. Übrigens waren von den 20 Schlachtereien in Aurich 1933 14 in jüdischer Hand. Diese Zahl belegt, welche große Rolle die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in diesem Berufsfeld hatten. Zu bedenken ist dabei, dass sie viele Berufe ohnehin nicht ergreifen durften. Philipp Hartog hatte Vor- und Zunamen von seinem Großvater Philipp Hartog senior bekommen, der bis 1820 in Aurich lebte und als Schlachter arbeitete. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts muss sein Geschäft eher noch klein gewesen sein, er bezahlt ein vergleichsweise nur geringes Schutzgeld.
Quelle: Online Ofb /   Quelle: Staatsarchiv Aurich Dep. 34b, 1103, fol. 18.

Von ihm ging der Betrieb über an seinen Sohn Gottschalk oder Gossel Hartog über, der den Betrieb bis zu seinem plötzlichen Tod 1856 weiterführte. Sehr früh stand nun der 18jährige Philipp Hartog junior vor der Herausforderung, den elterlichen Betrieb über die Runden zu bringen und weiterzuführen. Aber auch er hat kein langes Leben gehabt: Philipp Hartog junior wurde nur 50 Jahre alt und liegt auf dem jüdischen Friedhof hier in Aurich begraben. Er starb 1898. Damals war er schon Witwer. Seine Ehefrau Rahel wurde nur 45 Jahre alt und starb 1890.  Damals war der jüngste Sohn Hermann der Familie erst drei Jahre alt. Die Familie hat es über Generationen hinweg nicht leicht gehabt. Sie war über Generationen in Aurich sehr bekannt und das galt auch für die Familie von Rachel, Philipp Hartog juniors Ehefrau. Ihre Familie stammte eigentlich aus Marienhafe und beschäftigte sich in erster Linie mit dem Viehhandel. So war sie vielen in Stadt und Land gut bekannt. Rachels Vater hieß Cossmann Moses Salomon Hoffmann und lebte von 1802-1865, Rachels Mutter war Sara Krieger Abrams. Sie ist die Älteste in ihrer Familie gewesen und wurde 84 Jahre alt. Nun kommen wir zu den Kindern von Philipp junior und Rachel, die uns heute besonders beschäftigen und zu deren Andenken auch insgesamt drei Stolpersteine verlegt werden sollen.

II). Die Kinder von Philipp Hartog junior und Rachel Hoffmann:

Geschwister Hartog vor ihem Haus in der Wallstr. 46 – v. l. sitzend: Bertha, Henny – stehend: Oskar, Sara, Hermann

Insgesamt gehörten folgende Kinder zur Familie Hartog:a). Riwka (auch genannt Bertha), geboren Aurich 02.08.1872
b). Sara, geboren Aurich 05.02.1875
c). Kossmann (auch Oskar genannt), geb. Aurich 06.06.1877
d). Jettchen, geboren Aurich 1879, nur 13 Jahre alt geworden)
e). Henni (Henny), geb. Aurich 27.06.1882
f). Gelli, geboren Aurich 1884, nur 18 Jahre alt geworden
g). Hermann, geb. Aurich 22.02.1887

An diese Familie wollen wir heue erinnern. Von den sieben Kindern der Familie Hartog sind zwei schon in der Zeit des deutschen Kaiserreiches gestorben. Die Familientradition der Schlachterei in Aurich führte der Sohn Kossmann, benannt nach seinem Großvater mütterlicherseits, weiter. Meistens nannte er sich Oskar.

III.  Zum Schicksal dieser Kinder kann man folgendes sagen:

Bertha Hartog 1939 (Sammlung Hepburn)

Zu a). Riwka oder Bertha Hartog war soweit wir bisher herausgefunden haben, nicht verheiratet. Sie lebte in einer Hausgemeinschaft mit ihre Bruder, Schlachter Kossmann „Oskar“ Hartog und ihrer Schwester Sara im Haus der Familie in der Wallstraße, Aurich. Bertha arbeitete als Näherin. Sie war bei der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 61 Jahre alt und musste mit über 70 Jahren dann noch die schreckliche Deportation erleben. Über Berlin wurde sie 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) gebracht und kam von da in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno). Sie wurde am 12. Mai 1942 dort ermordet. Wir wollen sie nicht vergessen.

Zu b). Sara Hartog war, soweit wir herausgefunden haben, ebenfalls nicht verheiratet. Sie lebte in Hausgemeinschaft mit der eben genannten Schwester Bertha und dem Schlachter Kossmann „Oskar“ Hartog. Über sie haben wir nicht als erste geforscht. Weil sie zuletzt in Emden lebte, wurde ihr Schicksal bereits von einer Arbeitsgruppe der Berufsbildenden Schulen recherchiert und wir können zum Teil auf einige interessante einzelne Dokumente aus der Emder Arbeitsgruppe zurückgreifen. Die Arbeitsgruppe wurde von der Emder Max Windmüller-Gesellschaft unterstützt und hat ihre Ergebnisse auch im Internet unter der Überschrift „Eine Reise nach Lodz“ veröffentlicht.  Dafür erhielt die Gruppe den Schülerfriedenspreis des Landes Niedersachsen.
Quelle: Eine Reise nach Lodz. Auf der Suche nach Spuren der letzten ostfriesischen Juden, Emden 2014.

Staatsarchiv Lodz, Mikrofilm: L21113cz4 – 5872, aufgefunden von der Forschungsgruppe aus Emden.

Sara Hartog war schon Rentnerin, als sie von den Nationalsozialisten deportiert wurde. Sie kam über Hamburg in das Ghetto Litzmannstadt und von da wie ihre Schwester Bertha in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno). Dazu gibt es ein grausiges Dokument: der sogenannte „Älteste der Juden“ in Litzmannstadt bescheinigt die Abmeldung der Sara Hartog mit dem Hinweis, sie sei „ausgewiesen“ worden. Das war eine Umschreibung für die Reise in den Tod, in das Vernichtungslager. In Chemno wurden die Ankommenden mit Auspuffgasen in LKWs auf grausame Weise ermordet.

Postkarte von Sara Hartog an Emmy Wolffs Quelle: Staatsarchiv Lodz, Mikrofilm: L 20933 III – 10434

Die Emder Arbeitsgruppe zur Erforschung ihres Schicksals hat eine sehr anrührende Postkarte aufgespürt, die noch ihre Handschrift zeigt. Sie stammt vom Neujahrstag 1942 und ist eine Antwort auf eine Karte, die am Silvestertag 1941 dort ankam. So wissen wir, dass sie im Ghetto Litzmannstadt in der Gnesener  Straße in einem sogenannten „Altersheim“ lebte. Wie schlimm werden die Lebensbedingungen dort gewesen sein! Nichts durfte sie natürlich davon schreiben.  Aber besonders berührt hat uns, dass sie sehr liebe Zeilen an ihre Bekannte Frau Emmy Wolffs schrieb, die in ein sogenanntes jüdisches Altersheim nach Varel gebracht worden war. Aber dort sind diese Zeilen niemals gelesen worden – Post aus dem Ghetto wurde einfach beiseitegelegt und nicht befördert,  mit deutscher Gründlichkeit aber gut aufgeboben und so existiert diese Karte im Staatsarchiv von Lodz bis heute.

 „Liebe Familie Wolffs! Ihre Karte haben wir gestern erhalten, ebenso die 32 Mark, die Herr Wolffs uns schickt. Wir haben uns sehr damit gefreut und sagen unseren besten Dank dafür. Hoffentlich geht es Ihnen allen gut. Wir sind soweit auch gesund. Nur Oskar hatte vorige Woche einen Herzanfall, ist aber Gott sei dank schnell vorüber gegangen. Mit Rosa bin ich immer zusammen, auch hier im Altenheim. Auch sie ist gesund. Sehr leid tut es uns, dass Adelheid C. und Frau Haag so krank sind. Ich wünsche beiden von Herzen gute Besserung. Frau Maiberg ist heute zu ihrem Mann gegangen. Herr Weinberg ist hier bei uns. Seine Schwester ist auch fort. Nun seien Sie, liebe Frau Wolffs, recht herzlich gegrüßt von Ihren Geschwistern Hartog. Bitte Adolf Wolffs und Mutter zu grüßen. Ihre Geschwister Hartog.“
Quelle: Postkarte von Sara Hartog an Emmy Wolffs

 

Oskar Hartog ca. 1934 (Sammlung Hepburn)

Zu c). Für den Schlachter Kossmann (Oskar) Hartog gibt es eine günstigere Quellenlage als bei seinen Schwestern, weil er sich auch öffentlich betätigte. Wir folgen hierin den sehr ausführlichen Untersuchungen von Johannes Diekhoff, der die Lage der jüdischen Bewohner Aurichs damals sehr detailliert erarbeitet hat.  Er hat bei seinen Arbeiten auch ein Porträt von Kossmann Oskar Hartog aufgespürt.

Quelle: Diekhoff, Johannes, Die Auricher Judengemeinde von 1930-1940; in: Die Juden in Aurich, hg. von Herbert Reyer, Aurich 1992, S. 129ff.

Großes Interesse hatte er an der Arbeit des „Israelitischen Jüngslingsvereins“ in Aurich, der bereits im 19. Jahrhundert gegründet wurde. Eines der Hauptziele dieses Vereines war neben der Pflege der Geselligkeit unter den jungen Leuten die Unterstützung von Mitgliedern, die den Lehrerberuf ergreifen wollten. In diesem Verein arbeitete Kossmann Hartog als Schriftführer. Vorsitzender war Benjamin Samson. 1934 hatte dieser Verein in Aurich 25 Mitglieder. Aus dem Verzeichnis der Auricher Schlachterinnung wissen wir, dass Kossmann nicht nur selbst in seiner Schlachterei arbeitete, sondern auch einen Gesellen beschäftigte. Christliche und jüdische Schlachter gehörten derselben Schlachterinnung an und trafen die ihre Arbeit betreffenden Entscheidungen gemeinsam. Kossmann Hartog war stellvertretender Obermeister in Aurich. Durch Die Gleichschaltung aller Organisationen seit 1933 durfte er dieses Amt nicht mehr ausüben. Ohne dass die jüdischen Mitglieder der Innung überhaupt informiert wurden, wurde quasi über Nacht ein neuer Vorstand gebildet. Jüdische Schlachten sollten nicht mehr darin vertreten sein und auch keine öffentlichen Aufträge mehr erhalten. Das wollte Schlachter Hartog nicht ohne Weiteres hinnehmen und fragte mutig in einer der nächsten Innungsversammlungen Mitte 1933 an, ob so ein Vorgehen überhaupt mit der Satzung der Innung im Einklang stünde. Schon bald gab es den nächsten Konflikt: weil die Innungsversammlungen mit Rücksicht auf die jüdischen Mitglieder nie Freitags (zum Beginn des Sabbattages) anberaumt wurden, machten die nationalsozialistisch gesinnten neuen Vorstandmitglieder das natürlich mit Absicht. Auch hiergegen protestierte Schlachter Hartog bei der Stadtverwaltung und es wurde ihm auch Recht gegeben. Wenn sie Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg gewesen waren, sollten Auricher jüdische Schlachter auch wieder Aufträge für das Krankenhaus erhalten. Diekhoff bringt auch Schilderungen in seinen Bericht ein, wie christliche Kunden trotz aller Drohungen eine Zeitlang weiter bei Hartogs kauften. 1934 wird in einem Polizeibericht geklagt, dass Schlachter Hartog praktisch kaum Kunden verloren hatte.
Quelle: Diekhoff, s.o. Seite 143.

Auch Schlachter Hartog war nicht verheiratet und hat dieselben Etappen seiner Deportation hinnehmen müssen: über Emden ging es Litzmannstadt (Lodz). Er wird in der Postkarte seiner Schwester vom Neujahrstag 1942 erwähnt, weil er einen Herzanfall erlitt. Eine Quelle im Staatsarchiv Aurich bezieht sich sehr wahrscheinlich auch auf ihn:
Schreiben des Landrates Krieger, Aurich, vom 29.August 1939 an die Gestapo Wilhelmshaven hinsichtlich der Inschutzhaftnahme des Auricher Juden Oskar Hartog, der sich auf dem Bahnsteig Aurich ohne besondere Veranlassung aufhielt. Auf dem Gleis stand ein Zug, in dem zum Wehrdienst einberufene Auricher saßen, die zu ihren Gestellungsorten reisten. Wie der Landrat berichtete, soll der Jude Hartog „in besonders auffallender Art wiederholt den Bahnsteig auf und ab am Zug entlang“ gegangen sein. „Er trug hierbei ein besonders herausforderndes Benehmen zur Schau und begleitete die zum Teil bewegten Abschiedsszenen mit hämischem Lächeln. Die Bevölkerung fühlte sich in ihrem Empfinden mit recht hierdurch tiefst verletzt.“ Auch war er nicht im Besitz einer Fahrkarte. Da zu befürchten war, dass die Bevölkerung eine berechtigte Vergeltung für das Verhalten an diesem ausüben könnte, wurde dieser in Schutzhaft genommen. Die Einlieferung in das Gerichtsgefängnis erfolgte. Der Landrat bat die Gestapo Oskar Hartog möglichst bald in ein Konzentrationslager einzuliefern.
Quelle: Niedersächisches Staatsarchiv Aurich, Rep. 16/1, Nr. 1025

Wir sind uns nicht sicher, wie diese Szene am Bahnhof zu deuten ist. Sicher ist nur, dass alles, was jüdische Mitbürger damals taten oder sagten, sofort gegen sie verwendet wurde und schlimmste Folgen für sie hatte – selbst wenn sie sich nichts zuschulden kommen lassen hatten. Die Beschuldigung des Schlachters Hartog wird auch in einer Veröffentlichung des Emder Bunkermuseums dokumentiert.

Zu e). Henny Hartog wurde auch ermordet, ihr Name findet sich im Gedenkbuch der jüdischen Opfer in der Gedenkstätte Yad Vashem. Sie wohnte zuletzt in Köln, wurde am 30.10.1941 von dort in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert und im Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) ermordet.
Quelle: Gedenkbuch Bundesarchiv

Zu g). Hermann Hartog war erst 11 Jahre, als sein Vater starb. Seine Schwestern finanzieren ihm eine Ausbildung zum Lehrer. Er zieht schon in jungen Jahren nach Jever und heiratet am 10.03.1921 Henny Scheuer

Henny geb. Scheuer und Hermann Hartog mit ihrer Tochter Lore ca. 1935 (Sammlung Hepburn)

aus Frankfurt/Main. Am 20.11.1924 wird in Jever ihre Tochter Lore geboren, am 4.12.1926 ihre Tochter Inge. Die Familie zieht nach Wilhelmshaven um (Bismarckstr. 107). Lore wird 1935/36 zum Schulbesuch nach England geschickt.
Nach der Pogromnacht am 9.11.1038 wird Hermann bis zum 12.12.1938 in Sachsenhausen interniert. Auch seine Frau Henny und die Tochter Inge werden kurze Zeit festgesetzt. Sofort nach der Freilassung wird auch Inge mit einem Kindertransport nach England geschickt. Am 9.08.1939 ziehen ihre Eltern für kurze Zeit nach Aurich. Hermann flieht am 13.10.1939 nach Brüssel; Henny folgt ihm am 2.11.1939. Sie können  sich mit Hilfe der Resistance in Assette, einem kleinen Dorf in den Pyrenäen, verstecken, werden aber aufgegriffen und im Sammellager Drany (südl. von Paris) interniert. Von dort aus werden sie am 4. September 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Lore sclhießt in England ihre Schulausbildung ab und wird Sekretärin. Sie heiratet im May 1944 den Engländer Ron Hepburn. Ihr einziges Kind, Peter Hepburn, wird 1950 geboren. Lore stirbt im Februar 2016.
Ihre Schwester Inge heirate ebenfalls einen Engländer, Peter Sinden. Sie stirbt wenige Wochen vor ihrer Schwester im Dezember 2015.

Recherche: Jugendarbeitskreis der Kirchengemeinde Victorbur/Hans-Jürgen Westermayer
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 9.02.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:  Informationen von Ainslie Hepburn (Schwiegertochter von Lore Hartung verh. Hepburn) v. 9.02.2018
Literatur:
Patenschaft: Familie Beninga-Arendt
Verlegetermin: 21. Oktober 2016

 

 

 

Hanni Melach Nordheim geb. Wolffs

Veröffentlicht: 26. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hanni Melach NORDHEIM geb. WOLFFS
geboren am 15. April 1889 in Aurich

Straße: Wohnhaft in Emden
Todesdatum: Deportation Ghetto Riga am 25. Januar 1942
Todesort: unbekannt
Hanni Wolffs wird am 15. April 1889 in Aurich geboren. Sie ist das neunte von zehn Kindern ihrer Eltern Melach Elimelech Wolffs (19.08.1841 Aurich – 24.06.1923 Aurich) und Zerle Wolffs, geborene Wallheimer (4.02.1845 Aurich – 18.10.1909 Aurich).

Hanni heiratet Salomon Jakob Nordheim (*12.09.1887) und zieht zu ihm nach Emden. Am 5. März 1922 wird ihr Sohn Jakob Salomon geboren.

Als alle Juden Ostfriesland bis zum 1.04.1940 verlassen müssen, ziehen sie nach Berlin (Mitte).
Am 25. Januar 1942 werden Hanni und Salomon Nordheim in das Ghetto Riga deportiert. Hier verliert sich ihre Spur.

Ihr Sohn Jakob Salomon wird nach der Pogromnacht 9./10. November 1938 bis zum 23.11.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.
Am 2. März 1943 wird er von Berlin aus nach Auschwitz deportiert und dort am 17. November 1943 ermordet.

Zwei Geschwister von Hanni Melach verstarben schon 1917 (Levie Melach Wolffs 26.06.1886 – 16.04.1917 Frankreich) bzw. 1920 (Simon Melach Wolffs (25.05.1891 – 21.10.1920 Aurich), eine Schwester (Eva Gradenwitz geb. Wolffs 17.10.1874 – 28.01.1968 Harrow, GB) konnte rechtzeitig nach England fliehen. Die anderen sechs Geschwister wurden Opfer des Völkermordes.

Bertha Melach de Vries (10.02.1885 – 6.03.1943 Auschwitz) und Amalie Melach van der Wyk (15.04.1889 – 1942 Ghetto Warschau) wurden Opfer der Shoa, ebenso wie die vier Geschwister von Hanni Melach für die Stolpersteine in Aurich verlegt wurden:
Clara Melach Wolffs (geb. 15.11.1870, verschollen 1942 in Riga) in der Osterstraße 8,
Abraham Melach Wolffs (geb. 25.07.1881, Deportation 1942) in der Kleinen Mühlenwallstraße 4,
Betty Melach de Vries (geb. 7.04.1877, ermordet 5.03.1943 in Theresienstadt) in der Osterstraße 8 und
Goldine Melach Hoffmann, geb. Wolffs, (geb. 10.03.1879, verschollen 1942 in Riga) in der Fockenbollwerkstraße 7.

Für Amalie Melach van der Wyk und ihren Ehemann Sigmund van der Wyk wurden Stolpersteine in Emden, Am Gasthof 5 (gegenüber) verlegt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.geni.com/people/Hannchen-Melach-Nordheim/6000000027523789948
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Hanni Melach Nordheim geb. Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie schon ca. 1920 Aurich erließ.

 

 

Bertha Melach de Vries geb. Wolffs

Veröffentlicht: 26. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Bertha Melach de VRIES geb. WOLFFS
geboren am 10. Februar 1885 in Aurich

Straße: Wohnhaft in Leer, Mühlenstraße
Todesdatum: Deportation ab Berlin nach Auschwitz am 6. März 1943
Todesort: Auschwitz

Bertha de Vries 1939, Foto der Kennkarte, NLA Auricih

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bertha Wolffs wird am 10. Februar 1885 in Aurich geboren. Sie ist das siebente von zehn Kindern ihrer Eltern Melach Elimelech Wolffs (19.08.1841 Aurich – 24.06.1923 Aurich) und Zerle Wolffs, geborene Wallheimer (4.02.1845 Aurich – 18.10.1909 Aurich).

Bertha heiratet Salomon Jonas de Vries (*21.11.1880 Leer) und zieht zu ihm nach Leer. Am 26. Januar 1922 wird ihre Tochter Sicilia geboren, einige Jahre später ihre Tochter Elisa (*25.05.1929).

Ihre Tochter Sicilia besucht vier Jahre lang das Lyzeum für Mädchen (das heutige TGG), bevor sie Ende März 1936 an die damalige jüdische Schule in Leer wechselte. Nach der Reichpogromnacht im November wurde diese Schule geschlossen.

Abiturienten des Taletta-Groß-Gymnasiums schilderten 2014 in einem einstündigen Sprechspiel das Schicksal der Familie de Vries. In der Rolle des Vaters, Jonas de Vries, beschrieb Nico Woelk im Sprechspiel die damalige Situation: „Ich führte eine Fahrradhandlung und dazu eine Klempnerei“, erzählte er. Zwei Arbeitsstellen seien zwar ungewöhnlich, doch habe er für seine Töchter – neben Sicilia gab es auch noch Elisa, die ebenfalls von den Nazis ermordet wurde – nur das Beste gewollt und sie aufs Gymnasium geschickt. Dafür habe er viel Schulgeld aufbringen müssen.

Das Elternhaus war nur eine Station, um die sich das Sprechspiel drehte. In weiteren Szenen ging es beispielsweise darum, wie Sicilia de Vries die Reichspogromnacht erlebt hat und wie sie mit ihrer Familie ins „Judenhaus“ in der Kampstraße, ein Sammellager, getrieben worden war (vgl. Link s.u.)

Als alle Juden Ostfriesland bis zum 1.04.1940 verlassen müssen, zieht die Familie de Vries nach Berlin (Tiergarten).
Am 6. März 1943 werden Bertha und Jonas de Vries mit ihren beiden Töchtern ab Berlin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Zwei Geschwister von Bertha Melach verstarben schon 1917 (Levie Melach Wolffs 26.06.1886 – 16.04.1917 Frankreich) bzw. 1920 (Simon Melach Wolffs (25.05.1891 – 21.10.1920 Aurich), eine Schwester (Eva Gradenwitz geb. Wolffs 17.10.1874 – 28.01.1968 Harrow, GB) konnte rechtzeitig nach England fliehen.
Die anderen sechs Geschwister wurden Opfer des Völkermordes.

Hannchen Melach Nordheim (15.04.1889 – 25.01.1942 Riga) und Amalie Melach van der Wyk (15.04.1889 – 1942 Ghetto Warschau) wurden Opfer der Shoa, ebenso wie die vier Geschwister von Bertha Melach, für die Stolpersteine in Aurich verlegt wurden:
Clara Melach Wolffs (geb. 15.11.1870, verschollen 1942 in Riga) in der Osterstraße 8,
Abraham Melach Wolffs (geb. 25.07.1881, Deportation 1942) in der Kleinen Mühlenwallstraße 4,
Betty Melach de Vries (geb. 7.04.1877, ermordet 5.03.1943 in Theresienstadt) in der Osterstraße 8 und
Goldine Melach Hoffmann, geb. Wolffs, (geb. 10.03.1879, verschollen 1942 in Riga) in der Fockenbollwerkstraße 7.

Für Amalie Melach van der Wyk und ihren Ehemann Sigmund van der Wyk wurden Stolpersteine in Emden, Am Gasthof 5 (gegenüber) verlegt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.geni.com/people/Bertha-Melach-de-Vries/5196033441890052463
Sprechspiel TGG 2014: https://www.tgg-leer.de/tgg/presseberichte/oz_2014-02-11.html
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Bertha Melach de Vries geb. Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie schon ca. 1920 Aurich erließ.