Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Marianne Kussel

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Marianne KUSSEL geb. Wolff
geboren am 11. Juni 1891 in Aurich

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Ghetto Minsk

Marianne Kussel geb. Wolff 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

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Marianne Kussel wird am 11. Juni 1891 in Aurich geboren. Sie ist das zweitälteste Kind von Wolff Levy Wolff und Fanni Jakob Wolff: Schon 1890 war ihre Schwester Regine auf die Welt gekommen, ihre Schwester Augusta folgt 1893. Das Nesthäkchen der Familie ist Mariannes Bruder Ino, der 1896 das Licht der Welt erblickt. Mariannes Vater Wolff ist Schlachter und Viehhändler, und seine Geschäfte laufen gut: Ihm gehört sowohl das Haus Haus in der Wallstraße 8/10, in dem Marianne aufwächst und in dem später ihre Schwester Regine mit ihrer Familie leben sollte, als auch das Haus in der Marktstraße 18, in dem Marianne und ihre Familie ab Januar 1938 wohnen.1920 heiratet Marianne den Schlachter und Viehhändler Hugo Kussel aus Gruiten, Kreis Mettmann. Das Paar lässt sich in Aurich nieder und Hugo eröffnet einen eigenen Viehhandel. Auch die Geschäfte von Hugo laufen gut, wovon beispielsweise die Dienstmädchen zeugen, die Marianne im Haushalt unterstützen.

Marianne und Hugo bekommen zwei Töchter: Am 29. Juni 1922 wird Netta geboren, zweieinhalb Jahre später, am 18. Februar 1925, kommt Elfriede zur Welt. Die Mädchen verbringen wohl eine recht unbeschwerte Kindheit in Aurich, die jedoch vom Machtantritt der Nationalsozialisten überschattet wird. So hat die Familie mehr und mehr unter den Boykotten und Repressalien zu leiden, Hugo muss schließlich auch seinen Betrieb schließen. Am 10. November 1938 wird er, wie alle übrigen arbeitsfähigen jüdischen Männer aus Aurich, verhaftet und im KZ Sachsenhausen interniert. Erst am 17. Dezember kann er zu seiner Familie heimkehren. Die Verhaftung sollte dazu dienen, die jüdischen Familien endgültig in den finanziellen Ruin zu treiben und die „Rearisierung“ jüdischen Besitzes voranzubringen. Hugo hat nach seiner Haftentlassung eine neue Arbeitsstelle: 1939 arbeitet er in Wilhelmshaven und wohnt dort auch – seine Frau sieht er nur noch gelegentlich an den Wochenenden. Die Töchter Netta und Elfriede leben zu diesem Zeitpunkt bereits beide nicht mehr Aurich: Netta lebt seit 1936 in Mannheim, wo Mariannes Schwester Auguste wohnt. Elfriede geht im Juli 1939 zunächst nach Oldenburg und dann nach Spreenhagen, wo es mehrere Lehrgüter gibt: Vermutlich möchte sie eine Ausbildung machen, um einen der begehrten Plätze für eine Auswanderung nach Palästina zu bekommen.

Als alle Juden die Aufforderung erhalten, bis zum 1. April 1940 Ostfriesland zu verlassen, ziehen auch Hugo und Marianne aus Aurich fort: Am 26. Februar melden sich Marianne, ihr Mann Hugo sowie ihre Schwester Regine und deren Mann Benno aus Aurich ab. Beide Paare ziehen nach Düsseldorf.

Rund eineinhalb Jahre später erhalten Marianne und ihr Mann sowie ihre Tochter Elfriede, die inzwischen auch in Düsseldorf lebte, die Aufforderung, sich am 9. November 1941 in Düsseldorf am Schlachthof einzufinden. Am nächsten Tag werden sie von dort aus gemeinsam mit 994 anderen Menschen nach Minsk deportiert. Das Ghetto Minsk war im Juli 1941 eingerichtet worden: Man hatte einen rund zwei Quadratkilometer großen Stadtteil abgegrenzt und die Juden aus Minsk dort zusammengepfercht. Hinzu kommen nun mehrere tausend deportierte Juden aus Deutschland, Österreich und Tschechien. Als das Ghetto eingerichtet wurde, wurde ein Platzbedarf von 1,5 Quadratmeter pro Person berechnet, dementsprechend eng wurde es im Ghetto. Die Lebensbedingungen sind sehr schlecht – zur räumlichen Enge und schlechten hygienischen Bedingungen kommt eine katastrophale Versorgung: Pro Bewohner werden pro Tag rund 200 Gramm Brot kalkuliert; Juden, die als Zwangsarbeiter in den Fabriken eingesetzt waren,  können allenthalben noch hoffen, in der Fabrik eine zusätzliche Suppe zu erhalten.

Die Spur von Marianne verliert sich hier: Sie verschwindet wie ihre Tochter Elfriede im Ghetto Minsk – bis heute ist unklar, wann genau beide starben. Von den 997 Menschen, die am 10. November 1941 von Düsseldorf aus deportiert worden waren, überlebten lediglich fünf. Auch Mariannes Mann Hugo wurde ermordet, seine Spur verliert sich im Lager Mittelbau-Dora. Einzig Mariannes Tochter Netta überlebt den Holocaust, da es ihr gelingt, nach Schweden zu fliehen.

Dr. Sandra Weferling trägt die Biographiedaten der Familie vor.

 

Gunter Demnig putzt die bereits 2013 verlegten Stolpersteine für Benno und Regina Wolff, rechts daneben die mit Rosen geschmückten Stolpersteine der Familie Kussel.

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 2

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.12.2015)
Foto: Kennkarte v. 26.05.1939
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 1596; Rep. 107, Nr. 1535;

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=5647149&language=en#!prettyPhoto%5Bgallery2%5D/0/

http://www.historisches-dorf-gruiten.de/15_1914-1945/a_1914_1945_Kristallnacht.htm

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411110-Duesseldorf29.jpg

Literatur: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Minsk

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ns-polizeibericht-ueber-judendeportation-in-duesseldorf-entdeckt-a-832335.html
http://duesseldorf.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-duesseldorf-Von-Duesseldorf-nach-Minsk-2013

Patenschaft: GfA – Gemeinsam für Aurich
Verlegetermin: 17. Juli  2014

 

 

Hugo Kussel

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Hugo KUSSEL
geboren am 16. Februar 1894 in Gruiten, Kreis Mettmann

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Mittelbau-Dora
Hugo Kussel wird am 16. Februar 1894 in Gruiten, Kreis Mettmann geboren. Er ist der Sohn von Martin Kussel und dessen Ehefrau Henrietta. (Die Vornamen Martin und Henrietta nennt Hugos Tochter Netta, auf der Seite „Historisches Dorf Gruiten“ finden sich die Angaben „Herz“ und „Jeanette“.) Hugos Vater ist Schlachter und Viehhändler und auch Hugo ergreift diesen Beruf, er lässt sich jedoch nicht in Gruiten nieder, sondern zieht am 27. Mai 1920 nach Aurich um, denn er heiratet Marianne Wolff, deren Vater ebenfalls Schlachter und Viehhändler ist. Der väterliche Betrieb in Gruiten wird von Hugos jüngerem Bruder Walter fortgeführt, Hugo eröffnet in Aurich eröffnet einen eigenen Viehhandel.

Das junge Ehepaar lebt zunächst im Haus in der Wallstraße 10, das Hugos Schwiegervater gehört, und zieht 1930 in die Marktstraße 2 um. Hugos Geschäfte laufen gut, wovon beispielsweise die Dienstmädchen zeugen, die seine Frau im Haushalt unterstützen.

Hugo bekommt zwei Töchter: Am 29. Juni 1922 wird Netta geboren, zweieinhalb Jahre später, am 18. Februar 1925, kommt Elfriede zur Welt. Die Mädchen verbringen eine recht unbeschwerte Kindheit in Aurich, die jedoch vom Machtantritt der Nationalsozialisten überschattet wird. So hat die Familie mehr und mehr unter den Boykotten und Repressalien zu leiden, Hugo muss schließlich auch seinen Betrieb schließen. Der Umzug in die Marktstraße 18 am 15. Januar 1938 ist vermutlich diesen finanziellen Schwierigkeiten geschuldet.

Am 10. November 1938 wird er, wie alle übrigen arbeitsfähigen jüdischen Männer aus Aurich, verhaftet und im KZ Sachsenhausen interniert. Erst am 17. Dezember kann er zu seiner Familie heimkehren. Die Verhaftung sollte dazu dienen, die jüdischen Familien endgültig in den finanziellen Ruin zu treiben und die „Rearisierung“ jüdischen Besitzes voranzubringen. Hugo hat nach seiner Haftentlassung eine neue Arbeitsstelle: 1939 arbeitet er in Wilhelmshaven und wohnt dort auch – seine Frau sieht er nur noch gelegentlich an den Wochenenden. Seine Töchter Netta und Elfriede leben nicht mehr in Aurich: Netta war schon 1936 nach Mannheim verzogen, wo ihre Tante Auguste, Mariannes Schwester, lebt. Letztendlich gelingt ihr die Flucht nach Schweden. Elfriede, Hugos jüngere Tochter, versucht vermutlich ab 1939, eine Ausbildung zu machen, um nach Palästina auswandern zu können. Sie geht zunächst nach Oldenburg, später ist sie in Spreenhagen in Brandenburg gemeldet, wo es mehrere Lehrgüter gab, die auf die Auswanderung vorbereiteten.

Als alle Juden die Aufforderung erhalten, bis zum 1. April 1940 Ostfriesland zu verlassen, zieht auch Hugo mit seiner Frau Marianne aus Aurich fort: Am 26. Februar unterzeichnetet er gemeinsam mit seiner Frau sowie Mariannes Schwester Regine und deren Mann Benno den Vertrag, mit dem sie das Haus Wallstraße 8/10 verkaufen. Am nächsten Tag melden sich alle vier aus Aurich ab und ziehen nach Düsseldorf.

Rund eineinhalb Jahre später erhalten Hugo und seine Frau Marianne sowie ihre Tochter Elfriede, die inzwischen ebenfalls in Düsseldorf lebte, die Aufforderung, sich am 9. November 1941 in Düsseldorf am Schlachthof einzufinden. Am nächsten Tag werden sie von dort aus gemeinsam mit 994 anderen Menschen nach Minsk deportiert. Das Ghetto Minsk war im Juli 1941 eingerichtet worden: Man hatte einen rund zwei Quadratkilometer großen Stadtteil abgegrenzt und die Juden aus Minsk dort zusammengepfercht. Hinzu kamen nun mehrere tausend deportierte Juden aus Deutschland, Österreich und Tschechien. Als das Ghetto eingerichtet wurde, wurde ein Platzbedarf von 1,5 Quadratmeter pro Person berechnet, dementsprechend eng wurde es im Ghetto. Die Lebensbedingungen waren sehr schlecht – zur räumlichen Enge und schlechten hygienischen Bedingungen kam eine katastrophale Versorgung: Pro Bewohner wurden pro Tag rund 200 Gramm Brot kalkuliert; Juden, die als Zwangsarbeiter in den Fabriken eingesetzt waren, konnten allenthalben noch hoffen, in der Fabrik eine zusätzliche Suppe zu erhalten.

Hugo wird zunächst wie seine Frau und seine Tochter in Minsk interniert, doch wird er von dort aus weiter deportiert: So ist er zunächst in den Konzentrationslagern Natzweiler und Ravensbrück, bevor sich seine Spur schließlich im Lager Mittelbau-Dora verliert.

Auch seine Frau Marianne und seine jüngere Tochter Elfriede werden ermordet, einzig Hugos ältere Tochter Netta überlebt den Holocaust.

Dr. Sandra Weferling trägt die Biographiedaten der Familie vor.

 

Gunter Demnig putzt die bereits 2013 verlegten Stolpersteine für Benno und Regina Wolff, rechts daneben die mit Rosen geschmückten Stolpersteine der Familie Kussel.

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 2

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.12.2015)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 1596; Rep. 107, Nr. 1535;
– http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=5647148&language=en#!prettyPhoto%5Bgallery2%5D/0/
http://www.historisches-dorf-gruiten.de/15_1914-1945/a_1914_1945_Kristallnacht.htm
– http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411110-Duesseldorf29.jpg
Literatur: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Minsk
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ns-polizeibericht-ueber-judendeportation-in-duesseldorf-entdeckt-a-832335.html
http://duesseldorf.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-duesseldorf-Von-Duesseldorf-nach-Minsk-2013
Patenschaft: Stefan Schewiola
Verlegetermin: 17. Juli  2014

 

 

 

Betti Jakob Behrens geb. Samson

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Betti Jakob BEHRENS geb. Samson
geboren am 28. November 1908 in Aurich

Straße: Nürnburger Straße 24
Todesdatum: unbekannt (Deportation nach Warschau Ghetto am 31.03.1942
Todesort: unbekannt

Betti Behrens geb. Samson 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Betti Jakob Behrens geb. Samson wird am 28. 11. 1908 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jakob Hartog Samson und Jenny Salomon „Minna“ Samson geb. Windmüller. Sie hat eine ältere Schwester Resi und einen jüngeren Bruder Hugo. Ihr Vater Jakob betreibt mit seinem Bruder Simon Hartog eine Schlachterei in der Marktstraße 19. In den Sommerferien arbeitet ihr Vater in der koscheren Fleischversorgung auf Norderney in der Winterstraße 5. Er stirbt 1934.

Betti und ihre später an Depressionen erkrankte Schwester Resi arbeiten als Haus- und Küchenhilfen an vielen Orten Deutschlands. In der Kennkarte von 1939 ist als Beruf vermerkt: Köchin und Diätköchin.

Betti arbeitet z. T. mehrfach in:
·         Berlin,
·         Emden,
·         Norderney, einmal als Hausangestellte dann als Köchin im Kindererholungsheim der Zions-Loge Hannover in der Benekestraße 44,
·         Ahlem Israelitische Gartenbauanstalt,
·         Groningen,
·         Esens.

Sie heiratet am 25.04.1940 Alfred Behrens aus Hoya. Alfred Behrens arbeitet im Altmaterialhandel seines Vaters Adolf in Hoya. Betti ist zweimal krank und liegt im Israelitischen Krankenhaus Hannover in der Ellernstraße 16.

Betti schreibt Anfang Oktober 1940, zum Zeitpunkt als ihre Schwester gerade in Brandenburg ermordet war, von dort an die Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück:

„Sehr geehrte Frau Oberin [Helmers] – ich liege hier im Krankenhaus doch bin ich auf dem Wege der Besserung daher schreibe ich mit Bleistift was Sie bitte Entschuldigen. Ich war schon einmal dort. Wie Sie vielleicht wissen, mußten wir Juden Aurich verlassen. Mein liebe Mutter ist in Hamburg Altersheim mein Bruder mit Frau sind im Ausland, ich bin hier in Hannover verheiratet. Nun möchte ich Sie geehrte Frau Oberin bitten es gehen so allerhand Gerüchte herum ist meine Schwester Resi Samson noch dort und wie geht es Resi falls Sie nicht mehr dort sein sollte bitte ich auch um Auskunft, Rückporto liegt bei“

[Antwort der Anstalt]

S.g. Frau Behrens!

Das Befinden Ihrer Schwester Resi Samson hat sich [..] gebessert. Sie ist oft unter dem Einfluß von […] und Wahnvorstellungen, […] abweisend und ganz unzugänglich und zu einer Beschäftigung nicht zu bewegen, […] wenn auch z.Zt. nicht krank. Sie ist mit anderen […] zusammen am 21. Sept. 1940 von hier nach Heil u Pflegeanstalt Wunstorf verlegt […] ist mir nicht bekannt […] ist die gemeinnützige Kranken-Transportgesellschaft m.b.H in Berlin W9 Potsdamerplatz 1 […] vielleicht fragen sie dort mal an […] Hochachtungsvoll, abgesandt 11. Okt. 1940.

Aus der Interpretation der Archiv-Dokumente wird deutlich: Betti hat das Schicksal ihrer Schwester nie erfahren. Denn ein Schreiben an die Gemeinnützigen Transportgesellschaft [Gekrat] würde bedeuten, geradezu die Mordgehilfen nach ihrer Tat zu fragen. Diese Pseudogesellschaft ist der verlängerte Arm der Aktion T4 – die Zentralverwaltung zur Ermordung alles sogen. lebensunwerten Lebens. Anfragen dieser Art wurden deshalb nach Chelm in Ost-Polen an ein Pseudo-Meldeamt weitergeschickt – und auch nicht beantwortet.
Bezeichnenderweise kann die Heilanstalt Osnabrück über Resi Samson nichts Konkretes schreiben, schon gar nicht warum sie denn, weil nicht krank, nach Wunstorf verlegt wurde. Aber im Antwortentwurf fügt die Frau Oberschwester Helmers dann überkorrekt aber überflüssig „Kranken-„ und „m.b.H.“ ein. Aus diesen und anderen hier nicht aufgeführten Zeichen sind Gewussthaben und mittelbare Täterschaft der Ärzte und Pfleger der Heilanstalt Osnabrück erkennbar.

Betti und ihr Mann Alfred wohnen in Hannover zuerst in der Celler Straße 152. Ihre Schwiegereltern und ihr Schwager müssen ebenfalls nach Hannover ziehen. Seit September 1941 leben sie in Judenhäusern. Am 14.12.1941 wird ein Kind geboren, welches aber drei Tage später stirbt. Nach dem 23.02.1942 wohnen sie im ehem. jüdischen Altenheim Ellernstraße 16, jetzt auch ein Judenhaus. Die Schwiegermutter Klara stirbt am 16.09.1941, der Schwiegervater Adolf begeht vor der Deportation Selbstmord.

Ein paar Tage vor der Deportation werden alle Hannoveraner Juden in Ahlem, was nun als KZ fungiert, zusammengepfercht. Am 31.03.1942 werden alle in das Ghetto Warschau deportiert. Wahrscheinlich werden sie im Zuge der dort einsetzenden Ghettoräumung weiter nach Treblinka deportiert. Von Betti Behrens gibt es nach dem 31.03.1942 kein Lebenszeichen mehr.

Die Stolpersteine vor dem Haus Nürnburger Straße 24

Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bei der Verlegung

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand 21.03.2013)
Foto: Foto der Kennkarte 1939 (StA Aurich)
Jüdisches Altersheim Ellernstraße, Hannover
Gartenbauanstalt SAhlem um 1900
Ahlem, Eingang zur ehemaligen Gartenbauschule und Hachschara-Stätte, links Gedenktafel

Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich,
·  Staatsarchiv Osnabrück
·  Stadtarchiv Hannover
·  Stadtarchiv Norderney
· Stadtarchiv Hoya.
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Jüdisches Altersheim, Ellernstraße, Hannover

 

Gartenbauanstalt Ahlem um 1900

Ahlem – Eingang zur ehemaligen Gartenbauschule und Hachschara-Stätte, links Gedenktafel

Goldine Grünberg geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 10. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Goldine GRÜNBERG geb. WALLHEIMER
geboren am 13. April 1858 in Aurich

Straße: Kirchdorf 11 (heute Kreuzstr. 6d)
Todesdatum: 25. Juli 1943
Todesort: Theresienstadt
Goldine Wallheimer wird am 13. April 1858 als Tochter von Wolff Benjamin Abraham Wallheimer (*4.06.1821 Aurich, + 8.03.1871 Aurich) und Engel Engeline Egle Samuel Wolff (*2.11.1831 Norden, +15.07.1914 Aurich) in Aurich geboren.
Sie hat eine Schwester Minna Minkel (*15.10.1863, +27.02.1948 Bremen) und insgesamt fünf Brüder, von denen zwei als Kind oder Jugendlicher sterben: Abraham Wallheimer; Samuel Wallheimer; Joseph Wallheimer; Karl Calmer Wallheimer und ein weiterer).Ihr Bruder Samuel Wallheimer ist der Vater von Elli Wallheimer (s. Biografie), die später einen Sohn von Goldine (Adolf Grünberg) heiratet.Goldine heiratet Joseph Grünberg (*26.01.1858 Weener +15.01.1919 Bremen) und hat mit ihm 7 Kinder: Marianne (Minna) Grünberg; Wolff Joseph Grünberg; Elsa Grünberg; Hermann Grünberg; Siegfried Grünberg; Adolf Grünberg, und ein weiteres).Goldine wohnt mit ihrer Familie in Bremen in der Biebricher Straße 7. Dorthin zieht ihr Bruder Calmer Wallheimer mit seiner Frau Julie und Schwester Minkel Wallheimer 1938. Aus hier nicht bekannten Gründen muss das Ehepaar später ohne Minkel aber mit Goldine in das Judenhaus Große Johannisstraße 85 in der Bremer Neustadt umziehen.

Am 23.07.1942 werden alle von Bremen über Hannover in das KZ Theresienstadt deportiert.

Calmer Wolff Wallheimer stirbt dort bereits am 21.10.1942, vermutlich an Hunger und Entkräftung. Seine Frau Julie muss bald darauf unter ähnlichen Umständen am 10.12.1942 sterben.

Seine Schwester Goldine stirbt am 25.07.1943 – amtliche Todesursache „Marasmus senilis“.
Ihr Sohn, Hermann (20.04.1890 +15.03.1968) und Calmer Wolffs Nichte Lilly vom Kirchdorfer Weg 36 stellen später Rückgabe- und Wiedergutmachungsansprüche als Erben der überlebenden Schwester Minkel.

In Aurich wurden am 21.1.2016  Stolpersteine verlegt für
Calmer Wolff Wallheimer
Julie Wallheimer geb. Salinger
„Minna“ Minkel Wallheimer
alle: Kirchdorf Nr. 11 (heute: Kreuzstraße 6d – 21.10.2016)

Unten: Grabstein der Familie Grünberg in Bremen

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.geni.com/people/Goldine-Gr%C3%BCnberg/6000000009645233757

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Goldine Grünberg geb. Wallheimer wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da ihr letzter frei gewählter Wohnort Bremen lag.

 

 

Elli Grünberg geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 10. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Elli GRÜNBERG geb. WALLHEIMER
geboren am 18. September 1900 in Aurich

Straße: Kirchdorf 11 (heute Kreuzstr. 6d)
Todesdatum: 28. Juli 1942
Todesort: Minsk Ghetto

Elli Grünberg geb. Wallheimer, Kennkarte 1939, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Elli Wallheimer wird am 28. Juli 1900 als Tochter von Samuel Wallheimer (*5.07.1861 Aurich, + 14.10.1931 Aurich) und Jeanette Seba Wolff N. Wallheimer (*7.07.1861 Aurich +5.02.1935 Aurich) in Aurich geboren. Sie hat eine ältere Schwester Eva (*28.01.1899 Aurich) verh. Weinkowitz.

Elli verlässt Aurich am 15.08.1925 und zieht nach Bremen. Dort heiratet sie den Kaufmann Adolf Grünberg (*29.12.1898 Bremen +28.07.1942 Minsk Ghetto). Nach der Datenbank „Geni.com“ haben sie eine Tochter Goldy (*30.03.1927). Deren Todesdatum ist dort mit „23.02.1940 Theresienstadt Ghetto“ angegeben. Da dieses Ghetto erst im November 1941 eingerichtet wurde, muss diese Angabe fehlerhaft sein. Im Gedenkbuch Bundesarchiv ist Goldy nicht verzeichnet.

Elli wohnt mit ihrer Familie in Bremen in der Biebricher Straße 7 bei ihrer Tante Goldine Grünberg geb. Wallheimer.
Ellis Mann Adolf Grünberg wird am 10.11.1938 nach der Reichspogromnacht im KZ Sachsenhausen interniert und kommt am 5. Dezember 1938 wieder frei.

Elli und ihr Mann Adolf Grünberg werden am 18. November 1941 ab Hamburg in das Ghetto Minsk deportiert. Das Ghetto wurde am 21. Oktober 1943 liquidiert, wobei die meisten Gefangenen in Sobibor und im nahegelegenen Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet wurden. Für Elli und Adolf Grünberg wird der 28 Juli 1942 als Todesdatum angegeben (Gedenkbuch).

Ellis Tante Goldine, deren Bruder Calmer Wallheimer mit seiner Frau Julie und Schwester Minkel Wallheimer werden am 23.07.1942 von Bremen über Hannover in das KZ Theresienstadt deportiert.

Calmer Wolff Wallheimer stirbt dort bereits am 21.10.1942, vermutlich an Hunger und Entkräftung. Seine Frau Julie muss bald darauf unter ähnlichen Umständen am 10.12.1942 sterben.

Seine Schwester Goldine stirbt am 25.07.1943 – amtliche Todesursache „Marasmus senilis“.
Goldines Sohn, Hermann (20.04.1890 +15.03.1968) und Calmer Wolffs Nichte Lilly vom Kirchdorfer Weg 36 stellen später Rückgabe- und Wiedergutmachungsansprüche als Erben der überlebenden Schwester Minkel.

In Aurich wurden am 21.1.2016  Stolpersteine verlegt für
Calmer Wolff Wallheimer
Julie Wallheimer geb. Salinger
„Minna“ Minkel Wallheimer
alle: Kirchdorf Nr. 11 (heute: Kreuzstraße 6d – 21.10.2016)

Unten: Grabstein der Familie Grünberg in Bremen

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Meldekarte Aurich, NLA Aurich
Datenbank: https://www.geni.com/people/Elli-Gr%C3%BCnberg/6000000032021970569
Juden in Bremen: http://die-maus-bremen.info/fileadmin/db_query/juedische_fam/ausgabe/09/ofb1k2042.html
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Elli Grünberg geb. Wallheimer wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie bereits 1925 Aurich verließ und ihr letzter frei gewählter Wohnort in Bremen lag.

 

 

Selly Martin Wolff

Veröffentlicht: 9. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Selly Martin WOLFF
geboren am 11. November 1927 in Aurich

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: unbekannt, am 10.05.1942 Deportation nach Lublin
Todesort: Budzyn, am 31.12.1943 für tot erklärt
Selly Wolff ist das fünfte und jüngste Kind von Karoline (*1897-1942) und Martin Wolff (1894-1942). Er wird am 11. November  1927 in Aurich geboren. Er wird nach seinem Großvater mütterlicherseits benannt.

Sein Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Selly wächst zunächst mit den Geschwistern Roesel, Hildegard, Hannelore und Wolfgang in der Leerer Landstraße 18 auf und zieht dann mit seiner Familie nach Gut Eschen. Als sie die Wohnung dort verlassen müssen, zieht er mit seinen Eltern in die Marktstraße 4.

Als die letzten jüdischen Bürger gezwungen werden, Aurich zu verlassen, schicken seine Eltern ihn zusammen mit seinem älteren Bruder Wolfgang im Februar 1940 in ein jüdisches Kinderheim in Köln (Jüdisches Waisenhaus in Köln-Braunsfeld, Aachener Straße 443). Als Hannelore Wolff im April 1942 aus Berlin zu ihrer Mutter nach Weimar zurückkehrt, wohnen ihre Brüder Wolfgang und Selly bereits wieder bei der Mutter.

Am 10. Mai 1942 wird Selly im Alter von 14 Jahren mit seiner Mutter und den Geschwistern Hannelore und Selly  nach Lublin deportiert.  Er  lebt zunächst mit ihnen im dortigen Ghetto. Dort muss er mit seinem Bruder Wolfgang unter unmenschlichen Bedingungen im Steinbruch arbeiten.

Als das Ghetto Lublin geräumt wird, wird Selly von seiner Mutter getrennt. Seine Schwester Hannelore trifft ihn im KZ Belzyce bei ihrer Arbeit in der Krankenstation wieder. Dort wird Selly eingeliefert, nachdem er von einem Kapo brutal zusammengeschlagen wurde. Er zieht sich dabei innere Verletzungen an der Lunge zu.
Hannelore begegnet  ihrem Bruder erneut im KZ Budzyn auf der Krankenstation. Mittlerweile ist er 15 Jahre alt. Selly hat sich von den Misshandlungen durch den Kapo nicht erholt, ist schwer erkrankt und stirbt nach wenigen Tagen.

Sellys Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Sein Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Sein Bruder Wolfgang wurde im KZ Majdanek ermordet.

Seine Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, der Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina, die Schwester Hannelore konnte den Lagerterror überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wurde.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

Die vor dem Haus Leerer Landstraße 18 verlegten Stolpersteine für Familie Wolff. Fotos: Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand 21.03.2013)
Foto: -Wolfgang und Selly Wolff, in: Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006), S. 34
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Olga und Willi Blesene
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Selly und Wolfgang Wolff

 

 

 

Heinrich Urbach

Veröffentlicht: 9. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Heinrich URBACH
geboren am 8. Dezember 1903 in Leer

Straße: Bgm.-Schwiening-Str. 9 (30.01.1933 – 1.04.1933)
Todesdatum: 29. September 1944
Todesort: Auschwitz
Heinrich Urbach wird am 8. Dezember 1903 als zweites Kind seiner Eltern Betty Büchler (*4.01.1867 Neustadtgödens +1943) und Jakob Urbach (*25.05.1865 Aurich +5.06.1928 Leer) geboren.

Sein älterer Bruder Eduard wird am 30.06.1899 geboren.

Heinrich zieht am 30.01.1933 nach Aurich in die Bürgermeister-Schwiening-Straße 9. Auf der Meldekarte wird sein Beruf mit „Gerichtsassessor“ angegeben.
Wo er sein Jurastudium absolviert hat, wissen wir nicht – vielleicht in Berlin, denn er ist 1929/30 im Berliner Jüdischen Adressbuch aufgelistet in Berlin NO 18, Weberstraße 42.

Es ist zu vermuten, dass er in Aurich seine Assessorenzeit absolvieren wollte.

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 stellt eine der ersten zentralen Maßnahmen des NS-Regimes dar, die gezielt auf die Diskriminierung der jüdischen Staatsbürger gerichtet war und ihre Rückstufung zu Bürgern zweiter Klasse als Staatsdoktrin proklamierte. Damit war eine Perspektive auf Berufsausübung für Heinrich Urban nicht mehr gegeben. Er zieht bereits am 1.04.1933 zurück nach Leer.

Später zieht er nach Berlin-Schöneberg. Von dort aus wird er am 19. Mai 1943 in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 29. September 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Sein älterer Bruder Eduard wird am 3. März 1943 von Berlin aus nach Auschwitz deportiert. Er wohnte in Berlin Charlottenburg.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Datenbank: https://www.geni.com/people/Heinrich-Heinz-Urbach/6000000050566298511

Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I64304&nachname=Urbach&lang=de

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Heinrich Urbach wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da nur wenige Wochen in Aurich wohnte.

 

 

Ottilie Gottschalk geb. Seckels

Veröffentlicht: 9. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Ottilie GOTTSCHALK geb. SECKELS
geboren am 6. Mai 1898 in Aurich

Straße: Osterstraße 30 (Wohnung der Eltern)
Todesdatum: 22. April 1942 Deportation ab Düsseldorf in das Ghetto Izbica
Todesort: Izbica
Ottilie Seckels wird am 6. Mai 1998 als jüngstes von vier Kindern ihrer Eltern Sophie Seckels geb. Isenburger (*13.07.1864 Friedberg +24.04.1942 Izbica) und Joseph Seckels (*18.01.,1861 Aurich +25.02.1935 Aurich) geboren.

Ihre Geschwister sind Jacob Seckel, geb. 22.9.1891, Elise, geb. 12.11.1892, verh. Halpern und Georgine, geb. 21.11.1893, verh. Haberer.

Ottilie heiratetam 31.05.1926 Emmanuel Gottschalk (*8.03.1881) und zieht am 1.06.1926 nach Krefeld. Ihre gemeinsame Tochter Henriette wird am 19. September 1927 geboren.

Ottilies Mutter Sophie zieht am 27.03.1937 zu ihrer Tochter Ottilie nach Krefeld, nachdem ihr Mann Joseph Seckel Seckels an den Folgen eines vermutlich absichtlich herbeigeführten Verkehrsunfalls durch „Braunhemden“ am 25. Februar 1936 verstirbt.
Am 22. April 1942 muss Ottilie gemeinsam mit ihrer Tochter Henriette und ihrer Mutter Sophie Krefeld in einem Deportationszug ab Düsseldorf mit ca. 900 Juden mit dem Ziel „Durchgangsghetto“ Izbica in Polen verlassen. Der Zug erreicht Izbica am 24. April 1942. Dann verlieren sich die Spuren von Sophie, Ottilie und Henriette. Da alle Bewohner des Ghettos Izbica bis Ende 1942 ermordet wurden, ist davon auszugehen, dass auch sie dort oder in einem der umliegenden Vernichtungslager ermordet wurden.

Dem Ehemann von Ottilie, Emmanuel Gottschalk, gelingt noch am 31.10.1938 die Flucht nach Mexico/Cuba. Frau und Kind können ihm nicht mehr folgen.

Zum Schicksal der Geschwister von Ottilie:

Elise heiratet Sally Halpern und zieht nach Konstanz. Am 28.06.1939 flieht die Familie nach Brüssel, wird dort aber interniert, am 20.09.1943 ab Mechelen nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Jacob, dem ältesten Bruder von Ottilie und dessen Frau Gitta Seckels gelingt es, vor August 1939 in die USA zu emigrieren. In Oakland, California, nimmt das kinderlose Paar Jugendliche auf, u.a. auch ihren Neffen Joseph Haberer, Sohn der Schwester Georgine aus Villingen, der über die Kindertransporte nach England gerettet werden konnte.

Ihre Schwester Georgine heiratet am 31. Oktober 1927 Berthold Haberer (1882-1942) aus Villingen und zieht zu ihm in den Schwarzwald. Ihr Sohn Joseph wird am 31.Januar 1929 geboren, seine Eltern schicken Joseph mit einem Kindertransport im Dezember 1938 nach England. Die Eltern werden am 22.10.1940 ab Baden in das Internierungslager in Gurs (Frankreich) deportiert und am 10.08.1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Für Ottilies Eltern Joseph und Sophie Seckels sowie für ihren Bruder Jakob wurden am 16.11.2019 Stolpersteine in Aurich in der Osterstraße 30 verlegt.

 

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Meldekarte NLA Aurich
Deportation: https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420422.html
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Ottilie Gottschalk geb. Seckels wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie bereits Mitte der 1920ger Jahre Aurich verließ.

 

 

 

Grete Frank geb. Josephs

Veröffentlicht: 9. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Grete FRANK geb. JOSEPHS
geboren am 31. März 1881 in Jever

Straße: Wallstraße 14 (12.10.1939 bis 27.02.1940)
Todesdatum: 22. April 1942 Deportation ab Düsseldorf in das Ghetto Izbica
Todesort: Izbica
Grete Josephs wird 31. März 1881 in Jever als 6. Von 7 Kindern ihrer Eltern Jette Wolff (*29.10.1840 Aurich +10.03.1919 Jever und Wolff Benjamin C. Josephs (*19.04.1833 Jever +2.09.1911 Jever) geboren.

Ihre Geschwister sind:
Rosa (*5.04.1861 +7.04.1906)
Carl Wolf (*10.05.1863)
Moritz Wolff (*24.12.1869 +2.01.1872)
Bernhardine Dine (*13.08.1878 Jever +18.11.1961 Groningen)
Minna (*31.10.1879)
Siegfried (*5.11.1885 Jever +6.10.1944 Auschwitz)

Grete heiratet Justus Johannes Solomon Frank und hat mit ihm eine Tochter Irma (*21.12.1914 Vlotho +2001 Atlanta). Über weitere Kinder ist nichts bekannt.

Grete wohnt in Ahlen/Beckum (NRW). Am 12.10.1939 zieht sie für einige Monate nach Aurich, um dann – als alle Juden Aurich verlassen müssen – am 27.02.1940 nach Essen zu zeihen.

Vermutlich ist sie nach Aurich gekommen, da ihre Tochter Irma hier im Juli 1939 ihre Hochzeit mit Benno Wolffs (*23.10.1910 +25.10.1995 Atlanta) feierte.

Grete wird am 22. April 1942 von Düsseldorf aus in das Ghetto Izbica deportiert. Ihr Mann findet sich nicht auf der Liste der Deportierten. Da alle Ghetto Insassen noch Ende 1942 ermordet werden, ist davon auszugehen, dass auch Grete Frank in dem Jahr ermordet wird.

Ihrer Tochter Irma und deren Mann Benno Wolff gelingt noch 1940 die Flucht von Berlin nach Israel, wo 1944 ihr Sohn Michael geboren wird. 1952 immigrieren sie in die USA und leben in Milwaukee.

Ende der 70er Jahre ziehen sie nach Atlanta.

Bennos Sohn Michael stirbt am 20.08.1990 an einem unheilbaren Leiden.

Im Mai 1992 nehmen Irma und Benno Wolffs noch an der ersten Woche der Begegnung (ehemalige Mitbürger jüdischen Glaubens besuchen ihre Heimatstadt) teil.

Benno stirbt dann am 25.10.1995 und Irma 16.07.2001. Sie sind alle in Atlanta beigesetzt.

Für Benno Wolff wurde am 27.01.2015 ein Stolperstein in der Wallstraße 14 verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Zur Familie: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I425938&lang=de
Deportation: https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420422.html

 

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Grete Frank geb. Josephs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie nur wenige Monate in Aurich wohnte.

 

 

 

Bella Isaac geb. Wolff

Veröffentlicht: 8. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Bella ISAAC geb. WOLFF
geboren am 21. Juni 1895 in Aurich

Straße: Wallstraße 16 (bis ca. 1929)
Todesdatum: 2. März 1943 Deportation nach Auschwitz
Todesort: Auschwitz
Bella Wolff wird am 21. Juni 1895 in Aurich als Tochter des Schlächters David Levy Wolff (1847-1911) und seiner Ehefrau Marianne Wolff geb. von Oss (1855-1931) in Aurich geboren. Sie ist das 12. von 15 Kindern. Fünf ihrer Geschwister versterben bereits im Kindesalter. Sieben Geschwister werden ebenso wie Bella Wolff Opfer des Völkermordes an den Juden. Drei ihrer Geschwister können nach Australien, nach Paraguay bzw. in die USA fliehen.

Bella Wolff zieht 1928 nach Velbert und heiratet dort am 30.03.1930 Walter Isaac (*31.05.1899 in Velbert). Wahrscheinlich hat sie ihren Mann in Aurich kennengelernt, als er vom 27.10.1927 bis zum 2.3.1929 dort wohnte. Sie wohnen in Langenberg und zwischendurch für kurze Zeit in Wuppertal.

Sie bekommen am 22.06.1932 eine Tochter (geboren in Wuppertal-Elberfeld) und nennen sie Amalie Marianne, Marianne nach ihrer Auricher Großmutter.
Als die Repressionen gegen die Juden immer mehr zunehmen, schicken sie am 6. Juli 1939 ihre Tochter Amalie im Alter von 7 Jahren mit dem Kindertransport nach England. Wie verzweifelt muss die Situation für die Eltern gewesen sein, dass sie sich zu diesem Schritt entschlossen haben. Die Tochter lebte weiter in England und verstirbt 1956 im Alter von 24 Jahren.

Bella und ihr Mann Walter werden am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz deportiert. Vielleicht hat sie dort ihre Schwester Bertha und deren Mann getroffen, die ja etwa zur selben Zeit aus Berlin in dem Ghetto eintrafen.

Am 14. Mai 1942 werden Bella und ihr Mann Walter im gleichen Transport mit ihrer Schwester Bertha und deren Mann in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno gebracht und dort ermordet.

Für Walter Issac wurde ein Stolperstein in Langenberg (in der Alte Vogteier Straße 5, 42555 Velbert, wo sie vom12.10.1937 – 7.01.1939 wohnten) verlegt.

 

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
http://www.velbert.de/gedenkbuch/db/details.asp?details=1&Id=59http://www.gedenkbuch-wuppertal.de/de/person/isaac

Depotationslisten: https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411027-22.jpg
Stolperstein Walter Isaac: https://stolpersteine.wdr.de/web/de/stolperstein/7677

 

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Bella Wolff verh. Isaac wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie 1929 die Stadt verließ.