Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Regina Wolff, geb. Wolff

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Regina Wolff geb WolffRegina WOLFF geb. Wolff
geboren am 14. April 1890 in Aurich

 

 

 

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Minsk
Regina Wolff wurde am 14. April 1890 in Aurich geboren. Sie war die älteste von drei Töchtern des Schlachters Wolff Lewy Wolff aus Aurich und seiner Ehefrau Fanni Jakob Wolff. Reginas Schwester Marianne Wolff wurde am 11. Juni 1891 geboren, Auguste Wolff am 22. April 1893.

Regina Wolff arbeitet als Haustochter, bis sie am 19. August 1919 mit 29 Jahren den Schlachter Benjamin Wolff, genannt „Benno“ , heiratet. Trauzeugen sind ihr Vater Wolff Levi Wolff, der zu dem Zeitpunkt 62 Jahre alt ist, und der Schlachter Gerson Stoppelmann, vermutlich Bennos Schwager und Freund.

Benno und Regina Wolff wohnen in der Marktstraße 2, in der sich auch die Schlachterei befindet. Bis 1933 wohnen dort auch mehrere Hausmädchen.

Die drei Töchter Karoline, Fanni und Selma werden in den Jahren 1920, 1921 und 1923 geboren. Es konnte nicht genau ermittelt werden, aus welchen Gründen sie das Elternhaus verlassen haben. Karoline zieht im April 1936 mit knapp 16 Jahren nach Wuppertal-Elberfeld, ihre Schwester Fanni ging im Juni 1936 auf das Gut Spreenhagen in der Mark Brandenburg, im Juni 1937 nach Mannheim. Dort ist sie nach ihrer Meldekarte als Hausangestellte bei dem Ehepaar Richard und Mia Neter beschäftigt, die bis zum 10.08.1938 in der Sophienstr. 10, danach in der Tullastr. 11 in der Mannheimer Oststadt wohnten, einem gehobenen Stadtviertel. Das Ehepaar Neter ist am 5.2.1939 mit dem Ziel Tel Aviv ausgewandert.
Fanni Wolff kommt im Februar 1939 nach Aurich zurück und geht im Juni 1939 erneut nach Spreenhagen in der Mark Brandenburg, wo z.B. junge Menschen auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitet wurden.

Die jüngste Schwester Selma geht Anfang Mai 1938 ebenfalls nach Mannheim und ist dort bis zum 10.12.1938   in der Kirschenstr.3 bei Löffler als Haustochter gemeldet.

Es kann vermutet werden, dass Karoline Wolff (verheiratet: Lina Zuker), Fanni Wolff (verh.: Weizner) und Selma Wolff (verh.: Tendi) den Krieg im Ausland überlebt haben. Ihre Eltern, Benno und Regina Wolff, gehören zu den wenigen Einwohnern jüdischen Glaubens, die Aurich bis zum Februar 1940 noch nicht verlassen haben. Erst am 27. Februar fliehen sie nach Düsseldorf ebenso wie Reginas Schwester Marianne Kussel und ihr Mann Hugo.
Am 10.11.1941 gehören sie zu den 997 Menschen, die von Düsseldorf aus nach Minsk deportiert werden. In diesem Deportationszug befinden sich auch Marianne und Hugo Kussel und deren 16-jährige Tochter Elfriede. Sie alle haben das Lager in Minsk nicht überlebt.

Gunther Demnig, fotografiert von Klaus Ortgies für die Ostfriesen-Zeitung

Irmtraut Schulze-Rodenberg mit dem Foto von Benno Wolff

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 7.1202.14)
Fotos von der Verlegung Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 248, Nr. 943 und 947
Adressbuch für Stadt und Kreis Aurich 1926
http:/db.yadvashem.org/names/nameDetails.html? itemld
http://www.stadtarchiv.mannheim.de/
Literatur:
Patenschaft: Pauline Wilhelm
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

Gustav Katz

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Gustav KatzGustav KATZ
geboren am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar

 

 

 

Straße: Marktstraße 13
Todesdatum: Unbekannt (Deportiert 3. März 1943 nach Auschwitz)
Todesort: Auschwitz
Gustav Katz wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren. Seine Eltern waren der Handelsmann Isaak Katz und Sara Katz geb. Vogel.

Seit 1923 ist Gustav Katz zunächst in der Markstraße 6 in Aurich gemeldet, seit 1926 in der Marktstraße 13.
Am 8. März 1933 heiratet er Erna Wolff, geboren am 5. Februar 1909. Sie ist das dritte von vier Kindern des Viehhändlers Karl Jonas Wolff (1874-1943) und seiner Frau Helene, geb. Goldwein (1884-1943). Auch Ernas Eltern und Geschwister werden Opfer des Völkermordes. Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren. Gustav Katz betreibt seit 1923 gemeinsam mit seinem Partner Abraham Glück unter dem Namen „Glück und Katz“ in der Marktstraße 13 eine Produkten- und Schrotthandelsgesellschaft, die im Einwohnerverzeichnis 1926 als „Lederhandlung“ aufgeführt ist. Seit dem 17.03.1923 ist er als Eigentümer von Haus und Grundstück Marktstraße 13 im Grundbuch eingetragen. Sein Partner, Abraham Glück (*1.05.1899), kam aus Odessa nach Aurich, heiratet am 4.12.1926 Hilda Wolff und hat zwei Kinder (Heinz *1928 und Ursula *1935). Die Familie Glück kann 1937 in die USA nach Philadelphia auswandern.

Laut Kaufvertrag geht das Eigentum an Haus und Grundstück in der Marktstraße 13 am 9. November 1938 von Gustav Katz an einen Kirchdorfer Bauunternehmer über. Nach Jahren von Drohungen und Boykott und schließlich der Reichspogromnacht ist der Verkauf vermutlich der Versuch, wenigstens noch etwas Geld zu retten. Der Kaufpreis von 10.000 Mark geht aber auf ein bereits gesperrtes Konto.

Nach dem Krieg berichtet der Bauunternehmer, dass am Tage nach der Übertragung des Hausgrundstücks (gemäß Kaufvertrag am 9.11.1938) mehrere SA-Leute in dem Hause Marktstr. 13 aufgrund der Ereignisse in der vorhergehenden sogenannten „Kristallnacht“ in das Haus eingedrungen seien. Im Zuge dieser Aktion seien Beschädigungen am Haus vorgenommen und das Warenlager (Felle, Schrott usw.) geplündert worden.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90.

Am 27.2.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar.
Von den 1736 Deportierten dieses Transportes werden nur 677 jüdische Häftlinge zum Arbeitseinsatz als „arbeitsfähig“ neu registriert. Die übrigen 1059 Männer, Frauen und Kinder werden demnach sofort ermordet.

Am 3. März 1943 wird Gustav Katz (Lt. Transportliste: Nr. 450) mit dem 33. Osttransport zusammen mit 1730 Juden nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist ebenfalls nicht feststellbar. Von den 1731 Deportierten werden nur 517 Männer und 200 Frauen für den Arbeitseinsatz selektiert, was bedeutet, dass mehr als 1000 Deportierte sofort ermordet werden.
Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz, wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren, zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff (11.06.1907-21.05.1943), einem Bruder ihrer Mutter Erna, nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apell zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck.

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From. Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Am 3.10.1942 wird Elli Katz gemeinsam mit ihrer Tante Jette Wolff und ihrer Cousine Johanna in Westerbork interniert. Am 18.05.1943 wird Elli im Alter von 8 Jahren wiederum gemeinsam mit ihren Verwandten von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.

Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurde Elli Katz mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Das Rückerstattungsverfahren für das Grundstück Markstraße 13 wird erst am 4. Juni 1953 mit einem Vergleich abgeschlossen. Der Käufer, der 1938 des Objekt erworben hat, muss 8.000,- DM an die „Jewish Trust Corporation for Germany“ zahlen.

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Geburtsurkunde: Hessisches Staatsarchiv Marburg
Literatur:
Patenschaft: Fa. Pollmann&Renken
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

Erna Katz, geb. Wolff

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Erna Katz geb WolffErna KATZ geb. Wolff
geboren am 5. Februar 1909 in Aurich

Straße: Marktstraße 13
Todesdatum: Unbekannt (Deportiert 1. März 1943 nach Auschwitz)
Todesort: Auschwitz
Erna Wolff, geboren am 5. Februar 1909, ist das dritte von vier Kindern des Viehhändlers Karl Jonas Wolff (1874-1943) und seiner Frau Helene, geb. Goldwein (1884-1943). Auch Ernas Eltern und Geschwister werden Opfer des Völkermordes.

Am 8. März 1933 heiratet sie Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren. Seit 1923 ist Gustav Katz zunächst in der Markstraße 6 in Aurich gemeldet, seit 1926 in der Marktstraße 13.
Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Gustav Katz betreibt seit 1923 gemeinsam mit seinem Partner Abraham Glück unter dem Namen „Glück und Katz“ in der Marktstraße 13 eine Produkten- und Schrotthandelsgesellschaft, die im Einwohnerverzeichnis 1926 als „Lederhandlung“ aufgeführt ist. Seit dem 17.03.1923 ist er als Eigentümer von Haus und Grundstück Marktstraße 13 im Grundbuch eingetragen. Sein Partner, Abraham Glück (*1.05.1899), kam aus Odessa nach Aurich, heiratet am 4.12.1926 Hilda Wolff und hat zwei Kinder (Heinz *1928 und Ursula *1935). Die Familie Glück kann 1937 in die USA nach Philadelphia auswandern.

Laut Kaufvertrag geht das Eigentum an Haus und Grundstück in der Marktstraße 13 am 9. November 1938 von Gustav Katz an einen Kirchdorfer Bauunternehmer über. Nach Jahren von Drohungen und Boykott und schließlich der Reichspogromnacht ist der Verkauf vermutlich der Versuch, wenigstens noch etwas Geld zu retten. Der Kaufpreis von 10.000 Mark geht aber auf ein bereits gesperrtes Konto.

Nach dem Krieg berichtet der Bauunternehmer, dass am Tage nach der Übertragung des Hausgrundstücks (gemäß Kaufvertrag am 9.11.1938) mehrere SA-Leute in dem Hause Marktstr. 13 aufgrund der Ereignisse in der vorhergehenden sogenannten „Kristallnacht“ in das Haus eingedrungen seien. Im Zuge dieser Aktion seien Beschädigungen am Haus vorgenommen und das Warenlager (Felle, Schrott usw.) geplündert worden.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90.

Am 27.2.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar.
Von den 1736 Deportierten dieses Transportes werden nur 677 jüdische Häftlinge zum Arbeitseinsatz als „arbeitsfähig“ neu registriert. Die übrigen 1059 Männer, Frauen und Kinder werden demnach sofort ermordet.

Am 3. März 1943 wird Gustav Katz (Lt. Transportliste: Nr. 450) mit dem 33. Osttransport zusammen mit 1730 Juden nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist ebenfalls nicht feststellbar. Von den 1731 Deportierten werden nur 517 Männer und 200 Frauen für den Arbeitseinsatz selektiert, was bedeutet, dass mehr als 1000 Deportierte sofort ermordet werden.
Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz, wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren, zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff (11.06.1907-21.05.1943), einem Bruder ihrer Mutter Erna, nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apell zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck.

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From. Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Am 3.10.1942 wird Elli Katz gemeinsam mit ihrer Tante Jette Wolff und ihrer Cousine Johanna in Westerbork interniert. Am 18.05.1943 wird Elli im Alter von 8 Jahren wiederum gemeinsam mit ihren Verwandten von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.

Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurde Elli Katz mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Das Rückerstattungsverfahren für das Grundstück Markstraße 13 wird erst am 4. Juni 1953 mit einem Vergleich abgeschlossen. Der Käufer, der 1938 des Objekt erworben hat, muss 8.000,- DM an die „Jewish Trust Corporation for Germany“ zahlen.

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: GAP Fraktion im Auricher Stadtrat
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Elli Katz

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Elli KatzElli KATZ
geboren am 29. November 1934 in Aurich

 

 

 

Straße: Marktstraße 13
Todesdatum: 21. Mai 1943 (Deportiert 18. Mai 1943 nach Sobibor)
Todesort: Sobibor
Elli Katz wurde am 29. November 1934 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Erna Katz geb. Wolff und Gustav Katz.
Erna Katz, geboren am 9. Februar 1909, ist das dritte von vier Kindern des Viehhändlers Karl Jonas Wolff (1874-1943) und seiner Frau Helene, geb. Goldwein (1884-1943). Auch Ernas Eltern und Geschwister werden Opfer des Völkermordes.Am 8. März 1933 heiratet sie Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren. Seit 1923 ist Gustav Katz zunächst in der Markstraße 6 in Aurich gemeldet, seit 1926 in der Marktstraße 13.
Gustav Katz betreibt seit 1923 gemeinsam mit seinem Partner Abraham Glück unter dem Namen „Glück und Katz“ in der Marktstraße 13 eine Produkten- und Schrotthandelsgesellschaft, die im Einwohnerverzeichnis 1926 als „Lederhandlung“ aufgeführt ist. Seit dem 17.03.1923 ist er als Eigentümer von Haus und Grundstück Marktstraße 13 im Grundbuch eingetragen. Sein Partner, Abraham Glück (*1.05.1899), kam aus Odessa nach Aurich, heiratet am 4.12.1926 Hilda Wolff und hat zwei Kinder (Heinz *1928 und Ursula *1935). Die Familie Glück kann 1937 in die USA nach Philadelphia auswandern.

Laut Kaufvertrag geht das Eigentum an Haus und Grundstück in der Marktstraße 13 am 9. November 1938 von Gustav Katz an einen Kirchdorfer Bauunternehmer über. Nach Jahren von Drohungen und Boykott und schließlich der Reichspogromnacht ist der Verkauf vermutlich der Versuch, wenigstens noch etwas Geld zu retten. Der Kaufpreis von 10.000 Mark geht aber auf ein bereits gesperrtes Konto.

Nach dem Krieg berichtet der Bauunternehmer, dass am Tage nach der Übertragung des Hausgrundstücks (gemäß Kaufvertrag am 9.11.1938) mehrere SA-Leute in dem Hause Marktstr. 13 aufgrund der Ereignisse in der vorhergehenden sogenannten „Kristallnacht“ in das Haus eingedrungen seien. Im Zuge dieser Aktion seien Beschädigungen am Haus vorgenommen und das Warenlager (Felle, Schrott usw.) geplündert worden.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90.

Am 27.2.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar.
Von den 1736 Deportierten dieses Transportes werden nur 677 jüdische Häftlinge zum Arbeitseinsatz als „arbeitsfähig“ neu registriert. Die übrigen 1059 Männer, Frauen und Kinder werden demnach sofort ermordet.

Am 3. März 1943 wird Gustav Katz (Lt. Transportliste: Nr. 450) mit dem 33. Osttransport zusammen mit 1730 Juden nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist ebenfalls nicht feststellbar. Von den 1731 Deportierten werden nur 517 Männer und 200 Frauen für den Arbeitseinsatz selektiert, was bedeutet, dass mehr als 1000 Deportierte sofort ermordet werden.
Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz, wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren, zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff (11.06.1907-21.05.1943), einem Bruder ihrer Mutter Erna, nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apell zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck.

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From. Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Am 3.10.1942 wird Elli Katz gemeinsam mit ihrer Tante Jette Wolff und ihrer Cousine Johanna in Westerbork interniert. Am 18.05.1943 wird Elli im Alter von 8 Jahren wiederum gemeinsam mit ihren Verwandten von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.

Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurde Elli Katz mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Das Rückerstattungsverfahren für das Grundstück Markstraße 13 wird erst am 4. Juni 1953 mit einem Vergleich abgeschlossen. Der Käufer, der 1938 des Objekt erworben hat, muss 8.000,- DM an die „Jewish Trust Corporation for Germany“ zahlen.

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Gerta und Klaus Gebhardt
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

Josef Wolff

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Josef WOLFFJosef Wolff
geboren am 18. April 1911 in Aurich

 

 

 

Straße: Marktstraße 15
Todesdatum: 1. Februar 1943
Todesort: Auschwitz
Josef Wolff Wolff geb 18_4_1911.

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Josef Wolff wird am 18. April 1911 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Wolff Jonas Wolff und Jeanette geb. Samson. Er hat noch einen älteren Bruder Jonas und eine ältere Schwester Henni. Die Familie wohnt im Haus Marktstraße 15. Sein Vater ist Schlachter. Nach den Umständen zu urteilen ist die Familie arm.
Alle Geschwister verlassen in jungen Jahren das Elternhaus um Arbeit an vielen Stellen in Deutschland, wie es in dieser Zeit aus Zwang und Not üblich ist, zu finden. Josef geht wie seine Schwester zu Verwandten der Wolffs am 6.07.1938 nach Werlte. Die spätere Kennkarte vermerkt als Beruf: Schlachter, Arbeiter. Er kommt am 12.01.1939 wieder zurück in die Marktstraße 15.
Nach der Reichspogromnacht war er im KZ Sachsenhausen inhaftiert. In dieser Zeit muss sein Vater bereits als Folge der allgemeinen Deprivation dieses Haus verkaufen. Jonas flüchtet am 16.06.1939 nach Brüssel, später weiter nach Frankreich. Josef wird im Durchgangslager Drancy bei Paris interniert. Mit dem Transport 18 am 12.08.1942 wird er mit 1.006 weiteren Opfern nach Auschwitz deportiert. Von diesen werden sogleich bei Ankunft 705 umgebracht. Josef wird noch als Arbeitshäftling registriert. Doch er stirbt am 1.02.1943.
Von dieser Familie Wolff überlebt keiner, alle werden Opfer der Shoah. Zwei Cousins gelingt es nach dem Krieg, Rückübertragungsansprüche aus dem Zwangsverkauf des Hauses Markstraße 15 geltend zu machen.

Jörg Peter trägt die von ihm recherchierten Biographien der Familie Wolff vor.

Henni Klerekooper geb. Wolff

Ihr Ehemann Zwi Klerekooper

Brigitte Weber mit zeigt hier ein Foto von Jeanette Wolff geb. Samson,

Jonas „Jonni“ Wolff

Josef Wolff

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 15

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Foto:

Fotos von der Verlegung

Kennkarte

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Ehem. Melderegister
Geburtenbücher der Jüdischen Gemeinde beim Staatsarchiv Aurich
Klarsfeld Memorial Project.
Literatur:
Patenschaft: Tido Janssen
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

Jonas „Jonni“ Wolff

Veröffentlicht: 23. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

 

Jonas 'Jonni' WolffJonas „Jonni“ WOLFF,
geboren am 3. Oktober 1905 in Aurich

 

 

 

Straße:  Marktstraße 15
Todesdatum: 16. Februar 1943
Todesort: Auschwitz
Jonas „Jonni“ Wolff wird am 3. 10. 1905 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Wolf Jonas Wolff und Jeanette. Er hat noch einen jüngeren Bruder Josef und eine jüngere Schwester Henni.Die Familie wohnt im Haus Marktstraße 15. Sein Vater ist Schlachter. Nach den Umständen zu urteilen ist die Familie arm. Alle Geschwister verlassen in jungen Jahren das Elternhaus um Arbeit an vielen Stellen in Deutschland, wie es in dieser Zeit aus Zwang und Not üblich ist, zu finden.

Am 15.11.1937 zieht Jonas zu Verwandten nach Werlte. Die später ausgestellte Kennkarte vermerkt als Beruf „landwirtschaftlicher Gehilfe“. Am 1.06.1938 wohnt er wieder in Aurich, Markstraße 15.

Nach der Reichsprogromnacht war er im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Als sein Vater das Haus als Folge der allgemeinen Deprivation gegen Juden verkaufen muss, zieht er ab Frühjahr 1939 innerhalb Aurichs um nach „Am Neuen Hafen 2“. Dieses Haus wird zum Judenhaus zur Aufnahme vieler Wohnsitzloser und Enteigneter. Es bleibt Besitz von Hilde Hoffmann aus Dillingen. Sie ist ihrerseits nach Luxemburg geflohen.
Als Deutschland zum Überfall auf die Niederlande mobilmacht, müssen alle Juden aus grenznahen Orten in große Städte umziehen. Jonas Wolff zieht am 7.02.1940 nach Berlin. Er heiratet am 4.09.1942 Martha Löwenstein. Martha wird am 6.08. 1908 in Weener an der Ems geboren und ist von Beruf Damenschneiderin. Ihr Vater betreibt dort eine Schlachterei in der Süderstraße. Ihre Familie muss ebenfalls im Februar 1940 nach Berlin umziehen.

Am 29.01.1943 werden Jonas und Martha Wolff mit weiteren 1.002 Opfern von Berlin nach Auschwitz deportiert. Martha wird bei Ankunft am 30.01.1943 ermordet. Jonas wird noch als Arbeitshäftling registriert, aber er stirbt bald darauf am 16.02.1943 in Auschwitz-Birkenau.

Von dieser Familie Wolff überlebt keiner, alle werden Opfer der Shoah. Zwei Cousins gelingt es nach dem Krieg, Rückübertragungsansprüche aus dem Zwangsverkauf des Hauses Markstraße 15 geltend zu machen.

Jörg Peter trägt die von ihm recherchierten Biographien der Familie Wolff vor.

Henni Klerekooper geb. Wolff

Ihr Ehemann Zwi Klerekooper

Brigitte Weber mit zeigt hier ein Foto von Jeanette Wolff geb. Samson,

Jonas „Jonni“ Wolff

Josef Wolff

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 15

Recherche.: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Foto:

Fotos von der Verlegung:

Kennkarte

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Ehem. Melderegister, Geburtenbücher der Jüdischen Gemeinde beim Staatsarchiv Aurich, St.Amt Berlin-Mitte Nr. 2051/1042
Literatur:
Patenschaft: Christof Klotz
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

 

 

Jeanette Wolff geb. Samson

Veröffentlicht: 23. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Jeanette Wolff geb SamsonJeanette WOLFF  geb. Samson geboren am 12. November 1879 in Aurich

 

 

 

 

Straße: Marktstraße 15
Todesdatum: 1942
Todesort: Treblinka
 Jeanette Wolff geb Samson(1)

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Jeanette Wolff wird am 12. November 1879 in Aurich als Jeanette Joseph Samson geboren. Ihre Eltern sind Joseph Simon Samson und Johanne Hendel (Hannchen) geborene Blitz. Jeanette hat noch zwei weitere Brüder in Aurich. Sie und deren Familien werden ebenfalls Opfer der Shoah. Sie heiratet den Schlachter Wolf Jonas Wolff. Das Paar bekommt drei Kinder, Jonas (Jonni), Henni und Josef. Die Familie wohnt bis zum 30.08.1939 im Haus Marktstraße 15: Ein kleines einstöckiges, und nach Schilderungen von Zeitgenossen ärmliches Haus. In der Folge der allgemeinen Deprivation gegen alle jüdischen Mitbürger muss ihr Mann das Haus verkaufen. Jeanette Wolff, ihr Mann und ihr ältester Sohn ziehen in das Haus Am Neuen Hafen 2. Dieses, noch im jüdischen Besitz, wird von den Auricher Ordnungsbehörden zu einem Judenhaus gemacht. Die beiden jüngeren Kinder sind bereits in das benachbarte Ausland verzogen. Mit dem geplanten Krieg gegen die Niederlande und Frankreich im Frühjahr 1940 müssen auch die Wolffs Aurich verlassen: Jeanette, ihr Mann und der älteste Sohn Jonas (Jonni) müssen nach Berlin ziehen. Die Wolffs leisten Zwangsarbeit in Berliner Rüstungsbetrieben. Jeanette wird zusammen mit ihrem Mann am 24.08.1942 in das Altenghetto Theresienstadt deportiert. Von dort weiter am 26.09.1942 nach Treblinka. Von den 1.997 nach Treblinka Deportierten hat keiner überlebt.

Jörg Peter trägt die von ihm recherchierten Biographien der Familie Wolff vor.

Henni Klerekooper geb. Wolff

Ihr Ehemann Zwi Klerekooper

Brigitte Weber mit zeigt hier ein Foto von Jeanette Wolff geb. Samson,

Jonas „Jonni“ Wolff

Josef Wolff

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 15

 Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand 14.12.2013)
Foto:

Fotos der Verlegung

Meldekarte

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Ehem. Melderegister, Geburtenbücher der Jüdischen Gemeinde beim Staatsarchiv Aurich
Literatur:
Patenschaft: Stadtführervereinigung (Ulla Wefers)
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Veröffentlicht: 23. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Hoffmann, Heinz HenryHeinz „Henry“ HOFFMANN,
geboren am 14. Juni 1926 in Aurich

 

 

Straße: Wallstraße 19
Todesdatum: (unbekannt)
Todesort: (unbekannt)
 

Henry Hoffmann wurde am 14. Juni 1926 als Sohn von Friedrich und Rebekka Hoffmann in Aurich geboren. Sein Vater leitete zusammen mit dessen Bruder das Hotel „Hoffmanns Hotel Falk“ auf Norderney.

Nachdem auch auf der Insel die Ausgrenzung ansässiger Juden und jüdischer Badegäste begann, musste das Hotel geschlossen werden.

Henrys Eltern wurden am 23.10.1941 von Emden über Berlin in das Ghetto in Lodz (Polen) deportiert und am 4.5. 1942 in Chelmno/Kulmhof (Konzentrations- bzw. Vernichtungslager) ermordet.

Henry hat zwei Schwestern, Eva und Helene, die durch Flucht aus Deutschland überlebt haben. Eva flüchtete 1938 nach Italien und Helene 1939 nach Israel.
Henry ging im Februar 1940 auf ein sogenanntes jüdisches Umschulungsgut in Steckelsdorf, was ca. 70 Kilometer von Berlin entfernt war. Das Ziel dieser Einrichtungen war es, die jüdische Jugend geistig und handwerklich auf ein Leben in Israel vorzubereiten. In Steckelsdorf sollten die jungen Auswanderer, zu denen Henry gehörte, auf gärtnerische oder landwirtschaftliche Berufe vorbereitet werden. Viele junge Juden wollten jedoch auch die Chance nutzen, um den Nationalsozialisten zu entkommen. Im Jahr 1941 wurden diese Ausbildungsstätten von den Nationalsozialisten geschlossen und zu Zwangsarbeitslagern umfunktioniert.

Am 24. 5. 1942 wurden die Jugendlichen des Umschulungsguts in Steckelsdorf durch die Nationalsozialisten nach Berlin verschleppt und mit dem nächsten Transport nach Theresienstadt deportiert. Henry gilt seit dieser Zeit als verschollen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass er in einem Konzentrations- bzw. Vernichtungslager ermordet wurde.
Im Jahr 2013 wurden bereits auf Norderney Stolpersteine für Henry und seine Eltern verlegt.

 

 

Recherche: Klasse 9E, RS Moordorf
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.06.2014)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Klasse 9E, RS Moordorf
Verlegetermin: 17. Juni 2014

 

 

 

Henni Kleerenkoper, geb. Wolff

Veröffentlicht: 23. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Henni Kleerekoper geb WolffHenni KLEERENKOPER geb. WOLFF
geboren am 17. April 1907 in Aurich

 

 

 

Straße: Marktstraße 15
Todesdatum: 1944 (nicht gesichert)
Todesort: Auschwitz
Henni Kleerekoper wird am 17. April 1907 als Henni Wolff in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Wolff Jonas Wolff und Jeanette geborene Samson. Sie hat noch zwei Brüder – Jonas und Josef. Die Familie wohnt im Haus Marktstraße 15. Ihr Vater ist Schlachter. Nach den Umständen zu urteilen ist die Familie arm. Alle Geschwister verlassen in jungen Jahren das Elternhaus, um Arbeit an vielen Stellen in Deutschland, wie es in dieser Zeit aus Zwang und Not üblich ist, zu finden.

Henni Wolff meldet sich am 1.10.1937 von der Marktstraße 15 ab. Sie arbeitet bei Verwandten in Werlte im Emsland. Am 1.07.1938 geht sie nach Heldern in Holland. Am 2.02.1939 meldet sie sich erstmalig in Amsterdam und wohnt dort unter weiteren Adressen. Als Beruf ist ‚Huishoudster’ vermerkt, also Hausgehilfin oder vielleicht Hausdame. Sie heiratet am 20. Juli 1942 den Kaufmann Zwi Meyer Kleerekoper. Das Paar – sie bekommen keine Kinder, wohnt ab dem 17.12.1942 in der Trompenburgstraat 129.

Zu dieser Zeit finden bereits in Amsterdam große Razzien mit der Räumung ganzer Quartiere statt. Am 20.04.1943 werden sie so inhaftiert und per Eisenbahn zum Durchgangslager Westerbork gebracht. Aus der Verbleibzeit in Westerbork ist zu schließen, dass sie in Amsterdam nicht untergetaucht waren.

Am 20.07.1943 werden beide in Viehwagen nach Sobibor deportiert. Dort, ebenso wie stets auch in Treblinka, werden alle 2.209 Ankommenden sofort am 23.07.1943 umgebracht.
Von dieser Familie Wolff überlebt keiner, alle werden Opfer der Shoah. Zwei Cousins gelingt es nach dem Krieg, Rückübertragungsansprüche aus dem Zwangsverkauf des Hauses Markstraße 15 geltend zu machen.
Henny KleerekoperFoto: Henni Kleerenkoper geb. Wolff und Zwi Kleerenkoper (Foto von der Schwägerin, Yad Vashem)

Razzia in der Uiterwaardenstraat (in der Nähe von Trompenburgstraat) Ecke Gaaspstraat 59 am 20. Juni 1943: Die zur Deportation nach Westerbork bestimmten werden abgeführt. So dürfte es sich auch bei Henni Kleerekoper ereignet haben. Ein Anwohner, A Wijnberg fotografierte heimlich hinter der Gardine.  Stadsarchiev Amsterdam

 

Vom 17. 12. 42 wohnten Henni und Zwi Kleerenkoper hier in der Trompenburgstraat 129.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Ehem. Melderegister, Geburtenbücher der Jüdischen Gemeinde beim Staatsarchiv Aurich,
Meldkaart Gemeente Amsterdam
Informationszentrum Westerbork
Literatur:
Patenschaft: Jörg Peter
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

 

 

Otto Wolffs

Veröffentlicht: 9. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolffs, OttoOtto WOLFFS
geboren am 31. Oktober 1926 in Aurich

Straße: Lindenstr. 12, heute Georgswall 23
Todesdatum: überlebt
Todesort:

Otto Wolffs

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Otto Wolffs ist der Sohn des Viehhändlers Heimann Wolffs und dessen Frau Rosa. Er wird am 31. Oktober 1926 in Aurich als viertes von fünf Kindern geboren. In Aurich verlebt er bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten eine eher unbeschwerte Kindheit, muss dann in den Jahren nach 1933 jedoch zahlreiche sehr belastende Erfahrungen machen: Nicht nur, dass sein Vater den Viehhandel schließen muss und die Familie finanziell in Bedrängnis gerät; seinem besten Freund, der nicht Jude ist, wird der Umgang mit ihm von dessen Eltern verboten. Er wird auch mehrfach von Jungen, die der Hitlerjugend angehören, zusammengeschlagen und gleich zweimal fast ertränkt – Otto hat bis ins hohe Alter so große Angst vor dem Wasser, dass er nie schwimmen gelernt hat. Als besonders einschneidend erlebt er die Pogromnacht und deren Folgen: Ottos Vater wird verhaftet und kehrt erst Wochen später heim. Otto selbst berichtet, er werde den Anblick seines ausgemergelten und todkranken Vaters bei dessen Heimkehr nie vergessen. Nur fünf Tage nach seiner Ankunft in Aurich ist der Vater tot und Otto Halbwaise. Da seine älteren Brüder bereits in den Niederlanden und die Brüder des Vaters noch in Haft sind, ist es Ottos Aufgabe, das Totengebet für seinen Vater zu sprechen.

Der Tod des Vaters verändert viel für die Familie und Ottos Mutter trifft nun einige wichtige und mutige Entscheidungen: Um das Leben ihrer Kinder zu retten, bemüht sie sich erfolgreich um Plätze bei einem Kindertransport. Nachdem Ottos Schwester Guste Margrit bereits am 17. Mai 1939 Aurich verlassen konnte, begibt sich nun auch Otto am 31. Mai auf die Reise in ein fremdes Land. Ottos Mutter Rosa versucht, Erinnerungsstücke „zu retten“ und gibt Otto Familienfotos oder beispielsweise auch den Füllfederhalter des Großvaters mit. In England wird Otto von einer Pflegefamilie namens Morris in London aufgenommen. Diese versucht, auch Ottos Mutter bei der Einreise nach England behilflich zu sein – sie wollen Rosa als Haushaltshilfe einstellen. Bis Ende August gelingt es ihnen tatsächlich, alle notwendigen Papiere zu besorgen, doch der deutsche Angriff auf Polen am 1. September 1939 macht alle Hoffnungen zunichte: Rosa kann nicht mehr nach England reisen. Der Kriegsausbruch hat noch eine weitere Folge: Otto und andere Kinder werden aus London evakuiert, da man deutsche Luftangriffe fürchtet. Otto wird nach Bradenham, ein kleines Dorf in der Nähe von Thetford, geschickt. Er lebt dort zwei Jahre bei Familie Moore, einer strenggläubigen Methodistenfamilie, die zwar keine Juden kennt, aber großen Wert darauf legt, Otto ein Beibehalten und Ausüben seines Glaubens zu ermöglichen. Als Otto zwei Jahre später Bradenham wieder verlässt, um nach London zu Familie Morris zurückzukehren, fällt ihm der Abschied sehr schwer. In London wohnt er bei Familie Morris und arbeitet im Leder- und Spielwarengeschäft der Familie als Verkäufer, bevor er schließlich eine Schneiderlehre beginnt. Wegen der häufigen Luftangriffe auf London verlässt er die Stadt jedoch im August 1944 erneut und zieht nun zu Verwandten nach Blackburn und arbeitet dort bei der Firma EMSA, die von einem jüdischen Unternehmer aus Mecklenburg gegründet worden war. Als Otto im Sommer 1945 erfährt, dass die US-Militärregierung deutschsprechendes Personal für ihre Dienststellen in Deutschland sucht, bewirbt er sich erfolgreich und arbeitet in der Folge bis 1979 in verschiedenen Positionen für die US-Army in Deutschland. Schon bei seiner ersten Stelle in Esslingen bei Stuttgart lernt er 1946 seine spätere Frau Gertrud kennen, die als Sekretärin bei den Amerikanern beschäftigt ist. Beide heiraten 1951 und bekommen drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter.
Aufgrund gesundheitlicher Probleme muss Otto Ende 1979 seine Arbeit aufgeben: Das Erstarken der Neo-Nazis in Deutschland – eine Demo der NPD in Frankfurt, die er 1977 erlebt, erfüllt ihn mit Entsetzen – und private Angriffe, wie ein Anrufer, der bei Otto immer wieder anruft und erklärt, ihn habe man vergessen zu vergasen, lassen Otto in eine schwere Depression stürzen.

Nichtsdestoweniger engagiert er sich ab Beginn der achtziger Jahre bei einem Zeitzeugenprojekt der Stadt Frankfurt und besucht Schulklassen, um mit den Schülern über die Zeit des National­sozialismus und das Schicksal der Juden in Deutschland zu sprechen. Das Erlebte belastet ihn bis heute sehr und bis jetzt fragt er sich immer wieder, ob eine Wiederholung der damaligen Geschehnisse wirklich verhindert werden kann.

Otto Wolffs nahm zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud an der Auricher „Woche der Begegnung“ im Mai 1992 teil. Sein Sohn Ralph aus Frankfurt kam mit seiner Frau Evelyne zur Stolpersteinverlegung am 17. Juli 2014 nach Aurich.

Nachtrag: Otto Wolffs verstarb am am 8.11.2020 im Alter von 94 Jahren in Weinstadt.

Zur Verlegung durften wir insgesamt 33  Angehörige und Gäste aus den USA, Israel, Großbritannien und Deutschland begrüßen, darunter alleine 21 Angehörige der Familie Zuns, die sich hier mit uns (Brigitte Weber ganz links, Günther Lübbers obere Reihe links) vor dem Hotel „Hochzeitshaus“ aufgestellt haben.

Das Haus Lindenstraße 12, heute Georgswall 23, beherbergt  Teile des Bauamtes der Stadt Aurich und liegt direkt neben dem Rathaus.

Die sechs Stolpersteine mit Fotos der mit Rosen geehrten früheren Bewohnern.

Hier spielt die Bläserklasse des Gymnasiums Ulricianum Aurich unter der Leitung von Frau Könemann-Glashoff zu Ehren der Familie Wolffs auf. Wolff Heimann Wolffs war der letzte jüdische Abiturient des Ulricianums, alle Patenschaften für die Familie wurden von dieser Schule übernommen.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 20.09.2015)
Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 16/1, Nr. 4155; Rep. 107, Nr. 1874; Rep. 107, Nr. 2676http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/gesellschaft-eines-tages-sagte-die-mutter-du-gehst-nach-england-1148629.html, Zugriff vom 13.05.2014
Telefongespräch mit Bettina Schönfeld, Tochter von Otto und Enkeltochter von Heimann Wolffs, am 03. Juli 2014
Telefongespräch mit Margaret Silbermann, Schwester von Otto Wolffs, am 27. Juni 2014
Literatur: Rebekka Göpfert: Der Jüdische Kindertransport von Deutschland nach England 1938/39. Geschichte und Erinnerung, Frankfurt 1999Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 17. Juli 2014

Otto und Gertrud Wolffs