Lea STERNBERG, geb. Knurr
geboren am 10. Januar 1904 in Aurich
Lea STERNBERG, geb. Knurr
geboren am 10. Januar 1904 in Aurich
Lippmann KNURR
geboren am 2. August 1859 in Aurich
| Straße: | Norderstraße 2 |
| Todesdatum: | 3. März 1942 |
| Todesort: | Bremen |
| Lippmann Knurr wurde am 2. August 1859 in Aurich geboren. Er ist der Sohn von Heyman Cassen Knurr und Gertrude Knurr, geb. Heimann. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts betreibt die Familie das Geschäft „H.C. Knurr“ in Aurich, an der Ecke Marktstraße/Norderstraße. Neben Damen-, Herren- und Kinderbekleidung vertreiben die Knurrs erfolgreich Pelze, Teppiche, Gardinen, Federn, Kurzwaren und Stoffe.
Lippmann Knurr übernimmt das Geschäft von seinem Vater und führt es erfolgreich fort. Er heiratet Ida Bienheim aus Duingen, Kreis Alfeld, deren Schwester Henriette („Henny“) wiederum Lippmanns Bruder Abraham ehelicht. Lippmann und Ida haben sieben Kinder: Harry (geb. 14.08.1896), Erich (geb. 27.06.1899), Gertrude (geb. 20.06.1901, gest. 14.03.1903), Lea (geb. 10.01.1904), Theresa (geb. 01.04.1905, gest. 21.06.1906), Hermann (geb. 02.10.1908) und Gerta (03.06.1912). Gertrude und Theresa versterben bereits als Kleinkinder. Die jüngste Tochter, Gerta, stirbt im November 1936 im Alter von 24 Jahren an einer Lungenentzündung. Die übrigen vier Kinder von Lippmann und Ida Knurr überleben jedoch den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust: Allen gelingt rechtzeitig die Flucht aus Deutschland. Die Familie Knurr gilt als sehr religiös und kultiviert. Lippmann und Ida legen großen Wert auf eine gute Erziehung und Bildung ihrer Kinder, die später, bei ihrer Immigration in die USA, von ihren Englischkenntnissen profitieren sollten. Innerhalb der jüdischen Gemeinde spielt die Familie eine herausragende Rolle, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass der Auricher Rabbiner regelmäßig bei den Knurrs verkehrt und zu Mittag isst. Lippmann Knurr fungiert als Sprecher der jüdischen Gemeinde und wird bei Streitigkeiten, die das Geschäftsleben oder die jüdische Gemeinde betreffen, als Experte zu Rate gezogen. Doch auch außerhalb der jüdischen Gemeinde genießt Lippmann großes Ansehen: 1913 beispielsweise wir er zum Stadtverordneten gewählt. Die jüdische Schule liegt Lippmann besonders am Herzen: Er leitet den Neubau der Schule in die Wege und ist mindestens dreißig Jahre lang im Schulvorstand tätig. Außerdem engagiert er sich im sozialen Bereich und sorgt für Waisenkinder, denen er in seinem Geschäft eine Ausbildungsstelle und Unterkunft gewährt. 1939 wird Lippmann anlässlich seines 80. Geburtstags schließlich als eine der führenden und angesehensten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde ausgezeichnet. 1927 verstirbt Ida Knurr vierundfünfzigjährig nach langer Krankheit, Lippmann ist nun Witwer. Die Söhne Erich und Hermann arbeiten im Geschäft mit und werden Teilhaber der Firma „H.C. Knurr“. Lea Knurr heiratet den Sohn von Jakob Sternberg, Erich, der mit seinem Bruder gemeinsam das Bekleidungsgeschäft „Meyer Sternberg“ führt. Als Lea und Erich Mitte der 30er Jahre erste Überlegungen zu einer Auswanderung anstellen, steht ein Teil der Familie Knurr dem zunächst wohl eher skeptisch gegenüber: Lippmann und seine Söhne gehen davon aus, dass der „Spuk“ bald ein Ende haben werde und die Situation sich wieder „normalisieren“ würde. Lea und ihrem Mann Erich gelingt es mit Geschick und Glück, ein Kaufhaus in Baton Rouge in Louisiana zu erwerben und 1936/37 dorthin auszuwandern. Als die Situation in Deutschland Ende der 30er Jahre immer schwieriger wird, immigrieren auch die übrigen Kinder Lippmanns mit ihren Familien in die USA, wobei sie von Lea und Erich unterstützt werden. Lippmann möchte Deutschland jedoch noch immer nicht verlassen. Er glaubt nicht, dass ihm aufgrund seines fortgeschrittenen Alters – er ist 1939 80 Jahre alt – etwas angetan werden würde. Im Februar 1939 verkauft er jedoch nach der Auswanderung seines Sohnes Erich das Geschäftshaus und das dazugehörige Grundstück. Das Unternehmen „H. C. Knurr“ wird ab diesem Moment aufgelöst, zum 08. Oktober 1941 gilt die Gesellschaft als erloschen. Nach dem Ende des Krieges stellen Lippmanns Söhne einen Antrag auf Rückerstattung des Besitzes. Das Verfahren endet mit einem Vergleich zwischen den Parteien. Da die Ausreise zum Ende der 30er Jahre immer schwieriger wird und die Einwanderungsquoten für die USA überzeichnet sind, schlägt Erich Sternberg, Lippmanns Schwiegersohn, Lippmann vor, standesamtlich seine verwitwete Schwägerin Henny zu heiraten, um ein Notvisum für Ehepaare für die USA beantragen zu können. Die strenggläubige Henny weigert sich jedoch, ihren Schwager zu ehelichen, da dies dem jüdischen Glauben nach verboten war, so dass beide in Deutschland bleiben müssen. Anfang 1940 erhalten beide dann die Aufforderung, Ostfriesland zu verlassen – aus „sicherheitspolizeilichen Gründen“ sollte die Region „judenfrei“ werden. Lippmann und Henny ziehen am 29. Februar 1940 zu Verwandten nach Bremen. |
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| Recherche: Sandra Weferling (Stand: 30.01.2013) Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer |
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| Fotos: | Günther Lübbers
![]() Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bei der Vorbereitung der Stolpersteinverlegung
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| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 2488; Rep. 109E, Nr. 4/1. |
| Literatur: | Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012;
Gerd D. Gauger: Aurich in Kaisers Rock und Petticoats 1918-1959, Aurich 2002. Herbert Reyer: Aurich, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, hrsg. v. Herbert Obenaus, Göttingen 2005, S. 3-28.; http://grabsteine.genealogy.net/tomb.php?cem=172&tomb=455&b=J |
| Patenschaft: | CDU-Fraktion des Auricher Stadtrates |
| Verlegetermin: | 9. November 2012 |
Hermann KNURR
geboren am 2. Oktober 1908 in Aurich
| Straße: | Nordersraße 2 |
| Todesdatum: | Überlebt, Flucht in die USA |
| Hermann Knurr wird am 02. Oktober 1908 als sechstes von sieben Kindern des Kaufmanns Lippmann und Ida Knurr, geb. Bienheim, geboren. Wie sein Vater und seine Brüder wird er Kaufmann. Von 1924 bis 1927 macht er in Halberstadt eine Lehre zum kaufmännischen Angestellten, nach seiner Rückkehr nach Aurich arbeitet er im väterlichen Betrieb, dem Geschäft „H. C. Knurr“ mit und wird gemeinsam mit seinem älteren Bruder Erich schließlich Teilhaber.
Anders als seine beiden älteren Brüder, die eigene Familien gründen, bleibt Hermann zunächst ledig und lebt mit seinem Vater in der Norderstraße 2. Da die Situation in Aurich für die jüdische Bevölkerung infolge von Schikanen und Boykotten immer schwieriger wurde, wandert zunächst Lea, Hermanns ältere Schwester, mit ihrer Familie in die USA aus. Hermann, seine Brüder und sein Vater hoffen hingegen zunächst noch, dass sich die Situation wieder verbessern würde. Spätestens die Pogromnacht vom 09.11.1938 macht den in Aurich verbliebenen Familienmitgliedern jedoch klar, wie ernst die Lage ist: In dieser Nacht wird nicht nur die Auricher Synagoge niedergebrannt und das Geschäft „H. C. Knurr“ geplündert, sondern die jüdischen Männer der Stadt werden allesamt verhaftet und in der „Viehauktionshalle“ (Bullenhalle) zusammengetrieben. Auch Hermann gehört zu den Verhafteten und muss in dieser Nacht und am folgenden Tag allerhand Schikanen über sich ergehen lassen: So müssen Hermann und sein Bruder am 10.11. auf dem Ellernfeld unter Beschimpfung und Misshandlungen durch die anwesenden S.A.-Leute Erdarbeiten versehen und Exerzierübungen machen. Hermann und sein Bruder Erich werden am darauf folgenden Tag gemeinsam mit 40 anderen Auricher Juden ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo sie mehrere Wochen gefangen gehalten und malträtiert werden. Leas Mann, Erich Sternberg, ist ab 1938 Inhaber eines Kaufhauses in Baton Rouge, Louisiana, wodurch er die Möglichkeit hat, Bürgschaften für ausreisewillige Juden aus Deutschland zu übernehmen. Hermann bekommt so die Möglichkeit, in die USA zu immigrieren. Am 26. März 1939, kurz nach seinem Bruder Erich, verlässt auch Hermann Aurich. Lippmann Knurr, Hermanns Vater, bleibt in Ostfriesland zurück und löst nach der Abreise seiner Söhne die Firma „H. C. Knurr“ auf. Hermann und er sollten sich nie wieder sehen. In Baton Rouge arbeitet Hermann im Kaufhaus seines Schwagers Erich Sternberg. Er leitet schließlich die Abteilung für Herrenbekleidung und unterstützt Erich bei der Leitung des Kaufhauses. In den USA heiratet er schließlich auch – und zwar eine junge Frau, die ebenfalls aus Aurich stammte und der wie Hermann gerade noch rechtzeitig die Flucht gelungen war: Merri/Mary Gidansky (geb. 25.05.1911 in Aurich, gest. 14.03.2002 in Chicago), Tochter des Auricher Kaufmanns Carl Gidansky. Das Paar bekommt eine Tochter, Carol. Diese besucht Aurich und nimmt an der Stolpersteinverlegung für ihre Mutter und deren Eltern am 23.10.2017 vor dem Haus Marktplatz 31 teil. Am 24. Juli 1974 verstirbt Hermann an einem Herzinfarkt. Er wurde 66 Jahre alt. |
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| Recherche: Sandra Weferling (Stand: 31.01.2013) Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer |
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| Foto: | Hermann Knurr mit Mitgliedern der Familie Samson |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 2488; Rep. 109E, Nr. 4/1. |
| Literatur: | Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012; Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299; Gerd D. Gauger: Aurich in Kaisers Rock und Petticoats 1918-1959, Aurich 2002;http://articles.chicagotribune.com/2002-03-18/news/0203180102_1_baton-rouge-chicago-beth-shalom-synagogue |
| Patenschaft: | Elsabe Kottmeyer |
| Verlegetermin: | 9. November 2012 |
Jakob WOLFF
geboren am 18. Mai 1910 in Aurich
| Straße: | Lilienstraße 9 |
| Todesdatum: | Unbekannt, Deportation nach Belzyce am 10.05.1942 |
| Todesort: | Majdanek |
| In der Lilienstraße 9 wohnte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Familie von Henriette und Selke Levy gen. „Selly“ Wolff. Das Haus gehörte Selly Wolff seit er es 1895 von Wolf Samson erwarb. Henriette und Selly Wolff hatten zusammen 12 Kinder. Nur 3 ihrer Kinder überleben den Völkermord an den Juden.
Henriette von der Walde (Lt. Geburtenregister 1844-1931: „van der Walde“) wurde am 24. Juli 1875 als einziges Kind von Magnus Abraham von der Walde (1848 – 1932) und Karoline Gütel Levy, geb. Wolf (1853 – 1917) in Aurich geboren. Henriette heiratete am 4.12.1894 im Alter von 19 Jahren den Schlachter und Viehhändler „Selly“ Wolff (1863 -1930). Selly Wolff war das jüngste von sieben Kindern von Levy (1818-1869) und Eva Wolff (1825-1901). Sein älterer Bruder Abraham wohnte mit seiner Familie gegenüber in der Lilienstraße 12. Jakob Wolff, geboren am 18.05.1910, ist das 10. Kind von Henriette und Selly Wolff. Jakob arbeitet wie seine Brüder zunächst mit seinem Vater zusammen als Schlachter und Viehhändler und führt nach dem Tod des Vaters im Jahr 1930 den Betrieb weiter. Sein Beruf wird auf der Kennkarte mit „Schlachtergeselle“ angegeben. Am 10. Mai 1942 wird er ebenso wie seine Schwester Karoline mit den Kindern Hannelore, Wolfgang und Sally und wie seine jüngste Schwester Ilse und deren Mann Fritz Gutmann nach Belzyce deportiert. Als das Ghetto Belzyce Anfang 1943 aufgelöst wird, wird Jakob in das KZ Majdanek in der Nähe von Lublin deportiert und dort ermordet. Das Todesdatum ist unbekannt. |
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| Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand: 9.11.2012) |
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| Foto: | Jakob Wolff (Kennkarte v. |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | |
| Literatur: | Helge Hohmeier |
| Patenschaft: | Insa-M. Sibelis |
| Verlegetermin: | 9. November 2012 |
Jakob Abraham WOLFF
geboren am 25. Februar 1907 in Aurich
| Straße: | Lilienstraße 12 |
| Todesdatum: | unbekannt |
| Todesort: | Riga |
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Jakob Abraham Wolff wird am 25. Februar 1907 in Aurich geboren. Er ist das dritte von neun Kindern von Abraham Levy und Hedwig Wolff, geb. von/van der Walde. Abraham Levy Wolff, der Vater von Jakob, betreibt in Aurich einen Viehhandel. Ihm gehören das Haus in der Lilienstraße 12, in dem die Familie wohnt, sowie Acker- und Weideland im Hammerkeweg. Als Jakob gerade erst sechzehn Jahre alt ist, verstirbt sein Vater Abraham an einer Lungen- und Kehlkopftuberkulose. Jakobs ältere Brüder, Nachmon und Ludwig, führen nun das Geschäft des Vaters fort. Auch Jakob selbst steigt später in den Familienbetrieb ein und arbeitet wie sein Vater und seine Brüder als „Schlachter und Viehhändler“. Während Jakobs Geschwister Ludwig, Erna, Herta und Alfred in den folgenden Jahren heiraten und eigene Familien gründen, bleibt Jakob wie sein ältester Bruder Nachmon ledig. Gemeinsam mit ihrer Mutter und der jüngsten, im Todesjahr des Vaters geborenen Schwester Ruth leben die beiden Brüder im Haus in der Lilienstraße 12.Durch Boykottaktionen und Repressalien durch das NS-Regime dürfte die finanzielle Lage der Familie ab 1933 immer schwieriger geworden sein. Vermutlich sind es jedoch die Ereignisse vom 09. November 1938, die für Jakobs Mutter Hedwig den Ausschlag dazu geben, Aurich zu verlassen und zu versuchen, sich in den Niederlanden eine neue Existenz aufzubauen: In jener Nacht werden alle männlichen jüdischen Einwohner Aurichs verhaftet und in der sogenannten „Bullenhalle“ in der Emder Straße zusammengetrieben. Nachdem sie dort während der Nacht allerhand Schikanen über sich ergehen lassen müssen, dürfen die Alten und Kranken am nächsten Morgen wieder gehen. Die als „arbeitsfähig“ eingestuften Männer werden jedoch zum Ellernfeld getrieben, wo sie den ganzen Tag über unsinnige Erdarbeiten oder „Exerzierübungen“ zur allgemeinen Erheiterung der Zuschauer durchführen müssen. Es ist unklar, ob Jakob unter jenen Männern ist, die auf dem Ellernfeld schikaniert und dann um 18 Uhr ins Auricher Gefängnis gesperrt wurden. Unter den insgesamt einundvierzig Verhafteten befindet sich jedoch sicher Jakobs ältester Bruder Nachmon, der schließlich am 12. November über Oldenburg ins Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht wird. Nachmon bleibt rund einen Monat in Haft, er kehrt erst am 15. Dezember wieder zurück nach Aurich. Jakobs Schicksal ist an diesem Punkt unklar: Die Verhaftung der „arbeitsfähigen“ Männer durch die Nationalsozialisten zielte darauf ab, den Familien mit dem „Ernährer“ die Einkommensgrundlage zu entziehen und sie somit zum Verkauf ihres Besitzes und zum Verlassen Deutschlands zu zwingen. Da sich auf Jakobs Fotokennkarte der Hinweis findet, Jakob sei geistig behindert gewesen, besteht die Möglichkeit, dass Jakob, sofern er als nicht dazu geeignet, den Viehhandel allein zu betreiben, eingeschätzt wurde, nicht nach Sachsenhausen verbracht wurde. Wenige Monate nach der Rückkehr Nachmons aus der Haft verlässt Jakobs Mutter Hedwig gemeinsam mit Jakobs Schwester Ruth Aurich. Jakob und sein Bruder bleiben jedoch in der Stadt und bewohnen weiterhin das Haus in der Lilienstraße 12, wo im Juni 1939 auch weitere Familienmitglieder und andere Angehörige der jüdischen Gemeinde Unterschlupf gefunden haben: Neben Ludwig Wolff, Jakobs Bruder, und dessen Familie ist auch der Kaufmann Lippmann Knurr unter dieser Adresse gemeldet. Spätestens im Oktober 1939 hat nur noch Jakob eine Anstellung, denn er wird in den Einwohnermeldelisten als „Arbeiter“ geführt, sein Bruder Nachmon, mit dem er sich den „Hausboden“ im Gebäude in der Lilienstraße teilt, ist arbeitslos. Als alle in Aurich verblieben Juden zu Beginn des Jahres 1940 die Aufforderung erhalten, den Regierungsbezirk bis zum 01. April zu verlassen, müssen auch Jakob und sein Bruder ihrer Heimatstadt den Rücken kehren. Obwohl die Mutter Hedwig sowie sämtliche Geschwister nach Holland geflohen sind, melden sich Jakob und Nachmon nicht in die Niederlande, sondern nach Berlin ab. Beide Brüder leben dort in der Neuen Friedrichstraße 77. Rund zweieinhalb Jahre später, am 26. Oktober 1942, werden sie gemeinsam mit dem Transport 22 (Osttransport) nach Riga verschleppt. Der Zug traf dort drei Tage später, am 29. Oktober, ein. Hier verliert sich die Spur beider Männer. Im Zuge der Rückerstattungsverfahren, die ihre Schwester Erna, die einzige Überlebende der Familie, später anstrengt, werden beide Brüder 1955 für tot erklärt.
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| Recherche: Sandra Weferling (Stand: 30.01.2013) Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer |
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| Fotos von der Verlegung: | Günther Lübbers |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Fotokennkartendatei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 107, Nr. 2488; Rep. 109E; Rep. 241, A 210; Rep. 251, Nr. 306; Rep. 251, Nr. 307; Dep. 34C, Nr. 137; Dep. 34C, Nr. 143. |
| Literatur: | Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299;
Jan Lokers: Boykott und Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben Ostfrieslands (1933-1938), in: Ostfriesland im Dritten Reich. Die Anfänge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Regierungsbezirk Aurich 1933-38, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1999, S. 63-82. |
| Patenschaft: | Reformierte Kirchengemeinde Aurich |
| Verlegetermin: | 9. November 2012 |
Albert WOLFF 
geboren am 20.August 1937 in Aurich
| Straße: | Lilienstraße 12 |
| Todesdatum: | 9. November 1942 |
| Todesort: | Auschwitz |
| Albert Wolff wurde am 20. August 1937 in Aurich als erstes von drei Kindern der Eheleute Ludwig Abraham Wolff und Johanna Wolff geb. Samson geboren. Sie hatten am 16.Juni 1936 geheiratet- Ludwig Abraham Wolff wurde am 14. Oktober 1905 als zweites von neun Kindern der Eheleute Abraham Wolff und Hedwig Wolff geb. van der Walde geboren, die in der Lilienstraße 12 wohnten. Das Haus gehörte seit 1907 dem Vater, später (ab 1926) der Mutter. Ludwig Wolff wurde, wie auch sein Vater, Viehhändler. Der Vater starb im Dezember 1923, als Ludwig 18 Jahre alt war.Johanna und Ludwig Wolff hatten zusammen drei Kinder: Albert, Simon und Hedwig. Am 25. März 1938 floh die damals noch 3-köpfige Familie nach Beilen in Holland und wohnte dort zunächst in der Marktstraße. Als spätere Adresse ist „Eursingerweg 1“ zu finden. Der zweite Sohn Simon wurde am 11. November 1938 in Beilen geboren und die Tochter Hedwig am 6. Juni 1941. Ludwig Wolff arbeitete in Beilen als Landarbeiter. Anfang Oktober 1942 wurde die Familie im Lager Westerbork inhaftiert und am 6. November 1942 nach Auschwitz deportiert.Als Todesdatum wird für Albert Wolff, seine Mutter Johanna und die beiden Geschwister Simon und Hedwig der 9. November 1942 angegeben, was bedeutet, dass sie gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet wurden. Albert war damals fast 5 Jahre alt, seine Bruder Simon fast 4 Jahre und seine Schwester Hedwig 1 Jahr. Für seinen Vater, Ludwig Wolff, wird der 31. März 1944 als Todesdatum angegeben. Als Todesort gibt die Westerbork-Liste für ihn „Midden-Europa“ an, an anderer Stelle Cosel (ein Landkreis im heutigen Polen), also nicht Auschwitz. Daher erscheint es denkbar, dass Ludwig Wolff noch in einem der Zwangsarbeitslager im oberschlesischen Industriegebiet arbeiten musste und dort mit 38 Jahren umgekommen ist. Es gab Ende 1943 über 500 KZ-Außenlager, die Industriebetrieben zugeordnet waren. Wahrscheinlich hat Ludwig Wolff noch einige Zeit gelebt, weil er möglicherweise in Cosel/Kosel (in der Nähe von Oppeln, Oberschlesien) aus dem Transport geholt worden; zwischen August und Dezember 1942 werden arbeitsfähige Männer von der SS aus den Transporten geholt und in Arbeitslager gebracht. Zwischen dem 26. August und dem 9. November 1942 lässt die SS „Organisation Schmelt“ mit Erlaubnis Himmlers mehrere Deportationszüge aus Westeuropa in Kosel halten, um dort insgesamt 8.000 bis 10.000 kräftige Juden als Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Alte Leute und Frauen mit Kindern wurden nach Auschwitz weitertransportiert und viele von ihnen dort sofort ermordet. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand: 9.12.2012) |
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| Fotos von der Verlegung: | Günther Lübbers |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | |
| Literatur: | Weinmann, Das nationalsozialistische Lagersystem, 2001 (4.Aufl.), S.126 |
| Patenschaft: | A. und G. Pollmann |
| Verlegetermin: | 9. Dezember 2012 |
Johanna WOLFF geb. Samson 
geboren am 28.Februar 1913 in Aurich
| Straße: | Lilienstraße 12 |
| Todesdatum: | 9. November 1942 |
| Todesort: | Auschwitz |
| Johanna Samson wurde am 28. Feruar 1913 in Aurich geboren. Sie war das Dritte von fünf Kindern der Eheleute Simon Josef Samson und Goldine Samson geb. Wallheimer, die in der Rudolf Eucken Allee 4 wohnten. Der Vater Simon Samson, geb. am 5.12.1877 in Wittmund, war Schlachter und Viehhändler. Die Mutter war am 11.06.1879 in Aurich geboren worden. Beide haben im Januar 1939 Aurich verlassen. Laut Mitteilung des Amtsgerichtes Aurich ist das Ehepaar am 31.12.45 für tot erklärt worden. Für ihre Tochter Johanna Samson ist als Beruf „Haustochter“ angegeben. Einer weiteren Meldekarte zufolge, auf der als Vorname Hanna angegeben ist, hat sie vor ihrer Heirat an verschiedenen Orten als Pflegerin gearbeitet. So lebte sie von Anfang Januar bis Ende Juli 1933 in Osnabrück, ein paar Tage später zog sie nach Emden und kehrte am 4.September wieder zurück nach Aurich. Im Dezember 1934 ging sie nach Breslau und lebte dort bis zum 15. März 1935 in der Kastanienallee 22. Danach wohnte sie wieder bei ihren Eltern in Aurich in der Rudolf- Eucken- Allee 4. Im Juni 1936 heiratete sie den sieben Jahre älteren Viehhändler Ludwig Wolff (geb. am 14.10.1905 in Aurich). Trauzeugen bei der Hochzeit waren ihr Vater Simon Samson, damals 58-jährig, und der ältere Bruder ihres Mannes, der Viehhändler Nachmann Wolff, der zu dem Zeitpunkt 32 Jahre alt war. Der Vater von Ludwig und Nachmann Wolff und von weiteren sieben Geschwistern war schon 1923 gestorben, als Ludwig 18 Jahre alt war. Ludwig Wolff wurde, wie auch sein Vater, Viehhändler.Johanna Wolff lebte seit ihrer Heirat zusammen mit ihrem Mann in der Lilienstraße 12 im Hause ihrer Schwiegermutter. Johanna und Ludwig Wolff hatten zusammen drei Kinder: Albert, Simon und Hedwig. Das älteste, Albert, wurde am 20.8.1937 in Aurich geboren. Am 25. März 1938 floh die damals noch 3-köpfige Familie nach Beilen in Holland und wohnte dort zunächst in der Marktstraße. Als spätere Adresse ist „Eursingerweg 1“ zu finden. Der zweite Sohn Simon wurde am 11. November 1938 in Beilen geboren und die Tochter Hedwig am 6. Juni 1941. Ludwig Wolff arbeitete in Beilen als Landarbeiter. Anfang Oktober 1942 wurde die Familie im Lager Westerbork inhaftiert und am 6. November 1942 nach Auschwitz deportiert. Als Todesdatum wird für Johanna Wolff und ihre drei Kinder der 9. November 1942 angegeben, was bedeutet, dass sie gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet wurden.Für ihren Mann Ludwig Wolff wird der 31. März 1944 als Todesdatum angegeben. Als Todesort gibt die Westerbork-Liste für ihn „Midden-Europa“ an, an anderer Stelle Cosel (ein Landkreis im heutigen Polen), also nicht Auschwitz. Daher erscheint es denkbar, dass Ludwig Wolff noch in einem der Zwangsarbeitslager im oberschlesischen Industriegebiet arbeiten musste und dort mit 38 Jahren umgekommen ist. Es gab Ende 1943 über 500 KZ-Außenlager, die Industriebetrieben zugeordnet waren. Wahrscheinlich hat Ludwig Wolff noch einige Zeit gelebt, weil er möglicherweise in Cosel/Kosel (in der Nähe von Oppeln, Oberschlesien) aus dem Transport geholt worden; zwischen August und Dezember 1942 werden arbeitsfähige Männer von der SS aus den Transporten geholt und in Arbeitslager gebracht. Zwischen dem 26. August und dem 9. November 1942 lässt die SS „Organisation Schmelt“ mit Erlaubnis Himmlers mehrere Deportationszüge aus Westeuropa in Kosel halten, um dort insgesamt 8.000 bis 10.000 kräftige Juden als Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Alte Leute und Frauen mit Kindern wurden nach Auschwitz weitertransportiert und viele von ihnen dort sofort ermordet. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand: 9.12.2012) |
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| Fotos von der Verlegung: | Günther Lübbers |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | |
| Literatur: | Weinmann, Das nationalsozialistische Lagersystem, 2001 (4.Aufl.), S.126 |
| Patenschaft: | Helmut Mattheus |
| Verlegetermin: | 9. Dezember 2012 |
Ludwig Abraham WOLFF 
geboren am 14. Oktober 1905 in Aurich
| Straße: | Lilienstraße 12 |
| Todesdatum: | 31. März 1944 |
| Todesort: | Cosel/Kosel (heute: Kozle in Polen) |
| Ludwig Abraham Wolff wurde am 14. Oktober 1905 als zweites von neun Kindern der Eheleute Abraham Wolff und Hedwig Wolff geb. van der Walde geboren, die in der Lilienstraße 12 wohnten. Das Haus gehörte seit 1907 dem Vater, später (ab 1926) der Mutter. Ludwig Wolff wurde, wie auch sein Vater, Viehhändler. Der Vater starb im Dezember 1923, als Ludwig 18 Jahre alt war. Am 16. Juni 1936 heiratete er Johanna Samson (*28.02.1913), die auch aus Aurich stammte. Sie hatten zusammen drei Kinder: Albert, Simon und Hedwig. Das älteste, Albert, wurde am 20.8.1937 in Aurich geboren. Am 25. März 1938 floh die damals noch 3-köpfige Familie nach Beilen in Holland und wohnte dort zunächst in der Marktstraße. Als spätere Adresse ist „Eursingerweg 1“ zu finden. Der zweite Sohn Simon wurde am 11. November 1938 in Beilen geboren und die Tochter Hedwig am 6. Juni 1941. Ludwig Wolff arbeitete in Beilen als Landarbeiter. Anfang Oktober 1942 wurde er mit seiner Familie im Lager Westerbork inhaftiert und am 6. November 1942 mit ihnen nach Auschwitz deportiert. Gestorben ist Ludwig Wolff am 31. März 1944. Als Todesort gibt die Westerbork-Liste für ihn „Midden-Europa“ an, an anderer Stelle Cosel (ein Landkreis im heutigen Polen), also nicht Auschwitz. Daher erscheint es denkbar, dass Ludwig Wolff noch in einem der Zwangsarbeitslager im oberschlesischen Industriegebiet arbeiten musste und dort mit 38 Jahren umgekommen ist. Es gab Ende 1943 über 500 KZ-Außenlager, die Industriebetrieben zugeordnet waren. Wahrscheinlich hat Ludwig Wolff noch einige Zeit gelebt, weil er möglicherweise in Cosel/Kosel (in der Nähe von Oppeln, Oberschlesien) aus dem Transport geholt worden; zwischen August und Dezember 1942 werden arbeitsfähige Männer von der SS aus den Transporten geholt und in Arbeitslager gebracht. Zwischen dem 26. August und dem 9. November 1942 lässt die SS „Organisation Schmelt“ mit Erlaubnis Himmlers mehrere Deportationszüge aus Westeuropa in Kosel halten, um dort insgesamt 8.000 bis 10.000 kräftige Juden als Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Alte Leute und Frauen mit Kindern werden nach Auschwitz weitertransportiert und viele von ihnen dort sofort ermordet. Als Todesdatum für Ludwigs Ehefrau Johanna und seine Kinder wird der 9. November 1942 angegeben, was bedeutet, dass sie gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet wurden. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand: 9.12.2012) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | |
| Literatur: | Weinmann, Das nationalsozialistische Lagersystem, 2001 (4.Aufl.), S.126 |
| Patenschaft: | Winfried Moritz |
| Verlegetermin: | 9. Dezember 2012 |
Resi SAMSON
geboren am 29. August 1906 in Aurich
| Straße: | Nürnburger Straße 24 |
| Todesdatum: | 27.09.1940 (Einlieferung in die Tötungsanstalt Brandenburg) |
| Todesort: | Brandenburg |
| Resi Samson wird am 29. August 1906 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jakob Hartog und Jenny Salomon geb. Windmüller. Sie hat eine jüngere Schwester Betti und einen noch jüngeren Bruder Hugo. Ihr Vater ist Schlachter zusammen mit seinem Bruder Simon Hartog im Betrieb in der Markstraße 19. Der Vater Jakob Hartog Samson betreibt zusätzlich im Sommer einen Schlachterladen auf Norderney um jüdische Gäste mit koscherem Fleisch zu versorgen. Er stirbt 1934. Resi arbeitet nach dem Besuch der Volksschule im mütterlichen Haushalt und hat später, stets saisonbezogen, viele Haushaltsstellungen in Hotels und Pensionen inne. Auch ist sie 2 Jahre lang einmal in Holland (Farmsum bei Delfzijl). Im Januar 1937 kommt sie zurück, weil sie Heimweh hat und schwanger ist.
Resi arbeitet z. T. auch mehrfach in: 1937 erkrankt Resi psychisch und kommt erstmalig in der privaten Heil- und Pflegeanstalt Ilten bei Hannover unter. Nach ihrer Entlassung kommt Resi nach Aurich zurück. Die häuslichen Probleme spitzen sich wieder zu, so dass ihre Mutter eine Untersuchung bei Dr. Müller veranlasst. Dieser vermerkt am 17.12.1938: Frl. Samson ist seit mehreren Wochen geistesgestört, sie ist sehr bösartig und wird handgreiflich. Anstaltsaufnahme ist notwendig. Der Amtsarzt Dr. Meyer darauffolgend am 19.12.1938: Sie stellt zweifellos für sich selbst, ihre Familienangehörigen und auch für arischen Nachbarn eine Gefahr dar und die Unterbringung der R. Samson in einer geschlossenen Anstalt ist somit dringend erforderlich. Allerdings protokolliert PM Gruhn: Als Resi am 28.12.1938 nach Osnabrück abgeholt wird bringt sich anschließend ihr Freund, Nichtjude und Vater ihres noch zu gebärenden Kindes, um. Im Juli 1939 wird eine Reichsarbeitsgemeinschaft (RAG) „Heil- und Pflegeanstalten“ gegründet im Columbushaus am Potsdamer Platz 1. Diese Organisation besteht aus SS-Ärzten und Juristen der Reichskanzlei. Sie hat die Aufgabe alle organisatorischen und pseudorechtlichten Schritte zu planen zur Durchführung der reichsweiten Ermordung von Pflegebedürftigen. Die Mitglieder der Reichsarbeitsgemeinschaft überzeugen sich zuvor durch eine Probevergasung im Zuchthaus Brandenburg von der Wirkung ihrer geplanten Lösung. Diese Organisation erstellt ein Meldeformular zur reichsweiten Erfassung aller nutzlosen Existenzen. Alle Direktoren der Landesheil- und Pflegeanstalten werden unter dem Siegel der Geheimhaltung angeschrieben und zur Beteiligung aufgefordert. Nach den Kriterien des Meldeformulars fällt Resi sofort unter diesen Auftrag – als Jüdin, als andersstämmiger Untermensch ohnehin. Am 21.09.1940 wird Resi mit sieben weiteren jüdischen Insassen in Osnabrück von einem grauen Bus der sogen. Gemeinnützigen [! ] Transportgesellschaft m.b.H., einem Zweig unterhalb der RAG, abgeholt und zur Heilanstalt Wunstorf gebracht. Am 27.09.1940 wird sie mit 152 weiteren jüdischen Patienten nach Brandenburg in die Tötungsamnstalt weiterbefördert. Die letzten Stunden der Resi Samson vermittelt der Bericht eines Augenzeugen* In Brandenburg über eine vorhergehende Mordaktion eines Transports Berliner jüdischer Patienten: Es wurden die Personen nach Geschlecht getrennt in Zellen untergebracht […] sofort nach der Ankunft wurden jeweils immer etwa 20 Personen aus den Zellen geholt […] diese mußten sich völlig nackt ausziehen, da ihnen gesagt wurde, dass sie vor der Verlegung in einen anderen Bau baden und ungezieferfrei gemacht werden müßten. Zuerst hat man die Frauen und Kinder zu den bevorstehenden Vergasungen herangezogen. Um die kranken Menschen nicht zu beunruhigen, wurden sie von Ärzten oberflächlich untersucht und mußten anschließend in einen Raum treten, in dem Holzpritschen standen und […] der aussah wie ein Baderaum. Bevor jedoch die untersuchten Personen in den Raum gingen, bekamen sie einen Nummernstempel mit fortlaufender Nummer aufgedrückt. . Wenn nun die vorgesehene Zahl von Personen in dem ‚Baderaum’ war, wurde die Tür verschlossen. An der Decke des Raumes waren in Form von Brausen Installationen angebracht, durch welche man Gas in den Raum ließ. Nach etwa 15-20 Minuten wurde das Gas aus dem Raum gelassen, da man durch einen Spion festgestellt hatte, dass sämtliche Personen nicht mehr am Leben waren. Nun hat man auf aufgrund der aufgedrückten Nummer die Person festgestellt, bei denen zuvor bei der Untersuchung festgestellt wurde, dass sie Goldzähne hatten. Den Toten wurden die Goldzähne ausgebrochen. Ihre Leichen werden durch Hilfskräfte, Brenner genannt, aus den Kammern gezogen, auf Lastwagen geworfen und im anstaltseigenen Krematorium verbrannt. Die Ermordung wird vom zweiten Anstaltsarzt Aquilin Ullrich überwacht. Er nutzt die vorangegangene Visitation um auffallende Kennzeichen zu finden, die für die Benennung einer späteren Todesursache geeignet sind. Den Hinterbliebenen schreibt er als Dr. Schmitt in Berlin angefertigte Beileidsschreiben, „Trostbriefe“ genannt, über ein ad hoc eingerichtetes Pseudomeldeamt Cholm in Ostpolen. Allerdings dies erst mit ca. halbjähriger Verzögerung. Solange wird der Pflegesatz von den Sozialträgern weiterkassiert, in den Fällen der jüdischen Patienten hat die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland über 350 000 Reichsmark für angebliche Pflege und Unterkunft bereits ermordeter, gezahlt*. Nach dem Krieg taucht Aquilin Ullrich zuerst unter, kann aber durch Unterstützung alter Kameraden 1952 wieder als Fach- und Belegarzt an einer Stuttgarter Klinik einsteigen. Auch findet er den Weg zurück zur katholischen Kirche. Im Nachgang zum sogen. Heyde-Sawade-Prozeß wird Ullrich 1961 verhaftet. Seine Täterschaft in der Beihilfe zur Ermordung von mindestens 1.815 Geisteskranken wir festgestellt. Er wird allerdings: Einer Wiederaufnahme entzieht sich Ullrich durch Beibringen eines Gutachtens: Aus den Dokumenten geht mittelbar, aber deutlich hervor, dass alle anderen verantwortlich Beteiligten, d. h. Ärzte, Pfleger, Verwaltungen, von den Ermordungen wussten. Die Frage, ob dieses Wissen und Gewähren, als Mittäterschaft zu werten ist, hat die Forschung in vielen Beiträgen mittlerweile genügend beantwortet – mit ‚Ja’. Diese Feststellung hat noch mehr Gewicht, angesichts der Weigerung und der Verschleppungstaktik der Strafverfolgung diese Taten in den späteren Jahren aufzuklären. Die medizinischen Kollegen in den entscheidenden Korporationen und Netzwerken halfen den Tätern in jeder Weise wieder in den Beruf einzusteigen. Eine ausführliche Biografie von Resi Samson findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden. |
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Recherche: Jörg Peter |
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| Fotos von der Verlegung: | Günther Lübbers |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158, Rep. 34 C 494; Meldeblätter; Kennkarten; Staatsarchiv Hannover; Staatsarchiv Osnabrück Rep 727 Akz. 13,85 Nr3941; |
| Literatur: | *Holger Frerichs Spurensuche: Das jüdische Altenheim in Varel 1937-1942 Jever 2012 |
| Patenschaft: | Elisabeth Abs und Willi Buschmann |
| Verlegetermin: | 21. Februar 2013 |
Hugo SAMSON 
geboren am 22. Januar 1914 in Aurich
| Straße: | Nürnburger Straße 24 |
| Todesdatum: | 7. Juni 1977 |
| Todesort: | Berlin |
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Hugo wird am 22. Januar 1914 in Aurich geboren als jüngstes Kind der Eltern Jakob Hartog Samson und Jenny Salomon, genannt „Minna“, geb. Windmüller. Er hat zwei ältere Schwestern, Resi und Betti. Sein Vater Jakob betreibt mit Hugos Onkel Simon Hartog eine Schlachterei in der Marktstraße 19 in der er auch mitarbeitet. Hugo verbringt langjährige Lehr- und Wanderzeiten als Schlachtergeselle an vielen Orten in Deutschland. Er muss ohnehin eine besondere Kraftnatur gewesen sein, was sich im Weiteren erzählen lässt.
Hugo kommt gerade von auswärts nach Aurich, als er gewahr wird, wie Auricher Juden eingesammelt und nach Sachsenhausen transportiert werden. Er kann sich verstecken bis die Hetzjagd vorbei ist. Am 13.06.1939 meldet er sich aus Aurich ab nach Gut Winkel in Spreenhagen, einem Hachschara-Lehrgut östlich von Berlin – obwohl er ja einen praktischen Pionierberuf hat. Dort lernt er Irene Beck *15.3.1912 kennen. Sie ist ebenfalls jüdischer Abstammung. Schnell wird den jungen Leuten in Gut Winkel klar, dass sie auf eine geordnete Ausreise nach Palästina per Zertifikat kaum noch hoffen können. Mit Kriegsausbruch zerschlägt sich dies endgültig. Die Jungen von Gut Winkel fürchten in Lager des nun errichteten Generalgouvernements Polen abgeschoben werden. Erste Deportationen fanden auch bald danach statt. Schon während des 21. Internationalen Zionisten- Kongresses im August 1939 begannen jüdische Untergrundkämpfer (aus ihnen wurde später der Mossad) in Absprache mit Adolf Eichmann – der sich im übrigen diese Zustimmung für viel Geld abhandeln ließ – die Pionier-Hechaluz-Lager in Deutschland und Österreich aufzulösen, um eine illegale Ausreise über die Donau zum Schwarzen Meer zu organisieren. Diese Aktion wurde Aliyah Beth (- die zweite) genannt. Aliyah, hebräisch, heißt Aufstieg – die Rückkehr aus dem Exil in das Gelobte Land. Hugo und Irene flüchten mit anderen Hechaluz von Gut Winkel über die Donau mit der DDG nach Sulina am Schwarzen Meer. Dort liegt bereits die von Mossad Agenten gecharterte Hilda, ein kleiner Donau-Kohlefrachter mit 792 BRT von 1884. 729 Flüchtlinge müssen im kalten Laderaum unterkommen. Die Abreise verzögert sich, denn es wird noch auf weitere nachfolgende Flüchtlinge gewartet. Das Schiff friert fest. Es gibt kein Wasser, keinen Brennstoff. Zwei Frauen kommen in unbeschreiblichem Dreck und Gestank nieder. Am 9.12.1939 läuft die Hilda endlich zum abgelegenen Dobrudschahafen Balcik aus, um dort weitere Flüchtige aufzunehmen. Mitte Januar 1940 verlässt die Hilda Balcik. Beim Auslaufen aus den Dardanellen wird die Hilda von einem britischen Kriegsschiff aufgebracht und darf nur unter bewaffneter Aufsicht weitersegeln. Als den Flüchtlingen vor Haifa eröffnet wurde, sie können nicht mit einer Landung rechnen, beginnen sie sämtliche wichtigen Schiffseinrichtungen zu zerstören, um eine Weiterfahrt zu verhindern. Am 24.01.1940 macht die Hilda nun in Haifa fest. Die Frauen werden freigelassen, die Männer im Lager Athlit interniert. Hugo beschließt in die britische Armee einzutreten. Er will gegen Deutschland kämpfen und es von den Nazis befreien. Er heiratet Irene. So kommen beide zu ihrem legalen Status im britischen Mandatsgebiet. Hugo wird kämpfender Soldat, zuerst in Nordafrika, später in der Invasionsarmee in der Normandie. Und kämpft bis Kriegsende bei Magdeburg. Er erhält eine Tapferkeitsauszeichnung. Das junge Paar lässt sich nach dem Krieg in Herzlya/Israel nieder. 1950 wird Sohn Joram geboren. 1952 schreibt Hugo als alleiniger Erbe an Dr. Anklam wg. Rückübertragung des geraubten Samson-Vermögens. Es gibt einen Wiedergutmachungsvergleich, den Hugo widerstrebend aber doch letztendlich annimmt. Er fragt auch nach seiner verschollenen Schwester Resi, von der er nur von Osnabrück als letzten Lebenspunkt weiß. Er erhält von der Auricher Staatsanwaltschaft folgende Nachricht: 1956 drängt Irene wieder nach Deutschland zurückzukehren. Hugo betreibt die Wiedereinbürgerung. Nach umfangreichem bürokratischem Procedere, Hugo war auf der Flucht das Lichtbild seiner Meldekarte verlorengegangen, schreibt der Landrat in Aurich am 23. 10. 56 Am 9.01.1957 wohnt die Familie in Berlin in der Nassauischen Straße 2. Hugo leitet ein jüdisches Wohnheim in Lichterfelde, Baseler Straße 11. Am 7.06.1977 stirbt er und wird auf dem jüdischen Friedhof an der Heerstraße/Scholzplatz begraben, Irene gestorben am 22.07.2003, daneben. Von ursprünglicher Kraft und Lebensmut ist Hugo in Deutschland nicht viel geblieben. Er kann über den Verlust seiner Familie nicht sprechen. Anfangs besucht er Aurich mehrmals, kann aber keine Verbindung mehr zum Ort seines Ursprungs aufbauen. |
| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand 21.02.2013) |
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| Foto: | Kennkarte Staatsarchiv Aurich Gut Winkel Spreenhagen Das Schiff HILDA in BalcikFotos von der Legung: Günther Lübbers |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich Staatsarchiv Osnabrück Stadtarchiv Hannover Interview Joram Samson mit Autor 2012 |
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| Patenschaft: | Ev.-ref. Kirchengemeinde Aurich |
| Verlegetermin: | 21. Februar 2013 |