Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Wolff Heimann Wolffs

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolffs, Wolff HeimannWolff Heimann WOLFFS
geboren am 16. Juni 1917 in Aurich

Straße: Lindenstr. 12
Todesdatum: 15. Januar 1944
Todesort: Auschwitz- Monowitz

Wolff Heiman Wolffs

 

 

 

 

 

 

 

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Wolff Heimann Wolffs wird am 16. Juni 1917 in Aurich geboren. Er ist der Sohn des Viehhändlers Heimann Wolffs und dessen Ehefrau Rosa. Wolff kommt gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Lazarus, genannt Lutz, auf die Welt. Wolff und Lutz sind zweieiige Zwillinge und die ersten Kinder des Ehepaares. Wolff und Lutz wachsen behütet auf. Die Familie ist in Aurich fest verwurzelt: Ihr Vater betreibt ebenso wie seine drei Brüder erfolgreich einen Viehhandel. Das Haus, vor dem die Stolpersteine verlegt werden – früher lautete die Adresse Lindenstraße 12 – gehört der Familie Wolffs. Wolffs Mutter Rosa kümmert sich um den Haushalt und wird dabei von Hausmädchen unterstützt. In der Schule ist Wolff sehr erfolgreich und besucht schließlich auch das Gymnasium Ulricianum in Aurich: Er hat sich vorgenommen, Rabbiner zu werden. Heinz Antholz, der mit Wolff in die gleiche Klasse ging, schildert ihn als bescheidenen, fleißigen und intelligenten Mitschüler. 1936 legt Wolff erfolgreich die Abiturprüfung am Ulricianum ab. Er ist der letzte – und scheinbar einzige – jüdische Schüler der Stadt, dem dies (noch) möglich war.

Rund zwei Jahre später, im November 1938, werden jüdische Schüler von allen öffentlichen Schulen ausgeschlossen.

Am 26. April, kurz nach der bestandenen Abiturprüfung, zieht Wolff nach Frankfurt am Main um und schreibt sich an der Jeschiwa, der Talmudhochschule, ein. Offiziell war die Hochschule zu diesem Zeitpunkt bereits von den Nationalsozialisten aufgelöst worden, doch inoffiziell lief die Ausbildung unter der Leitung des Rabbiners Dr. Joseph Breuer weiter.
Da Wolff sein Studium in Frankfurt nicht abschließen kann, verlässt er Deutschland am 22. Dezember 1937 und wandert in die Niederlande aus, nach Enschede. Hier setzt er sein Studium fort. Für 1942 ist belegt, dass Wolff auf dem Hof „Haimer´s Esch“ in der Nähe von Enschede lebt, auf dem sich junge Leute auf eine Auswanderung nach Israel vorbereiten: Wolff hatte also offensichtlich vor, nach Israel zu emigrieren.

Die deutsche Besetzung der Niederlande macht dies jedoch letztendlich unmöglich. Am 7. Oktober 1942 wird Wolff verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Auch sein Zwillingsbruder Lutz, der ebenfalls nach Enschede geflohen war, wird hier gefangen gehalten.
Am 14. September 1943 werden beide Brüder gemeinsam nach Auschwitz deportiert. Scheinbar wurden sie zunächst als „arbeitsfähig“ eingestuft und mussten daher im Lager Auschwitz-Monowitz Zwangsarbeit leisten. Wolff verstarb dort am 3. Dezember 1943, nur zweieinhalb Monate nach seiner Ankunft, an einer Lungenentzündung. Wolff wurde 26 Jahre alt.

Eine ausführliche Biografie von Wolff Heimann Wolffs findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

Zur Verlegung durften wir insgesamt 33  Angehörige und Gäste aus den USA, Israel, Großbritannien und Deutschland begrüßen, darunter alleine 21 Angehörige der Familie Zuns, die sich hier mit uns (Brigitte Weber ganz links, Günther Lübbers obere Reihe links) vor dem Hotel „Hochzeitshaus“ aufgestellt haben.

Das Haus Lindenstraße 12, heute Georgswall 23, beherbergt  Teile des Bauamtes der Stadt Aurich und liegt direkt neben dem Rathaus.

Die sechs Stolpersteine mit Fotos der mit Rosen geehrten früheren Bewohnern.

Hier spielt die Bläserklasse des Gymnasiums Ulricianum Aurich unter der Leitung von Frau Könemann-Glashoff zu Ehren der Familie Wolffs auf. Wolff Heimann Wolffs war der letzte jüdische Abiturient des Ulricianums, alle Patenschaften für die Familie wurden von dieser Schule übernommen.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Foto:

 

Fotos der Verlegung:

 Fotos Familkiensammlung Wolffs
– Wolff Heiman  Wolffs
– Wolff und Lutz Wolffs, Holland 1940

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 16/1, Nr. 4155; Rep. 107, Nr. 1874; Rep. 107, Nr. 2676http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, 05.03.2014
http://www.communityjoodsmonument.nl/person/215257/en (Wolff Wolffs),20.08.2014
http://www.communityjoodsmonument.nl/page/5222/en (Haimer´s Esch), 20.08.2014http://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Breuer, 20.08.2014
Telefongespräch mit Bettina Schönfeld, Tochter von Otto und Enkeltochter von Heimann Wolffs, am 03. Juli 2014
Telefongespräch mit Margaret Silbermann, Tochter von Heimann Wolffs, am 27. Juni 2014
Literatur: Gerald Fiene: Das Ulricianum im Zeichen von Nationalsozialimus und Krieg, in: 350 Jahre Ulricianum. Festschrift. Gymnasium Ulricianum Aurich 1646-1996, hrsg. v. Gymnasium Ulricianum, Aurich 1996, S. 112-136
Heinz Antholz: Zur (Musik-)Erziehung im Dritten Reich. Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse eines Betroffenen, Augsburg 1994 (Forum Musikpädagogik, Bd. 8)
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich, Fachgruppe Geschichte
Verlegetermin: 17. Juli 2014

Wolff und Lutz Wolffs, Holland 1940

Rosa Wolffs, geb. Stahl

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolffs, RosaRosa WOLFFS geb. STAHL
geboren am 23. April 1890 in Norden

Straße: Lindenstr. 12
Todesdatum: 5. Mai 1942
Todesort: Kulmhof (Chelmno nad Nerem)

Rosa Wolffs geb. Stahl

 

 

 

 

 

 

 

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Rosa Wolffs wird am 23. April 1890 in Norden geboren. Sie ist die Tochter des Eisenwarenhändlers Lazarus Stahl und dessen Ehefrau Sophie, geb. Weinberg. Rosa ist das achte und jüngste Kind der Familie.

Am 1. März 1914 heiratet sie den Viehhändler Heimann Wolffs aus Aurich und zieht nach der Hochzeit zu ihm in das gemeinsame Haus in der Lindenstraße 12, heute Georgswall 23.
Rund drei Jahre später bekommt das junge Paar zum ersten Mal Nachwuchs: Die Zwillinge Lazarus und Wolff werden am 16. Juni 1917 geboren. Beide werden jeweils nach einem ihrer Großväter benannt. Rund zweieinhalb Jahre später, am 17. Januar 1920, kommt ihr Sohn Julius auf die Welt. Er wird leider nur 9 Tage alt.
Am 31. Oktober 1926 wird Sohn Otto Wolffs geboren und fast genau zwei Jahre darauf erblickt schließlich das Nesthäkchen Tochter Guste Margrit das Licht der Welt.
Zu diesem Zeitpunkt geht es der Familie noch sehr gut: Der Betrieb ihres Mannes floriert, so dass das Haus laut späterer Zeugenaussagen über eine „schöne Einrichtung“ verfügt – hierzu gehören Silberbesteck, Kristallvasen oder auch ein Piano. Im Haushalt wird Rosa zudem von Hausmädchen unterstützt.

Der Machtantritt der Nationalsozialisten im Januar 1933 ändert dies jedoch grundsätzlich. Die Familie hat nun mehr und mehr unter Boykotten und Schikanen zu leiden und muss schließlich auch ihren Betrieb aufgeben.
Ein schlimmer Schicksalsschlag trifft Rosa im November 1938: Ihr Mann Heimann wird verhaftet und im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Am 17. Dezember wird ihr Mann schließlich entlassen – vorzeitig, weil er als Freiwilliger und mit Auszeichnung im Ersten Weltkrieg gekämpft hat. Heimann, der in der Haft schwer erkrankt ist, stirbt nur fünf Tage nach seiner Heimkehr in Folge der erlittenen Misshandlungen.
Rosa ist plötzlich Witwe und muss ihre beiden jüngeren Kinder, Otto und Guste Margrit, gerade 10 und 12 Jahre alt, nun allein großziehen. Die Ereignisse der Pogromnacht waren es wohl, die Rosa endgültig die Augen geöffnet hatten – nach dem Tod ihre Mannes setzt sie nun beherzt alles daran, ihre Kinder und auch sich selbst durch eine Flucht ins Ausland zu schützen.
Sie hat erfahren, dass es die Möglichkeit gibt, Kinder mit einem „Kindertransport“ nach England in Sicherheit zu bringen und bemüht sich um Plätze für Otto und Guste Margrit. Um beide auf ein Leben in dem fremden Land vorzubereiten, sorgt sie sogar dafür, dass sie Englischunterricht erhalten. Im Abstand von zwei Wochen, am 17. und am 31. Mai 1939, muss sich Rosa von beiden Kindern trennen: Für beide konnte sie die begehrten Plätze bei einem Kindertransport bekommen.
Sich von ihren Kindern zu verabschieden muss Rosa sehr schwer gefallen sein, auch wenn sie noch hoffte, nach England nachkommen zu können. Rosa bereitet alles für eine Auswanderung vor und verkauft Ende Juli 1939 das Haus. Auch die nötigen Papiere scheinen vorgelegen zu haben, doch der Kriegsbeginn am 1. September macht alle Pläne zunichte: Rosa kann nicht mehr nach England ausreisen. Am 22. Februar 1940 meldet sie sich notgedrungen aus Aurich ab, denn alle Juden erhalten die Aufforderung, Ostfriesland zu verlassen. Rosa zieht nach Essen und bewohnt dort in der Eduard-Lucas-Straße Nr. 42 ein Mansardenzimmer. Über Briefe hält sie Kontakt zu ihren Kindern in England und den Zwillingen, die in die Niederlande ausgewandert sind. Am 27. Oktober 1941 wird Rosa von Essen aus nach Litzmannstadt/Lodz deportiert. Rund sechs Monate später, am 4. Mai 1942, bringt man sie in das 70 Kilometer entfernte Kulmhof – das zum Ghetto Litzmannstadt gehörende Vernichtungslager. Dort wird sie am 5. Mai 1942 vergast.

Ausgrabungen im ehemaligen Vernichtungslager Chelmno nad Nerem (Kulmhof). Foto Günther Lübbers 2019.

Gedenkwand innerhalb der Gedenkstätte.

 

Zur Verlegung durften wir insgesamt 33  Angehörige und Gäste aus den USA, Israel, Großbritannien und Deutschland begrüßen, darunter alleine 21 Angehörige der Familie Zuns, die sich hier mit uns (Brigitte Weber ganz links, Günther Lübbers obere Reihe links) vor dem Hotel „Hochzeitshaus“ aufgestellt haben.

Das Haus Lindenstraße 12, heute Georgswall 23, beherbergt  Teile des Bauamtes der Stadt Aurich und liegt direkt neben dem Rathaus.

Die sechs Stolpersteine mit Fotos der mit Rosen geehrten früheren Bewohnern.

Hier spielt die Bläserklasse des Gymnasiums Ulricianum Aurich unter der Leitung von Frau Könemann-Glashoff zu Ehren der Familie Wolffs auf. Wolff Heimann Wolffs war der letzte jüdische Abiturient des Ulricianums, alle Patenschaften für die Familie wurden von dieser Schule übernommen.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Foto:

Fotos der Verlegung:

 Foto Sammlung Familie Wolffs

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 16/1, Nr. 4155; Rep. 107, Nr. 1874; Rep. 107, Nr. 2676
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, 05.03.2014
Telefongespräch mit Bettina Schönfeld, Tochter von Otto und Enkeltochter von Heimann Wolffs, am 03. Juli 2014
Telefongespräch mit Margaret Silbermann, Tochter von Heimann Wolffs, am 27. Juni 2014
Literatur: Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299Jan Lokers: Boykott und Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben Ostfrieslands (1933-1938), in: Ostfriesland im Dritten Reich. Die Anfänge der national-sozialistischen Gewaltherrschaft im Regierungsbezirk Aurich 1933-38, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1999, S. 63-82
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 17. Juli 2014

Lazarus „Lutz“ Wollfs

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolffs, Lazarus LutzLazarus „Lutz“ WOLFFS
geboren am 16. Juni 1917 in Aurich

Straße: Lindenstr. 12
Todesdatum: 15. Januar 1944
Todesort: Auschwitz

Lazarus „Lutz“ Wolffs

 

 

 

 

 

 

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Lazarus, genannt Lutz Wolffs ist der Sohn des Viehhändlers Heimann Wolffs und dessen Ehefrau Rosa, geb. Stahl. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Wolff wird er am 16. Juni 1917 in Aurich geboren.

Neben seinem Zwillingsbruder hat er drei weitere Geschwister: Julius, der schon als Säugling verstirbt, Otto und Guste Margrit. Die Geschwister wachsen behütet und unter zunächst guten wirtschaftlichen Bedingungen in Aurich auf, der Betrieb des Vaters floriert. Wie sein Bruder Wolff besucht auch Lutz nach der Grundschule das Gymnasium Ulricianum, doch verlässt er die Schule bereits 1930 wieder.

Lutz absolviert eine Ausbildung als Dekorateur bei der Firma Sternberg in Aurich, ab 1. Dezember 1937 arbeitet er als Dekorateur in Emden. Da er plant, nach Israel auszuwandern, verlässt er Ostfriesland und meldet sich in einem Lehrgut in der Nähe von Berlin an: Hier werden junge Leute, die auswandern wollen, in landwirtschaftlichen Tätigkeiten geschult und auf die Auswanderung vorbereitet.
Am 9. November 1938, der Pogromnacht, wird Lutz verhaftet und kommt ins KZ Sachsenhausen. Einige Wochen später wird er wieder freigelassen, nachdem er schriftlich zugesichert hat, Deutschland schnellstmöglich zu verlassen.

Am 7. Januar 1939 kann Lutz nach Aurich zurückkehren, zwei Wochen nach dem plötzlichen Tod seines Vaters: Auch dieser war verhaftet und im Konzentrationslager Buchenwald interniert worden. Infolge der Misshandlungen verstarb Heimann Wolffs Tage nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft.

Lutz wird seiner Mutter in diesen ersten Wochen nach dem Tod des Ehemannes beigestanden haben, doch musste er auch seine Auflagen erfüllen: Ende April verlässt Lutz schließlich Aurich und emigriert in die Niederlande. Er zieht nach Enschede, wo sein Zwillingsbruder lebt.

Ende 1942 werden jedoch beide Brüder verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Von dort aus werden beide am 14. September 1943 nach Auschwitz deportiert. Offensichtlich musste Lutz zunächst einige Wochen Zwangsarbeit im Arbeitslager Auschwitz-Monowitz leisten. Am 15. Januar 1944 wird er jedoch im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Lutz Wolffs wurde 26 Jahre alt. Er überlebte seinen Zwillingsbruder nur um 5 Wochen.

Eine ausführliche Biografie von Lazarus Wolffs findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

Zur Verlegung durften wir insgesamt 33  Angehörige und Gäste aus den USA, Israel, Großbritannien und Deutschland begrüßen, darunter alleine 21 Angehörige der Familie Zuns, die sich hier mit uns (Brigitte Weber ganz links, Günther Lübbers obere Reihe links) vor dem Hotel „Hochzeitshaus“ aufgestellt haben.

Das Haus Lindenstraße 12, heute Georgswall 23, beherbergt  Teile des Bauamtes der Stadt Aurich und liegt direkt neben dem Rathaus.

Die sechs Stolpersteine mit Fotos der mit Rosen geehrten früheren Bewohnern.

Hier spielt die Bläserklasse des Gymnasiums Ulricianum Aurich unter der Leitung von Frau Könemann-Glashoff zu Ehren der Familie Wolffs auf. Wolff Heimann Wolffs war der letzte jüdische Abiturient des Ulricianums, alle Patenschaften für die Familie wurden von dieser Schule übernommen.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Foto:

 

Fotos von der Verlegung:

 Fotos Sammlung Familie Wolffs
– Lazarus „Lutz“ Wolffs
– Wolff und Lutz Wolffs, Holland 1940

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 16/1, Nr. 4155; Rep. 107, Nr. 1874; Rep. 107, Nr. 2676
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, 05.03.2014
Telefongespräch mit Bettina Schönfeld, Tochter von Otto und Enkeltochter von Heimann Wolffs, am 03. Juli 2014
Telefongespräch mit Margaret Silbermann, Tochter von Heimann Wolffs, am 27. Juni 2014
Literatur: Gerald Fiene: Das Ulricianum im Zeichen von Nationalsozialimus und Krieg, in: 350 Jahre Ulricianum. Festschrift. Gymnasium Ulricianum Aurich 1646-1996, hrsg. v. Gymnasium Ulricianum, Aurich 1996, S. 112-136
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich, Fachgruppe Geschichte
Verlegetermin: 17. Juli 2014

Wolff und Lutz Wolffs, Holland 1940

Heimann Wolff Wolffs

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolffs, Heimann WolffHeimann Wolff WOLFFS,
geboren am 2. Juni 1884 in Aurich

Straße: Lindenstr. 12
Todesdatum: 22. Dezember 1938
Todesort: Aurich

Heimann Wolff

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Heimann Wolffs ist der Sohn des Viehhändlers Benjamin Wolffs und dessen Ehefrau Gusta, geb. von der Wall. Er wird am 2. Juni 1884 in Aurich geboren und wächst behütet mit seinen Geschwistern auf. 1914 übernimmt er gemeinsam mit seinen Brüdern Bendix, Julius und Moses den väterlichen Betrieb. Seine Adresse, die auf den Geschäftsunterlagen angegeben ist, unterscheidet sich jedoch von der seiner drei Brüder, die in der Leerer Landstraße 40 leben und arbeiten: Heimann hat das Haus in der Lindenstraße 12 (heute Georgswall 23) gekauft und lebt hier mit seiner Ehefrau Rosa: Das Paar hat am 1. März 1914 geheiratet. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, meldet Heimann sich freiwillig und wird schließlich für seine Tapferkeit im Kampf ausgezeichnet. Noch während des Krieges wird er zum ersten Mal Vater: Seine Frau Rosa bringt am 16. Juni 1917 Zwillinge zur Welt, Wolff und Lazarus, genannt Lutz. Er sollte noch drei weitere Kinder bekommen: Julius, der 1920 geboren wird aber bereits wenige Tage nach der Geburt verstirbt, Otto, der 1926 geboren wird, und schließlich Töchterchen Guste Margrit, die 1928 auf die Welt kommt.

Heimann ist sehr religiös und legt größten Wert auf die Einhaltung der Gebote und Regeln. Ein Arbeiten am Sabbat beispielsweise kommt für ihn nicht in Frage. Von seinem Sohn Otto wird er als liebevoller, aber auch bisweilen strenger Vater geschildert. Otto erinnert sich insbesondere an ein Ereignis, bei dem er großen Ärger bekam: Otto hatte mit einem Schulfreund zusammen ein Bettlaken mit einem Hakenkreuz „verziert“ und als Fahne aus dem Fenster gehängt, weil an vielen Häusern diese Fahne wehte. Schlimmeren Ärger als hiernach habe er mit seinem Vater nie gehabt!

Die Geschäfte von Heimann laufen gut, bis die Nationalsozialisten die Macht übernehmen: Er verliert schließlich seinen Gewerbeschein und muss den Betrieb schließen. Die Stadt Aurich setzt Heimann in der Folgezeit als Straßenbauarbeiter ein. Er arbeitet zunächst in Aurich und der näheren Umgebung, später muss er in Papenburg arbeiten. Dies hat zur Folge, dass er unter der Woche in Papenburg ist und seine Familie nur noch gelegentlich am Wochenende sehen kann.

Trotz all der Schikanen und Probleme kommt eine Auswanderung für Heimann jedoch nicht in Frage. Selbst im September 1938 soll er noch erklärt haben: „Ich bin hier geboren und bleibe hier!“

Am 10. November 1938, dem Morgen nach der Pogromnacht, wird Heimann gemeinsam mit den anderen jüdischen Arbeitern in Papenburg verhaftet und im Konzentrationslager Buchenwald, interniert. Infolge der schlechten Versorgung und der Misshandlungen dort erkrankt Heimann schwer an einer Lungenentzündung. Am 17. Dezember 1938 darf er „vorzeitig, da er sich als Soldat im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet hatte“, nach Aurich zurückkehren. Doch auch der eilig herbeigerufene Arzt kann Heimann nicht mehr retten: Er verstirbt nur fünf Tage nach seiner Rückkehr, am 22. Dezember, um 12:50 Uhr in seinem Haus.

Zur Verlegung durften wir insgesamt 33  Angehörige und Gäste aus den USA, Israel, Großbritannien und Deutschland begrüßen, darunter alleine 21 Angehörige der Familie Zuns, die sich hier mit uns (Brigitte Weber ganz links, Günther Lübbers obere Reihe links) vor dem Hotel „Hochzeitshaus“ aufgestellt haben.

Das Haus Lindenstraße 12, heute Georgswall 23, beherbergt  Teile des Bauamtes der Stadt Aurich und liegt direkt neben dem Rathaus.

Die sechs Stolpersteine mit Fotos der mit Rosen geehrten früheren Bewohnern.

Hier spielt die Bläserklasse des Gymnasiums Ulricianum Aurich unter der Leitung von Frau Könemann-Glashoff zu Ehren der Familie Wolffs auf. Wolff Heimann Wolffs war der letzte jüdische Abiturient des Ulricianums, alle Patenschaften für die Familie wurden von dieser Schule übernommen.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 16/1, Nr. 4155; Rep. 107, Nr. 1874; Rep. 107, Nr. 2676
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, 05.03.2014
Telefongespräch mit Bettina Schönfeld, Tochter von Otto und Enkeltochter von Heimann Wolffs, am 03. Juli 2014
Telefongespräch mit Margaret Silbermann, Tochter von Heimann Wolffs, am 27. Juni 2014
Literatur: Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299
Jan Lokers: Boykott und Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben Ostfrieslands (1933-1938), in: Ostfriesland im Dritten Reich. Die Anfänge der national-sozialistischen Gewaltherrschaft im Regierungsbezirk Aurich 1933-38, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1999, S. 63-82
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 17. Juli 2014

Guste Margrit Wolffs

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolffs, Guste MargritGuste Margrit WOLFFS
geboren am 8. Oktober 1928 in Aurich

Straße: Lindenstr. 12
Todesdatum: 2. Juli 2021
Todesort: London

Guste Margrit Wolffs

 

 

 

 

 

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Guste Margrit Wolffs wird als jüngstes Kind des Viehhändlers Heimann Wolffs und dessen Frau Rosa, geb. Stahl am 8. Oktober 1928 in Aurich geboren. Sie hat drei ältere Brüder: Die Zwillinge Wolff und Lutz, geboren 1917 und Otto, der 1926 das Licht der Welt erblickte.
Als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, war sie gerade einmal viereinhalb Jahre alt – an die Zeit vor dem Nationalsozialismus, vor den Boykotten und Schikanen wird sie sich kaum erinnern können. In einem Telefongespräch sagte sie aber, dass sie positive Erinnerungen an ihre frühere Kindheit habe, da sie und ihr älterer Bruder Otto sehr geborgen und behütet aufgewachsen seien.
Spätestens die Pogromnacht am 9.11.1938 dürfte jedoch eine schreckliche Zäsur dargestellt haben: Ihr Vater war im Arbeitseinsatz in Papenburg und ihre Mutter besuchte ihren großen Bruder Wolff in Enschede, wohin dieser ausgewandert war, so dass die zehnjährige Margrit und ihr zwölfjähriger Bruder mit einer Tante allein im Haus sind, als Nationalsozialisten das Haus in der Lindenstraße stürmen, laut herumschreien, randalieren, Einrichtungsgegenstände zerschlagen oder stehlen. In der gleichen Nacht wird auch ihr Vater verhaftet – bis zum 17. Dezember bleibt er im Konzentrationslager Buchenwald. Als er wiederkommt, ist er ausgemergelt und schwer erkrankt. Nur fünf Tage später verstirbt er, Margrit ist nun Halbwaise.Ihrer Mutter gelingt es, für Margrit und Otto einen Platz bei Kindertransporten nach England zu bekommen – sie hat sogar dafür gesorgt, dass beide Kinder zuvor Englischunterricht erhalten, damit sie sich in England besser verständigen können. Dennoch muss es für die Zehneinhalbjährige sehr schwer gewesen sein, sich am 17. Mai 1939 von ihrer Mutter und ihrem Bruder Otto zu verabschieden und ganz allein in ein fremdes Land zu reisen, ohne zu wissen, ob und wann sie ihre Familie wiedersehen würde. Tatsächlich hat Margrit ihre Mutter niemals wieder gesehen, und auch Otto, der ebenfalls nach England fliehen kann, sieht sie bis zu dessen Rückkehr nach Deutschland nach dem Krieg nur drei Mal: Margrit wird in England nach Sunderland im Norden Englands gebracht, während ihr Bruder nach London kommt. In England wächst Margrit in einem Heim auf, hier lebt sie bis zu ihrem 16. Geburtstag. Sie macht eine Ausbildung als Köchin und lebt eine Zeit lang in Leicester, bevor sie nach London zieht. Hier arbeitet sie in einer Kindertagesstätte und heiratet schließlich 1958 Reb Pinchas Osher Silbermann. Seither heißt sie Margaret Silbermann. Das Ehepaar bekommt zwei Söhne, Moshe Chaim, der mit seiner Familie in Antwerpen lebt und Elimeilech, der nur wenige Straßen von ihrem Wohnhaus in Stamford Hill entfernt bei der Zeitung „Jewish Tribune“ arbeitet und seine Mutter mindestens einmal in der Woche besucht. Sie ist seit dem Jahre 1998 verwitwet. Margaret war nach ihrer Flucht nach England nur ein Mal wieder in Deutschland, um ihren Bruder Otto zu besuchen. Für sie kam es nach allem, was ihr und ihrer Familie angetan wurde, nie in Frage, wieder in dieses Land zurückzukehren. Sie lebt bis zu ihrem Tod am 2. Juli 2021 in London. 

Zur Verlegung durften wir insgesamt 33  Angehörige und Gäste aus den USA, Israel, Großbritannien und Deutschland begrüßen, darunter alleine 21 Angehörige der Familie Zuns, die sich hier mit uns (Brigitte Weber ganz links, Günther Lübbers obere Reihe links) vor dem Hotel „Hochzeitshaus“ aufgestellt haben.

Das Haus Lindenstraße 12, heute Georgswall 23, beherbergt  Teile des Bauamtes der Stadt Aurich und liegt direkt neben dem Rathaus.

Die sechs Stolpersteine mit Fotos der mit Rosen geehrten früheren Bewohnern.

Hier spielt die Bläserklasse des Gymnasiums Ulricianum Aurich unter der Leitung von Frau Könemann-Glashoff zu Ehren der Familie Wolffs auf. Wolff Heimann Wolffs war der letzte jüdische Abiturient des Ulricianums, alle Patenschaften für die Familie wurden von dieser Schule übernommen.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Foto:

Fotos der Verlegung:

 Fotos: Sammlung Familie Wolffs

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 16/1, Nr. 4155; Rep. 107, Nr. 1874; Rep. 107, Nr. 2676http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/gesellschaft-eines-tages-sagte-die-mutter-du-gehst-nach-england-1148629.html, Zugriff vom 13.05.2014Telefongespräch mit Bettina Schönfeld, Tochter von Otto und Enkeltochter von Heimann Wolffs, am 03. Juli 2014

Telefongespräch mit Margaret Silbermann, Schwester von Otto Wolffs, am 27. Juni 2014

Literatur: Rebekka Göpfert: Der Jüdische Kindertransport von Deutschland nach England 1938/39. Geschichte und Erinnerung, Frankfurt 1999Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 17. Juli 2014

Margrit Wolffs verh. Silbermann, 1975

Marianne Wolff geb. Karseboom

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Marianne WOLFF geb. Karseboom
geboren am 7. November 1884 in Emden

Straße: Breiter Weg 8
Todesdatum: 5.03.1942 (für tot erklärt)
Todesort: Auschwitz
Marianne Wolff geb. Karseboom wurde am 7. November 1894 in Emden als einziges Kind des Schlachtermeisters Moses Karseboom (1864 – 1922) und seiner Frau Jette geb. Schulenklopper (1866 – 1922) geboren und wohnte dort in der Edzardstraße 5.
Am 14. November 1921 heiratet sie Levi „Louis“ Wolff aus Aurich. Als Trauzeugen fungieren die Väter Moses Karseboom und Samuel Wolff. Am 8. September 1922 wird Lydia Wolff, das einzige Kind von Levi und Marianne Wolff, in Emden geboren. Ihre Eltern waren damals 36 Jahre alt. Levi Wolff, genannt „Louis“, wurde am 13. März 1884 in Aurich geboren. Levi war das dritte von neun Kindern seiner Eltern, dem Schlachter Samuel Wolff (1846 – 1929) und Caroline geb. Loewenthal (1869 – 1916). Levis Vater lebte mit seiner Familie in der Marktstraße 2. Das Haus gehörte ihm seit 1909 und hier wuchs auch Levi mit seinen acht Geschwistern auf. Sein Vater wohnte weiter bei seinem Sohn Benjamin „Benno“ in der Marktstraße 2. Im November 1929 verstarb er mit 83 Jahren an Altersschwäche starb. Seine Frau Caroline war schon am 3. Mai 1916 im Alter von 56 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben. Bis auf den ältesten Bruder von Levi, Wilhelm Wolff Wolff (1881 – 1924), der bereits 1924 verstarb, und seinen jüngsten Bruder Jonas wurden – ebenso wie er – alle seine Geschwister Opfer des Völkermordes. Stolpersteine für seinen Bruder Benjamin „Benno“ Wolff (1883 – unbekannt) und dessen Frau Regina geb. Wolff (1890 – unbekannt) wurden bereits in der Marktstraße 2 verlegt, wo Levi mit seinen Geschwistern aufwuchs. Die Steine für seine Schwester Minna Stoppelmann geb. Wolff (1887 – 1942) und ihren Ehemann Gerson Stoppelmann sowie ihre beiden Kinder wurden am 17.07.2013 in der Wallstraße 8 verlegt. Sein Bruder Iwan Wolff (1891 – 1943) wohnte in der Gartenstraße 7, verzog aber bereits 1929 mit seiner Frau Frieda Wolff geb. Stoppelmann (1887 – 1945) nach Freren im südlichen Emsland. Für seinen Bruder Hermann Wolff (1893 – 1945), dessen Frau Jeanette geb. Wolff und ihre fünf Kinder wurden bereits Stolpersteine im Langen Kamp 15 verlegt. Die Steine für seinen Bruder Daniel Wolff (1895 – 1944) und dessen Frau Henny geb. Hartogsohn (1891 – unbekannt) sowie deren vier Kinder werden 2015 in der Wallstraße 56 verlegt. Nur Levis jüngster Bruder Jonas Wolff (1897 – 1983) kann mit seiner Frau Senta geb. Wolff (1903 – 1973)und ihren drei Kindern durch Flucht den Völkermord entgehen.Levi Wolff betätigt sich wie sein Vater als Viehhändler. Er wohnt zunächst in der Zingelstraße 26.
Spätestens seit 1926 wohnt die Familie Wolff in Aurich im Breiten Weg 8. Die Familie muss einen gewissen Wohlstand gehabt haben, denn zwischen 1926 und 1936 beschäftigte sie regelmäßig „Hausmädchen“ in ihrem Haushalt.

Am 29. September 1937 verzieht Lydia im Alter von 15 Jahren nach Groningen, vermutlich zu ihrem Onkel Hermann Wolff, der schon im April 1933 nach Groningen ausgewandert ist und dort als Schlachter und Viehhändler arbeitet. Lydia kehrt aber schon nach einem halben Jahr am 5. April 1938 wieder nach Aurich zurück. Vielleicht war der Anlass für die Rückkehr die Tatsache, dass ihre Eltern ihre Wohnung verlassen mussten.

Am 1. April 1938 muss nämlich die Familie Levi Wolff ihre Wohnung im Breiten Weg 8 verlassen und bei Familie Heimann Wolffs – für die wir heute bereits Stolpersteine verleget haben – ,in der Lindenstraße 12 einziehen. Die Familie Levi Wolff beschließt daraufhin Aurich zu verlassen, um nach Holland zu fliehen. Sie waren in Deutschland wachsenden Schikanen und Repressalien ausgesetzt und hatten auch keine Verdienstmöglichkeiten mehr in ihrem angestammten Beruf.

Auf ihrer Meldekarte findet sich der Vermerk vom 2. November 1938: „Wolff mit Frau und Tochter sind nach Holland ausgewandert, wann, nicht bekannt da unabgemeldet verzogen“. Im Februar 1939 wird auf der Meldekarte ergänzt: „schreibt der Wolff aus Holland im Februar 1939 ist W. am 13.6.38 ausgewandert“. Levi Wolff teilt (als ordentlicher Bürger) den deutschen Behörden auch seine Anschrift in Holland mit: Haren, Gronigen (Holland), Rykstraatweg 13, 2e. In diese grenznahe Gegend der Provinz Groningen waren mehrere jüdische Familien aus Aurich, so auch sein Bruder Hermann Wolff, geflohen.

Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen beginnt auch in Holland die systematische Verfolgung der Juden. Anfang Oktober 1942 werden Levi Wolff, Marianne Wolff und ihre Tochter Lydia nach einer großen Razzia im Norden der Niederlande aufgegriffen, im Sammellager Westerbork interniert und bereits Anfang November 1942 nach Auschwitz deportiert. Hier werden sie – vermutlich bald nach ihrer Ankunft – ermordet. Auch Levi Wolff wird Anfang November 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Levi und Marianne Wolff werden mit dem Datum „5. November 1942“ für tot erklärt, ihre Tochter Lydia mit dem Datum „30. November 1942“. Sie war gerade 20 Jahre alt.

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945   (www.bundesarchiv.de/gedenkbuch)
– Informationszentrum Westerbork: Schriftliche Mitteilungen von Jose Martin
Literatur:
Patenschaft: Gunter Siebels-Michel
Verlegetermin: 17. Juli 2014

 

 

 

Lydia Wolff

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolff, LydiaLydia WOLFF
geboren am 8. September 1922 in Emden

Straße: Breiter Weg 8
Todesdatum: 30.11.1942 (für tot erklärt)
Todesort: Auschwitz
Lydia Wolff wird am 8. September 1922 wird als einziges Kind von Levi und Marianne Wolff in Emden geboren. Ihre Eltern waren damals 36 Jahre alt. Schon bald zieht die Familie von Emden nach Aurich.

Ihre Mutter, Marianne Wolff geb. Karseboom, wurde am 7. November 1894 in Emden als einziges Kind des Schlachtermeisters Moses Karseboom (1864 – 1922) und seiner Frau Jette geb. Schulenklopper (1866 – 1922) geboren und wohnte dort in der Edzardstraße 5.
Am 14. November 1921 heiratet sie Levi „Louis“ Wolff aus Aurich. Als Trauzeugen fungieren die Väter Moses Karseboom und Samuel Wolff.

Levi Wolff, genannt „Louis“, wurde am 13. März 1884 in Aurich geboren. Levi war das dritte von neun Kindern seiner Eltern, dem Schlachter Samuel Wolff (1846 – 1929) und Caroline geb. Loewenthal (1869 – 1916). Levis Vater lebte mit seiner Familie in der Marktstraße 2. Das Haus gehörte ihm seit 1909 und hier wuchs auch Levi mit seinen acht Geschwistern auf. Sein Vater wohnte weiter bei seinem Sohn Benjamin „Benno“ in der Marktstraße 2. Im November 1929 verstarb er mit 83 Jahren an Altersschwäche starb. Seine Frau Caroline war schon am 3. Mai 1916 im Alter von 56 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben.

Bis auf den ältesten Bruder von Levi, Wilhelm Wolff Wolff (1881 – 1924), der bereits 1924 verstarb, und seinen jüngsten Bruder Jonas wurden – ebenso wie er – alle seine Geschwister Opfer des Völkermordes. Stolpersteine für seinen Bruder Benjamin „Benno“ Wolff (1883 – unbekannt) und dessen Frau Regina geb. Wolff (1890 – unbekannt) wurden bereits in der Marktstraße 2 verlegt, wo Levi mit seinen Geschwistern aufwuchs. Die Steine für seine Schwester Minna Stoppelmann geb. Wolff (1887 – 1942) und ihren Ehemann Gerson Stoppelmann sowie ihre beiden Kinder wurden am 17.07.2013 in der Wallstraße 8 verlegt. Sein Bruder Iwan Wolff (1891 – 1943) wohnte in der Gartenstraße 7, verzog aber bereits 1929 mit seiner Frau Frieda Wolff geb. Stoppelmann (1887 – 1945) nach Freren im südlichen Emsland. Für seinen Bruder Hermann Wolff (1893 – 1945), dessen Frau Jeanette geb. Wolff und ihre fünf Kinder wurden bereits Stolpersteine im Langen Kamp 15 verlegt. Die Steine für seinen Bruder Daniel Wolff (1895 – 1944) und dessen Frau Henny geb. Hartogsohn (1891 – unbekannt) sowie deren vier Kinder werden 2015 in der Wallstraße 56 verlegt. Nur Levis jüngster Bruder Jonas Wolff (1897 – 1983) kann mit seiner Frau Senta geb. Wolff (1903 – 1973)und ihren drei Kindern durch Flucht den Völkermord entgehen.

Levi Wolff betätigt sich wie sein Vater als Viehhändler. Er wohnt zunächst in der Zingelstraße 26.
Spätestens seit 1926 wohnt die Familie Wolff in Aurich im Breiten Weg 8. Die Familie muss einen gewissen Wohlstand gehabt haben, denn zwischen 1926 und 1936 beschäftigte sie regelmäßig „Hausmädchen“ in ihrem Haushalt.

Am 29. September 1937 verzieht Lydia im Alter von 15 Jahren nach Groningen, vermutlich zu ihrem Onkel Hermann Wolff, der schon im April 1933 nach Groningen ausgewandert ist und dort als Schlachter und Viehhändler arbeitet. Lydia kehrt aber schon nach einem halben Jahr am 5. April 1938 wieder nach Aurich zurück. Vielleicht war der Anlass für die Rückkehr die Tatsache, dass ihre Eltern ihre Wohnung verlassen mussten.

Am 1. April 1938 muss nämlich die Familie Levi Wolff ihre Wohnung im Breiten Weg 8 verlassen und bei Familie Heimann Wolffs – für die wir heute bereits Stolpersteine verleget haben – ,in der Lindenstraße 12 einziehen. Die Familie Levi Wolff beschließt daraufhin Aurich zu verlassen, um nach Holland zu fliehen. Sie waren in Deutschland wachsenden Schikanen und Repressalien ausgesetzt und hatten auch keine Verdienstmöglichkeiten mehr in ihrem angestammten Beruf.

Auf ihrer Meldekarte findet sich der Vermerk vom 2. November 1938: „Wolff mit Frau und Tochter sind nach Holland ausgewandert, wann, nicht bekannt da unabgemeldet verzogen“. Im Februar 1939 wird auf der Meldekarte ergänzt: „schreibt der Wolff aus Holland im Februar 1939 ist W. am 13.6.38 ausgewandert“. Levi Wolff teilt (als ordentlicher Bürger) den deutschen Behörden auch seine Anschrift in Holland mit: Haren, Gronigen (Holland), Rykstraatweg 13, 2e. In diese grenznahe Gegend der Provinz Groningen waren mehrere jüdische Familien aus Aurich, so auch sein Bruder Hermann Wolff,   geflohen.

Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen beginnt auch in Holland die systematische Verfolgung der Juden. Anfang Oktober 1942 werden Levi Wolff, Marianne Wolff und ihre Tochter Lydia nach einer großen Razzia im Norden der Niederlande aufgegriffen, im Sammellager Westerbork interniert und bereits Anfang November 1942 nach Auschwitz deportiert. Hier werden sie – vermutlich bald nach ihrer Ankunft – ermordet. Auch Levi Wolff wird Anfang November 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Levi und Marianne Wolff werden mit dem Datum „5. November 1942“ für tot erklärt, ihre Tochter Lydia mit dem Datum „30. November 1942“. Sie war gerade 20 Jahre alt.

Weitere Stolpersteine für die Familie werden am 15.09.2020 in Groningen, H. Colleniusstraat 25 verlegt.

Die Groninger Stolpersteine

Die Groninger Stolpersteine

Die Verlegung der Stolpersteine vor dem Haus Breiter Weg 8

Mitglieder des Ortsrates Altstadt Aurich, Paten des Stolpersteins von Lydia Wolff

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945   (www.bundesarchiv.de/gedenkbuch)

Informationszentrum Westerbork: Schriftliche Mitteilungen von Jose Martin

Literatur:
Patenschaft: Ortsrat Altstadt Aurich
Verlegetermin: 17. Juli 2014

 

 

 

Levi „Louis“ Wolff

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolff, Levi LouisLevi „Louis“ WOLFF,
geboren am 13. März 1884 in Aurich

Straße: Breiter Weg 8
Todesdatum: 5.03.1942 (für tot erklärt)
Todesort: Auschwitz
Levi Wolff, genannt „Louis“, wurde am 13. März 1884 in Aurich geboren. Levi war das dritte von neun Kindern seiner Eltern, dem Schlachter Samuel Wolff (1846 – 1929) und Caroline geb. Loewenthal (1869 – 1916). Levis Vater lebte mit seiner Familie in der Marktstraße 2. Das Haus gehörte ihm seit 1909 und hier wuchs auch Levi mit seinen acht Geschwistern auf. Sein Vater wohnte weiter bei seinem Sohn Benjamin „Benno“ in der Marktstraße 2. Im November 1929 verstarb er mit 83 Jahren an Altersschwäche starb. Seine Frau Caroline war schon am 3. Mai 1916 im Alter von 56 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben.

Bis auf den ältesten Bruder von Levi, Wilhelm Wolff Wolff (1881 – 1924), der bereits 1924 verstarb, und seinen jüngsten Bruder Jonas wurden – ebenso wie er – alle seine Geschwister Opfer des Völkermordes. Stolpersteine für seinen Bruder Benjamin „Benno“ Wolff (1883 – unbekannt) und dessen Frau Regina geb. Wolff (1890 – unbekannt) wurden bereits in der Marktstraße 2 verlegt, wo Levi mit seinen Geschwistern aufwuchs. Die Steine für seine Schwester Minna Stoppelmann geb. Wolff (1887 – 1942) und ihren Ehemann Gerson Stoppelmann sowie ihre beiden Kinder wurden am 17.07.2013 in der Wallstraße 8 verlegt. Sein Bruder Iwan Wolff (1891 – 1943) wohnte in der Gartenstraße 7, verzog aber bereits 1929 mit seiner Frau Frieda Wolff geb. Stoppelmann (1887 – 1945) nach Freren im südlichen Emsland. Für seinen Bruder Hermann Wolff (1893 – 1945), dessen Frau Jeanette geb. Wolff und ihre fünf Kinder wurden bereits Stolpersteine im Langen Kamp 15 verlegt. Die Steine für seinen Bruder Daniel Wolff (1895 – 1944) und dessen Frau Henny geb. Hartogsohn (1891 – unbekannt) sowie deren vier Kinder werden 2015 in der Wallstraße 56 verlegt. Nur Levis jüngster Bruder Jonas Wolff (1897 – 1983) kann mit seiner Frau Senta geb. Wolff (1903 – 1973)und ihren drei Kindern durch Flucht dem Völkermord entgehen.

Levi Wolff betätigt sich wie sein Vater als Viehhändler. Er wohnt zunächst in der Zingelstraße 26. Am 14. November 1921 heiratet er Marianne Karseboom. Als Trauzeugen fungieren die Väter Samuel Wolff und Moses Karseboom. Marianne wurde am 7. November 1894 in Emden als einziges Kind des Schlachtermeisters Moses Karseboom (1864 – 1922) und seiner Frau Jette geb. Schulenklopper (1866 – 1922) geboren und wohnte dort in der Edzardstraße 5.

Am 8. September 1922 wird Lydia Wolff, das einzige Kind von Levi und Marianne Wolff, in Emden geboren. Ihre Eltern waren damals 36 Jahre alt.

Spätestens seit 1926 wohnt die Familie in Aurich im Breiten Weg 8. Die Familie muss einen gewissen Wohlstand gehabt haben, denn zwischen 1926 und 1936 beschäftigte sie regelmäßig „Hausmädchen“ in ihrem Haushalt.

Am 29. September 1937 verzieht Lydia im Alter von 15 Jahren nach Groningen, vermutlich zu ihrem Onkel Hermann Wolff, der schon im April 1933 nach Groningen ausgewandert ist und dort als Schlachter und Viehhändler arbeitet. Lydia kehrt aber schon nach einem halben Jahr am 5. April 1938 wieder nach Aurich zurück. Vielleicht war der Anlass für die Rückkehr die Tatsache, dass ihre Eltern ihre Wohnung verlassen mussten.

Am 1. April 1938 muss nämlich die Familie Levi Wolff ihre Wohnung im Breiten Weg 8 verlassen und bei Familie Heimann Wolffs – für die wir heute bereits Stolpersteine verleget haben – ,in der Lindenstraße 12 einziehen. Die Familie Levi Wolff beschließt daraufhin, Aurich zu verlassen, um nach Holland zu fliehen. Sie waren in Deutschland wachsenden Schikanen und Repressalien ausgesetzt und hatten auch keine Verdienstmöglichkeiten mehr in ihrem angestammten Beruf.

Auf ihrer Meldekarte findet sich der Vermerk vom 2. November 1938: „Wolff mit Frau und Tochter sind nach Holland ausgewandert, wann, nicht bekannt da unabgemeldet verzogen“. Im Februar 1939 wird auf der Meldekarte ergänzt: „schreibt der Wolff aus Holland im Februar 1939 ist W. am 13.6.38 ausgewandert“. Levi Wolff teilt (als ordentlicher Bürger) den deutschen Behörden auch seine Anschrift in Holland mit: Haren, Gronigen (Holland), Rykstraatweg 13, 2e. In diese grenznahe Gegend der Provinz Groningen waren mehrere jüdische Familien aus Aurich, so auch sein Bruder Hermann Wolff,   geflohen.

Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen beginnt auch in Holland die systematische Verfolgung der Juden. Anfang Oktober 1942 werden Levi Wolff, Marianne Wolff und ihre Tochter Lydia nach einer großen Razzia im Norden der Niederlande aufgegriffen, im Sammellager Westerbork interniert und bereits Anfang November 1942 nach Auschwitz deportiert. Hier werden sie – vermutlich bald nach ihrer Ankunft – ermordet.

Levi und Marianne Wolff werden mit dem Datum „5. November 1942“ für tot erklärt, ihre Tochter Lydia mit dem Datum „30. November 1942“. Sie war gerade 20 Jahre alt.

Weitere Stolpersteine für die Familie werden am 15.09.2020 in Groningen, H. Colleniusstraat 25 verlegt.

Die Groninger Stolpersteine

Die Groninger Stolpersteine

Die Verlegung der Stolpersteine vor dem Haus Breiter Weg 8

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945   (www.bundesarchiv.de/gedenkbuch)

Informationszentrum Westerbork: Schriftliche Mitteilungen von Jose Martin

 

Literatur:
Patenschaft: Günther Fahle
Verlegetermin: 17. Juli 2014

 

 

 

Gerson Stoppelmann

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Gerson STOPPELMANN Stoppelmann, Gerson
geboren am 13. Dezember 1883 in Schapen

Straße: Wallstraße 18
Todesdatum: 4. Mai 1942
Todesort: Chelmno
Die Familie Stoppelmann bestand aus dem Vater Gerson Stoppelmann und der Mutter Minna Stoppelmann geb. Wolff. Sie hatten zusammen zwei Söhne. Norbert Stoppelmann, der früh starb, und Siegfried Stoppelmann, der die Zeit der Judenverfolgung überlebte, weil er nach Palästina flüchten konnte.
Gerson Stoppelmann wurde am 13. Dezember 1883 in Schapen geboren. Er verstarb vermutlich zusammen mit seiner Frau Minna Wolff am 4. Mai 1942 im Vernichtungslager Kulmhof in Chelmno nad Nerem (vgl. http://www.bundesarchiv.de, Stand: 27.02.2013).
Seine Ehefrau Minna geb. Wolff wurde am 17. Januar 1887 in Aurich geboren. Ihre Eltern waren Samuel Wolff und Caroline Löwenthal (vgl. Geburtenregister, StAA Rep. 248, Nr. 943).
Das Ehepaar Stoppelmann hatte zwei Söhne. Norbert Stoppelmann wurde am 27. März 1912 in Beesten im Kreis Lingen geboren und lebte ab dem 15. August 1933 in Wildeshausen in einer Heilstätte. Er verstarb am 19. Februar 1935 in Aurich (vgl. siehe Anhang, StAA Meldekarte Nr. 2) und wurde auf dem Auricher Judenfriedhof an der Emder Straße beigesetzt. Der zweite Sohn Siegfried Stoppelmann wurde am 5. Oktober 1913 in Aurich geboren und verstarb am 31. Dezember 2002 in Bremen (vgl. Stoppelmann, 2013).Bis zum Jahr 1913 lebte die Familie Stoppelmann in Beesten im Kreis Lingen, wo auch ihr erster Sohn Norbert geboren wurde. Danach zog die Familie nach Aurich. Von 1914 bis zum Dezember 1930 lebte die Familie in der Wallstraße 18, woraus sich schließen lässt, dass das ihr Hauptwohnsitz in Aurich war. In den darauffolgenden Jahren zog die Familie öfter um. Ab dem 31. Dezember 1930 wohnten sie für drei Jahre in der Kleinen Mühlenwallstraße 7 und zogen dann am 2. Februar 1933 zurück in die Wallstraße 8, wo sie wieder nur zwei Jahre wohnten (vgl. StAA Meldekarte Nr. 1). Ihr letzter Wohnsitz war vom 3. April 1935 bis zu ihrer Deportation 1940 ein Einfamilienhaus in der Wallstraße 6. Das Haus hatte zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein Wohnzimmer (vgl. StAA Dep. 34, Nr. 143, S. 43).
Zugezogen sind sie am 4. Februar 1914 aus Beesten und wurden am 6. Februar 1914 in Aurich gemeldet. Jedoch wurde Siegfried Stoppelmann am 5. Oktober 1913 schon in Aurich geboren, was den Schluss zulässt, dass sie schon eher nach Aurich gezogen sind (vgl. siehe Anhang, StAA Meldekarte Nr. 1).
Gerson Stoppelmann betrieb in Aurich eine Schlachterei, die sie 1935 jedoch schließen musste, weil keine Kunden mehr zu ihnen kamen zum Einkaufen (vgl. Gries, 1998). Außerdem war die Familie Stoppelmann sehr gläubig und besuchte regelmäßig den Gottesdienst in der damaligen Synagoge der Auricher Judengemeinde (vgl. Stoppelmann, 2013).Gerson Stoppelmann wurde in der Novemberpogromnacht am 9. November 1938 zusammen mit anderen Auricher Juden verhaftet und am nächsten Morgen ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Bis zum 15. Dezember 1938 war er im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Am 15. Februar 1940 mussten Gerson Stoppelmann und seine Frau Minna Aurich verlassen und wurden zusammen nach Berlin gebracht. Am 18. Oktober 1941 kamen sie von Berlin aus nach Litzmannstadt ins Ghetto. Von dort aus wurden sie am 4. Mai 1942 nach Chelmno nad Nerem ins Vernichtungslager Kulmhof deportiert (vgl. http://www.bundesarchiv.de, 27.02.2113). Von dort sind sie nicht mehr lebend zurückgekehrt. Die letzte Nachricht, die Gerson und Minna Stoppelmann hinterließen, war „eine Art Telegramm vom Internationalen Roten Kreuz vom 6. November 1940, dass von Berlin aus nach Herzlia in Palästina gesendet wurde“ (Stoppelmann, 2013). Danach gab es kein Lebenszeichen mehr von ihnen.

 

Auf dem Gelände der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Kulmhof. Fotos Günther Lübbers (2019)

Wolfgang Neiweiser begleitet uns auch bei dieser Verlegung mit seiner Musik.

Ein Schüler der BBS II Aurich, Berufsfachschulklasse Bautechnik, säubert die gerade verlegten vier Stolpersteine.

Gerschon (Sohn von Siegfried Stoppelmann) und Marlies Stoppelmann waren aus Aachen zur Verlegung gekommen und stehen hier mit Neelke Lieutenant, der Rechercheurin der Familienbiographien) vor dem Haus Wallstraße 8. Später stellte sich heraus, dass Familie Stoppelmann tatsächlich im Haus Wallstraße 18 gewohnt hat, wohin die Stolpersteine inzwischen umverlegt worden sind.

Recherche: Neelke Lieutenant
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich:
StAA Dep. 34, Nr. 143, Durchführung des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden,
StAA Rep. 248, Nr. 942, Geburtenregister der jüdischen Gemeinde Aurich 1782-1845,StAA Rep. 248, Nr. 943, Geburtenregister der jüdischen Gemeinde Aurich 1844-1931StAA Rep. 248, Nr. 946, Sterberegister der jüdischen Gemeinde Aurich 1782-1844/ 1859-1863StAA Rep. 248, Nr. 947, Sterberegister der jüdischen Gemeinde Aurich 1844-1935
Internetquellen:http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html (Stand: 27.02.2013)http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-10/israel-100-jahre-kibbuz (Stand: 09.03.2013)
Literatur: Gries, Margeritha: Damals wurden Freunde plötzlich zu Feinden.

In: Weser Kurier, 3.11.1988
Gries, Margeritha: „Manche Leute spuckten und klatschten Beifall“.

In: Weser Kurier, 10.11.1998

Patenschaft: Wiard Siebels
Verlegetermin: 17. Juli 2014

 

 

 

Siegfried Stoppelmann

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Stoppelmann, SiegfriedSiegfried STOPPELMANN
geboren am 5. Oktober 1913 in Aurich

Straße: Wallstraße 18
Todesdatum: 31. Dezember 2002
Todesort: Bremen
Siegfried Stoppelmann war der zweite Sohn von Gerson und Minna Stoppelmann und der jüngere Bruder von Norbert Stoppelmann. Geboren wurde er am 5. Oktober 1913 in Aurich.
Er hat die stürmischen Nachkriegsjahre des ersten Weltkriegs und den Aufstieg der Nazis miterlebt. Nach seiner Schulzeit begann er beim Schuhmachermeister Lübbers aus Aurich eine Schuhmacherlehre, die er mit einer Gesellenprüfung vor dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Aurich abschloss. Außerdem betätigte sich Siegfried Stoppelmann beim Tischtennis sportlich und war in Aurich und im nordwestdeutschen Bereich erfolgreich. Da die Familie sehr gläubig war, besuchte er mit seinen Eltern regelmäßig den Gottesdienst in der damaligen Synagoge der Auricher Judengemeinde. Siegfried Stoppelmann erlebte die Machtergreifung der Nationalsozialisten und dass das Leben für alle Juden danach sehr beschwerlich wurde (vgl. Stoppelmann, 23.02.2013). Am 9. November 1938, der Reichspogromnacht, wurde er zusammen mit seinem Vater Gerson Stoppelmann von „Nazi-Schergen in ihrem Haus überfallen“ (Stoppelmann, 23.02.2013) und zum Marktplatz geführt, wo sich die Juden versammeln mussten. Dann wurden sie durch Aurich zu der Landwirtschaftlichen Halle, allgemein Bullenhalle genannt, geführt. Bei ihrem Gang durch die Straßen haben die Menschen zugesehen und geklatscht (vgl. Gries, 1988).
In der Landwirtschaftlichen Halle angekommen mussten sie springen und Runden laufen (vgl. Diekhoff, 1993, S. 275) und wurden schikaniert, verhört und getreten. Außerdem hatten sie beim „stundenlangen Warten keine Erlaubnis zum Toilettengang“ (Stoppelmann zit. nach Gries, 1998). Am 10. November 1938 wurden die Männer Mittags zum Ellernfeld geführt, auf dem Siegfried Stoppelmann sich auf Kommando immer wieder in die Pfützen legen musste und von Zuschauern bespuckt wurde (vgl. Gries, 1998). Am Abend des 10. November wurden die Männer, unter ihnen Siegfried und sein Vater Gerson, ins Auricher Gefängnis gesperrt.
Am nächsten Morgen wurden sie mit der Eisenbahn nach Bremen gebracht, wo sie eine Nacht im heutigen Hermann-Böse-Gymnasium verbrachten. Vom Gymnasium aus kamen sie zum Bremer Hauptbahnhof und dann ins Konzentrationslager Sachsenhausen (vgl. Gries, 1988). Im Lager erlebte er „schlimme und menschenverachtende Zustände“ (Stoppelmann, 23.02.2013). Die Häftlinge wurden misshandelt und bekamen wenig zu essen. Zu der Zeit in der Siegfried Stoppelmann im KZ Sachsenhausen inhaftiert war, konnte man noch aus diesem entlassen werden, wenn man innerhalb von 24 Stunden Deutschland verließ.Da seine Mutter Minna eine solche Auswanderung beantragt hatte, kam Siegfried Anfang des Jahres 1939 zurück nach Aurich. Jedoch war die Auswanderung noch nicht geplant und finanziert, was dazu führte, dass Siegfried sich drei Wochen in einem Taubenverschlag von Adolf Richter versteckte. Adolf Richter war ein guter Freund der Familie und „Diese – damals sicherlich sehr mutige Tat – hat meinem Vater das Leben gerettet und kann in seiner Bedeutung nicht hoch genug gewürdigt werden“ (Stoppelmann, 23.02.2013). „In einer Kiste mit der Aufschrift „Vorsicht Glas“ wurde er dann mit anderen nach Antwerpen gebracht.“ (Stoppelmann zit. nach Gries, 1998). Von dort aus fuhr er mit einem Schiff nach Palästina.
Schwierig war es für Siegfried Stoppelmann in Palästina an Land zu kommen. Schließlich gelang es ihm jedoch illegal einzuwandern. Zu Beginn verbrachte er eine Zeit in einem Kibbuz, einer solidarisch organisierten Dorfgemeinschaft (www.zeit.de, 09.03.2113) und eröffnete später eine kleine Schuhmacherei. 1949 heiratete Siegfried Stoppelmann Edith geb. Kahn. Seine Frau, die 1945 befreit worden ist, hat die Zeit des Holocaust nie richtig verarbeiten können. Im Jahr 1952 wurde ihr Sohn Gerschon geboren (vgl. Stoppelmann, 12.02.2013).1957 zog die Familie zurück nach Deutschland, in das Bundesland Bremen. „Warum nach Bremen? ‚Hier gab es eine jüdische Gemeinde. ‘ “ (Stoppelmann zit. nach Gries, 1998). Siegfried Stoppelmann war seit seiner Rückkehr sehr aktiv in der Israelitischen Gemeinde Bremen. Zum einen als Mitglied im Vorstand und seit 1972, als Nachfolger von Carl Katz, war er auch Vorsitzender der Gemeinde. Er hat am Wiederaufbau der Bremer Gemeinde mitgewirkt und sich für die Versöhnung zwischen Deutschen und Juden eingesetzt. Er ist stets offen mit seiner Vergangenheit umgegangen und hat an Schulen über seine Erlebnisse während des Holocaust aufgeklärt und hat gegen Fremdenhass und Antisemitismus gekämpft (vgl. Stoppelmann, 12.02.2013). „Am 8. November 1989 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse überreicht vom damaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf weil er in Bremen unermüdlich für die Israelitische Gemeinde und für die jüdische Kultur gewirkt hat“ (Stoppelmann, 23.02.2013). Am 16. November 1992 verstarb seine Frau Edith in Bremen. Siegfried Stoppelmann verstarb am 31. Dezember 2002, nach langer schwerer Krankheit, im Alter von 85 Jahren ebenda. Er und seine Frau hatten im Mai 1992 noch an der Woche der Begegnung teilgenommen.

Siegfried und Edith Stoppelmann während der Woche der Begegnung.

Wolfgang Neiweiser begleitet uns auch bei dieser Verlegung mit seiner Musik.

Ein Schüler der BBS II Aurich, Berufsfachschulklasse Bautechnik, säubert die gerade verlegten vier Stolpersteine.

Gerschon (Sohn von Siegfried Stoppelmann) und Marlies Stoppelmann waren aus Aachen zur Verlegung gekommen und stehen hier mit Neelke Lieutenant, der Rechercheurin der Familienbiographien) vor dem Haus Wallstraße 8. Später stellte sich heraus, dass Familie Stoppelmann tatsächlich im Haus Wallstraße 18 gewohnt hat, wohin die Stolpersteine inzwischen umverlegt worden sind.

Recherche: Neelke Lieutenant
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich:
StAA Dep. 34, Nr. 143, Durchführung des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden,
StAA Rep. 248, Nr. 942, Geburtenregister der jüdischen Gemeinde Aurich 1782-1845,StAA Rep. 248, Nr. 943, Geburtenregister der jüdischen Gemeinde Aurich 1844-1931StAA Rep. 248, Nr. 946, Sterberegister der jüdischen Gemeinde Aurich 1782-1844/ 1859-1863StAA Rep. 248, Nr. 947, Sterberegister der jüdischen Gemeinde Aurich 1844-1935
Internetquellen:http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html (Stand: 27.02.2013)http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-10/israel-100-jahre-kibbuz (Stand: 09.03.2013)
Literatur: Gries, Margeritha: Damals wurden Freunde plötzlich zu Feinden.

In: Weser Kurier, 3.11.1988
Gries, Margeritha: „Manche Leute spuckten und klatschten Beifall“.

In: Weser Kurier, 10.11.1998

Patenschaft: Heyo und Hermine Lübbers
Verlegetermin: 17. Juli 2014