Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Gelly Wolff geb. Wolff

Veröffentlicht: 17. August 2011 von westermayer in Verlegung

Gelly Wolff geb. Wolff
geboren am 9. Juli 1906 in Aurich

Straße: Sandhorst 7 (heute Allee in Höhe der Esenser Str. 80/82)
Todesdatum: 1977
Todesort: Haifa

Gelly Wolff (1973), Foto: privat

Gelly Wolff wird am 9.07.1906 in Aurich geboren. Sie ist die Tochter von Levy Abraham Wolff (*10.08.1862 Aurich +22.09.1937) und Clara Wolff geb. Wolffs (*5.10.1872 +25.03.1943 Sobibor). Gelly hat vier Geschwister. Zwei versterben im Kindesalter, ihr ältester Bruder Abraham (*23.06.1901 +27.07.1942) wird in Auschwitz ermordet, der jüngere Bruder Wolff (*3.06.1902 +1956) kann nach Palästina fliehen. Für Gellys Mutter Clara und Gellys Bruder Wolff „Benjamin-Zeev“ haben wir gerade Stolpersteine in der Osterstraße 25 verlegt.

Am 30.04.1926 heiratet Gelly Gustav Wolff. Gustav Josef Wolff wird am 26. August 1902 in Aurich geboren. Er ist das jüngste Kind seiner Eltern Regine Reische Wolff geborene von der Wall (*26.01.1858 Norden +23.02.1929 Aurich) und Joseph Levy Wolff (*05.10.1855 +21.08.1920 Aurich). Mit seinen fünf älteren Geschwistern wächst Gustav in Sandhorst auf. Sein Vater betreibt einen Viehhandel. Die Familie hat einen Hof mit Acker und Garten hier in Sandhorst.

Der ältere Bruder Louis (*4.09.1893) stirbt bereits im Alter von 6 Jahren. Die älteren Schwestern Frieda (*24.07.1892 +30.01.1943 Auschwitz) und Georgina (* 3.02.1898 +17.10.1918) und sein Brüder Adolf (* 3.05.1896 + Okt. 1944 Auschwitz) heiraten und gründen eigene Familien. Georgina lebt mit ihrem Mann im elterlichen Haus.

1918 stirbt Gustavs Schwester Georgina, knapp zwei Jahre nach ihrer Heirat mit Levy Salomons und hinterlässt den einjährigen Sohn Kurt. Ihre Schwester Eva heiratet einige Monate später den Witwer ihrer Schwester und zieht mit ihm und seinem Sohn in die Wallstr. 4.

Gustavs Vater verstirbt 1920, seine Mutter 1929. Gustav erbt den elterlichen Hof.

Gustav Wolff (1939)
Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Gelly und Gustav haben zwei Kinder: Cläre, geboren am 23.05.1927, und Joseph, geboren am 10.03.1930. Zunächst scheint es ihnen wirtschaftlich nicht schlecht gegangen zu sein, denn sie haben in der Zeit von 1926-1929 nacheinander vier Hausmädchen.

Da die nationalsozialistische Politik sofort nach 1933 beginnt, den Juden nach und nach durch Boykottmaßnahmen und juristische Einschränkungen die wirtschaftliche Tätigkeit unmöglich zu machen, verschlechtert sich auch die wirtschaftliche Situation der Familie Gustav und Gelly Wolff. Am 14.02.1935 muss ihr Hof zwangsversteigert werden. Am 18.03.1935 kommt es zur Scheidung des Ehepaares.

Gelly kann im April 1937 mit ihren Kinder Cläre und Joseph nach Palästina fliehen und dort ein neues Leben beginnen.

Gustav heiratet in zweiter Ehe Margarete Schönthal aus Marienhafe (*1.08.1909 +April 1942 Ghetto Warschau). Ihre Eltern sind Bernhard Schönthal aus Marienhafe (*1.05.1873 Marienhafe +31.03.1942 Ghetto Warschau) und Bertha Schönthal geb. Steinberg aus Neustadt am Rübenberge (*7.08.1877 in Neustadt a.Rbg. +17.01.1937 Loppersum/Hinte).

Gustav und Margarete wohnen bei ihren Eltern in Marienhafe. Sie bekommen am 21.05.1938 einen Sohn und nennen ihn Rolf Bernhard. Im Juni 1938 ist Gustav in Brüssel gemeldet. Vielleicht wollte er die Flucht seiner Familie vorbereiten. Er muss aber bald nach Deutschland zurückgekehrt sein, denn nach der Reichspogromnacht am 9.11.1938 wird Gustav Wolff bis Anfang Februar 1939 in Buchenwald interniert. Am 1. März 1939 wird für Gustav in Aurich die obligatorische Kennkarte mit Foto erstellt.
Als Anfang 1940 wegen der Kriegsvorbereitungen alle Juden Ostfriesland verlassen müssen, zieht Gustavs Frau Margarete mit ihrem Sohn und ihrem Vater, der zu dieser Zeit bereits Witwer ist, sowie mit ihrer Schwester Ida Katzenberg von Marienhafe nach Rinteln.

Gustav zieht erneut nach Brüssel. – Nach der Besetzung Belgiens beginnen die deutschen Besatzer umgehend damit, ihre menschenverachtende Rassenpolitik auch in Belgien umzusetzen. Die Juden werden ab Juli 1940 statistisch erfasst, nach und nach ausgegrenzt, ab Juli 1942 interniert, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Während des Holocausts werden etwa 25.000 Juden und 350 Roma von Mechelen aus vor allem in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Lediglich 1.207 Deportierte können überleben.

Auch Gustav Wolff wird am 1.12.1940 im belgischen „Judenregister“ mit Wohnort im Brüsseler Stadtteil Saint-Gille erfasst. Das Meldeblatt existiert noch. Später wird er in der Kaserne Dossin, einem Sammellager, interniert, 1944 ab Mechelen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Ebenso wie Gustav werden auch seine Geschwister Frieda (1943 Auschwitz), Eva (1943 Sobibor) und Adolf (1944 Auschwitz) Opfer der Shoah. Für sie sind bereits Stolpersteine in Aurich verlegt.

Gustavs zweite Ehefrau Margarete wird mit ihrem Sohn Rolf, ihrer Schwester Ida und ihrem Vater Ende März 1942 zusammen mit anderen jüdischen Familien aus Rinteln abtransportiert. Zunächst kommen sie in die völlig überfüllte Gartenbauschule Hannover-Ahlem, wo sie drei Tage verbringen müssen. Schließlich werden sie ins Warschauer Ghetto deportiert. Hier verliert sich ihre Spur.

Die einzigen Überlebenden der Familie Wolff sind Gustavs erste Frau Gelly mit ihren zwei Kindern sowie drei der vier Kinder seiner Schwester Frieda (Josef, Hertha und Grete), die rechtzeitig mit Kindertransporten nach England dem Holocaust entkommen konnten.

Über Gellys weiteres Schicksal und das ihrer Kinder konnte ich über die Genealogie Datenbank geni.com zunächst nur die Lebensdaten in Erfahrung bringen.

Gelly stirbt 1977 in Haifa, ihre Tochter Cläre gen. Ora heiratet Wilhelm Fischer und hat mit ihm zwei Kinder. Über Gellys Sohn Joseph war zunächst nichts zu erfahren.

Schließlich stieß ich in der Genealogie Datenbank auf den Namen einer Betreuerin „Yael Lect-Ben Ami“. Zu ihr konnte ich über Facebook Kontakt herstellen. Sie und ihre Mutter, die Tochter von Clara/Ora, waren erstaunt und sehr bewegt, etwas über das Leben ihrer Verwandten vor 1937 zu erfahren, über das sie nur wenig wussten. Ich wiederum war sehr erfreut, etwas über das Leben von Gelly und ihren Kindern nach der Flucht aus Aurich zu erfahren.

 

Hier sollen nun Yael (Gellis Urenkelin, Cläres/Oras Enkelin) und deren Mutter Ronit (Gellis Enkeltochter, Cläres/Oras Tochter) die Geschichte ihrer Verwandten erzählen:

Gelly, Ora und Joseph Wolff (1943), Foto: privat

„Unserer Oma Gelli und ihren zwei kleinen Kindern Ora (10 Jahre alt) und Joseph (7) gelang es, 1937 aus dem Nazi-Deutschland zu entfliehen. Gelli brachte ihre Kinder zunächst bei ihrem Bruder Abraham in Groningen in Sicherheit, bis es ihr irgendwie gelang eine Einwanderungserlaubnis nach Palästina zu bekommen – zunächst nur für sich, ein Jahr später auch für ihre Kinder.

Nach ihrer Ankunft in Haifa stand Gelli allein da und musste in dem für sie neuen und fremden Land für sich selbst sorgen. Sie fand eine Anstellung als Haushälterin, aber ihr Einkommen und die Lebenssituation ermöglichten es ihr nicht, für ihre Kinder aufzukommen. Sie brachte ihre Kinder daher in einer Erziehungseinrichtung für Waisen und Mittellose unter.

Nach einiger Zeit konnte Oma Gelli eine kleine Wohnung mieten und arbeitete weiter in verschiedenen Niedriglohnjobs. Obwohl sie hart arbeitete und bescheiden und anspruchslos lebte, konnte sie nie für ihre Kinder aufkommen und sie bei sich wohnen lassen.

In späteren Jahren konnte Oma Gelli durch Stricken in Heimarbeit Geld verdienen und arbeitete so bis zu ihrem Ruhestand.

Oma Gelli starb 1977 im Alter von 71 Jahren.

Ihre Tochter Ora trat als junges Mädchen in einen Kibbuz ein und fälschte wenig später ihr Geburtsdatum, um in der Fraueneinheit der Jüdischen Brigade, einer Einheit der Britischen Armee, zu dienen.“

(Zur Erklärung: Cläre nannte sich in ihrer neuen Heimat „Ora“, das bedeutet auf Hebräisch „Klarheit, Licht“, also eine Übersetzung ihres alten Namens.)

„Ora war eigentlich erst 16 Jahre alt, als sie der Einheit beitrat. Bei einer Stationierung in Ismailia, Ägypten, lernte sie ihren Kameraden und LKW-Fahrer Wilhelm (Willi) Fischer, geboren in Breslau, kennen. Die beiden heirateten nach Ende des 2. Weltkrieges. Ora und Willi lebten in Haifa und hatten zwei Kinder: Ronit (*29.02.1948) und Ilana (*1.12.1949). Ora starb schon im Alter von 60 Jahren und hinterließ eine große Familie: heute sind es 6 Enkel und 18 Urenkel.

Oma Gellis zweites Kind, Josef, genannt Yoske (die hebräische Form von Josef), ging mit 11 Jahren auf ein landwirtschaftliches Internat in der Nähe von Haifa. Mit 15 arbeitete er in einem Freiwilligen Programm im Kibuz „Degania“ (am südlichen Ende des Sees Genezaret) und schloss sich 2 Jahre später der paramilitärischen Untergrundorganisation „Palmach“ an. Nach der Unabhängigkeit Israels 1948 diente er als Offizier in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften und wurde in Ehren im Rang eines Captains entlassen. Danach arbeitet er im zivilen Leben als Busfahrer und Fremdenführer.

Josef heiratete 1952 Esther Rubinstein und hatte mit ihr 3 Kinder (Orit, Hanan und Carmel). Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2015 mit der Familie in Haifa. Er wurde 85 Jahre alt. Er war in seiner Stadt eine bekannte und sehr geschätzte Persönlichkeit. Heute hat er 5 Enkelkinder und 2 Urenkel.“
Joseph nahm mit Tochter Carmel an der „Woche der Begegnung“ 1992 in seiner Geburtsstadt Aurich teil.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Auskünfte von Familienmitgliedern
Literatur:
Patenschaft: Ortsrat Sandhorst
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Gustav Wolff

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Gustav WOLFF
geboren am 26. August 1902 in Aurich

Straße: Sandhorst 7 (heute Allee in Höhe der Esenser Str. 80/82)
Todesdatum: 1944
Todesort: Auschwitz
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gustav Wolff (1939)
Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Gustav Josef Wolff wird am 26. August 1902 in Aurich geboren. Er ist das jüngste Kind seiner Eltern Regine Reische Wolff geborene von der Wall (*26.01.1858 Norden +23.02.1929 Aurich) und Joseph Levy Wolff (*05.10.1855 + 21.08.1920 Aurich).  Mit seinen fünf älteren Geschwistern wächst Gustav in Sandhorst auf. Sein Vater betreibt einen Viehhandel. Die Familie hatte einen Hof mit Acker und Garten hier in Sandhorst.

Der ältere Bruder Louis (*4.09.1893) stirbt bereits im Alter von 6 Jahren. Die älteren Schwestern Frieda (*24.07.1892 +30.01.1943 Auschwitz) und Georgina (* 3.02.1898 +17.10.1918) und sein Brüder Adolf (* 3.05.1986 +Okt. 1944 Auschwitz) heiraten und gründen eigene Familien. Georgina lebt mit ihrem Mann im elterlichen Haus.
1918 stirbt Gustavs Schwester Georgina, knapp zwei Jahre nach ihrer Heirat mit Levy Salomons und hinterlässt den einjährigen Sohn Kurt. Ihre Schwester Eva heiratet einige Monate später den Witwer ihrer Schwester und zieht mit ihm und seinem Sohn in die Wallstr. 4.

Gustavs Vater verstirbt 1920, seine Mutter 1929. Gustav erbt den elterlichen Hof.

Am 30.04.1926 heiratet Gustav Gelly Wolff. Sie ist die Tochter von Levy Abraham Wolff (*10.08.1862 Aurich +22.09.1937) und Clara Wolff geb. Wolffs (*5.10.1872 +25.03.1943 Sobibor). Gelly hat vier Geschwister. Zwei versterben im Kindesalter, ihr ältester Bruder Abraham (*23.06.1901 +27.07.1942) wird in Auschwitz ermordet, der jüngere Bruder Wolff (*3.06.1902 +1956) kann nach Palästina fliehen. Für Gellys Mutter Clara und Gellys Bruder Wolff „Benjamin-Zeev“ haben wir gerade Stolpersteine in der Osterstraße 25 verlegt.
Gustav und Gelly haben zwei Kinder: Cläre, geboren am 23.05.1927, und Joseph, geboren am 10.03.1930. Zunächst scheint es ihnen wirtschaftlich nicht schlecht gegangen zu sein, denn sie haben in der Zeit von 1926-1929 nacheinander vier Hausmädchen.

Da die nationalsozialistische Politik sofort nach 1933 beginnt, den Juden nach und nach durch Boykottmaßnahmen und juristische Einschränkungen die wirtschaftliche Tätigkeit unmöglich zu machen, verschlechtert sich auch die wirtschaftliche Situation der Familie Gustav und Gelly Wolff. Am 14.02.1935 muss ihr Hof zwangsversteigert werden. Am 18.03.1935 kommt es zur Scheidung des Ehepaares.
Gelly kann im April 1937 mit ihren Kinder Cläre und Joseph nach Palästina fliehen und dort ein neues Leben beginnen.

Gustav heiratet in zweiter Ehe Margarete Schönthal aus Marienhafe (*1.08.1909  +April 1942 Ghetto Warschau). Ihre Eltern sind Bernhard Schönthal aus Marienhafe (*1.05.1873 Marienhafe +31.03.1942 Ghetto Warschau) und Bertha Schönthal geb. Steinberg aus Neustadt am Rübenberge (*7.08.1877 in Neustadt a.Rbg. +17.01.1937 Loppersum/Hinte).
Gustav und Margarete wohnen bei ihren Eltern in Marienhafe. Sie bekommen am 21.05.1938 einen Sohn und nennen ihn Rolf Bernhard. Im Juni 1938 ist Gustav in Brüssel gemeldet. Vielleicht wollte er die Flucht seiner Familie vorbereiten. Er muss aber bald nach Deutschland zurückgekehrt sein, denn nach der Reichspogromnacht am 9.11.1938 wird Gustav Wolff bis Anfang Februar 1939 in Buchenwald interniert. Am 1. März 1939 wird für Gustav in Aurich die obligatorische Kennkarte mit Foto erstellt.
Als Anfang 1940 wegen der Kriegsvorbereitungen alle Juden Ostfriesland verlassen müssen, zieht Gustavs Frau Margarete mit ihrem Sohn und ihrem Vater, der zu dieser Zeit bereits Witwer ist, sowie mit ihrer Schwester Ida Katzenberg von Marienhafe nach Rinteln.

Gustav zieht erneut nach Brüssel. Nach der Besetzung Belgiens beginnen die deutschen Besatzer umgehend damit, ihre menschenverachtende Rassenpolitik auch in Belgien umzusetzen. Die Juden werden ab Juli 1940 statistisch erfasst, nach und nach ausgegrenzt, ab Juli 1942 interniert, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Während des Holocausts werden etwa 25.000 Juden und 350 Roma von Mechelen aus vor allem in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Lediglich 1.207 Deportierte können überleben.
Auch Gustav Wolff wird am 1.12.1940 im belgischen „Judenregister“ mit Wohnort im Brüsseler Stadtteil Saint-Gille erfasst. Das Meldeblatt existiert noch. Später wird er in der Kaserne Dossin, einem Sammellager, interniert, 1944 ab Mechelen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Ebenso wie Gustav werden auch seine Geschwister Frieda (1943 Auschwitz), Eva (1943 Sobibor) und Adolf (1944 Auschwitz) Opfer der Shoah. Für sie sind bereits Stolpersteine in Aurich verlegt.

Gustavs zweite Ehefrau Margarete wird mit ihrem Sohn Rolf, ihrer Schwester Ida und ihrem Vater Ende März 1942 zusammen mit anderen jüdischen Familien aus Rinteln abtransportiert. Zunächst kommen sie in die völlig überfüllte Gartenbauschule Hannover-Ahlem, wo sie drei Tage verbringen müssen. Schließlich werden sie ins Warschauer Ghetto deportiert. Hier verliert sich ihre Spur.

Die einzigen Überlebenden der Familie Wolff sind Gustavs erste Frau Gelly mit ihren zwei Kindern sowie drei der vier Kinder seiner Schwester Frieda (Josef, Hertha und Grete), die rechtzeitig mit Kindertransporten nach England dem Holocaust entkommen konnten.

Über Gellys weiteres Schicksal und das ihrer Kinder konnte ich über die Genealogie Datenbank geni.com zunächst nur die Lebensdaten in Erfahrung bringen.

Gelly stirbt 1977 in Haifa, ihre Tochter Cläre gen. Ora heiratet Wilhelm Fischer und hat mit ihm zwei Kinder. Über Gellys Sohn Joseph war zunächst nichts zu erfahren.

Schließlich stieß ich in der Genealogie Datenbank auf den Namen einer Betreuerin „Yael Lect-Ben Ami“. Zu ihr konnte ich über Facebook Kontakt herstellen. Sie und ihre Mutter, die Tochter von Clara/Ora, waren erstaunt und sehr bewegt, etwas über das Leben ihrer Verwandten vor 1937 zu erfahren, über das sie nur wenig wussten. Ich wiederum war sehr erfreut, etwas über das Leben von Gelly und ihren Kindern nach der Flucht aus Aurich zu erfahren.

 

Hier sollen nun Yael (Gellis Urenkelin, Cläres/Oras Enkelin) und deren Mutter Ronit (Gellis Enkeltochter, Cläres/Oras Tochter) die Geschichte ihrer Verwandten erzählen:

Gelly, Ora und Joseph Wolff (1943), Foto: privat

„Unserer Oma Gelli und ihren zwei kleinen Kindern Ora (10 Jahre alt) und Joseph (7) gelang es 1937 aus dem Nazi Deutschland zu entfliehen. Gelli brachte ihre Kinder zunächst bei ihrem Bruder Abraham in Groningen in Sicherheit, bis es ihr irgendwie gelang eine Einwanderungserlaubnis nach Palästina zu bekommen – zunächst nur für sich, ein Jahr später auch für ihre Kinder.

Nach ihrer Ankunft in Haifa stand Gelli allein da und musste in dem für sie neuen und fremden Land für sich selbst sorgen. Sie fand eine Anstellung als Haushälterin, aber ihr Einkommen und die Lebenssituation ermöglichten es ihr nicht, für ihre Kinder aufzukommen. Sie brachte ihre Kinder daher in einer Erziehungseinrichtung für Waisen und Mittellose unter.

Nach einiger Zeit konnte Oma Gelli eine kleine Wohnung mieten und arbeitete weiter in verschiedenen Niedriglohn Jobs. Obwohl sie hart arbeitete und bescheiden und anspruchslos lebte, konnte sie nie für ihre Kinder aufkommen und sie bei sich wohnen lassen.

In späteren Jahren konnte Oma Gelli durch Stricken in Heimarbeit Geld verdienen und arbeitete so bis zu ihrem Ruhestand.

Gelly Wolff (1973), Foto: privat

Oma Gelli starb 1977 im Alter von 71 Jahren.

Ihre Tochter Ora trat als Teenager in einen Kibbuz ein und fälschte wenig später ihr Geburtsdatum, um in der Fraueneinheit der Jüdischen Brigade, einer Einheit der Britischen Armee, zu dienen.“

(Zur Erklärung: Cläre nannte sich in ihrer neuen Heimat „Ora“, das bedeutet auf Hebräisch „Klarheit, Licht“, also eine Übersetzung ihres alten Namens.)

„Ora war eigentlich erst 16 Jahre alt, als sie der Einheit beitrat. Bei einer Stationierung in Ismailia, Ägypten, lernte sie ihren Kameraden und LKW-Fahrer Wilhelm (Willi) Fischer, geboren in Breslau, kennen. Die beiden heirateten nach Ende des 2. Weltkrieges. Ora und Willi lebten in Haifa und hatten zwei Kinder: Ronit (*29.02.1948) und Ilana (*1.12.1949). Ora starb schon im Alter von 60 Jahren und hinterließ eine große Familie: heute sind es 6 Enkel und 18 Urenkel.

Oma Gellis zweites Kind, Josef, genannt Yoske (die hebräische Form von Josef), ging mit 11 Jahren auf ein landwirtschaftliches Internat in der Nähe von Haifa. Mit 15 arbeitete er in einem Freiwilligen Programm im Kibuz „Degania“ (am südlichen Ende des Sees Genezaret) und schloss sich 2 Jahre später der paramilitärischen Untergrundorganisation „Palmach“ an. Nach der Unabhängigkeit Israels 1948 diente er als Offizier in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften und wurde in Ehren im Rang eines Captains entlassen. Danach arbeitet er im zivilen Leben als Busfahrer und Fremdenführer.

Josef heiratete 1952 Ester Rubinstein und hatte mit ihr 3 Kinder (Orit, Hanan und Carmel). Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2015 mit der Familie in Haifa. Er wurde 85 Jahre alt. Er war in seiner Stadt eine bekannte und sehr geschätzte Persönlichkeit. Heute hat er 5 Enkelkinder und 2 Urenkel.“

Joseph nahm mit Tochter Carmel an der „Woche der Begegnung“ 1992 in seiner Geburtsstadt Aurich teil.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Auskünfte von Familienmitgliedern
Literatur:
Patenschaft: Christiane Meissner
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Josef Wolff

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Josef WOLFF
geboren am 20. Mai 1934 in Aurich

Straße: Esenser Str. 30
Todesdatum: 29. April 2022
Todesort: Margate / New Jersey
Josef Wolff wurde am 20.05.1934 in Aurich geboren. Seine Eltern waren Levy Leo Wolff und Betti Wolff geb. Stern. Josef war erst 4 Jahre alt, als er Aurich mit seinen Eltern verlassen musste. Über sein Leben in den USA konnten wir leider bisher nichts in Erfahrung bringen.

Sein Vater Leo Wolff wurde am 26.01.1899 in Aurich geboren, er war der Sohn des Viehhändlers Joseph Levi Wolff (1853-1937) und Henriette, geborene Wolff (1864-1923) und hatte noch fünf weitere Geschwister. Leo erlernte bei seinem Vater den Beruf und arbeitete als Viehhändler.

Josefs Mutter Betti Stern stammte aus Geisa, einem Ort südlich von Eisenach, in der thüringischen Rhön gelegen. Sie wurde am 12.03.1908 geboren und hatte noch vier weitere Geschwister. Ihre Eltern waren Hermann Stern (1873-1942), der aus Preußen stammte, und Johanna Goldschmidt (1879-1942) aus Schlüchtern in Hessen.

Dass sich Leo und Betti kennenlernten war bestimmt kein Zufall. Es war durchaus üblich, dass „Ehevermittler“ beauftragt wurden, passende Partner in anderen Regionen als Ostfriesland zu suchen.

Leo Wolff fasste schon früh den Entschluss, Deutschland zu verlassen. Nach dem Novemberpogrom in Aurich wurde er wie viele andere jüdischen Männer aus Aurich im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er kam am 29. November 1938 wieder frei und hatte sich damit zur Auswanderung verpflichtet. Aber schon zwei Jahre zuvor hatte er damit begonnen, sein Land zu verkaufen. Wie sich herausstellen sollte, unter Preis und oft konnte er über den Erlös nicht verfügen, weil ihm dieser nicht ausbezahlt wurde: Er musste die Reichsfluchtsteuer zahlen.

Im Januar 1939 verließ die kleine Familie mit dem vierjährigen Sohn Josef Aurich in Richtung Niederlande. Am 21. Januar bestiegen sie in Rotterdam ein Schiff und kamen am 30. Januar 1939 in New York an. Dort halfen ihnen Verwandte (sein Onkel Adolf Watermann) weiter, die schon Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert waren.

Sie bauten sich in New Jersey ein neues Leben auf. Leo Wolff bemühte sich bis Anfang der 1960er Jahre seine Rückerstattungsansprüche auf seinen ehemaligen Grundbesitz in Aurich geltend zu machen. Mal mehr – mal weniger erfolgreich. Er starb am 16.09.1966 im Alter von 67 Jahren. Seine Ehefrau Betti überlebte ihn noch fast 20 Jahre, sie starb am 3.06.1983 im Alter von 75 Jahren in Atlantic City (New Jersey).

Hinzuzufügen ist, dass auch die Geschwister von Leo Wolff rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten, in die USA und nach Süd-Afrika. Seine Eltern waren schon Anfang der 1930er Jahre in Aurich verstorben. Bettis Mutter dagegen wurde in 1942 im Frauenlager Belsyce ermordet, ihr Vater starb nur wenige Monate vor der drohenden Deportation. Zwei ihrer Schwestern konnten sich ebenfalls in die USA retten.

Josef heiratete im Jahre 1964 und zog mit seiner Frau nach Margate / New Jersey. Sie bekamen zwei Kinder, Gary Wolff, der mit seiner Frau außerhalb von Philadelphia / Pennsylvania lebt und eine erwachsene Tochter hat und Lisa Wolff, die mit ihrem Mann Brad in Washington DC lebt. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Töchter.

Josef starb am  29. April 2022 in Margate / New Jersey im Alter von 88 Jahren.

Während Gunter Demnig die Stolpersteine einsetzt, verliest Helga Oldermann die Biographien.

Unter anderem zwei Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS II Aurich beobachten die Verlegearbeiten.

Von den Paten wurden inzwischen weiße Rosen niedergelegt.

Drei weiße Rosen, niedergelegt zu Ehren von Levy, Betti und Josef Wolff.

 

Das Hausgrundstück Esenser Straße 30 am 29. März 2025.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021), ergänzt am 30.03.2025 (Günther Lübbers)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)

 

Literatur:
Patenschaft: Kirchspiel PauLaJo der Paulusgemeinde Kirchdorf, Lambertigemeinde Aurich und Johannisgemeinde Sandhorst.
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Betti Wolff geb. Stern

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Betti WOLFF geb. Stern
geboren am 12. Februar 1908 in Geisa, Thüringen

Straße: Esenser Str. 30
Todesdatum: 3. Juni 1983
Todesort: Atlantic City, New Jersey, USA
Betti Stern stammte aus Geisa, einem Ort südlich von Eisenach, in der thüringischen Rhön gelegen. Sie wurde am 12.03.1908 geboren und hatte noch vier weitere Geschwister. Ihre Eltern waren Hermann Stern (1873-1942), der aus Preußen stammte, und Johanna Goldschmidt (1879-1942) aus Schlüchtern in Hessen.
Betti heiratete den Auricher Viehhändler Levy Leo Wolff.Dass sich Leo und Betti kennenlernten war bestimmt kein Zufall. Es war durchaus üblich, dass „Ehevermittler“ beauftragt wurden, passende Partner in anderen Regionen als Ostfriesland zu suchen.

Leo Wolff wurde am 26.01.1899 in Aurich geboren, er war der Sohn des Viehhändlers Joseph Levi Wolff (1853-1937) und Henriette, geborene Wolff (1864-1923) und hatte noch fünf weitere Geschwister. Er erlernte bei seinem Vater den Beruf und arbeitete als Viehhändler.

Leo Wolff fasste schon früh den Entschluss, mit seiner Familie Deutschland zu verlassen. Nach dem Novemberpogrom in Aurich wurde er wie viele andere jüdischen Männer aus Aurich im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er kam am 29. November 1938 wieder frei und hatte sich damit zur Auswanderung verpflichtet. Aber schon zwei Jahre zuvor hatte er damit begonnen, sein Land zu verkaufen. Wie sich herausstellen sollte, unter Preis und oft konnte er über den Erlös nicht verfügen, weil ihm dieser nicht ausbezahlt wurde: Er musste die Reichsfluchtsteuer zahlen.

Im Januar 1939 verließ die kleine Familie mit dem vierjährigen Sohn Joseph Aurich in Richtung Niederlande. Am 21. Januar bestiegen sie in Rotterdam ein Schiff und kamen am 30. Januar 1939 in New York an. Dort halfen ihnen Verwandte weiter, die schon Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert waren.

Sie bauten sich in New Jersey ein neues Leben auf. Leo Wolff bemühte sich bis Anfang der 1960er Jahre seine Rückerstattungsansprüche auf seinen ehemaligen Grundbesitz in Aurich geltend zu machen. Mal mehr – mal weniger erfolgreich. Er starb am 16.09.1966 im Alter von 67 Jahren. Seine Ehefrau Betti überlebte ihn noch fast 20 Jahre, sie starb am 3.06.1983 im Alter von 75 Jahren in Atlantic City (New Jersey).

Hinzuzufügen ist, dass auch die Geschwister von Leo Wolff rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten, in die USA und nach Süd-Afrika. Seine Eltern waren schon Anfang der 1930er Jahre in Aurich verstorben. Bettis Mutter dagegen wurde in 1942 im Frauenlager Belsyce ermordet, ihr Vater starb nur wenige Monate vor der drohenden Deportation. Zwei ihrer Schwestern konnten sich ebenfalls in die USA retten.

Während Gunter Demnig die Stolpersteine einsetzt, verliest Helga Oldermann die Biographien.

Unter anderem zwei Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS II Aurich beobachten die Verlegearbeiten.

Von den Paten wurden inzwischen weiße Rosen niedergelegt.

Drei weiße Rosen, niedergelegt zu Ehren von Levy, Betti und Josef Wolff.

 

Das Hausgrundstück Esenser Straße 30 am 29. März 2025.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:
Patenschaft: Aktion 9.11.2014
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Levy „Leo“ Wolff

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Levy „Leo“ WOLFF
geboren am 26. Januar 1899 in Aurich

Straße: Esenser Str. 30
Todesdatum: 16. September 1966
Todesort: Atlantic City, New Jersey, USA
Leo Wolff wurde am 26.01.1899 in Aurich geboren, er war der Sohn des Viehhändlers Joseph Levi Wolff (1853-1937) und seiner Ehefrau  Henriette, geborene Wolff (1864-1923) und hatte noch fünf weitere Geschwister. Er erlernte bei seinem Vater den Beruf und arbeitete als Viehhändler.

Seine Frau Betti Stern stammte aus Geisa, einem Ort südlich von Eisenach, in der thüringischen Rhön gelegen. Sie wurde am 12.03.1908 geboren und hatte noch vier weitere Geschwister. Ihre Eltern waren Hermann Stern (1873-1942), der aus Preußen stammte, und Johanna Goldschmidt (1879-1942) aus Schlüchtern in Hessen.
Dass sich Leo und Betti kennenlernten war bestimmt kein Zufall. Es war durchaus üblich, dass „Ehevermittler“ beauftragt wurden, passende Partner in anderen Regionen als Ostfriesland zu suchen.

Leo Wolff fasste schon früh den Entschluss, Deutschland zu verlassen. Nach dem Novemberpogrom in Aurich wurde er wie viele andere jüdischen Männer aus Aurich im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er kam am 29. November 1938 wieder frei und hatte sich damit zur Auswanderung verpflichtet. Aber schon zwei Jahre zuvor hatte er damit begonnen, sein Land zu verkaufen. Wie sich herausstellen sollte, unter Preis und oft konnte er über den Erlös nicht verfügen, weil ihm dieser nicht ausbezahlt wurde: Er musste die Reichsfluchtsteuer zahlen.

Im Januar 1939 verließ die kleine Familie mit dem vierjährigen Sohn Joseph Aurich in Richtung Niederlande. Am 21. Januar bestiegen sie in Rotterdam ein Schiff und kamen am 30. Januar 1939 in New York an. Dort halfen ihnen Verwandte weiter, die schon Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert waren.

Sie bauten sich in New Jersey ein neues Leben auf. Leo Wolff bemühte sich bis Anfang der 1960er Jahre, seine Rückerstattungsansprüche auf seinen ehemaligen Grundbesitz in Aurich geltend zu machen. Mal mehr – mal weniger erfolgreich. Er starb am 16.09.1966 im Alter von 67 Jahren in Woodbine / New Jersey. Seine Ehefrau Betti überlebte ihn noch fast 20 Jahre, sie starb am 3.06.1983 im Alter von 75 Jahren in Atlantic City (New Jersey).

Hinzuzufügen ist, dass auch die Geschwister von Leo Wolff rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten, in die USA und nach Süd-Afrika. Seine Eltern waren schon Anfang der 1930er Jahre in Aurich verstorben. Bettis Mutter dagegen wurde in 1942 im Frauenlager Belsyce ermordet, ihr Vater starb nur wenige Monate vor der drohenden Deportation. Zwei ihrer Schwestern konnten sich ebenfalls in die USA retten.

Während Gunter Demnig die Stolpersteine einsetzt, verliest Helga Oldermann die Biographien.

Unter anderem zwei Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS II Aurich beobachten die Verlegearbeiten.

Von den Paten wurden inzwischen weiße Rosen niedergelegt.

Drei weiße Rosen, niedergelegt zu Ehren von Levy, Betti und Josef Wolff.

Das Hausgrundstück Esenser Straße 30 am 29. März 2025.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:
Patenschaft: Jens Kramer
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Bela Wallheimer geb. Hoffmann

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Bela WALLHEIMER geb. Hoffmann
geboren am 19. September 1871 in Aurich

Straße: Kirchdorfer Straße 36
Todesdatum: 1963
Todesort: USA
Bela Wallheimer wurde am 19. September 1871 als Bela Hoffmann in Aurich geboren. Ihr Vater Simcha Jacob Hoffmann (1839-1929) war Kornhändler, ihre Mutter hieß Gütel de Beer (1844-1912). Bela war das vierte von zwölf Kindern.

Bela Wallheimer heiratete am 23.06.1897 Abraham Wolff Wallheimer, einen Viehhändler.

Ihr Mann Abraham Wolff hatte sechs Geschwister: Er war der Bruder von Goldine Grünberg (1858-1943), Samuel Wallheimer (1861-1931), Minkel Wallheimer (*1863), Joseph Wallheimer (*1865), Karl Wallheimer (1868-1942) und Jacob Wallheimer (1869-1870).
Sein Cousin, Benjamin Baruch Wallheimer, ist sicher mehreren Aurichern vom „Haus Wallheimer“ am Breiten Weg bekannt.

Belas Mann starb bereits am 3. Januar 1927 in Forlitz-Blaukirchen.

Die Eheleute hatten sechs Kinder: Anne (*1898), Goldine (Lily genannt, verh. Knurr – 1899-1981), Gerta (verh. Waterman *1901), Wolff Abraham (*1903), Susi (*1904) und Kurt (*1916). Schon in der Weimarer Zeit gehen alle Kinder beruflichen Zielen außerhalb Aurichs nach. Sie sind nur zu kurzen Zeiten und Gelegenheiten noch wohnhaft in Aurich.

Aus dem Besitz und der Anlage ihres Hauses kann man vermuten, dass diese Familie vermögend war. Dafür spricht auch die relativ frühe Flucht der Familie in die USA – bereits vor der Zeit der ärgsten Verfolgungen.

Ihre Tochter Goldine „Lily“ heiratet 1922 ebenso standesgemäß Harry Knurr (1896-1957) vom Textilhaus gleichen Namens. Harry Knurr arbeitet in einem Textilgeschäft in Leer, das er 1929 übernimmt. Goldine zieht nach der Hochzeit dorthin. Sie haben fünf Kinder. Die Familie flieht im Januar 1939 in die USA. Harry Knurr ist ein Bruder von Erich Knurr, der das Geschäft in Aurich in der Norderstraße 2 führt.

Bela zieht am 4. Februar 1938 zu ihrer Tochter Lily, nun verheiratete Knurr, nach Leer in die Hindenburgstraße 24, die heutige Mühlenstraße. Ende Mai 1938 flieht sie mit ihrem Sohn Kurt, der zuletzt bei ihr in Aurich wohnte, nach New York. In der Passagierliste ist die Anlaufadresse des Cousins Josef Emil Lichtenfels vermerkt.

Auch ihre anderen Kinder emigrieren nach und nach in die USA.

In der recherchierten Nachgeschichte ist nur wenig über das weitere Leben dieser großen Familie bekannt. Ihr Sohn Kurt ändert in den USA seinen Nachnamen in „Wallace“.

Bela, die sich in den USA „Betty“ nennt, stirbt im Jahr 1963.

Ihre Tochter Lily behauptet später ihren Erbanspruch aus dem nicht überlieferten Testament ihrer Tante Minkel Wallheimer über das Vermögen des kinderlos gebliebenen Paares Calmer Karl Wallheimer und Ehefrau.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)
genealogy.net (Familiendatenbank)
Literatur: Unsere Jüdischen Nachbarn, Archivpädagogische Anlaufstelle Leer
Patenschaft: Brigitte und Joachim Weber
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Siegbert Wolffs

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Siegbert WOLFFS
geboren am 29. Oktober 1912 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1956
Todesort: Chicago, USA
Siegbert Wolffs wird am 29.10.1912 als jüngstes von vier Kindern von Siegfried Meyer Wolffs und Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff geboren.

Seine Mutter, Rosa Wolff, wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa Wolffs geb. Wolff (1939), Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (3.09.1906), Georgine (5.10.1907), Meinhard (27.11.1910) und Siegbert (29.11.1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Wallstr. 25 – Anfang der 1960er Jahre

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren. Er hatte im Jahre 1992 an der „Woche der Begegnung“  mit den ehemaligen Mitbürgern jüdischen Glaubens in seiner Geburtsstadt Aurich teilgenommen.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Angehörigen
Literatur:  
Patenschaft: Horst Feddermann
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Meinhard Wolffs

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Meinhard WOLFFS
geboren am 27. November 1910 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1997
Todesort: Chicago, USA

Meinhard Wolffs (1992) in Aurich

Meinhard Wolffs wird am 27.11.1910 als drittes von vier Kindern von Siegfried Meyer Wolffs und Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff geboren.
Meinhard Wolffs besucht seine Geburtsstadt anlässlich der „Woche der Begegnung“ vom 24.-31.05.1992 mit 51 Gästen, zu der frühere jüdische Mitbürger aus aller Welt eingeladen waren.

Seine Mutter, Rosa Wolff, wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa Wolffs geb. Wolff (1939), Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (3.09.1906), Georgine (5.10.1907), Meinhard (27.11.1910) und Siegbert (29.11.1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Wallstr. 25 – Anfang der 1960er Jahre

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:  
Patenschaft: Hans-Hermann Harms
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Else Wolffs

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Else WOLFFS
geboren am 3. September 1906 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1991
Todesort: Chicago, USA
Else Wolffs wird am 3.09.1906 als erstes von vier Kindern von Siegfried Meyer Wolffs und Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff geboren.

Ihre Mutter, Rosa Wolff, wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa Wolffs geb. Wolff (1939), Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (3.09.1906), Georgine (5.10.1907), Meinhard (27.11.1910) und Siegbert (29.11.1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Wallstr. 25 – Anfang der 1960er Jahre

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren. Er hatte im Jahre 1992 an der „Woche der Begegnung“  mit den ehemaligen Mitbürgern jüdischen Glaubens in seiner Geburtsstadt Aurich teilgenommen.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:
Patenschaft: Arbeitskreis Christen und Juden
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff

Veröffentlicht: 15. August 2011 von westermayer in Verlegung

Rosa Jonas WOLFFS geb. Wolff
geboren am 9. September 1881 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1960
Todesort: Chicago, USA

Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff (1939) Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa Wolff wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (1906), Georgine (1907), Meinhard (1910) und Siegbert (1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Wallstr. 25 – Anfang der 60ger Jahre

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren. Er hatte im Jahre 1992 an der „Woche der Begegnung“  mit den ehemaligen Mitbürgern jüdischen Glaubens in seiner Geburtsstadt Aurich teilgenommen.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank) 
Literatur:
Patenschaft: Matthäus Gemeinde Wallinghausen
Verlegetermin: 24. Juni  2021