Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Josef Wolff

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Josef WOLFF
geboren am 20. Mai 1934 in Aurich

Straße: Esenser Str. 30
Todesdatum: 29. April 2022
Todesort: Margate / New Jersey
Josef Wolff wurde am 20.05.1934 in Aurich geboren. Seine Eltern waren Levy Leo Wolff und Betti Wolff geb. Stern. Josef war erst 4 Jahre alt, als er Aurich mit seinen Eltern verlassen musste. Über sein Leben in den USA konnten wir leider bisher nichts in Erfahrung bringen.

Sein Vater Leo Wolff wurde am 26.01.1899 in Aurich geboren, er war der Sohn des Viehhändlers Joseph Levi Wolff (1853-1937) und Henriette, geborene Wolff (1864-1923) und hatte noch fünf weitere Geschwister. Leo erlernte bei seinem Vater den Beruf und arbeitete als Viehhändler.

Josefs Mutter Betti Stern stammte aus Geisa, einem Ort südlich von Eisenach, in der thüringischen Rhön gelegen. Sie wurde am 12.03.1908 geboren und hatte noch vier weitere Geschwister. Ihre Eltern waren Hermann Stern (1873-1942), der aus Preußen stammte, und Johanna Goldschmidt (1879-1942) aus Schlüchtern in Hessen.

Dass sich Leo und Betti kennenlernten war bestimmt kein Zufall. Es war durchaus üblich, dass „Ehevermittler“ beauftragt wurden, passende Partner in anderen Regionen als Ostfriesland zu suchen.

Leo Wolff fasste schon früh den Entschluss, Deutschland zu verlassen. Nach dem Novemberpogrom in Aurich wurde er wie viele andere jüdischen Männer aus Aurich im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er kam am 29. November 1938 wieder frei und hatte sich damit zur Auswanderung verpflichtet. Aber schon zwei Jahre zuvor hatte er damit begonnen, sein Land zu verkaufen. Wie sich herausstellen sollte, unter Preis und oft konnte er über den Erlös nicht verfügen, weil ihm dieser nicht ausbezahlt wurde: Er musste die Reichsfluchtsteuer zahlen.

Im Januar 1939 verließ die kleine Familie mit dem vierjährigen Sohn Josef Aurich in Richtung Niederlande. Am 21. Januar bestiegen sie in Rotterdam ein Schiff und kamen am 30. Januar 1939 in New York an. Dort halfen ihnen Verwandte (sein Onkel Adolf Watermann) weiter, die schon Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert waren.

Sie bauten sich in New Jersey ein neues Leben auf. Leo Wolff bemühte sich bis Anfang der 1960er Jahre seine Rückerstattungsansprüche auf seinen ehemaligen Grundbesitz in Aurich geltend zu machen. Mal mehr – mal weniger erfolgreich. Er starb am 16.09.1966 im Alter von 67 Jahren. Seine Ehefrau Betti überlebte ihn noch fast 20 Jahre, sie starb am 3.06.1983 im Alter von 75 Jahren in Atlantic City (New Jersey).

Hinzuzufügen ist, dass auch die Geschwister von Leo Wolff rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten, in die USA und nach Süd-Afrika. Seine Eltern waren schon Anfang der 1930er Jahre in Aurich verstorben. Bettis Mutter dagegen wurde in 1942 im Frauenlager Belsyce ermordet, ihr Vater starb nur wenige Monate vor der drohenden Deportation. Zwei ihrer Schwestern konnten sich ebenfalls in die USA retten.

Josef heiratete im Jahre 1964 und zog mit seiner Frau nach Margate / New Jersey. Sie bekamen zwei Kinder, Gary Wolff, der mit seiner Frau außerhalb von Philadelphia / Pennsylvania lebt und eine erwachsene Tochter hat und Lisa Wolff, die mit ihrem Mann Brad in Washington DC lebt. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Töchter.

Josef starb am  29. April 2022 in Margate / New Jersey im Alter von 88 Jahren.

Während Gunter Demnig die Stolpersteine einsetzt, verliest Helga Oldermann die Biographien.

Unter anderem zwei Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS II Aurich beobachten die Verlegearbeiten.

Von den Paten wurden inzwischen weiße Rosen niedergelegt.

Drei weiße Rosen, niedergelegt zu Ehren von Levy, Betti und Josef Wolff.

 

Das Hausgrundstück Esenser Straße 30 am 29. März 2025.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021), ergänzt am 30.03.2025 (Günther Lübbers)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)

 

Literatur:
Patenschaft: Kirchspiel PauLaJo der Paulusgemeinde Kirchdorf, Lambertigemeinde Aurich und Johannisgemeinde Sandhorst.
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Betti Wolff geb. Stern

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Betti WOLFF geb. Stern
geboren am 12. Februar 1908 in Geisa, Thüringen

Straße: Esenser Str. 30
Todesdatum: 3. Juni 1983
Todesort: Atlantic City, New Jersey, USA
Betti Stern stammte aus Geisa, einem Ort südlich von Eisenach, in der thüringischen Rhön gelegen. Sie wurde am 12.03.1908 geboren und hatte noch vier weitere Geschwister. Ihre Eltern waren Hermann Stern (1873-1942), der aus Preußen stammte, und Johanna Goldschmidt (1879-1942) aus Schlüchtern in Hessen.
Betti heiratete den Auricher Viehhändler Levy Leo Wolff.Dass sich Leo und Betti kennenlernten war bestimmt kein Zufall. Es war durchaus üblich, dass „Ehevermittler“ beauftragt wurden, passende Partner in anderen Regionen als Ostfriesland zu suchen.

Leo Wolff wurde am 26.01.1899 in Aurich geboren, er war der Sohn des Viehhändlers Joseph Levi Wolff (1853-1937) und Henriette, geborene Wolff (1864-1923) und hatte noch fünf weitere Geschwister. Er erlernte bei seinem Vater den Beruf und arbeitete als Viehhändler.

Leo Wolff fasste schon früh den Entschluss, mit seiner Familie Deutschland zu verlassen. Nach dem Novemberpogrom in Aurich wurde er wie viele andere jüdischen Männer aus Aurich im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er kam am 29. November 1938 wieder frei und hatte sich damit zur Auswanderung verpflichtet. Aber schon zwei Jahre zuvor hatte er damit begonnen, sein Land zu verkaufen. Wie sich herausstellen sollte, unter Preis und oft konnte er über den Erlös nicht verfügen, weil ihm dieser nicht ausbezahlt wurde: Er musste die Reichsfluchtsteuer zahlen.

Im Januar 1939 verließ die kleine Familie mit dem vierjährigen Sohn Joseph Aurich in Richtung Niederlande. Am 21. Januar bestiegen sie in Rotterdam ein Schiff und kamen am 30. Januar 1939 in New York an. Dort halfen ihnen Verwandte weiter, die schon Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert waren.

Sie bauten sich in New Jersey ein neues Leben auf. Leo Wolff bemühte sich bis Anfang der 1960er Jahre seine Rückerstattungsansprüche auf seinen ehemaligen Grundbesitz in Aurich geltend zu machen. Mal mehr – mal weniger erfolgreich. Er starb am 16.09.1966 im Alter von 67 Jahren. Seine Ehefrau Betti überlebte ihn noch fast 20 Jahre, sie starb am 3.06.1983 im Alter von 75 Jahren in Atlantic City (New Jersey).

Hinzuzufügen ist, dass auch die Geschwister von Leo Wolff rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten, in die USA und nach Süd-Afrika. Seine Eltern waren schon Anfang der 1930er Jahre in Aurich verstorben. Bettis Mutter dagegen wurde in 1942 im Frauenlager Belsyce ermordet, ihr Vater starb nur wenige Monate vor der drohenden Deportation. Zwei ihrer Schwestern konnten sich ebenfalls in die USA retten.

Während Gunter Demnig die Stolpersteine einsetzt, verliest Helga Oldermann die Biographien.

Unter anderem zwei Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS II Aurich beobachten die Verlegearbeiten.

Von den Paten wurden inzwischen weiße Rosen niedergelegt.

Drei weiße Rosen, niedergelegt zu Ehren von Levy, Betti und Josef Wolff.

 

Das Hausgrundstück Esenser Straße 30 am 29. März 2025.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:
Patenschaft: Aktion 9.11.2014
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Levy „Leo“ Wolff

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Levy „Leo“ WOLFF
geboren am 26. Januar 1899 in Aurich

Straße: Esenser Str. 30
Todesdatum: 16. September 1966
Todesort: Atlantic City, New Jersey, USA
Leo Wolff wurde am 26.01.1899 in Aurich geboren, er war der Sohn des Viehhändlers Joseph Levi Wolff (1853-1937) und seiner Ehefrau  Henriette, geborene Wolff (1864-1923) und hatte noch fünf weitere Geschwister. Er erlernte bei seinem Vater den Beruf und arbeitete als Viehhändler.

Seine Frau Betti Stern stammte aus Geisa, einem Ort südlich von Eisenach, in der thüringischen Rhön gelegen. Sie wurde am 12.03.1908 geboren und hatte noch vier weitere Geschwister. Ihre Eltern waren Hermann Stern (1873-1942), der aus Preußen stammte, und Johanna Goldschmidt (1879-1942) aus Schlüchtern in Hessen.
Dass sich Leo und Betti kennenlernten war bestimmt kein Zufall. Es war durchaus üblich, dass „Ehevermittler“ beauftragt wurden, passende Partner in anderen Regionen als Ostfriesland zu suchen.

Leo Wolff fasste schon früh den Entschluss, Deutschland zu verlassen. Nach dem Novemberpogrom in Aurich wurde er wie viele andere jüdischen Männer aus Aurich im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er kam am 29. November 1938 wieder frei und hatte sich damit zur Auswanderung verpflichtet. Aber schon zwei Jahre zuvor hatte er damit begonnen, sein Land zu verkaufen. Wie sich herausstellen sollte, unter Preis und oft konnte er über den Erlös nicht verfügen, weil ihm dieser nicht ausbezahlt wurde: Er musste die Reichsfluchtsteuer zahlen.

Im Januar 1939 verließ die kleine Familie mit dem vierjährigen Sohn Joseph Aurich in Richtung Niederlande. Am 21. Januar bestiegen sie in Rotterdam ein Schiff und kamen am 30. Januar 1939 in New York an. Dort halfen ihnen Verwandte weiter, die schon Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert waren.

Sie bauten sich in New Jersey ein neues Leben auf. Leo Wolff bemühte sich bis Anfang der 1960er Jahre, seine Rückerstattungsansprüche auf seinen ehemaligen Grundbesitz in Aurich geltend zu machen. Mal mehr – mal weniger erfolgreich. Er starb am 16.09.1966 im Alter von 67 Jahren in Woodbine / New Jersey. Seine Ehefrau Betti überlebte ihn noch fast 20 Jahre, sie starb am 3.06.1983 im Alter von 75 Jahren in Atlantic City (New Jersey).

Hinzuzufügen ist, dass auch die Geschwister von Leo Wolff rechtzeitig ins Ausland flüchten konnten, in die USA und nach Süd-Afrika. Seine Eltern waren schon Anfang der 1930er Jahre in Aurich verstorben. Bettis Mutter dagegen wurde in 1942 im Frauenlager Belsyce ermordet, ihr Vater starb nur wenige Monate vor der drohenden Deportation. Zwei ihrer Schwestern konnten sich ebenfalls in die USA retten.

Während Gunter Demnig die Stolpersteine einsetzt, verliest Helga Oldermann die Biographien.

Unter anderem zwei Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS II Aurich beobachten die Verlegearbeiten.

Von den Paten wurden inzwischen weiße Rosen niedergelegt.

Drei weiße Rosen, niedergelegt zu Ehren von Levy, Betti und Josef Wolff.

Das Hausgrundstück Esenser Straße 30 am 29. März 2025.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:
Patenschaft: Jens Kramer
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Bela Wallheimer geb. Hoffmann

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Bela WALLHEIMER geb. Hoffmann
geboren am 19. September 1871 in Aurich

Straße: Kirchdorfer Straße 36
Todesdatum: 1963
Todesort: USA
Bela Wallheimer wurde am 19. September 1871 als Bela Hoffmann in Aurich geboren. Ihr Vater Simcha Jacob Hoffmann (1839-1929) war Kornhändler, ihre Mutter hieß Gütel de Beer (1844-1912). Bela war das vierte von zwölf Kindern.

Bela Wallheimer heiratete am 23.06.1897 Abraham Wolff Wallheimer, einen Viehhändler.

Ihr Mann Abraham Wolff hatte sechs Geschwister: Er war der Bruder von Goldine Grünberg (1858-1943), Samuel Wallheimer (1861-1931), Minkel Wallheimer (*1863), Joseph Wallheimer (*1865), Karl Wallheimer (1868-1942) und Jacob Wallheimer (1869-1870).
Sein Cousin, Benjamin Baruch Wallheimer, ist sicher mehreren Aurichern vom „Haus Wallheimer“ am Breiten Weg bekannt.

Belas Mann starb bereits am 3. Januar 1927 in Forlitz-Blaukirchen.

Die Eheleute hatten sechs Kinder: Anne (*1898), Goldine (Lily genannt, verh. Knurr – 1899-1981), Gerta (verh. Waterman *1901), Wolff Abraham (*1903), Susi (*1904) und Kurt (*1916). Schon in der Weimarer Zeit gehen alle Kinder beruflichen Zielen außerhalb Aurichs nach. Sie sind nur zu kurzen Zeiten und Gelegenheiten noch wohnhaft in Aurich.

Aus dem Besitz und der Anlage ihres Hauses kann man vermuten, dass diese Familie vermögend war. Dafür spricht auch die relativ frühe Flucht der Familie in die USA – bereits vor der Zeit der ärgsten Verfolgungen.

Ihre Tochter Goldine „Lily“ heiratet 1922 ebenso standesgemäß Harry Knurr (1896-1957) vom Textilhaus gleichen Namens. Harry Knurr arbeitet in einem Textilgeschäft in Leer, das er 1929 übernimmt. Goldine zieht nach der Hochzeit dorthin. Sie haben fünf Kinder. Die Familie flieht im Januar 1939 in die USA. Harry Knurr ist ein Bruder von Erich Knurr, der das Geschäft in Aurich in der Norderstraße 2 führt.

Bela zieht am 4. Februar 1938 zu ihrer Tochter Lily, nun verheiratete Knurr, nach Leer in die Hindenburgstraße 24, die heutige Mühlenstraße. Ende Mai 1938 flieht sie mit ihrem Sohn Kurt, der zuletzt bei ihr in Aurich wohnte, nach New York. In der Passagierliste ist die Anlaufadresse des Cousins Josef Emil Lichtenfels vermerkt.

Auch ihre anderen Kinder emigrieren nach und nach in die USA.

In der recherchierten Nachgeschichte ist nur wenig über das weitere Leben dieser großen Familie bekannt. Ihr Sohn Kurt ändert in den USA seinen Nachnamen in „Wallace“.

Bela, die sich in den USA „Betty“ nennt, stirbt im Jahr 1963.

Ihre Tochter Lily behauptet später ihren Erbanspruch aus dem nicht überlieferten Testament ihrer Tante Minkel Wallheimer über das Vermögen des kinderlos gebliebenen Paares Calmer Karl Wallheimer und Ehefrau.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Familiendatenbank)
genealogy.net (Familiendatenbank)
Literatur: Unsere Jüdischen Nachbarn, Archivpädagogische Anlaufstelle Leer
Patenschaft: Brigitte und Joachim Weber
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Siegbert Wolffs

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Siegbert WOLFFS
geboren am 29. Oktober 1912 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1956
Todesort: Chicago, USA
Siegbert Wolffs wird am 29.10.1912 als jüngstes von vier Kindern von Siegfried Meyer Wolffs und Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff geboren.

Seine Mutter, Rosa Wolff, wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa Wolffs geb. Wolff (1939), Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (3.09.1906), Georgine (5.10.1907), Meinhard (27.11.1910) und Siegbert (29.11.1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Wallstr. 25 – Anfang der 1960er Jahre

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren. Er hatte im Jahre 1992 an der „Woche der Begegnung“  mit den ehemaligen Mitbürgern jüdischen Glaubens in seiner Geburtsstadt Aurich teilgenommen.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Informationen von Angehörigen
Literatur:  
Patenschaft: Horst Feddermann
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Meinhard Wolffs

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Meinhard WOLFFS
geboren am 27. November 1910 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1997
Todesort: Chicago, USA

Meinhard Wolffs (1992) in Aurich

Meinhard Wolffs wird am 27.11.1910 als drittes von vier Kindern von Siegfried Meyer Wolffs und Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff geboren.
Meinhard Wolffs besucht seine Geburtsstadt anlässlich der „Woche der Begegnung“ vom 24.-31.05.1992 mit 51 Gästen, zu der frühere jüdische Mitbürger aus aller Welt eingeladen waren.

Seine Mutter, Rosa Wolff, wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa Wolffs geb. Wolff (1939), Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (3.09.1906), Georgine (5.10.1907), Meinhard (27.11.1910) und Siegbert (29.11.1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Wallstr. 25 – Anfang der 1960er Jahre

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:  
Patenschaft: Hans-Hermann Harms
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Else Wolffs

Veröffentlicht: 16. August 2011 von westermayer in Verlegung

Else WOLFFS
geboren am 3. September 1906 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1991
Todesort: Chicago, USA
Else Wolffs wird am 3.09.1906 als erstes von vier Kindern von Siegfried Meyer Wolffs und Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff geboren.

Ihre Mutter, Rosa Wolff, wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa Wolffs geb. Wolff (1939), Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (3.09.1906), Georgine (5.10.1907), Meinhard (27.11.1910) und Siegbert (29.11.1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Wallstr. 25 – Anfang der 1960er Jahre

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren. Er hatte im Jahre 1992 an der „Woche der Begegnung“  mit den ehemaligen Mitbürgern jüdischen Glaubens in seiner Geburtsstadt Aurich teilgenommen.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:
Patenschaft: Arbeitskreis Christen und Juden
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff

Veröffentlicht: 15. August 2011 von westermayer in Verlegung

Rosa Jonas WOLFFS geb. Wolff
geboren am 9. September 1881 in Aurich

Straße: Wallstraße 25
Todesdatum: 1960
Todesort: Chicago, USA

Rosa Jonas Wolffs geb. Wolff (1939) Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Rosa Wolff wird im Jahr 9.09.1881 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jonas Levy Wolff (*10.07.1849 +26.10.1915) und Georgine Meyer Wolff (*26.05.1846 +24.10.1919). Sie hat eine ältere Schwester Marianna Jonas Wolff ver. Cohen (1878-1941) und einen älteren Bruder Meyer Jonas Wolff (*1879).

Rosa heiratet zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Schlachter Siegfried Meyer Wolffs. Er ist das 4. Kind von 9 Kindern des Schlachters Meyer Selig Wolff (*17.04.1840 +13.10.1893) und Ester Cosmann geb. Hoffmann(*4.01.1841 +14.12.1909). Seine Familie lebte in der Osterstraße 28.

Siegfried und ebenso Rosa kommen aus Familien, die sich in Aurich bis in das 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen.

Rosa und Siegfried haben zusammen vier Kinder: Else (1906), Georgine (1907), Meinhard (1910) und Siegbert (1912). Georgine wird nur wenige Wochen alt.

Rosas Ehemann Siegfried Meyer Wolffs dient im 1. Weltkrieg als Landsturmmann bei einer Straßenbaukompanie. Er wird schwer verletzt und stirbt am 26.10.1918 im Feldlazarett in La Capellle (etwa 100km nördlich von Reims nahe der belgischen Grenze).

Nach diesem Schicksalsschlag muss Rosa in den schweren Nachkriegsjahren ihre drei Kinder allein großziehen. Die drei waren damals erst 6, 8 und 12 Jahre alt.

Wallstr. 25 – Anfang der 60ger Jahre

Der älteste Sohn, Meinhard, arbeitet später als Viehhändler, sein jüngerer Bruder Siegbert erlernt den Beruf des Schlachters und wird Schlachtergeselle.

Meinhard zieht 1925 für eineinhalb Jahre nach Jever. Er ist dann der erste der Familie, der den Schritt der Auswanderung (eher eine Flucht aus dem Nazi-Deutschland) wagt. Im Januar 1938 zieht er in die USA nach Chicago. Sein Bruder Siegbert folgt ihm 9 Monate später im Oktober 1938. Siegberts Name findet sich in der Passagierliste des Schiffes „Europa“. Demnach fuhr ein „Siegbert Wolffs, ledig, 26J., aus Aurich, Schlachtergeselle“, mit dem Schiff „Europa“ am 14.10.1938 von Bremen nach New York mit dem Ziel Chicago.

Da in dieser Zeit in Chicago mehr Fleisch verarbeitet wurde, als in jedem anderen Ort der Welt, muss es für Siegbert als Schlachtergeselle nicht allzu schwer gewesen sein, eine Anstellung zu finden.

Meinhard und Siegbert konnten mit ihrer rechtzeitigen Ausreise der Pogromnacht vom 9.11.1938 entgehen. Ihre Mutter Rosa Wolff und die Schwester Else mussten die Gräueltaten der Nazis in Aurich miterleben.

Als alle jüdischen Bürger spätesten im Frühjahr 1940 Aurich verlassen müssen, zieht Rosa mit ihrer Tochter nach Hamburg. Von dort müssen sie in die USA ausgereist sein. Leider konnte ich sie in keiner Passagierliste finden. Dafür fand ich in der jüdischen Zeitung „Aufbau – Otra Alemania“ aus dem Jahr 1946 eine Geburtstagsanzeige zu Rosas 65. Geburtstag. Sie lautet: „65. Geburtstag: Rosa Wolffs (fr. Aurich), 9. Sept.: 816 West Montrose Ave., Chicago, III.“

Über das weitere Leben von Rosa und ihren Kindern konnte ich leider wenig in Erfahrung bringen. Die Genealogiedatenbanken weisen aus, dass die drei Kinder unverheiratet blieben.

Rosa stellte eine Rückerstattungsantrag für eingezogenen Grundbesitz. Die Akten finden sich im NLA Aurich.

Immerhin konnte ich Einträge auf der Homepage eines jüdischen Friedhofs in der Lincolnwood in der Nähe von Chicago finden. Demnach wurden alle vier Familienmitglieder auf dem New Light Cemetary beerdigt: Siegbert verstarb bereits 1956 im Alter von 44 Jahren, vier Jahre später (1960) starb seine Mutter Rosa im Alter von 79 Jahren. Else verstarb 1991 – sie wurde 85 Jahre alt – und Meinhard 1997 im Alter von 87 Jahren. Er hatte im Jahre 1992 an der „Woche der Begegnung“  mit den ehemaligen Mitbürgern jüdischen Glaubens in seiner Geburtsstadt Aurich teilgenommen.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank) 
Literatur:
Patenschaft: Matthäus Gemeinde Wallinghausen
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Moses Feingersch

Veröffentlicht: 15. August 2011 von westermayer in Verlegung

Moses FEINGERSCH
geboren am 17. März 1916 in Celle

Straße: Wallstraße 24
Todesdatum: 2008
Todesort:  Haifa / Israel
Geboren wird Moses Feingersch am 17.03.1916 in Celle als 5. Kind von Isaak (geb.17.07.1885 in Odessa, 1941 nach Riga deportiert, verschollen in Stutthof) und Rebecca Feingersch geb. Aswolinskaja (geb. 17.06.1887 bei Odessa, 1941 nach Riga deportiert, dort ermordet).

1912 emigrieren sie mit ihrer Tochter Marie von Odessa nach Frankfurt am Main.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges werden sie als russische Staatsangehörige verhaftet. Wegen schwieriger Lebensbedingungen im Lager Holzminden, meldet Isaak sich freiwillig zur Arbeit im Kaliwerk in Ovelgönne bei Celle, wohin die Familie nachziehen darf und sich auf insgesamt sieben Söhne und drei Töchter vergrößert.

Nach der Stilllegung des Kaliwerks findet Isaak Feingersch Arbeit in Celle. 1937 ziehen die Eltern mit den jüngsten Kindern Benjamin und Hermann nach Celle.

Die anderen 5 Söhne können ihre Auswanderung 1937 nach Palästina in verschiedenen Lagern vorbereiten und rechtzeitig auswandern, darunter auch Moses Feingersch.

Die drei Töchter werden von Holland aus nach Auschwitz deportiert und vergast.

Moses Feingersch, geb 1916 in Celle, kommt am 15.04.1930 als Tischler-Volontär nach Aurich und wohnt nacheinander zur Untermiete bei Familie Löwenstein im Lüchtenburgerweg, ab 01.03.1931 am Ostertorplatz 13 bei Familie Wolff und ab 10.07.1935 bei Familie Hoffmann in der Wallstr. 24.

Ab 01.08.1935 wird er auf Gut Westerfeld in Kirchdorf auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitet, wohin er mit Vieren seiner Brüder (s.o.) 1937 auswandert und danach in Haifa/Israel lebt. Moses stirbt dort im Jahre 2008.

Für Moses und seine Geschwister David, Rafael, Sally, Elias und Benjamin liegen seit Februar 2024 Stolpersteine in Celle, Im Kreise 24

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)

https://spurenimvest.de/2026/08/20/feingersch-moses/

Literatur:
Patenschaft: Margot Blesene
Verlegetermin: 24. Juni  2021

 

 

 

Wolff Hess

Veröffentlicht: 15. August 2011 von westermayer in Verlegung

Wolff HESS
geboren am 20. Februar 1887 in Dornum

Straße: Wallstraße 6
Todesdatum: Deportation nach Sobibor am 15. Juni 1942
Todesort: Sobibor
Wolff Hess wurde im Februar 1887 in Dornum geboren. Er zog im August 1936 nach Aurich und wurde im April 1940 in eine jüdische Heil- und Pflegeanstalt in Bendorf – Sayn bei Koblenz gebracht. Am 15. Juni 1942 wurde er mit anderen dort ansässigen Juden in ein Vernichtungslager in Polen deportiert und ermordet.

Wolff Hess wuchs in Dornum auf. Sein Vater, der Schlachter und Viehhändlers Moses Hess, und dessen Frau Bertha, geborene Wolffs, hatten insgesamt dreizehn Kinder, von denen aber neun im Säuglings- und Kindesalter starben. (Die Familie war in Dornum gut integriert, der Vater Moses Hess war u.a. Mitglied im Schützenverein – und wurde 1920 sogar Dornumer Schützenkönig.)

Wolff Hess zog im Sommer 1936 nach Aurich. Dorthin hatte sich auch seine Mutter Bertha, die mittlerweile verwitwet war, gewendet. Außerdem wohnten hier schon zwei seiner Schwestern: Die unverheiratete jüngere Käthe hatte, sie war leicht geistig benachteiligt, eine Anstellung als Hausmädchen gefunden. Für sie wurde bereits in der Wallstraße 56 ein Stolperstein verlegt. Seine Schwester Henriette hatte schon früh in die jüdische Wolff – Familie in Aurich eingeheiratet. Für sie wurde in der Wallstraße 54 ein Stolperstein verlegt.

Als der unverheiratete und berufslose Wolff Hess nach Aurich kam, konnte er sich also der Unterstützung seiner Verwandten sicher sein.

In Aurich wohnte er hier in der Wallstraße im Laufe der nächsten Jahre bei verschiedenen jüdischen Familien zur Untermiete: bei den Kussels, Wolffs und 2 Jahre bei den Stoppelmanns, in der Wallstr. 6 (8).

Seiner Schwester Henriette gelang Ende 1937 mit ihrem 2. Mann und den Kindern die Flucht über die Niederlande nach Buenos Aires, ebenso seiner Mutter Bertha Hess.

Seine Schwester Käthe wurde im April 1940 aus Aurich vertrieben, sie kam im Ghetto Litzmannstadt (Lodz) um. Auch Wolff Hess konnte nicht bleiben, denn Aurich wurde im Frühjahr 1940 für „judenfrei“ erklärt.

Er wurde im April 1940 in die Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt in Bendorf – Sayn bei Koblenz gebracht. Diese Heilanstalt war eine besondere Einrichtung für jüdische „Nerven- und Gemüthskranke“.

Die Einrichtung war 1869 gegründet worden, um auch jüdische Patienten koscher versorgen zu können. Die Nachfrage war groß, die Patienten, auch nicht-jüdische, kamen aus ganz Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern. Es war eine angesehene, exklusive Einrichtung. Das änderte sich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. 1940 wurde vom Innenministerium bestimmt, dass „geisteskranke Juden“, da ein „Zusammenwohnen Deutscher mit Juden auf die Dauer nicht tragbar ist“, nur noch in … der Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn, Kreis Koblenz“ aufgenommen werden durften. Die Anstalt bekam den Charakter eines Sammellagers und wurde in die Organisation der „Endlösung der Judenfrage“ einbezogen.

Die Heilanstalt war bald maßlos überfüllt. Um die über 500 Patienten unterzubringen, ließ die Reichsregierung Baracken im Hof der Anstalt aufstellen. Die Möglichkeit, jüdische Patienten an einem Ort zu konzentrieren, diente der Vorbereitung ihrer Deportation.

Auch die jüdischen Bürger Bendorfs wurden wie Patienten der Jacoby’schen Heilanstalt selektiert, auf dem Sayner Bahnhof in Güterwaggons gepfercht und nach Koblenz zum Sammeltransport gebracht. Nach den Akten der Geheimen Staatspolizei Koblenz fanden 1942 fünf Transporte statt, knapp 600 Personen wurden in die Vernichtungslager des Ostens gebracht. Wolff Hess wurde am 15. Juni 1942 deportiert, mit weiteren 331 Juden, größtenteils Patienten der Heil- und Pflegeanstalt für Nervenkranke.

Besonders perfide: Die Geheime Staatspolizei in Koblenz versuchte den wahren Charakter der brutalen Verschleppung zu verschleiern, indem sie auf der Deportationsliste vom 15. Juni 1942 vermerken ließ: „Es wird hiermit bestätigt, dass die in der vorstehenden Liste aufgeführten Juden …. ausgewandert sind und somit, soweit sie die deutsche Staatsangehörigkeit besessen haben, diese verloren haben.“

Wolff Hess starb im Vernichtungslager Sobibor.

P.S.: Einer der Patienten war der jüdische Dichter Jakob van Hoddis (Expressionist), der 1909 mit einer Reihe gleichgesinnter Dichter den „Neuen Club“ gegründet hatte und 1911 durch sein Gedicht “ Weltende“ berühmt wurde. Auch er wurde im Mai 1942 nach Sobibor deportiert und dort ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 24.06.2021)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Judenregister Aurich, Rep. 248, Nr. 943, S. 188, Nr. 255
Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:  
Patenschaft: Kollekte 27.01.2015
Verlegetermin: 24. Juni  2021