Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Dina Samson geb. Buxbaum

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Dina  SAMSON geb. Buxbaum
geboren am 24. November 1919 in Rennertehausen, Kreis Frankenberg-Eder

Straße: Esenser Straße 107 (füher: Sandhorst 8, Coldehörn)
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 2.03.1943)
Todesort: Auschwitz
Dina Samson, geboren als Dina Buxbaum am 24.11.1919 in Rennertehausen Kreis Frankenberg-Eder, wohnte in Aurich Sandhorst, Gut Coldehörn. Dina Samson ist das Kind der Eltern des Kaufmanns Simon Buxbaum *17.04.1874 in Römersberg und Auguste Stern *12.07.1876 in Battenberg.
Am 24.06.1936 zieht sie von Kerstenhausen/Fritzlar nach Aurich in die von- Jhering-Str. 27 (bei Iwan Samson, einem Cousin ihres späteren Ehemanns Julius Samson) und ab 1.07.1937 lebt sie in der Osterstraße 13 bei Sally Goldschmidt, einem Bruder von Hedwig Samson, ihrer späteren Schwiegermutter. In Aurich lernt sie Julius Samson kennen. Sie zieht am 17.03.1938 noch einmal nach Kerstenhausen, ihrer oberhessischen Heimat. Sie heiratet Julius Samson am 24.11.39 in Aurich. Trauzeugen sind der Schwiegervater Abraham und dessen Bruder Herz (Ausschnitt der Heiratsurkunde s. u.). Im April 1940 zieht das Paar nach Dortmund, wo die Eltern Samson und Julius’ Schwester Emmi bereits leben. Sie wohnen zuerst in der Saarlandstraße71, dann in der Weiherstraße 75 und zuletzt Königswall 44 – alles Judenhäuser. Das Paar bekommt zwei Kinder: Reha *16.07.1940 und Dan *4.07.1942.
Ihr Mann Julius leistet Zwangsarbeit in einer Dortmunder Tiefbaufirma. Am 2.03.1943, im Anschluss an die reichsweiten „Fabrikaktionen“, wird die ganze Familie nach Auschwitz deportiert.Am 27. 02. 43 wird Julius Samson an seiner Arbeitsstelle verhaftet und in ein Sammellager, die Gaststätte Deutsches Haus am Brackeler Hellweg, eingesperrt. Seine Familie wird aufgefordert, sich am nächsten Tag dort einzufinden. Am 2. März dann um acht Uhr müssen sich alle auf den Weg zum Südbahnhof machen. Von Brackel mit der Straßenbahn bis zum Ostentor, dann müssen sie in Formation zum Südbahnhof marschieren. Dort steht schon eine Lokomotive unter Dampf mit angehängten Viehwaggons bereit. Am Abend des 3. März kommt der Zug in Auschwitz an. „Männer nach rechts, Frauen nach links“. Julius Samson wird mit 50 anderen auf einen offenen Lastwagen verladen, der sie nach Auschwitz-Monowitz bringt. Der Kopf wird ihm zum zweiten Mal im Lebens kahl geschoren und er bekommt die Nummer 105496 auf den linken Unterarm eintätowiert.Dort, aufgrund der allerhärtesten Arbeitsbedingungen – die Baustelle Buna-Werk wird im übrigen zivil von Ingenieuren der IG-Farben geführt – sterben täglich Dutzende. Oder sie werden nach sogen. Überstellungslisten nach Auschwitz-Birkenau gebracht, weil sie krank und nicht mehr ausbeutbar waren. Ein solcher Überstellungseintrag fehlt. Man kann annehmen, Julius Samson ist im Krankenbau Monowitz dort an unbekanntem Datums, gestorben.

 

Dina wird mit den Kindern Reha und Dan am 3.03.1943 in der Nacht zum 4.03. -unmittelbar nach Ankunft – in die Gaskammer geschickt.

 

 Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.01.2016)
Foto: – Heiratsurkunde (Ausschnitt mit Namen der Trauzeugen)
– Neujahrsabend bei Goldschmidts (Foto undatiert: Lorraine Hoffmann – Milwaukee)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv
– Standesamt Aurich, Heiratsregister
– Stadtarchiv Dortmund, Markus Günnewig, Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.
Literatur: Verfolgung und Vernichtung, Dr. Rolf Fischer, Stadt Dortmund Essen 2015
Patenschaft: Ulrich Kötting
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

Heiratsurkunde Julius Samson und Dina Buxbaum am 24. 11. 39 in Aurich (Ausschnitt mit Unterschriften der Trauzeugen)

 

 

 

 

 

 

 

 

Neujahrsabend bei Goldschmidts

 

 

 

 

 

 

von links: Dina Buxbaum, Julius Samson, Emmi Samson = Julius‘ Schwester, Harri Hoffmann, dann Martha Moses des Lehrers Moses‘ Tochter und Hanna Sondhelms Mutter, Manfred Hoffman in den Armen von Herta Goldschmidt = zukünftige Frau von Harri. und vorne sind Mary Gidansky und Henry Lachmann. Die beiden Personen rechts daneben sind unbekannt.

 

 

 

 

Fritz Seckels

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Fritz SECKELS
geboren am 30. Mai 1907 in Aurich

Straße: Marktstraße 22
Todesdatum: 1943 Deportation nach Theresienstadt
Todesort: unbekannt

Fritz Seckels, Kennkarte 1939, NLA Aurich

Fritz Seckels wird am 30.05.1907 als Sohn von Moses Feibelmann Seckels (1857-1943) und seiner Ehefrau Rieke geb. Rothschild (1871-1926) geboren. Moses Seckels war mit ihr in zweiter Ehe verheiratet. Fritz hat einen jüngeren Bruder Joseph, geboren am 6.08.1911.

Fritz wohnt bei seinen Eltern und hilft im Antik Geschäft seines Vaters.

In der Reichspogromnacht vom 9./10.11.1938 wird er – ebenso wie sein Bruder Joseph – verhaftet, misshandelt und anschließend bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Am 5.04.1940 muss er zusammen mit seinem Vater Moses Seckels und seiner Stiefmutter Rosa Aurich verlassen – so wie alle Auricher Juden. Sie ziehen nach Braunschweig, wohnen dort unter schwierigen Verhältnissen in einem mehrstöckigen „Judenhaus“ in der Ferdinandstraße 9 und werden am 16.03.1942 nach Theresienstadt deportiert. Hier verliert sich ihre Spur.

Zur ausführlichen Geschichte der Familie seines Vaters:
Moses Feibelmann Seckels gehört einer alteingesessenen, weitverzweigten Auricher Familie an. Während der ersten Verlegung in der Osterstraße haben wir schon seiner Verwandten gedacht: Sein Cousin Seckel Seckels führte dort ein Bekleidungsgeschäft.

Moses Feibelmann Seckels, Kennkarte 1939, NLA Aurich

Moses Zwy Feibelmann wird am 25. November 1857 geboren. Er stammt aus einer Kaufmanns- und Händlerfamilie. Sein Vater ist Feibelmann Jacob Seckels (1821-1907), seine Mutter Mienke Moses Cohen (1819-1874) stammt aus Neustadt-Gödens.

Moses heiratet in seiner ersten Ehe Emma Isenburger (1856 – 1901) aus Friedberg in Hessen. Ihre jüngere Schwester Sophie (1864- 1943 nach Auschwitz deportiert) heiratet ebenfalls nach Aurich (den Kaufmann Seckel Joseph Seckels (1861-1936). Für Sophie Seckels wurde am 8.11.2011 der erste von über 400 Stolpersteinen in Aurich verlegt, für ihren Mann Seckel am 16.11.2019 ein weiterer.

Aus der Ehe von Moses und Emma Seckels stammen neun Kinder:
21.08. 1883 Julius Jacob (überlebt den Holocaust)
24.07.1885 – 8.09.1931 Minchen verh. Leezen
2.05.1887 Siegmund, gefallen 7.03.1917
17.02.1889 Ella
20.01.1891 Albert, gefallen 6.07.1917
27.01. 1893 Olga, verschollen 1916
17.10.1895 Selma Moses, von Köln nach Litzmannstadt deportiert am 22.10.1041,
nach Kulmhof am 6.05.1942
28.05.1898 Harry, von Drancy nach Auschwitz deportiert am 28.08.1942
28.05.1898 Richard (Zwillingsbruder), von Köln nach Minsk deportiert am 20.07.1942

Zwei seiner Söhne fielen im Ersten Weltkrieg. 1935 wird Moses von der Stadt noch ein Ehrenkreuz verliehen für Eltern, die ihre Kinder im Krieg verloren hatten.
Die Kinder aus erster Ehe verlassen Aurich in den zwanziger Jahren. Den Holocaust überlebt hat nur Julius Jacob und zwei Töchter seines Sohnes Harry, die in Israel überlebten.
Moses Feibelmanns erste Frau Emma Isenburger stirbt 1901, sie hat sich tragischerweise das Leben genommen.

In zweiter Ehe heiratet Moses Feibelmann Seckels die in Gronau, Westfalen, geborene Rieke Rothschild (geb. am 21. September 1871). Sie stirbt mit 55 Jahren am 24. März 1926 in Aurich an „Herzschwäche“. Aus dieser Ehe stammen die beiden Söhne Fritz, geboren am 30. Mai 1907, und Josef, geboren am 6. August 1911. Für sie wurden ebenfalls Stolpersteine verlegt.

In dritter Ehe heiratet Moses Feibelmann die aus Galizien stammende Rosa Kleinberger, geboren am 25. Januar 1886 in Kleczany in Galizien. Er heiratet sie am 21. September 1926 wenige Monate nach dem Tod seiner zweiten Frau Rieke. Diese Ehe bleibt kinderlos. Auch für Rosa wurde ein Stolperstein verlegt.

Wohl in den zwanziger Jahren zieht Moses Feibelmann Seckels von der Wallstraße in die Marktstraße 22. Er betreibt ein Geschäft für Antiquitäten, wird auch als „Produktenhändler“ bezeichnet.  Im Juli 1935 wird in dem Sprachrohr der Nationalsozialisten, der Ostfriesischen Tageszeitung, zum Boykott jüdischer Geschäfte in Aurich aufgerufen. Auf der veröffentlichten Liste steht auch das Geschäft von Moses Feibelmann Seckels. Die Boykottaktionen und Verfolgungen treiben ihn letztlich in den Ruin.

In den späteren Entschädigungsverfahren formuliert Dr. Karl Anklam es so, „es handele sich um einen typischen Entziehungsfall. Bis zur Verfolgung lebte die Familie in geordneten und guten Verhältnissen. Moses Seckels Antik Sachen waren von anerkanntem Wert und er verdiente Geld, bis die Partei ihm den Handel nach auswärts untersagte und anordnete, dass er alles hier unter ungünstigen Absatzverhältnissen veräußern musste. In den Akten befindet sich auch eine mit Zeugenaussagen belegte Feststellung, dass man ihm sogar wesentliche Geldbeträge erpresst habe“. Soweit eine Stellungnahme von Karl Anklam aus der Nachkriegszeit.
Am 1. April 1940 musse Moses Seckels sein Haus und Geschäft zur Zwangsversteigerung freigeben. Die Volksbank verkauft es am 16.5.1940 dann weiter. (Entschädigungsverfahren endet 1956 in einem Vergleich mit Geldzahlung: 4.300 DM an Julius Seckels am 27.4.1956)

Fritz und Joseph Seckels, die Söhne aus zweiter Ehe, wohnen im Elternhaus und helfen so gut sie können. Josef, hilft als Kaufmann im Laden seines Vaters mit. Er muss sich aber, als die Geschäfte schlechter laufen, in der Landwirtschaft Arbeit suchen.

Beide Söhne werden im November 1938 wie viele andere jüdische Bürger aus Aurich nach der sogenannten Reichskristallnacht“ in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.

In der Pogromnacht in Aurich vom 9. auf den 10. November 1938 brannte die Synagoge. In der Landwirtschaftlichen Halle zusammengetrieben, wurden die Männer schikaniert. Diejenigen, die jünger als 60 Jahre waren, wurden in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. 42 Auricher wurden noch am gleichen Abend ins Gefängnis gebracht. Am 11. November 1938 wurden sie in Bussen nach Oldenburg transportiert. Ein Zug brachte sie von dort weiter in das KZ Sachsenhausen. Viele Auricher Männer blieben dort bis Ende Dezember. Joseph und sein Bruder Fritz konnten am 23. Dezember 1938 wieder nach Hause zurückkehren.

Josef Seckels, Kennkarte 1939, NLA Aurich

Josef Seckels heiratet am 14. Februar 1939 Hedwig Marx, die zu der Zeit als landwirtschaftliche Arbeiterin in Sandhorst gemeldet war. Hedwig (geb. 1. September 1910) stammt aus Brohl, einem kleinen Dorf in der Eifel. Das Ehepaar entschließt sich, Aurich zu verlassen. Sie wählen die Emigration nach Belgien, in der Hoffnung dort den Verfolgungen entgehen zu können. Am 11. November 1939 emigrieren sie nach Brüssel. Vielleicht träumen auch Joseph und Hedwig von einer Auswanderung nach Amerika oder Palästina.

Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten in Belgien mindestens 56.000 Juden – Schätzungen gehen sogar von 60.000 bis 70.000 aus. Unter ihnen waren viele Juden aus Deutschland und Österreich, die vor den nationalsozialistischen Verfolgungen geflohen waren.

Belgien war bei Kriegsausbruch neutral geblieben, aber bis Ende Mai 1940 hatten die Deutschen Belgien besetzt. Nach dem Einmarsch verabschiedeten die deutschen Besatzer zahlreiche antijüdische Verordnungen und Gesetze. Die jüdische Bevölkerung wurde in den vier großen Städten Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi konzentriert, ihre Besitztümer wurden registriert und ab dem 27. Mai 1942 musste sie zur Kennzeichnung einen gelben Stern tragen. Am 11. Juni 1942 erhielt die Brüsseler „Zentralstelle für jüdische Angelegenheiten“ aus Berlin den Auftrag, die Deportation der ersten 10.000 Juden aus Belgien vorzubereiten. Für diesen Zweck wurde in einer alten Kaserne (Dossinkaserne) in Mechelen (Flämisch) / Malines (französisch), ein SS-Sammellager eingerichtet: das „SS-Sammellager Mechelen“ (zwischen Brüssel und Antwerpen) eingerichtet.
Am 4. August 1942 verließ der erste Transport das Lager. Bis zum 31. Juli 1944 folgten 27 weitere, die bis auf wenige Ausnahmen in Auschwitz-Birkenau endeten. Insgesamt wurden aus Belgien 25.124 Juden, darunter 5.430 Kinder, deportiert. Nur 1.207 (weniger als 5 Prozent) von ihnen überlebten die Deportation und kehrten nach dem Krieg zurück.

Joseph und Hedwig Seckels können sich nicht verstecken. Sie werden gefangen genommen und im Sammellager Mechelen/Malines interniert. Am 15. Januar 1944 werden sie deportiert – der Zug erreicht am 17. Januar 1944 das Vernichtungslager Auschwitz (23. Transport, 657 Juden und Sinti und Roma).
Auch der in Osnabrück geborene jüdische Künstler Felix Nussbaum und seine Frau Felka Platek waren nach ihrer Verhaftung am 20. Juni 1944 in Brüssel für einige Wochen Gefangene in Mechelen. Mit dem letzten Transport am 31. Juli wurden sie nach Auschwitz deportiert und dort am 9. August 1944 ermordet.

Fritz Seckels bleibt in Aurich, er steht seinem alten Vater und seiner Stiefmutter Reisel/Rosa bei.  Sie gehören zu den letzten 20 jüdischen Bürgern Aurichs, die im März 1940 noch in der Stadt wohnen. Zum 1. April sollte Aurich für „judenfrei“ erklärt werden können. Das ist auch der Tag, an dem Moses, Rosa und Fritz ihr Haus, ihr Eigentum, ihre Heimat verlieren. Sie hatten sich bemüht, außerhalb Aurichs eine Unterkunft zu finden. Am 5. April liegt endlich auch die Zuzugsgenehmigung von Braunschweig vor. Sie finden Aufnahme in der Ferdinandstraße 9. Das war ein mehrstöckiges Haus, das ursprünglich einen jüdischen Besitzer hatte. Erst ab 1942 lebten nur noch Juden in der Ferdinandstraße 9, von denen die meisten um die 70 Jahre alt waren. Bis 1943 lebten sie hier, auf die Spenden jüdischer Bürger angewiesen.

Am 16. März 1943 werden Moses, Rosa und Fritz mit anderen Juden zum Alten Bahnhof getrieben. Der Zug hält noch einmal in Berlin. Am 17. März verlässt der Transport Berlin, er erreicht das Ghetto Theresienstadt am 18. März 1943. Dort verlieren sich die Spuren. Moses Feibelmann verstirbt schon während der Deportation. Er wird 86 Jahre alt.

Moses Seckels wurde ein Opfer der unmenschlichen Umstände des Transportes. Die Juden wurden in Viehwaggons gezwängt, es gab keine Toilette. Die kleinen Fenster, die einzige Luftzufuhr, waren mit Stacheldraht umwickelt, es gab nichts zu trinken. Auch die Dauer des Transportes (2-3 Tage) war ein Grund für die hohe Sterberate unter den Deportierten.

Nachtrag:

2010 wurde in Braunschweig am Haus in der Ferdinandstraße 9 eine Gedenktafel mit folgender Aufschrift angebracht:

„Dieses Haus wurde 1939 ein sogenanntes ‚Judenhaus’. / Ihrer Würde beraubt, mussten jüdische Mitmenschen hier leben. / Charlotte, Fritz und Miriam [sic![24]] Hirsch emigrierten im November 1940 nach Brasilien. / Isidor Baron und Käthe Ziegelstein starben hier. / In das Ghetto Warschau oder in das Konzentrationslager / Theresienstadt wurden 1942/43 deportiert: / Amalie und Luise Baron, Franziska Deppe, Rosa Falk, Lina Nachod, / Fritz, Moses und Rosa Seckels, Anna und Robert Weil.“

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.12.2022)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
geni.com (Familiendatenbank)
Literatur:
Patenschaft: Karin Baumgarten-Hoefs
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Emmy Samson verh. Stern

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Emmy  SAMSON verh. Stern
geboren am 12. Dezember 1908 in Sandhorst

Straße: Esenser Straße 107 (füher: Sandhorst 8, Coldehörn)
Todesdatum: Unbekannt (vermutlich Deportation nach Auschwitz am 2.11.1943)
Todesort: Unbekannt (vermutlich Auschwitz)
Emmi Samson, geboren am 12.12.1908 in Sandhorst, wohnte in Aurich Sandhorst, Gut Coldehörn. Sie ist das zweites Kind der Eltern Abraham und Hedwig Samson in Sandhorst.

Ende der 30er Jahre geht sie nach Dortmund und heiratet Siegfried Stern. Das Paar hat keine Kinder und wohnt in der Westerbleichstraße 3, einem Judenhaus.
Am 23. Januar 1942 erhält das Paar die Aufforderung sich in einer Sammelstelle, der Gaststätte „Zur Börse“ in der Steinstraße (beim Viehmarkt), einzufinden. Ein Merkblatt der Reichsvereinigung informiert die Betroffenen, dass es u.a. gestattet sei, dreiteilige Matratzen, Nähmaschinen, kleine Kanonenöfen oder Herde, sowie möglichst viel Werkzeug mitzunehmen.

In Riga wird ihnen jedoch alles abgenommen. Nachdem die vorgegebene Sollstärke von 1.000 Personen für Deportationstransporte erreicht ist, verlässt der Zug am 27.01.1942 Dortmund mit Ziel Riga. Am 1. Februar trifft der Zug in Riga-Skirotva ein. Emmi Samson muss im Ghetto, dessen eingesessene Bewohner vorher schon ermordet waren, Zwangsarbeit für die Wehrmachtsausrüstung leisten.

Am 2. November 1943 wird das Ghetto geräumt. Ein Transport mit 1.000 Personen geht nach Auschwitz. Emmi könnte dabei gewesen sein. Eine Häftlingsnummer (d.h. wg. Arbeitsfähigkeit) aus Auschwitz existiert jedoch nicht.

Von Siegfried ist noch bekannt, dass auch er am 2.11.1943 nach Auschwitz kommt. Der weitere Verbleib von Emmi Stern ist unbekannt. Für den 31.12.1943 wird sie 1950 vom Amtsgericht Dortmund für tot erklärt.

 Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.12.2015)
Foto: 

 

 

– Haus Coldehörn – Emmy Samson vor der Haustür (Foto: Lorraine Hoffmann, Milwaukee)
– Vor dem Haus Gut Coldehörn, undatiert: v. l. Herta Goldschmidt später verh. Hoffmann – Nichte von Hedwig Samson, Emmy Samson, Hedwig Samson geb. Goldschmidt, Julius Samson, Hermann Knurr (Foto: Lorraine Hoffmann – Milwaukee)
– Neujahrsabend bei Goldschmidts (Foto undatiert: Lorraine Hoffmann – Milwaukee)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv
– Stadtarchiv Dortmund, Markus Günnewig, Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.
Literatur: Verfolgung und Vernichtung, Dr. Rolf Fischer, Stadt Dortmund Essen 2015
Patenschaft: Hilde Ubben
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

Neujahrsabend bei Goldschmidts

von links Dina Buxbaum, Julius Samson, Emmi Samson = Julius‘ Schwester, Harri Hoffmann, dann Martha Moses des Lehrers Moses‘ Tochter und Hanna Sondhelms Mutter, Manfred Hoffman in den Armen von Herta Goldschmidt = zukünftige Frau von Harri. und vorne sind Mary Gidansky und Henry Lachmann. Die beiden Perosnen rechts daneben sind unbekannt.

 

Emmy vor dem Haus Coldehörn

 

 

 

 

 

Julius Samson mit Familie

Julius Abraham Samson

Veröffentlicht: 29. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Julius Abraham  SAMSON
geboren am 18. Juli 1907 in Sandhorst

Straße: Esenser Straße 107 (füher: Sandhorst 8, Coldehörn)
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 2.03.1943)
Todesort: Auschwitz
 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

 

 

Julius Samson wird am 18.07.1907 in Sandhorst geboren und wohnte in Aurich Sandhorst, Gut Coldehörn.Seine Eltern sind Abraham Samson und Hedwig Samson geb. Goldschmidt. Julius besucht ab Ostern 1917 das Gymnasium Ulricianum. Er ist zur Weiterführung des väterlichen Geschäfts bestimmt. Julius lernt Dina Buxbaum aus Rennertehausen kennen. Die jungen Leute: Julius, seine Schwester Emmi, die Wolff-Kinder (auch genannt die Pinseler), Dina, die Hoffmann-Kinder und Herta Goldschmidt gehören zur lebenslustigen noch feiernden Jeunesse in Aurich. Photos aus dieser Zeit bezeugen es. Julius und Dina wollen nach der Dominikanischen Republik auswandern. Der einzige, neben Shanghai, noch sichere Hafen der Welt, der bedingungslos Juden aufnimmt. Der damalige Diktator Trujillo wünschte sich jüdische Einwanderer zur Aufweißung und Rasseverbesserung (sic!) der schwarzen oder kreolischen Inseleinwohner.

Julius heiratet Dina Buxbaum am 24.11.1939 in Aurich. Trauzeugen sind der Schwiegervater Abraham und dessen Bruder Herz (Urkundenausschnitt s. u.)Im April 1940 zieht das Paar nach Dortmund, wo die Eltern Samson und seine Schwester Emmi bereits leben. Zuerst in der Saarlandstraße71, dann in der Weiherstraße 75 und zuletzt Königswall 44 – alles Judenhäuser. Das Paar bekommt zwei Kinder: Reha *16.07.1940 und Dan *4.07.1942. Neugeborene aus dieser Zeit durften  von ihren Eltern nur noch Namen aus einer speziellen Personenstandsverordnung bekommen. Die Annotation dieser Vornamen sollte besonders fremd, semitisch, undeutsch sein.

Julius leistet Zwangsarbeit in einer Dortmunder Tiefbaufirma. Das bewahrt ihn und seine Familie von den ersten im Frühjahr 42 angelaufenen großen Deportationen

Am 27.02.1943 wird Julius Samson an seiner Arbeitsstelle verhaftet und in ein Sammellager, die Gaststätte Deutsches Haus am Brackeler Hellweg, eingesperrt. Seine Familie wird aufgefordert, sich am nächsten Tag dort einzufinden. Am 2. März dann um acht Uhr müssen sich alle auf den Weg zum Südbahnhof machen. Von Brackel mit der Straßenbahn bis zum Ostentor, dann müssen sie in Formation zum Südbahnhof marschieren. Dort steht schon eine Lokomotive unter Dampf mit angehängten Viehwaggons bereit. Am Abend des 3. März kommt der Zug in Auschwitz an. „Männer nach rechts, Frauen nach links“. Julius Samson wird mit 50 anderen auf einen offenen Lastwagen verladen, der sie nach Auschwitz-Monowitz bringt. Der Kopf wird ihm zum zweiten Mal im Leben kahl geschoren und er bekommt die Nummer 105496 auf den linken Unterarm eintätowiert.

Dort, aufgrund der allerhärtesten Arbeitsbedingungen – die Baustelle Buna-Werk wird zivil von Ingenieuren der IG-Farben geführt – sterben täglich Dutzende. Oder sie werden nach sogen. Überstellungslisten nach Auschwitz-Birkenau gebracht, weil sie krank und nicht mehr ausbeutbar waren. Ein solcher Überstellungseintrag fehlt. Man kann annehmen, Julius Samson ist im Krankenbau Monowitz dort an unbekanntem Datum gestorben.

Eine ausführliche Biografie von Julius Samson findet sich in dem Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

 Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.01.2016)
Foto:

 

 

 

 

– Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– Vor dem Haus Gut Coldehörn, undatiert: v. l. Herta Goldschmidt später verh. Hoffmann – Nichte von Hedwig Samson, Emmy Samson, Hedwig Samson geb. Goldschmidt, Julius Samson, Hermann Knurr(Foto: Lorraine Hoffmann – Milwaukee)
– Heiratsurkunde (Ausschnitt mit Namen der Trauzeugen)
– Familienfoto Mitglieder der Familien Samson, Hoffmann  und Goldschmidt, undatiert (Foto: Lorraine Hoffmann, Milwaukee)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsar-chiv,- Standesamt Aurich, Heiratsregister,- Stadtarchiv Dortmund, Markus Günnewig, Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.
Literatur: Verfolgung und Vernichtung, Dr. Rolf Fischer, Stadt Dortmund Essen 2015

 

Patenschaft: Wolfgang Ontijd
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

 

A German-Jewish family enjoys a cup of coffee in a courtyard in Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heiratsurkunde Julius Samson und Dina Buxbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

Julius Samson mit Familie

Abraham Josef Samson

Veröffentlicht: 28. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham  Josef SAMSON
geboren am 15. September 1870 in Sandhorst

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.03.2016)

Straße: Esenser Straße 107 (füher: Sandhorst 8, Coldehörn)
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 26.10.1944)
Todesort: Auschwitz

Abraham Josef Samson (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 ..

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

Abraham Samson wurde am 15.09.1870 als jüngstes von fünf weiteren Geschwistern geboren. Sein Vater war Joseph Hartog Samson *13.12.1822, seine Mutter Esther Benjamin Wolff. Sie wohnten in Aurich Sandhorst Gut Coldehörn.
Abraham Samson heiratet Hedwig Goldschmidt. Das Paar bekommt zwei Kinder Julius *1907 und Emmy *1908. Der Sohn Julius geht Ostern 1917 auf das Ulricianum und ist für die Übernahme des Viehhandelsgeschäfts bestimmt.
1926 kauft Abraham Samson zusammen mit seinem Bruder Ruben das Gut Coldehörn (s. Foto unten), welches von weiträumigen Ländereien nördlich der Straße Am Tiergarten bis zur Alten Ehe im Westen, umgeben ist. Die anderen Brüder Bendit und Herz haben Nießbrauchsrecht. Zugleich hat Abraham Samson das halbe Besitzrecht am Haus Zingelstraße 3, die andere Hälfte wiederum Ruben.
Diese Samsons waren Viehhändler und Schlachter. Landwirte auch soweit es das Aufstellen und Versorgen der gekauften Tiere betraf. Abraham Samson mit seinen drei Brüdern führen einen sehr prosperierenden Viehhandel und Schlachtbetrieb. Frühere Gewerbesteuerlisten und auch die heute noch existierenden Bauten, wie z.B. die Villa Zingelstraße 3 und der Schlachthof (heute JUZ) mögen davon Vorstellung geben.
Abraham Samson muss seinen ganzen Betrieb aufgrund der behördlichen Berufsverbote auflösen und am 3.08.1938 ein erstes Stück Land verkaufen. Es ist eine Parzelle auf der heute das Ostfrieslandhaus und zwei Marinewohnhäuser an der Weddigenstraße stehen. Er verkauft sie an die benachbarte Reichsmarineverwaltung für 80 Pf/qm insgesamt für 14.064 RM. In der letzten Zeit der Auricher Juden gab es nur im Haus Coldehörn ein Telefon für alle noch in Aurich wohnenden Juden. Nur dieses durften sie benutzen.
1938 geht ihre Tochter Emmy nach Dortmund und heiratet einen Siegfried Stern. Die Eltern Samson ziehen schon Ende 1939, noch vor dem zwangsweisen Wegzug aller Juden im Februar 1940, nach Dortmund. Am 24. November 1939 heiratet sein Sohn Julius in Aurich Dina Buxbaum aus Rennertehausen.
Abraham Samson und sein Bruder Herz sind Trauzeugen (s. u., Urkundenausschnitt). Das Ehepaar Samson wohnt in Dortmund in der Saarlandsraße 71, ein Judenhaus der damaligen Zeit.Der Sandhorster Bürgermeister Harm Harms führt ab 4.04.1940 das Gut treuhänderisch weiter und überweist Pachterträge an Abraham Samson nach Dortmund. Allerdings kann er aus den Erträgen und seinem Vermögen nur bis 200 RM/Monat darüber verfügen, denn: nach dem Gesetz über die Devisenbewirtschaftung- da sie auszuwandern beabsichtigen – „ … erscheint die vorbeugende Maßnahme der Sicherungsanordnung zur Verhinderung einer unerlaubten Verbringung von Vermögenswerten in das Ausland erforderlich“  – so das formalkorrekte Juristendeutsch der OFD Bremen.
Am 27. Juli 1942 erreicht Abraham Samson ein Schreiben der Oberfinanzdirektion mit Postzustellungsurkunde. Ihm wird eröffnet, sein Vermögen wird ihm hiermit entzogen, „… nach dem Gesetz über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vom Juli 1933 in Verbindung mit Erlaß des Führers u. Reichskanzlers über die Verwertung eingezogenen Vermögens von Reichsfeinden vom 29.5.41.
Abraham Samson muss zwei Tage vor der Verschleppung in den Tod auch noch die Kosten der Zustellung der Enteignungsverfügung zahlen. Es sind 1,05 RM u. a. bestehend aus 10 Pf Formularkosten und 5 Pf Fahrkosten.
Am 29.07.1942 wird er mit seiner Ehefrau Hedwig und seinen anderen Brüdern Ruben, Herz und Bendit mit TransportX1 ab Dortmund nach Theresienstadt deportiert. Von Theresienstadt geht der Weitertransport am 26.10.1944 nach Auschwitz. Dort werden sie sofort in die Gaskammern getrieben.Von den Bewohnern der Samson Häuser Zingelstraße 3 und Coldehörn wurden alle – auch die Nachkommen, zu Opfern der Shoah.
In einem lange Jahre währenden Wiedergutmachungsverfahren in den 50ern bekommen die Überlebenden, das sind die Enkelinnen von Ruben: Sonja Samson, Marga van Geebergen, der Enkel Hans Samson und zwei Söhne eines der vor dem Krieg gestorbenen Samson-Brüder, ihren Anteil an der gerichtlich festgesetzten Nachzahlung als Ausgleich aus Zwangsverkauf und Raub des Samson-Vermögens. In vielen und langen Schriftsätzen der am Raub beteiligten Oberfinanzverwaltung bestreiten deren Juristen das Kriminelle ihrer Amtstaten in ungeheuerlichen Verdrehungen. Der Verkauf wäre freiwillig und der Preis marktüblich gewesen, was örtliche Bodenschätzer bestreiten, und die Konfiskation wäre ein Vorgriff und Äquivalent der Reichsfluchtsteuer (sic!) gewesen.Allerdings konfiszierte die Marine dieses volks- und staatsfeindliche Vermögen bereits Anfang 1940 und verwüstete im Dienstgebrauch Haus und Außenanlagen.
Eine Scheune musste abgerissen werden. Die in der Wiedergutmachung bedachte Sonja Samson – Vollwaise – konnte bezeichnenderweise dieses Geldvermögen nur zum Teil wg. damals geltender Kapitalmarktkontrollen in die USA transferieren. Sie kaufte davon einen Volkswagen, der dann am Ladegeschirr hängend, in Bremerhaven verschifft wurde.Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.03.2016)
Foto:

 

 

 

– Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– Haus Gut Coldehörn in den 30ern (Foto: Besitzer)
– Heiratsurkunde (Ausschnitt mit Namen der Trauzeugen)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Kennkarte v. 1.03.1939, Staatsarchiv Aurich
– ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv,- Nds. Landesarchiv Aurich, Rep 107 Nr. 1786.
Literatur: Verfolgung und Vernichtung, Dr. Rolf Fischer, Stadt Dortmund Essen 2015
Patenschaft: Margret Mühring
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

 

Haus Gut Coldehörn in den 1930ern (Foto: Besitzer)

Heiratsurkunde Julius Abraham und Dina Samson v. 24.11.1939 (Ausschnitt mit Namen der Trauzeugen)

 

 

Margrit van Dyk

Veröffentlicht: 27. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Margrit van DYKMargrit van Dyk
geboren am 5. Mai 1929 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21 (ehem. Wilhelmstraße)
Todesdatum: Unbekannt (Registrierung im KZ Stutthof am 9.08.1944)
Todesort: KZ Stutthof
dyk-margrit-van-geb-05-05-1929-in-aurich

Margrit von Dyk (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

I. Die Vorfahren der Geschwister Abraham Alfred (*9.10.1921), Meno Lothar (*24.05.1923) und Margrit (*5.05.1929) van Dyk
Wir beginnen unseren Überblick zur Geschichte der Familie van Dyk   zunächst mit den Daten, die wir aus vier Generationen der Familie herausfinden konnten. 200 Jahre der Geschichte dieser Familie können wir so wenigstens ansatzweise überblicken:
Urgroßeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno Lothar und Margrit:
Gessel Aron van Dyk, Geboren um 1811, gestorben Aurich 19.08. 1892
Verheiratet mit: Guterath Samuel Heymann, Geb. Aurich 29.07. 1824, gestorben Aurich 17.07. 1880
Zwei Kinder dieser Ehe sind relativ jung in Aurich gestorben:a). Esther Gessel van Dyk, geb. Aurich 1857, gest. Aurich 1885
b). Aaron Gessel van Dyk, geb. Aurich 1859, gest. Aurich 1888
c). mit dem dritten Kind Abraham Gessel van Dyk: geht die Geschichte der Familie in Aurich weiter:Großeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Abraham Gessel van Dyk,Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde
Geboren Aurich 13.08.1861, Gestorben Aurich 12.11.1934
Für ihn gab es einen ausführlichen Nachruf, s. unten.
Verheiratet mit: Mathilde Levy, geb. Altenkirchen 18.06.1864,
deportiert nach Theresienstadt 16.06.1942, dort verschollen
deren Eltern: Hirsch und Amalie Levy, geb. Stern
gemeinsames Kind: Karl van Dyk, s. unten „Eltern“
Eltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:Karl van Dyk
Kaufmann, im Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich
geboren Aurich 05. 08.1894, ermordet KZ Buchenwald 07.02.1945
verheiratet mitErna Wolff
geboren Aurich 04.03.1893, gest. KZ Stutthof bei Danzig 18.12.1944
deren Eltern: Moses Levy Wolff und Frau Rosa Meyer, geb. Sternbeg

Kinder von Karl und Erna van Dyk:
1). Abraham Alfred van Dyk, später genannt „Fred“
geb. Aurich 09. 10. 1921, 1940 nach Amerika
2). Meno Lothar van Dyk
geb. Aurich 21.05.1923, 1940 nach Amerika
3). Margrit van Dyk
geb. 05.05.1929 in Aurich, gestorben 15.01.1945 im KZ Stutthof

Wir erforschen den Lebenslauf der Geschwister Margrit, Alfred und Meno Lothar van Dyk. Um etwas über ihre Familie lernen zu können, haben wir hier zuerst Informationen über die Großeltern und Eltern der Kinder gesammelt. Die Familie van Dyk war so sehr bekannt in Aurich, dass sie auch in plattdeutschen Theaterstücken, die in der jüdischen Gemeinde in Aurich spielen, vorkommt. Ein Beispiel ist das Stück: „Das verfrühte Schulerufen“ , das 1902 geschrieben wurde. (Quelle: Gertrud Reershemius).

Der Großvater Abraham van Dyk war ein sehr anerkannter Mann und hat sich große Verdienste als Gemeindevorsteher erworben. Auf eine Anfrage in der Kirchengemeinde, ob es noch Erinnerungsstücke in Victorbur an diese Familie gibt, erhielten wir einen Kleiderbügel mit der Aufschrift „A. van Dyk“ und den Hinweis auf eine Stellenanzeige aus einer alten Zeitung, aus der hervorgeht, dass Abraham van Dyk seinen Glauben sehr ernst nahm und sein Geschäft am Sabbath und an jüdischen Festtagen immer geschlossen hielt. 1931 wurde mit einer großen Feier sein 70. Geburtstag begangen. 1934 ist Abraham van Dyk verstorben. Wir fanden es interessant, dass zwei Jahre später in einem Extra-Artikel noch auf seine Verdienste hingewiesen wurden, da sie in einem Bericht über die jüdische Gemeinde nicht ausreichend erwähnt worden waren. (Artikel über Großvater van Dyk s.u. Anhang 1

II. Die Familie van Dyk muss Aurich verlassen

In einem Artikel aus der Zeitung „Der Israelit“   vom 23. Juni 1938 (s. u. Anhang 2) ist zu lesen, wie schmerzhaft der Abschied von Aurich und der jüdischen Gemeinde für die Familie van Dyk und die verbleibenden Gemeindeglieder war.

Ein Blick in die frühere Wilhelmstraße in Aurich; rechts in der Mitte befand sich das Textilgeschäft van Dyk (heute „H & M“). Von hier wurde die Familie van Dyk durch massiven Terror vertrieben.

Die letzten Wohnsitze der Familie waren in Köln nachweisbar, die Karten der zuständigen Einwohnermeldeämter haben wir im Staatsarchiv in Aurich gesehen. Wir haben gelernt, dass die jüdischen Mitbürger mit immer stärker werdender Gewalt und massivem Terror zunächst gezwungen wurde, Aurich zu verlassen. Nicht einmal zusammen durften die Eltern van Dyk mit ihrer Tochter Margrit an ihrem letzten Wohnsitz Köln wohnen, Tochter und Vater mussten in eine Wohnung ziehen, die Mutter in eine andere. Es waren sehr beengte Verhältnisse und immer mehr Leute mussten auf engem Raum zusammen unter den schlechtesten Verhältnissen leben.

Von Köln aus wurden die Eltern und die Tochter verschleppt nach Riga, kamen dann nach Buchenwald bzw. Stutthof bei Danzig in ein Konzentrationslager, wo sie schließlich umgebracht wurden. In einem offiziellen Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wird die Erinnerung an dieses schreckliche Ende von Eltern und Tochter aufbewahrt. Der Vater Karl van Dyk (*05.08.1894 in Aurich, +07.02.1945 in Buchenwald) wurde mit letzter Anschrift in Köln Thieboldsgasse 93 geführt, bevor er mit Frau und Kind am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Er gehörte zu denen, die von Riga im Sommer 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig verlegt wurden, von wo er am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald kam. Vom 21.08.1944 datiert sein letztes Lebenszeichen.

Seine Frau Erna van Dyk geb. Wolff (*04.03.1893, +18.12.1944 in Stutthof) musste in Köln von ihm getrennt in der Rochusstrasse 108 leben, ehe sie mit dem gleichen Transport wie ihr Mann am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Auch sie wurde noch ins KZ Stutthof verlegt, wo sie am 09.08.1944 registriert wurde.
Die gemeinsame Tochter Margrit van Dyk (*05.05.1929 in Aurich, +15.01.1945 in Stutthof) lebte vor der Deportation mit dem Vater in Köln, Thieboldsgasse 93. Sie wurde mit ihren Eltern am 07.12.1941 nach Riga deportiert, von dort ins KZ Stutthof, wo sie wie ihre Mutter am 09.08.1944 registriert wurde. Hier fanden sie den Tod. (Quelle: Gedenkbuch und Unterlagen aus YadVashem)

III. Die Flucht der Brüder van Dyk nach Amerika

Als nächsten Schritt versuchen wir, die Übersiedlung der beiden überlebenden Brüder van Dyk zu dokumentieren. Hierfür erhielten wir folgende Dokumente von der Einwanderungsbehörde der USA. Dazu erfuhren wir, dass die Menschen, die vor dem Nazi-Terror in die USA flüchten wollten, nicht einfach so einreisen konnten, sondern einen Bürgen brauchten, der für sie aufkam und sich die Kosten, die die Einwanderer verursachen könnten, übernehmen würde. Folgende Grund-Kosten wurden uns im Falle der Brüder van Dyk genannt:

Steamship Passage (approximate)…………..$350.00
Embarkation Fee……………………………………….19.50
U.S. Head Tax…………………………………………….8.00
Maintenance at Lisbon (10 days average)…….10.00
Board money on ship…………………………………10.00
Rail fare Spanish Border to Lisbon……………. 42.00
Cable Charge………………………………………………2.50
Balance to apply to possible additional cable…8.00
Somit mussten zunächst 450 Dollar für jeden Bruder eingezahlt werden. Folgende Einträge gibt es im Einwanderungsregister der USA:

Name: Meno L Van Dyk
Arrival: 17 April 1940, Emigration Location: Germany,
Birth Location: Aurich
Age: 16
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friend’s Name: H Gleuck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Rotterdam
Occpation: Confectioner

Name Abraham Alfred Van Dijk
Arrival: 17 April 1940
Birth Location: Aurich, Age: 18, Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friends Name: H. Glueck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Winschoten
Occupation: Tailor

Quelle: Lorinda Mann, Salt Lake City/USA

Soweit wir ermitteln konnten, lebten die Brüder van Dyk dann zuerst im Bundesstaat Pennsylvania. Dort erhielten sie ihre Sozialversicherungsnummer (social security). Anhand dieser Nummer werden sich dann Einzelheiten aus dem Leben wieder finden lassen.

Meno Lothar van Dyk nahm am 1. März 1943 seinen Dienst in der US-Armee auf und verließ die Armee am 13. November 1947. Gewohnt hat er zuletzt in Camden New Jersey, wo er am 24. Juni 1996 starb. Über seine Familie wissen wir noch nicht viel.

Abraham Alfred van Dyk nannte sich in den USA Fred und ist leider in diesem Jahr verstorben. Auch er ist im Militärdienst der US-Armee gewesen, dazu fehlen im Moment noch die Daten. Er lebte in Philadelphia/Pennsylvania zusammen mit seinem Freund William Brodsky, der ebenfalls aus einer alten jüdischen Familie stammte. Seine Familie war aber schon viel eher nach Amerika gekommen. Es war eine russisch-jüdische Familie, die vor über 100 Jahren in Russland sehr verfolgt wurde. Die Vorfahren von William, Brodsky gründeten 1883 die erste landwirtschaftlich ausgerichtete jüdische Siedlung im US-Bundesstaat New York.

Quelle: Persky/Perski/Perskie, (Yocheved Persky Branch), Home Page von Jana Lynne Perskie

Wir fanden eine Todesanzeige für einen Fred van Dyk, der nach unserer Meinung mit unserem Auricher Abraham-Alfred van Dyk identisch ist, in der von einer Schwägerin Elisabeth van Dyk sowie von Neffen und Nichten die Rede ist. Danach war sein Bruder Meno verheiratet und seine Witwe lebt noch. Hier arbeiten wir noch daran, nähere Informationen zu bekommen.

Fred van Dyk (wenn es der „Richtige“ ist, wie wir vermuten) starb am 23. März 2013 und wir haben ein Kondolenzbuch im Internet gefunden. Wir könnten überlegen, ob wir uns dort zur Verlegung des Stolpersteins eintragen. Das jüdische Beerdigungsinstitut „Joseph Levine & Son. Inc.“ hält die Seite noch bis zum 25. März 2014 vor.

FRED VAN DYK

This Guest Book will remain online until 3/25/2014 courtesy of Joseph Levine & Son, Inc..

Sign Guest Book Add Photo to Gallery Light a Candle

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

 

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Moritz Lerf, Laura Lindena, Jana Warnke, Jürgen Hoogstraat
Hauptkonfirmandengruppe Neu-Ekels
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 5.09.2013)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Anhang 1

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 27. August 1931

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 29. November 1934: „Aurich, 19. November (1934).

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. Dezember 1936

Stellenanzeige für einen Lehrling für die Firma van Dyk in Aurich in der Provinz Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang 2

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 23. Juni 1938
Quelle: Alle Zeitungsartikel stammen aus der Sammlung judaica alemanica im Internet.

 

 

 

 

 

 

Meno Lothar van Dyk

Veröffentlicht: 27. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Meno Lothar van DykMeno Lothar van Dyk
geboren am 24. Mai 1923 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21 (ehem. Wilhelmstraße)
Todesdatum: 24.06.1996
Todesort: Camden, New Jersey, USA
I. Die Vorfahren der Geschwister Abraham Alfred (*9.10.1921), Meno Lothar (*24.05.1923) und Margrit (*5.05.1929) van DykWir beginnen unseren Überblick zur Geschichte der Familie van Dyk   zunächst mit den Daten, die wir aus vier Generationen der Familie herausfinden konnten. 200 Jahre der Geschichte dieser Familie können wir so wenigstens ansatzweise überblicken:
Urgroßeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno Lothar und Margrit:
Gessel Aron van Dyk,
geboren um 1811, gestorben Aurich 19.08. 1892
verheiratet mit: Guterath Samuel Heymann
geb. Aurich 29.07. 1824, gestorben Aurich 17.07. 1880Zwei Kinder dieser Ehe sind relativ jung in Aurich gestorben: a). Esther Gessel van Dyk, geb. Aurich 1857, gest. Aurich 1885
b). Aaron Gessel van Dyk, geb. Aurich 1859, gest. Aurich 1888
c). mit dem dritten Kind Abraham Gessel van Dyk: geht die Geschichte der Familie in Aurich weiter:
Großeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Abraham Gessel VAN DYK,Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde
geboren Aurich 13.08.1861, gestorben Aurich 12.11.1934
Für ihn gab es einen ausführlichen Nachruf, s. unten.
Verheiratet mit:
Mathilde Levy
Altenkirchen 18.06.1864,
deportiert nach Theresienstadt 16.06.1942, dort verschollen
deren Eltern: Hirsch und Amalie Levy, geb. Stern
gemeinsames Kind: Karl van Dyk, s. unten „Eltern“
Eltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:Karl van Dyk
Kaufmann, im Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich
geboren Aurich 05. 08.1894, gestorben KZ Buchenwald 07.02.1945
Verheiratet mit
Erna Wolf
geboren Aurich 04.03.1893, gest. KZ Stutthof   bei Danzig 18.12.1944
deren Eltern: Moses Levy Wolff und Frau Rosa Meyer, geb. SternbergKinder von Karl und Erna van Dyk:

1). Abraham Alfred van Dyk, später genannt „Fred“
Geb. Aurich 09. 10. 1921, 1940 nach Amerika

2). Meno Lothar van Dyk
Geb. Aurich 21.05.1923, 1940 nach Amerika

3). Margrit van Dyk
Geb. 05.05.1929 in Aurich, gestorben 15.01.1945 im KZ Stutthof

 

Wir erforschen den Lebenslauf der Geschwister Margrit, Alfred und Meno Lothar van Dyk. Um etwas über ihre Familie lernen zu können, haben wir hier zuerst Informationen über die Großeltern und Eltern der Kinder   gesammelt. Die Familie van Dyk war so sehr bekannt in Aurich, dass sie auch in plattdeutschen Theaterstücken, die in der jüdischen Gemeinde in Aurich spielen, vorkommt. Ein Beispiel ist das Stück: „Das verfrühte Schulerufen“ , das 1902 geschrieben wurde.   (Quelle: Gertrud Reershemius).

Der Großvater Abraham van Dyk war ein sehr anerkannter Mann und hat sich große Verdienste als Gemeindevorsteher erworben. Auf eine Anfrage in der Kirchengemeinde, ob es noch Erinnerungsstücke in Victorbur an diese Familie gibt, erhielten wir einen Kleiderbügel mit der Aufschrift „A. van Dyk“ und den Hinweis auf eine Stellenanzeige aus einer alten Zeitung, aus der hervorgeht, dass Abraham van Dyk seinen Glauben sehr ernst nahm und sein Geschäft am Sabbath und an jüdischen Festtagen immer geschlossen hielt. 1931 wurde mit einer großen Feier sein 70. Geburtstag begangen. 1934 ist Abraham van Dyk verstorben. Wir fanden es interessant, dass zwei Jahre später in einem Extra-Artikel noch auf seine Verdienste hingewiesen wurden, da sie in einem Bericht über die jüdische Gemeinde nicht ausreichend erwähnt worden waren. (Artikel über Großvater van Dyk s.u. Anhang 1)

II. Die Familie van Dyk muss Aurich verlassen
In einem Artikel aus der Zeitung „Der Israelit“   vom 23. Juni 1938 (s. u. Anhang 2) ist zu lesen, wie schmerzhaft der Abschied von Aurich und der jüdischen Gemeinde für die Familie van Dyk und die verbleibenden Gemeindeglieder war.

Ein Blick in die frühere Wilhelmstraße in Aurich; rechts in der Mitte befand sich das Textilgeschäft van Dyk (heute „H & M“). Von hier wurde die Familie van Dyk durch massiven Terror vertrieben. Die letzten Wohnsitze der Familie waren in Köln nachweisbar, die Karten der zuständigen Einwohnermeldeämter haben wir im Staatsarchiv in Aurich gesehen. Wir haben gelernt, dass die jüdischen Mitbürger mit immer stärker werdender Gewalt und massivem Terror zunächst gezwungen wurde, Aurich zu verlassen. Nicht einmal zusammen durften die Eltern van Dyk mit ihrer Tochter Margrit an ihrem letzten Wohnsitz Köln wohnen, Tochter und Vater mussten in eine Wohnung ziehen, die Mutter in eine andere. Es waren sehr beengte Verhältnisse und immer mehr Leute mussten auf engem Raum zusammen unter den schlechtesten Verhältnissen leben.

Von Köln aus wurden die Eltern und die Tochter verschleppt nach Riga, kamen dann nach Buchenwald bzw. Stutthof bei Danzig in ein Konzentrationslager, wo sie schließlich umgebracht wurden. In einem offiziellen Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wird die Erinnerung an dieses schreckliche Ende von Eltern und Tochter aufbewahrt. Der Vater Karl van Dyk (*05.08.1894 in Aurich, +07.02.1945 in Buchenwald) wurde mit letzter Anschrift in Köln Thieboldsgasse 93 geführt, bevor er mit Frau und Kind am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Er gehörte zu denen, die von Riga im Sommer 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig verlegt wurden, von wo er am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald kam. Vom 21.08.1944 datiert sein letztes Lebenszeichen.

Seine Frau Erna van Dyk geb. Wolff (*04.03.1893, +18.12.1944 in Stutthof) musste in Köln von ihm getrennt in der Rochusstrasse 108 leben, ehe sie mit dem gleichen Transport wie ihr Mann am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Auch sie wurde noch ins KZ Stutthof verlegt, wo sie am 09.08.1944 registriert wurde.
Die gemeinsame Tochter Margrit van Dyk (*05.05.1929 in Aurich, +15.01.1945 in Stutthof) lebte vor der Deportation mit dem Vater in Köln, Thieboldsgasse 93. Sie wurde mit ihren Eltern am 07.12.1941 nach Riga deportiert, von dort ins KZ Stutthof, wo sie wie ihre Mutter am 09.08.1944 registriert wurde. Hier fanden sie den Tod. (Quelle: Gedenkbuch und Unterlagen aus YadVashem)

III. Die Flucht der Brüder van Dyk nach Amerika

Als nächsten Schritt versuchen wir, die Übersiedlung der beiden überlebenden Brüder van Dyk zu dokumentieren. Hierfür erhielten wir folgende Dokumente von der Einwanderungsbehörde der USA. Dazu erfuhren wir, dass die Menschen, die vor dem Nazi-Terror in die USA flüchten wollten, nicht einfach so einreisen konnten, sondern einen Bürgen brauchten, der für sie aufkam und sich die Kosten, die die Einwanderer verursachen könnten, übernehmen würde. Folgende Grund-Kosten wurden uns im Falle der Brüder van Dyk genannt:

Steamship Passage (approximate)………….$350.00

Embarkation Fee…………………………………….19.50

U.S. Head Tax………………….. ……….8.00

Maintenance at Lisbon (10 days average)…….10.00

Board money on ship………………………10.00

Rail fare Spanish Border to Lisbon……….. 42.00

Cable Charge……………………………..2.50

Balance to apply to possible additional cable..8.00

Somit mussten zunächst 450 Dollar für jeden Bruder eingezahlt werden. Folgende Einträge gibt es im Einwanderungsregister der USA:

Name: Meno L Van Dyk
Arrival: 17 April 1940
Emigration Location: Germany
Birth Location: Aurich
Age: 16
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friend’s Name: H Gleuck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Rotterdam
Occpation: Confectioner

Name Abraham Alfred Van Dijk
Arrival: 17 April 1940
Birth Location: Aurich
Age: 18
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friends Name: H. Glueck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Winschoten
Occupation: Tailor

Quelle: Lorinda Mann, Salt Lake City/USA

Soweit wir ermitteln konnten, lebten die Brüder van Dyk dann zuerst im Bundesstaat Pennsylvania. Dort erhielten sie ihre Sozialversicherungsnummer (social security). Anhand dieser Nummer werden sich dann Einzelheiten aus dem Leben wieder finden lassen.

Meno Lothar van Dyk nahm am 1. März 1943 seinen Dienst in der US-Armee auf und verließ die Armee am 13. November 1947. Gewohnt hat er zuletzt in Camden New Jersey, wo er am 24. Juni 1996 starb. Über seine Familie wissen wir noch nicht viel.

Abraham Alfred van Dyk nannte sich in den USA Fred und ist leider in diesem Jahr verstorben. Auch er ist im Militärdienst der US-Armee gewesen, dazu fehlen im Moment noch die Daten. Er lebte in Philadelphia/Pennsylvania zusammen mit seinem Freund William Brodsky, der ebenfalls aus einer alten jüdischen Familie stammte. Seine Familie war aber schon viel eher nach Amerika gekommen. Es war eine russisch-jüdische Familie, die vor über 100 Jahren in Russland sehr verfolgt wurde. Die Vorfahren von William, Brodsky gründeten 1883 die erste landwirtschaftlich ausgerichtete jüdische Siedlung im US-Bundesstaat New York.

Quelle: Persky/Perski/Perskie, (Yocheved Persky Branch), Home Page von

Jana Lynne Perskie

Wir fanden eine Todesanzeige für einen Fred van Dyk, der nach unserer Meinung mit unserem Auricher Abraham-Alfred van Dyk identisch ist, in der von einer Schwägerin Elisabeth van Dyk sowie von Neffen und Nichten die Rede ist. Danach war sein Bruder Meno verheiratet und seine Witwe lebt noch. Hier arbeiten wir noch daran, nähere Informationen zu bekommen.

Fred van Dyk (wenn es der „Richtige“ ist, wie wir vermuten) starb am 23. März 2013 und wir haben ein Kondolenzbuch im Internet gefunden. Wir könnten überlegen, ob wir uns dort zur Verlegung des Stolpersteins eintragen. Das jüdische Beerdigungsinstitut „Joseph Levine & Son. Inc.“ hält die Seite noch bis zum 25. März 2014 vor.

FRED VAN DYK

This Guest Book will remain online until 3/25/2014 courtesy of Joseph Levine & Son, Inc..

Sign Guest Book Add Photo to Gallery Light a Candle

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

 

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Moritz Lerf, Laura Lindena, Jana Warnke

Jürgen Hoogstraat

Hauptkonfirmandengruppe Neu-Ekels
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 5.09.2013)

Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Anhang 1

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 27. August 1931

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 29. November 1934: „Aurich, 19. November (1934).

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. Dezember 1936

Stellenanzeige für einen Lehrling für die Firma van Dyk in Aurich in der Provinz Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang 2

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 23. Juni 1938
Quelle: Alle Zeitungsartikel stammen aus der Sammlung judaica alemanica im Internet.

 

 

 

 

 

 

Abraham Alfred van Dyk

Veröffentlicht: 27. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham Alfred van DykAbraham Alfred van DYK
geboren am 9. Oktober 1921 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21 (ehem. Wilhelmstraße)
Todesdatum: 23. März 2013
Todesort: Philadelphia/Pennsylvania, USA
I. Die Vorfahren der Geschwister Abraham Alfred (*9.10.1921), Meno Lothar (*24.05.1923) und Margrit (*5.05.1929) van Dyk.
Wir beginnen unseren Überblick zur Geschichte der Familie van Dyk   zunächst mit den Daten, die wir aus vier Generationen der Familie herausfinden konnten. 200 Jahre der Geschichte dieser Familie können wir so wenigstens ansatzweise überblicken:Urgroßeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno Lothar und Margrit:
Gessel Aron van Dyk, Geboren um 1811, gestorben Aurich 19.08. 1892
Verheiratet mit: Guterath Samuel Heymann, Geb. Aurich 29.07. 1824, gestorben Aurich 17.07. 1880Zwei Kinder dieser Ehe sind relativ jung in Aurich gestorben:
a). Esther Gessel van Dyk, geb. Aurich 1857, gest. Aurich 1885
b). Aaron Gessel van Dyk, geb. Aurich 1859, gest. Aurich 1888
c). mit dem dritten Kind Abraham Gessel van Dyk: geht die Geschichte der Familie in Aurich weiter:Großeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Abraham Gessel VAN DYK, Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, geboren Aurich 13.08.1861, Gestorben Aurich 12.11.1934
Für ihn gab es einen ausführlichen Nachruf, s. unten.
Verheiratet mit: Mathilde Levy, Altenkirchen 18.06.1864, deportiert nach Theresienstadt 16.06.1942, dort verschollen
deren Eltern: Hirsch und Amalie Levy, geb. Stern
gemeinsames Kind: Karl van Dyk, s. unten „Eltern“

Eltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Karl van Dyk, Kaufmann, im Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich,
geboren Aurich 05. 08.1894, gestorben KZ Buchenwald 07.02.1945
Verheiratet mit:
Erna Wolff, Geboren Aurich 04.03.1893, ermordet KZ Stutthof  bei Danzig 18.12.1944
deren Eltern: Moses Levy Wolff und Frau Rosa Meyer, geb. Sternberg

Kinder von Karl und Erna van Dyk:
1). Abraham Alfred van Dyk, später genannt „Fred“
geb. Aurich 09. 10. 1921, 1940 nach Amerika

2). Meno Lothar van Dyk
geb. Aurich 21.05.1923, 1940 nach Amerika

3). Margrit van Dyk
geb. 05.05.1929 in Aurich, ermordet 15.01.1945 im KZ Stutthof

Wir erforschen den Lebenslauf der Geschwister Margrit, Alfred und Meno Lothar van Dyk. Um etwas über ihre Familie lernen zu können, haben wir hier zuerst Informationen über die Großeltern und Eltern der Kinder gesammelt. Die Familie van Dyk war so sehr bekannt in Aurich, dass sie auch in plattdeutschen Theaterstücken, die in der jüdischen Gemeinde in Aurich spielen, vorkommt. Ein Beispiel ist das Stück: „Das verfrühte Schulerufen“ , das 1902 geschrieben wurde. (Quelle: Gertrud Reershemius).

Der Großvater Abraham van Dyk war ein sehr anerkannter Mann und hat sich große Verdienste als Gemeindevorsteher erworben. Auf eine Anfrage in der Kirchengemeinde, ob es noch Erinnerungsstücke in Victorbur an diese Familie gibt, erhielten wir einen Kleiderbügel mit der Aufschrift „A. van Dyk“ und den Hinweis auf eine Stellenanzeige aus einer alten Zeitung, aus der hervorgeht, dass Abraham van Dyk seinen Glauben sehr ernst nahm und sein Geschäft am Sabbath und an jüdischen Festtagen immer geschlossen hielt. 1931 wurde mit einer großen Feier sein 70. Geburtstag begangen. 1934 ist Abraham van Dyk verstorben. Wir fanden es interessant, dass zwei Jahre später in einem Extra-Artikel noch auf seine Verdienste hingewiesen wurden, da sie in einem Bericht über die jüdische Gemeinde nicht ausreichend erwähnt worden waren. (Artikel über Großvater van Dyk s.u. Anhang 1)

II. Die Familie van Dyk muss Aurich verlassen

In einem Artikel aus der Zeitung „Der Israelit“   vom 23. Juni 1938 (s. u. Anhang 2) ist zu lesen, wie schmerzhaft der Abschied von Aurich und der jüdischen Gemeinde für die Familie van Dyk und die verbleibenden Gemeindeglieder war.

Ein Blick in die frühere Wilhelmstraße in Aurich; rechts in der Mitte befand sich das Textilgeschäft van Dyk (heute „H & M“). Von hier wurde die Familie van Dyk durch massiven Terror vertrieben.

Die letzten Wohnsitze der Familie waren in Köln nachweisbar, die Karten der zuständigen Einwohnermeldeämter haben wir im Staatsarchiv in Aurich gesehen. Wir haben gelernt, dass die jüdischen Mitbürger mit immer stärker werdender Gewalt und massivem Terror zunächst gezwungen wurde, Aurich zu verlassen. Nicht einmal zusammen durften die Eltern van Dyk mit ihrer Tochter Margrit an ihrem letzten Wohnsitz Köln wohnen, Tochter und Vater mussten in eine Wohnung ziehen, die Mutter in eine andere. Es waren sehr beengte Verhältnisse und immer mehr Leute mussten auf engem Raum zusammen unter den schlechtesten Verhältnissen leben.

Von Köln aus wurden die Eltern und die Tochter verschleppt nach Riga, kamen dann nach Buchenwald bzw. Stutthof bei Danzig in ein Konzentrationslager, wo sie schließlich umgebracht wurden. In einem offiziellen Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wird die Erinnerung an dieses schreckliche Ende von Eltern und Tochter aufbewahrt. Der Vater Karl van Dyk (*05.08.1894 in Aurich, +07.02.1945 in Buchenwald) wurde mit letzter Anschrift in Köln Thieboldsgasse 93 geführt, bevor er mit Frau und Kind am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Er gehörte zu denen, die von Riga im Sommer 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig verlegt wurden, von wo er am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald kam. Vom 21.08.1944 datiert sein letztes Lebenszeichen.

Seine Frau Erna van Dyk geb. Wolff (*04.03.1893, +18.12.1944 in Stutthof) musste in Köln von ihm getrennt in der Rochusstrasse 108 leben, ehe sie mit dem gleichen Transport wie ihr Mann am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Auch sie wurde noch ins KZ Stutthof verlegt, wo sie am 09.08.1944 registriert wurde.
Die gemeinsame Tochter Margrit van Dyk (*05.05.1929 in Aurich, +15.01.1945 in Stutthof) lebte vor der Deportation mit dem Vater in Köln, Thieboldsgasse 93. Sie wurde mit ihren Eltern am 07.12.1941 nach Riga deportiert, von dort ins KZ Stutthof, wo sie wie ihre Mutter am 09.08.1944 registriert wurde. Hier fanden sie den Tod. (Quelle: Gedenkbuch und Unterlagen aus YadVashem)

III. Die Flucht der Brüder van Dyk nach Amerika

Als nächsten Schritt versuchen wir, die Übersiedlung der beiden überlebenden Brüder van Dyk zu dokumentieren. Hierfür erhielten wir folgende Dokumente von der Einwanderungsbehörde der USA. Dazu erfuhren wir, dass die Menschen, die vor dem Nazi-Terror in die USA flüchten wollten, nicht einfach so einreisen konnten, sondern einen Bürgen brauchten, der für sie aufkam und sich die Kosten, die die Einwanderer verursachen könnten, übernehmen würde. Folgende Grund-Kosten wurden uns im Falle der Brüder van Dyk genannt:

Steamship Passage (approximate)…………….$350.00
Embarkation Fee…………………………………………19.50
U.S. Head Tax………………………………………………8.00
Maintenance at Lisbon (10 days average)……….10.00
Board money on ship……………………………………10.00
Rail fare Spanish Border to Lisbon………………. 42.00
Cable Charge…………………………………………………2.50
Balance to apply to possible additional cable…….8.00
Somit mussten zunächst 450 Dollar für jeden Bruder eingezahlt werden. Folgende Einträge gibt es im Einwanderungsregister der USA:

Name: Meno L Van Dyk
Arrival: 17 April 1940, Emigration Location: Germany
Birth Location: Aurich, Age: 16, Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friend’s Name: H Gleuck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volendam
Last Permanent Address: Rotterdam
Occpation: Confectioner

Name Abraham Alfred Van Dijk
Arrival: 17 April 1940,
Birth Location: Aurich, Age: 18, Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friends Name: H. Glueck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volendam
Last Permanent Address: Winschoten
Occupation: Tailor

Quelle: Lorinda Mann, Salt Lake City/USA

Soweit wir ermitteln konnten, lebten die Brüder van Dyk dann zuerst im Bundesstaat Pennsylvania. Dort erhielten sie ihre Sozialversicherungsnummer (social security). Anhand dieser Nummer werden sich dann Einzelheiten aus dem Leben wieder finden lassen.

Meno Lothar van Dyk nahm am 1. März 1943 seinen Dienst in der US-Armee auf und verließ die Armee am 13. November 1947. Gewohnt hat er zuletzt in Camden New Jersey, wo er am 24. Juni 1996 starb. Über seine Familie wissen wir noch nicht viel.

Abraham Alfred van Dyk nannte sich in den USA Fred und ist leider in diesem Jahr verstorben. Auch er ist im Militärdienst der US-Armee gewesen, dazu fehlen im Moment noch die Daten. Er lebte in Philadelphia/Pennsylvania zusammen mit seinem langjährigen Lebenspartner  William Brodsky, der ebenfalls aus einer alten jüdischen Familie stammte. Seine Familie war aber schon viel eher nach Amerika gekommen. Es war eine russisch-jüdische Familie, die vor über 100 Jahren in Russland sehr verfolgt wurde. Die Vorfahren von William Brodsky gründeten 1883 die erste landwirtschaftlich ausgerichtete jüdische Siedlung im US-Bundesstaat New York.

Quelle: Persky/Perski/Perskie, (Yocheved Persky Branch), Home Page von Jana Lynne Perskie

Wir fanden eine Todesanzeige für einen Fred van Dyk, der nach unserer Meinung mit unserem Auricher Abraham-Alfred van Dyk identisch ist, in der von einer Schwägerin Elisabeth van Dyk sowie von Neffen und Nichten die Rede ist. Danach war sein Bruder Meno verheiratet und seine Witwe lebt noch. Hier arbeiten wir noch daran, nähere Informationen zu bekommen.

Fred van Dyk (wenn es der „Richtige“ ist, wie wir vermuten) starb am 23. März 2013 und wir haben ein Kondolenzbuch im Internet gefunden. Wir könnten überlegen, ob wir uns dort zur Verlegung des Stolpersteins eintragen. Das jüdische Beerdigungsinstitut „Joseph Levine & Son. Inc.“ hält die Seite noch bis zum 25. März 2014 vor.

FRED VAN DYK

This Guest Book will remain online until 3/25/2014 courtesy of Joseph Levine & Son, Inc..

Sign Guest Book Add Photo to Gallery Light a Candle

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Moritz Lerf, Laura Lindena, Jana Warnke, Jürgen Hoogstraat
Hauptkonfirmandengruppe Neu-Ekels
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 5.09.2013)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft: Wolfgang Mönkemeier
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Anhang 1

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 27. August 1931

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 29. November 1934: „Aurich, 19. November (1934).

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. Dezember 1936

Stellenanzeige für einen Lehrling für die Firma van Dyk in Aurich in der Provinz Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang 2

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 23. Juni 1938
Quelle: Alle Zeitungsartikel stammen aus der Sammlung judaica alemanica im Internet.

 

 

 

 

 

 

Ursula Glück verh. Sherman

Veröffentlicht: 19. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Ursula GLÜCK verh. Sherman
geboren am 16. Februar 1935 in Aurich

Straße: Leerer Landstraße 14
Todesdatum: 1937 Flucht in die USA
Todesort:
Ursula Glück wird am 16. Februar 1935 als jüngstes Kind des Kaufmanns Abraham Glück und seiner Frau Hilde Glück in Aurich geboren.

Abraham Glück, Jahrgang 1899, stammt aus Odessa im damaligen Russland, wo er schon als Kleinkind beide Eltern verloren hat. Er ist in Hamburg-Altona aufgewachsen und ist 1918 von dort nach Aurich gekommen. Als Kaufmann hat er zusammen mit Gustav Katz in der Marktstr. 13 das Leder- und Pelzgeschäft „Glück und Katz“ betrieben.

Hilde Glück (Jahrgang 1902), Ursulas Mutter, ist in Aurich als Tochter des Kaufmanns Moses Wolff und seiner Ehefrau Rosa Wolff (geb. Sternberg) aufgewachsen. Hilde hatte sieben Geschwister.
Abraham Glück und Hilde Wolff haben am 4. Dezember 1926 geheiratet. Die deutsche bzw. preußische Staatsbürgerschaft hat Abraham Glück erst 1929 nach einem jahrelangen Antragsverfahren bekommen. Zu dem Zeitpunkt ist der Sohn Heinz, Ursulas älterer Bruder, schon geboren.

Die Familie wohnt in der Leerer Landstr. 14. Auf der Meldekarte sind verschiedene weitere Bewohner vermerkt. Im September 1935 zieht die nun vierköpfige Familie um in die damalige Gartenstraße, heute von-Jhering-Str. 27.

Ab 1935 wird die Situation für Juden in Deutschland immer schwieriger. Das wird der Grund dafür gewesen sein, dass die Familie Glück im September 1937 die Flucht in die USA antritt. Ursula ist zu der Zeit 2 ½ Jahre alt, ihr Bruder 9. Die Schiffsreise führt von Hamburg über Le Havre nach New York. In der Passagierliste des Schiffes „Georgic“ sind die Namen aller Familienmitglieder zu finden.

In den USA wohnen sie zunächst in Philadelphia in Pennsylvania und ziehen später um nach Kalifornien.

Ursula heiratet am 6. Juli 1957 den Musiker und Komponisten Richard M. Sherman, der am 12. Juni 1928 in New York als Sohn russischer Einwanderer geboren wurde. Er ist zusammen mit seinem älteren Bruder Robert B. Sherman (1925 – 2012) berühmt geworden und hat als Songwriter und Komponist von Musicals (z.B. „Mary Poppins“) und Filmmusiken („Dschungelbuch“) viele Preise und Auszeichnungen (Academy Awards bzw. Oscars) verliehen bekommen. Von solchen und ähnlichen Anlässen ist eine Reihe von Fotos im Internet zu finden. Auch Ursula, die in den USA auch Elizabeth genannt wird, ist häufig darauf zu sehen.

Richard und Ursula Sherman geb. Glück mit ihrer Tochter Victoria (Foto: facebook)

Sie und Richard M. Sherman haben zwei inzwischen erwachsene Kinder: einen Sohn und eine Tochter, Gregory Vincent und Victoria Lynn, und sechs Enkelkinder.

Ursula Elizabeth Sherman, geb. Glück, lebt in Beverly Hills /California. Ihr Ehemann Richard ist dort am 25. Mai 2024 im Alter von 95 Jahren verstorben.

Die Verlegung der Stolpersteine vor dem Haus Leerer Landstraße 14

Der Bericht in den Ostfriesischen Nachrichten vom 27. Mai 2024

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 5.10.2021), Ergänzungen Günther Lübbers 1.06.2024
Foto:

Fotos Verlegung

Facebook

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: www.myheritage.de/research;
https://search.ancestry.com (Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York 1897-1957)
https://en.wikipedia.org/wiki/Richard_M._Sherman
Literatur:
Patenschaft: GE-Kurs der IGS Aurich
Verlegetermin: 5. Oktober 2021

Cäcilie Usansky geb. Rowoldt

Veröffentlicht: 19. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Cäcilie USANSKY geb. Rowoldt
geboren am 10. August 1862 in Wyk/Föhr

Straße: Wallstraße 24
Todesdatum: 1939 Flucht nach Schweden, verstorben am 30.12.1948
Todesort: Stockholm
Geboren wird Cäcilie Rowoldt am 10.08.1862 in Wyk auf Föhr. Sie ist das älteste von acht Kindern ihrer Eltern Regine geb. Trier (1838-1930) und Wilhelm Rowoldt (1822-1912). 1879 zieht sie nach Aurich und arbeitet als Kindermädchen.

Sie heiratet am 18.09.1883 in Hamburg-Altona Jacob Markus Usansky, geboren 1859 in Neshwisch, Novogrudek/Minsk, der wahrscheinlich 1877 nach Deutschland gekommen ist.
1883 zieht das Ehepaar nach Aurich in die Kirchstr. 7.

V. l. Julius, Leo, Rosa, Friedrich, Regine, Bertha, Sara, Albert und die Eltern Jakob und Cäcilie Usansky, Aurich 1898 (Foto: Privat)

Jacob Usansky betreibt ein Pfandleihgeschäft in der Kirchstraße 39. Er verstirbt am 11.Mai 1900 im Alter von 41 Jahren in Aurich.

Jakob und Cäcilie Usansky bekommen 9 Kinder.

Rosa: geb. 20.07.1884, heiratet Georg Sabel (*22.06.1879) und zieht nach Krefeld. Sie haben 3 Kinder (Julius *27.05.1910, Charlotte verh. Servos *15.09.1914, Frieda *25.12.1922). Beide werden mit ihrer Tochter Charlotte und deren Mann Fritz Servos am 11.12.1941 nach Riga deportiert. Georg wird 1942 in Stutthof ermordet, Rosa im Jahr 1943, Lotte am 22.10.1944.

Albert: geb. 20.09.1885, zieht nach Hamburg und heiratet dort am 27.06.1913 Dora Müller (*24.01.1891 +7.05.1940). Er flieht nach Argentinien und stirbt dort 1969 in Buenos Aires. Die Söhne Werner Gustav (1913-1981) und Leonhard Frederik (1916-1988) können in Argentinien bzw. England überleben.

Josef: 03.03.1887 (er nennt sich später Julius Upmann) verstirbt im Jahr 1941. Seine Ehefrau Aenne geb. Jülich verstirbt bereits 1936 in Duisburg.

Friedrich Wilhelm: geb. 04.07.1888, verstorben 1910 in Nizza

Leonhard: geb. 04.12.1889, verstorben 1915 in Aurich

Regine: 09.02.1892, heiratet Max Goldberg, beide verziehen 1933 nach Stockholm. Regine verstirbt 1984 in Stockholm.

Bertha: 17.05.1895, heiratet Christof (Kitty) Bruns. Sie bekommen zwei Söhne, Hans und Harald, die beide in Michendorf (in der Nähe von Potsdam) geboren werden. Die Eheleute entscheiden sich 1935, ihren ältesten Sohn Hans nach Schweden zu seiner Tante Ine und seinem Onkel Max zu geben, da er in der Schule wegen seiner jüdischen Mutter schikaniert wird. Im Sommer 1938 emigriert Bertha mit ihrem jüngeren Sohn Harald ebenfalls nach Schweden. Ihr Mann Kitty (Christof) darf als Angehöriger der deutschen Wehrmacht im Dezember 1938 während eines Urlaubs seine Familie in Schweden besuchen. Er desertiert und bleibt in Schweden.

Die Tochter von Hans, Eva, heiratet Tadeusz Gruber.
Bertha stirbt 1989 in Stockholm.

v. l. Klas Hellstadius, Susanne Hellstadius, Eva Gruber, Emma Blesene, Rolf-Werner Blesene, Tadeusz Gruber (Foto: T. Gruber)

Eva und Tadeusz Gruber nehmen an der Stolpersteinverlegung für ihre Urgroßmutter Cäcilie am 05. Oktober 2021 teil, ebenso die Tochter von Harald, Susanne, mit ihrem Mann Klas Hellstadius (s. Foto).

 

Sara: 10.08.1897, zieht am 22.07.1929 von Walsrode (unbekannt, wann sie dort hinzog) zurück nach Aurich. Sie heiratet am 18.08.1929 Jakob Pels. Das Ehepaar verzieht nach Leer. Sara wird am 11.07.1942 von Hamburg aus nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Sohn Meno überlebt, da er 1939 mit seiner Großmutter Cäcilie nach Schweden emigrieren kann (s. u.).

Hochzeitsfoto von Sara geb. Usansky und Jakob Pels am 18.08.1929   – 1 Sara Pels geb. Usansky, 2 Jakob Pels, 3 Regine Goldberg geb. Usansky, 4 Bertha Bruns geb. Usansky, 5 Kitty/Christoph Bruns, 6 Cäcilie Usansky (Saras Mutter), 7 Rosa Sabel geb. Usansky mit Kind, über dem Kind: Josef „Julius Upmann“ mit Frau Anne, 8 Albert Usansky, links neben der Braut der Vater Bräutigams mit Enkel (Foto: Privat)

Louise: geb.12.11.1899, verst. 28.06.1900

Cäcilie Usansky verzieht am 1.03.1930 in die Kirchdorfer Str. 36, am 1.06.1931 in den Breiten Weg 1, am 1.04.1932 in die Wallstr. 24, am 15.10.1937 in die Marktstr. 2.

Am 6.02.1939 übersiedelt sie zu ihrer Tochter Regine und ihrem Schwiegersohn Max Goldberg nach Stockholm, Svarvargatan 14, zusammen mit Enkel Meno Jakob Pels. Dadurch verliert sie 1942 die deutsche Staatsangehörigkeit.
Sie verstirbt am 30.12.1948 in Stockholm.

Bemerkung auf der Meldekarte: “die Usansky ist nach Schweden abgemeldet, kommt vielleicht wieder. Der Haushalt wird übernommen von der Tochter Sara Pels, geb. Usansky am 07.02.1939.“

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Fotos Familienbesitz: Eva Bruns, T. Gruber
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
Auskünfte der Familie
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_411211.html
Literatur:
Patenschaft: Familie Blesene/Schicho
Verlegetermin: 5. Oktober 2021