Hans-Joachim STERNBERG
geboren am 4. Juli 1935 in Aurich
Hans-Joachim STERNBERG
geboren am 4. Juli 1935 in Aurich
Insa STERNBERG verh. Sternberg-Abraham
geboren am 18. Mai 1930 in Aurich
| Straße: | Osterstraße 16/18 |
| Todesdatum: | 14. Mai 2021 |
| Todesort: | Baton Rouge, Louisiana, USA |
| Insa Sternberg – ein Kind auf der Flucht vor den Nazis
Insa in Aurich 1930 -1936 So wurde die Ausreisegenehmigung für Insa, ihre Brüder und ihre Mutter erst 48 Stunden vor der Überfahrt nach Amerika erteilt und die Nazi-Behörden versetzten die Familie noch einmal wieder in Angst und Schrecken. Kurz vor der Abfahrt kamen Gestapoleute wieder auf das Schiff im Hamburger Hafen, durchsuchten alles und machten sich sogar noch daran, selbstgebackene Kekse von Oma Röschen Sternberg und anderen Proviant für die Kinder ungenießbar zu machen. Insas Oma Röschen starb übrigens wenige Wochen nach der Abreise ihrer Enkelkinder im Februar 1937 und ist auf dem jüdischen Friedhof hier in Aurich begraben. Ihr Mann, Insas Großvater kam noch im hohen Alter nach Amerika. Wir haben Insas Namen und den ihrer Brüder Hans-Joachim und Josef auf einer Passagierliste des Dampfers „Washington“ gefunden. Das Schiff legte am 29. Dezember 1936 in Hamburg ab und kam am 8. Januar 1937 in New York an. In der Familienchronik wird beschrieben, wie schwer die Überfahrt für die Mutter Lea und ihre drei kranken Kinder war (S. 57). Sie hatte – und das war durchaus ein Risiko – sich strikt geweigert, ein deutsches Auswandererschiff zu besteigen und wartete, bis sie Tickets für die Überfahrt auf einem amerikanischen Schiff bekommen konnte. Insa in Amerika Zum ersten Mal „offiziell“ erwähnt wird die kleine Insa in der allgemeinen Volkszählung des Jahre 1940 für Amerika. Durch diese Liste erfahren wir, dass sie mit vollem Namen Insa Renate Sternberg hieß und die dritte Klasse der Grundschule besuchte. Insa war eine sehr gute Schülerin und nach ihrem Schulabschluss wechselte sie an die Louisiana State University. Wir haben mehrere Seiten aus Jahrbüchern der Universität gefunden, auf der sie mit Mitstudentinnen und Mitstudenten abgebildet ist. Die Synagoge B´Nai Israel wurde zur echten Heimatgemeinde für Insa und ihre Familie und so war natürlich klar, dass sie auch hier einmal heiraten wollte. Sie wurde am 6.6.1955 mit dem Arzt Dr. Leo Abraham getraut. Es war die erste Trauung in der neu gebauten Synagoge von 1954. Insa Sternberg war verheiratet mit dem Gynäkologen Dr. Leo Maas Abraham, der aus dem Bundesstaat Mississippi stammte. Er war ein sehr angesehener Arzt und großer Förderer der Frauenheilkunde. Dr. Abraham verstarb am 3. Juli 2012 im Alter von 92 Jahren. Ihrer Ehe entstammen zwei Kinder: Leigh Ann Abraham, verheiratet mit Don Weinbrenn und Dr. Eric Abraham. Sie hat drei Enkelkinder: Nathan und Rachel Weinbrenn sowie Leo Pipes Abraham. Ihr Sohn Eric ist ein bekannter Arzt und Anästhesist in Baton Rouge. ![]() Insa Sternberg mit ihrem Sohn Eric, seiner Frau Patty und deren Sohn Leo in der Synagoge B´Nai Israel , 2018 Insa Sternberg-Abraham, lebte bis zu ihrem Tod in Baton Rouge und hat im Mai 2020 ihren 90 Geburtstag gefeiert. Sie verstarb am 14.05.21 in Baton Rouge, Louisiana, USA. Im Jahr 2013 besucht Insa Sternberg-Abraham zusammen mit ihrer Tochter Leigh Ann und den Enkeln Nathan und Rachel ihre Geburtsstadt Aurich. |
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| Recherche: Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur Ergänzungen und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | http://www.inregister.com 2018, Congregation B´Nai Israel celebrates 160 years |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | 2021 Lahaye, J., http://www.inregister.com 2018, Congregation B´Nai Israel celebrates 160 years. (mit Foto des Synagogenbesuches von Isa Anraham, geb. Sternberg und ihrer Familie und Hochzeitsfoto von 1955.) |
| Literatur: | Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012. |
| Patenschaft: | Elfriede und Günther Lübbers |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Josef STERNBERG
geboren am 27. Mai 1928 in Aurich
| Straße: | Osterstraße 16/18 |
| Überlebt, Flucht in die USA | |
| Josef Sternberg wird am 27. Mai 1928 in Aurich geboren. Er ist das erste Kind von Lea Sternberg geb. Knurr und Erich Sternberg. Seine Schwester Insa wird am 18. Mai 1930 geboren, sein Bruder Hans-Joachim am 4. Juli 1935.
Seine Mutter, Lea Sternberg, wurde am 10. Januar 1904 in Aurich geboren. Sie ist das vierte von sieben Kindern des Ehepaars Lippmann und Ida Knurr, geborene Bienheim. Ihr Vater betreibt in Aurich das renommierte Geschäft „H.C. Knurr“, das bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts bestand und der Familie ein gutes Auskommen sichert. Lea und ihre Geschwister verbringen eine sorglose Jugend in Aurich und genießen eine gute Ausbildung: Lea beispielsweise erlernt gleich zwei moderne Fremdsprachen, Englisch und Französisch, wovon sie später profitiert. Zu Beginn der 1920er Jahre kommen Lea und Erich Sternberg, dessen Familie nur zwei Straßenecken entfernt das Geschäft „Meyer Sternberg“ führt, einander näher. Obwohl das Paar sich bereits 1922 verlobt, dauert es fünf Jahre bis zur Hochzeit: Lea kümmert sich um ihre schwer erkrankte Mutter und ist erst nach deren Tod 1927 zur Eheschließung bereit. Zum Zeitpunkt der Geburt des jüngsten Sohnes spielt die Familie bereits mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen. Einerseits wird die wirtschaftliche Situation der jungen Familie immer schwieriger, da das Geschäft „Meyer Sternberg“, das zu einem Drittel Leas Ehemann gehört, infolge von Boykottaktionen durch die Nationalsozialisten immer weniger Gewinn abwirft. Andererseits fühlt sich das Paar aufgrund von Diskriminierung und offenen Anfeindungen immer weniger wohl in Deutschland, auch wenn die Familie von einzelnen Aurichern immer wieder Hilfe und Unterstützung erfährt. Erich Sternberg versucht daher, in den USA eine neue Existenz für seine Familie aufzubauen. Hierfür sind jedoch umfangreiche Vorarbeiten, Geschick und Glück nötig: Am 27. Januar 1936 reist Erich von Bremen nach New York, Lea bleibt mit den Kindern allein in Aurich zurück. Im Herbst 1936 gelingt es Erich schließlich, in das Kaufhaus „Goudchaux“ in Baton Rouge, Louisiana, einzusteigen, das er später übernehmen sollte. Lea stellt daraufhin ebenfalls einen Antrag auf Auswanderung, der jedoch erst im letzten Moment, 48 Stunden vor Abfahrt des Schiffes nach New York, genehmigt wird. Am 27. Dezember 1936 verlässt Lea mit ihren Kindern Aurich für immer. Ihr Vater, Lippmann Knurr, bleibt in Aurich zurück. Lea und er sollten sich nie wiedersehen. In Louisiana gelingt es Lea und Erich, durch harte Arbeit ein florierendes Unternehmen aufzubauen. Lea trägt hierzu erheblich bei, da sie nicht nur die Kinder erzieht, sondern zudem tatkräftig im Geschäft mitarbeitet und schließlich die Leitung des Verkaufs übernimmt. Von Vorteil ist für Lea, dass sie, anders als ihr Ehemann, bereits Englisch sprechen kann. Da Erich bald Inhaber des Kaufhauses ist, hat er die Möglichkeit, Bürgschaften für Personen, die ein Visum für die USA beantragen, zu übernehmen. Dem Paar gelingt es so, einem großen Teil der Familien Sternberg und Knurr die Ausreise in die USA zu ermöglichen. Leas Brüder Harry, Hermann und Erich sowie Erichs Vater Jakob und sein Bruder Max und deren Familien entkommen so dem Holocaust. Lippmann Knurr, Leas Vater, stirbt 1942 im Alter von 83 Jahren in Bremen. Henny Knurr, Leas Tante, wird in Treblinka ermordet. Beide hatten ihre Ausreise aus Deutschland zu lange hinausgezögert, im Glauben, dass „sich alles wieder normalisieren“ würde und man zwei so alten Menschen nichts antun würde. Josef verliert seinen Vater 1965, als dieser an einem Herzinfarkt stirbt. Zusammen mit seinem Bruder Hans führt er das Unternehmen sehr erfolgreich fort, so dass es schließlich zum größten Kaufhaus in Familienbesitz in den USA aufsteigt. Josef Sternberg heiratet Mary Ann Weil (*14.03.1944) am 31.03.1968 in Baton Rouge. Das Ehepaar hat drei Kinder: Johanna Lynn, Katherine Ann und Walter „Jay“ Joseph. Josef verstirbt am 23.12.1990 in Baton Rouge, East Baton Rouge, Louisiana, USA im Alter von 62 Jahren. Seine Mutter Lea Sternberg verstirbt am 23. Juli 1998 im Alter von 93 Jahren in Baton Rouge, Louisiana, USA und wird unter großer Anteilnahme beigesetzt. |
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| Recherche: Dr. Sandra Weferling (Stand: 5.10.2021) Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; |
| Literatur: | Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012. |
| Patenschaft: | Anna und Reiner Alberts |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Erich STERNBERG
geboren am 18. Januar 1901 in Aurich
| Straße: | Osterstraße 16/18 |
| Todesdatum: | 3. Juli 1965 |
| Todesort: | Baton Rouge, Louisiana, USA |
| Eine Gruppe von Jugendlichen der Kirchengemeinde Victorbur hat zur Geschichte der Familie Sternberg recherchiert. Hier ihre Ergebnisse: Bei unseren Nachforschungen zur Verlegung der Stolpersteine für die Familie Erich Sternberg fiel uns gleich zu Beginn ein ganz einfach aufgemachtes Adressbuch für die Stadt Aurich aus dem Jahre 1926 in die Hände. Es hat 175 Seiten und ist als PDF-Datei auf der Seite der Ostfriesischen Landschaft leicht einsehbar. Dort haben wir ganz zuerst nach der Familie Sternberg gesucht und auch gleich mehrere Mitglieder der Familie gefunden, für die heute Stolpersteine verlegt werden. Ganz selbstverständlich werden sie dort mit der Adresse in der Osterstraße, Beruf und Telefonanschluss für das Geschäft genannt. Nichts Auffälliges ist daran zu finden. Wir haben uns immer wieder die Frage gestellt: wie konnte es geschehen, dass diese ganz normalen Einträge im Adressbuch wenige Jahre später plötzlich verschwunden waren. Da war ein ganz normales Geschäft wie so viele in Aurich damals. Da war eine ganz normale Familie mit Mutter, Vater, Kindern, mit Großeltern, Onkeln und Tanten. Wie konnte so viel Hass und Verachtung unter den anderen Leuten im Auricher Adressbuch entstehen, dass nicht nur diese eine, sondern so viele andere Familien vor dem Hass und der Verachtung der anderen aus dem Adressbuch fliehen mussten oder ermordet wurden? Ein anderes Dokument im Landesarchiv in Aurich aus dem Jahre 1937 haben wir gefunden, in dem es um die „Verwaltung eingezogener Immobilien“ von Max und Erich Sternberg in der Osterstraße 16-18 und in Sandhorst-Coldehörn geht. Ganz bürokratisch genau ausgetüftelte Dokumente. Nur 11 Jahre nach Erscheinen des Adressbuches von 1926 war die Adresse der Familie Sternberg nicht mehr wegen der Menschen interessant, die dort gelebt hatten. Man war augenscheinlich froh, dass sie nicht mehr in Aurich wohnten. Es ging nur noch darum, wer wieviel mit den früheren Häusern der Familie verdienen konnte.Das Schicksal der Familie Sternberg wie das Schicksal so vieler anderer jüdischer Familien war so vielen anderen aus dem Auricher Adressbuch anscheinend gleichgültig. Hatten sie noch fliehen können? Waren sie in ein Konzentrationslager eingeliefert worden? Waren sie schon umgebracht worden oder wurden sie auf bestialische Weise gequält? Wir waren in Bezug auf die Familie Sternberg irgendwie geradezu erleichtert, als wir uns wieder ein Adressbuch, dieses Mal das der Stadt Baton Rouge im Bundessaat Louisiana der USA, ansehen konnten. Es stammt aus dem Jahre 1943 und ist im Internet einsehbar. Es hat 433 Seiten und fast alle Namen, die wir im Auricher Adressbuch von 1926 gefunden hatten, konnten wir wiederfinden. Nur ein Name fehlte: der Großvater der Familie, Jacob Meyer Sternberg, früher einmal ein erfolgreicher Auricher Geschäftsmann, musste noch im hohen Alter seine früher einmal geliebte Heimatstadt verlassen und war tausende von Kilometern von Aurich entfernt am 22. Oktober 1941 in Baton Rouge verstorben. Als wir das Bild seines Grabsteins im Internet fanden, hat es uns besonders angerührt, dass seine Frau Röschen, geborene Stein, die fünfzig Jahre mit ihm verheiratet war, keineswegs neben ihrem Ehemann beerdigt war, so wie das normalerweise der Fall ist. Sie liegt hier in Aurich auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Ihr Mann musste das Grab seiner Frau in Ostfriesland zurücklassen, weil er hier selber den sicheren Tod durch die Verfolgung durch die Nazis gefunden hätte. Zur Erinnerung an seine Heimatstadt ließ er Aurich sogar noch auf seinem Grabstein erwähnen. Sicher haben seine Angehörigen in Amerika mit sehr gemischten Gefühlen auf die Erwähnung der Stadt geblickt, aus deren Adressbuch ihre Namen einfach gestrichen wurden. Die Familie Sternberg gehört zu den bekanntesten Familien der früheren jüdischen Gemeinde. Es ist schon einige Male über sie berichtet worden und Hans Sternberg hat selber die Geschichte der Familie in Aurich und Amerika aufgezeichnet. Familienmitglieder aus Amerika waren auch bereits in Aurich zu Gast. Insgesamt geht es heute um acht Stolpersteine für Angehörige der Familie Sternberg und wir haben uns entschieden, sozusagen stellvertretend einige Mitglieder der Familie vorzustellen. Am bekanntesten ist sicherlich Erich Sternberg geworden, der am 18.01.1901 in Aurich als Sohn der Eheleute Jacob Meyer Sternberg und Röschen Stein geboren wurde. Er war der jüngste von neun Geschwistern. Erich Sternberg erkannte schon früh den Ernst der Lage und die große Gefahr für die jüdischen Familien und entschloss sich in Absprache mit der Familie 1935 dazu, nach Amerika zu gehen und mit erspartem Geld und der Mitgift seiner Ehefrau Lea Knurr die Grundlage für ein eigenes Geschäft in den USA zu legen. Auch seine Ehefrau Lea entstammte einer alten jüdischen Kaufmannsfamilie in Aurich. Erich zog zunächst allein in die USA und transferierte sein Geld auf abenteuerlichen Wegen zu einer niederländischen Bank, die es dann für ihn in die USA weiterschickte. So konnte er anders als manche andren jüdischen Auswanderer auf einer sicheren finanziellen Basis beginnen. Ein anderer Vorteil war, dass Erich wie sehr viele andere Ostfriesen, bereits etliche Verwandte in Amerika hatte, die im 19. Jahrhundert ausgewandert waren und ihm nun den Start erleichtern konnten. Als ersten Ansprechpartner in Amerika hatte er seinen Onkel Siegfried Sternberg, der bereits im April 1891 nach North Carolina ausgewandert war. Als Neffe Erich im Februar 1936 eintraf, lebte er mit seiner Frau in Philadelphia an der amerikanischen Ostküste. Von hier zog Erich weiter zu seinem Bruder Alfred, der im Bundessaat Mississippi lebte. Er war von den Eltern seinem Onkel Siegfried bei einem Besuch in Aurich „mitgegeben“ worden und darüber wenig begeistert. Auch hier hielt es Erich nicht lange, er hatte große Sehnsucht nach seiner Frau Lea und den drei Kindern in Aurich. Unbedingt wollte er seine Familie bald nachkommen lassen, dafür aber eine sichere Ausgangsbasis schaffen. Nächste Station in Amerika waren die Kinder seines Onkels Josef Sternberg (1861-1928). Seine Vettern Sam, Mel und Jay lebten in New Orleans. Auch dort gab es bereits wieder zur Fortführung der Familientradition ein Textilgeschäft unter dem Namen „Famous Sternberg Clothing“. Durch Vermittlung seiner Verwandten in New Orleans gelangte Erich Sternberg nach Baton Rouge im Bundesstaat Louisiana, wo er ein bereits bestehendes Fachgeschäft übernehmen konnte. Mit seiner Frau hatte Erich Sternberg einen Geheimcode ausgemacht, da die jüdischen Familien schon längst nicht mehr ungehindert kommunizieren konnten. Lea Sternberg wusste: wenn ein Telegramm aus Amerika mit dem unverfänglichen Text „Heute erster Kunde im Geschäft. Stopp.“ eintreffen würde, dann war es Ende 1936 Zeit, unverzüglich Deutschland zu verlassen und nach Amerika zu kommen (Seite 56). Es wurde höchste Zeit, da die Repressalien gegen die jüdischen Familien auch in Aurich immer mehr zunahmen. Erich Sternberg verhalf mit seinem gelungenen Start in Amerika nicht nur seiner Frau und seinen Kindern, sondern noch viel mehr Familienmitgliedern zur Auswanderung und zu einer sicheren Heimat in Baton Rouge, Louisiana. Sogar sein Vater Jacob Meyer Sternberg, der mit seiner Heimatstadt Aurich doch so sehr verwachsen war, entschloss sich schweren Herzens mit 81 Jahren zur Auswanderung nach Amerika. Wenig später wurde Deutschland zu einem einzigen Gefängnis für alle noch verbliebenen jüdischen Familien, das kaum jemand überleben sollte. Erich Sternberg verstarb am 3.07.1965 in Baton Rouge, Louisiana, USA im Alter von 64 Jahren. |
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| Recherche: Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur Ergänzungen und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Niedersächsisches Landesarchiv Aurich Rep. 91, Nr. 263 OL C 1 www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/Dokumente Adressbuch_Aurich_1926.pdf Polk`s Greater Baton Rouge City Directory 1943, R.L. Polk & Co Publishers, 202 Thomas Bldg, Dallas 1, Texas. Copyright 1943. |
| Literatur: | Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012. |
| Patenschaft: | Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Gisela WALLHEIMER verh. Freudenberger
geboren am 29. Juni 1929 in Aurich
| Straße: | Georgswall 23 (früher: Lindenstr. 12) |
| Todesdatum: | 10.02.2021 |
| Todesort: | |
| Gisela Wallheimer wird am 29. Juni 1929 in Aurich geboren. Sie ist das zweite Kind der Eltern Levy Abraham und Jettchen geborene Plaut. Sie hat noch einen Bruder Abraham. Die Familie wohnt im Haus Lindenstraße 12 (s. Foto). 1939 müssen sie umziehen in ein sogen. Judenhaus in der Lilienstraße 9. Die Familie plant die Flucht.
Am 15.03.1939 flüchtet sie mit ihrem Bruder ohne die Eltern zu ihrem Onkel Max Plaut nach Antwerpen. Am 21.11.1939 schiffen die beiden – heute würde man sagen als „unbegleitete Minderjährige“ – auf der SS MAASDAM in Antwerpen ein, Ankunft New York 16.12.1939. Laut Immigranten-Manifest ist die Zehnjährige ebenso wie ihr Bruder keine Polygamistin und keine Anarchistin. Gisela heiratet Herbert Freudenberger aus Darmstadt. Herbert ist ebenfalls ein minderjähriges Flüchtlingskind. Am 14. März 1940 kommt er in einer Gruppe von Kindern mithilfe der Organisation German Jewish Children Aid in New York an. Er verlässt seine Eltern Richard Ferdinand und Gutta Freudenberger, welche den Holocaust nicht überleben. Giselas Ehemann Herbert stirbt bereits 1975. Gisela lebt noch viele Jahre und stirbt nach langer Krankheit am 10.02. 2021 in der Zeit dieser Recherche. Aus den Quellen ist ersichtlich, dass die Familien Freudenberger und Nachkommen in Queens, NY ein sehr religiöses Leben führen. In einem langen Nachruf beschreibt ein Enkel das Leben seiner Oma Gisela. Es soll von großen Schmerzens- und familiären Verlusterfahrungen in ihren jungen Jahren geprägt worden sein. Jedoch soll sie in jeder Weise gütig und lebensbejahend gewesen sein. Ihr großes Vertrauen auf den Allmächtigen hat sie als lebendiges Vermächtnis an eine große Schar von Kindern und Enkelkindern weitergereicht. So die Lobpreisungen dieses Nachrufs. |
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| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarte, NLA Aurich Korrespondenz mit:- Nachkomme Mark Goldsmith, – Karen Franklin – Director of Family Research am Leo-Baeck-Institute NY, – Stadtarchiv Aurich Immigrantenregister Ellis Island |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | KVHS Aurich |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Abraham WALLHEIMER
geboren am 25. November 1926 in Aurich
| Straße: | Georgswall 23 (früher: Lindenstr. 12) |
| Todesdatum: | 30.11.1976 |
| Todesort: | New York |
| Abraham Wallheimer ist das erste Kind der Eltern Levy Abraham und Jettchen geborene Plaut, die am 22.11.1925 in Guxhagen heiraten. Er hat noch eine Schwester Gisela. Die Familie wohnt im Haus Lindenstraße 12 (s. Foto).
1939 müssen sie umziehen in ein sogen. Judenhaus in der Lilienstraße 9. Die Familie plant die Flucht. Am 15.03.1939 flüchtet Abraham mit seiner Schwester Gisela ohne die Eltern zu seinem Onkel Max Plaut nach Antwerpen. Am 21.11.1939 schiffen die beiden – heute würde man sagen als „unbegleitete Minderjährige“ – auf der SS MAASDAM in Antwerpen ein. Ankunft New York 16.12.1939. Laut Immigranten-Manifest ist der Dreizehnjährige kein Polygamist und kein Anarchist – so der wohl sonderbare Ausdruck dieser behördlichen Befürchtungswelt dieser Zeit. Abe (dort so genannt) hat keine Familie und hinterlässt keine Kinder. Abe stirbt am 30. 11. 1976 in New York ohne Nachkommen, ohne Familie. Abrahams Eltern Levy Abraham und Jettchen schiffen sich am 7.11.1939 in Hamburg an Bord der SS PENNLAND ein, weiter über Antwerpen nach New York. Ankunft am 15.11.1939. Dort wohnt das Paar zunächst in Averdon Ave 326 New York beim Cousin ihres Mannes Wolff Wallheimer (Kirchdorfer Str. 36, *24.04.1903). Die Passage bezahlt Jettchens Bruder Max Plaut. Jettchen Plaut stirbt am 31.12.1963 in New Jersey. Begraben auf dem Clifton King Solmon Memorial Park. Ihre Mutter Bertha – Witwe und ihre Geschwister und die Anverwandten der Katzenbergs und Goldschmidts können auch in die USA bzw. England flüchten. |
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| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarte, NLA Aurich Korrespondenz mit:- Nachkomme Mark Goldsmith,- Karen Franklin – Director of Family Research am Leo-Baeck-Institute NY, – Hans-Peter Klein lokaler Forscher jüdischen Lebens in Nordhessen. – Stadtarchiv Aurich – Immigrantenregister Ellis Island |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Sonja Jakob |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Jettchen WALLHEIMER geb. Plaut
geboren am 13. Februar 1899 in Guxhagen (Nordhessen)
| Straße: | Georgswall 23 (früher: Lindenstr. 12) |
| Todesdatum: | 12.12.1963 |
| Todesort: | New Jersey |
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Jettchen Plaut wird am 13. Februar 1899 in Guxhagen (Nordhessen) geboren. Ihr Vater ist Moses Plaut, im Berufsstand Handelsmann, die Mutter heißt Bertha geborene Katzenberg. Die Plauts betreiben ein Textil- und Hausgerätegeschäft und einen Grundstückshandel. Die Plaut/Katzenbergers sind eine sehr große Familie mit einem tiefgewachsenen Selbstverständnis ihrer Familiengeschichte und der Observanz in der jüdisch-chassidischen Lebensführung. Im Haus der Plauts in der Sellestrasse 12, es existiert noch, vermutet man eine heute zugeschüttete Mikwe. Moses Plaut ist Gemeindeältester und Vorsteher dieser Agudat-Jisroel-Gemeinde. Es gibt heute ausgedehnte Forschungsliteratur über die Plauts. Alexander, Siegfried, Gretchen. Schwester Gitta (Gida) heiratet am 16.06.1920 den Lehrer Moritz Goldschmidt aus Aurich. Ein bekanntes Muster der geschwisterlichen oder lokalen Mehrfachverflechtung in der Braut- und Bräutigamsuche, welches auch sonst in Ostfriesland üblich war. Am 7.11.1939 schifft sie sich in Hamburg mit Mann Levy Abraham an Bord der SS PENNLAND ein, weiter über Antwerpen nach New York, Ankunft am 15.11.1939. Dort wohnt das Paar zunächst in der Averdon Ave. 326, New York beim Cousin ihres Mannes Wolff Wallheimer (Kirchdorfer Str. 36, *24. 4. 1903). Die Passage bezahlt ihr Bruder Max Plaut. Im Immigrantenregister von Ellis Island ist die Heimatadresse eines nun tragisch Zurückgebliebenen vermerkt: Der Schwager Wolff Abraham „Wilhelm“ Wallheimer von der Fockenbollwerkstraße 4, welcher 1941 nach Kowno deportiert wird und umkommt. Jettchen Plaut stirbt am 31.12.1963 in New Jersey. Begraben ist sie auf dem Clifton King Solmon Memorial Park. Ihre Mutter Bertha – Witwe und ihre Geschwister und die Anverwandten der Katzenbergs und Goldschmidts können auch in die USA bzw. England flüchten. |
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| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarte, NLA Aurich Korrespondenz mit: – Nachkomme Mark Goldsmith,- Karen Franklin – Director of Family Research am Leo-Baeck-Institute NY,- Hans-Peter Klein lokaler Forscher jüdischen Lebens in Nordhessen.- Stadtarchiv Aurich- Immigrantenregister Ellis Island |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Jörg Peter |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Levy Abraham WALLHEIMER
geboren am 21. Mai 1886 in Aurich
| Straße: | Georgswall 23 (früher: Lindenstr. 12) |
| Todesdatum: | 10.10.1954 |
| Todesort: | New Jersey |
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Levy Abraham Wallheimer wird am 21. Mai 1886 in Aurich geboren. Sein Vater ist Abraham Levy Wallheimer, die Mutter heißt Bertha geborene Hahn. Levy Abraham hat folgende Geschwister: Karoline, Simon, Röschen, Wolff Abraham, Josef Abraham. Levy heiratet am 22.11. 1925 Jettchen Plaut aus Guxhagen (südlich von Kassel). Ihr Vater ist Moses Plaut, im Berufsstand Handelsmann, die Mutter heißt Bertha geborene Katzenberg. Die Plauts betreiben ein Textil- und Hausgerätegeschäft und einen Grundstückshandel. Die Plaut/Katzenbergers sind eine sehr große Familie mit einem tiefgewachsenen Selbstverständnis ihrer Familiengeschichte und der Observanz in der jüdisch-chassidischen Lebensführung. Im Haus der Plauts in der Sellestrasse 12, es existiert noch, vermutet man eine heute zugeschüttete Mikwe. Moses Plaut ist Gemeindeältester und Vorsteher dieser Agudat-Jisroel-Gemeinde. Es gibt heute ausgedehnte Forschungsliteratur über die Plauts. Jettchen hat folgende Geschwister: Rosa, Max, Gitta, Salomo, Alexander, Siegfried, Gretchen. Schwester Gitta (Gida) heiratet am 16.06.1920 den Lehrer Moritz Goldschmidt aus Aurich. Ein bekanntes Muster der geschwisterlichen oder lokalen Mehrfachverflechtung in der Braut- und Bräutigamsuche, welches auch sonst in Ostfriesland üblich war. Das Paar hat zwei Kinder, Abraham und Gisela. Am 7. 11. 39 schifft er in Hamburg mit seiner Frau Jettchen an Bord der SS PENNLAND ein, weiter über Antwerpen nach New York. Ankunft am 15. 11. 39. Dort wohnt das Paar zunächst in Averdon Ave. 326, New York bei seinem Cousin Wolff Wallheimer (Kirchdorfer Str. 36, *24.04.1903). Die Passage bezahlt sein Schwager Max Plaut. Im Immigrantenregister von Ellis Island ist die Heimatadresse dieses nun tragisch Zurückgebliebenen vermerkt: Der Bruder Wolff Abraham „Wilhelm“ Wallheimer von der Fockenbollwerkstraße 4, welcher 1941 nach Kowno deportiert wird und umkommt. Levy Abraham stirbt am 10.10.1954 in New Jersey. Begraben ist er auf dem Clifton King Solmon Memorial Park. Seine vier in Aurich und später in Berlin lebenden Geschwister können nicht mehr flüchten und überleben den Holocaust nicht. |
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| Recherche: Jörg Peter Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarte, NLA Aurich Korrespondenz mit: – Nachkomme Mark Goldsmith, – Karen Franklin – Director of Family Research am Leo-Baeck-Institute NY, – Hans-Peter Klein lokaler Forscher jüdischen Lebens in Nordhessen – Stadtarchiv Aurich – Immigrantenregister Ellis Island |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Klaus Balke |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Heinz GLÜCK
geboren am 11. Mai 1928 in Aurich
| Straße: | Leerer Landstraße 14 |
| Todesdatum: | Überlebt den Völkermord |
| Todesort: | |
| Heinz Glück wird am 11.Mai 1928 als Sohn des Kaufmanns Abraham Glück und seiner Ehefrau Hilde Glück (geb. Wolff) in Aurich geboren. Abraham Glück (geb. am 1. Mai 1899 in Odessa) hat schon als Kleinkind beide Eltern verloren und ist im April 1918 von Hamburg-Altona nach Aurich gekommen. Hilde Glück (geb. am 17. Juli 1902) ist mit sieben Geschwistern in einer Auricher Kaufmannsfamilie aufgewachsen.
Abraham Glück betreibt zusammen mit Gustav Katz das Leder- und Pelzgeschäft „Glück und Katz“ in der Marktstr. 13. Das Ehepaar wohnt seit dem 4.12.1926, dem Heiratsdatum, in der Leerer Landstr. 14. Am 16. Februar 1935 wird die Tochter Ursula geboren. Dies mag ein Grund dafür sein, dass die inzwischen vierköpfige Familie in die damalige Gartenstraße 27 umzieht, heute von-Jhering-Straße. Vielleicht spielen auch Fluchtgedanken dabei schon eine Rolle, denn ab 1935 wird die Situation für Juden in Deutschland immer schwieriger. Die Familie Glück macht sich im September 1937 auf den Weg in die USA. Heinz ist zu der Zeit neun Jahre alt, seine Schwester Ursula zweieinhalb. Die Schiffsreise geht von Hamburg über Le Havre nach New York, wo die „Georgic“ am 26. September 1937 ankommt. Die Namen aller Familienmitglieder sind in einer Passagierliste zu finden. Die Familie wohnt zunächst in Philadelphia in Pennsylvania. Abraham Glück wird in Amerika Abe Gluck genannt, seine Frau Hilde heißt nun Hilda Gluck. Etwa 1967 ziehen die beiden um nach Los Angeles. Abraham Glück stirbt dort am 13. Februar 1970, Hilda Glück mehr als 20 Jahre später, am 16. Januar 1992. Der Sohn Heinz, der als 9-jähriger Schüler nach Amerika gekommen ist und dort den Namen Henry Gluck angenommen hat, wächst in Philadelphia auf und studiert an der Universität von Pennsylvania Wirtschaft, Finanzen und internationalen Handel. Am 22. Mai 1953 heiratet er in Los Angeles die damals 20-jährige Arline Renee Mayers, die Tochter von Louis Mayers und Helen Grossmann. Sie ziehen Mitte der 1950-er Jahre um nach Los Angeles und bekommen zwei Kinder: Ronald Allen und Tracey Eleen. Henry Gluck ist beruflich sehr erfolgreich und bekleidet verantwortungsvolle Spitzenpositionen in verschiedenen Bereichen. In den 50er Jahren kommt er z.B. zu Monogram Industries, einem an der New Yorker Börse notierten Mischkonzern, und wird von 1969 bis 1972 dessen Präsident. Von 1983 bis 1994 ist er Vorsitzender und Geschäftsführer von Caesars World. Später wird er Mitglied des Beirates und seit 2009 Vorsitzender des Ronald Reagan UCLA Medical Centers. UCLA Health ist ein Gesundheitssystem, das mehrere Krankenhäuser, eine medizinische Hochschule und ein umfangreiches Primärversorgungsnetz in der Region Los Angeles umfasst: University of California Los Angeles. UCLA Health wird von Henry und Arline Gluck und ihrer Stiftung sehr gefördert, und sie unterstützen auch weitere Wohltätigkeitsorganisationen. Im Juni 2021 bekommen beide (Henry ist 93 Jahre alt) den FIAT LUX-Award in „Anerkennung ihrer außergewöhnlichen Dienste und ihres Engagements“. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | Tracey Gluck |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarte, NLA Aurich https:// search.ancestry.com/cgi-bin /sse. Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, 1897-1957); https://www.myheritage.de/research…/Kalifornien-county-eheschließungen-1850-1952; https://www.uclahealth.org/u-magazine/gift-from-arline-and-henry-gluck-to-pioneer; https://de.wikinew.wiki/Henry_Gluck; Korrespondenz mit Nachkommen |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Christel und Dirk Berends |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |
Abraham GLÜCK
geboren am 1. Mai 1899 in Odessa
| Straße: | Leerer Landstraße 14 |
| Todesdatum: | Überlebt den Völkermord, stirbt am 13.02.1970 |
| Todesort: | Los Angeles, USA |
| Abraham Glück wurde am 1. Mai 1899 in Odessa im damaligen Russland geboren. Der jüdische Bevölkerungsanteil betrug zu der Zeit in Odessa 30%, das entsprach etwa 125.000 Personen. Aber es gab im 19. Jahrhundert in Russland mehrfach antijüdische Pogrome, in Odessa 1821 zum ersten Mal. 1905 kam es dort erneut zu schweren Ausschreitungen gegen Juden.
Abraham Glücks Eltern wurden ermordet, als er noch ein kleines Kind war. Deshalb war das Leben für ihn als Waisenkind nicht einfach. Er ist schon als Kind nach Deutschland gekommen, hat in Hamburg-Altona gelebt und ist von dort Ende April 1918 nach Aurich gekommen, gemeldet am 27.04.1918. Sein Sohn Henry berichtet, dass sein Vater eine unglaubliche Stimme hatte, aber nicht religiös genug war, um als Kantor für die Synagoge ausgewählt zu werden. Er sei jedoch bei lokalen Operettenaufführungen aufgetreten und oft in anderen Städten als Kantor ausgewählt worden. Als Kaufmann betreibt er in Aurich zusammen mit Gustav Katz das Leder- und Pelzgeschäft „Glück und Katz“ in der Marktstr. 13. Am 4. Dezember 1926 heiratet er Hilde Wolff, die aus einer großen Familie kommt und am 17. Juli 1902 als Tochter von Moses Levy und Rosa Wolff (geb. Sternberg) geboren wurde. Sie ist als jüngstes Kind mit sieben Geschwistern aufgewachsen: Rosalie, Moritz, Leopold, Erna, Frieda, Iwan und Wilhelm. Ihr Vater (gest. am 16.04.1916) war ein erfolgreicher Kaufmann mit eigenem Geschäft in Aurich. Ihre Mutter ist 1917 gestorben. Trauzeugen bei der Hochzeit von Abraham Glück und Hilde Wolff sind der Kaufmann Jakob Sternberg und Moritz Wolf, Hildes Bruder und ebenfalls Kaufmann. Schon 1925, also vor der Hochzeit, stellt Abraham Glück einen Einbürgerungsantrag, der zunächst abgelehnt wird. Das Verfahren zieht sich sehr in die Länge. Erst nachdem am 11. Mai 1928 der Sohn Heinz geboren wird und klar ist, dass Abraham Glück den Lebensunterhalt für sich und seine Familie selbst verdienen kann, wird ihm die deutsche bzw. preußische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Nach Zahlung einer Verwaltungsgebühr von 50 RM bekommt er sie im Februar 1929. Abraham Glück wohnt in Aurich zunächst in der Marktstr. 6, seit März 1926 im Haus Marktstr. 13, das seit 1923 Gustav Katz gehört. Abraham und Hilde Glück ziehen nach der Hochzeit um in das Haus: Leerer Landstraße 14. Am 16. Februar 1935 wird ihre Tochter Ursula Glück geboren. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass die Familie im September 1935 noch einmal umzieht, nämlich in die damalige Gartenstraße, heute von-Jheringstr. 27. Vielleicht spielen auch Fluchtgedanken dabei schon eine Rolle, denn ab 1935 wird die Situation für Juden in Deutschland immer schwieriger. Die Familie Glück macht sich im September 1937 auf den Weg in die USA. Ursula ist zu der Zeit 2 1/2 Jahre alt, ihr Bruder Heinz 9. Die Schiffsreise geht von Hamburg über Le Havre nach New York. In einer Passagierliste sind die Namen aller Familienmitglieder zu lesen. Es geht auch daraus hervor, dass Familie Glück die Überfahrt selbst bezahlt hat. Das Schiff „Georgic“ kommt am 26. September 1937 in New York an. Die Familie wohnt zunächst in Philadelphia in Pennsylvania. Hildes Schwestern Rosalie und Frieda (verh. Sternberg) fliehen ebenfalls in die USA. Von ihren Brüdern überlebt jedoch niemand das Ende des 2. Weltkrieges und der Naziherrschaft. Moritz kommt 1942 um im Ghetto Lodz (Polen) und Erna van Dyk (geb. Wolff) 1944 im KZ Stutthof (Polen). Dieses Schicksal wirft einen dunklen Schatten auf Abrahams und Hildes Leben, aber der Start in ein neues Leben ist voller Hoffnung. Um 1967 herum ziehen sie um nach Los Angeles in Kalifornien. Das Highlight ihres Lebens, wie Sohn Henry es nennt, besteht darin, dass sie lange genug gelebt haben, um ihre beiden Kinder glücklich verheiratet zu sehen und wunderbare Enkel bekommen zu haben. Sie sind sehr stolz auf das, was ihre Kinder erreicht haben, ihre Tochter verheiratet zu sehen mit einem Komponisten, der viele Auszeichnungen (Academy Awards) gewonnen hat, und den Sohn, der Präsident eines an der New Yorker Börse notierten Mischkonzerns geworden ist. Abraham Glück, in Amerika Abe Gluck genannt, stirbt am 13. Februar 1970 in Los Angeles. Seine Frau Hilde, in Amerika Hilda Gluck genannt, mehr als 20 Jahre später, am 13. Januar 1992. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 5.10.2021) |
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| Foto: | Tracey Gluck |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarte, NLA Aurich https://www.myheritage.de/research/U.S.Sterbeverzeichnis der Sozialversicherung; „The Los Angeles Times“, 16. Januar 1992, S.23; https://wikipedia.org/Geschichte_der_Juden_in_Odessa; https://search.ancestry.com (Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York); Korrespondenz mit Nachkommen |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Ingo Mersch-Klock |
| Verlegetermin: | 5. Oktober 2021 |