Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Adolf Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

adolf-wolff-1896-steinAdolf  WOLFF
geboren 13. Mai 1896 in Sandhorst

 

 

 

Straße: Norderstraße 11
Todesdatum: 19. Oktober 1944
Todesort: Auschwitz
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Adolf Wolff (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Adolf Wolff wird am 13. Mai 1896 als viertes von sieben Kindern des Viehhändlers Joseph Wolff (*1855) und seiner Ehefrau Regine Wolff geb. von der Wall (1859-1929) geboren. Die Familie wohnte in der Esenser  Straße 30. Seine Schwester Frieda verh. Samson (1892-1943) wurde in Auschwitz ermordet. Für sie wurde am 14.07.2014 ein Stolperstein verlegt. Sein Bruder Louis (1893-1900) verstarb bereits als Kind. Seine Schwester Eva (1895-1943) heiratete nach dem Tod ihrer jüngeren Schwester Georgina (1898-1918) deren Witwer Levy „Ludwig“ Salomons (*1891). Sie wurde in Sobibor ermordet. Für Eva und Levy Salomons wurden Stolpersteine am 5.12.2015 verlegt. Ein Geschwister von Adolf ist unbekannt. Sein jüngster Bruder Gershom „Gustav“ Wolff (1902-1944) wurde in Auschwitz ermordet.
Adolf heiratet am 13.09.1929 Guste geb. Wolffs (*24.08.1910). Sie ist das älteste von drei Kindern von Benjamin „Bendix“ Wolff (1871-1944) und Hannchen geb. Wallheimer (1883-1944), für die Stolpersteine in der Leerer Landstraße 14 verlegt wurden. Ihre Eltern und Geschwister werden (bis auf den nach der Geburt verstorbenen Bruder) alle Opfer des Völkermordes an den Juden. Adolf und Guste Wolff haben drei Kinder. Am 20.08.1931 wird Joseph geboren, am 27.10.1933 Hanna und am 10.01.1936 Regine. Alle drei erhalten Vornamen ihrer Großeltern. Adolfs Beruf wird auf der Meldekarte mit „Landwirt“ angegeben, nachdem der Beruf „Viehhändler“ gestrichen wurde. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie wissen wir wenig. Bis 1935 sind ständig  „Hausmädchen“ und auch einige „Angestellte“ auf der Meldekarte vermerkt. Die Familie ist häufig umgezogen. Sie wohnt seit der Eheschließung am 13.09.1929 bis zum 10.05.1933 in der Norderstraße 11. Daher werden dort die Gedenksteine verlegt. Im Mai 1933 zieht die Familie in die Lilienstr. 12 in das Haus von Abraham Wolff, am 1.04.1936 in die Marktstraße 4, am 1.01.1938 in die Leerer Landstraße 14 zu Bendix und Hannchen Wolff, den Eltern von Guste Wolff und schließlich am 15.04.1939 in die Wallstraße 24, einem “Judenhaus“ in dem mehrere jüdische Familien auf engstem Raum zusammen leben müssen. Auf der Meldekarte der Stadt Aurich findet sich unter „Bemerkung“: „Adolf Wolff ist vom 26.10.37-12.11.37 in St. Tönis, Kreis Kempen-Krefeld verhaftet gewesen, Wohnsitz blieb Aurich“. Warum sich Adolf Wolff dort aufhielt und warum er verhaftet wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Als alle jüdischen Bürger Aurich Anfang 1940  verlassen müssen, zieht auch die Familie von Adolf Wolff am 29.02.1940 aus Aurich fort. Adolf zieht mit seiner Frau Guste und dem jüngsten Kind Regine nach Berlin W35 in die Lützowstr. 97III, seine beiden älteren Kinder in das jüdische Kinderheim am Lappenberg in Hildesheim. Die meisten der dort untergebrachten Kinder kamen aus Ostfriesland. Viele Kinder unter 14 Jahren der Anfang 1940 noch in Aurich lebenden jüdischen Familien wurden entweder in das Israelitische Kinderheim in Köln, Lützowstraße 35-37 oder in das jüdische Kinderheim in Hildesheim gebracht.
Als im Jahr 1942 die Deportationen der Juden beginnen, werden die Kinder zu ihren Eltern geschickt. So werden auch Joseph und Hanna Wolff zu ihren Eltern nach Berlin zur gemeinsamen Deportation geschickt. Als letzter Wohnsitz der Eltern in Berlin wird „Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 150/160“ eingetragen. Mit dem Transport I/72 wird die Familie am 28.10.1942 zunächst in das Ghetto  Theresienstadt deportiert. In der Transportliste stehen sie unter den Nummern 66-70.  In diesem Transport finden sich auch Gustes Eltern Bendix und Hannchen Wolff (Nr. 71,72).
Nach zwei Jahren im Ghetto Theresienstadt wird die gesamte Familie Adolf Wolff am 29.10.1944 mit dem Transport „Es c215“ von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Dieser Transport besteht aus 1.499 Personen, hiervon sind 1.421 gestorben, 72 haben überlebt, 6 gelten als verschollen. Das  genaue Todesdatum der Mitglieder der Familie Adolf Wolff ist nicht bekannt, es muss aber davon ausgegangen werden, dass sie gleich nach ihrer Ankunft, also Anfang November 1944, ermordet wurden. 

   Das Haus Norderstraße 11

 Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Auricher Wählergemeinschaft
Verlegetermin: 21. Februar  2013

 

 

 

Wolfgang Martin Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

wolfgang-wolff-steinWolfgang Martin WOLFF
geboren am 7. Juli 1926 in Aurich

 

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: unbekannt, am 10.05.1942 Deportation nach Lublin, am 31.10.1942 für tot erklärt
Todesort: Majdanek,
Wolfgang Wolff ist das vierte Kind von Karoline (*1897-1942) und Martin Wolff (1894-1942). Er wird am 7. Juli  1926 in Aurich geboren.

Sein  Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Wolfgang wächst zunächst mit den Geschwistern Roesel, Hildegard, Hannelore und Selly in der Leerer Landstraße 18 auf und zieht dann mit seiner Familie nach Sandhorst zum Gut Eschen. Als sie die Wohnung dort verlassen müssen, zieht er mit seinen Eltern in die Marktstraße 4.

Als die letzten jüdischen Bürger gezwungen werden, Aurich zu verlassen, schicken seine Eltern ihn zusammen mit seinem jüngeren Bruder Selly im Februar 1940 in ein jüdisches Kinderheim in Köln (Jüdisches Waisenhaus in Köln-Braunsfeld, Aachener Straße 443). Als Hannelore Wolff im April 1942 aus Berlin zu ihrer Mutter nach Weimar zurückkehrt, wohnen ihre Brüder Wolfgang und Selly bereits wieder bei der Mutter.

Am 10. Mai 1942 wird Wolfgang mit seiner Mutter und den Geschwistern Hannelore und Selly  nach Lublin deportiert.  Er  lebt zunächst mit ihnen im dortigen Ghetto. Dort muss er mit seinem Bruder Selly unter unmenschlichen Bedingungen im Steinbruch arbeiten.

Hannelore Wolff schildert in ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ (2005) wie der damals 16-jährige Wolfgang mitten in der Nacht aus der Ghetto Wohnung – angeblich für einen kurzen Arbeitseinsatz – abgeholt wird. Er kehrt nie wieder zu seiner Mutter zurück. Hannelore muss am nächsten Tag erfahren, dass Wolfgang nach Majdanek deportiert wurde. Über das weitere Schicksal von Wolfgang ist nichts bekannt. Wolfgang wird ermordet oder ein Opfer der unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen im KZ Majdanek.

Wolfgangs Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Sein Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Sein Bruder Selly wurden im KZ Budzyn ermordet.

Seine Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, der Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina, die Schwester Hannelore konnte den Lagerterror überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wurde.

 

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

Die vor dem Haus Leerer Landstraße 18 verlegten Stolpersteine für Familie Wolff. Fotos Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto:  Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006), S. 34
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: 10b Realsschule Aurich, Jahrgang 1971
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Selly und Wolfgang Wolff

 

 

Adolf Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

adolf-wolff-1920-stein-1Adolf  WOLFF
geboren 18. Oktober 1920 in Aurich

 

 

 

Straße: Langer Kamp 15
Todesdatum: 28. Februar 1945 (nicht gesichert)
Todesort: Auschwitz
Adolf Wolff war der älteste von fünf Söhnen des Vaters Hermann (geb. 1893) und der Mutter Jeanette Wolff (geb. 1899). Adolf hatte vier jüngere Brüder: Siegbert (*1922), Werner (*1924), Louis (*1929) und Ewald (*1931). Die Familie wohnte zunächst in der Kirchstraße 18 (bis 1926) und in der Lilienstraße 12, bevor sie 1928 in den Langen Kamp 15 umzog.

Vater Hermann Wolff bereitete im April und Mai 1933 die Übersiedlung seiner Familie in die Niederlande vor. Am 28.Juni 1933 wurde der Wegzug der Familie nach Groningen in den Unterlagen des Einwohnermeldeamtes Aurich offiziell vermerkt. Die Familie siedelte zu Bekannten nach Haren bei Groningen über und wohnte dort zunächst im Meerweg als Gast von Martha Lacoste. Vater Hermann Wolff übte in Haren seinen Beruf weiter aus.

Die Emigration in die Niederlande ersparte der Familie zwar viele Demütigungen und Schikanen, denen die übrigen Auricher Juden seit 1933 zunehmend ausgesetzt  waren. Aber nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen wurde auch die Familie Wolff von den Verfolgungen eingeholt. Die gesamte Familie wurde verhaftet und 1942 in das Lager Westerbork eingewiesen. Die Familie kam getrennt nach Westerbork: Vater Hermann sowie die Söhne Siegbert und Werner am 10.7.1942, Mutter Jeanette und die übrigen Kinder am 28.11.1942. Von dort wurde die Familie 1944 nach Theresienstadt deportiert: Die Eltern und drei Kinder mit einem Transport am 18.01.1944, Siegbert und Werner blieben zunächst zurück. Die beiden wurden am 4.09.1944 deportiert. Das war jedoch nur eine Zwischenstation auf dem Weg in den Tod.

Adolf heiratete in Theresienstadt am 25. Juni 1944 Hilde Eva Pander. Hilde wurde am 25. März 1923 in Bochum als Tochter des Uhrmachers und Juweliers Max Pander, geboren am 24. Januar 1891 in Buk / Polen, gestorben am 1. Dezember 1944 in Auschwitz geboren. Ihre Mutter war Bertha Pander geborene Holländer, geboren am 21. Mai 1895 in Samter / Polen, gestorben am 20. Mai 1972 in Illinois. Hilde hatte keine Geschwister und war von Beruf Hutmacherin. Für ihren Vater liegt ein Stolperstein in Bochum.

Hilde heiratete in zweiter Ehe im Jahre 1949 Hans Siegfried Harry Stern, geboren am 1. Mai 1915 in Frankfurt. Er starb am 20. Oktober 1994 in Glenview / Illinoins. Hilde starb am 13. März 2020 im Alter von 96 Jahren in Chicago / Illinois.

Die Quellen sind hinsichtlich des Todesortes bei Hermann und seinem Sohn Werner nicht eindeutig. Es überwiegen jedoch die Hinweise, dass  der Vater sowie sein Sohn Werner in Buchenwald ermordet wurden, Mutter Jeanette und die übrigen Kinder in Auschwitz. Das Todesdatum für Adolf Wolff wird in einigen Quellen als der 28.02.1945 benannt. Dieses Datum ist nicht gesichert, denn bereits am 27.01.1945 wurde Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Sicher scheint jedoch, dass Adolf in Auschwitz umkam.

Gunter Demnig bei der Arbeit

Brigitte Weber legt, beobachtet von Schülerinnen und Schülern der IGS Aurich-Ost, weiße Rosen nieder.

Recherche: Gerald Fiene
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Dep 34; Rep. 85 V, Nr. 1, Bd. I; Rep. 252, 2303; Rep 248, Nr. 943; Rep. Nr. 248 b), Nr. 490; Rep 249 b), Nr. 203

Bundesarchiv:  Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945  (www.bundesarchiv.de/gedenkbuch)

Informationszentrum Westerbork: Schriftliche Mitteilungen von Jose Martin

Der Familie Wolff wird auch auf einer Gedenktafel in der Gemeinde Haren / NL gedacht sowie in dem Buch „Van kwaad tot onvoorstelbaar erger“ von Wil Legemaat

https://www.tracesofwar.nl/sights/24418/Oorlogsmonument-NH-Kerk.htm

Spuren im Vest – Juden im Vest Recklinghausen: Pander Hilde, Recherche Dr. Franz-Josef Wittstamm, Bochum

Literatur: Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde von 1930 bis 1940; in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1993, S. 247-299
Patenschaft: Bündnis 90/Die Grünen, OV Aurich
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

 

 

 

 

 

 

Betti Valk, geb. Cohen

Veröffentlicht: 18. November 2010 von westermayer in Verlegung

betti-sara-valk-1914Betti VALK
geboren am 14. April 1914 in Aurich

 

 

 

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: 26. Februar 1943
Todesort: Auschwitz
Betti Valk wurde am 14. April 1914 als zweites Kind ihrer Eltern Wolff Wilhelm Abraham Cohen *8.08.1881 und Eva Cohen geb. Hess *26.03.1893 geboren. Der Erstgeborene Bruder Abraham Wilhelm Cohen verstarb  bald nach der Geburt am 2. April 1913 am 28. April 1913. Als sie 4 Jahre alt war kam ihre Schwester Berta am 23.11.1928  zur Welt.

Ihre Großeltern mütterlicherseits sind Moses Hess und Bertha Wolffs aus Dornum. Diese hatten 11 Kinder. Der Großvater, gebürtiger Wittmunder, ist als selbstständiger Schlachtermeister tätig und genießt einen guten Ruf. 1920 ist er Schützenkönig des Schützenvereins Dornum e.V..

Ihre Großeltern väterlicherseits sind Abraham Cohen und Betty Cohen geborene Driels. Sie haben fünf Kinder. Zusammengenommen hat Betty eine sehr große Familie. Bettys Onkel Jakob Abraham Cohen heiratet Jette, die Schwester ihrer Mutter Eva.  Aus dieser Ehe geht auch die gleichnamige Cousine Betty Cohen hervor. Jette, wie ihre Mutter und ihre Schwester Bertha fliehen aus Deutschland und überleben. Als einziger Cousin überlebt dessen Sohn Abraham Jakob Cohen und lebt bis zum 4. Juni 1995 in Quito, Ecuador.

Ihr Vater stirbt 1935 im Alter von 54 Jahren. Er hatte in Aurich als Schlachter gearbeitet.

Nach dem Tod des Vaters heiratet die Mutter 1939 den Landwirt Hugo Rosenberg und verzieht mit Schwester Berta zu ihm nach Dedesdorf. Der Schwiegervater Julius Rosenberg war bereits kurz nach der Reichspogromnacht im Gerichtsgefängnis ermordet worden.

Seit ihrem 18. Lebensjahr arbeitet Betti in mehreren Anstellungen als Haustochter in Oldenburg und Salzwedel.
Am 29. März1 939 heiratet Betti den Niederländer Jonas Valk (geb. 31.12.1914). Er ist Viehhändler und wohnt in Wildervank.  Ganz in der Nähe wohnt  die 1 Jahr ältere Cousine Betty, die Tochter ihrer Tante Jettchen. Sie hat ebenso einen Jakob Valk in Wildervank geheiratet. Eine Verwandtschaft zwischen den beiden Männern ist nicht nachgewiesen. Das junge Paar hat keine Kinder.

Nach Westerbork wird Betty am 12.11.42 deportiert.  Am 23. Februar 1942 wird Betty mit ihrem Mann nach Ausschwitz deportiert und am 26.02.1943 ermordet. Ihr Mann Jonas wird am 30.4.1943 ermordet.

Bettys Mutter Eva Rosenberg und ihre Schwester Bertha flüchten über Shanghai nach Argentinien.
Die Großmutter Bertha Hess flüchtet mit dem Schiff Monte Pascoal von Bremen nach Buenos Aires-am 02.01.1938 mit ihrer Tochter Rosa (Bettys Tante).

Die Eltern ihres Mannes Betje Levie und Levy Valk werden in Auschwitz ermordet.

 

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

Fotos von der Verlegung Günther Lübbers

Recherche: Christiane Meissner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015
Foto: Levie Valk (1881-1942) en Betje Levie(1883-1942) met jodenster, mei/juni 1942. [Tg. 818 inv. nr. 867]
Grabstein Moses Hess (Großvater von Betty Valk)
Opfergruppe: Juden
Quellen: Joodse Monument
Yad Vashem
http://www.dutchjewry.org
http://www.geni.com
http://www.groningerarchieven.nl
http://www.members.home.nl
Zeitungsannonce aufbau, 2. Spalte, 6. Anzeige
Eine Zeitungsanzeige vom 17.10.1947 im „Aufbau“ zeigt, dass auch Bettys Onkel David Hess aus Dornum nach Argentinien entkommen konnte und mit seiner Familie überlebt hat.
Literatur:
Patenschaft: Christiane Meissner
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Levie Valk (1881-1942) und Betje Levie (1883-1942) mit Judenstern, Mai/Juni  1942

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grabstein Moses Hess (Großvater von Betty Valk)

 

Betti Valk, geb. Cohen

Veröffentlicht: 18. November 2010 von westermayer in Verlegung

betti-valk-1913Betti COHEN
geboren am 16. Januar 1913 in Aurich

 

 

 

Straße: Lindenstraße 9
Todesdatum: 31. Dezember 1943
Todesort: Australien
Betti Cohen verh. Valk wird als viertes Kind von Jakob Abraham Cohen und seiner Frau Jette geb. Hess geboren. Ihre Familie wohnte in der Marktstraße  16. Für sie ist ein Stolperstein in der Lindenstraße 9 verlegt. Sie zieht 1936 ebenso wie andere Familienmitglieder in die Niederlande nach Wildervank. Dort heiratet sie Jacob Valk (8.04.1911-1945) und hat mit ihm eine Tochter Roosje (*1.08.1937). Die Familie wird am 4.10.1942 in Westerbork interniert, am 4.09.1944 zunächst nach Theresienstadt deportiert, dann nach Auschwitz (Jacob 29.9.1944, Betti und Roosje 4.10.1944).

Ihr Vater Jakob Abraham Cohen wird am 24. Januar 1877 in Aurich geboren. Er ist das erste von vier Kindern seiner Eltern Abraham Jacob Cohen (1842–1933) und Betti geb. Driels (1848–1891). Seine Schwestern Friederike (1878–1933) und Caroline (1888–1942) ziehen nach Holland, sein Bruder Wolf Wilhelm Abraham Cohen (1881-1935) lebt in Aurich, arbeitet als Schlachter und gründet eine Familie. Jakob Abrahams Ehefrau Jette Hess ist das 4. von 13 Kindern ihrer Eltern Moses Hess (1861-1932) und Bertha Hess geb. Wolffs (*1863). Eine Schwester von Jette, Eva Hess (*1893), heiratet einen Bruder von Jakob Abraham Cohen, Wolff Wilhelm Cohen (1881-1935). Jakob Abraham Cohen und seine Frau Jette haben zusammen sechs Kinder: Ihr erstes Kind, Moses Jacob Cohen (*14.09.1909) stirbt schon im Alter von 2 Jahren. Danach werden noch fünf Kinder geboren: Abraham Jakob  (4.10.1910  Aurich – 4.06.1995 Quito, Equador), Moritz Moses Jakob (20.11.1911 Aurich – 1943), Betti verh. Valk (16.01.1913 Aurich – 6.10.1944 Auschwitz), Wolff Wilhelm (4.01.1915 Aurich – 31.12.1943  Australien) und Josef (25.03.1917 Aurich – 26.06.1941 Neuengamme).

Die Ehe zwischen Jakob Abraham und Jette verlief offensichtlich nicht glücklich. Jakob Abraham Cohen berichtet später: „als er (1918) aus dem Krieg kam, habe er Joseph (sein jüngstes Kind, zu dem Zeitpunkt etwa 1 ½ Jahre alt) damals mit einem Kopfaussatz in einer Bremer Hautklinik gefunden, da seine Mutter ihn  vernachlässigte und alle Kinder im Stich ließ, als sie ihm damals durchgegangen war.“ Wohin Jette „durchgegangen“ ist, wissen wir nicht. Vermutlich gleich nach Italien, denn dort trifft sie 1936 ihren Sohn Abraham Jakob. 1940 hält sie sich in Mailand auf. Sie kann vor der Judenverfolgung in die USA fliehen und lebt mit ihrem zweiten Ehemann in Toledo, Ohio. Dort stirbt sie 1950.

Über die Lebensumstände von Jakob Abraham Cohen in Aurich wissen wir wenig. Seine Kinder verlassen ihn schon in jungen Jahren, so zog sein jüngster Sohn Josef 1929 im Alter von 12 Jahren in ein Lehrlingsheim in Düsseldorf und kam nicht wieder nach Aurich zurück.

Jakob Abraham Cohen emigriert im Juni 1937 in die Niederlande und heiratet in Hoogeveen am 17. August 1938 Eva van Gelderen.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen auch dort die Judenverfolgung einsetzt, werden Jakob Abraham Cohen und seine Frau Eva am 6. April 1943 in Westerbork interniert und am 20. April 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich werden sie nach ihrer Ankunft ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Über das Schicksal der Kinder von Jakob Abraham Cohen können wir Folgendes berichten: Sein zweites Kind Abraham Jakob konnte zunächst in die Niederlande fliehen. Sein Sohn Henry erzählt, dass sein Vater auf der Flucht aus Aurich zwei Soldaten erschossen habe, die sein Haus bewachten. Die Niederlande lehnten einen von Deutschland gestellten Auslieferungsantrag ab, da Abraham Jakob in Selbstverteidigung gehandelt hätte. Er musste aber die Niederlande verlassen und ging nach Italien zu seiner Mutter. Dort heiratet er am  7.11.1936. Als auch in Italien die Situation für die Juden unsicher wird, flieht er mit seiner Familie nach Equador und wählte Quito als neuen Lebensort.

Sein drittes Kind Moritz Moses Jacob erlernt den Beruf des Bäckergesellen. Er verlässt 1926 Aurich im Alter von 15 Jahren um drei Jahre in Köln zu leben und kehrt 1929 wieder zurück. Auch nach Aufenthalten in Assen und Berlin kehrt er immer wieder nach Aurich zurück. Im November 1933 verlässt er endgültig Aurich und zieht nach Den Haag in den Niederlanden. Dort lernt er seine Frau Ester Roffesa (*7.12.1912 Den Haag – 1943) kennen und heiratet sie. Ihre älteste Tochter Jettchen (benannt nach ihrer Großmutter) wird am 25.05.1939 noch in Den Haag geboren. Dann zieht die Familie nach Groningen um. Dort wird am 30.11.1942 ihre zweite Tochter Rika Jacoba geboren.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen die Judenverfolgung beginnt, wird Moses am 9.03.1943 in Westerbork interniert, seine Frau und 2 Kinder folgen am 6.04.1943. Am 13.04.1943 wird die gesamte Familie nach Sobibor deportiert und ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Über das Schicksal des fünften Kindes, Wolff Wilhelm Cohen, konnten wir bisher nichts in Erfahrung bringen. Wir wissen nur aus einer Genealogie, dass er am 31.12.1943 in Australien verstarb.

Das sechste und jüngste Kind von Jakob Abraham Cohen, Josef Cohen, beginnt 1929 eine Schlosserlehre in Düsseldorf. Er arbeitet dann in verschiedenen Handlangertätigkeiten. 1937 wird er nach §175 zu 10 Monaten Haft verurteilt. Danach arbeitet er zunächst in Hamburg auf der Köhlbrand-Werft, dann als Heizer auf verschiedenen Elbdampfern. Im September 1939 wird er verhaftet, am 29.04.1941 wegen Gewaltverbrechen und Rassenschande zum Tode verurteilt und am 26.06.1941 hingerichtet.

Sein Fall ist ein Musterbeispiel für nationalsozialistische Willkürjustiz: Widersprüchliche Aussagen über den Tathergang der Notzucht wurden nicht berücksichtigt, in den Verhörprotokollen lässt sich eine Vorverurteilung des „Judenlümmels“ deutlich erkennen, Rechtsverordnungen wurden rückwirkend auf seinen Fall angewendet und die sofortige Vollstreckung des Todesurteils trotz bestehender Zweifel im Eilverfahren durchgesetzt.

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer  (Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Maria Deters
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

Heinz Hartogsohn

Veröffentlicht: 18. November 2010 von westermayer in Verlegung

heinz-hartogsohnHeinz HARTOGSOHN
geboren am 31. August 1918 in Bunde

 

 

 

Straße: Norderstraße 2
Todesdatum: 30. September 1942 (für tot erklärt)
Todesort: Auschwitz
Heinz Hartogsohn wurde am 30. September 1918 in Bunde geboren. Er war das zweite Kind der Eheleute Julius Hartogsohn aus Emden und Veronika geb. Berliner aus Weener.Heinz Hartogsohn hatte noch einen älteren Bruder, Max, geboren 1913 von Beruf Nähmaschinenvertreter und einen jüngeren – Herbert, geboren 1920.

Die Familie Hartogsohn betreibt einen Altmaterialhandel in Bunde. Heinz geht am 15.05.1934 nach Aurich als Kaufmann zu Lippmann Knurr in der Norderstraße 2.

Am 2.06.1937 verlässt Heinz Aurich um mit der Familie seines Vaters nach Winschoten zu fliehen. Sein Bruder Herbert arbeitet ebenfalls in dieser Zeit bei van Dijk in der Wilhelmstraße 21 (heute: H&M zuvor Schüt Duis in der Burgstraße) als kaufmännischer Lehrling.

Die Brüder Hartogsohn beantragen zuvor Reisepässe bei der Einwohnerregistratur in Aurich. Mit Bescheid vom 16.02.1935 wird dies abgelehnt, […] weil die ganze Familie politisch nicht einwandfrei sei.

Die ganze Familie Hartogsohn und die Großmutter Hanna Berliner geb. Leeuwarden flüchtet 1937 nach Winschoten in die Noorderstraat 18. Dort ist Julius 1941 als Händler von Häuten, Leder und Gerbstoffen in einem amtlichen Register eingetragen. Sein Bruder Max heiratet noch am 23. Juli 1942 in Winschoten Esther de Beer.

Alle Hartogsohns werden mit der Übernahme der Gesetze zur Judenverfolgung nach der deutschen Besetzung in Westerbork festgesetzt. Am 24.08.1942 wird Heinz mit 610 weiteren nach Auschwitz deportiert und dort ermordet (am 30.09.1942 für tot erklärt). Sein Name, wie die von Esther, Herbert, Max und Veronika sind im Häftlingsregister von Auschwitz vermerkt.

Alle anderen Familienmitglieder, bis auf die Großmutter Hanna Berliner, kommen ebenfalls in der Shoa um. Letzte stirbt am 27.11.1942 in Westerbork und ist auf dem Friedhof in Assen beigesetzt.

1953 wird über das Hausvermögen der Hartogsohns, das Haus steht in Bunde, Wüpping, an der Durchfahrtsstraße, in einem Vergleich verhandelt. Der Erwerber von 1937 muss 7.000 DM an den Jewish Trust als Treuhänder der Erben, dort Berliner-Erben, bezahlen. Es sind von allen Familienlinien aber keine namentlich genannt, d. h. sie sind alle umgekommen.

Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bereiten die Stolpersteinverlegung vor.

Das ehemalige Geschäftshaus der Firma H:C: Knurr

Recherche: Jörg Peter (Stand: 9.11.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und Rep 107 Nr. 2868
Literatur:
Patenschaft: Silvia Cammengan
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

Amalie Wolff geb. Fromm

Veröffentlicht: 12. September 2010 von westermayer in Verlegung

Amelie WOLFF geb. FROMM
geboren am 22. November 1862 in Homburg (heute Bad Homburg)

Straße: Krähennestergang 1
Todesdatum: 4. Dezember 1940
Todesort: Berlin
Amalie Fromm wird am 22. November 1862 in Bad Homburg vor der Höhe, einem bekannter Kurort nördlich von Frankfurt am Main, geboren.  Ihr Vater Dr. Seligmann Fromm (1822-1898) ist in Bad Homburg als Landrabbiner tätig, ihre Mutter Rachel (1831-1893) ist eine Tochter des einflussreichen Rabbiners Seligmann Bär Bamberger aus Würzburg, der als Vertreter eines neo-orthodoxen Judentums gilt. Amalie Fromm stammt somit aus einer tief religiösen Familie. Sie hat noch fünf Schwestern und vier Brüder.

1866 zieht die vielköpfige Familie nach Frankfurt am Main, da der Baron Willi Carl von Rothschild ihren Vater als Hauslehrer und Hausrabbiner anstellt. Amalie verbringt ihre Kindheit und Jugendzeit in Frankfurt am Main.

Ihr jüngerer Bruder Naphtali Fromm (1860-1930) heiratet 1900 Rosa Krause (1876-1959), die im selben Jahr Erich Pinchas Fromm zur Welt bringt. Erich Fromm (1900-1980) wird als Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe berühmt. Amalie Fromm, die am 26. August 1889 in Frankfurt den Auricher Benjamin Wolff heiratet, ist somit seine Tante.

Die Ehe mit dem 1854 geborenen Benjamin Wolff ist vermutlich weder eine Liebes- noch eine Geldheirat. Amalies Eltern haben einen Mann gesucht, der in religiösen Fragen und im geistigen Umfeld mit ihnen übereinstimmte. Sie fanden ihn in dem über 400 km entfernten Aurich. Dort arbeitet er seit 1878 als zweiter Lehrer an der jüdischen Volksschule, ab 1912 als erster Lehrer und Prediger der Gemeinde. Auf sein Betreiben wird 1921 der Talmud-Tora-Verein in Aurich gegründet.

Amalie und Benjamin Wolff bekommen vier Kinder:
– 25.8.1891 Naftali Baruch: Er fällt im Ersten Weltkrieg  in Frankreich – südlich von Arras in Frankreich am 23.7.1916;
– 20.9.1890 Abraham Baruch: Auch er nimmt am Krieg teil. Seine (seelischen) Verwundungen heilen nicht, er stirbt am 1.7.1919 in der Jacoby’schen Anstalt in Bendorf-Sayn, einer  Israelitische Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke.
-Wilhelm, geb. am 19.2.1896, deportiert am 26.09.1942 nach Raasiku bei Tallinn in Estland
– Recha, geb. am 12.7.1900, deportiert am 26.09.1942 nach Raasiku  bei Tallinn in Estland.
Für Wilhelm und Recha Wolff wurden am 12. Juni 2012 Stolpersteine im Krähennestergang 1 verlegt.

Benjamin Wolff arbeitet über sein Ruhestandsjahr 1921 hinaus noch bis 1926 als Lehrer und stirbt an „Herzschwäche“ am 28. August 1934 in Aurich nach 45 Jahren gemeinsamer Ehe.
1937 wird Amalie im November 75 Jahre alt. Ihr Geburtstag wird in der Zeitung „Der Israelit“ gewürdigt: Sie wird als „würdige und gleichstrebende Gattin unseres unvergesslichen Lehrers Benjamin Wolff – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, bedacht und sei „selbst ein Muster von Gottesfurcht und Opferbereitschaft.“

Drei Jahre später muss Amalie Wolff mit ihren Kindern aus Ostfriesland fliehen. Sie verlässt Aurich am 17. Februar 1940 und kommt zunächst in der Linienstraße 50 I in Berlin unter. Ihre Kinder Wilhelm und  Recha folgen ihr am 15. Februar 1940, deren erste Anlaufstelle ist die Rosenstraße, in der sich die Behörde für Wohlfahrtswesen und Jugendfürsorge der Jüdischen Gemeinde befindet. Im Juli 1940 muss Amalie Wolff das Haus in Aurich verkaufen, über den Kaufpreis kann die Familie nicht verfügen. Von ihr ist ein Brief überliefert, in dem sie noch im Mai 1940 bat, dass man ihr die elektrische Uhr nachsende, die im Flur unter dem elektrischen Zähler angebracht war.

Amalie Wolff stirbt im Jüdischen Krankenhaus Berlin am 4.12.1940 im Alter von 78 Jahren, sehr wahrscheinlich an den Folgen der Vertreibung aus Aurich, der Verfolgung und Demütigung.
Amalie wurde auf dem jüdischen Friedhof im Bezirk Weißensee in Berlin begraben.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2019)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Astrid Parisius
Verlegetermin: 3. Juli  2015

Simon Samson

Veröffentlicht: 11. September 2010 von westermayer in Verlegung

Simon SAMSON
geboren am 20. August 1857 in Aurich

Straße: Marktstraße 19
Todesdatum: 28. Februar 1942
Todesort: Emden

Simon Samson Foto der Kennkarte 1939 StA Aurich

Im Jahr 2012 besuchte Joram Samson aus Berlin mit seiner Frau und seinem Sohn Aurich. Günther Lübbers hat sie durch die Stadt geführt, ich habe sie auf den jüdischen Friedhof begleitet, auf dem sein Großvater Jakob 1934 begraben wurde. Sein Großvater war der Bruder von Simon und Minka.  Jakob lebte in der Nürnburger Straße 24. Jakobs Sohn Hugo gelang die Emigration und Flucht 1939 nach Palästina, er heiratete dort. Joram wurde 1950 in Petach Tikva, Israel geboren. 1956 kehrte die Familie nach Deutschland zurück, nach Berlin.
Joram Samson hat die Verfolgung und Entwürdigung seiner Familie nicht vergessen. Nur sein Vater überlebte den Holocaust. Joram Samson kam 2012 nach Aurich, um den Ort der Verfolgung seiner Familie kennen zu lernen. Und auch, um als Erbberechtigter die Häuser und die Bankguthaben nach seinem Großvater, Vater und Großonkel Simon Samson zurückzufordern. Für ihn sind die Entschädigungsverfahren in der Nachkriegszeit nicht „gerecht“ verlaufen. Er verlangte, so sagte er „Gerechtigkeit“. Die Ostfriesischen Nachrichten und die Ostriesen Zeitung haben im Herbst 2012 ausführlich darüber berichtet. Ich möchte die rechtlichen, die juristischen Sachverhalte hier außen vor lassen. Mir wurde bei der Begegnung mit diesem auch humorvollen Menschen sehr klar, dass die Verlegung von Stolpersteinen nicht das Letzte ist, was getan werden muss.Simon Samson wurde am 20. August 1857 als Sohn von Rahel Jacob Wolff und Hartog Simon Samson in Aurich geboren. Sein Vater war Schlachter und so wurde er – wie auch sein Bruder Hartog – Schlachter. Mit seiner älteren Schwester Minka (geb. 13.7.1856) betrieb er in der Marktstraße 19 ein kleines Schlachtergeschäft, gemeinsam mit seiner Schwester wohnte er auch hier. Simon hatte nicht geheiratet, so führte ihm seine Schwester, die ebenfalls nicht heiratete, den Haushalt. Weitere Geschwister von Simon Samson:
Jacob wohnte mit seiner Familie in der Nürnburger Str. 24 und verstarb am 9.5.1934 in Aurich (siehe Stolperstein dort).
Schewa Hartog Samson, geb. 28.5.1859, verstorben 31.3.1879
Abraham Hartog Samson, geb. 29.6.1863, verstorben 12.3.1864Simon und Minka wurden gezwungen, im März 1940 Aurich zu verlassen. Ostfriesland sollte zum 1. April 1940 „judenfrei“ sein. Älteren Menschen wurde allerdings `gestattet`, in Emder Altersheime zu übersiedeln. Die 83jährige Minka wird am 18. März 1940 aus Aurich vertrieben und in das Emder Altersheim in der Klaas-Tholen Straße 19 gebracht.
Simon, 84 Jahre alt, wird am 29. März 1940 in das Emder Altersheim in der Schoonhovenstraße gebracht. Minka überlebt die Zwangsumsiedlung nicht. Sie stirbt im Emder Altersheim noch im Jahr 1940.  Simon erleidet noch ein weiteres Jahr die unwürdigen Zustände. Dann werden auch die Insassen des Emder Altersheims deportiert. Vorher mussten sie sämtliche in ihrem Besitz befindlichen Wertgegenstände und Geld abliefern. Simon Samson verließ mit 121 weiteren Insassen am 23. Oktober 1941 in einem Transportzug Emden, am 24.  Oktober wurde Berlin erreicht, einige Tage später der Bahnof Radegast im Ghetto Litzmannstadt (in der polnischen Stadt Lodz).  Simon Samson stirbt am 28. Februar 1942 im Ghetto Litzmannstadt. Das geht aus einer Karteikarte/Abmeldekarte hervor, die Rolf Uphoff mit Schülern im Staatsarchiv von Lodz entdeckte.Simon Samson hatte sein Haus verkaufen müssen.  Am 1. Juli 1940 hatte ein Vermittler einen Käufer gefunden. Der Kaufpreis in Höhe von 1.800 Reichsmark wurde einem Notar überwiesen, Simon Samson hatte nie Zugriff darauf. Sein Konto bei der Sparkasse Aurich Norden ging verloren.

Der Bahnhof Radegast anlässlich einer Gedenkfeier zur Befreiung des Gettos Litzmannstadt im Jahre 2019.

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 18.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 10.09.2019)
Fotos:  Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Jann Willms
Verlegetermin: 14. November 2013

Minka Samson

Veröffentlicht: 11. September 2010 von westermayer in Verlegung

Minka SAMSON
geboren am 13. Juli 1856 in Aurich

Straße: Markstraße 19
Todesdatum: 21.03.1940
Todesort: Emden
Im vergangenen Jahr (2012) besuchte Joram Samson aus Berlin mit seiner Frau und seinem Sohn Aurich. Günther Lübbers hat sie durch die Stadt geführt, ich habe sie auf den jüdischen Friedhof begleitet, auf dem sein Großvater Jakob 1934 begraben wurde. Sein Großvater war der Bruder von Simon und Minka.

Jakob lebte in der Nürnburger Straße 24. Jakobs Sohn Hugo gelang die Emigration und Flucht 1939 nach Palästina, er heiratete dort. Joram wurde 1950 in Petach Tikva, Israel geboren. 1956 kehrte die Familie nach Deutschland zurück, nach Berlin.

Joram Samson hat die Verfolgung und Entwürdigung seiner Familie nicht vergessen. Nur sein Vater überlebte den Holocaust. Joram Samson kam 2012 nach Aurich, um den Ort der Verfolgung seiner Familie kennen zu lernen. Und auch, um als Erbberechtigter die Häuser und die Bankguthaben nach seinem Großvater, Vater und Großonkel Simon Samson zurückzufordern. Für ihn sind die Entschädigungsverfahren in der Nachkriegszeit nicht „gerecht“ verlaufen. Er verlangte, so sagte er, „Gerechtigkeit“. Die Ostfriesischen Nachrichten und die Ostriesen Zeitung haben im Herbst 2012 ausführlich darüber berichtet. Ich möchte die rechtlichen, die juristischen Sachverhalte hier außen vor lassen. Mir wurde bei der Begegnung mit diesem auch humorvollen Menschen sehr klar, dass die Verlegung von Stolpersteinen nicht das Letzte ist, was getan werden muss.

Simon Samson wurde am 20. August 1857 als Sohn von Rahel Jacob Wolff und Hartog Simon Samson in Aurich geboren. Sein Vater war Schlachter und so wurde er – wie auch sein Bruder Hartog – Schlachter.

Mit seiner älteren Schwester Minka (geb. 13.7.1856) betrieb er in der Marktstraße 19 ein kleines Schlachtergeschäft, gemeinsam mit seiner Schwester wohnte er auch hier. Simon hatte nicht geheiratet, so führte ihm seine Schwester, die ebenfalls nicht heiratete, den Haushalt.

Weitere Geschwister von Simon Samson:
Jacob wohnte mit seiner Familie in der Nürnburger Str. 24 und verstarb am 9.5.1934 in Aurich (siehe Stolperstein dort).
Schewa Hartog Samson, geb. 28.5.1859, verstorben 31.3.1879
Abraham Hartog Samson, geb. 29.6.1863, verstorben 12.3.1864

Simon und Minka wurden gezwungen, im März 1940 Aurich zu verlassen. Ostfriesland sollte zum 1. April 1940 „judenfrei“ sein. Älteren Menschen wurde allerdings `gestattet`, in ein Altersheim in Emden zu übersiedeln. Die 83jährige Minka wird am 18. März 1940 aus Aurich vertrieben und in das Emder Altersheim in der Klaas-Tholen Straße 19 gebracht.
Simon, 84 Jahre alt, wird am 29. März 1940 in das Emder Altersheim in der Schoonhovenstraße gebracht. Minka überlebt die Zwangsumsiedlung nicht. Sie stirbt im Emder Altersheim bereits am 21.03.1940.

Simon erleidet noch ein weiteres Jahr die unwürdigen Zustände. Dann werden auch die Insassen des Emder Altersheims deportiert. Vorher mussten sie sämtliche in ihrem Besitz befindlichen Wertgegenstände und Geld abliefern. Simon Samson verließ mit 121 weiteren Insassen am 23. Oktober 1941 in einem Transportzug Emden, am 24.  Oktober wurde Berlin erreicht, einige Tage später der Bahnhof  Radegast im Ghetto Litzmannstadt (in der polnischen Stadt Lodz).  Simon Samson stirbt am 28. Februar 1942 im Ghetto Litzmannstadt. Das geht aus einer Karteikarte/Abmeldekarte hervor, die Rolf Uphoff mit Schülern im Staatsarchiv von Lodz entdeckte.

Simon Samson hatte sein Haus verkaufen müssen.  Am 1. Juli 1940 hatte ein Vermittler einen Käufer gefunden. Der Kaufpreis in Höhe von 1.800 Reichsmark wurde einem Notar überwiesen, Simon Samson hatte nie Zugriff darauf. Sein Konto bei der Sparkasse Aurich Norden ging verloren.

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 10.09.2019)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Wiard Coordes – GAP
Verlegetermin: 14. November 2013

„Minna“ Minkel WALLHEIMER

Veröffentlicht: 11. September 2010 von westermayer in Verlegung

„Minna“ Minkel Wolff WALLHEIMER
geboren am 15. Oktober 1863 in Kirchdorf (heute: Aurich)

Straße: Kirchdorf Nr. 11 (heute: Kreuzstraße 6d)
Todesdatum: 27.02.1948
Todesort: Bremen

 

 

 

 

Minkel Wallheimer
(Foto Kennkarte, NLA, 1939)

 

 

 

 

Geboren am 15.10.1863 in Kirchdorf wohnt sie im Haus Kirchdorf Nr. 11 heute Kreuzstraße 6d. Ihr Vater ist Wolff Benjamin Abraham Wallheimer (*4.06.1821 Aurich, + 8.03.1871 Aurich). Ihre Mutter ist Engel Engeline Egle Samuel Wolff (*2.11.1831 Norden, +15.07.1914 Aurich).

Sie hat eine Schwester Goldine (*13.04.1858, + 15.07.1943 Theresienstadt), später verheiratete Grünberg, und insgesamt fünf Brüder, von denen zwei als Kind oder Jugendlicher sterben.

Sie bleibt zeitlebens ledig und wohnt und lebt mit ihrem Bruder „Karl“ Calmer Wolff und dessen Ehefrau in diesem Haus. Sie bekleidet viele Jahre einige Ämter der jüdischen Wohlfahrt und des jüdischen Kulturlebens in Aurich – wie es für Frauen üblich war im jüdischen Sozialwesen.

Aus Alemannia Judaica. Der Israelit 1932 über: den Israelitische Mädchenverein Malbisch Arumim (gegründet 1872; unter Leitung von Minna Wallheimer mit 45 Mitgliedern; Zweck und Ar-beitsgebiet: Unterstützung Bedürftiger, Brautausstattung)

Mit den Verhandlungen zum Zwangsverkauf des Hauses zieht sie zusammen mit ihrem Bruder und dessen Frau nach Bremen (Biebricher Straße 7) in das Haus ihrer Schwester Goldine Grünberg und deren Familie. Ihr Bruder muss später mit seiner Frau in ein Judenhaus an der Großen Johannisstraße 85 in der Bremer Neustadt umziehen. In Bremen hat Minkel Wallheimer noch häufigen Kontakt mit der ebenfalls vertriebenen Auricher Familie Cohen von der Wallstraße 33.

Am 23.07.1942 werden alle Wallheimers und Grünbergs aus Bremen in das KZ Theresienstadt deportiert. Minkel Wallheimer überlebt es während Bruder und Schwägerin an Hunger und Altersschwäche dort sterben.

Am 27.02.1948 stirbt sie in einem Bremer jüdischen Altenheim an der Gröpelinger Heerstraße 167 im Alter von 84 Jahren eines natürlichen Todes.
Ihre Vermögenswerte und auch die des Bruders vermacht sie ihrer Nichte Lilly Wallheimer später verheiratete Knurr vom Kirchdorferweg 36. Der Rechtsanwalt Dr. Anklam vertritt in einem Entschädigungsverfahren diese Ansprüche gegenüber dem damaligen Hausbesitzer Harm Frerich Harms.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 8.08.2018)
Foto: Kennkarte (NLA)
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Gesa Fecht-Lückemeyer
Verlegetermin: 21. Oktober 2016