Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Adolf Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

adolf-wolff-1920-stein-1Adolf  WOLFF
geboren 18. Oktober 1920 in Aurich

 

 

 

Straße: Langer Kamp 15
Todesdatum: 28. Februar 1945 (nicht gesichert)
Todesort: Auschwitz
Adolf Wolff war der älteste von fünf Söhnen des Vaters Hermann (geb. 1893) und der Mutter Jeanette Wolff (geb. 1899). Adolf hatte vier jüngere Brüder: Siegbert (*1922), Werner (*1924), Louis (*1929) und Ewald (*1931). Die Familie wohnte zunächst in der Kirchstraße 18 (bis 1926) und in der Lilienstraße 12, bevor sie 1928 in den Langen Kamp 15 umzog.

Vater Hermann Wolff bereitete im April und Mai 1933 die Übersiedlung seiner Familie in die Niederlande vor. Am 28.Juni 1933 wurde der Wegzug der Familie nach Groningen in den Unterlagen des Einwohnermeldeamtes Aurich offiziell vermerkt. Die Familie siedelte zu Bekannten nach Haren bei Groningen über und wohnte dort zunächst im Meerweg als Gast von Martha Lacoste. Vater Hermann Wolff übte in Haren seinen Beruf weiter aus.

Die Emigration in die Niederlande ersparte der Familie zwar viele Demütigungen und Schikanen, denen die übrigen Auricher Juden seit 1933 zunehmend ausgesetzt  waren. Aber nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen wurde auch die Familie Wolff von den Verfolgungen eingeholt. Die gesamte Familie wurde verhaftet und 1942 in das Lager Westerbork eingewiesen. Die Familie kam getrennt nach Westerbork: Vater Hermann sowie die Söhne Siegbert und Werner am 10.7.1942, Mutter Jeanette und die übrigen Kinder am 28.11.1942. Von dort wurde die Familie 1944 nach Theresienstadt deportiert: Die Eltern und drei Kinder mit einem Transport am 18.01.1944, Siegbert und Werner blieben zunächst zurück. Die beiden wurden am 4.09.1944 deportiert. Das war jedoch nur eine Zwischenstation auf dem Weg in den Tod.

Adolf heiratete in Theresienstadt am 25. Juni 1944 Hilde Eva Pander. Hilde wurde am 25. März 1923 in Bochum als Tochter des Uhrmachers und Juweliers Max Pander, geboren am 24. Januar 1891 in Buk / Polen, gestorben am 1. Dezember 1944 in Auschwitz geboren. Ihre Mutter war Bertha Pander geborene Holländer, geboren am 21. Mai 1895 in Samter / Polen, gestorben am 20. Mai 1972 in Illinois. Hilde hatte keine Geschwister und war von Beruf Hutmacherin. Für ihren Vater liegt ein Stolperstein in Bochum.

Hilde heiratete in zweiter Ehe im Jahre 1949 Hans Siegfried Harry Stern, geboren am 1. Mai 1915 in Frankfurt. Er starb am 20. Oktober 1994 in Glenview / Illinoins. Hilde starb am 13. März 2020 im Alter von 96 Jahren in Chicago / Illinois.

Die Quellen sind hinsichtlich des Todesortes bei Hermann und seinem Sohn Werner nicht eindeutig. Es überwiegen jedoch die Hinweise, dass  der Vater sowie sein Sohn Werner in Buchenwald ermordet wurden, Mutter Jeanette und die übrigen Kinder in Auschwitz. Das Todesdatum für Adolf Wolff wird in einigen Quellen als der 28.02.1945 benannt. Dieses Datum ist nicht gesichert, denn bereits am 27.01.1945 wurde Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Sicher scheint jedoch, dass Adolf in Auschwitz umkam.

Gunter Demnig bei der Arbeit

Brigitte Weber legt, beobachtet von Schülerinnen und Schülern der IGS Aurich-Ost, weiße Rosen nieder.

Recherche: Gerald Fiene
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Dep 34; Rep. 85 V, Nr. 1, Bd. I; Rep. 252, 2303; Rep 248, Nr. 943; Rep. Nr. 248 b), Nr. 490; Rep 249 b), Nr. 203

Bundesarchiv:  Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945  (www.bundesarchiv.de/gedenkbuch)

Informationszentrum Westerbork: Schriftliche Mitteilungen von Jose Martin

Der Familie Wolff wird auch auf einer Gedenktafel in der Gemeinde Haren / NL gedacht sowie in dem Buch „Van kwaad tot onvoorstelbaar erger“ von Wil Legemaat

https://www.tracesofwar.nl/sights/24418/Oorlogsmonument-NH-Kerk.htm

Spuren im Vest – Juden im Vest Recklinghausen: Pander Hilde, Recherche Dr. Franz-Josef Wittstamm, Bochum

Literatur: Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde von 1930 bis 1940; in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1993, S. 247-299
Patenschaft: Bündnis 90/Die Grünen, OV Aurich
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

 

 

 

 

 

 

Betti Valk, geb. Cohen

Veröffentlicht: 18. November 2010 von westermayer in Verlegung

betti-sara-valk-1914Betti VALK
geboren am 14. April 1914 in Aurich

 

 

 

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: 26. Februar 1943
Todesort: Auschwitz
Betti Valk wurde am 14. April 1914 als zweites Kind ihrer Eltern Wolff Wilhelm Abraham Cohen *8.08.1881 und Eva Cohen geb. Hess *26.03.1893 geboren. Der Erstgeborene Bruder Abraham Wilhelm Cohen verstarb  bald nach der Geburt am 2. April 1913 am 28. April 1913. Als sie 4 Jahre alt war kam ihre Schwester Berta am 23.11.1928  zur Welt.

Ihre Großeltern mütterlicherseits sind Moses Hess und Bertha Wolffs aus Dornum. Diese hatten 11 Kinder. Der Großvater, gebürtiger Wittmunder, ist als selbstständiger Schlachtermeister tätig und genießt einen guten Ruf. 1920 ist er Schützenkönig des Schützenvereins Dornum e.V..

Ihre Großeltern väterlicherseits sind Abraham Cohen und Betty Cohen geborene Driels. Sie haben fünf Kinder. Zusammengenommen hat Betty eine sehr große Familie. Bettys Onkel Jakob Abraham Cohen heiratet Jette, die Schwester ihrer Mutter Eva.  Aus dieser Ehe geht auch die gleichnamige Cousine Betty Cohen hervor. Jette, wie ihre Mutter und ihre Schwester Bertha fliehen aus Deutschland und überleben. Als einziger Cousin überlebt dessen Sohn Abraham Jakob Cohen und lebt bis zum 4. Juni 1995 in Quito, Ecuador.

Ihr Vater stirbt 1935 im Alter von 54 Jahren. Er hatte in Aurich als Schlachter gearbeitet.

Nach dem Tod des Vaters heiratet die Mutter 1939 den Landwirt Hugo Rosenberg und verzieht mit Schwester Berta zu ihm nach Dedesdorf. Der Schwiegervater Julius Rosenberg war bereits kurz nach der Reichspogromnacht im Gerichtsgefängnis ermordet worden.

Seit ihrem 18. Lebensjahr arbeitet Betti in mehreren Anstellungen als Haustochter in Oldenburg und Salzwedel.
Am 29. März1 939 heiratet Betti den Niederländer Jonas Valk (geb. 31.12.1914). Er ist Viehhändler und wohnt in Wildervank.  Ganz in der Nähe wohnt  die 1 Jahr ältere Cousine Betty, die Tochter ihrer Tante Jettchen. Sie hat ebenso einen Jakob Valk in Wildervank geheiratet. Eine Verwandtschaft zwischen den beiden Männern ist nicht nachgewiesen. Das junge Paar hat keine Kinder.

Nach Westerbork wird Betty am 12.11.42 deportiert.  Am 23. Februar 1942 wird Betty mit ihrem Mann nach Ausschwitz deportiert und am 26.02.1943 ermordet. Ihr Mann Jonas wird am 30.4.1943 ermordet.

Bettys Mutter Eva Rosenberg und ihre Schwester Bertha flüchten über Shanghai nach Argentinien.
Die Großmutter Bertha Hess flüchtet mit dem Schiff Monte Pascoal von Bremen nach Buenos Aires-am 02.01.1938 mit ihrer Tochter Rosa (Bettys Tante).

Die Eltern ihres Mannes Betje Levie und Levy Valk werden in Auschwitz ermordet.

 

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

Fotos von der Verlegung Günther Lübbers

Recherche: Christiane Meissner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015
Foto: Levie Valk (1881-1942) en Betje Levie(1883-1942) met jodenster, mei/juni 1942. [Tg. 818 inv. nr. 867]
Grabstein Moses Hess (Großvater von Betty Valk)
Opfergruppe: Juden
Quellen: Joodse Monument
Yad Vashem
http://www.dutchjewry.org
http://www.geni.com
http://www.groningerarchieven.nl
http://www.members.home.nl
Zeitungsannonce aufbau, 2. Spalte, 6. Anzeige
Eine Zeitungsanzeige vom 17.10.1947 im „Aufbau“ zeigt, dass auch Bettys Onkel David Hess aus Dornum nach Argentinien entkommen konnte und mit seiner Familie überlebt hat.
Literatur:
Patenschaft: Christiane Meissner
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Levie Valk (1881-1942) und Betje Levie (1883-1942) mit Judenstern, Mai/Juni  1942

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grabstein Moses Hess (Großvater von Betty Valk)

 

Betti Valk, geb. Cohen

Veröffentlicht: 18. November 2010 von westermayer in Verlegung

betti-valk-1913Betti COHEN
geboren am 16. Januar 1913 in Aurich

 

 

 

Straße: Lindenstraße 9
Todesdatum: 31. Dezember 1943
Todesort: Australien
Betti Cohen verh. Valk wird als viertes Kind von Jakob Abraham Cohen und seiner Frau Jette geb. Hess geboren. Ihre Familie wohnte in der Marktstraße  16. Für sie ist ein Stolperstein in der Lindenstraße 9 verlegt. Sie zieht 1936 ebenso wie andere Familienmitglieder in die Niederlande nach Wildervank. Dort heiratet sie Jacob Valk (8.04.1911-1945) und hat mit ihm eine Tochter Roosje (*1.08.1937). Die Familie wird am 4.10.1942 in Westerbork interniert, am 4.09.1944 zunächst nach Theresienstadt deportiert, dann nach Auschwitz (Jacob 29.9.1944, Betti und Roosje 4.10.1944).

Ihr Vater Jakob Abraham Cohen wird am 24. Januar 1877 in Aurich geboren. Er ist das erste von vier Kindern seiner Eltern Abraham Jacob Cohen (1842–1933) und Betti geb. Driels (1848–1891). Seine Schwestern Friederike (1878–1933) und Caroline (1888–1942) ziehen nach Holland, sein Bruder Wolf Wilhelm Abraham Cohen (1881-1935) lebt in Aurich, arbeitet als Schlachter und gründet eine Familie. Jakob Abrahams Ehefrau Jette Hess ist das 4. von 13 Kindern ihrer Eltern Moses Hess (1861-1932) und Bertha Hess geb. Wolffs (*1863). Eine Schwester von Jette, Eva Hess (*1893), heiratet einen Bruder von Jakob Abraham Cohen, Wolff Wilhelm Cohen (1881-1935). Jakob Abraham Cohen und seine Frau Jette haben zusammen sechs Kinder: Ihr erstes Kind, Moses Jacob Cohen (*14.09.1909) stirbt schon im Alter von 2 Jahren. Danach werden noch fünf Kinder geboren: Abraham Jakob  (4.10.1910  Aurich – 4.06.1995 Quito, Equador), Moritz Moses Jakob (20.11.1911 Aurich – 1943), Betti verh. Valk (16.01.1913 Aurich – 6.10.1944 Auschwitz), Wolff Wilhelm (4.01.1915 Aurich – 31.12.1943  Australien) und Josef (25.03.1917 Aurich – 26.06.1941 Neuengamme).

Die Ehe zwischen Jakob Abraham und Jette verlief offensichtlich nicht glücklich. Jakob Abraham Cohen berichtet später: „als er (1918) aus dem Krieg kam, habe er Joseph (sein jüngstes Kind, zu dem Zeitpunkt etwa 1 ½ Jahre alt) damals mit einem Kopfaussatz in einer Bremer Hautklinik gefunden, da seine Mutter ihn  vernachlässigte und alle Kinder im Stich ließ, als sie ihm damals durchgegangen war.“ Wohin Jette „durchgegangen“ ist, wissen wir nicht. Vermutlich gleich nach Italien, denn dort trifft sie 1936 ihren Sohn Abraham Jakob. 1940 hält sie sich in Mailand auf. Sie kann vor der Judenverfolgung in die USA fliehen und lebt mit ihrem zweiten Ehemann in Toledo, Ohio. Dort stirbt sie 1950.

Über die Lebensumstände von Jakob Abraham Cohen in Aurich wissen wir wenig. Seine Kinder verlassen ihn schon in jungen Jahren, so zog sein jüngster Sohn Josef 1929 im Alter von 12 Jahren in ein Lehrlingsheim in Düsseldorf und kam nicht wieder nach Aurich zurück.

Jakob Abraham Cohen emigriert im Juni 1937 in die Niederlande und heiratet in Hoogeveen am 17. August 1938 Eva van Gelderen.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen auch dort die Judenverfolgung einsetzt, werden Jakob Abraham Cohen und seine Frau Eva am 6. April 1943 in Westerbork interniert und am 20. April 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich werden sie nach ihrer Ankunft ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Über das Schicksal der Kinder von Jakob Abraham Cohen können wir Folgendes berichten: Sein zweites Kind Abraham Jakob konnte zunächst in die Niederlande fliehen. Sein Sohn Henry erzählt, dass sein Vater auf der Flucht aus Aurich zwei Soldaten erschossen habe, die sein Haus bewachten. Die Niederlande lehnten einen von Deutschland gestellten Auslieferungsantrag ab, da Abraham Jakob in Selbstverteidigung gehandelt hätte. Er musste aber die Niederlande verlassen und ging nach Italien zu seiner Mutter. Dort heiratet er am  7.11.1936. Als auch in Italien die Situation für die Juden unsicher wird, flieht er mit seiner Familie nach Equador und wählte Quito als neuen Lebensort.

Sein drittes Kind Moritz Moses Jacob erlernt den Beruf des Bäckergesellen. Er verlässt 1926 Aurich im Alter von 15 Jahren um drei Jahre in Köln zu leben und kehrt 1929 wieder zurück. Auch nach Aufenthalten in Assen und Berlin kehrt er immer wieder nach Aurich zurück. Im November 1933 verlässt er endgültig Aurich und zieht nach Den Haag in den Niederlanden. Dort lernt er seine Frau Ester Roffesa (*7.12.1912 Den Haag – 1943) kennen und heiratet sie. Ihre älteste Tochter Jettchen (benannt nach ihrer Großmutter) wird am 25.05.1939 noch in Den Haag geboren. Dann zieht die Familie nach Groningen um. Dort wird am 30.11.1942 ihre zweite Tochter Rika Jacoba geboren.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen die Judenverfolgung beginnt, wird Moses am 9.03.1943 in Westerbork interniert, seine Frau und 2 Kinder folgen am 6.04.1943. Am 13.04.1943 wird die gesamte Familie nach Sobibor deportiert und ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Über das Schicksal des fünften Kindes, Wolff Wilhelm Cohen, konnten wir bisher nichts in Erfahrung bringen. Wir wissen nur aus einer Genealogie, dass er am 31.12.1943 in Australien verstarb.

Das sechste und jüngste Kind von Jakob Abraham Cohen, Josef Cohen, beginnt 1929 eine Schlosserlehre in Düsseldorf. Er arbeitet dann in verschiedenen Handlangertätigkeiten. 1937 wird er nach §175 zu 10 Monaten Haft verurteilt. Danach arbeitet er zunächst in Hamburg auf der Köhlbrand-Werft, dann als Heizer auf verschiedenen Elbdampfern. Im September 1939 wird er verhaftet, am 29.04.1941 wegen Gewaltverbrechen und Rassenschande zum Tode verurteilt und am 26.06.1941 hingerichtet.

Sein Fall ist ein Musterbeispiel für nationalsozialistische Willkürjustiz: Widersprüchliche Aussagen über den Tathergang der Notzucht wurden nicht berücksichtigt, in den Verhörprotokollen lässt sich eine Vorverurteilung des „Judenlümmels“ deutlich erkennen, Rechtsverordnungen wurden rückwirkend auf seinen Fall angewendet und die sofortige Vollstreckung des Todesurteils trotz bestehender Zweifel im Eilverfahren durchgesetzt.

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer  (Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Maria Deters
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

Heinz Hartogsohn

Veröffentlicht: 18. November 2010 von westermayer in Verlegung

heinz-hartogsohnHeinz HARTOGSOHN
geboren am 31. August 1918 in Bunde

 

 

 

Straße: Norderstraße 2
Todesdatum: 30. September 1942 (für tot erklärt)
Todesort: Auschwitz
Heinz Hartogsohn wurde am 30. September 1918 in Bunde geboren. Er war das zweite Kind der Eheleute Julius Hartogsohn aus Emden und Veronika geb. Berliner aus Weener.Heinz Hartogsohn hatte noch einen älteren Bruder, Max, geboren 1913 von Beruf Nähmaschinenvertreter und einen jüngeren – Herbert, geboren 1920.

Die Familie Hartogsohn betreibt einen Altmaterialhandel in Bunde. Heinz geht am 15.05.1934 nach Aurich als Kaufmann zu Lippmann Knurr in der Norderstraße 2.

Am 2.06.1937 verlässt Heinz Aurich um mit der Familie seines Vaters nach Winschoten zu fliehen. Sein Bruder Herbert arbeitet ebenfalls in dieser Zeit bei van Dijk in der Wilhelmstraße 21 (heute: H&M zuvor Schüt Duis in der Burgstraße) als kaufmännischer Lehrling.

Die Brüder Hartogsohn beantragen zuvor Reisepässe bei der Einwohnerregistratur in Aurich. Mit Bescheid vom 16.02.1935 wird dies abgelehnt, […] weil die ganze Familie politisch nicht einwandfrei sei.

Die ganze Familie Hartogsohn und die Großmutter Hanna Berliner geb. Leeuwarden flüchtet 1937 nach Winschoten in die Noorderstraat 18. Dort ist Julius 1941 als Händler von Häuten, Leder und Gerbstoffen in einem amtlichen Register eingetragen. Sein Bruder Max heiratet noch am 23. Juli 1942 in Winschoten Esther de Beer.

Alle Hartogsohns werden mit der Übernahme der Gesetze zur Judenverfolgung nach der deutschen Besetzung in Westerbork festgesetzt. Am 24.08.1942 wird Heinz mit 610 weiteren nach Auschwitz deportiert und dort ermordet (am 30.09.1942 für tot erklärt). Sein Name, wie die von Esther, Herbert, Max und Veronika sind im Häftlingsregister von Auschwitz vermerkt.

Alle anderen Familienmitglieder, bis auf die Großmutter Hanna Berliner, kommen ebenfalls in der Shoa um. Letzte stirbt am 27.11.1942 in Westerbork und ist auf dem Friedhof in Assen beigesetzt.

1953 wird über das Hausvermögen der Hartogsohns, das Haus steht in Bunde, Wüpping, an der Durchfahrtsstraße, in einem Vergleich verhandelt. Der Erwerber von 1937 muss 7.000 DM an den Jewish Trust als Treuhänder der Erben, dort Berliner-Erben, bezahlen. Es sind von allen Familienlinien aber keine namentlich genannt, d. h. sie sind alle umgekommen.

Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bereiten die Stolpersteinverlegung vor.

Das ehemalige Geschäftshaus der Firma H:C: Knurr

Recherche: Jörg Peter (Stand: 9.11.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und Rep 107 Nr. 2868
Literatur:
Patenschaft: Silvia Cammengan
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

Franz Reuß / Yitzhak Raveh

Veröffentlicht: 4. Oktober 2010 von westermayer in Verlegung

Franz Reuß/Yitzhak Raveh
Geboren am 10. November 1906 in Aurich

Straße: Oldersumer Str. 34
Todesdatum: 8. November 1989
Todesort: Tel Aviv
Franz Reuß wird am 10. November 1906 als jüngstes von sechs Kindern des jüdischen Lehrers Heinrich Reuß (*1863 in Oberlauringen, ✡1924 in Berlin) und seiner Frau Selma Reuß geb. Wolff (*1866 in Neviges, NRW,  ✡1929 in Berlin) in Aurich geboren. Seine älteren Geschwister sind Erich Reuß (*1887 in Neustadtgödens, ✡1970), Kurt Reuß (*Neustadtgödens berechnet 1889, ✡20.04.1904 in Aurich), Irma Reuß (*1892 in Neustadtgödens, ✡1955 in Tel Aviv), Hilde Reuß (*06.09.1894 in Aurich) und Günther Reuß (*11.06.1898 in Aurich, ✡1973 in Johannesburg).
(In der Geburtsurkunde findet sich die Schreibweise „Reuß“. Da es das „ß“ nicht als Großbuchstaben gibt, steht sein Name auf dem Stolperstein mit Doppel-S. Auf seinem Türschild in Tel Aviv stand ebenfalls „REUSS“.)Die Familie Reuß lebt von 1883 – 1894 in Neustadt-Gödens. Dort werden die drei ältesten Geschwister von Franz Reuß geboren. In einem Nachruf in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 4. Dezember 1924 findet sich über seinen Vater: „In Berlin verstarb Heinrich Reuß, ein verdienter Pädagoge und durch seine Artikel auch unseren Lesern wohl bekannt. Reuß ist in Oberlauringen geboren, von wo er mit 12 Jahren nach Burgpreppach (Präparandie) und dann nach Würzburg ins Lehrerseminar kam. Er war zuerst Religionslehrer in Herborn und dann 12 Jahre Volksschullehrer und Prediger in Neustadt-Goedens. Von dort kam er nach Aurich, wo er 14 Jahre als Hauptlehrer, Prediger und Chasen (vergleichbar mit dem Kantor, d. A.) segensreich wirkte. Seit 1908 lebte er in Berlin, wo er 14 Jahre lang als Religionslehrer der Adaß (der jüdischen Gemeinde, d. A.) und als Lehrer an der Talmud-Tora Knesset-Jisroel wirkte.“

Das Haus Oldersumer Str. 34 in den 1920er Jahren

Als Franz Reuß 1906 geboren wird, wohnt seine Familie in der „Westervorstadt“ Aurich, heute Oldersumer Straße 34. Sein Vater arbeitet seit dem 6.09.1894 als Hauptlehrer an der jüdischen Schule in Aurich. Am 1. November 1908 geht Heinrich Reuß in den Ruhestand und hält seine Abschiedsrede. Die Familie zieht noch im selben Jahr nach Berlin.

 

Franz Reuß wächst in Berlin auf, erhält dort seine Schulbildung und studiert 1924-1927 Jura an der Friedrich-Wilhelms-Universität (seit 1949 Humboldt Universität). Im Jahr 1929 promoviert er in Halle bei Prof. Roth. Nachdem er zwei Jahre als Rechtsanwalt praktiziert hat, beruft man ihn 1931 zum Amtsrichter nach Berlin-Charlottenburg. Im Jahr 1932 heiratet er Batya Sadovski (*1906 in Kowno, Kaunas, Litauen).

Als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, gerät Franz Reuß wie viele seiner jüdischen Kollegen zunehmend unter Druck. Er beantragt seine Entlassung aus dem Staatsdienst zum 31. März 1933 und begibt sich – ohne seine Entlassung abzuwarten – noch im selben Monat mit seiner Frau auf ein Schiff, das beide in das damals unter britischem Mandat stehende Palästina bringt. Zu diesem Zeitpunkt war die Einreise nach Palästina als Tourist noch problemlos möglich. Seine Eltern versterben bereits in den 20er Jahren und müssen den Naziterror nicht miterleben.
Schlüsselerlebnis für die Ausreise aus Deutschland ist für Franz Reuß, als er bei einem Spaziergang mit seiner Frau auf dem Kaiserdamm in Berlin eine große Gruppe uniformierter Polizisten mit Hakenkreuz-Armbinden marschieren sieht. Damit wird für ihn die beginnende Verknüpfung von Partei und Staat erkennbar und er zieht sofort die Konsequenzen.

In Palästina findet Reuß schnell ein neues Betätigungsfeld. Er kümmert sich um die Belange deutscher Einwanderer und praktiziert bis zur Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 wieder als Rechtsanwalt. Franz Reuß hat inzwischen den jüdischen Namen Yitzhak Raveh angenommen. Er ist seit 1952 Bezirksrichter in Tel Aviv und arbeitet dort bis zum Ende seiner Berufstätigkeit.

Im Jahr 1961 wird Yitzak Raveh als Kandidat für den Eichmann-Prozess ausgewählt, da er ähnlich wie die anderen ebenfalls deutschstämmigen Richter Moshe Landau und Benjamin Halevi mit der Muttersprache des Angeklagten vertraut ist. Damit können weite Strecken der Verhandlung ohne Umwege über Dolmetscher auf Deutsch geführt werden. Da Ravehs nähere Verwandtschaft vom Holocaust verschont geblieben ist – seine Geschwister können Deutschland rechtzeitig verlassen -, konnte man ihm in dieser Hinsicht keinerlei Befangenheit vorwerfen.

Adolf Eichmann gehört zu den zentralen Schlüsselfiguren bei der Deportation der Juden in die Ghettos und Vernichtungslager. Er fungiert daher auch nicht von ungefähr als Protokollführer der Wannseekonferenz, auf der über Fragen zur als „Endlösung“ deklarierten vollständigen Vernichtung sämtlicher Juden beraten wird. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelingt ihm unter falscher Identität die Flucht nach Argentinien, wo Zielfahndern des Mossad-Geheimdienstes ihn 1960 aufspüren und nach Israel entführen. Dort wird am 23. Mai 1960 Haftbefehl gegen Eichmann erlassen. Der Prozess beginnt am 11. April 1961 vor dem Jerusalemer Bezirksgericht.

Franz Reuß/Yitzhak Rave (ganz rechts) während des Eichmann Prozesses

Eichmann leugnet seine Taten keineswegs. Angesichts der erdrückenden Beweislast von 100 Zeugenaussagen (darunter 90 KZ-Überlebende) und 1600 Dokumenten wäre das ohnehin schwierig zu bewerkstelligen gewesen. Dennoch plädiert er auf „nicht schuldig im Sinne der Anklage“ und versucht, sich als reinen Befehlsempfänger darzustellen. Als er sich dabei auf den Philosophen Immanuel Kant beruft, hakt Richter Raveh nach und bittet um eine nähere Erläuterung.
Dank Richter Ravehs Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit hat sich Eichmann dabei praktisch selber entlarvt, denn er macht mit der Berufung auf Kants kategorischen Imperativ deutlich, dass er absolut klar umrissene Vorstellungen von seinem Tun und Handeln hatte. Nach acht Monaten Prozess wird Eichmann in den meisten Anklagepunkten für schuldig befunden und am 15. Dezember 1961 zum Tod durch Erhängen verurteilt. Das Urteil wird in Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni 1962 vollstreckt.

Franz Reuß/Yitzhak Rave 1988 (Foto privat)

Nach dem Eichmann-Prozess entwickelt sich Yitzhak Raveh zu einem angesehenen Experten für Fragen des Land- und Mietrechts und führt zwischenzeitlich eine parlamentarische Kommission, die nach ihm benannt wird. Er hält Vorlesungen an der Universität von Tel Aviv, publiziert regelmäßig Artikel in Fachzeitschriften und kümmert sich intensiv um den juristischen Nachwuchs. Als er sich 1976 zur Ruhe setzt, darf er sich dann ein bisschen mehr seinen Hobbys Lesen, Musik und Reisen widmen.

Franz Reuß/Yitzhak Rave 1987 in Aurich (Foto: W. Freitag)

 

Im Oktober 1987 besucht Yizak Raveh anlässlich einer Reise nach Berlin auch seine Geburtsstadt Aurich. Er hat offensichtlich von der Arbeit der IGS Aurich-West zur Geschichte der Auricher Judengemeinde und dem Schüleraustausch mit Israel erfahren. Als er in Aurich ankommt, fragt er sich zur IGS durch und stellt den persönlichen Kontakt zu den verantwortlichen Lehrern her. Nach diesem Besuch in Aurich können Schülergruppen der IGS Aurich-West Yizak Raveh noch zweimal in Tel Aviv besuchen.

 

 

 

Am 8. November 1989 stirbt der in Aurich als Franz Reuß geborene Yitzhak Raveh an Herzversagen infolge eines Krebsleidens im Alter von fast 83 Jahren. Seine Frau Batya ist bereits einige Jahre zuvor verstorben. Er hinterlässt zwei Töchter und drei Enkelkinder.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 28.09.2026)
Fotos: Wolfgang Freitag
Opfergruppe: Juden
Quellen: https://www.alemannia-judaica.de/neustadtgoedens.htm

https://www.nwzonline.de/landkreis-aurich/aurich-jerusalem-ein-ostfriese-verurteilte-adolf-eichmann_a_51,0,3946881521.html#

https://www.mz.de/lokal/halle-saale/yitzhak-raveh-eichmanns-richter-lebte-einst-in-halle-2120196

https://wwv.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/eichmann/eichmann-trial.asp

Literatur: Freitag, Wolfgang (Hg.), Auf den Spuren jüdischer Geschichte, 4. Aufl. 2010
Patenschaft: Sarah Buss
Verlegetermin: 28. September 2026

 

 

 

Thekla Schmidt

Veröffentlicht: 3. Oktober 2010 von westermayer in Verlegung

Thekla SCHMIDT
geboren am 20. Oktober 1942 in Barßel

Straße: Wallstraße 26
Todesdatum: unbekannt
Todesort: KZ Auschwitz
Thekla Schmidt wird am 20. Oktober 1931 in Haselünne geboren. Sie ist das sechste Kind ihrer Eltern Adolf Schmidt (*18.04.1898 Bottrop, +16.12.1943 Auschwitz) und Frieda Schmidt geb. Weiß (*8.05.1904 Hessen, +9.03.1944 Auschwitz). Thekla hat insgesamt fünf Geschwister. Weitere Informationen über ihr Leben sind leider nicht bekannt. Sie wird am 11.03.1943 mit ihrer Familie festgenommen, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Das Todesdatum ist unbekannt.

Ihr Vater, Adolf Schmidt, wird am 18. April 1898 in Bottrop geboren. Über seine Eltern und Vorfahren ist nichts bekannt. Auf der Meldekarte der Stadt Aurich wird sein Beruf mit „Händler“ angegeben. Er heiratet Frieda Weiß, geboren am 8. Mai 1904 in Hessen. Zusammen haben Adolf und Frieda Schmidt sechs Kinder: Artur (Geburtsdatum und -ort unbekannt), Anna (geboren am 6.02.1931 in Haselünne), Emil (geboren am 1.07.1934 in Aurich), Georg (geboren am 26.02.1937 in Aurich), Rudolf (geboren am 26.08.1940 in Köln), Thekla (geboren am 20.10.1942 in Barßel).

Anhand der Geburtsorte der Kinder lässt sich der Lebensweg der Familie rekonstruieren. Anfang der 30ger Jahre wohnt die Familie in Haselünne. Dort wird im Februar 1931 ihre Tochter Anna geboren. Ab September 1933 wohnt die Familie in Aurich in der Wallstraße 6. Der Sohn Emil wird im Juli 1934 in Aurich geboren.

Lt. Meldekarte ist die Familie im August 1934 „auf Wanderschaft“ und meldet sich im November 1936 zurück in Aurich, wohnhaft Breiterweg 1. Im Februar 1937 wird der Sohn Georg geboren, ebenfalls in Aurich. Seit Ende Oktober 1937 wohnt die Familie Schmidt in der Wallstraße 26. Die Meldekarte vermerkt den Zusatz „mit Wohnwagen“.

Im Sommer 1938 wird Adolf Schmidt im Zuge der Verhaftungsaktion „Arbeitsscheu Reich“ von der Kriminalpolizei verhaftet und am 15. Juni 1938 in das KZ Buchenwald eingeliefert. Hier wird sein Beruf mit „Schausteller“ vermerkt.
Die Massenverhaftungen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ im Frühjahr und Sommer 1938 waren in ihrer systematischen und reichsweiten Form neu für die NS-Verfolgungspolitik. Sie richteten sich gegen Personen, denen Polizei sowie Arbeits- und Wohlfahrtsämter vorwarfen, Arbeitsstellen abzulehnen und nicht arbeiten zu wollen. Erst nach etwa einem halben Jahr am 3. Dezember 1938 wird Adolf Schmidt aus dem KZ Buchenwald nach Aurich entlassen.

Am 3. Juni 1939 verlässt die Familie Schmidt Aurich in Richtung Osnabrück. Dieser Weggang ist ganz sicher nicht freiwillig, da umherreisende Sinti und Roma seit dem Dezember 1938 Ostfriesland verlassen müssen.

Wo sich die Familie in den Jahren 1939 bis 1942 aufhält, können wir nur aus den Geburtsorten ihrer Kinder erschließen.

Ihr Sohn Rudolf wird im August 1940 in Köln geboren, ihre Tochter Thekla im Oktober 1942 in Barßel.

Da sich die Familie noch im August 1940 in Köln aufgehalten haben muss, konnte sie offensichtlich den Deportationen von Sinti und Roma aus Köln im Mai 1940 entgehen. Damals wurden über 1.000 Sinti und Roma in Arbeits- und Vernichtungslager in das besetzte Polen deportiert. (Gunter Demnig, Initiator der Stolperstein Aktion, erinnerte 1990 an diese Deportation mit einer „Spur der Erinnerung“, die er mit einer selbstgebauten Druckwalze auf der Strecke der Deportation von Sinti und Roma quer durch Köln zog.)

Im Januar 1941 zieht die Familie Schmidt nach Barßel-Lohe (Das liegt etwa in der Mitte zwischen Leer und Oldenburg). In einem Protokoll der Eröffnungsverhandlung zur Festsetzung vom 3. Juni 1942 wird vermerkt: „In der Gemeinde Barßel war die Familie Adolf Schmidt im Ortsteil Lohe ansässig. Zu ihrem Haushalt gehörten acht Personen, das Ehepaar Schmidt und seine sechs Kinder“. Wenn es tatsächlich sechs Kinder der Familie Schmidt waren, muss es noch ein weiteres unbekanntes Kind gegeben haben, da das uns bekannte sechste Kind Thekla erst 4 Monate später im Oktober 1942 geboren wird. Die Eheleute Schmidt und ihr ältester Sohn, Artur, müssen das Protokoll der Eröffnungsverhandlung unterschreiben. Ihnen wird bei Androhung der Einweisung in ein Konzentrationslager verboten, die Gemeinde Barßel zu verlassen. Nur aufgrund dieser Quelle wissen wir von dem Sohn Artur.

Im Juni1 1942 beschweren sich Anwohner über die Anwesenheit der Sinti Familie Schmidt. Daraufhin begutachtet die Nebenstelle Friesoythe des Arbeitsamtes Vechta die „Arbeitsfähigkeit“ von Adolf und Artur Schmidt und kommt im Dezember 1942 zu dem Ergebnis, „dass Sch. für den allgemeinen Arbeitseinsatz wegen Magenkrankheit (muss Diät leben, trägt Gummikorsett) nicht einsatzfähig ist. Sch. fertigt Pantoffeln an. Sein Sohn Artur hilft bei der Anfertigung von Pantoffeln, soll aber ab 1.1.43 bei Schachtbau A.G. Damme angesetzt werden.“

Im „Auschwitz-Erlass“ des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 wird die Deportation der innerhalb des Deutschen Reichs lebenden Sinti und Roma angeordnet, um sie als Minderheit komplett zu vernichten. Auf dieser Grundlage werden 23.000 Menschen aus ganz Europa nach Auschwitz in einen speziellen Lagerabschnitt, das sog. Zigeunerfamilienlager deportiert. Ein erster Transport traf dort am 26. Februar 1943 ein.

Am 11.03.1943 wird die Familie Schmidt in Barßel festgenommen und nach Auschwitz deportiert.  Der zuständige Gendarm berichtet dem Landrat von der Festnahme und dem Abtransport sieben „zigeunerischer Personen.“ Mit Ausnahme des Sohnes Artur werden die Eltern Adolf und Frieda Schmidt sowie ihre fünf Kinder nach Auschwitz deportiert. Keines der sieben Familienmitglieder überlebt.

Der älteste Sohn, Artur Schmidt, kann am Vortag der Festnahme mit der Eisenbahn nach Langförden reisen. Er wird zur Fahndung ausgeschrieben. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

In Auschwitz wird Adolf Schmidt am 16.Dezember 1943 im Alter von 45 Jahren ermordet, seine Frau Frieda am 9. März 1944 im Alter von 39 Jahren.

Die Tochter Anna wird am 2. Juli 1943 im Alter von 12 Jahren ermordet, ihre Brüder Emil am 27. März 1943 im Alter von 8 Jahren, Georg am 8. Dezember 1943 im Alter von 6 Jahren und Rudolf am 18. August 1943 im Alter von fast 3 Jahren. Für das jüngste Kind, Thekla, ist kein Todesdatum bekannt. Sie war zum Zeitpunkt der Deportation erst 4 Monate alt.

Dieser Text ist weitgehend eine Zusammenfassung des Artikels von Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999.

Zusammenfassung und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 28.09.2026)
Foto:
Opfergruppe: Sinti
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
Literatur: – Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999
– Namen der aus dem Weser-Ems Gebiet deportierten Sinti und Roma in den Jahren 1940 bis 1944, Oldenburg, Amt für Kultur, Museen und Sport (www.oldenburg.de)
Patenschaft: Aktion 9. November 2014, Kollekte zum 27. Januar 2015
Verlegetermin: 28. September 2026

 

 

 

Rudolf Schmidt

Veröffentlicht: 3. Oktober 2010 von westermayer in Verlegung

Rudolf SCHMIDT
geboren am 26. August 1940 in Köln

Straße: Wallstraße 26
Todesdatum: 18. August 1943
Todesort: KZ Auschwitz
Rudolf Schmidt wird am 26. August 1940 in Köln geboren. Er ist das fünfte Kind seiner Eltern Adolf Schmidt (*18.04.1898 Bottrop, +16.12.1943 Auschwitz) und Frieda Schmidt geb. Weiß (*8.05.1904 Hessen, +9.03.1944 Auschwitz). Rudolf hat insgesamt fünf Geschwister. Weitere Informationen über sein Leben sind leider nicht bekannt. Er wird am 11.03.1943 mit seiner Familie festgenommen, nach Auschwitz deportiert und dort am 18.08.1943 ermordet.

Sein Vater, Adolf Schmidt, wird am 18. April 1898 in Bottrop geboren. Über seine Eltern und Vorfahren ist nichts bekannt. Auf der Meldekarte der Stadt Aurich wird sein Beruf mit „Händler“ angegeben. Er heiratet Frieda Weiß, geboren am 8. Mai 1904 in Hessen. Zusammen haben Adolf und Frieda Schmidt sechs Kinder: Artur (Geburtsdatum und -ort unbekannt), Anna (geboren am 6.02.1931 in Haselünne), Emil (geboren am 1.07.1934 in Aurich), Georg (geboren am 26.02.1937 in Aurich), Rudolf (geboren am 26.08.1940 in Köln), Thekla (geboren am 20.10.1942 in Barßel).

Anhand der Geburtsorte der Kinder lässt sich der Lebensweg der Familie rekonstruieren. Anfang der 30ger Jahre wohnt die Familie in Haselünne. Dort wird im Februar 1931 ihre Tochter Anna geboren. Ab September 1933 wohnt die Familie in Aurich in der Wallstraße 6. Der Sohn Emil wird im Juli 1934 in Aurich geboren.

Lt. Meldekarte ist die Familie im August 1934 „auf Wanderschaft“ und meldet sich im November 1936 zurück in Aurich, wohnhaft Breiterweg 1. Im Februar 1937 wird der Sohn Georg geboren, ebenfalls in Aurich. Seit Ende Oktober 1937 wohnt die Familie Schmidt in der Wallstraße 26. Die Meldekarte vermerkt den Zusatz „mit Wohnwagen“.
Im Sommer 1938 wird Adolf Schmidt im Zuge der Verhaftungsaktion „Arbeitsscheu Reich“ von der Kriminalpolizei verhaftet und am 15. Juni 1938 in das KZ Buchenwald eingeliefert. Hier wird sein Beruf mit „Schausteller“ vermerkt.
Die Massenverhaftungen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ im Frühjahr und Sommer 1938 waren in ihrer systematischen und reichsweiten Form neu für die NS-Verfolgungspolitik. Sie richteten sich gegen Personen, denen Polizei sowie Arbeits- und Wohlfahrtsämter vorwarfen, Arbeitsstellen abzulehnen und nicht arbeiten zu wollen. Erst nach etwa einem halben Jahr am 3. Dezember 1938 wird Adolf Schmidt aus dem KZ Buchenwald nach Aurich entlassen.

Am 3. Juni 1939 verlässt die Familie Schmidt Aurich in Richtung Osnabrück. Dieser Weggang ist ganz sicher nicht freiwillig, da umherreisende Sinti und Roma seit dem Dezember 1938 Ostfriesland verlassen müssen.

Wo sich die Familie in den Jahren 1939 bis 1942 aufhält, können wir nur aus den Geburtsorten ihrer Kinder erschließen.

Ihr Sohn Rudolf wird im August 1940 in Köln geboren, ihre Tochter Thekla im Oktober 1942 in Barßel.
Da sich die Familie noch im August 1940 in Köln aufgehalten haben muss, konnte sie offensichtlich den Deportationen von Sinti und Roma aus Köln im Mai 1940 entgehen. Damals wurden über 1.000 Sinti und Roma in Arbeits- und Vernichtungslager in das besetzte Polen deportiert. (Gunter Demnig, Initiator der Stolperstein Aktion, erinnerte 1990 an diese Deportation mit einer „Spur der Erinnerung“, die er mit einer selbstgebauten Druckwalze auf der Strecke der Deportation von Sinti und Roma quer durch Köln zog.)

Im Januar 1941 zieht die Familie Schmidt nach Barßel-Lohe (Das liegt etwa in der Mitte zwischen Leer und Oldenburg). In einem Protokoll der Eröffnungsverhandlung zur Festsetzung vom 3. Juni 1942 wird vermerkt: „In der Gemeinde Barßel war die Familie Adolf Schmidt im Ortsteil Lohe ansässig. Zu ihrem Haushalt gehörten acht Personen, das Ehepaar Schmidt und seine sechs Kinder“. Wenn es tatsächlich sechs Kinder der Familie Schmidt waren, muss es noch ein weiteres unbekanntes Kind gegeben haben, da das uns bekannte sechste Kind Thekla erst 4 Monate später im Oktober 1942 geboren wird. Die Eheleute Schmidt und ihr ältester Sohn, Artur, müssen das Protokoll der Eröffnungsverhandlung unterschreiben. Ihnen wird bei Androhung der Einweisung in ein Konzentrationslager verboten, die Gemeinde Barßel zu verlassen. Nur aufgrund dieser Quelle wissen wir von dem Sohn Artur.

Im Juni 1942 beschweren sich Anwohner über die Anwesenheit der Sinti Familie Schmidt. Daraufhin begutachtet die Nebenstelle Friesoythe des Arbeitsamtes Vechta die „Arbeitsfähigkeit“ von Adolf und Artur Schmidt und kommt im Dezember 1942 zu dem Ergebnis, „dass Sch. für den allgemeinen Arbeitseinsatz wegen Magenkrankheit (muss Diät leben, trägt Gummikorsett) nicht einsatzfähig ist. Sch. fertigt Pantoffeln an. Sein Sohn Artur hilft bei der Anfertigung von Pantoffeln, soll aber ab 1.1.43 bei Schachtbau A.G. Damme angesetzt werden.“

Im „Auschwitz-Erlass“ des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 wird die Deportation der innerhalb des Deutschen Reichs lebenden Sinti und Roma angeordnet, um sie als Minderheit komplett zu vernichten. Auf dieser Grundlage werden 23.000 Menschen aus ganz Europa nach Auschwitz in einen speziellen Lagerabschnitt, das sog. Zigeunerfamilienlager deportiert. Ein erster Transport traf dort am 26. Februar 1943 ein.

Am 11.03.1943 wird die Familie Schmidt in Barßel festgenommen und nach Auschwitz deportiert.  Der zuständige Gendarm berichtet dem Landrat von der Festnahme und dem Abtransport sieben „zigeunerischer Personen.“ Mit Ausnahme des Sohnes Artur werden die Eltern Adolf und Frieda Schmidt sowie ihre fünf Kinder nach Auschwitz deportiert. Keines der sieben Familienmitglieder überlebt.

Der älteste Sohn, Artur Schmidt, kann am Vortag der Festnahme mit der Eisenbahn nach Langförden reisen. Er wird zur Fahndung ausgeschrieben. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

In Auschwitz wird Adolf Schmidt am 16.Dezember 1943 im Alter von 45 Jahren ermordet, seine Frau Frieda am 9. März 1944 im Alter von 39 Jahren.

Die Tochter Anna wird am 2. Juli 1943 im Alter von 12 Jahren ermordet, ihre Brüder Emil am 27. März 1943 im Alter von 8 Jahren, Georg am 8. Dezember 1943 im Alter von 6 Jahren und Rudolf am 18. August 1943 im Alter von fast 3 Jahren. Für das jüngste Kind, Thekla, ist kein Todesdatum bekannt. Sie war zum Zeitpunkt der Deportation erst 4 Monate alt.

Dieser Text ist weitgehend eine Zusammenfassung des Artikels von Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999.

Zusammenfassung und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 28.09.2026)
Foto:
Opfergruppe: Sinti
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
Literatur: – Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999
– Namen der aus dem Weser-Ems Gebiet deportierten Sinti und Roma in den Jahren 1940 bis 1944, Oldenburg, Amt für Kultur, Museen und Sport (www.oldenburg.de)
Patenschaft: Kollekte zum 27. Januar 2015
Verlegetermin: 28. September 2026

 

 

 

Georg Schmidt

Veröffentlicht: 3. Oktober 2010 von westermayer in Verlegung

Georg SCHMIDT
geboren am 26. Februar 1937 in Aurich

Straße: Wallstraße 26
Todesdatum: 8. Dezember 1943
Todesort: KZ Auschwitz
Georg Schmidt wird am 26. Februar 1937 in Aurich geboren. Er ist das vierte Kind seiner Eltern Adolf Schmidt (*18.04.1898 Bottrop, +16.12.1943 Auschwitz) und Frieda Schmidt geb. Weiß (*8.05.1904 Hessen, +9.03.1944 Auschwitz). Georg hat insgesamt fünf Geschwister. Weitere Informationen über sein Leben sind leider nicht bekannt. Er wird am 11.03.1943 mit seiner Familie festgenommen, nach Auschwitz deportiert und dort am 8.12.1943 ermordet.

Sein Vater, Adolf Schmidt, wird am 18. April 1898 in Bottrop geboren. Über seine Eltern und Vorfahren ist nichts bekannt. Auf der Meldekarte der Stadt Aurich wird sein Beruf mit „Händler“ angegeben. Er heiratet Frieda Weiß, geboren am 8. Mai 1904 in Hessen. Zusammen haben Adolf und Frieda Schmidt sechs Kinder: Artur (Geburtsdatum und -ort unbekannt), Anna (geboren am 6.02.1931 in Haselünne), Emil (geboren am 1.07.1934 in Aurich), Georg (geboren am 26.02.1937 in Aurich), Rudolf (geboren am 26.08.1940 in Köln), Thekla (geboren am 20.10.1942 in Barßel).

Anhand der Geburtsorte der Kinder lässt sich der Lebensweg der Familie rekonstruieren. Anfang der 30ger Jahre wohnt die Familie in Haselünne. Dort wird im Februar 1931 ihre Tochter Anna geboren. Ab September 1933 wohnt die Familie in Aurich in der Wallstraße 6. Der Sohn Emil wird im Juli 1934 in Aurich geboren.

Lt. Meldekarte ist die Familie im August 1934 „auf Wanderschaft“ und meldet sich im November 1936 zurück in Aurich, wohnhaft Breiterweg 1. Im Februar 1937 wird der Sohn Georg geboren, ebenfalls in Aurich. Seit Ende Oktober 1937 wohnt die Familie Schmidt in der Wallstraße 26. Die Meldekarte vermerkt den Zusatz „mit Wohnwagen“.

Im Sommer 1938 wird Adolf Schmidt im Zuge der Verhaftungsaktion „Arbeitsscheu Reich“ von der Kriminalpolizei verhaftet und am 15. Juni 1938 in das KZ Buchenwald eingeliefert. Hier wird sein Beruf mit „Schausteller“ vermerkt.
Die Massenverhaftungen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ im Frühjahr und Sommer 1938 waren in ihrer systematischen und reichsweiten Form neu für die NS-Verfolgungspolitik. Sie richteten sich gegen Personen, denen Polizei sowie Arbeits- und Wohlfahrtsämter vorwarfen, Arbeitsstellen abzulehnen und nicht arbeiten zu wollen. Erst nach etwa einem halben Jahr am 3. Dezember 1938 wird Adolf Schmidt aus dem KZ Buchenwald nach Aurich entlassen.
Am 3. Juni 1939 verlässt die Familie Schmidt Aurich in Richtung Osnabrück. Dieser Weggang ist ganz sicher nicht freiwillig, da umherreisende Sinti und Roma seit dem Dezember 1938 Ostfriesland verlassen müssen.

Wo sich die Familie in den Jahren 1939 bis 1942 aufhält, können wir nur aus den Geburtsorten ihrer Kinder erschließen.

Ihr Sohn Rudolf wird im August 1940 in Köln geboren, ihre Tochter Thekla im Oktober 1942 in Barßel.

Da sich die Familie noch im August 1940 in Köln aufgehalten haben muss, konnte sie offensichtlich den Deportationen von Sinti und Roma aus Köln im Mai 1940 entgehen. Damals wurden über 1.000 Sinti und Roma in Arbeits- und Vernichtungslager in das besetzte Polen deportiert. (Gunter Demnig, Initiator der Stolperstein Aktion, erinnerte 1990 an diese Deportation mit einer „Spur der Erinnerung“, die er mit einer selbstgebauten Druckwalze auf der Strecke der Deportation von Sinti und Roma quer durch Köln zog.)

Im Januar 1941 zieht die Familie Schmidt nach Barßel-Lohe (Das liegt etwa in der Mitte zwischen Leer und Oldenburg). In einem Protokoll der Eröffnungsverhandlung zur Festsetzung vom 3. Juni 1942 wird vermerkt: „In der Gemeinde Barßel war die Familie Adolf Schmidt im Ortsteil Lohe ansässig. Zu ihrem Haushalt gehörten acht Personen, das Ehepaar Schmidt und seine sechs Kinder“. Wenn es tatsächlich sechs Kinder der Familie Schmidt waren, muss es noch ein weiteres unbekanntes Kind gegeben haben, da das uns bekannte sechste Kind Thekla erst 4 Monate später im Oktober 1942 geboren wird. Die Eheleute Schmidt und ihr ältester Sohn, Artur, müssen das Protokoll der Eröffnungsverhandlung unterschreiben. Ihnen wird bei Androhung der Einweisung in ein Konzentrationslager verboten, die Gemeinde Barßel zu verlassen. Nur aufgrund dieser Quelle wissen wir von dem Sohn Artur.

Im Juni 1942 beschweren sich Anwohner über die Anwesenheit der Sinti Familie Schmidt. Daraufhin begutachtet die Nebenstelle Friesoythe des Arbeitsamtes Vechta die „Arbeitsfähigkeit“ von Adolf und Artur Schmidt und kommt im Dezember 1942 zu dem Ergebnis, „dass Sch. für den allgemeinen Arbeitseinsatz wegen Magenkrankheit (muss Diät leben, trägt Gummikorsett) nicht einsatzfähig ist. Sch. fertigt Pantoffeln an. Sein Sohn Artur hilft bei der Anfertigung von Pantoffeln, soll aber ab 1.1.43 bei Schachtbau A.G. Damme angesetzt werden.“

Im „Auschwitz-Erlass“ des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 wird die Deportation der innerhalb des Deutschen Reichs lebenden Sinti und Roma angeordnet, um sie als Minderheit komplett zu vernichten. Auf dieser Grundlage werden 23.000 Menschen aus ganz Europa nach Auschwitz in einen speziellen Lagerabschnitt, das sog. Zigeunerfamilienlager deportiert. Ein erster Transport traf dort am 26. Februar 1943 ein.

Am 11.03.1943 wird die Familie Schmidt in Barßel festgenommen und nach Auschwitz deportiert.  Der zuständige Gendarm berichtet dem Landrat von der Festnahme und dem Abtransport sieben „zigeunerischer Personen.“ Mit Ausnahme des Sohnes Artur werden die Eltern Adolf und Frieda Schmidt sowie ihre fünf Kinder nach Auschwitz deportiert. Keines der sieben Familienmitglieder überlebt.

Der älteste Sohn, Artur Schmidt, kann am Vortag der Festnahme mit der Eisenbahn nach Langförden reisen. Er wird zur Fahndung ausgeschrieben. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

In Auschwitz wird Adolf Schmidt am 16.Dezember 1943 im Alter von 45 Jahren ermordet, seine Frau Frieda am 9. März 1944 im Alter von 39 Jahren.

Die Tochter Anna wird am 2. Juli 1943 im Alter von 12 Jahren ermordet, ihre Brüder Emil am 27. März 1943 im Alter von 8 Jahren, Georg am 8. Dezember 1943 im Alter von 6 Jahren und Rudolf am 18. August 1943 im Alter von fast 3 Jahren. Für das jüngste Kind, Thekla, ist kein Todesdatum bekannt. Sie war zum Zeitpunkt der Deportation erst 4 Monate alt.

Dieser Text ist weitgehend eine Zusammenfassung des Artikels von Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999.

Zusammenfassung und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 28.09.2026)
Foto:
Opfergruppe: Sinti
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
Literatur: – Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999
– Namen der aus dem Weser-Ems Gebiet deportierten Sinti und Roma in den Jahren 1940 bis 1944, Oldenburg, Amt für Kultur, Museen und Sport (www.oldenburg.de)
Patenschaft: Heinrich Herlyn, Spende Konzerteinnahmen
Verlegetermin: 28. September 2026

 

 

 

Frieda Schmidt geb. Weiß

Veröffentlicht: 3. Oktober 2010 von westermayer in Verlegung

Frieda SCHMIDT geb. Weiß
geboren am 8. Mai 1904 in Hessen

Straße: Wallstraße 26
Todesdatum: 9. März 1944
Todesort: Auschwitz
Frieda Weiß wird am 8. Mai 1904 in Hessen geboren. Der genaue Geburtsort ist nicht bekannt. Sie heiratet Adolf Schmidt und bekommt mit ihm sechs Kinder. Ihr Lebensweg kann nur anhand der Geburtsdaten und -orte ihrer Kinder verfolgt werden. Sie wird am 11.03.1943 mit ihrer Familie in Barßel-Lohe festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Dort wird sie am 9.03.1944 als letztes Mitglied ihrer Familie ermordet.

Weitere Informationen über ihr Leben sind leider nicht bekannt.

Ihr Ehemann, Adolf Schmidt, wird am 18. April 1898 in Bottrop geboren. Über seine Eltern und Vorfahren ist nichts bekannt. Auf der Meldekarte der Stadt Aurich wird sein Beruf mit „Händler“ angegeben. Er heiratet Frieda Weiß, geboren am 8. Mai 1904 in Hessen. Zusammen haben Adolf und Frieda Schmidt sechs Kinder: Artur (Geburtsdatum und -ort unbekannt), Anna (geboren am 6.02.1931 in Haselünne), Emil (geboren am 1.07.1934 in Aurich), Georg (geboren am 26.02.1937 in Aurich), Rudolf (geboren am 26.08.1940 in Köln), Thekla (geboren am 20.10.1942 in Barßel).

Anhand der Geburtsorte der Kinder lässt sich der Lebensweg der Familie rekonstruieren. Anfang der 30ger Jahre wohnt die Familie in Haselünne. Dort wird im Februar 1931 ihre Tochter Anna geboren. Ab September 1933 wohnt die Familie in Aurich in der Wallstraße 6. Der Sohn Emil wird im Juli 1934 in Aurich geboren.

Lt. Meldekarte ist die Familie im August 1934 „auf Wanderschaft“ und meldet sich im November 1936 zurück in Aurich, wohnhaft Breiterweg 1. Im Februar 1937 wird der Sohn Georg geboren, ebenfalls in Aurich. Seit Ende Oktober 1937 wohnt die Familie Schmidt in der Wallstraße 26. Die Meldekarte vermerkt den Zusatz „mit Wohnwagen“.
Im Sommer 1938 wird Adolf Schmidt im Zuge der Verhaftungsaktion „Arbeitsscheu Reich“ von der Kriminalpolizei verhaftet und am 15. Juni 1938 in das KZ Buchenwald eingeliefert. Hier wird sein Beruf mit „Schausteller“ vermerkt.
Die Massenverhaftungen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ im Frühjahr und Sommer 1938 waren in ihrer systematischen und reichsweiten Form neu für die NS-Verfolgungspolitik. Sie richteten sich gegen Personen, denen Polizei sowie Arbeits- und Wohlfahrtsämter vorwarfen, Arbeitsstellen abzulehnen und nicht arbeiten zu wollen. Erst nach etwa einem halben Jahr am 3. Dezember 1938 wird Adolf Schmidt aus dem KZ Buchenwald nach Aurich entlassen.

Am 3. Juni 1939 verlässt die Familie Schmidt Aurich in Richtung Osnabrück. Dieser Weggang ist ganz sicher nicht freiwillig, da umherreisende Sinti und Roma seit dem Dezember 1938 Ostfriesland verlassen müssen.

Wo sich die Familie in den Jahren 1939 bis 1942 aufhält, können wir nur aus den Geburtsorten ihrer Kinder erschließen.

Ihr Sohn Rudolf wird im August 1940 in Köln geboren, ihre Tochter Thekla im Oktober 1942 in Barßel.

Da sich die Familie noch im August 1940 in Köln aufgehalten haben muss, konnte sie offensichtlich den Deportationen von Sinti und Roma aus Köln im Mai 1940 entgehen. Damals wurden über 1.000 Sinti und Roma in Arbeits- und Vernichtungslager in das besetzte Polen deportiert. (Gunter Demnig, Initiator der Stolperstein Aktion, erinnerte 1990 an diese Deportation mit einer „Spur der Erinnerung“, die er mit einer selbstgebauten Druckwalze auf der Strecke der Deportation von Sinti und Roma quer durch Köln zog.)

Im Januar 1941 zieht die Familie Schmidt nach Barßel-Lohe (Das liegt etwa in der Mitte zwischen Leer und Oldenburg). In einem Protokoll der Eröffnungsverhandlung zur Festsetzung vom 3. Juni 1942 wird vermerkt: „In der Gemeinde Barßel war die Familie Adolf Schmidt im Ortsteil Lohe ansässig. Zu ihrem Haushalt gehörten acht Personen, das Ehepaar Schmidt und seine sechs Kinder“. Wenn es tatsächlich sechs Kinder der Familie Schmidt waren, muss es noch ein weiteres unbekanntes Kind gegeben haben, da das uns bekannte sechste Kind Thekla erst 4 Monate später im Oktober 1942 geboren wird. Die Eheleute Schmidt und ihr ältester Sohn, Artur, müssen das Protokoll der Eröffnungsverhandlung unterschreiben. Ihnen wird bei Androhung der Einweisung in ein Konzentrationslager verboten, die Gemeinde Barßel zu verlassen. Nur aufgrund dieser Quelle wissen wir von dem Sohn Artur.

Im Juni 1942 beschweren sich Anwohner über die Anwesenheit der Sinti Familie Schmidt. Daraufhin begutachtet die Nebenstelle Friesoythe des Arbeitsamtes Vechta die „Arbeitsfähigkeit“ von Adolf und Artur Schmidt und kommt im Dezember 1942 zu dem Ergebnis, „dass Sch. für den allgemeinen Arbeitseinsatz wegen Magenkrankheit (muss Diät leben, trägt Gummikorsett) nicht einsatzfähig ist. Sch. fertigt Pantoffeln an. Sein Sohn Artur hilft bei der Anfertigung von Pantoffeln, soll aber ab 1.1.43 bei Schachtbau A.G. Damme angesetzt werden.“

Im „Auschwitz-Erlass“ des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 wird die Deportation der innerhalb des Deutschen Reichs lebenden Sinti und Roma angeordnet, um sie als Minderheit komplett zu vernichten. Auf dieser Grundlage werden 23.000 Menschen aus ganz Europa nach Auschwitz in einen speziellen Lagerabschnitt, das sog. Zigeunerfamilienlager deportiert. Ein erster Transport traf dort am 26. Februar 1943 ein.

Am 11.03.1943 wird die Familie Schmidt in Barßel festgenommen und nach Auschwitz deportiert.  Der zuständige Gendarm berichtet dem Landrat von der Festnahme und dem Abtransport sieben „zigeunerischer Personen.“ Mit Ausnahme des Sohnes Artur werden die Eltern Adolf und Frieda Schmidt sowie ihre fünf Kinder nach Auschwitz deportiert. Keines der sieben Familienmitglieder überlebt.

Der älteste Sohn, Artur Schmidt, kann am Vortag der Festnahme mit der Eisenbahn nach Langförden reisen. Er wird zur Fahndung ausgeschrieben. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

In Auschwitz wird Adolf Schmidt am 16.Dezember 1943 im Alter von 45 Jahren ermordet, seine Frau Frieda am 9. März 1944 im Alter von 39 Jahren.

Die Tochter Anna wird am 2. Juli 1943 im Alter von 12 Jahren ermordet, ihre Brüder Emil am 27. März 1943 im Alter von 8 Jahren, Georg am 8. Dezember 1943 im Alter von 6 Jahren und Rudolf am 18. August 1943 im Alter von fast 3 Jahren. Für das jüngste Kind, Thekla, ist kein Todesdatum bekannt. Sie war zum Zeitpunkt der Deportation erst 4 Monate alt.

Dieser Text ist weitgehend eine Zusammenfassung des Artikels von Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999.

Zusammenfassung und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 28.09.2026)
Foto:
Opfergruppe: Sinti
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
Literatur: – Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999
– Namen der aus dem Weser-Ems Gebiet deportierten Sinti und Roma in den Jahren 1940 bis 1944, Oldenburg, Amt für Kultur, Museen und Sport (www.oldenburg.de)
Patenschaft: Polizeiinspektion Aurich/Wittmund
Verlegetermin: 28. September 2026

 

 

 

Emil Schmidt

Veröffentlicht: 3. Oktober 2010 von westermayer in Verlegung

Emil SCHMIDT
geboren am 1. Juli 1934 in Aurich

Straße: Wallstraße 26
Todesdatum: 27. März 1943
Todesort: KZ Auschwitz
Emil Schmidt wird am 1. Juli 1934 in Aurich geboren. Er ist das dritte Kind seiner Eltern Adolf Schmidt (*18.04.1898 Bottrop, +16.12.1943 Auschwitz) und Frieda Schmidt geb. Weiß (*8.05.1904 Hessen, +9.03.1944 Auschwitz). Emil hat insgesamt fünf Geschwister. Weitere Informationen über sein Leben sind leider nicht bekannt. Er wird am 11.03.1943 mit seiner Familie festgenommen, nach Auschwitz deportiert und dort am 27.03.1943 ermordet.

Sein Vater, Adolf Schmidt, wird am 18. April 1898 in Bottrop geboren. Über seine Eltern und Vorfahren ist nichts bekannt. Auf der Meldekarte der Stadt Aurich wird sein Beruf mit „Händler“ angegeben. Er heiratet Frieda Weiß, geboren am 8. Mai 1904 in Hessen. Zusammen haben Adolf und Frieda Schmidt sechs Kinder: Artur (Geburtsdatum und -ort unbekannt), Anna (geboren am 6.02.1931 in Haselünne), Emil (geboren am 1.07.1934 in Aurich), Georg (geboren am 26.02.1937 in Aurich), Rudolf (geboren am 26.08.1940 in Köln), Thekla (geboren am 20.10.1942 in Barßel).

Anhand der Geburtsorte der Kinder lässt sich der Lebensweg der Familie rekonstruieren. Anfang der 30ger Jahre wohnt die Familie in Haselünne. Dort wird im Februar 1931 ihre Tochter Anna geboren. Ab September 1933 wohnt die Familie in Aurich in der Wallstraße 6. Der Sohn Emil wird im Juli 1934 in Aurich geboren.

Lt. Meldekarte ist die Familie im August 1934 „auf Wanderschaft“ und meldet sich im November 1936 zurück in Aurich, wohnhaft Breiterweg 1. Im Februar 1937 wird der Sohn Georg geboren, ebenfalls in Aurich. Seit Ende Oktober 1937 wohnt die Familie Schmidt in der Wallstraße 26. Die Meldekarte vermerkt den Zusatz „mit Wohnwagen“.

Im Sommer 1938 wird Adolf Schmidt im Zuge der Verhaftungsaktion „Arbeitsscheu Reich“ von der Kriminalpolizei verhaftet und am 15. Juni 1938 in das KZ Buchenwald eingeliefert. Hier wird sein Beruf mit „Schausteller“ vermerkt.
Die Massenverhaftungen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ im Frühjahr und Sommer 1938 waren in ihrer systematischen und reichsweiten Form neu für die NS-Verfolgungspolitik. Sie richteten sich gegen Personen, denen Polizei sowie Arbeits- und Wohlfahrtsämter vorwarfen, Arbeitsstellen abzulehnen und nicht arbeiten zu wollen. Erst nach etwa einem halben Jahr am 3. Dezember 1938 wird Adolf Schmidt aus dem KZ Buchenwald nach Aurich entlassen.

Am 3. Juni 1939 verlässt die Familie Schmidt Aurich in Richtung Osnabrück. Dieser Weggang ist ganz sicher nicht freiwillig, da umherreisende Sinti und Roma seit dem Dezember 1938 Ostfriesland verlassen müssen.

Wo sich die Familie in den Jahren 1939 bis 1942 aufhält, können wir nur aus den Geburtsorten ihrer Kinder erschließen.

Ihr Sohn Rudolf wird im August 1940 in Köln geboren, ihre Tochter Thekla im Oktober 1942 in Barßel.

Da sich die Familie noch im August 1940 in Köln aufgehalten haben muss, konnte sie offensichtlich den Deportationen von Sinti und Roma aus Köln im Mai 1940 entgehen. Damals wurden über 1.000 Sinti und Roma in Arbeits- und Vernichtungslager in das besetzte Polen deportiert. (Gunter Demnig, Initiator der Stolperstein Aktion, erinnerte 1990 an diese Deportation mit einer „Spur der Erinnerung“, die er mit einer selbstgebauten Druckwalze auf der Strecke der Deportation von Sinti und Roma quer durch Köln zog.)

Im Januar 1941 zieht die Familie Schmidt nach Barßel-Lohe (Das liegt etwa in der Mitte zwischen Leer und Oldenburg). In einem Protokoll der Eröffnungsverhandlung zur Festsetzung vom 3. Juni 1942 wird vermerkt: „In der Gemeinde Barßel war die Familie Adolf Schmidt im Ortsteil Lohe ansässig. Zu ihrem Haushalt gehörten acht Personen, das Ehepaar Schmidt und seine sechs Kinder“. Wenn es tatsächlich sechs Kinder der Familie Schmidt waren, muss es noch ein weiteres unbekanntes Kind gegeben haben, da das uns bekannte sechste Kind Thekla erst 4 Monate später im Oktober 1942 geboren wird. Die Eheleute Schmidt und ihr ältester Sohn, Artur, müssen das Protokoll der Eröffnungsverhandlung unterschreiben. Ihnen wird bei Androhung der Einweisung in ein Konzentrationslager verboten, die Gemeinde Barßel zu verlassen. Nur aufgrund dieser Quelle wissen wir von dem Sohn Artur.

Im Juni 1942 beschweren sich Anwohner über die Anwesenheit der Sinti Familie Schmidt. Daraufhin begutachtet die Nebenstelle Friesoythe des Arbeitsamtes Vechta die „Arbeitsfähigkeit“ von Adolf und Artur Schmidt und kommt im Dezember 1942 zu dem Ergebnis, „dass Sch. für den allgemeinen Arbeitseinsatz wegen Magenkrankheit (muss Diät leben, trägt Gummikorsett) nicht einsatzfähig ist. Sch. fertigt Pantoffeln an. Sein Sohn Artur hilft bei der Anfertigung von Pantoffeln, soll aber ab 1.1.43 bei Schachtbau A.G. Damme angesetzt werden.“

Im „Auschwitz-Erlass“ des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 wird die Deportation der innerhalb des Deutschen Reichs lebenden Sinti und Roma angeordnet, um sie als Minderheit komplett zu vernichten. Auf dieser Grundlage werden 23.000 Menschen aus ganz Europa nach Auschwitz in einen speziellen Lagerabschnitt, das sog. Zigeunerfamilienlager deportiert. Ein erster Transport traf dort am 26. Februar 1943 ein.

Am 11.03.1943 wird die Familie Schmidt in Barßel festgenommen und nach Auschwitz deportiert.  Der zuständige Gendarm berichtet dem Landrat von der Festnahme und dem Abtransport sieben „zigeunerischer Personen.“ Mit Ausnahme des Sohnes Artur werden die Eltern Adolf und Frieda Schmidt sowie ihre fünf Kinder nach Auschwitz deportiert. Keines der sieben Familienmitglieder überlebt.

Der älteste Sohn, Artur Schmidt, kann am Vortag der Festnahme mit der Eisenbahn nach Langförden reisen. Er wird zur Fahndung ausgeschrieben. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

In Auschwitz wird Adolf Schmidt am 16.Dezember 1943 im Alter von 45 Jahren ermordet, seine Frau Frieda am 9. März 1944 im Alter von 39 Jahren.

Die Tochter Anna wird am 2. Juli 1943 im Alter von 12 Jahren ermordet, ihre Brüder Emil am 27. März 1943 im Alter von 8 Jahren, Georg am 8. Dezember 1943 im Alter von 6 Jahren und Rudolf am 18. August 1943 im Alter von fast 3 Jahren. Für das jüngste Kind, Thekla, ist kein Todesdatum bekannt. Sie war zum Zeitpunkt der Deportation erst 4 Monate alt.

Dieser Text ist weitgehend eine Zusammenfassung des Artikels von Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999.

Zusammenfassung und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 28.09.2026)
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Opfergruppe: Sinti
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
Literatur: – Jens Schreiber „Familie Adolf Schmidt – Vertrieben aus Aurich“, in: Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Tectum Verlag, Marburg 1999
– Namen der aus dem Weser-Ems Gebiet deportierten Sinti und Roma in den Jahren 1940 bis 1944, Oldenburg, Amt für Kultur, Museen und Sport (www.oldenburg.de)
Patenschaft: Heinrich Herlyn, Spende Konzerteinnahmen
Verlegetermin: 28. September 2026