Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Karl van Dyk

Veröffentlicht: 4. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

karl-van-dykKarl van DYK
geboren am 5. August 1894 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21
Todesdatum: 7. Februar 1945
Todesort: Riga
dyk-karl-van-geb-05-08-1894-in-aurich

Karl van Dyk (Foto der Kennkarte)

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Karl van Dyk kommt am 5. August 1894 in Aurich zur Welt. Er ist das einzige Kind von Abraham van Dyk und dessen Frau Mathilde, geb. Levy. Die Familie van Dyk stammte ursprünglich als den Niederlanden, doch bereits Karls Vater Abraham war in Aurich geboren worden. Abraham van Dyk ist Kaufmann und besitzt ein gut gehendes „Manufacturwaren- und Confectionsgeschäft“ in der damaligen Wilhelmsstraße, der heutigen Burgstraße. Die Familie ist streng gläubig und in der jüdischen Gemeinde in höchstem Maße angesehen: Karls Vater Abraham ist über achtunddreißig Jahre hinweg, bis zu seinem Tod 1934, erster Vorsteher der Gemeinde und im Laufe seiner Tätigkeit wird ihm zudem der Ehrentitel Chower verliehen. Die Verleihung des „Morenu-Titels“, die angesichts seiner Verdienste um die Gemeinde anlässlich seines 70. Geburtstags in Aussicht gestellt wird, lehnt er aus Bescheidenheit hat.

Karl sollte seinem Vater in vielfacher Hinsicht nachfolgen: Wie dieser wird auch Karl Kaufmann, er übernimmt die Leitung des Textilwarengeschäftes van Dyk von Abraham und führt den Betrieb zunächst erfolgreich fort: Die zahlreichen Angestellten und Hausmädchen, die auf der Einwohnermeldekarte der Familie vermerkt sind, zeugen von gut gehenden Geschäften. Auch in der Gemeinde engagiert sich Karl, der wie sein Vater strenggläubig ist. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Karl den Vorsitz des von Abraham gegründeten Talmud-Thora-Vereins und auch Karl gehört zu den Vorstehern der jüdischen Gemeinde. Insbesondere in seinem Wesen soll Karl Ähnlichkeit zu seinem Vater gehabt haben: So berichtet ein ehemaliger Nachbar, Karl und dessen Frau Erna seien sehr freundliche, stets hilfsbereite und höchst bescheidene Menschen gewesen – die Verlegung von Stolpersteinen, um an sie und ihr Leben zu erinnern, wäre ihnen möglicherweise gar nicht so recht.

Karl heiratet 1920 die aus Aurich stammende Erna Wolff. Das Paar bekommt drei Kinder: Am 9. Oktober 1921 wird der älteste Sohn, Abraham Alfred, geboren, am 24. Mai 1923 folgt Meno Lothar. Margrit, das Nesthäkchen, erblickt sechs Jahre später, am 5. Mai 1929, das Licht der Welt. Die kleine Familie wohnt zunächst in der Kirchstraße 7 in Aurich, am 1. August 1930 zieht Karl mit Frau und Kindern in die Wohnung über dem Geschäft in der Burgstraße 21 ein. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten erschwert mit der Zeit die ursprünglich gute finanzielle Situation der van Dyks – schon im Frühjahr 1933 gibt es Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte in Aurich. Ab 1936 sind auf der Meldekarte der van Dyks keine Haushaltshilfen mehr verzeichnet – dies lag sicherlich nicht allein an der Gesetzeslage, die eine Einstellung von nichtjüdischem Personal erschwerte, sondern vor allem an der schlechten Geschäftslage. Ein schwerer privater Schicksalsschlag trifft Karl zudem 1934, als sein Vater Abraham verstirbt.

Abraham Alfred, der älteste Sohn Karls, zieht bereits im Frühjahr 1936 für rund ein Jahr nach Frankfurt am Main, am 11. April 1937 emigriert er nach Winschoten in den Niederlanden. Er ist damit der erste der Familie, der Aurich verlässt, doch auch die übrigen Familienmitglieder bleiben nicht mehr lange in Ostfriesland: Am 27. Mai 1938 verkauft Karl das Geschäft, nachdem es zuvor noch einen Räumungsverkauf unter riesigem Andrang gegeben hatte. Karl, seine Frau Erna, seine Mutter Mathilde und die Kinder Meno Lothar und Margrit ziehen am 20. Juni 1938 nach Köln. In der Zeitschrift „Der Israelit“ erscheint am 23. Juni ein langer Artikel, der von der Abschiedsfeier berichtet, die die Gemeinde für die Familie ausgerichtet hat, und in dem der Verlust, der für die Gemeinde durch den Wegzug der van Dyks entstehe, beklagt wird.

Die Familie meldet sich ab in die Roonstraße 54 in Köln, doch scheint die Familie in Köln nicht oder nicht lange unter einem Dach gelebt zu haben: Karl und seine Tochter Margrit sind unter der Adresse Thieboldsgasse 93 gemeldet, Erna hingegen wohnt in der Rochusstraße 108. Meno Lothar gelingt es, noch rechtzeitig in die Niederlande zu emigrieren. Von dort aus flieht er gemeinsam mit seinem Bruder Abraham Alfred in die USA. Beide Söhne überleben. Karl, seine Frau Erna und seine Tochter Margrit hingegen werden am 7. Dezember 1941 gemeinsam von Köln nach Riga deportiert. Mehrere Jahre leben alle drei dort im Ghetto, bis sie im August 1944 ins Konzentrationslager Stutthof bei Danzig deportiert werden. Während Erna und Margrit dort bleiben, wird Karl bereits am 16. August 1944 weiter in Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Dort wird er am 7. Februar 1945 ermordet.

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

 

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.12.2014)
Foto:

Fotos der Verlegung

Kennkarte, Staatsarchiv Aurich

Günther Lübbers

Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei;  Rep. 251, Nr. 1660;  Rep. 251, Nr. 374; Rep. 251, Nr. 449; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom  11.10.2013

http://www.alemannia-judaica.de/aurich_personen.htm (25-jähriges Amtsjubiläum von A. v. Dyk als Gemeindevorsteher 1920; Zum 70. Geburtstag von A. v. Dyk 1931); Zum Tod von A. v. Dyk 1934; Über die Verdienste des Gemeindevorstehers A. v. Dyk 1936; Anzeige des Manufaktur- und Konfektionswarengeschäftes A. v. Dyk 1889/1901), Zugriff vom 6.12.2013

http://www.alemannia-judaica.de/aurich_texte.htm (Rückgang der Gemeindemit-gliederzahlen), Zugriff vom 06.12.2013

Gespräch mit dem ehemaligen Nachbarn der Familie van Dyk, Fritz Schüt, am 9.9.2013

Literatur: Stolpersteineaurich.files.wordpress.com/2011/09/anklam-jc3bcdische-gemeinde-aurich.pdf

Gauger, Gerd D.: Aurich in Kaisers Rock und Petticoats 1918-1959, Aurich 2002.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Riga

Religiöses Leben der Kölner Juden im Ghetto von Riga

http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Stutthof

http://www.buchenwald.de/463/

Patenschaft: Fritz-Werner Schüt
Verlegetermin: 14. Dezember  2013

 

 

 

Mathilde van Dyk, geb. Levy

Veröffentlicht: 4. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

mathilde-van-dykMathilde van DYK  geb. Levy
geboren am 18. Juni 1864 in Altenkirchen

 

 

 

Straße: Burgstraße 21
Todesdatum: unbekannt, eventuell am 19.09.1942
Todesort: Treblinka
Mathilde stammt aus Altenkirchen im Kreis Coburg. Sie ist die jüngste Tochter des Textilhändlers Hirsch Levy und dessen Frau Amalie, geborene Stern. Als Mathilde am 18. Juni 1864 geboren wird, sind ihre Geschwister Bernhard 14, Johanette 13 und Johanna 11 Jahre alt – Mathilde ist also mit deutlichem Abstand das „Nesthäkchen“ der Familie.Während ihre Geschwister Ehepartner in Altenkirchen oder den Nachbarorten finden, heiratet Mathilde Abraham van Dyk aus Aurich, der aus einer Kaufmannsfamilie stammt. Nach der Hochzeit in Altenkirchen siedelt Mathilde zu ihrem Ehemann ins ferne Ostfriesland über. Sie und Abraham leben im Haus in der Wilhelmstraße, wo ihr Mann ein „Manufacturwaren und Confectionsgeschäft“ betreibt. Im Jahr nach dem Tod ihres Vaters, 1894, bekommt Mathilde ihr erstes und einziges Kind, ihren Sohn Karl.

Das Geschäft von Abraham läuft gut, so dass er immer wieder nicht nur Mitarbeiter und Lehrlinge einstellt – wie die Anzeige aus der Zeitung „Der Israelit“ vom 8. Juli 1901 zeigt – sondern auch Haushaltshilfen beschäftigt, die Mathilde zur Hand gehen. Wahrscheinlich kümmert sich Mathilde jedoch nicht nur um den Haushalt, sondern unterstützt ihren Mann auch im Geschäft.

Die Familie genießt sehr großes Ansehen in Aurich und steigt zu einer der führenden Familien der Synagogengemeinde auf, was sicher auch damit zusammen hängt, dass die van Dyks sehr gläubig sind und großen Wert auf die Einhaltung religiöser Vorschriften und Sitten legen: Das Geschäft der van Dyks ist beispielsweise am Sabbat und an anderen Festtagen strengstens geschlossen. 1895 wird Abraham sogar Vorsteher der Synagogengemeinde. Dieses Amt hat der schließlich zeitlebens inne. Über die ganze Familie wird von Zeitzeugen, wie dem ehemaligen Nachbarn, Herrn Schüt, berichtet, dass diese sehr hilfsbereit und zugleich sehr bescheiden gewesen sei.

Nachdem ihr Mann 1934 verstirbt, lebt Mathilde weiterhin in der Wilhelmstraße 21, nun bei ihrem Sohn Karl, der das Geschäft von Abraham übernommen hat, und dessen Familie. Wie alle jüdischen Familien hat auch die Familie van Dyk unter den Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden. Verhältnismäßig früh, bereits im Juni 1938, verlässt die ganze Familie Aurich und zieht nach Köln. Mathilde lebt in Köln jedoch nicht mit ihrem Sohn und dessen Familie zusammen, sondern sie ist an mehreren anderen Adressen gemeldet. Während ihr Sohn, dessen Frau und die jüngste Tochter bereits im Dezember 1941 von Köln aus deportiert werden, verbleibt Mathilde noch rund ein halbes Jahr länger in der Stadt. Wenige Tage vor ihrem 78. Geburtstag wird sie am 15. Juni 1942 nach Theresienstadt, in das sogenannte „Altersghetto“ deportiert – den Menschen wurde weisgemacht, sie kämen in ein „schönes Altenheim“, die Realität in dem völlig überbelegten Ghetto sah freilich gänzlich anders aus. Drei Monate später, am 19. September 1942, wird Mathilde in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. In Treblinka wurden in der Zeit von Juli 1942 bis August 1943 zwischen 700 000 und über 1 Millionen Menschen ermordet.

Begleitet von zahlreichen interessierten Zuschauern beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine.

Jugendliche der Kirchengemeinde Victorbur verlesen die Biographien der früheren Bewohner des Hauses Wilhelmstraße 21, jetzt Burgstraße 21.

 

Die Jugendlichen legten zur Erinnerung auch noch einen von ihnen wiederentdeckten Kleiderbügel der Firma A. van Dyk nieder.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.12.2014)
Foto: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei;  Rep. 251, Nr. 1660;  Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom  11.10.2013 http://ahnenreich.de/retrospect/juden/index.phpm=comments&id=I92193&PHPSESSID=0f0c5e37642f87fb9e6d55f2d5cdc15b, Zugriff vom 8.12.2013

http://www.alemannia-judaica.de/aurich_personen.htm (25-jähriges Amtsjubiläum von A. v. Dyk als Gemeindevorsteher 1920; Zum 70. Geburtstag von A. v. Dyk 1931); Zum Tod von A. . Dyk 1934; Über die Verdienste des Gemeindevorstehers A. v. Dyk 1936; Anzeige des Manufaktur- und Konfektionswarengeschäftes A. v. Dyk 1889/1901), Zugriff vom 6.12.2013

Literatur: Eckhard Hanke: Juden in Altenkirchen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Margret Stolze, Heinz Krämer, Eckhard Hanke: Juden in Altenkirchen – Geschichte – Erinnerungen – Schicksale. Evangelische Kirchengemeinde und Stadt Altenkirchen, Altenkirchen 2000.

Pädagogisches Zentrum des Landes Rheinland-Pfalz: Juden in Altenkirchen. Pädagogisches Zentrum des Landes Rheinland-Pfalz, Bad Kreuznach 1988, (PZ-Information 1988, Heft 5.

Blohm, Eberhard: Die jüdischen Familien aus den Gemeinden der Verbandsgemeinde Altenkirchen (Westerwald) 1933 bis 1945, Wölmersen 2008.

Patenschaft: Wolfgang Mönkemeier
Verlegetermin: 14. Dezember  2013

 

 

 

 

 

Hilde WOLFF geb. Engländer

Veröffentlicht: 27. November 2010 von westermayer in Verlegung

Hilde Wolff geb. Engländer
geboren am 29. März 1906 in Aurich

Straße: Norderstraße 18
Todesdatum: Flucht nach Australien, verstorben 1984
Todesort: Sydney, Australien

Hilda Wolff geb. Engländer
März 1939 (Foto der Kennkarte, NLA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hilde Engländer wird am 29.03.1906 in Aurich geboren. Sie ist das erste von zwei Kindern von Moritz Engländer (*1877) und Hanni geb. Herzberg, geboren in Sachsenhagen im Kreis Schaumburg-Lippe (1878-1945). Für die Eltern sind Stolpersteine in der Norderstraße 22 verlegt. Hildes jüngerer Bruder Siegfried wird am 23.06.1907 in Aurich geboren. Er kann Ende der 30ger Jahre in die Dominikanische Republik auswandern. Auch für ihn ist ein Stolperstein in der Norderstraße 22 verlegt. Seinen Eltern Moritz und Hanni Engländer gelingt noch im September 1941 ebenfalls die Auswanderung nach Santo Domingo.
Eine Familie Engländer gab es schon lange in Aurich. Ich konnte sie bis zum Urgroßvater von Moritz verfolgen. Der hieß Abraham Hartogs Calmer Engländer und verstarb im Jahr 1803.Aus einem „Oral History“ Interview mit Julius und seiner Frau Hilde aus dem Jahr 1981, das beim United States Holocaust Memorial Museum (Link s. u.) zu hören ist, können wir viele Einzelheiten über ihr Leben in Aurich, die Flucht und den Neubeginn in Australien erfahren.Hilde lernt ihren späteren Mann Julius in der Nachbarschaft kennen. Er ist der Bruder von Levy David Wolff, der mit Hildes Vater Moritz Engländer zur Schule gegangen und eng befreundet ist.Julius Wolff (*22.03.1900) ist das vorletzte von 15 Kindern (lt. Julius Wolff 16 Kinder) von David Levy Wolff (1847-1911) und Marianne von Oss (1855-1931). Fünf (sechs?) von Julius‘ Geschwistern versterben schon im Kindesalter. Sieben seiner Geschwister werden Opfer des Völkermordes an den Juden.  Nur drei der Kinder können noch rechtzeitig vor dem Naziterror in die USA (Wolff David Wolff), nach Australien (Julius Wolff) und nach Argentinien (Jakob Wolff) fliehen.  (Details zu den Lebensdaten der Eltern und Kinder s. u. „Familiendatenbank der Juden im Deutschen Reich).

Als sein Vater stirbt, ist Julius erst 11 Jahre alt. Beim Tod des Vaters sind 7 Kinder noch nicht volljährig – eine schwere Aufgabe für die Mutter Marianne Wolff. Julius geht bis zu seinem 14. Lebensjahr in die jüdische Schule Aurich. Er arbeitet danach wie sein Vater und seine Brüder als Viehhändler und Schlachter. Schon 1918, als sein älterer Bruder Wolff David aus dem Krieg zurückkommt, fühlt er sich als „Chef“ des Betriebs.

Julius und Hilde verloben sich 1926, müssen aber mit der Hochzeit noch warten, bis die Aussteuer für zwei ältere Schwestern von Julius (Bella heiratet 1929) gesichert ist.

Am 17.10.1930 heiratet Julius die sechs Jahre jüngere Hilde Engländer (*29.03.1906). Die Ehe von Julius und Hilde Wolff bleibt kinderlos.

Das junge Paar zieht nach der Hochzeit im Jahr 1930 zunächst in die Georgstraße 35 (heute Oldersumer Straße).  Im März 1933 ziehen sie in die Norderstraße 18. Hier wohnt auch die Familie Siegfried Wolff, für die dort ebenfalls Stolpersteine verlegt sind.

Julius berichtet, dass sie bis 1933 ein gutes Auskommen aus dem Viehhandel hatten und dass bis dahin ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis mit jüdischen und christlichen Nachbarn bestand.

Der Handel für jüdische Viehhändler wird immer schwieriger, da Bauern mit Enteignung gedroht wird, wenn sie weiter mit Juden handeln. Julius muss daher den Viehhandel aufgeben und zieht mit seiner Frau im Dezember 1937 nach Werthe in Westfalen. Dort findet er Arbeit in einer Zigarrenfabrik, die noch in jüdischem Besitz ist.
Im September 1938 kommen Julius und Hilde Wolff (lt. Meldekarte) aus Krempe in Holstein zurück nach Aurich. Sie wohnen nun in der Wallstraße 16 bei  Julius‘ Schwester Rahel, die dort als verheiratete Hoffmann mit ihrem Mann Friedrich Hoffmann und ihren beiden Kindern Menno und Mirjam lebt.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 müssen Julius und Hilde in Aurich erleben. Julius wird am 11.11.1938 in Sachsenhausen interniert – wie viele männliche Auricher Juden. Erst am 17.12.1938 kommt er wieder frei und arbeitet danach im Tiefbau in Wilhelmshaven.
Mit Hilfe aus England (Eric Hallstein) erhalten Julius und Hilde Wolff Ausreisepapiere für Australien. Am 11.05.1939 fahren sie mit der „Deutschland“ ab Cuxhaven nach Southampton und wohnen für einige Wochen bei sehr reichen englischen Juden in London, Holland Park.
Am 11.06.1939 verlassen sie England an Bord der „Largs Bay“ und kommen am 4.07.1939 in Sydney an.

Zunächst müssen Julius und Hilde Wolff einen 6-wöchigen Englischkurs absolvieren. Danach arbeiten sie auf mehreren Farmen als Hilfskräfte: Hilde kocht und wäscht, Julius arbeitet im Garten, im Stall und auf dem Feld. Sie fühlen sich oft als Flüchtlinge ausgenutzt.

Im Januar 1943 erwerben Julius und Hilde eine kleine Farm in „Old Toongabbie“, einem Vorort von Sydney, und betreiben bis 1960 einen Hühnerhof.

Am 16.03.1945 erreichen sie die Einbürgerung in Australien.

Von 1960 – 1970 wohnen sie auf einer anderen Farm und gehen schließlich 1970 in den Ruhestand. Sie wohnen in einem Seniorenheim in der Hamden Avenue in Sidney. Hilde hat ihren Humor nicht verloren, wenn sie im Ruhestand über Julius und den Viehhandel spricht: „The only one cow left, that’s me!“

Julius Wolff verstirbt im Jahr 1982, seine Frau Hilde im Jahr 1984.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 15.02.2022)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich: http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I6247&nachname=Wolff&lang=de
– Datenbank Australien: https://recordsearch.naa.gov.au/SearchNRetrieve/Interface/DetailsReports/ItemDetail.aspx?Barcode=6931211&isAv=N
– Oral History, Interview with Julius and Hilde Wolff, 27.10.1981 (3x45Min. Interview in englischer Sprache über die Zeit in Aurich, die Flucht und den Neuanfang in Australien
https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn50971
Literatur:
Patenschaft: Dr. Werner Knurr
Verlegetermin: 16. November  2019

Die Larges Bay, mit der Hilda und Julius Wolff nach Australien auswanderten.

Die Kennkarte von Hilda Wolff (Quelle: NLA Aurich)

Julius Wolff

Veröffentlicht: 27. November 2010 von westermayer in Verlegung

Julius WOLFF
geboren am 22. März 1900 in Aurich

Straße: Norderstraße 18
Todesdatum: Flucht nach Australien 1939, verstorben 1982
Todesort: Sydney, Australien
Julius Wolff (*22.03.1900) ist das vorletzte von 15 Kindern (lt. Julius Wolff 16 Kinder) von  David Levy Wolff (1847-1911) und Marianne von Oss (1855-1931). Fünf (sechs?) von Julius‘ Geschwistern versterben schon im Kindesalter. Sieben seiner Geschwister werden Opfer des Völkermordes an den Juden.  Nur drei der Kinder können noch rechtzeitig vor dem Naziterror in die USA (Wolff David Wolff), nach Australien (Julius Wolff) und nach Argentinien (Jakob Wolff) fliehen.  (Details zu den Lebensdaten der Eltern und Kinder s. u. „Familiendatenbank der Juden im Deutschen Reich).

Aus einem „Oral History“ Interview mit Julius und seiner Frau Hilde aus dem Jahr 1981, das beim United States Holocaust Memorial Museum (Link s. u.) zu hören ist, können wir viele Einzelheiten über ihr Leben in Aurich, die Flucht und den Neubeginn in Australien erfahren.

Als sein Vater stirbt, ist Julius erst 11 Jahre alt. Beim Tod des Vaters sind 7 Kinder noch nicht volljährig – eine schwere Aufgabe für die Mutter Marianne Wolff.

Julius geht bis zu seinem 14. Lebensjahr in die jüdische Schule Aurich. Er arbeitet danach wie sein Vater und seine Brüder als Viehhändler und Schlachter. Schon 1918, als sein älterer Bruder Wolff David aus dem Krieg zurückkommt, fühlt er sich als „Chef“ des Betriebs.

Julius lernt seine spätere Frau Hilde in der Nachbarschaft kennen. Sie ist die Tochter von Moritz Engländer, der mit Levy David Wolff, dem ältesten Bruders von Julius, zur Schule gegangen und eng befreundet ist.
Julius und Hilde verloben sich 1926, müssen aber mit der Hochzeit noch warten, bis die Aussteuer für zwei ältere Schwestern von Julius (Bella heiratet 1929) gesichert ist.

Am 17.10.1930 heiratet Julius die sechs Jahre jüngere Hilde Engländer (*29.03.1906). Sie ist die Tochter von Moritz und Hanni Engländer und Schwester von Siegfried Engländer, für die Stolpersteine in der Norderstraße 22 verlegt sind. Die Ehe von Julius und Hilde Wolff bleibt kinderlos.

Das junge Paar zieht nach der Hochzeit im Jahr 1930 zunächst in die Georgstraße 35 (heute Oldersumer Straße).  Im März 1933 ziehen sie in die Norderstraße 18. Hier wohnt auch die Familie Siegfried Wolff, für dort die ebenfalls Stolpersteine verlegt sind.

Julius berichtet, dass sie bis 1933 ein gutes Auskommen aus dem Viehhandel hatten und dass bis dahin ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis mit jüdischen und christlichen Nachbarn bestand.

Der Handel für jüdische Viehhändler wird immer schwieriger, da Bauern mit Enteignung gedroht wird, wenn sie weiter mit Juden handeln. Julius muss daher den Viehhandel aufgeben und zieht mit seiner Frau im Dezember 1937 nach Werthe in Westfalen. Dort findet er Arbeit in einer Zigarrenfabrik, die noch in jüdischem Besitz ist.
Im September 1938 kommen Julius und Hilde Wolff (lt. Meldekarte) aus Krempe in Holstein zurück nach Aurich. Sie wohnen nun in der Wallstraße 16 bei  Julius‘ Schwester Rahel, die dort als verheiratete Hoffmann mit ihrem Mann Friedrich Hoffmann und ihren beiden Kindern Menno und Mirjam lebt.

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 müssen Julius und Hilde in Aurich erleben. Julius wird am 11.11.1938 in Sachsenhausen interniert– wie viele männliche Auricher Juden. Erst am 17.12.1938 kommt er wieder frei und arbeitet danach im Tiefbau in Wilhelmshaven.
Mit Hilfe aus England (Eric Hallstein) erhalten Julius und Hilde Wolff Ausreisepapiere für Australien. Am 11.05.1939 fahren sie mit der „Deutschland“ ab Cuxhaven nach Southampton und wohnen für einige Wochen bei sehr reichen englischen Juden in London, Holland Park.
Am 11.06.1939 verlassen sie England an Bord der „Largs Bay“ und kommen am 4.07.1939 in Sydney an.

Zunächst müssen Julius und Hilde Wolff einen 6-wöchigen Englischkurs absolvieren. Danach arbeiten sie auf mehreren Farmen als Hilfskräfte: Hilde kocht und wäscht, Julius arbeitet im Garten, im Stall und auf dem Feld. Sie fühlen sich oft als Flüchtlinge ausgenutzt.

Im Januar 1943 erwerben Julius und Hilde eine kleine Farm in „Old Toongabbie“, einem Vorort von Sydney, und betreiben bis 1960 einen Hühnerhof.

Am 16.03.1945 erreichen sie die Einbürgerung in Australien.

Von 1960 – 1970 wohnen sie auf einer anderen Farm und gehen schließlich 1970 in den Ruhestand. Sie wohnen in einem Seniorenheim in der Hamden Avenue in Sidney. Hilde hat ihren Humor nicht verloren, wenn sie im Ruhestand über Julius und den Viehhandel spricht: „The only one cow left, that’s me!“

Julius Wolff verstirbt im Jahr 1982, seine Frau Hilde im Jahr 1984.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 15.01.2022)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich: http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I6247&nachname=Wolff&lang=de
– Datenbank Australien: https://recordsearch.naa.gov.au/SearchNRetrieve/Interface/DetailsReports/ItemDetail.aspx?Barcode=6931211&isAv=N
– Oral History, Interview with Julius and Hilde Wolff, 27.10.1981 (3x45Min. Interview in englischer Sprache über die Zeit in Aurich, die Flucht und den Neuanfang in Australien
https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn50971
Literatur:
Patenschaft: Horst Feddermann
Verlegetermin: 16. November  2019

Ein Foto der Largs Bay, mit der Hilda und Julius Wolff nach Australien fuhren.

Regine Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

regine-wolff-steinRegine  WOLFF
geboren 10. Januar 1936 in Aurich

 

 

 

Straße: Norderstraße 11
Todesdatum: 19. Oktober 1944
Todesort: Auschwitz
Regine Wolff wird am 10.01.1936 als drittes von drei Kindern von Guste Wolff geb. Wolffs (1910-1944) und Adolf Wolff (1896-1944) in Aurich geboren. Ihr älterer Bruder Joseph wird am 20.08.1931,  ihre ältere Schwester Hanna am 27.10.1933 geboren. Alle drei Kinder erhalten Vornamen ihrer Großeltern.

Die Mutter, Guste geb. Wolffs (*24.08.1910),  ist das älteste von drei Kindern von Benjamin „Bendix“ Wolff (1871-1944) und Hannchen geb. Wallheimer (1883-1944), für die Stolpersteine in der Leerer Landstraße 14 verlegt wurden. Ihre Eltern und Geschwister werden (bis auf den nach der Geburt verstorbenen Bruder) alle Opfer des Völkermordes an den Juden.

Guste heiratet am 13.09.1929 Adolf Wolff.

Der Vater, Adolf Wolff wird am 13. Mai 1896 als viertes von sieben Kindern des Viehhändlers Joseph Wolff (*1855) und seiner Ehefrau Regine Wolff geb. von der Wall (1859-1929) geboren. Die Familie wohnte in der Esenser Straße 30. Seine Schwester Frieda verh. Samson (1892-1943) wurde in Auschwitz ermordet. Für sie wurde am 14.07.2014 ein Stolperstein verlegt. Sein Bruder Louis (1893-1900) verstarb bereits als Kind. Seine Schwester Eva (1895-1943) heiratete nach dem Tod ihrer jüngeren Schwester Georgina (1898-1918) deren Witwer Levy „Ludwig“ Salomons (*1891). Sie wurde in Sobibor ermordet. Für Eva und Levy Salomons wurden Stolpersteine am 5.12.2015 verlegt. Ein Geschwister von Adolf ist unbekannt. Sein jüngster Bruder Gershom „Gustav“ Wolff (1902-1944) wurde in Auschwitz ermordet.

Adolfs Beruf wird auf der Meldekarte mit „Landwirt“ angegeben nachdem der Beruf „Viehhändler“ gestrichen wurde. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie wissen wir wenig. Bis 1935 sind ständig  „Hausmädchen“ und auch einige „Angestellte“ auf der Meldekarte vermerkt. Die Familie ist häufig umgezogen. Sie wohnt seit der Eheschließung am 13.09.1929 bis zum 10.05.1933 in der Norderstraße 11. Daher werden dort die Gedenksteine verlegt. Im Mai 1933 zieht die Familie in die Lilienstr. 12 in das Haus von Abraham Wolff, am 1.04.1936 in die Marktstraße 4, am 1.01.1938 in die Leerer Landstraße 14 zu Bendix und Hannchen Wolff, den Eltern von Guste Wolff und schließlich am 15.04.1939 in die Wallstraße 24, einem “Judenhaus“ in dem mehrere jüdische Familien auf engstem Raum zusammen leben müssen.

Auf der Meldekarte der Stadt Aurich findet sich unter „Bemerkung“: „Adolf Wolff ist vom 26.10.37-12.11.37 in St. Tönis, Kreis Kempen-Krefeld verhaftet gewesen, Wohnsitz blieb Aurich“. Warum sich Adolf Wolff dort aufhielt und warum er verhaftet wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden.

Als alle jüdischen Bürger Aurich Anfang 1940  verlassen müssen, zieht auch die Familie von Adolf Wolff am 29.02.1940 aus Aurich fort. Adolf zieht mit seiner Frau Guste und dem jüngsten Kind Regine nach Berlin W35 in die Lützowstraße 97III, seine beiden älteren Kinder in das jüdische Kinderheim am Lappenberg in Hildesheim. Die meisten der dort untergebrachten Kinder kamen aus Ostfriesland. Viele Kinder unter 14 Jahren der Anfang 1940 noch in Aurich lebenden jüdischen Familien wurden entweder in das Israelitische Kinderheim in Köln, Lützowstraße 35-37 oder in das jüdische Kinderheim in Hildesheim gebracht.

Als im Jahr 1942 die Deportationen der Juden beginnen, werden die Kinder zu ihren Eltern geschickt. So werden auch Joseph und Hanna Wolff zu ihren Eltern nach Berlin zur gemeinsamen Deportation geschickt. Als letzter Wohnsitz der Eltern in Berlin wird „Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 150/160“ eingetragen. Mit dem Transport I/72 wird die Familie am 28.10.1942 zunächst in das Ghetto  Theresienstadt deportiert. In der Transportliste stehen sie unter den Nummern 66-70.  In diesem Transport finden sich auch Gustes Eltern Bendix und Hannchen Wolff (Nr. 71,72).
Nach zwei Jahren im Ghetto Theresienstadt wird die gesamte Familie Adolf Wolff am 29.10.1944 mit dem Transport „Es c215“ von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Dieser Transport besteht aus 1.499 Personen, hiervon sind 1.421 gestorben, 72 haben überlebt, 6 gelten als verschollen. Das  genaue Todesdatum der Mitglieder der Familie Adolf Wolff ist nicht bekannt, es muss aber davon ausgegangen werden, dass sie gleich nach ihrer Ankunft, also Anfang November 1944, ermordet wurden.

    Das Haus Norderstraße 11

 

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Erika und Werner Struck
Verlegetermin: 21. Februar  2013

 

 

 

Hanna Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

hanna-wolff-steinHanna  WOLFF
geboren 27. Oktober 1933 in Aurich

 

 

 

Straße: Norderstraße 11
Todesdatum: 19. Oktober 1944
Todesort: Auschwitz
Hanna Wolff wird am 10.10.1933 als zweites von drei Kindern von Guste Wolff geb. Wolffs (1910-1944) und Adolf Wolff (1896-1944) in Aurich geboren. Ihr älterer Bruder Joseph wird am 20.08.1931,  ihre jüngere Schwester Regine am 10.01.1936 geboren. Alle drei Kinder erhalten Vornamen ihrer Großeltern.
Die Mutter, Guste geb. Wolffs (*24.08.1910),  ist das älteste von drei Kindern von Benjamin „Bendix“ Wolff (1871-1944) und Hannchen geb. Wallheimer (1883-1944), für die Stolpersteine in der Leerer Landstraße 14 verlegt wurden. Ihre Eltern und Geschwister werden (bis auf den nach der Geburt verstorbenen Bruder) alle Opfer des Völkermordes an den Juden. Guste heiratet am 13.09.1929 Adolf Wolff.Der Vater, Adolf Wolff wird am 13. Mai 1896 als viertes von sieben Kindern des Viehhändlers Joseph Wolff (*1855) und seiner Ehefrau Regine Wolff geb. von der Wall (1859-1929) geboren. Die Familie wohnte in der Esenser Straße 30. Seine Schwester Frieda verh. Samson (1892-1943) wurde in Auschwitz ermordet. Für sie wurde am 14.07.2014 ein Stolperstein verlegt. Sein Bruder Louis (1893-1900) verstarb bereits als Kind. Seine Schwester Eva (1895-1943) heiratete nach dem Tod ihrer jüngeren Schwester Georgina (1898-1918) deren Witwer Levy „Ludwig“ Salomons (*1891). Sie wurde in Sobibor ermordet. Für Eva und Levy Salomons wurden Stolpersteine am 5.12.2015 verlegt. Ein Geschwister von Adolf ist unbekannt. Sein jüngster Bruder Gershom „Gustav“ Wolff (1902-1944) wurde in Auschwitz ermordet.Adolfs Beruf wird auf der Meldekarte mit „Landwirt“ angegeben nachdem der Beruf „Viehhändler“ gestrichen wurde. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie wissen wir wenig. Bis 1935 sind ständig  „Hausmädchen“ und auch einige „Angestellte“ auf der Meldekarte vermerkt. Die Familie ist häufig umgezogen. Sie wohnt seit der Eheschließung am 13.09.1929 bis zum 10.05.1933 in der Norderstraße 11. Daher werden dort die Gedenksteine verlegt. Im Mai 1933 zieht die Familie in die Lilienstr. 12 in das Haus von Abraham Wolff, am 1.04.1936 in die Marktstraße 4, am 1.01.1938 in die Leerer Landstraße 14 zu Bendix und Hannchen Wolff, den Eltern von Guste Wolff und schließlich am 15.04.1939 in die Wallstraße 24, einem “Judenhaus“ in dem mehrere jüdische Familien auf engstem Raum zusammen leben müssen.

Auf der Meldekarte der Stadt Aurich findet sich unter „Bemerkung“: „Adolf Wolff ist vom 26.10.37-12.11.37 in St. Tönis, Kreis Kempen-Krefeld verhaftet gewesen, Wohnsitz blieb Aurich“. Warum sich Adolf Wolff dort aufhielt und warum er verhaftet wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden.

Als alle jüdischen Bürger Aurich Anfang 1940  verlassen müssen, zieht auch die Familie von Adolf Wolff am 29.02.1940 aus Aurich fort. Adolf zieht mit seiner Frau Guste und dem jüngsten Kind Regine nach Berlin W35 in die Lützowstraße 97III, seine beiden älteren Kinder in das jüdische Kinderheim am Lappenberg in Hildesheim. Die meisten der dort untergebrachten Kinder kamen aus Ostfriesland. Viele Kinder unter 14 Jahren der Anfang 1940 noch in Aurich lebenden jüdischen Familien wurden entweder in das Israelitische Kinderheim in Köln, Lützowstraße 35-37 oder in das jüdische Kinderheim in Hildesheim gebracht.

Als im Jahr 1942 die Deportationen der Juden beginnen, werden die Kinder zu ihren Eltern geschickt. So werden auch Joseph und Hanna Wolff zu ihren Eltern nach Berlin zur gemeinsamen Deportation geschickt. Als letzter Wohnsitz der Eltern in Berlin wird „Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 150/160“ eingetragen. Mit dem Transport I/72 wird die Familie am 28.10.1942 zunächst in das Ghetto  Theresienstadt deportiert. In der Transportliste stehen sie unter den Nummern 66-70.  In diesem Transport finden sich auch Gustes Eltern Bendix und Hannchen Wolff (Nr. 71,72).
Nach zwei Jahren im Ghetto Theresienstadt wird die gesamte Familie Adolf Wolff am 29.10.1944 mit dem Transport „Es c215“ von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Dieser Transport besteht aus 1.499 Personen, hiervon sind 1.421 gestorben, 72 haben überlebt, 6 gelten als verschollen. Das  genaue Todesdatum der Mitglieder der Familie Adolf Wolff ist nicht bekannt, es muss aber davon ausgegangen werden, dass sie gleich nach ihrer Ankunft, also Anfang November 1944, ermordet wurden.

 

   Das Haus Norderstraße 11

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Gesine und Rainhard Uthoff
Verlegetermin: 21. Februar  2013

 

 

 

Joseph Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

joseph-wolff-steinJoseph  WOLFF
geboren 20. August 1931 in Aurich

 

 

 

Straße: Norderstraße 11
Todesdatum: 19. Oktober 1944
Todesort: Auschwitz
wolff-joseph-geb-20-08-1931-in-aurich

Joseph Wolff (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

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Joseph Wolff wird am 20.08.1931 als ältester Sohn von Guste Wolff geb. Wolffs (1910-1944) und Adolf Wolff (1896-1944) in Aurich geboren. Am 27.10.1933 wird seine Schwester Hanna und am 10.01.1936 seine Schwester Regine geboren. Alle drei Kinder erhalten Vornamen ihrer Großeltern.

Die Mutter, Guste geb. Wolffs (*24.08.1910),  ist das älteste von drei Kindern von Benjamin „Bendix“ Wolff (1871-1944) und Hannchen geb. Wallheimer (1883-1944), für die Stolpersteine in der Leerer Landstraße 14 verlegt wurden. Ihre Eltern und Geschwister werden (bis auf den nach der Geburt verstorbenen Bruder) alle Opfer des Völkermordes an den Juden.

Guste heiratet am 13.09.1929 Adolf Wolff.
Der Vater, Adolf Wolff wird am 13. Mai 1896 als viertes von sieben Kindern des Viehhändlers Joseph Wolff (*1855) und seiner Ehefrau Regine Wolff geb. von der Wall (1859-1929) geboren. Die Familie wohnte in der Esenser Straße 30. Seine Schwester Frieda verh. Samson (1892-1943) wurde in Auschwitz ermordet. Für sie wurde am 14.07.2014 ein Stolperstein verlegt. Sein Bruder Louis (1893-1900) verstarb bereits als Kind. Seine Schwester Eva (1895-1943) heiratete nach dem Tod ihrer jüngeren Schwester Georgina (1898-1918) deren Witwer Levy „Ludwig“ Salomons (*1891). Sie wurde in Sobibor ermordet. Für Eva und Levy Salomons wurden Stolpersteine am 5.12.2015 verlegt. Ein Geschwister von Adolf ist unbekannt. Sein jüngster Bruder Gershom „Gustav“ Wolff (1902-1944) wurde in Auschwitz ermordet.

Adolfs Beruf wird auf der Meldekarte mit „Landwirt“ angegeben nachdem der Beruf „Viehhändler“ gestrichen wurde. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie wissen wir wenig. Bis 1935 sind ständig  „Hausmädchen“ und auch einige „Angestellte“ auf der Meldekarte vermerkt. Die Familie ist häufig umgezogen. Sie wohnt seit der Eheschließung am 13.09.1929 bis zum 10.05.1933 in der Norderstraße 11. Daher werden dort die Gedenksteine verlegt. Im Mai 1933 zieht die Familie in die Lilienstr. 12 in das Haus von Abraham Wolff, am 1.04.1936 in die Marktstraße 4, am 1.01.1938 in die Leerer Landstraße 14 zu Bendix und Hannchen Wolff, den Eltern von Guste Wolff und schließlich am 15.04.1939 in die Wallstraße 24, einem “Judenhaus“ in dem mehrere jüdische Familien auf engstem Raum zusammen leben müssen.

Auf der Meldekarte der Stadt Aurich findet sich unter „Bemerkung“: „Adolf Wolff ist vom 26.10.37-12.11.37 in St. Tönis, Kreis Kempen-Krefeld verhaftet gewesen, Wohnsitz blieb Aurich“. Warum sich Adolf Wolff dort aufhielt und warum er verhaftet wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Als alle jüdischen Bürger Aurich Anfang 1940  verlassen müssen, zieht auch die Familie von Adolf Wolff am 29.02.1940 aus Aurich fort. Adolf zieht mit seiner Frau Guste und dem jüngsten Kind Regine nach Berlin W35 in die Lützowstraße 97III, seine beiden älteren Kinder in das jüdische Kinderheim am Lappenberg in Hildesheim. Die meisten der dort untergebrachten Kinder kamen aus Ostfriesland. Viele Kinder unter 14 Jahren der Anfang 1940 noch in Aurich lebenden jüdischen Familien wurden entweder in das Israelitische Kinderheim in Köln, Lützowstraße 35-37 oder in das jüdische Kinderheim in Hildesheim gebracht.

Als im Jahr 1942 die Deportationen der Juden beginnen, werden die Kinder zu ihren Eltern geschickt. So werden auch Joseph und Hanna Wolff zu ihren Eltern nach Berlin zur gemeinsamen Deportation geschickt. Als letzter Wohnsitz der Eltern in Berlin wird „Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 150/160“ eingetragen. Mit dem Transport I/72 wird die Familie am 28.10.1942 zunächst in das Ghetto  Theresienstadt deportiert. In der Transportliste stehen sie unter den Nummern 66-70.  In diesem Transport finden sich auch Gustes Eltern Bendix und Hannchen Wolff (Nr. 71,72).
Nach zwei Jahren im Ghetto Theresienstadt wird die gesamte Familie Adolf Wolff am 29.10.1944 mit dem Transport „Es c215“ von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Dieser Transport besteht aus 1.499 Personen, hiervon sind 1.421 gestorben, 72 haben überlebt, 6 gelten als verschollen. Das  genaue Todesdatum der Mitglieder der Familie Adolf Wolff ist nicht bekannt, es muss aber davon ausgegangen werden, dass sie gleich nach ihrer Ankunft, also Anfang November 1944, ermordet wurden.

Das Haus Norderstraße 11

 

 Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Gedenkstätte Engerhafe
Verlegetermin: 21. Februar  2013

 

 

 

Guste Wolff, geb. Wolffs

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

guste-wolff-steinGuste  WOLFF geb. Wolffs
geboren 24. August 1910 in Aurich

 

 

 

Straße: Norderstraße 11
Todesdatum: 19. Oktober 1944
Todesort: Auschwitz
wolff-guste-geb-wolff-geb-24-08-1910-in-aurich

Guste Wolff geb. Wolffs (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

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Guste geb. Wolffs (*24.08.1910)  ist das älteste von drei Kindern von Benjamin „Bendix“ Wolff (1871-1944) und Hannchen geb. Wallheimer (1883-1944), für die Stolpersteine in der Leerer Landstraße 14 verlegt wurden. Ihre Eltern und Geschwister werden (bis auf den nach der Geburt verstorbenen Bruder) alle Opfer des Völkermordes an den Juden.

Guste heiratet am 13.09.1929 Adolf Wolff. Adolf und Guste Wolff haben drei Kinder. Am 20.08.1931 wird Joseph geboren, am 27.10.1933 Hanna und am 10.01.1936 Regine. Alle drei erhalten Vornamen ihrer Großeltern.

Adolf Wolff wird am 13. Mai 1896 als viertes von sieben Kindern des Viehhändlers Joseph Wolff (*1855) und seiner Ehefrau Regine Wolff geb. von der Wall (1859-1929) geboren. Die Familie wohnte in der Esenser Straße 30. Seine Schwester Frieda verh. Samson (1892-1943) wurde in Auschwitz ermordet. Für sie wurde am 14.07.2014 ein Stolperstein verlegt. Sein Bruder Louis (1893-1900) verstarb bereits als Kind. Seine Schwester Eva (1895-1943) heiratete nach dem Tod ihrer jüngeren Schwester Georgina (1898-1918) deren Witwer Levy „Ludwig“ Salomons (*1891). Sie wurde in Sobibor ermordet. Für Eva und Levy Salomons wurden Stolpersteine am 5.12.2015 verlegt. Ein Geschwister von Adolf ist unbekannt. Sein jüngster Bruder Gesrhom „Gustav“ Wolff (1902-1944) wurde in Auschwitz ermordet.

Adolfs Beruf wird auf der Meldekarte mit „Landwirt“ angegeben nachdem der Beruf „Viehhändler“ gestrichen wurde. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie wissen wir wenig. Bis 1935 sind ständig  „Hausmädchen“ und auch einige „Angestellte“ auf der Meldekarte vermerkt. Die Familie ist häufig umgezogen. Sie wohnt seit der Eheschließung am 13.09.1929 bis zum 10.05.1933 in der Norderstraße 11. Daher werden dort die Gedenksteine verlegt. Im Mai 1933 zieht die Familie in die Lilienstr. 12 in das Haus von Abraham Wolff, am 1.04.1936 in die Marktstraße 4, am 1.01.1938 in die Leerer Landstraße 14 zu Bendix und Hannchen Wolff, den Eltern von Guste Wolff und schließlich am 15.04.1939 in die Wallstraße 24, einem “Judenhaus“ in dem mehrere jüdische Familien auf engstem Raum zusammen leben müssen.

Auf der Meldekarte der Stadt Aurich findet sich unter „Bemerkung“: „Adolf Wolff ist vom 26.10.37-12.11.37 in St. Tönis, Kreis Kempen-Krefeld verhaftet gewesen, Wohnsitz blieb Aurich“. Warum sich Adolf Wolff dort aufhielt und warum er verhaftet wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden.  Als alle jüdischen Bürger Aurich Anfang 1940  verlassen müssen, zieht auch die Familie von Adolf Wolff am 29.02.1940 aus Aurich fort. Adolf zieht mit seiner Frau Guste und dem jüngsten Kind Regine nach Berlin W35 in die Lützowstr. 97III, seine beiden älteren Kinder in das jüdische Kinderheim am Lappenberg in Hildesheim. Die meisten der dort untergebrachten Kinder kamen aus Ostfriesland. Viele Kinder unter 14 Jahren der Anfang 1940 noch in Aurich lebenden jüdischen Familien wurden entweder in das Israelitische Kinderheim in Köln, Lützowstraße 35-37 oder in das jüdische Kinderheim in Hildesheim gebracht.

Als im Jahr 1942 die Deportationen der Juden beginnen, werden die Kinder zu ihren Eltern geschickt. So werden auch Joseph und Hanna Wolff zu ihren Eltern nach Berlin zur gemeinsamen Deportation geschickt. Als letzter Wohnsitz der Eltern in Berlin wird „Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 150/160“ eingetragen. Mit dem Transport I/72 wird die Familie am 28.10.1942 zunächst in das Ghetto  Theresienstadt deportiert. In der Transportliste stehen sie unter den Nummern 66-70.  In diesem Transport finden sich auch Gustes Eltern Bendix und Hannchen Wolff (Nr. 71,72).

Nach zwei Jahren im Ghetto Theresienstadt wird die gesamte Familie Adolf Wolff am 29.10.1944 mit dem Transport „Es c215“ von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Dieser Transport besteht aus 1.499 Personen, hiervon sind 1.421 gestorben, 72 haben überlebt, 6 gelten als verschollen. Das  genaue Todesdatum der Mitglieder der Familie Adolf Wolff ist nicht bekannt, es muss aber davon ausgegangen werden, dass sie gleich nach ihrer Ankunft, also Anfang November 1944, ermordet wurden.

 

    Das Haus Norderstraße 11

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Jacobs GmbH
Verlegetermin: 21. Februar  2013

 

 

 

Adolf Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

adolf-wolff-1896-steinAdolf  WOLFF
geboren 13. Mai 1896 in Sandhorst

 

 

 

Straße: Norderstraße 11
Todesdatum: 19. Oktober 1944
Todesort: Auschwitz
wolff-adolf-geb-13-05-1896-in-sandhorst-1

Adolf Wolff (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Adolf Wolff wird am 13. Mai 1896 als viertes von sieben Kindern des Viehhändlers Joseph Wolff (*1855) und seiner Ehefrau Regine Wolff geb. von der Wall (1859-1929) geboren. Die Familie wohnte in der Esenser  Straße 30. Seine Schwester Frieda verh. Samson (1892-1943) wurde in Auschwitz ermordet. Für sie wurde am 14.07.2014 ein Stolperstein verlegt. Sein Bruder Louis (1893-1900) verstarb bereits als Kind. Seine Schwester Eva (1895-1943) heiratete nach dem Tod ihrer jüngeren Schwester Georgina (1898-1918) deren Witwer Levy „Ludwig“ Salomons (*1891). Sie wurde in Sobibor ermordet. Für Eva und Levy Salomons wurden Stolpersteine am 5.12.2015 verlegt. Ein Geschwister von Adolf ist unbekannt. Sein jüngster Bruder Gershom „Gustav“ Wolff (1902-1944) wurde in Auschwitz ermordet.
Adolf heiratet am 13.09.1929 Guste geb. Wolffs (*24.08.1910). Sie ist das älteste von drei Kindern von Benjamin „Bendix“ Wolff (1871-1944) und Hannchen geb. Wallheimer (1883-1944), für die Stolpersteine in der Leerer Landstraße 14 verlegt wurden. Ihre Eltern und Geschwister werden (bis auf den nach der Geburt verstorbenen Bruder) alle Opfer des Völkermordes an den Juden. Adolf und Guste Wolff haben drei Kinder. Am 20.08.1931 wird Joseph geboren, am 27.10.1933 Hanna und am 10.01.1936 Regine. Alle drei erhalten Vornamen ihrer Großeltern. Adolfs Beruf wird auf der Meldekarte mit „Landwirt“ angegeben, nachdem der Beruf „Viehhändler“ gestrichen wurde. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie wissen wir wenig. Bis 1935 sind ständig  „Hausmädchen“ und auch einige „Angestellte“ auf der Meldekarte vermerkt. Die Familie ist häufig umgezogen. Sie wohnt seit der Eheschließung am 13.09.1929 bis zum 10.05.1933 in der Norderstraße 11. Daher werden dort die Gedenksteine verlegt. Im Mai 1933 zieht die Familie in die Lilienstr. 12 in das Haus von Abraham Wolff, am 1.04.1936 in die Marktstraße 4, am 1.01.1938 in die Leerer Landstraße 14 zu Bendix und Hannchen Wolff, den Eltern von Guste Wolff und schließlich am 15.04.1939 in die Wallstraße 24, einem “Judenhaus“ in dem mehrere jüdische Familien auf engstem Raum zusammen leben müssen. Auf der Meldekarte der Stadt Aurich findet sich unter „Bemerkung“: „Adolf Wolff ist vom 26.10.37-12.11.37 in St. Tönis, Kreis Kempen-Krefeld verhaftet gewesen, Wohnsitz blieb Aurich“. Warum sich Adolf Wolff dort aufhielt und warum er verhaftet wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Als alle jüdischen Bürger Aurich Anfang 1940  verlassen müssen, zieht auch die Familie von Adolf Wolff am 29.02.1940 aus Aurich fort. Adolf zieht mit seiner Frau Guste und dem jüngsten Kind Regine nach Berlin W35 in die Lützowstr. 97III, seine beiden älteren Kinder in das jüdische Kinderheim am Lappenberg in Hildesheim. Die meisten der dort untergebrachten Kinder kamen aus Ostfriesland. Viele Kinder unter 14 Jahren der Anfang 1940 noch in Aurich lebenden jüdischen Familien wurden entweder in das Israelitische Kinderheim in Köln, Lützowstraße 35-37 oder in das jüdische Kinderheim in Hildesheim gebracht.
Als im Jahr 1942 die Deportationen der Juden beginnen, werden die Kinder zu ihren Eltern geschickt. So werden auch Joseph und Hanna Wolff zu ihren Eltern nach Berlin zur gemeinsamen Deportation geschickt. Als letzter Wohnsitz der Eltern in Berlin wird „Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 150/160“ eingetragen. Mit dem Transport I/72 wird die Familie am 28.10.1942 zunächst in das Ghetto  Theresienstadt deportiert. In der Transportliste stehen sie unter den Nummern 66-70.  In diesem Transport finden sich auch Gustes Eltern Bendix und Hannchen Wolff (Nr. 71,72).
Nach zwei Jahren im Ghetto Theresienstadt wird die gesamte Familie Adolf Wolff am 29.10.1944 mit dem Transport „Es c215“ von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Dieser Transport besteht aus 1.499 Personen, hiervon sind 1.421 gestorben, 72 haben überlebt, 6 gelten als verschollen. Das  genaue Todesdatum der Mitglieder der Familie Adolf Wolff ist nicht bekannt, es muss aber davon ausgegangen werden, dass sie gleich nach ihrer Ankunft, also Anfang November 1944, ermordet wurden. 

   Das Haus Norderstraße 11

 Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Auricher Wählergemeinschaft
Verlegetermin: 21. Februar  2013

 

 

 

Wolfgang Martin Wolff

Veröffentlicht: 20. November 2010 von westermayer in Verlegung

wolfgang-wolff-steinWolfgang Martin WOLFF
geboren am 7. Juli 1926 in Aurich

 

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: unbekannt, am 10.05.1942 Deportation nach Lublin, am 31.10.1942 für tot erklärt
Todesort: Majdanek,
Wolfgang Wolff ist das vierte Kind von Karoline (*1897-1942) und Martin Wolff (1894-1942). Er wird am 7. Juli  1926 in Aurich geboren.

Sein  Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Wolfgang wächst zunächst mit den Geschwistern Roesel, Hildegard, Hannelore und Selly in der Leerer Landstraße 18 auf und zieht dann mit seiner Familie nach Sandhorst zum Gut Eschen. Als sie die Wohnung dort verlassen müssen, zieht er mit seinen Eltern in die Marktstraße 4.

Als die letzten jüdischen Bürger gezwungen werden, Aurich zu verlassen, schicken seine Eltern ihn zusammen mit seinem jüngeren Bruder Selly im Februar 1940 in ein jüdisches Kinderheim in Köln (Jüdisches Waisenhaus in Köln-Braunsfeld, Aachener Straße 443). Als Hannelore Wolff im April 1942 aus Berlin zu ihrer Mutter nach Weimar zurückkehrt, wohnen ihre Brüder Wolfgang und Selly bereits wieder bei der Mutter.

Am 10. Mai 1942 wird Wolfgang mit seiner Mutter und den Geschwistern Hannelore und Selly  nach Lublin deportiert.  Er  lebt zunächst mit ihnen im dortigen Ghetto. Dort muss er mit seinem Bruder Selly unter unmenschlichen Bedingungen im Steinbruch arbeiten.

Hannelore Wolff schildert in ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ (2005) wie der damals 16-jährige Wolfgang mitten in der Nacht aus der Ghetto Wohnung – angeblich für einen kurzen Arbeitseinsatz – abgeholt wird. Er kehrt nie wieder zu seiner Mutter zurück. Hannelore muss am nächsten Tag erfahren, dass Wolfgang nach Majdanek deportiert wurde. Über das weitere Schicksal von Wolfgang ist nichts bekannt. Wolfgang wird ermordet oder ein Opfer der unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen im KZ Majdanek.

Wolfgangs Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Sein Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Sein Bruder Selly wurden im KZ Budzyn ermordet.

Seine Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, der Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina, die Schwester Hannelore konnte den Lagerterror überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wurde.

 

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

Die vor dem Haus Leerer Landstraße 18 verlegten Stolpersteine für Familie Wolff. Fotos Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto:  Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006), S. 34
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: 10b Realsschule Aurich, Jahrgang 1971
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Selly und Wolfgang Wolff