Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Jakob Abraham Cohen

Veröffentlicht: 1. Juni 2010 von westermayer in Verlegung

Cohen, Jakob AbrahamJakob Abraham COHEN
geboren am 24. Januar 1871 in Aurich

Straße: Marktstraße 16
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Sobibor am 20. April 1943
Todesort: Sobibor
Jakob Abraham Cohen wird am 24. Januar 1877 in Aurich geboren. Er ist das erste von vier Kindern seiner Eltern Abraham Jacob Cohen (30.09.1842 Fedderwarden – 23.02.1933 Aurich) und Betti geb. Driels (26.12.1848 Emden – 08.06.1891 Aurich). Seine Schwestern Friederike (1878 – 1933) und Caroline (1888 – 1942) ziehen nach Holland, sein Bruder Wolf Wilhelm Abraham Cohen (1881 – ) lebt in Aurich, arbeitet als Schlachter und gründet eine Familie. Jakob Abraham Cohen heiratet Jette „Jettchen“ Hess aus Dornum (09.04.1890 Dornum – 02.07.1950 Toledo / USA). Jette Hess ist das 4. von 13 Kindern ihrer Eltern Moses Hess (1861-1932) und Bertha Hess geb. Wolffs (*1863). Eine Schwester von Jette, Eva Hess (*1893) heiratet einen Bruder von Jakob Abraham Cohen, Wolff Wilhelm Cohen (1881-1935).

Jakob Abraham Cohen und seine Frau Jette haben zusammen sechs Kinder: Ihr erstes Kind, Moses Jacob Cohen (*14.09.1909) stirbt schon im Alter von 2 Jahren. Danach werden noch fünf Kinder geboren: Abraham Jakob   (4.10.1910 Aurich – 4.06.1995 Quito, Equador), Moritz Moses Jakob (20.11.1911 Aurich – 1943), Betti verh. Valk (16.01.1913 Aurich – 6.10.1944 Auschwitz), Wolff Wilhelm (4.01.1915 Aurich   – 31.12.1943 Australien) und Josef (25.03.1917 Aurich – 26.06.1941 Neuengamme).

Die Ehe zwischen Jakob Abraham und Jette verlief offensichtlich nicht glücklich. Jakob Abraham Cohen berichtet später: „als er (1918) aus dem Krieg kam, habe er Joseph (sein jüngstes Kind, zu dem Zeitpunkt etwa 1 ½ Jahre alt) damals mit einem Kopfaussatz in einer Bremer Hautklinik gefunden, da seine Mutter ihn vernachlässigte und alle Kinder im Stich ließ, als sie ihm damals durchgegangen war.“ Wohin Jette „durchgegangen“ ist wissen wir nicht. Vermutlich gleich nach Italien, denn dort trifft sie 1936 ihren Sohn Abraham Jakob. 1940 hält sie sich in Mailand auf. Sie kann vor der Judenverfolgung in die USA fliehen und lebt mit ihrem zweiten Ehemann in Toledo, Ohio. Dort stirbt sie am 2.07.1950.
Über die Lebensumstände von Jakob Abraham Cohen in Aurich wissen wir wenig. Seine Kinder verlassen ihn schon in jungen Jahren, so zog sein jüngster Sohn Josef 1929 im Alter von 12 Jahren in ein Lehrlingsheim in Düsseldorf und kam nicht wieder nach Aurich zurück.

Jakob Abraham Cohen emigriert im Juni 1937 in die Niederlande. Seine Schwester Caroline und seine Kinder Moses Jacob und Betti waren bereits früher dorthin emigriert. In Hoogeveen heiratet Jakob Abraham am 17. August 1938 Eva van Gelderen (5.05.1881 Zwolle).

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen auch dort die Judenverfolgung einsetzt, werden Jakob Abraham Cohen und seine Frau Eva am 6. April 1943 in Westerbork interniert und am 20. April 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich werden sie nach ihrer Ankunft ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Über das Schicksal der Kinder von Jakob Abraham Cohen können wir Folgendes berichten:

Sein zweites Kind Abraham Jakob konnte zunächst in die Niederlande fliehen. Sein Sohn Henry erzählt, dass sein Vater auf der Flucht aus Aurich zwei Soldaten erschosssen habe, die sein Haus bewachten. Die Niederlande lehnten einen von Deutschland gestellten Auslieferungsantrag ab, da Abraham Jakob in Selbstverteidigung gehandelt hätte. Er musste aber die Niederlande verlassen und ging nach Italien zu seiner Mutter. Dort heiratet er am 7.11.1936. Als auch in Italien die Situation für die Juden unsicher wird, flieht er mit seiner Familie nach Equador und wählte Quito als neuen Lebensort.

Sein drittes Kind Moritz Moses Jacob erlernt den Beruf des Bäckergesellen. Er verlässt 1926 Aurich im Alter von 15 Jahren um drei Jahre in Köln zu leben und kehrt 1929 wieder zurück. Nach Aufenthalten in Assen und Berlin kehrt er immer wieder nach Aurich zurück. Im November 1933 verlässt er endgültig Aurich und zieht nach Den Haag in den Niederlanden. Dort lernt er seine Frau Ester Roffesa (*7.12.1912 Den Haag)  kennen und heiratet sie. Ihre älteste Tochter Jettchen (benannt nach ihrer Großmutter) wird am 25.05.1939 noch in Den Haag geboren. Dann zieht die Familie nach Groningen um. Dort wird am 30.11.1942 ihre zweite Tochter Rika Jacoba geboren.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen die Judenverfolgung beginnt, wird Moses am 9.03.1943 in Westerbork interniert, seine Frau und 2 Kinder folgen am 6.04.1943. Am 13.04.1943 wird die gesamte Familie nach Sobibor deportiert und ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Für das vierte Kind von Jakob Abraham Cohen, Betti Cohen verh. Valk, haben wir bereits einen Stolperstein in der Lindenstraße 9 verlegt. Sie zieht 1936 ebenfalls in die Niederlande nach Wildervank, heiratet dort Jacob Valk (1911-1945) und hat mit ihm eine Tochter Roosje (*1.08.1937). Die Familie wird am 4.10.1942 in Westerbork interniert, am 4.09.1944 zunächst nach Theresienstadt deportiert, dann nach Auschwitz (Jacob 29.9.1944, Betti und Roosje 4.10.1944).

Wolff Wilhelm Cohen , fünftes Kind von Jakob Abraham Cohen, flieht noch rechtzeitig vor der Reichspogromnacht aus Aurich. Er flieht zunächst nach England. Als letzten Wohnort in England gibt er Loxton an. Im Jahr 1938 verlässt er England mit der „SS Orontes“ und erreicht Australien am 25.10.1938 im Hafen Oyster Harbour südlich von Perth. Am 23.10.1939 beantragt er die Einbürgerung (Form of Application for Registration, s. u.). Als Beruf gibt er „Fleischer“ an.
Wolff Wilhelm heiratet Marjory Phillis (*25.05.1918) und hat mit ihr zwei Söhne: Robert Wilhelm (* 11.11.1945) und Jan Christopher (* 23.03.1947). Er wohnt mit seiner Familie in Adelaid.
Er stirbt im Alter von 33 Jahren am 1.12.1948 in Adelaid und ist auf der jüdischen Abteilung des Friedhofs West Terrace in Adelaid begraben.

Das sechste und jüngste Kind von Jakob Abraham Cohen, Josef Cohen, beginnt 1929 eine Schlosserlehre in Düsseldorf. Er arbeitet dann in verschiedenen Handlangertätigkeiten. 1937 wird er nach §175 zu 10 Monaten Haft verurteilt. Danach arbeitet er zunächst in Hamburg auf der Köhlbrand Werft, dann als Heizer auf verschiedenen Elbdampfern. Im September 1939 wird er verhaftet, am 29.04.1941 wegen Gewaltverbrechen und Rassenschande zum Tode verurteilt und am 26.06.1941 hingerichtet.

Sein Fall ist ein Musterbeispiel für nationalsozialistische Willkürjustiz: Widersprüchliche Aussagen über den Tathergang der Notzucht wurden nicht berücksichtigt, in den Verhörprotokollen lässt sich eine Vorverurteilung des „Judenlümmels“ deutlich erkennen, Rechtverordnungen wurden rückwirkend auf seinen Fall angewendet und die sofortige Vollstreckung trotz bestehender Zweifel im Eilverfahren durchgesetzt.

Am 7.09.2015 werden weitere Stolpersteine für Jakob Abraham Cohen und seine Frau Eva Cohen van Gelderen  in Stadskanaal / NL, vor dem Haus Oosterkade 32 verlegt.


Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)

Ergänzungen 04.01.2024: Günther Lübbers
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Frauke Fleßner
Verlegetermin: 27. Januar 2015

Abraham Jakob Cohen

Veröffentlicht: 1. Juni 2010 von westermayer in Verlegung

Cohen, Abraham JakobAbraham Jakob COHEN
geboren am 4. Oktober 1910 in Aurich

Straße: Marktstraße 16
Todesdatum: 4. Juni 1995
Todesort: Quito, Equador
Abraham Jakob Cohen wird am 4. Oktober 1910 in Aurich als zweites Kind von Jakob Abraham Cohen (1877-1943) und Jette „Jettchen“ Hess aus Dornum (1890-1950).

Sein Vater Jakob Abraham Cohen wird am 24. Januar 1877 in Aurich geboren. Er ist das erste von vier Kindern seiner Eltern Abraham Jacob Cohen (1842 – 1933) und Betti geb. Driels (1848 – 1891). Seine Schwestern Friederike (1878 – 1933) und Caroline (1888 – 1942) ziehen nach Holland, sein Bruder Wolf Wilhelm Abraham Cohen (1881 – ) lebt in Aurich, arbeitet als Schlachter und gründet eine Familie.

Jette Hess ist das 4. von 13 Kindern ihrer Eltern Moses Hess (1861-1932) und Bertha Hess geb. Wolffs (*1863). Eine Schwester von Jette, Eva Hess (*1893) heiratet einen Bruder von Jakob Abraham Cohen, Wolff Wilhelm Cohen (1881-1935).

Jakob Abraham Cohen und seine Frau Jette haben zusammen sechs Kinder: Ihr erstes Kind, Moses Jacob Cohen (*14.09.1909) stirbt schon im Alter von 2 Jahren. Danach werden noch fünf Kinder geboren: Abraham Jakob   (4.10.1910 Aurich – 4.06.1995 Quito, Equador), Moritz Moses Jakob (20.11.1911 Aurich – 1943), Betti verh. Valk (16.01.1913 Aurich – 6.10.1944 Auschwitz), Wolff Wilhelm (4.01.1915 Aurich   – 31.12.1943 Australien) und Josef (25.03.1917 Aurich – 26.06.1941 Neuengamme).

Die Ehe zwischen Jakob Abraham und Jette verlief offensichtlich nicht glücklich. Jakob Abraham Cohen berichtet später: „als er (1918) aus dem Krieg kam, habe er Joseph (sein jüngstes Kind, zu dem Zeitpunkt etwa 1 ½ Jahre alt) damals mit einem Kopfaussatz in einer Bremer Hautklinik gefunden, da seine Mutter ihn vernachlässigte und alle Kinder im Stich ließ, als sie ihm damals durchgegangen war.“ Wohin Jette „durchgegangen“ ist wissen wir nicht. Vermutlich gleich nach Italien, denn dort trifft sie 1936 ihren Sohn Abraham Jakob. 1940 hält sie sich in Mailand auf. Sie kann vor der Judenverfolgung in die USA fliehen und lebt mit ihrem zweiten Ehemann in Toledo, Ohio. Dort stirbt sie 1950.
Über die Lebensumstände von Jakob Abraham Cohen in Aurich wissen wir wenig. Seine Kinder verlassen ihn schon in jungen Jahren, so zog sein jüngster Sohn Josef 1929 im Alter von 12 Jahren in ein Lehrlingsheim in Düsseldorf und kam nicht wieder nach Aurich zurück.
Jakob Abraham Cohen emigriert im Juni 1937 in die Niederlande und heiratet in Hoogeveen am 17. August 1938 Eva van Gelderen.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen auch dort die Judenverfolgung einsetzt, werden Jakob Abraham Cohen und seine Frau Eva am 6. April 1943 in Westerbork interniert und am 20. April 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich werden sie nach ihrer Ankunft ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Über das Schicksal der Kinder von Jakob Abraham Cohen können wir Folgendes berichten: Sein zweites Kind Abraham Jakob konnte zunächst in die Niederlande fliehen. Sein Sohn Henry erzählt, dass sein Vater auf der Flucht aus Aurich zwei Soldaten erschosssen habe, die sein Haus bewachten. Die Niederlande lehnten einen von Deutschland gestellten Auslieferungsantrag ab, da Abraham Jakob in Selbstverteidigung gehandelt hätte. Er musste aber die Niederlande verlassen und ging nach Italien zu seiner Mutter. Dort heiratet er am 7.11.1936. Als auch in Italien die Situation für die Juden unsicher wird, flieht er mit seiner Familie nach Equador und wählte Quito als neuen Lebensort.

Sein drittes Kind Moritz Moses Jacob erlernt den Beruf des Bäckergesellen. Er verlässt 1926 Aurich im Alter von 15 Jahren um drei Jahre in Köln zu leben und kehrt 1929 wieder zurück. Nach Aufenthalten in Assen und Berlin kehrt er immer wieder nach Aurich zurück. Im November 1933 verlässt er endgültig Aurich und zieht nach Den Haag in den Niederlanden. Dort lernt er seine Frau Ester Roffesa (*7.12.1912 Den Haag – 1943) kennen und heiratet sie. Ihre älteste Tochter Jettchen (benannt nach ihrer Großmutter) wird am 25.05.1939 noch in Den Haag geboren. Dann zieht die Familie nach Groningen um. Dort wird am 30.11.1942 ihre zweite Tochter Rika Jacoba geboren.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen die Judenverfolgung beginnt, wird Moses am 9.03.1943 in Westerbork interniert, seine Frau und 2 Kinder folgen am 6.04.1943. Am 13.04.1943 wird die gesamte Familie nach Sobibor deportiert und ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Für das vierte Kind von Jakob Abraham Cohen, Betti Cohen verh. Valk, haben wir bereits einen Stolperstein in der Lindenstraße 9 verlegt. Sie zieht 1936 ebenfalls in die Niederlande nach Wildervank, heiratet dort Jacob Valk (1911-1945) und hat mit ihm eine Tochter Roosje (*1.08.1937). Die Familie wird am 4.10.1942 in Westerbork interniert, am 4.09.1944 zunächst nach Theresienstadt deportiert, dann nach Auschwitz (Jacob 29.9.1944, Betti und Roosje 4.10.1944).

Wolff Wilhelm Cohen , fünftes Kind von JakobAbraham Cohen, flieht noch rechtzeitig vor der Reichspogromnacht aus Aurich. Er flieht zunächst nach England. Als letzten Wohnort in England gibt er Loxton an. Im Jahr 1938 verlässt er England mit der „SS Orontes“ und erreicht Australien am 25.10.1938 im Hafen Oyster Harbour südlich von Perth. Am 23.10.1939 beantragt er die Einbürgerung (Form of Application for Registration, s. u.). Als Beruf gibt er „Fleischer“ an.
Wolff Wilhelm heiratet Marjory Phillis (*25.05.1918) und hat mit ihr zwei Söhne: Robert Wilhelm (* 11.11.1945) und Jan Christopher (* 23.03.1947). Er wohnt mit seiner Familie in Adelaid.
Er stirbt im Alter von 33 Jahren am 1.12.1948 in Adelaid und ist auf der jüdischen Abteilung des Friedhofs West Terrace in Adelaid begraben.

Das sechste und jüngste Kind von Jakob Abraham Cohen, Josef Cohen, beginnt 1929 eine Schlosserlehre in Düsseldorf. Er arbeitet dann in verschiedenen Handlangertätigkeiten. 1937 wird er nach §175 zu 10 Monaten Haft verurteilt. Danach arbeitet er zunächst in Hamburg auf der Köhlbrand Werft, dann als Heizer auf verschiedenen Elbdampfern. Im September 1939 wird er verhaftet, am 29.04.1941 wegen Gewaltverbrechen und Rassenschande zum Tode verurteilt und am 26.06.1941 hingerichtet.

Sein Fall ist ein Musterbeispiel für nationalsozialistische Willkürjustiz: Widersprüchliche Aussagen über den Tathergang der Notzucht wurden nicht berücksichtigt, in den Verhörprotokollen lässt sich eine Vorverurteilung des „Judenlümmels“ deutlich erkennen, Rechtverordnungen wurden rückwirkend auf seinen Fall angewendet und die sofortige Vollstreckung trotz bestehender Zweifel im Eilverfahren durchgesetzt.

Abraham Jakob Cohen heiratet am 7. November 1936 in Italien seine Frau Herta. Beide nehmen im Mai 1992 an der „Woche der Begegnung“ in Aurich teil. Ihr Sohn Henry besucht Aurich zusammen mit seiner Frau Gail und ihrem Sohn Anthony u.a. die „Woche der Begegnung“ im Mai 2002.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015, ergänzt 26.01.2026 Günther Lübbers)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Gunther Siebels-Michel
Verlegetermin: 27. Januar 2015

Friedrich Hoffmann

Veröffentlicht: 26. Mai 2010 von westermayer in Verlegung

Hoffmann, FriedrichFriedrich (Fritz) HOFFMANN
geboren am 29. Mai 1899 in Rheine

 

 

 

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 9. Dezember 1942)
Todesort: Auschwitz
Friedrich Hoffmann wird am 29. Mai 1899 in Rheine geboren, er ist der Sohn von Meyer Hoffmann und dessen Frau Henriette, geb. Rosenwald. Die Familie zieht im Jahre 1901 nach Aurich, wo Friedrichs Vater und auch bereits dessen Vater Feibelmann geboren worden waren. Meyer Hoffmann ist Viehhändler und hat sich auf Pferdehandel spezialisiert. Friedrich tritt in die Fußstapfen seines Vaters und wird ebenfalls Pferdehändler.

Am 10. Mai 1925 heiratet Friedrich Rahel, die Tochter des Viehhändlers David Levi Wolff. Das Paar zieht zunächst in der Leerer Landstraße 40 ein. Bereits im November 1925 zieht das Paar jedoch in die Norderstr. 11 um, möglicherweise weil sich Nachwuchs angekündigt hat: Am 26. März 1926 wird das erste Kind der beiden geboren, Sohn Menno. Eineinhalb Jahre später, am 15. Oktober 1927, folgt Töchterchen Jutta, und nur wenige Wochen später zieht die junge Familie erneut um, nun in die Ukenastr. 2. Die Geschäfte von Friedrich Hoffmann laufen gut, wovon die Angestellten und Haushaltshilfen zeugen, die auf der Einwohnermeldekarte als Untermieter vermerkt sind.

Das Jahr 1929 muss für Friedrich und seine Frau Rahel ein Wechselbad der Gefühle gewesen sein: Am 13. Februar verstirbt ihre kleine Tochter Jutta in Münster im Alter von nur 18 Monaten. Rund ein halbes Jahr später, am 23. September, kommt Tochter Mirjam zur Welt. Die Familie wohnt nun im Haus in der Wallstraße 16, vor dem die Stolpersteine verlegt werden.
Hier sollte die Familie leben, bis sie im Frühjahr 1940 die Aufforderung erhält, Ostfriesland zu verlassen. Bis dahin verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation, Friedrich kann schließlich nicht mehr als Viehhändler arbeiten und versucht sich als Kohlenhändler. Letztlich ist er als einfacher Arbeiter tätig. Langfristig scheint Friedrich keine Zukunft mehr in Deutschland gesehen zu haben, zumindest nicht für seine Kinder: Als er und Rahel sich am 8. März 1940 aus Aurich abmelden und nach Berlin umziehen, schickt er seinen Sohn Menno, der gerade vierzehn Jahre alt geworden ist, nach Steckelsdorf in Brandenburg. Dort soll er auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet werden.

Friedrich und seine Frau leben mehrere Jahre in Berlin in der Weinmeisterstr. 10. Nach einer ersten Übergangszeit zieht auch ihre Tochter Mirjam wieder zu ihnen: Mirjam war vermutlich zunächst im jüdischen Kinderheim in Hildesheim untergebracht worden. Als das Ausbildungslager in Steckelsdorf von den Nationalsozialisten am 21. Mai 1942 geschlossen wird, stößt auch Menno wieder zur Familie.

Am 9. Dezember 1942 werden Friedrich, seine Frau Rahel, sein sechzehnjähriger Sohn Menno und seine dreizehnjährige Tochter Mirjam mit dem Transport Nr. 24 von Berlin direkt ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Hier verliert sich ihre Spur.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Hauseigentümer Juni 1939; Rep. 251, Nr. 819; Rep. 107, Nr. 1268; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 249b, Nr. 208
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10. 10.2014
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-7.jpg, Zugriff vom 18.12.2014
Literatur: http://www.spurensuche-online.net/zeitzeugen/roberg/steckelsdorf.html

Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim Bd. 79 (2007), S. 219-232.

http://www.geni.com/people/Fritz-Hoffmann/5190405380500123758

http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php, Zugriff vom 18.12.2014

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Moabit#Moabit_als_G.C3.BCterbahnhof, Zugriff vom 18.12.2014

Patenschaft: Almut und Jürgen Richter
Verlegetermin: 27. Januar 2015

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Hermann Altberger

Veröffentlicht: 13. Mai 2010 von westermayer in Verlegung

Hermann ALTBERGER
geboren am 25. Oktober 1913 in Dudelange, Luxemburg

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: Flucht nach Argentinien, verstorben am 11. November 1986
Todesort: Monigotes, Santa Fe, Argentinien
Um die Familiengeschichte Hermann Altbergers nachzuvollziehen, muss man eigentlich einen dicken Atlas dabei haben, denn sie führt uns kreuz und quer durch Europa und auch noch nach Südamerika. Sein Vater Lazar (vom biblischen  Lazarus), der auch Ludwig genannt wurde, stammte aus Ruthenien, einer armen Gegend der früheren österreich-ungarischen Monarchie. Vater Ludwig wurde am 11. Dezember 1876 im Städtchen Beregszasz geboren, das in den letzten 150 Jahren viele Male seinen Namen gewechselt hat und zu ganz verschiedenen Ländern gehörte. Heute liegt die Stadt in der Ukraine nahe der Grenze zu Ungarn. Die Mehrheit der Einwohner dort hatte ungarische Wurzeln und es gab sehr viele jüdische Familien dort. In einem amerikanischen Reisebericht  heißt es, dass die jüdische Bevölkerung für ihre Frömmigkeit genauso bekannt war wie für ihre Armut. Auch Hermann Altbergers Mutter Regine Elias stammte aus dieser Gegend, sie wurde in einem Dorf namens Belky gar nicht weit von Beregszasz entfernt am 15. August 1877 geboren.

Viele Familien zogen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem armen und rückständigen Ruthenien fort und versuchten anderswo ihr Glück zu machen. Diesen Entschluss fassten auch die Eheleute Hermann und Regine Altberger, um sich selbst und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Mit vier Kindern (Max, Paula, Arnold, Sidonie) verließen sie – wahrscheinlich 1910 – ihre Heimat und siedelten sich zunächst in Frankfurt am Main an,  wo die Kinder Rosa und Samuel geboren wurden. Von hier aus ging die Familie ins luxemburgische Dudelange (Dücklingen), wo 1913 das siebte Kind, der uns besonders interessierende Hermann, geboren wurde. Als der kleine Hermann vier Wochen alt war, zog die Familie wieder um, dieses Mal nach Eschweiler. Dort begründete die Familie ein „Partiewarenhaus“ und gehörte mit ihrem Geschäft bald zu den erfolgreichsten Geschäftsleuten der Stadt. „Partiewarenhäuser“ nannte man damals Rest- und Sonderpostenmärkte. 1918 wurde Tochter Johanna geboren, 1919 Sohn Karl (Ruben). Aus dem Partiewarenhaus wurde ein ansehnliches Fachgeschäft für Bekleidung, Stoffe und Schuhe. Über die Firmengeschichte gibt es noch sehr viel Material.

Hermann besuchte die jüdische Grundschule in Eschweiler und seine Schwester berichtet in ihren Lebenserinnerungen, dass er sehr viel und gerne gelesen hat, sehr gerne auch die Klassiker der deutschen Literatur.

Alles veränderte sich für die Familie, als Mutter Regina schwer an Krebs erkrankte und schließlich im Alter von 50 Jahren 1927 verstarb. Sohn Hermann war erst 13 Jahre alt damals.

Vater Ludwig entschloss sich, mit den Kindern in seine ruthenische Heimatstadt zurückzukehren, um dort nun ein Geschäft aufzubauen. Damals gehörte die Region zur Tschechoslowakei. Doch das gelang ihm nicht mehr, denn er starb am 13. August 1929 in Brünn im Alter von 52 Jahren. Nun hatten die neun Kinder auch noch ihren Vater verloren und waren zu Vollwaisen geworden – Hermann war nun 15 Jahre alt. Mit einigen seiner Geschwister ging Hermann nun wieder ins Rheinland, um dort eine Lehre zu beginnen. In diesen Jahren half er seinem Bruder Max beim Aufbau von dessen eigenem Textilgeschäft. 1931 – Hermann war jetzt 17 Jahre alt – kam er nach Aurich und arbeitete hier nun als kaufmännischer Angestellter in der Firma H. C. Knurr. Das Geschäft der Familie Knurr war sehr bekannt in und um Aurich für Bekleidung, Pelze, Teppiche, Gardinen und Stoffe. Weil Hermann Altberger damals einen tschechischen Pass hatte, musste er zunächst einen „Befreiungsschein für ausländische Arbeitnehmer“ beantragen, der auch gewährt wurde.

In Aurich lernte er nun seine zukünftige Frau, Erna Wolff, kennen und freundete sich mit einer Gruppe junger Zionisten an, die nach Palästina auswandern wollten. Dieser Idee schloss sich Hermann Altberger in Aurich mit Begeisterung an und gab seine Anstellung in Aurich auf, um sich in Regensburg in Bayern in einem Schulungszentrum auf das zukünftige Leben in einem Kibbuz vorzubereiten. Dort lebte er von Juli 1937 bis Juli 1938.

Nach der Familienüberlieferung waren die Eltern Wolff anfänglich nicht besonders begeistert über den Kontakt ihrer Tochter zu den Palästinabegeisterten jungen Erwachsenen, weil sie nach ihrer Ansicht einen zu lockeren Lebensstil hatten.
In Regensburg erlitt er jedoch eine heftige Ohrenentzündung und sein Gesundheitszeugnis lief ab. Somit war der große Traum der Auswanderung nach Palästina geplatzt.
In Ostfriesland bestand längst Lebensgefahr – dorthin konnte er nicht zurück. Nur für wenige Wochen konnte Hermann Altberger nach Aurich zurückkehren, um seine Verlobte Erna Wolff zu heiraten. Das geschah am 23. August 1938. Gleich darauf wanderte das junge Paar mit den Schwiegereltern Wolff aus und zog nach Argentinien. Dort kamen sie praktisch mittellos an, weil ihnen ihr ohnehin sehr geringes Hab und Gut im Hafen gestohlen worden war.

Erna Altberger geb. Wolff und Tochter Regine Altberger-Gimenez bei der Begegnungswoche in Aurich 1992                          (Foto G. Lübbers)

In Argentinien kam ihnen die Regensburger Schulung für das spätere Leben in Palästina sehr zugute und über das Hilfswerk (Jewish Colonization Association) des Barons Moritz von Hirsch (1831-1896) konnte ein Stück Land erworben werden. Die Familie widmete sich erfolgreich der Viehzucht und lebte in der jüdischen Siedlung Monigotes in der Provinz Santa Fe.
Zwei Kinder wurden geboren, 1941 die Tochter Regina und 1949 der Sohn Ludovico, benannt nach den früh verstorbenen Großeltern Altberger. Hermann  Altberger starb am 11. November 1986, seine Frau Erna am 25. April 2000. Auch ihre Tochter Regina ist bereits am 19. Juni 2007 verstorben. Ludivico ist verheiratet und hat Kinder und Enkelkinder.

Recherche: Konfirmandengruppe der Kirchengemeinde Victorbur
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.05.2020)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: St. Victor Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Erna Altberger geb. Wolff

Veröffentlicht: 13. Mai 2010 von westermayer in Verlegung

Erna ALTBERGER geb. Wolff
geboren am 8. Juni 1915 in Aurich

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: Flucht nach Argentinien, verstorben 25. April 2000
Todesort: Monigotes, Santa Fe, Argentinien
Erna Wolff wurde am 8. Juni 1915 mitten im ersten Weltkrieg in Aurich als Tochter der Eheleute Abraham und Mathilde Wolff geb. Katz geboren. Ihre Familie war in Aurich sehr angesehen. Während Vater Abraham Isaak Wolff ein gebürtiger Auricher war (geboren am 7.07.1883), stammte seine Ehefrau Mathilde geb. Katz aus dem Kreis Fritzlar.

Die Vorfahren von Erna Wolff haben schon sehr lange in Aurich gelebt und waren über Generationen als Schlachter in der Stadt tätig. Wenn  man bedenkt, dass die Familie Wolff durch mehrere Jahrhunderte in Aurich lebte und arbeitete, wird das Unrecht der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung so vieler Mitglieder dieser Familie auf ganz besondere Weise deutlich. Es waren ja keine „Fremden“ oder „Neuzugezogene“, denen so Schlimmes geschah, sondern Leute, die über Jahrhunderte das Leben in der Stadt Aurich mitgeprägt hatten. Darum haben wir uns die Kette der Generationen einmal genau angesehen:

Der erste Vorfahre, auf den wir bei unseren Nachforschungen gestoßen sind, hieß Levi Abraham Wolff. Er wurde etwa 1750 geboren und starb 1804 in Aurich. Er war verheiratet mit Gütel Wolff, die beiden hatten fünf Kinder. Diese waren Ernas Urururgroßeltern.  Ihr ältester Sohn hieß Jakob Levi Wolff und wurde 1775 geboren. Er arbeitete in Aurich als Schlachter und war verheiratet mit Minkel Jonas Wolff. Aus dieser Ehe stammten neun Kinder und uns interessiert besonders der älteste Sohn, Abraham Jakob Levi Wolff, geboren 1803 in Aurich, gestorben 1877 in Aurich. Er war verheiratet mit Breine Isaak de Beer (1816-1867). Aus ihrer Ehe stammten vier Kinder, und uns interessiert besonders das dritte Kind: das war nämlich Ernas Großvater, geboren 1848 in Aurich, gestorben 1933 in Aurich, verheiratet mit Regine Schulenklopper aus Norden. Dieses Ehepaar hatte sieben Kinder, von denen Ernas Vater Abraham das Älteste war. Ernas Vater Abraham wurde am 7. 07.1883 geboren. Er musste gemeinsam mit seiner Frau Mathilde Wolff geb. Katz, seiner Tochter Erna und dem Schwiegersohn Hermann Altberger 1938 vor den Nationalsozialisten  aus seiner Heimat fliehen und verstarb in Argentinien.

Hermann Altberger kam 1931 nach Aurich und arbeitete hier als kaufmännischer Angestellter in der Firma H. C. Knurr. Das Geschäft der Familie Knurr war sehr bekannt in und um Aurich für Bekleidung, Pelze, Teppiche, Gardinen und Stoffe. In Aurich lernte er nun seine zukünftige Frau, Erna Wolff, kennen und freundete sich mit einer Gruppe junger Zionisten an, die nach Palästina auswandern wollten. Dieser Idee schloss sich Hermann Altberger in Aurich mit Begeisterung an und gab seine Anstellung in Aurich auf, um sich in Regensburg in Bayern in einem Schulungszentrum auf das zukünftige Leben in einem Kibbuz vorzubereiten. Dort lebte er von Juli 1937 bis Juli 1938.

Nach der Familienüberlieferung waren die Eltern Wolff anfänglich nicht besonders begeistert über den Kontakt ihrer Tochter zu den Palästinabegeisterten jungen Erwachsenen, weil sie nach ihrer Ansicht einen zu lockeren Lebensstil hatten. In Regensburg erlitt er jedoch eine heftige Ohrenentzündung und sein Gesundheitszeugnis lief ab. Somit war der große Traum der Auswanderung nach Palästina geplatzt. In Ostfriesland bestand längst Lebensgefahr – dorthin konnte er nicht zurück. Nur für wenige Wochen konnte Hermann Altberger nach Aurich zurückkehren, um seine Verlobte Erna Wolff zu heiraten. Das geschah am 23. August 1938. Gleich darauf wanderte das junge Paar mit den Schwiegereltern Wolff aus und zog nach Argentinien. Dort kamen sie praktisch mittellos an, weil ihnen ihr ohnehin sehr geringes Hab und Gut im Hafen gestohlen worden war.

In Argentinien kam ihnen die Regensburger Schulung für das spätere Leben in Palästina sehr zugute und über das Hilfswerk (Jewish Colonization Association) des Barons Moritz von Hirsch (1831-1896) konnte ein Stück Land erworben werden. Die Familie widmete sich erfolgreich der Viehzucht und lebte in der jüdischen Siedlung Monigotes in der Provinz Santa Fe.

Erna Altberger geb. Wolff und Tochter Regine Altberger-Gimenez bei der Begegnungswoche in Aurich 1992   (Foto G. Lübbers)

Zwei Kinder wurden geboren, 1941 die Tochter Regina und 1949 der Sohn Ludovico, benannt nach den früh verstorbenen Großeltern Altberger. Hermann  Altberger starb am 11. November 1986, seine Frau Erna am 25. April 2000. Auch ihre Tochter Regina ist bereits am 19. Juni 2007 verstorben. Ludivico ist verheiratet und hat Kinder und Enkelkinder.

Auch Ernas drei Geschwistern Isaak Abraham, Manfred und Ruth gelingt die Flucht nach Argentinien (s. Biographie Isaak Abraham „Bubi“ Wolff).

So wie die Familie Wolff über viele Generationen in Aurich verwurzelt war, so war es bei Ernas Großmutter und ihrer Familie in Norden genauso. Dort war die Familie Schulenklopper auch schon um 1800 beheimatet und Ernas Urgroßvater Joseph Schulenklopper (1823-1912) war ein bekannter Viehhändler in Norden. Der ungewöhnliche Familienname kommt wahrscheinlich von einem alten Brauch bei den Bibelsegnungen der jüdischen Gemeinde. Wenn bei der Verlesung des Buches Esther ein bestimmter Name genannt wurde, dann klopften alle Zuhörer „in der Schul“ auf die Tische und diesen Brauch nannte man „Schulkloppen“.

Nun aber noch zu Ernas Mutter: Mathilde Wolff geb. Katz wurde am 22. April 1884 in Gilsa bei Zimmersrode in Hessen geboren. Ihre Eltern hießen Moses Katz und Esther Katz geb. Katz. Moses Katz arbeitete dort als Viehhändler. Zimmersrode liegt in der Nähe von Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis. In Zimmersrode wurden der Auricher Schlachtersohn Abraham Wolff und Mathilde Katz am 21.Februar 1913 getraut. Auch für die Familie Katz galt in Gilsa, was wir für die Familie Wolff in Aurich feststellten: sie waren dort viele Generationen lang ansässig. Und es war eine große Familie: Erna Altberger geb. Wolff hatte viele Onkel und Tanten in Hessen: Jettchen, Lina, Auguste, Jeanette, Bertha und Adolf hießen die Geschwister der Mutter. Soweit wir bisher herausfinden konnten, sind auf jeden Fall zwei von ihnen ermordet worden. Jettchen starb 1942 in Theresienstadt, Auguste 1942 im Ghetto Belzyce.

Auch wenn die Inschrift nicht direkt mit der jüdischen Gemeinde in Aurich zusammenhängt, wollen wir die Grabinschrift für Mathilde Wolffs Eltern hier anhängen, da sie uns sehr beeindruckt hat:

Hier ruht
ein redlicher und aufrichtiger Mann,
gerecht auf allen seinen Pfaden.
Er kämpfte im Krieg im Jahr 660 n.d.k.Z.
Er fand Gefallen bei Gott und Menschen,
liebte das Recht und jagte der Gerechtigkeit nach,
war Kranken und anderen
Menschen behilflich.
Herr Moses, Sohn des Jecheskiel
Katz ha-Kohen aus der heiligen Gemeinde Gilsa.
Er starb in gutem Ruf am Mittwoch,
am 14. Tamus 674 n.d.k.Z.,
und er wurde begraben am Freitag, den 16. desselben.
Seine Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens.

Hier ruht eine gottesfürchtige Frau,
die stets auf geradem Pfade wandelte.
Ihre Hände reichte sie den Armen und Elenden.
Sie war die Krone ihres Mannes und ihrer Kinder.
sittsam war sie auf all ihren Wegen:
Esther, Tochter des Salomon ha-Kohen.
Sie starb plötzlich zum Kummer
ihres Mannes und der Kinder
am Mittwoch, den 9. Tewet,
und wurde begraben mit großer Ehre
m Freitag, den 12. desselben
im Jahre [5] 674 n.d.k.Z.
Ihre Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens.

Recherche: Konfirmandengruppe der Kirchengemeinde Victorbur
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.05.2020)
Foto: – Erna Altberger geb. Wolff und Tochter 1992 – Günther Lübbers
– Grabsteine: https://www.lagis-hessen.de/juf
Opfergruppe: Juden
Quellen: Grabinschrift: https://www.lagis-hessen.de/juf
Literatur:
Patenschaft: St. Victor Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Ruth Kugelmann

Veröffentlicht: 19. April 2010 von westermayer in Verlegung

Ruth KUGELMANN
geboren am 10. August 1934 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: Flucht nach Argentinien 1937
Todesort:
Ruth Kugelmann, die älteste Tochter des Kaufmanns  Fritz Kugelmann und seiner Frau Herta Kugelmann geb. Wolff,  wurde am 10. August  1934 in Aurich geboren und für die Adresse Lüchtenburger Weg 8  gemeldet. Seit dem 1. März 1937 ist sie jedoch für die von Jheringstr.27 bei Glück gemeldet und ab 1. Juli für die Marktstr. 13 bei Katz. Die Gründe dafür sind nicht klar und lassen sich nur vermuten.

Ihre Eltern haben mit ihr im Oktober 1937, als sie drei Jahre alt war,  die Flucht nach Argentinien angetreten. Dort in Rosario wird 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter, Evelyn.

Ruth lebt dort bis zu ihrem 17. Lebensjahr. Sie besucht verschiedene Schulen und hat Schwierigkeiten und Herausforderungen durchzustehen.

1951 verlässt die ganze Familie Buenos Aires und zieht um nach Johannesburg in Südafrika, wo Ruths Vater Manager der Farm seines Schwagers Iwan Wolff wird, also des Bruders seiner Frau Herta.  Ruth wird in Johannesburg Schwesternhelferin, keine examinierte Krankenschwester, und sie arbeitet jahrelang in verschiedenen privaten Krankenhäusern.

1956 geht sie für etwa ein Jahr nach Israel, wo es für sie nicht einfach ist, deshalb kehrt sie zurück nach Johannesburg. Dort bekommt sie 1966 die Staatsangehörigkeit der Südafrikanischen Union.

Sie bleibt unverheiratet und hat auch keine Kinder, lebt bei ihren Eltern und hat immer engen Kontakt zu ihrer Familie, dies gibt ihrem Leben Sinn.

Ihr Bruder Manuel verlässt 1967 mit 23 Jahren Südafrika und geht nach Israel, ihre jüngste Schwester, Evelyn, folgt ihm 1969 mit 21 Jahren. Ruth und Rita bleiben mit ihren Eltern in Südafrika. Ihr Vater, Fritz Kugelmann, stirbt 1972 mit 65 Jahren.

Ruth Kugelmann

Nachdem ihre Mutter, Herta Kugelmann, 1988 nach Israel umgezogen ist, wo Manuel und Evelyn leben, zieht Ruth 1992 auch für immer nach Israel  und verbringt sehr viel Zeit mit ihrer Mutter. Nach deren Tod 1999 hilft sie älteren Menschen und bleibt in engem Kontakt zur Familie. Sie ist streng gläubig und lebt nach den Vorschriften der jüdischen Religion.

Wie ihre Schwester sagt, hat Ruth ihr Leben damit verbracht, anderen Menschen zu helfen, und wird es weiterhin tun.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.04.2019)
Foto: Evelyn Rosenberg
Opfergruppe: Juden
Quellen: Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Inka und Werner Kugelmann
Verlegetermin: 19. September  2018

Herta Kugelmann geb. Wolff

Veröffentlicht: 19. April 2010 von westermayer in Verlegung

Herta KUGELMANN geb. Wolff
geboren am 26. April 1909 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 1999, Flucht nach Argentinien 1937
Todesort: Israel
Herta Kugelmann  wird am 26. April 1909 in Aurich geboren. Sie ist das ältestes Kind des Viehhändlers und Schlachters Moses Jonas Wolff und seiner Ehefrau Rebekka Wolff geb. van der Walde aus Emden. Herta Wolff hat zwei jüngere Brüder: Iwan, geboren im  Juni 1910, und Jonas, geboren im Mai 1916. Ihr Vater stirbt bereits im Juni 1922 an einem Krebsleiden. Ihre Mutter wohnt als Witwe mit ihren Kindern in der Wallstr. 37, sie stirbt im November 1929. Im Sterberegister ist zu lesen, sie sei „tot im Neuen Hafen aufgefunden“ worden, was einen Suizid vermuten lässt.  Die Söhne ziehen 1930 in das Mehrfamilienhaus Lüchtenburger Weg 8, ihre Schwester Herta ist seit Mai 1931 auch dort gemeldet  Für sie ist als Beruf angegeben: Lehrling.

Sie lernt den Kaufmann Fritz Kugelmann aus Hannover kennen, der 1907 in Osnabrück geboren wurde. Im September 1933 heiraten die beiden. Fritz Kugelmanns Berufsbezeichnung jetzt: Geschäftsreisender, und die von Herta Wolff:  Haustochter. Trauzeugen sind der 62-jährige Viehhändler Wolff Jonas Wolff und der 23-jährige Viehhändler Iwan Wolff, Hertas Bruder.

Im August 1934 wird die Tochter Ruth geboren.

Die Eltern Kugelmann aus Hannover scheinen darauf bestanden zu haben, dass die Familie Deutschland verlässt, und beantragten Visa für die Einreise nach Argentinien. Nach einer beträchtlichen Frist sind sie bewilligt worden.

So verlässt die Familie im Oktober 1937 Deutschland mit dem Schiff ab Hamburg. Der Weg führt sie nach Rosario in Argentinien, wo 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren wird. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter Evelyn.

Ein anderer Bewohner des Hauses Lüchtenburger Weg 8, Hermann Wolffs, geb. 1903, ist schon 1936 nach Argentinien geflohen.

Herta und Fritz Kugelmann

Hertas Bruder Iwan Wolff, der Deutschland schon einige Jahre früher verlassen hat, um nach Südafrika zu fliehen, rät der Familie Kugelmann bei einem Besuch, nach Johannesburg umzuziehen. Denn seiner Meinung nach hatte die Familie in Argentinien keine Zukunft. So verlassen sie 1951 Buenos Aires und gehen nach Südafrika.  Fritz Kugelmann wird Manager  der Farm seines Schwagers Iwan in Johannesburg, die mit 1000 Milchkühen sehr groß war und das ganze Futter selbst produzierte.

Der Sohn Manuel, genannt Mannie, geht 1967 nach Israel  und Evelyn folgt ihm 1969. Die Eltern bleiben mit ihren Töchtern Ruth und Rita in Südafrika. 1972 stirbt Fritz Kugelmann mit 65 Jahren. Seine Frau,  Herta Kugelmann, zieht 1988 um nach Israel,  Ruth folgt ihr 1992. Herta Kugelmann stirbt 1999 im Alter von 90 Jahren.  Ruth, Manuel und Evelyn leben noch in Israel.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.04.2019)
Foto: Evelyn Rosenberg
Opfergruppe: Juden
Quellen: Nds. Landesarchiv Aurich, Rep. 248, Nr. 943, Rep. 249b, Nr. 312 und Nr. 4549, Dep. 34e Nr. 1203/2,
Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Fritz Kugelmann

Veröffentlicht: 19. April 2010 von westermayer in Verlegung

Fritz KUGELMANN
geboren am 29. November 1907 in Osnabrück

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 1972, Flucht nach Argentinien 1937
Todesort: Johannesburg, Südafrika
Fritz Kugelmann wurde am 29. November 1907  in Osnabrück geboren. Seine Eltern waren Max und Senta Kugelmann, die in Hannover lebten. Sie hatten insgesamt drei Kinder:  eine Tochter und einen weiteren Sohn mit Namen Eric.

Fritz wird Kaufmann  und zieht Ende Mai 1931 von Hannover nach Aurich.

Er lernt Herta Wolff kennen, die am 26. April 1909 in Aurich geboren wurde als ältestes Kind des Viehhändlers und Schlachters Moses Jonas Wolff und seiner Ehefrau Rebekka Wolff geb. van der Walde aus Emden. Herta Wolff hat zwei jüngere Brüder: Iwan, geboren im  Juni 1910, und Jonas, geboren im Mai 1916. Der Vater ist bereits im Juni 1922 an einem Krebsleiden gestorben, die Mutter wohnt als Witwe mit ihren Kindern in der Wallstr. 37, sie stirbt im November 1929, sie sei „tot im Neuen Hafen aufgefunden“ worden, heißt es im Sterberegister.  Die Söhne ziehen 1930 in das Mehrfamilienhaus Lüchtenburger Weg 8, ihre Schwester Herta ist seit Mai 1931 auch dort gemeldet  Für sie ist als Beruf angegeben: Lehrling.

Im September 1933 heiraten Fritz Kugelmann, Berufsbezeichnung jetzt: Geschäftsreisender, und Herta Wolff, die Haustochter. Trauzeugen sind der 62-jährige Viehhändler Wolff Jonas Wolff und der 23-jährige Viehhändler Iwan Wolff, Hertas Bruder.

Im August 1934 wird die Tochter Ruth geboren.

Die Eltern Kugelmann aus Hannover scheinen darauf bestanden zu haben, dass die Familie Deutschland verlässt, und beantragten Visa für die Einreise nach Argentinien. Nach einer beträchtlichen Frist sind sie bewilligt worden.

So verlässt die Familie im Oktober 1937 Deutschland mit dem Schiff ab Hamburg. Der Weg führt sie nach Rosario in Argentinien, wo 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren wird. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter Evelyn.

Ein anderer Bewohner des Hauses Lüchtenburger Weg 8, Hermann Wolffs, geb. 1903, ist schon 1936 nach Argentinien geflohen.

Herta und Fritz Kugelmann

Hertas Bruder Iwan Wolff, der Deutschland schon einige Jahre früher verlassen hat, um nach Südafrika zu fliehen, rät der Familie Kugelmann bei einem Besuch, nach Johannesburg umzuziehen. Denn seiner Meinung nach hatte die Familie in Argentinien keine Zukunft. So verlassen sie 1951 Buenos Aires und gehen nach Südafrika.  Fritz Kugelmann wird Manager der Farm seines Schwagers Iwan in Johannesburg, die mit 1.000 Milchkühen sehr groß war und das ganze Futter selbst produzierte.

Der Sohn Manuel, genannt Mannie, geht 1967 nach Israel  und Evelyn folgt ihm 1969. Die Eltern bleiben mit ihren Töchtern Ruth und Rita in Südafrika. 1972 stirbt  Fritz Kugelmann mit 65 Jahren. Seine Frau,  Herta Kugelmann, zieht 1988 um nach Israel, ihre Tochter Ruth folgt ihr 1992. Herta Kugelmann stirbt 1999 im Alter von 90 Jahren.  Ruth, Manuel und Evelyn leben noch in Israel.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.04.2019)
Foto: Evelyn Rosenberg
Opfergruppe: Juden
Quellen: Geburtsregister des Standesamtes in Osnabrück, Nr.: 1951,.
Nds. Landesarchiv Aurich, Meldekarte, Rep. 249 b, Nr. 4549,  Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Bernhard Siebelds
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Jonas Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Jonas WOLFF
geboren am 10. September 1911 in Aurich

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 2.03.1943
Todesort: Auschwitz

 

 

 

 

 

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Jonas Wolff wird am 10.09.1911 als jüngstes von drei Kindern von Calmer Jonas Wolff und seiner Frau Helene geb. Goldwein in Aurich geboren.  Er hat zwei ältere Geschwister:  Wilhelm  (*11.06.1907 +21.03.1943 Sobibor) und Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Der Vater Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.

Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Jonas Vater Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helene wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Jonas Bruder Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Jonas  Schwester  Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Am 8.04.1938 ziehen Jonas  Eltern Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto: Kennkarte NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015

 

 

 

Wilhelm Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Wilhelm WOLFF
geboren am 11. Juni 1907 in Aurich

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: 21.05.1943
Todesort: Sobibor
Wilhelm Wolff wird am 11.06.1907 als ältester Sohn  von Calmer Jonas Wolff und seiner Frau Helene geb. Goldwein in Aurich geboren. Er hat zwei  jüngere Geschwister:  Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz) und Jonas (*10.09.1911 in Aurich + Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Der Vater Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helene wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Wilhelms Schwester  Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Wilhelms jüngster Bruder  Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Am 8.04.1938 ziehen Wilhelms Eltern Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015