Jakob Abraham COHEN
geboren am 24. Januar 1871 in Aurich
Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’
Abraham Jakob COHEN
geboren am 4. Oktober 1910 in Aurich
| Straße: | Marktstraße 16 |
| Todesdatum: | 4. Juni 1995 |
| Todesort: | Quito, Equador |
| Abraham Jakob Cohen wird am 4. Oktober 1910 in Aurich als zweites Kind von Jakob Abraham Cohen (1877-1943) und Jette „Jettchen“ Hess aus Dornum (1890-1950).
Sein Vater Jakob Abraham Cohen wird am 24. Januar 1877 in Aurich geboren. Er ist das erste von vier Kindern seiner Eltern Abraham Jacob Cohen (1842 – 1933) und Betti geb. Driels (1848 – 1891). Seine Schwestern Friederike (1878 – 1933) und Caroline (1888 – 1942) ziehen nach Holland, sein Bruder Wolf Wilhelm Abraham Cohen (1881 – ) lebt in Aurich, arbeitet als Schlachter und gründet eine Familie. Jette Hess ist das 4. von 13 Kindern ihrer Eltern Moses Hess (1861-1932) und Bertha Hess geb. Wolffs (*1863). Eine Schwester von Jette, Eva Hess (*1893) heiratet einen Bruder von Jakob Abraham Cohen, Wolff Wilhelm Cohen (1881-1935). Jakob Abraham Cohen und seine Frau Jette haben zusammen sechs Kinder: Ihr erstes Kind, Moses Jacob Cohen (*14.09.1909) stirbt schon im Alter von 2 Jahren. Danach werden noch fünf Kinder geboren: Abraham Jakob (4.10.1910 Aurich – 4.06.1995 Quito, Equador), Moritz Moses Jakob (20.11.1911 Aurich – 1943), Betti verh. Valk (16.01.1913 Aurich – 6.10.1944 Auschwitz), Wolff Wilhelm (4.01.1915 Aurich – 31.12.1943 Australien) und Josef (25.03.1917 Aurich – 26.06.1941 Neuengamme). Die Ehe zwischen Jakob Abraham und Jette verlief offensichtlich nicht glücklich. Jakob Abraham Cohen berichtet später: „als er (1918) aus dem Krieg kam, habe er Joseph (sein jüngstes Kind, zu dem Zeitpunkt etwa 1 ½ Jahre alt) damals mit einem Kopfaussatz in einer Bremer Hautklinik gefunden, da seine Mutter ihn vernachlässigte und alle Kinder im Stich ließ, als sie ihm damals durchgegangen war.“ Wohin Jette „durchgegangen“ ist wissen wir nicht. Vermutlich gleich nach Italien, denn dort trifft sie 1936 ihren Sohn Abraham Jakob. 1940 hält sie sich in Mailand auf. Sie kann vor der Judenverfolgung in die USA fliehen und lebt mit ihrem zweiten Ehemann in Toledo, Ohio. Dort stirbt sie 1950. Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen auch dort die Judenverfolgung einsetzt, werden Jakob Abraham Cohen und seine Frau Eva am 6. April 1943 in Westerbork interniert und am 20. April 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich werden sie nach ihrer Ankunft ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Über das Schicksal der Kinder von Jakob Abraham Cohen können wir Folgendes berichten: Sein zweites Kind Abraham Jakob konnte zunächst in die Niederlande fliehen. Sein Sohn Henry erzählt, dass sein Vater auf der Flucht aus Aurich zwei Soldaten erschosssen habe, die sein Haus bewachten. Die Niederlande lehnten einen von Deutschland gestellten Auslieferungsantrag ab, da Abraham Jakob in Selbstverteidigung gehandelt hätte. Er musste aber die Niederlande verlassen und ging nach Italien zu seiner Mutter. Dort heiratet er am 7.11.1936. Als auch in Italien die Situation für die Juden unsicher wird, flieht er mit seiner Familie nach Equador und wählte Quito als neuen Lebensort. Sein drittes Kind Moritz Moses Jacob erlernt den Beruf des Bäckergesellen. Er verlässt 1926 Aurich im Alter von 15 Jahren um drei Jahre in Köln zu leben und kehrt 1929 wieder zurück. Nach Aufenthalten in Assen und Berlin kehrt er immer wieder nach Aurich zurück. Im November 1933 verlässt er endgültig Aurich und zieht nach Den Haag in den Niederlanden. Dort lernt er seine Frau Ester Roffesa (*7.12.1912 Den Haag – 1943) kennen und heiratet sie. Ihre älteste Tochter Jettchen (benannt nach ihrer Großmutter) wird am 25.05.1939 noch in Den Haag geboren. Dann zieht die Familie nach Groningen um. Dort wird am 30.11.1942 ihre zweite Tochter Rika Jacoba geboren. Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen die Judenverfolgung beginnt, wird Moses am 9.03.1943 in Westerbork interniert, seine Frau und 2 Kinder folgen am 6.04.1943. Am 13.04.1943 wird die gesamte Familie nach Sobibor deportiert und ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Wolff Wilhelm Cohen , fünftes Kind von JakobAbraham Cohen, flieht noch rechtzeitig vor der Reichspogromnacht aus Aurich. Er flieht zunächst nach England. Als letzten Wohnort in England gibt er Loxton an. Im Jahr 1938 verlässt er England mit der „SS Orontes“ und erreicht Australien am 25.10.1938 im Hafen Oyster Harbour südlich von Perth. Am 23.10.1939 beantragt er die Einbürgerung (Form of Application for Registration, s. u.). Als Beruf gibt er „Fleischer“ an. Das sechste und jüngste Kind von Jakob Abraham Cohen, Josef Cohen, beginnt 1929 eine Schlosserlehre in Düsseldorf. Er arbeitet dann in verschiedenen Handlangertätigkeiten. 1937 wird er nach §175 zu 10 Monaten Haft verurteilt. Danach arbeitet er zunächst in Hamburg auf der Köhlbrand Werft, dann als Heizer auf verschiedenen Elbdampfern. Im September 1939 wird er verhaftet, am 29.04.1941 wegen Gewaltverbrechen und Rassenschande zum Tode verurteilt und am 26.06.1941 hingerichtet. Sein Fall ist ein Musterbeispiel für nationalsozialistische Willkürjustiz: Widersprüchliche Aussagen über den Tathergang der Notzucht wurden nicht berücksichtigt, in den Verhörprotokollen lässt sich eine Vorverurteilung des „Judenlümmels“ deutlich erkennen, Rechtverordnungen wurden rückwirkend auf seinen Fall angewendet und die sofortige Vollstreckung trotz bestehender Zweifel im Eilverfahren durchgesetzt. Abraham Jakob Cohen heiratet am 7. November 1936 in Italien seine Frau Herta. Beide nehmen im Mai 1992 an der „Woche der Begegnung“ in Aurich teil. Ihr Sohn Henry besucht Aurich zusammen mit seiner Frau Gail und ihrem Sohn Anthony u.a. die „Woche der Begegnung“ im Mai 2002. Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer |
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| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Gunther Siebels-Michel |
| Verlegetermin: | 27. Januar 2015 |
Friedrich (Fritz) HOFFMANN
geboren am 29. Mai 1899 in Rheine
| Straße: | Wallstraße 16 |
| Todesdatum: | unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 9. Dezember 1942) |
| Todesort: | Auschwitz |
| Friedrich Hoffmann wird am 29. Mai 1899 in Rheine geboren, er ist der Sohn von Meyer Hoffmann und dessen Frau Henriette, geb. Rosenwald. Die Familie zieht im Jahre 1901 nach Aurich, wo Friedrichs Vater und auch bereits dessen Vater Feibelmann geboren worden waren. Meyer Hoffmann ist Viehhändler und hat sich auf Pferdehandel spezialisiert. Friedrich tritt in die Fußstapfen seines Vaters und wird ebenfalls Pferdehändler.
Am 10. Mai 1925 heiratet Friedrich Rahel, die Tochter des Viehhändlers David Levi Wolff. Das Paar zieht zunächst in der Leerer Landstraße 40 ein. Bereits im November 1925 zieht das Paar jedoch in die Norderstr. 11 um, möglicherweise weil sich Nachwuchs angekündigt hat: Am 26. März 1926 wird das erste Kind der beiden geboren, Sohn Menno. Eineinhalb Jahre später, am 15. Oktober 1927, folgt Töchterchen Jutta, und nur wenige Wochen später zieht die junge Familie erneut um, nun in die Ukenastr. 2. Die Geschäfte von Friedrich Hoffmann laufen gut, wovon die Angestellten und Haushaltshilfen zeugen, die auf der Einwohnermeldekarte als Untermieter vermerkt sind. Das Jahr 1929 muss für Friedrich und seine Frau Rahel ein Wechselbad der Gefühle gewesen sein: Am 13. Februar verstirbt ihre kleine Tochter Jutta in Münster im Alter von nur 18 Monaten. Rund ein halbes Jahr später, am 23. September, kommt Tochter Mirjam zur Welt. Die Familie wohnt nun im Haus in der Wallstraße 16, vor dem die Stolpersteine verlegt werden. Friedrich und seine Frau leben mehrere Jahre in Berlin in der Weinmeisterstr. 10. Nach einer ersten Übergangszeit zieht auch ihre Tochter Mirjam wieder zu ihnen: Mirjam war vermutlich zunächst im jüdischen Kinderheim in Hildesheim untergebracht worden. Als das Ausbildungslager in Steckelsdorf von den Nationalsozialisten am 21. Mai 1942 geschlossen wird, stößt auch Menno wieder zur Familie. Am 9. Dezember 1942 werden Friedrich, seine Frau Rahel, sein sechzehnjähriger Sohn Menno und seine dreizehnjährige Tochter Mirjam mit dem Transport Nr. 24 von Berlin direkt ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. |
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| Recherche: Sandra Weferling Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (Stand: 1..05.2015) |
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| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Hauseigentümer Juni 1939; Rep. 251, Nr. 819; Rep. 107, Nr. 1268; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 249b, Nr. 208 http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10. 10.2014 http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-7.jpg, Zugriff vom 18.12.2014 |
| Literatur: | http://www.spurensuche-online.net/zeitzeugen/roberg/steckelsdorf.html
Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim Bd. 79 (2007), S. 219-232. http://www.geni.com/people/Fritz-Hoffmann/5190405380500123758 http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php, Zugriff vom 18.12.2014 http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Moabit#Moabit_als_G.C3.BCterbahnhof, Zugriff vom 18.12.2014 |
| Patenschaft: | Almut und Jürgen Richter |
| Verlegetermin: | 27. Januar 2015 |
Hermann ALTBERGER
geboren am 25. Oktober 1913 in Dudelange, Luxemburg
Erna ALTBERGER geb. Wolff
geboren am 8. Juni 1915 in Aurich
| Straße: | Lilienstraße 12 |
| Todesdatum: | Flucht nach Argentinien, verstorben 25. April 2000 |
| Todesort: | Monigotes, Santa Fe, Argentinien |
| Erna Wolff wurde am 8. Juni 1915 mitten im ersten Weltkrieg in Aurich als Tochter der Eheleute Abraham und Mathilde Wolff geb. Katz geboren. Ihre Familie war in Aurich sehr angesehen. Während Vater Abraham Isaak Wolff ein gebürtiger Auricher war (geboren am 7.07.1883), stammte seine Ehefrau Mathilde geb. Katz aus dem Kreis Fritzlar.
Die Vorfahren von Erna Wolff haben schon sehr lange in Aurich gelebt und waren über Generationen als Schlachter in der Stadt tätig. Wenn man bedenkt, dass die Familie Wolff durch mehrere Jahrhunderte in Aurich lebte und arbeitete, wird das Unrecht der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung so vieler Mitglieder dieser Familie auf ganz besondere Weise deutlich. Es waren ja keine „Fremden“ oder „Neuzugezogene“, denen so Schlimmes geschah, sondern Leute, die über Jahrhunderte das Leben in der Stadt Aurich mitgeprägt hatten. Darum haben wir uns die Kette der Generationen einmal genau angesehen: Der erste Vorfahre, auf den wir bei unseren Nachforschungen gestoßen sind, hieß Levi Abraham Wolff. Er wurde etwa 1750 geboren und starb 1804 in Aurich. Er war verheiratet mit Gütel Wolff, die beiden hatten fünf Kinder. Diese waren Ernas Urururgroßeltern. Ihr ältester Sohn hieß Jakob Levi Wolff und wurde 1775 geboren. Er arbeitete in Aurich als Schlachter und war verheiratet mit Minkel Jonas Wolff. Aus dieser Ehe stammten neun Kinder und uns interessiert besonders der älteste Sohn, Abraham Jakob Levi Wolff, geboren 1803 in Aurich, gestorben 1877 in Aurich. Er war verheiratet mit Breine Isaak de Beer (1816-1867). Aus ihrer Ehe stammten vier Kinder, und uns interessiert besonders das dritte Kind: das war nämlich Ernas Großvater, geboren 1848 in Aurich, gestorben 1933 in Aurich, verheiratet mit Regine Schulenklopper aus Norden. Dieses Ehepaar hatte sieben Kinder, von denen Ernas Vater Abraham das Älteste war. Ernas Vater Abraham wurde am 7. 07.1883 geboren. Er musste gemeinsam mit seiner Frau Mathilde Wolff geb. Katz, seiner Tochter Erna und dem Schwiegersohn Hermann Altberger 1938 vor den Nationalsozialisten aus seiner Heimat fliehen und verstarb in Argentinien. Hermann Altberger kam 1931 nach Aurich und arbeitete hier als kaufmännischer Angestellter in der Firma H. C. Knurr. Das Geschäft der Familie Knurr war sehr bekannt in und um Aurich für Bekleidung, Pelze, Teppiche, Gardinen und Stoffe. In Aurich lernte er nun seine zukünftige Frau, Erna Wolff, kennen und freundete sich mit einer Gruppe junger Zionisten an, die nach Palästina auswandern wollten. Dieser Idee schloss sich Hermann Altberger in Aurich mit Begeisterung an und gab seine Anstellung in Aurich auf, um sich in Regensburg in Bayern in einem Schulungszentrum auf das zukünftige Leben in einem Kibbuz vorzubereiten. Dort lebte er von Juli 1937 bis Juli 1938. Nach der Familienüberlieferung waren die Eltern Wolff anfänglich nicht besonders begeistert über den Kontakt ihrer Tochter zu den Palästinabegeisterten jungen Erwachsenen, weil sie nach ihrer Ansicht einen zu lockeren Lebensstil hatten. In Regensburg erlitt er jedoch eine heftige Ohrenentzündung und sein Gesundheitszeugnis lief ab. Somit war der große Traum der Auswanderung nach Palästina geplatzt. In Ostfriesland bestand längst Lebensgefahr – dorthin konnte er nicht zurück. Nur für wenige Wochen konnte Hermann Altberger nach Aurich zurückkehren, um seine Verlobte Erna Wolff zu heiraten. Das geschah am 23. August 1938. Gleich darauf wanderte das junge Paar mit den Schwiegereltern Wolff aus und zog nach Argentinien. Dort kamen sie praktisch mittellos an, weil ihnen ihr ohnehin sehr geringes Hab und Gut im Hafen gestohlen worden war. In Argentinien kam ihnen die Regensburger Schulung für das spätere Leben in Palästina sehr zugute und über das Hilfswerk (Jewish Colonization Association) des Barons Moritz von Hirsch (1831-1896) konnte ein Stück Land erworben werden. Die Familie widmete sich erfolgreich der Viehzucht und lebte in der jüdischen Siedlung Monigotes in der Provinz Santa Fe. ![]() Erna Altberger geb. Wolff und Tochter Regine Altberger-Gimenez bei der Begegnungswoche in Aurich 1992 (Foto G. Lübbers) Zwei Kinder wurden geboren, 1941 die Tochter Regina und 1949 der Sohn Ludovico, benannt nach den früh verstorbenen Großeltern Altberger. Hermann Altberger starb am 11. November 1986, seine Frau Erna am 25. April 2000. Auch ihre Tochter Regina ist bereits am 19. Juni 2007 verstorben. Ludivico ist verheiratet und hat Kinder und Enkelkinder. Auch Ernas drei Geschwistern Isaak Abraham, Manfred und Ruth gelingt die Flucht nach Argentinien (s. Biographie Isaak Abraham „Bubi“ Wolff). So wie die Familie Wolff über viele Generationen in Aurich verwurzelt war, so war es bei Ernas Großmutter und ihrer Familie in Norden genauso. Dort war die Familie Schulenklopper auch schon um 1800 beheimatet und Ernas Urgroßvater Joseph Schulenklopper (1823-1912) war ein bekannter Viehhändler in Norden. Der ungewöhnliche Familienname kommt wahrscheinlich von einem alten Brauch bei den Bibelsegnungen der jüdischen Gemeinde. Wenn bei der Verlesung des Buches Esther ein bestimmter Name genannt wurde, dann klopften alle Zuhörer „in der Schul“ auf die Tische und diesen Brauch nannte man „Schulkloppen“. Nun aber noch zu Ernas Mutter: Mathilde Wolff geb. Katz wurde am 22. April 1884 in Gilsa bei Zimmersrode in Hessen geboren. Ihre Eltern hießen Moses Katz und Esther Katz geb. Katz. Moses Katz arbeitete dort als Viehhändler. Zimmersrode liegt in der Nähe von Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis. In Zimmersrode wurden der Auricher Schlachtersohn Abraham Wolff und Mathilde Katz am 21.Februar 1913 getraut. Auch für die Familie Katz galt in Gilsa, was wir für die Familie Wolff in Aurich feststellten: sie waren dort viele Generationen lang ansässig. Und es war eine große Familie: Erna Altberger geb. Wolff hatte viele Onkel und Tanten in Hessen: Jettchen, Lina, Auguste, Jeanette, Bertha und Adolf hießen die Geschwister der Mutter. Soweit wir bisher herausfinden konnten, sind auf jeden Fall zwei von ihnen ermordet worden. Jettchen starb 1942 in Theresienstadt, Auguste 1942 im Ghetto Belzyce. Auch wenn die Inschrift nicht direkt mit der jüdischen Gemeinde in Aurich zusammenhängt, wollen wir die Grabinschrift für Mathilde Wolffs Eltern hier anhängen, da sie uns sehr beeindruckt hat: Hier ruht Hier ruht eine gottesfürchtige Frau, |
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| Recherche: Konfirmandengruppe der Kirchengemeinde Victorbur Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 12.05.2020) |
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| Foto: | – Erna Altberger geb. Wolff und Tochter 1992 – Günther Lübbers – Grabsteine: https://www.lagis-hessen.de/juf |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Grabinschrift: https://www.lagis-hessen.de/juf |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | St. Victor Kirchengemeinde Victorbur |
| Verlegetermin: | 19. September 2018 |
Ruth KUGELMANN
geboren am 10. August 1934 in Aurich
| Straße: | Lüchtenburger Weg 8 |
| Todesdatum: | Flucht nach Argentinien 1937 |
| Todesort: | |
| Ruth Kugelmann, die älteste Tochter des Kaufmanns Fritz Kugelmann und seiner Frau Herta Kugelmann geb. Wolff, wurde am 10. August 1934 in Aurich geboren und für die Adresse Lüchtenburger Weg 8 gemeldet. Seit dem 1. März 1937 ist sie jedoch für die von Jheringstr.27 bei Glück gemeldet und ab 1. Juli für die Marktstr. 13 bei Katz. Die Gründe dafür sind nicht klar und lassen sich nur vermuten.
Ihre Eltern haben mit ihr im Oktober 1937, als sie drei Jahre alt war, die Flucht nach Argentinien angetreten. Dort in Rosario wird 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter, Evelyn. Ruth lebt dort bis zu ihrem 17. Lebensjahr. Sie besucht verschiedene Schulen und hat Schwierigkeiten und Herausforderungen durchzustehen. 1951 verlässt die ganze Familie Buenos Aires und zieht um nach Johannesburg in Südafrika, wo Ruths Vater Manager der Farm seines Schwagers Iwan Wolff wird, also des Bruders seiner Frau Herta. Ruth wird in Johannesburg Schwesternhelferin, keine examinierte Krankenschwester, und sie arbeitet jahrelang in verschiedenen privaten Krankenhäusern. 1956 geht sie für etwa ein Jahr nach Israel, wo es für sie nicht einfach ist, deshalb kehrt sie zurück nach Johannesburg. Dort bekommt sie 1966 die Staatsangehörigkeit der Südafrikanischen Union. Sie bleibt unverheiratet und hat auch keine Kinder, lebt bei ihren Eltern und hat immer engen Kontakt zu ihrer Familie, dies gibt ihrem Leben Sinn. Ihr Bruder Manuel verlässt 1967 mit 23 Jahren Südafrika und geht nach Israel, ihre jüngste Schwester, Evelyn, folgt ihm 1969 mit 21 Jahren. Ruth und Rita bleiben mit ihren Eltern in Südafrika. Ihr Vater, Fritz Kugelmann, stirbt 1972 mit 65 Jahren. Nachdem ihre Mutter, Herta Kugelmann, 1988 nach Israel umgezogen ist, wo Manuel und Evelyn leben, zieht Ruth 1992 auch für immer nach Israel und verbringt sehr viel Zeit mit ihrer Mutter. Nach deren Tod 1999 hilft sie älteren Menschen und bleibt in engem Kontakt zur Familie. Sie ist streng gläubig und lebt nach den Vorschriften der jüdischen Religion. Wie ihre Schwester sagt, hat Ruth ihr Leben damit verbracht, anderen Menschen zu helfen, und wird es weiterhin tun. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 17.04.2019) |
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| Foto: | Evelyn Rosenberg |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Korrespondenz mit Nachkommen |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Inka und Werner Kugelmann |
| Verlegetermin: | 19. September 2018 |
Herta KUGELMANN geb. Wolff
geboren am 26. April 1909 in Aurich
| Straße: | Lüchtenburger Weg 8 |
| Todesdatum: | 1999, Flucht nach Argentinien 1937 |
| Todesort: | Israel |
| Herta Kugelmann wird am 26. April 1909 in Aurich geboren. Sie ist das ältestes Kind des Viehhändlers und Schlachters Moses Jonas Wolff und seiner Ehefrau Rebekka Wolff geb. van der Walde aus Emden. Herta Wolff hat zwei jüngere Brüder: Iwan, geboren im Juni 1910, und Jonas, geboren im Mai 1916. Ihr Vater stirbt bereits im Juni 1922 an einem Krebsleiden. Ihre Mutter wohnt als Witwe mit ihren Kindern in der Wallstr. 37, sie stirbt im November 1929. Im Sterberegister ist zu lesen, sie sei „tot im Neuen Hafen aufgefunden“ worden, was einen Suizid vermuten lässt. Die Söhne ziehen 1930 in das Mehrfamilienhaus Lüchtenburger Weg 8, ihre Schwester Herta ist seit Mai 1931 auch dort gemeldet Für sie ist als Beruf angegeben: Lehrling.
Sie lernt den Kaufmann Fritz Kugelmann aus Hannover kennen, der 1907 in Osnabrück geboren wurde. Im September 1933 heiraten die beiden. Fritz Kugelmanns Berufsbezeichnung jetzt: Geschäftsreisender, und die von Herta Wolff: Haustochter. Trauzeugen sind der 62-jährige Viehhändler Wolff Jonas Wolff und der 23-jährige Viehhändler Iwan Wolff, Hertas Bruder. Im August 1934 wird die Tochter Ruth geboren. Die Eltern Kugelmann aus Hannover scheinen darauf bestanden zu haben, dass die Familie Deutschland verlässt, und beantragten Visa für die Einreise nach Argentinien. Nach einer beträchtlichen Frist sind sie bewilligt worden. So verlässt die Familie im Oktober 1937 Deutschland mit dem Schiff ab Hamburg. Der Weg führt sie nach Rosario in Argentinien, wo 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren wird. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter Evelyn. Ein anderer Bewohner des Hauses Lüchtenburger Weg 8, Hermann Wolffs, geb. 1903, ist schon 1936 nach Argentinien geflohen. Hertas Bruder Iwan Wolff, der Deutschland schon einige Jahre früher verlassen hat, um nach Südafrika zu fliehen, rät der Familie Kugelmann bei einem Besuch, nach Johannesburg umzuziehen. Denn seiner Meinung nach hatte die Familie in Argentinien keine Zukunft. So verlassen sie 1951 Buenos Aires und gehen nach Südafrika. Fritz Kugelmann wird Manager der Farm seines Schwagers Iwan in Johannesburg, die mit 1000 Milchkühen sehr groß war und das ganze Futter selbst produzierte. Der Sohn Manuel, genannt Mannie, geht 1967 nach Israel und Evelyn folgt ihm 1969. Die Eltern bleiben mit ihren Töchtern Ruth und Rita in Südafrika. 1972 stirbt Fritz Kugelmann mit 65 Jahren. Seine Frau, Herta Kugelmann, zieht 1988 um nach Israel, Ruth folgt ihr 1992. Herta Kugelmann stirbt 1999 im Alter von 90 Jahren. Ruth, Manuel und Evelyn leben noch in Israel. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 17.04.2019) |
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| Foto: | Evelyn Rosenberg |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Nds. Landesarchiv Aurich, Rep. 248, Nr. 943, Rep. 249b, Nr. 312 und Nr. 4549, Dep. 34e Nr. 1203/2, Korrespondenz mit Nachkommen |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich |
| Verlegetermin: | 19. September 2018 |
Fritz KUGELMANN
geboren am 29. November 1907 in Osnabrück
| Straße: | Lüchtenburger Weg 8 |
| Todesdatum: | 1972, Flucht nach Argentinien 1937 |
| Todesort: | Johannesburg, Südafrika |
| Fritz Kugelmann wurde am 29. November 1907 in Osnabrück geboren. Seine Eltern waren Max und Senta Kugelmann, die in Hannover lebten. Sie hatten insgesamt drei Kinder: eine Tochter und einen weiteren Sohn mit Namen Eric.
Fritz wird Kaufmann und zieht Ende Mai 1931 von Hannover nach Aurich. Er lernt Herta Wolff kennen, die am 26. April 1909 in Aurich geboren wurde als ältestes Kind des Viehhändlers und Schlachters Moses Jonas Wolff und seiner Ehefrau Rebekka Wolff geb. van der Walde aus Emden. Herta Wolff hat zwei jüngere Brüder: Iwan, geboren im Juni 1910, und Jonas, geboren im Mai 1916. Der Vater ist bereits im Juni 1922 an einem Krebsleiden gestorben, die Mutter wohnt als Witwe mit ihren Kindern in der Wallstr. 37, sie stirbt im November 1929, sie sei „tot im Neuen Hafen aufgefunden“ worden, heißt es im Sterberegister. Die Söhne ziehen 1930 in das Mehrfamilienhaus Lüchtenburger Weg 8, ihre Schwester Herta ist seit Mai 1931 auch dort gemeldet Für sie ist als Beruf angegeben: Lehrling. Im September 1933 heiraten Fritz Kugelmann, Berufsbezeichnung jetzt: Geschäftsreisender, und Herta Wolff, die Haustochter. Trauzeugen sind der 62-jährige Viehhändler Wolff Jonas Wolff und der 23-jährige Viehhändler Iwan Wolff, Hertas Bruder. Im August 1934 wird die Tochter Ruth geboren. Die Eltern Kugelmann aus Hannover scheinen darauf bestanden zu haben, dass die Familie Deutschland verlässt, und beantragten Visa für die Einreise nach Argentinien. Nach einer beträchtlichen Frist sind sie bewilligt worden. So verlässt die Familie im Oktober 1937 Deutschland mit dem Schiff ab Hamburg. Der Weg führt sie nach Rosario in Argentinien, wo 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren wird. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter Evelyn. Ein anderer Bewohner des Hauses Lüchtenburger Weg 8, Hermann Wolffs, geb. 1903, ist schon 1936 nach Argentinien geflohen. Hertas Bruder Iwan Wolff, der Deutschland schon einige Jahre früher verlassen hat, um nach Südafrika zu fliehen, rät der Familie Kugelmann bei einem Besuch, nach Johannesburg umzuziehen. Denn seiner Meinung nach hatte die Familie in Argentinien keine Zukunft. So verlassen sie 1951 Buenos Aires und gehen nach Südafrika. Fritz Kugelmann wird Manager der Farm seines Schwagers Iwan in Johannesburg, die mit 1.000 Milchkühen sehr groß war und das ganze Futter selbst produzierte. Der Sohn Manuel, genannt Mannie, geht 1967 nach Israel und Evelyn folgt ihm 1969. Die Eltern bleiben mit ihren Töchtern Ruth und Rita in Südafrika. 1972 stirbt Fritz Kugelmann mit 65 Jahren. Seine Frau, Herta Kugelmann, zieht 1988 um nach Israel, ihre Tochter Ruth folgt ihr 1992. Herta Kugelmann stirbt 1999 im Alter von 90 Jahren. Ruth, Manuel und Evelyn leben noch in Israel. |
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| Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 17.04.2019) |
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| Foto: | Evelyn Rosenberg |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Geburtsregister des Standesamtes in Osnabrück, Nr.: 1951,. Nds. Landesarchiv Aurich, Meldekarte, Rep. 249 b, Nr. 4549, Korrespondenz mit Nachkommen |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | Bernhard Siebelds |
| Verlegetermin: | 19. September 2018 |
Jonas WOLFF
geboren am 10. September 1911 in Aurich
| Straße: | Wallstraße 37 |
| Todesdatum: | Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 2.03.1943 |
| Todesort: | Auschwitz |
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Jonas Wolff wird am 10.09.1911 als jüngstes von drei Kindern von Calmer Jonas Wolff und seiner Frau Helene geb. Goldwein in Aurich geboren. Er hat zwei ältere Geschwister: Wilhelm (*11.06.1907 +21.03.1943 Sobibor) und Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Der Vater Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.
Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich. In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden – in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert. Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Jonas Vater Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56. Für seinen Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka). Calmer Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helene wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern. Jonas Bruder Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot). Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet. Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt. Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert. Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt. Jonas Schwester Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren. Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren. Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten. Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage). Am 8.04.1938 ziehen Jonas Eltern Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10. Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet. |
| Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 3.07.2015) |
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| Foto: | Kennkarte NLA Aurich |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarten Liste Westerbork Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943) http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88 Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59: |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | IGS Aurich-Waldschule |
| Verlegetermin: | 3. Juli 2015 |
Wilhelm WOLFF
geboren am 11. Juni 1907 in Aurich
| Straße: | Wallstraße 37 |
| Todesdatum: | 21.05.1943 |
| Todesort: | Sobibor |
| Wilhelm Wolff wird am 11.06.1907 als ältester Sohn von Calmer Jonas Wolff und seiner Frau Helene geb. Goldwein in Aurich geboren. Er hat zwei jüngere Geschwister: Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz) und Jonas (*10.09.1911 in Aurich + Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Der Vater Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.
Für seinen Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka). Calmer Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helene wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern. Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot). Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet. Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt. Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert. Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt. Wilhelms Schwester Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren. Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren. Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten. Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage). Wilhelms jüngster Bruder Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich. In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden – in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert. Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Am 8.04.1938 ziehen Wilhelms Eltern Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10. Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet. |
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| Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer (Stand 3.07.2015) |
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| Foto: | |
| Opfergruppe: | Juden |
| Quellen: | Meldekarten Liste Westerbork Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943) http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88 Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59: |
| Literatur: | |
| Patenschaft: | IGS Aurich-Waldschule |
| Verlegetermin: | 3. Juli 2015 |










