Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Helene Wolff geb. Goldwein

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Helene WOLFF geb. Goldwein
geboren am 15. August 1884 in Meimbressen

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: 2.01.1943
Todesort: Theresienstadt
Helene Goldwein wurde dort am 15.08.1884 in Meimbressen (Krs. Hofgeismar) geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Sie heiratet Calmer „Karl“ Jonas Wolff aus Aurich.

Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer und Helene Wolff bekommen drei Kinder: Wilhelm (*11.06.1907 in Aurich + 21.05.1943 Sobibor), Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz) und Jonas (*10.09.1911 in Aurich + Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.

Von 1927 bis 1935 sind auf der Meldekarte „Hausmädchen“ verzeichnet.

Ihr ältester Sohn Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Das zweite Kind von Calmer und Helene Wolff, Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Der jüngste Sohn von Calmer und Helene Wolff, Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Am 8.04.1938 ziehen Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto: Kennkarte NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:  
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015

 

 

 

Calmer „Karl“ Jonas WOLFF

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Calmer „Karl“ Jonas WOLFF
geboren am 20. Juli 1874 in Aurich

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 18. Mai 1944
Todesort: Auschwitz

Calmer Jonas Wolff (Foto der Kennkarte v. 16.05.1939, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer „Karl“ Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helenen wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Calmer und Helene Wolff bekommen drei Kinder: Wilhelm (*11.06.1907 in Aurich + 21.05.1943 Sobibor), Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz) und Jonas (*10.09.1911 in Aurich + Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.

Von 1927 bis 1935 sind auf der Meldekarte „Hausmädchen“ verzeichnet.

Ihr ältester Sohn Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Das zweite Kind von Calmer und Helene Wolff, Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Der jüngste Sohn von Calmer und Helene Wolff, Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Am 8.04.1938 ziehen Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto: Kennkarte NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015

 

 

 

Hannelore/Laura Hillman geb. Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Hannelore Wolff - SteinHannelore/Laura HILLMAN, geb. Wolff
geboren am 16. Oktober 1923 in Aurich

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Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: 4. Juni 2020
 Todesort: Rossmoor, Kalifornien, USA
Wolff, Hannelore, geb. 16.10.1923 in Aurich (1)

Hannelore Wolff 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

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Hannelore Wolff ist das dritte Kind von Karoline (*1897) und Martin Wolff (1894-1942). Sie wird am 16. Oktober  1923 in Aurich geboren.

Ihr Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Hannelore wächst mit ihren Geschwistern Roesel, Hildegard, Wolfgang und Selly in der Leerer Landstraße 18 auf. Dort steht im Garten der Fliederbaum, an den sie sich später unter den unmenschlichen Lagerbedingungen so gern erinnert und der den Titel zu ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ gibt. Ihr späterer Mann verspricht ihr im KZ, dass er für sie einmal einen solchen Fliederbusch pflanzen wird.
Hannelore bleibt bis zur Ausweisung aus Aurich im Februar 1940 mit kurzen Unterbrechungen (s. Meldekarte: 30.1.-21.3.39 Hamburg, 7.6.39 Neuenburg) bei ihren Eltern, wohnt also in Sandhorst beim Gut Eschen und später in der Marktstraße 4.
Die Schrecken der Reichspogromnacht erlebt Hannelore als 15-jährige und schreibt später die traumatischen Erlebnisse dieser Nacht nieder (Gedicht „Die Nacht, in der sie unsere Synagoge verbrannten“).
Als die Familie Wolff 1940 Aurich verlassen muss, schicken die Eltern Hannelore nach Berlin. Sie macht dort in „Dr. Frenkels Internat für jüdische Mädchen“ (Wangenheimstraße 36) eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Als ihre Mutter in Weimar den Deportationsbefehl erhält, fährt sie zu ihr. Von dort wird Hannelore am 10. Mai 1942 mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern Wolfgang und Selly nach Lublin  deportiert.  Hannelore kann sich vor der mit Erschießungen begleiteten Räumung des Ghettos verstecken und wird in das KZ Belzyce deportiert. Sie durchläuft in den folgenden drei Jahre sechs weitere Konzentrationslager, darunter auch Auschwitz-Birkenau und erleidet unbeschreibliche körperliche und psychische Qualen. In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ schildert sie in einfacher, nüchterner Sprache sehr eindrucksvoll das Elend, die Entbehrungen, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit des Lagerlebens – aber auch die Momente des Glücks, wenn sie gute Freundinnen findet oder die Liebe zu ihrem späteren Mann Dick Hillman, einem jüdischen polnischen Kriegsgefangenen.
Hannelore hat das Glück, dass sie als Nr. 287 auf Schindlers Liste gesetzt wird. So kommt sie – wie auch ihr Dick Hillman mit den „Schindler Leuten“ nach Tschechien in das KZ Brünnlitz, das am 8. Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit wird.
Hannelore heiratet am 22.10.1945 Bernhard (Dick) Hillman (*5.05.1914- 1986). Sie beschließen in die USA auszuwandern und irren aber noch fast zwei Jahre als „displaced persons“ in Deutschland umher. Aus Bremerhaven kommend treffen sie am 4.01.1947 in New York ein. Das Ehepaar wohnt in Los Alamitos in der Nähe von Los Angeles, Kalifornien, hat eine  Sohn  und zwei Enkelkinder.

Im Juli 2004 überwindet sich Hannelore/Laura Hillman dazu, ihrer Geburtsstadt Aurich gemeinsam  mit ihrem Enkelsohn Aryeh und ihrer Nichte Carolyn, Tochter der Schwester Roesel aus Manchester und deren Mann Michael einen Besuch abzustatten. Sie will ihnen unbedingt zeigen, wo sie herkommt, damit sie ihre Geschichte verstehen können. Die Menschen, denen sie in Aurich begegnet, erleben sie als freundliche, liebenswürdige und liebenswerte Persönlichkeit. (Fotos vom Besuch s. unten).

Im Jahr 2005 erscheint ihr Buch „I will plant you a lilac  tree“. In Gedichtform und hier auch in Prosa versucht Hannelore ihre Erinnerungen für sich zu verarbeiten und weiterzugeben. Dies fällt ihr nicht leicht. Nach den Erinnerungen plagen sie regelmäßig Alpträume und sie versucht dann durch Spaziergänge am Meer wieder ihr Gleichgewicht zu finden. Auch im Verlauf der Korrespondenz zur Verlegung der Stolpersteine für ihre Familie schreibt sie „Going back to that time is not a good idea. It evokes nightmares I can’t afford to have. Hope you understand.“

Hannelores Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Ihr Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Ihre Brüder Wolfgang und Selly wurden im KZ Majdanek bzw. im KZ Budzyn ermordet.
Ihre Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, ihrer Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina.

Eine ausführliche Biografie von Hannelore Wolff/Laura Hillman findet sich in dem Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

Anlässlich ihres 100sten Geburtstages am 16. Oktober 2023 wird ihr  zu Ehren eine Straße in die „Hannelore-Wolff-Straße“ benannt.

Hannelore zeigt im Juli 2004 ihrer Familie ihre Geburtsstadt, hier das Auricher Schloss.

Das ehemalige Gut Eschen in der Auricher Lützowallee.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien. In der Bildmitte steht Frau Margarete Trapp, die Patin von Hannelores Stolperstein

 

Straßenbenennung am 16. Oktober 2023

Fotos Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013, ergänzt durch Günther Lübbers am 26.02.2025
Foto:  – Hannelore Hillman geb. Wolff (1939, Foto der Kennkarte, StA Aurich)
– Hannelore Hillman, geb. Wolff (ca. 1939)
– Hannelore und Dick Hillman (1945), in Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006), S. 243
– Laura Hillman (2004), in: Ostfriesland Magazin 4/2006
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:  Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006) – (z. B. bei Amazon erhältlich). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Margarete Trapp
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Hannelore Wolff 16J.

Lilac Tree 3, S. 243OMA Artikel 4-2005 S. 48OMA Artikel 4-2005 S. 49OMA Artikel 4-2005 S. 51

Hildegard Frenkel geb. Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Hildegard Wolff - SteinHildegard FRENKEL, geb. Wolff
geboren am 8. August 1922 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: 11. Juli 1978
Todesort: Jerusalem
Hildegard Wolff ist das zweite Kind von Karoline (*1897) und Martin Wolff (1894-1942). Sie wird am 8. August  1922 in Aurich geboren. Ihr Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Hildegard wächst mit ihren Geschwistern Roesel, Hannelore, Wolfgang und Selly in der Leerer Landstraße 18 auf und geht später wie ihre ältere Schwester Roesel als Haustochter nach Fulda.
Im Jahr 1940 gelingt Hildegard über Jugoslawien die Flucht nach  Palästina. Hier wird sie zunächst wie viele jüdische Flüchtlinge als illegale Einwanderin von den Engländern interniert.
Nach ihrer Freilassung heiratet sie Max Frenkel (1913-1983), einen deutschen Juden aus Frankfurt am Main, und lässt sich mit ihrer Familie in Jerusalem nieder. Hildegard und Max haben drei Jungen.  Der Älteste wird nach seinem Großvater „Moshe“ (Martin) benannt.
Hildegard stirbt am 11. Juli 1978 im Alter von 56 Jahren an Leukämie.

Hannelores Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Ihr Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Ihre Brüder Wolfgang und Selly wurden im KZ Majdanek bzw. im KZ Budzyn ermordet.
Ihre Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, ihre Schwester Hannelore konnte den Lagerterror überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wurde.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

 

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)

Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Johanna Willenbring
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

Roesel Siev geb. Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Roesel Martin Siev - SteinRoesel SIEV, geb. Wolff
geboren am 2. Juni 1921 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: überlebt
 
Roesel Wolff ist das erste Kind von Karoline (*1897-1942) und Martin Wolff (1894-1942). Sie wird am 2. Juni  1921 in Aurich geboren. Ihr Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Roesel wächst mit ihren Geschwistern Hildegard, Hannelore, Wolfgang und Selly in der Leerer Landstraße 18 auf und besucht die höhere Töchterschule in Aurich. Sie arbeitet für einige Zeit als Haustochter in Fulda. Es gelingt ihren Eltern im März 1939, ihr die Ausreise nach England zu ermöglichen. Vor ihrer Ausreise kommt sie noch einmal nach Aurich, um Abschied von ihrer Familie zunehmen.

Roesel zieht später nach Dublin in Irland, heiratet dort einen Mr. Siev und gründet eine Familie.
Als Roesel Siev im Jahr 1992 gemeinsam mit früheren jüdischen Bürgen vom  Auricher Bürgermeister zu einer Woche der Begegnung in Aurich eingeladen wird, antwortet sie ihm: „Ich muss Ihnen sagen, dass ich nicht den Wunsch habe, jemals nach Aurich zurückzukehren oder jemals wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzten –  denn meine Erinnerungen sind sehr, sehr  traurig und bitter.( … ) Man nahm mir die Familie, meine Jugend und meine Erziehung, und bei Gott, warum soll ich nach Aurich zurückkehren? (…) 63 Mitglieder meiner Familie starben durch die Hand der Nazis, und sie laden mich ein zurückzukehren? Nein, mein Herr, ich will niemals zurückkehren.“

Roesels Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Ihr Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Ihre Brüder Wolfgang und Selly wurden im KZ Majdanek bzw. im KZ Budzyn ermordet.
Ihrer Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina, ihre Schwester Hannelore konnte den Lagerterror überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wurde.

Im Juli 2004 begleitet ihre Tochter Carolyn aus Manchester zusammen mit ihrem Ehemann Michael ihre Tante Hannelore (Laura) und deren Enkelsohn Aryeh auf einem Besuch in Aurich.

PS: Roesel Siev verstarb im April 2019 im Alter von 97 Jahren. Sie hatte 15 Enkelkinder und 35 Urenkel.

Hannelore zeigt im Juli 2004 ihrer Familie ihre Geburtsstadt, hier das Auricher Schloss.

Das ehemalige Gut Eschen in der Auricher Lützowallee.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien

Fotos: Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013/2019), ergänzt am 26.02.2025 durch Günther Lübbers
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Laura Hillman, „I Will Plant You a Lilac Tree: A Memoir of a Schindler’s List Survivor“ (2006). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Elfriede und Günther Lübbers
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

 

 

Wolff, Rosetta geb. Schöntal

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Rosetta Wolff - SteinRosetta WOLFF, geb. Schönthal
geboren am 15. September 1863 in Marienhafe

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: 8. Dezember 1941
Todesort: Lodz/Litzmannstadt
Rosetta Wolff, geb. Schönthal, wurde am 15. September 1863 in Marienhafe als Tochter von Martin Moses Schönthal (1823-1916) und Catherina Schönthal, geb. Vogelier (1828-1888) geboren. Sie heiratet den Auricher Viehhändler Wolff Abraham Wolff (26.01.1858 – 31.01.1926). Wolff und Rosetta haben drei Kinder: die Zwillinge Abraham und Martin, geboren am 24.09.1894, sowie die Tochter Hannchen, geboren am 27.02.1901.
Abraham und Martin arbeiten im Betrieb ihres Vaters und führen ihn nach dessen Tod 1926 fort. Abraham heiratet 1925 und zieht 1929 nach Emden. Er wird am 9. August 1944 in Stutthof ermordet. Hannchen heiratet Carl Friedberg (*28.05.1895 in Elberfeld – 1983) und zieht am 3.02.1933 aus Aurich nach Mönchengladbach. Sie und ihr Mann können dem Völkermord entkommen. Sie verstirbt am 1. Juni 1973.
Rosetta Wolff führt zunächst mit ihren Söhnen das Geschäft ihres Mannes in der Leerer Landstraße 18 weiter. Im Juli 1934 zieht sie mit ihrem Sohn Martin und dessen Familie nach Sandhorst in das Gut Eschen.
Später zieht sie zu ihrem Sohn Abraham nach Emden. Im Oktober 1941 wird Rosetta in das jüdische Altenheim in Emden, Klaas-Tholen-Straße 19, gebracht und von dort am 23.10.1941 über Berlin in das Ghetto in Lodz (Litzmannstadt) deportiert. Dort wird sie im Alter von 78 Jahren am 8.12.1941 ein Opfer der unmenschlichen Lebensbedingungen. Daran erinnert eine Gedenktafel an der Mauer des jüdischen Friedhofes in Lodz.

 

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Die Stolpersteine für Familie Wolffs vor dem Haus Leerer Landstraße 18

Niederlegung von weißen Rosen

Gedenktafeln an der Mauer des jüdischen Friedhofs im polnischen Lodz

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Fotos Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Werner Hinrichs
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

 

 

Joseph Seckels

Veröffentlicht: 9. April 2010 von westermayer in Verlegung

Joseph SECKELS
geboren am 18. Januar 1861 in Aurich

Straße: Osterstraße 30
Todesdatum: 25. Februar 1936
Todesort: Aurich
Joseph Seckel Seckels wird 18. Januar 1861 in Aurich als Sohn von Joseph Jacob Feibelmann Seckels (*20.03.1823 Aurich +1.02.1900 Aurich) und Dine Moses Seckels geb. Cohen (*6.02.1823 Neustadtgödens +16.96.1908 Aurich) geboren.
Am 18. November 1890 heiratet Joseph die drei Jahre jüngere Sophie Isenburger (*13.07.1864 Friedberg) aus Friedberg in Hessen. Die Hochzeit wird in Friedberg gefeiert, danach zieht Sophie aus dem Wetterau-Kreis nach Ostfriesland. Aurich wird ihr nicht ganz unbekannt gewesen sein, denn ihre ältere Schwester Minna Eva, genannt Emma, hatte den Auricher Kaufmann Moses Feibelmann Seckels (geb. 25.11.1857) geheiratet.
In Aurich ziehen Joseph Seckel und Sophie Seckels in das Haus des Vaters/Schwiegervaters Joseph Jakob Seckels mit ein, der hier in der Osterstraße 30 spätestens seit 1887 wohnte und sein Geschäft betrieb. Wohl gemeinsam mit seinem Sohn Joseph Seckel betreibt er ein „Manufaktur- und Modewarengeschäft“ (vgl. Eintrag Adressbuch Aurich 1926). Sophie und Joseph Seckel ziehen drei Töchter und einen Sohn groß:
– Jacob Seckel, geb. 22.9.1891
– Elise, geb. 12.11.1892, verh. Halpern
– Georgine, geb. 21.11.1893, verh. Haberer
– Ottilie, geb. 6.5.1898, verh. Gottschalk

Der Sohn Jakob Seckels arbeitet ebenfalls in dem Geschäft seines Vaters und Großvaters. Im Jahr 1928 heiratet er Gitta Wolff aus Frielingen Krs. Ziegenhain. Sie zieht zu ihm nach Aurich in die Osterstr. 30. Gitta Wolff (lt. Geburtsurkunde „Gieta“) wird am 1. April 1896 als Tochter des Handelsmannes Salomon Wolff und seiner Ehefrau Bertha Wolff geb. Levisohn in Frielendorf im Haus Nr. 109 geboren.

Jacob und Gitta hatten keine Kinder. Nach der Flucht in die USA betreuen sie Pflegekinder, darunter auch den Sohn von Jacobs Schwester Georgine, Joseph Haberer.

Am  27.  März  1937  hat Jakob Seckels mit  seiner Frau Gitta  Aurich verlassen. Sein Elternhaus, bei dem es sich gleichzeitig auch um  ein  Manufakturen-  und  Bekleidungsgeschäft  in  der  Osterstraße  30  handelt,  war  kurz  zuvor  von  seiner  Mutter  Sophie  Seckels  verkauft  worden.  Dieser  Verkauf  und  der  Wille,  der  Heimatstadt  Aurich  fast  fluchtartig den Rücken zu kehren,  sind als Folgen des Boykotts zu verstehen,  zu dem die  Auricher am 20. Juli 1935 in der OTZ, der Ostfriesischen Tageszeitung, dem wichtigsten Propagandaorgan der NSDAP in Ostfriesland, aufgerufen worden waren.  Der Name der Familie Seckels stand in diesem  Boykott-Aufruf und machte eine Zukunft in Aurich zunichte.

Als Joseph Seckel Seckels an den Folgen eines vermutlich absichtlich herbeigeführten Verkehrsunfalls durch „Braunhemden“ am 25. Februar 1936 verstirbt,  bleibt seiner Frau Sophie, sowie seinem Sohn Jacob und dessen Frau Gitta Seckels nichts anderes übrig, als die Koffer zu packen. Sophie Seckels, die am 27. März 1937 zu ihrer Tochter Ottilie Gottschalk nach Krefeld  zieht, muss Krefeld  am 22 Sohn April 1942 gemeinsam mit ihrer Tochter Ottilie und deren Tochter Henriette (*19.09.1927) in einem Deportationszug mit 900 Juden mit dem Ziel „Durchgangsghetto“ Izbica in Polen verlassen. Der Zug erreicht Izbica am 24.April 1942. Dann verlieren sich die Spuren von Sophie, Ottilie und Henriette. Dem Ehemann von Ottilie, Emmanuel Gottschalk, gelingt noch am 31.10.1938 die Flucht nach Mexico/Cuba. Frau und Kind können ihm nicht mehr folgen.

Auch die beiden anderen Töchter von Joseph und Sophie werden Opfer des Völkermordes. Elise heiratet Sally Halpern und zieht nach Konstanz. Am 28.06.1939 flieht die Familie nach Brüssel, wird dort aber interniert, am 20.09.1943 ab Mechelen nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Georgine heiratet am 31. Oktober 1927 Berthold Haberer (1882-1942) aus Villingen und zieht zu ihm in den Schwarzwald. Ihr Sohn Joseph wird am 31.Januar 1929 geboren, seine Eltern schicken Joseph mit einem Kindertransport im Dezember 1938 nach England.  Die Eltern werden am 22.10.1940 ab Baden in das Internierungslager in Gurs (Frankreich) deportiert, von dort am 10.08.1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Jacob, dem ältesten Kind von Joseph und Sophie Seckles, und seiner Frau Gitta Seckels  gelingt es, vor August 1939 in die USA zu  emigrieren. In Oakland, California, nimmt das kinderlose Paar Jugendliche auf, u.a. auch ihren Neffen Joseph Haberer, Sohn der Schwester Georgine aus Villingen, der durch Kindertransporte nach England gerettet werden konnte.
Josef Haberer absolviert erfolgreich die Highschool, nimmt seine Universitätskariere auf und wird Professor für Politik. Im Bundesstaat Indiana übernimmt er die Leitung der Jüdischen Schulen.
Als Ziehsohn Joseph Haberer im Jahr 2009 seinen Heimatort  Villingen im Schwarzwald  besucht, gibt er Schülerinnen und Schülern folgendes mit auf den Weg:
„Sogar Schüler können helfen, Hass und Vorurteile verschwinden zu lassen. Wenn Du Vorurteilen begegnest, spreche sie an, sitze nicht herum, sag etwas oder tu etwas! Mache Dich nicht geringer als Du bist. Du kannst mehr tun, als Du denkst.“(Joseph Haberer 2009)

Eine ausführliche Darstellung der Biografie der Familie Seckels findet sich bei der Biografie von Sophie Seckels auf dieser Homepage.

Recherche: Jugend Projektgruppe der Matthäusgemeinde Wallinghausen
Eingabe und Ergänzungen: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 8.04.2020)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: – StAA: Rep. 16/2, Nr. 1606; Rep. 107, Nrn. 1321, 2672 Rep. 251, Nrn. 392, 784; – Dep. 34 B, Nrn. 56, 1356.

http://www.villingen-schwenningen.de/statdtarchiv/joseph-haberer-preis/joseph-haberer.html

– Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 (http://www.bundesarchiv.de)

Literatur: http://www.pro-stolpersteine-vs.de/biographien/BIO_3_haberer-berthold-u-georgine/index.php
https://virtuellestolpersteine.wordpress.com/judische-familien/familie-berthold-haberer/

https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs#Deutschland

http://www.bildungswerk-ks.de/izbica/deportationen-von-und-nach-izbica-1

Patenschaft: DIG-Ostfriesland
Verlegetermin: 16. November  2019

 

 

 

Jacob Seckels

Veröffentlicht: 9. April 2010 von westermayer in Verlegung

Jacob SECKELS
geboren am 22. September 1891 in Aurich

Straße: Osterstraße 30
Todesdatum: Flucht in die USA am 27. März 1937
Todesort:  
Als ältester Sohn der Eltern Sophie (*18.07.1864 +1942?) und Joseph  Seckel  Seckels  (*18.01.1861 +25.02.1936) wird  Jacob  Seckels am 22.  September 1891 in Aurich in eine alte Kaufmanns-  und Bankiersfamilie geboren. Ihm folgen die drei Schwestern Elise, Georgine und Ottilie.

Sein Vater Joseph Seckel Seckels wird 18. Januar 1861 in Aurich als Sohn von Joseph Jacob Feibelmann Seckels (*20.03.1823 Aurich +1.02.1900 Aurich) und Dine Moses Seckels geb. Cohen (*6.02.1823 Neustadtgödens +16.96.1908 Aurich) geboren.

Am 18. November 1890 heiratet Joseph die drei Jahre jüngere Sophie Isenburger (*13.07.1864 Friedberg) aus Friedberg in Hessen. Die Hochzeit wird in Friedberg gefeiert, danach zieht Sophie aus dem Wetterau-Kreis nach Ostfriesland. Aurich wird ihr nicht ganz unbekannt gewesen sein, denn ihre ältere Schwester Minna Eva, genannt Emma, hatte den Auricher Kaufmann Moses Feibelmann Seckels (geb. 25.11.1857) geheiratet.

In Aurich ziehen Joseph Seckel und Sophie Seckels in das Haus des Vaters/Schwiegervaters Joseph Jakob Seckels mit ein, der hier in der Osterstraße 30 spätestens seit 1887 wohnte und sein Geschäft betrieb. Wohl gemeinsam mit seinem Sohn Joseph Seckel betreibt er ein „Manufaktur- und Modewarengeschäft“ (vgl. Eintrag Adressbuch Aurich 1926). Sophie und Joseph Seckel ziehen drei Töchter und einen Sohn groß:
– Jacob Seckel, geb. 22.9.1891
– Elise, geb. 12.11.1892, verh. Halpern
– Georgine, geb. 21.11.1893, verh. Haberer
– Ottilie, geb. 6.5.1898, verh. Gottschalk

Der Sohn Jakob Seckels arbeitet ebenfalls in dem Geschäft seines Vaters und Großvaters. Im Jahr 1928 heiratet er Gitta Wolff aus Frielingen Krs. Ziegenhain. Sie zieht zu ihm nach Aurich in die Osterstr. 30. Gitta Wolff (lt. Geburtsurkunde „Gieta“) wird am 1. April 1896 als Tochter des Handelsmannes Salomon Wolff und seiner Ehefrau Bertha Wolff geb. Levisohn in ihrem Haus in Frielendorf im Haus Nr. 109 nachmittags geboren.

Kinder haben die beiden keine. Nach der Flucht in die USA betreuen sie Pflegekinder, darunter auch den Sohn von Jacobs Schwester Georgine, Joseph Haberer.

Am  27.  März  1937  hat Jakob Seckels mit  seiner Frau Gitta  Aurich verlassen. Sein Elternhaus, bei dem es sich gleichzeitig auch um  ein  Manufakturen-  und  Bekleidungsgeschäft  in  der  Osterstraße  30  handelte,  war  kurz  zuvor  von  seiner  Mutter  Sophie  Seckels  verkauft  worden.  Dieser  Verkauf  und  der  Wille,  der  Heimatstadt  Aurich  fast  fluchtartig den Rücken zu kehren,  sind als Folgen des Boykotts zu verstehen,  zu dem die  Auricher am 20. Juli 1935 in der OTZ, der Ostfriesischen Tageszeitung, dem wichtigsten Propagandaorgan der NSDAP in Ostfriesland, aufgerufen worden waren.  Der Name der Familie Seckels stand in diesem  Boykott-Aufruf und machte eine Zukunft in Aurich zunichte.

Als Joseph Seckel Seckels an den Folgen eines vermutlich absichtlich herbeigeführten Verkehrsunfalls durch „Braunhemden“  am 25. Februar 1936 verstirbt,  bleibt seiner Frau Sophie, sowie seinem Sohn Jacob und dessen Frau Gitta Seckels nichts anderes übrig, als die Koffer zu packen. Sophie Seckels, die am 27. März 1937 zu ihrer Tochter Ottilie Gottschalk nach Krefeld  zieht, muss Krefeld  am 22 Sohn April 1942 gemeinsam mit ihrer Tochter Ottilie und deren Tochter Henriette (*19.09.1927) in einem Deportationszug  mit 900 Juden mit dem Ziel „Durchgangsghetto“ Izbica in Polen verlassen. Der Zug erreicht Izbica am 24.April 1942. Dann verlieren sich die Spuren von Sophie, Ottilie und Henriette. Dem Ehemann von Ottilie, Emmanuel Gottschalk, gelingt noch am 31.10.1938 die Flucht nach Mexico/Cuba. Frau und Kind können ihm nicht mehr folgen.

Auch die beiden anderen Töchter von Joseph und Sophie werden Opfer des Völkermordes. Elise heiratet Sally Halpern und zieht nach Konstanz. Am 28.06.1939 flieht die Familie nach Brüssel, wird dort aber interniert, am 20.09.1943 ab Mechelen nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Georgine heiratet am 31. Oktober 1927 Berthold Haberer (1882-1942) aus Villingen und zieht zu ihm in den Schwarzwald. Ihr Sohn Joseph wird am 31.Januar 1929 geboren, seine Eltern schicken Joseph mit einem Kindertransport im Dezember 1938 nach England.  Die Eltern werden am 22.10.1940 ab Baden in das Internierungslager in Gurs (Frankreich) deportiert, am von dort 10.08.1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Jacob, dem ältesten Kind von Joseph und Sophie Seckles,  und seiner Frau Gitta  Seckels  gelingt  es,  vor August 1939 in die USA zu  emigrieren. In Oakland, California, nimmt das kinderlose Paar Jugendliche auf, u.a. auch ihren Neffen Joseph Haberer, Sohn der Schwester Georgine aus Villingen, der über die Kindertransporte nach England gerettet werden konnte.
Josef Haberer absolviert erfolgreich die Highschool, nimmt seine Universitätskariere auf und wird Professor für Politik. Im Bundesstaat Indiana übernimmt er die Leitung der Jüdischen Schulen.
Als Ziehsohn Joseph Haberer im Jahr 2009 seinen Heimatort  Villingen im Schwarzwald  besucht, gibt er Schülerinnen und Schülern folgendes mit auf den Weg:
„Sogar Schüler können helfen, Hass und Vorurteile verschwinden zu lassen. Wenn Du Vorurteilen begegnest, spreche sie an, sitze nicht herum, sag etwas oder tu etwas! Mache Dich nicht geringer als Du bist. Du kannst mehr tun, als Du denkst.“(Joseph Haberer 2009)

Eine ausführliche Darstellung der Biografie der Familie Seckels findet sich bei der Biografie von Sophie Seckels auf dieser Homepage.

Recherche: Jugend Projektgruppe der Matthäusgemeinde Wallinghausen
Eingabe und Ergänzungen: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 8.04.2020)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: – StAA: Rep. 16/2, Nr. 1606; Rep. 107, Nrn. 1321, 2672 Rep. 251, Nrn. 392, 784; – Dep. 34 B, Nrn. 56, 1356.

http://www.villingen-schwenningen.de/statdtarchiv/joseph-haberer-preis/joseph-haberer.html

– Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 (http://www.bundesarchiv.de)

Literatur: http://www.pro-stolpersteine-vs.de/biographien/BIO_3_haberer-berthold-u-georgine/index.php
https://virtuellestolpersteine.wordpress.com/judische-familien/familie-berthold-haberer/

https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs#Deutschland

http://www.bildungswerk-ks.de/izbica/deportationen-von-und-nach-izbica-1

Patenschaft: Jugend Projektgruppe der Matthäusgemeinde Wallinghausen
Verlegetermin: 16. November  2019

 

 

 

Gitta Seckels geb. Wolff

Veröffentlicht: 9. April 2010 von westermayer in Verlegung

Gitta SECKELS geb. Wolff
geboren am 1. April 1896 in Frielendorf Kr. Zeigenhain (Hessen)

Straße: Osterstraße 30
Todesdatum: Flucht in die USA am 27. März 1937
Todesort:
Gitta Wolff (lt. Geburtsurkunde „Gieta“) wird am 1. April 1896 als Tochter des Handelsmannes Salomon Wolff und seiner Ehefrau Bertha Wolff geb. Levisohn in ihrem Haus in Frielendorf im Haus Nr. 109 geboren.

Im Jahr 1928 heiratet Gitta den Kaufmann Jacob Seckel Seckels und zieht zu ihm nach Aurich in die Osterstr. 30. Kinder haben die beiden keine. Nach der Flucht in die USA betreuen sie Pflegekinder, darunter auch den Sohn ihrer Schwägerin Georgine, Joseph Haberer.

Als ältester Sohn der Eltern Sophie (*18.07.1864 +1942?) und Joseph  Seckel  Seckels  (*18.01.1861 +25.02.1936) wird Jacob  Seckels am 22. September 1891 in Aurich in eine alte  Kaufmanns-  und  Bankiersfamilie  geboren.  Ihm  folgen  die  drei  Schwestern  Jacob, Elise, Georgine und Ottilie.

Sein Vater Joseph Seckel Seckels wird am 18. Januar 1861 in Aurich als Sohn von Joseph Jacob Feibelmann Seckels (*20.03.1823 Aurich +1.02.1900 Aurich) und Dine Moses Seckels geb. Cohen (*6.02.1823 Neustadtgödens +16.96.1908 Aurich) geboren.
Am 18. November 1890 heiratet Joseph die drei Jahre jüngere Sophie Isenburger (*13.07.1864 Friedberg) aus Friedberg in Hessen. Die Hochzeit wird in Friedberg gefeiert, danach zieht Sophie aus dem Wetterau-Kreis nach Ostfriesland. Aurich wird ihr nicht ganz unbekannt gewesen sein, denn ihre ältere Schwester Minna Eva, genannt Emma, hatte den Auricher Kaufmann Moses Feibelmann Seckels (geb. 25.11.1857) geheiratet.
In Aurich ziehen Joseph Seckel und Sophie Seckels in das Haus des Vaters/Schwiegervaters Joseph Jakob Seckels mit ein, der hier in der Osterstraße 30 spätestens seit 1887 wohnte und sein Geschäft betrieb. Wohl gemeinsam mit seinem Sohn Joseph Seckel betreibt er ein „Manufaktur- und Modewarengeschäft“ (vgl. Eintrag Adressbuch Aurich 1926). Sophie und Joseph Seckel ziehen drei Töchter und einen Sohn groß:
– Jacob Seckel, geb. 22.9.1891
– Elise, geb. 12.11.1892, verh. Halpern
– Georgine, geb. 21.11.1893, verh. Haberer
– Ottilie, geb. 6.5.1898, verh. Gottschalk

Der Sohn Jakob Seckels arbeitet ebenfalls in dem Geschäft seines Vaters und Großvaters.
Am  27.  März  1937  hat Jakob Seckels mit  seiner Frau Gitta  Aurich verlassen. Sein Elternhaus, bei dem es sich gleichzeitig auch um  ein  Manufakturen-  und  Bekleidungsgeschäft  in  der  Osterstraße  30  handelte,  war  kurz  zuvor  von  seiner  Mutter  Sophie  Seckels  verkauft  worden.  Dieser  Verkauf  und  der  Wille,  der  Heimatstadt  Aurich  fast  fluchtartig den Rücken zu kehren,  sind als Folgen des Boykotts zu verstehen,  zu dem die  Auricher am 20. Juli 1935 in der OTZ, der Ostfriesischen Tageszeitung, dem wichtigsten Propagandaorgan der NSDAP in Ostfriesland, aufgerufen worden waren.  Der Name der Familie Seckels stand in diesem  Boykott-Aufruf und machte eine Zukunft in Aurich zunichte.

Als Joseph Seckel Seckels an den Folgen eines vermutlich absichtlich herbeigeführten Verkehrsunfalls durch „Braunhemden“  am 25. Februar 1936 verstirbt,  bleibt seiner Frau Sophie, sowie seinem Sohn Jacob und dessen Frau Gitta Seckels nichts anderes übrig, als die Koffer zu packen. Sophie Seckels, die am 27. März 1937 zu ihrer Tochter Ottilie Gottschalk nach Krefeld  zieht, muss Krefeld  am 22 Sohn April 1942 gemeinsam mit ihrer Tochter Ottilie und deren Tochter Henriette (*19.09.1927) in einem Deportationszug  mit 900 Juden mit dem Ziel „Durchgangsghetto“ Izbica in Polen verlassen. Der Zug erreicht Izbica am 24.April 1942. Dann verlieren sich die Spuren von Sophie, Ottilie und Henriette. Dem Ehemann von Ottilie, Emmanuel Gottschalk, gelang noch am 31.10.1938 die Flucht nach Mexico/Cuba. Frau und Kind konnten ihm nicht mehr folgen.

Auch die beiden anderen Töchter von Joseph und Sophie werden Opfer des Völkermordes. Elise heiratet Sally Halpern und zieht nach Konstanz. Am 28.06.1939 flieht die Familie nach Brüssel, wird dort aber interniert, am 20.09.1943 ab Mechelen nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Georgine heiratet am 31. Oktober 1927 Berthold Haberer (1882-1942) aus Villingen und zieht zu ihm in den Schwarzwald. Ihr Sohn Joseph wird am 31.Januar 1929 geboren, seine Eltern schicken Joseph mit einem Kindertransport im Dezember 1938 nach England.  Die Eltern werden am 22.10.1940 ab Baden in das Internierungslager in Gurs (Frankreich) deportiert und am 10.08.1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Jacob, dem ältesten Kind von Joseph und Sophie Seckles,  und seiner Frau Gitta  Seckels gelingt es, vor August 1939 in die USA zu  emigrieren. In Oakland, California, nimmt das kinderlose Paar Jugendliche auf, u.a. auch ihren Neffen Joseph Haberer, Sohn der Schwester Georgine aus Villingen, der über die Kindertransporte nach England gerettet werden konnte.
Josef Haberer absolviert erfolgreich die Highschool, nimmt seine Universitätskariere auf und wird Professor für Politik. Im Bundesstaat Indiana übernimmt er die Leitung der Jüdischen Schulen.
Als Ziehsohn Joseph Haberer im Jahr 2009 seinen Heimatort  Villingen im Schwarzwald  besucht, gibt er Schülerinnen und Schülern folgendes mit auf den Weg:
„Sogar Schüler können helfen, Hass und Vorurteile verschwinden zu lassen. Wenn Du Vorurteilen begegnest, spreche sie an, sitze nicht herum, sag etwas oder tu etwas! Mache Dich nicht geringer als Du bist. Du kannst mehr tun, als Du denkst.“ (Joseph Haberer 2009)

Eine ausführliche Darstellung der Biografie der Familie Seckels findet sich bei der Biografie von Sophie Seckels auf dieser Homepage.

Recherche: Jugend Projektgruppe der Matthäusgemeinde Wallinghausen
Eingabe und Ergänzungen: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 8.04.2020)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Geburtsurkunde Gieta Wolff: https://digitalisate-he.arcinsys.de/hstamr/920/1552/max/00016.jpg

– StAA: Rep. 16/2, Nr. 1606; Rep. 107, Nrn. 1321, 2672 Rep. 251, Nrn. 392, 784; – Dep. 34 B, Nrn. 56, 1356.

http://www.villingen-schwenningen.de/statdtarchiv/joseph-haberer-preis/joseph-haberer.html

– Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 (http://www.bundesarchiv.de)

Literatur: http://www.pro-stolpersteine-vs.de/biographien/BIO_3_haberer-berthold-u-georgine/index.php
https://virtuellestolpersteine.wordpress.com/judische-familien/familie-berthold-haberer/https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs#Deutschlandhttp://www.bildungswerk-ks.de/izbica/deportationen-von-und-nach-izbica-1
Patenschaft: Bernhard Siebelds
Verlegetermin: 16. November  2019

Else Inge Hess verh. de Lichtenstein

Veröffentlicht: 20. März 2010 von westermayer in Verlegung

Else Inge HESS verh. de Lichtenstein
geboren am 2. März 1930 in Aurich

Straße: Marktplatz 15
Todesdatum: 27.03.1939 Flucht nach Argentinien, verstorben 2015
Todesort:
Else Hess verh. Lichtenstein wurde am 2.03.1930 in Aurich geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Joseph Hess (*3.03.1871 in Papenburg) und Rosel Hess geb. Rothschild (*10.11.1889 in Waltersbrück bei Fritzlar). Else Hess wuchs zunächst in Aurich auf, floh dann mit ihren Eltern im März 1939 vor den Repressalien im Nazi-Deutschland nach Argentinien und gründete dort mit Bert Lichtenstein eine Familie.

Hier die Geschichte der Familie Joseph Hess:

Das Haus, in dem früher die Familie Hess gelebt hat, steht heute nicht mehr – es wurde abgerissen. Früher war hier am Marktplatz 15 das Warenhaus J.M. Valk und Söhne. Das Haus und das Geschäft gehörten Joseph Hess. Das Geschäft war eine Filiale eines großen und damals sehr bekannten Emder Kaufhauses. Filialen gab es auch in Norden (Neuerweg) und Jever (Neuestraße).

Joseph Hess kam eigentlich aus Papenburg. Er wurde 1871 dort geboren. Seine Eltern waren Moses Jacob Hess (*29.09.1829 in Nieuweschans +18.04.1904 Bunde) und Bertha geb. Rosenbaum (*1837 in Papaenburg +6.07.1931 in Bunde). Joseph hatte sieben Geschwister: sechs Brüder und eine Schwester.

Jacob Moses Hess *7.07.1861 Papenburg + 1942 Treblinka
Abraham Hess *18.06.1863 Papenburg *2.10.1874 Papenburg
Isaak Hess *19.03.1865 Papenburg
Samuel Hess *11.02.1867 Papenburg
Aaron Hess *14.03.1869 Papenburg
Friederike Hess verh. Lachmann *12.09.1873 Papenburg +7.01.1942 Lodz (Stolperstein)
David Hess *6.10.1876 +23.07.1943 Theresienstadt (Stolperstein)

Zwei seiner Geschwister, seine kleine Schwester Friederike und sein jüngerer Bruder David, zogen auch nach Aurich. Für Friederike und ihren Mann Moritz wurden vor diesem Haus schon Stolpersteine verlegt, denn sie lebten zuletzt hier in Josephs Haus. David und seine Familie wohnten zuletzt in der Julianenburger Straße 3. Auch für sie wurden bereits Stolpersteine verlegt.

Joseph Hess heiratete 1929 Rosel Rothschild (*10.11.1889) aus Waltersbrück bei Fritzlar – das ist in Hessen. Wie die beiden sich kennengelernt haben, haben wir nicht herausfinden können. Rosel war die Tochter von Seligmann (1848-1925) und Hannchen Rothschild geb. Katzenstein aus Frankenau (1858-1932). Auch sie hatte viele Geschwister, nämlich acht.

Ein Jahr nach ihrer Hochzeit bekamen Rosel und Joseph ein Baby: Ihre Tochter Else Inge wurde am 2. März 1930 geboren. Als Else drei Jahre alt war, kam Adolf Hitler in Deutschland an die Macht. Ab da wurde das Leben für Joseph, Rosel und Else in Aurich schwieriger. Es kauften z.B. immer weniger Leute im Kaufhaus von Joseph ein. Joseph überlegte schließlich, aus Aurich wegzuziehen, besonders, nachdem die Synagoge niedergebrannt worden war: Die jüdischen Männer waren in dieser Nacht alle verhaftet worden, die meisten wurden zwei Tage später in ein Konzentrationslager gebracht. Auch Joseph wurde verhaftet, weil er aber schon 67 Jahre alt war, durfte er am nächsten Morgen gehen.
In und nach der Pogromnacht wurden am 10.11. 1938 von der SA-Standarte 63 auch das Warenlager der Firma von Joseph Hess im Wert von 35 – 40.000 Reichsmark ausgeraubt.

Sicher hat Joseph spätestens nach den Ereignissen in der Reichspogromnacht beschlossen, Aurich zu verlassen. Sein Plan war, in die Niederlande auszuwandern und dort ein neues Geschäft zu eröffnen. Zum Glück hat seine Frau Rosel ihn davon abgehalten. Sie fürchtete zu Recht, dass die Familie auch in Holland nicht in Sicherheit wäre. Ein halbes Jahr später, am 27. März 1939, wanderten Joseph, Rosel und Else mit der „Monte Rosa“ nach Südamerika aus.

Eigentlich wollten sie nicht weg, schon gar nicht in ein ganz fremdes, tausende von Kilometern entferntes Land. Else war gerade einmal neun Jahre alt. Keiner aus der Familie sprach Spanisch. Sie wussten nicht, was sie erwartet. Es muss für sie sehr schwierig und traurig gewesen sein.

Viel Geld durften sie auch nicht mitnehmen: Gerade einmal 30 Reichsmark. Und das, obwohl Joseph das große Haus am Marktplatz für über 10.000 Reichsmark verkauft hatte (und eigentlich war das Haus sogar noch viel mehr Geld wert gewesen!). Aber die Nationalsozialisten erlaubten nicht, dass sie ihr Geld mitnahmen.

Der Start in Argentinien war schwer – zugleich war die Familie aber auch froh, dort nun in Sicherheit zu sein. Drei Schwestern von Rosel waren auch nach Argentinien ausgewandert, sodass sie sich gegenseitig etwas unterstützen konnten. Auch von der jüdischen Gemeinde gab es Hilfe. Else wuchs nun in Argentinien auf. Sie heiratete Bert Lichtenstein und bekam einen Sohn, Roberto, der bei der Verlegung der Stolpersteine für seine Familie anwesend war und der seine Familie und ihr Schicksal näher vorstellte.

Nach Kriegsende versucht die Familie Hess, einen Ausgleich für die 1938 geraubten Waren und das unter Wert an die Stadt Aurich verkaufte Haus zu erlangen. Die Ermittlungen wegen der verschwundenen Waren werden eingestellt, eine Rückerstattung geraubter Waren wird abgewiesen, da nicht nachweisbar. Die Stadt wehrt sich nachdrücklich gegen Rückerstattungsforderungen.

Bei der Solpersteinverlegung am 19.09.2018 hielt der Sohn von Else Hess verh. de Lichtenstein, Roberto Lichtenstein, diese Ansprache:

Osten und Westen

Liebe Anwesende,

vor ca 7 Jahren wurden die Stolpersteine meiner Grosstante Friederike und Grossonkel Moritz Lachmann verlegt. Damals schrieb ich über den Tod, der sie im Osten erwartete. Diesmal möchte ich über den Weg zum Westen berichten, der für meine Grosseltern Joseph und Rosel und meiner Mutter Else Inge das Leben bedeutete.

Aber bevor sie auswanderten, mussten sie noch Schlimmes über sich ergehen lassen. Mein Mutter Else Inge erzählte mir von der Kristallnacht im November 1938, wo die Juden von Aurich mit zusehen mussten, wie die Nazis die Synagoge niederbrannten. Meine Mutter marschierte gerade vorbei als das Dach der Synagoge einbrach. Sie hat dann jahrelang keine Streichhölzer mehr angefasst, so beindruckt war sie von diesem Ereignis.

Sie erzählte mir auch wie sehr sie gelitten hat, bis ihr Vater, der zusammen mit allen Männern verhaftet worden war, am nächsten Tag wegen seines fortgeschrittenen Alters freigelassen wurde.

Die Reise gen Westen war nicht so ganz ohne. Mein Grossvater Josef wollte eigentlich nur nach Holland auswandern und dort ein Kohlegeschäft einrichten. Meine Grossmutter Rosel hat aber gesagt „aus diesem Kontinent müssen wir weg“, und so hat der gesunde Menschenverstand über den Tod triumphiert.

Als es dann soweit war, sind sie mit dem Schiff „Monterosa“ von Hamburg aus nach Südamerika gereist. Kurz nach der Abfahrt war die ganze Familie auf Deck und mein Grossvater war auf einmal verschwunden. Als sie in fanden, hat er geweint, in tiefer Trauer seine Heimat verlassen zu müssen.

In Buenos Aires angekommen, zogen sie in eine Wohnung in einem abgelegenen und nicht gerade schönen Viertel der Grosstadt Buenos Aires. Sie hatten Untermieter und mein Grossvater hatte im Stadtzentrum einen Job. Meine Mutter erzählte, dass er für die Reise 10 Cents bekam, die Strassenbahn jedoch nur 8 Cents kostete und er sich für die zwei restlichen Cents einen Expresso gönnte.

Es müssen schwere Jahre gewesen sein, nicht nur eine fremde Sprache, überhaput ist Argentinien so anders als Deutschland und kurz nach Kriegsende fing im Land gar auch noch der Populismus an. Aber ein Teil der Familie meiner Grossmutter war auch im Land, das hat es wahrscheinlich leichter gemacht. Trotz alle dem war meine Mutter dem Land Argentinien immer dankbar, dass es die Familie grosszügig aufgenommen hatte.

Wie zuvor berichtet, durften meine Grosseltern nur 30 Reichmark Bargeld mitnehmen. Sie durften jedoch einen Container packen, wo Geschirr, Bestecke, Kleidung verpackt wurde. Ein Teil davon wurde gestohlen oder zerbrach, aber nicht alles. So konnte meine Mutter zu den jüdischen Festtagen ihre Kochkünste auf schönstem Geschirr aufführen.

Meine Mutter ging dann in die Schule und fing danach an zu arbeiten. Ende der Fünfziger Jahre bekamen sie auch eine Wiedergutmachung, mit der sie ein Appartment in einem schöneren Viertel kauften, das immer noch im Besitz der Familie ist. Günther und Elfried haben die Wohnung kennengelernt.

Kurz danach machte meine Mutter eine Reise nach USA, wo sie ihre Cousins, die Söhne von Friederike und Moritz Lachmann, besuchte. Ein unvorstellbares Abenteur mit dem Flugzeug das unzählige Male stoppte und Sauerstoffmaske zur Standardausrüstung der Reisenden gehörten und auch benutzt wurden. Der Kontakt mit ihnen wurde aufrecht erhalten und wir besuchten sie ein paar Mal, auch einmal mit meiner Frau Andrea.

Inzwischen hatte mein Mutter auch meinen Vater kennengelernt und dann geheiratet. Ich kam 1962 zur Welt und kurz danach verstarb mein Grossvater Joseph mit 92 Jahren. Ich weiss, dass er sich sehr über mich gefreut hat, aber ich kann mich leider nicht an ihn erinnern.

Zuhause wurde Deutsch gesprochen, meine Grossmutter hat nie Spanisch gelernt, hat sich aber trotzdem durchgeschlagen. Ich selbst habe zuerst Deutsch gesprochen und dann Spanisch im Kindergarten gelernt. Danach ging ich 15 Jahre in eine deutsche Schule, die zu der Zeit mehrheitlich von jüdischen Schülern besucht wurde.

Als ich 13 Jahre alt war, erlebte meine Grossmutter noch meine Bar Mitzwa, verstarb dann 85-jährig im Deutschen Hospital. Ich studierte dann in Argentinien, heiratete dann meine Frau Andrea und wir hatten zwei Kinder, von denen unsere Tochter Tamara heute dabei ist. Unser Sohn Ariel ist zur Zeit in Argentinien. Sie gingen beide in eine jüdische Schule und sprechen leider kein Deutsch, was übrigens ausschliesslich meine Schuld ist.

Meine Mutter war trotz ihres starken Charakters eine liebevolle Person, sehr grosszügig und humorvoll. Sie ist vor drei Jahren in einem jüdischem Altersheim verstorben. Noch bis zuletzt haben ihre Augen geleuchtet, als sie mich kommen sah.

Und so habe ich in Kurzfassung von der Auswanderung meiner Familie gen Westen berichtet.

Ich möchte mich bedanken, dass sie alle hier dieser Stolpersteinverlegung beiwohnen und natürlich Herrn Günther Demnig, der das ganze ins Rollen brachte.

Besonders zu diesen Zeiten, wo in Deutschland der Antisemitismus wieder präsent ist, ist es so besonders wichtig, dass das schreckliche Kapitel des Nationalsozialismus nicht vergessen wird.

Vielen Dank

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 20.03.2020)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Rep. 251, Nr. 75 / Rep. 251, Nr. 75/ Rep. 251, Nr. 1743/ Rep. 107, acc. 2009/075, Nr. 2624
Literatur:
Patenschaft: Sparkasse Aurich-Norden
Verlegetermin: 19. September  2018