Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Hermann Altberger

Veröffentlicht: 13. Mai 2010 von westermayer in Verlegung

Hermann ALTBERGER
geboren am 25. Oktober 1913 in Dudelange, Luxemburg

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: Flucht nach Argentinien, verstorben am 11. November 1986
Todesort: Monigotes, Santa Fe, Argentinien
Um die Familiengeschichte Hermann Altbergers nachzuvollziehen, muss man eigentlich einen dicken Atlas dabei haben, denn sie führt uns kreuz und quer durch Europa und auch noch nach Südamerika. Sein Vater Lazar (vom biblischen  Lazarus), der auch Ludwig genannt wurde, stammte aus Ruthenien, einer armen Gegend der früheren österreich-ungarischen Monarchie. Vater Ludwig wurde am 11. Dezember 1876 im Städtchen Beregszasz geboren, das in den letzten 150 Jahren viele Male seinen Namen gewechselt hat und zu ganz verschiedenen Ländern gehörte. Heute liegt die Stadt in der Ukraine nahe der Grenze zu Ungarn. Die Mehrheit der Einwohner dort hatte ungarische Wurzeln und es gab sehr viele jüdische Familien dort. In einem amerikanischen Reisebericht  heißt es, dass die jüdische Bevölkerung für ihre Frömmigkeit genauso bekannt war wie für ihre Armut. Auch Hermann Altbergers Mutter Regine Elias stammte aus dieser Gegend, sie wurde in einem Dorf namens Belky gar nicht weit von Beregszasz entfernt am 15. August 1877 geboren.

Viele Familien zogen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem armen und rückständigen Ruthenien fort und versuchten anderswo ihr Glück zu machen. Diesen Entschluss fassten auch die Eheleute Hermann und Regine Altberger, um sich selbst und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Mit vier Kindern (Max, Paula, Arnold, Sidonie) verließen sie – wahrscheinlich 1910 – ihre Heimat und siedelten sich zunächst in Frankfurt am Main an,  wo die Kinder Rosa und Samuel geboren wurden. Von hier aus ging die Familie ins luxemburgische Dudelange (Dücklingen), wo 1913 das siebte Kind, der uns besonders interessierende Hermann, geboren wurde. Als der kleine Hermann vier Wochen alt war, zog die Familie wieder um, dieses Mal nach Eschweiler. Dort begründete die Familie ein „Partiewarenhaus“ und gehörte mit ihrem Geschäft bald zu den erfolgreichsten Geschäftsleuten der Stadt. „Partiewarenhäuser“ nannte man damals Rest- und Sonderpostenmärkte. 1918 wurde Tochter Johanna geboren, 1919 Sohn Karl (Ruben). Aus dem Partiewarenhaus wurde ein ansehnliches Fachgeschäft für Bekleidung, Stoffe und Schuhe. Über die Firmengeschichte gibt es noch sehr viel Material.

Hermann besuchte die jüdische Grundschule in Eschweiler und seine Schwester berichtet in ihren Lebenserinnerungen, dass er sehr viel und gerne gelesen hat, sehr gerne auch die Klassiker der deutschen Literatur.

Alles veränderte sich für die Familie, als Mutter Regina schwer an Krebs erkrankte und schließlich im Alter von 50 Jahren 1927 verstarb. Sohn Hermann war erst 13 Jahre alt damals.

Vater Ludwig entschloss sich, mit den Kindern in seine ruthenische Heimatstadt zurückzukehren, um dort nun ein Geschäft aufzubauen. Damals gehörte die Region zur Tschechoslowakei. Doch das gelang ihm nicht mehr, denn er starb am 13. August 1929 in Brünn im Alter von 52 Jahren. Nun hatten die neun Kinder auch noch ihren Vater verloren und waren zu Vollwaisen geworden – Hermann war nun 15 Jahre alt. Mit einigen seiner Geschwister ging Hermann nun wieder ins Rheinland, um dort eine Lehre zu beginnen. In diesen Jahren half er seinem Bruder Max beim Aufbau von dessen eigenem Textilgeschäft. 1931 – Hermann war jetzt 17 Jahre alt – kam er nach Aurich und arbeitete hier nun als kaufmännischer Angestellter in der Firma H. C. Knurr. Das Geschäft der Familie Knurr war sehr bekannt in und um Aurich für Bekleidung, Pelze, Teppiche, Gardinen und Stoffe. Weil Hermann Altberger damals einen tschechischen Pass hatte, musste er zunächst einen „Befreiungsschein für ausländische Arbeitnehmer“ beantragen, der auch gewährt wurde.

In Aurich lernte er nun seine zukünftige Frau, Erna Wolff, kennen und freundete sich mit einer Gruppe junger Zionisten an, die nach Palästina auswandern wollten. Dieser Idee schloss sich Hermann Altberger in Aurich mit Begeisterung an und gab seine Anstellung in Aurich auf, um sich in Regensburg in Bayern in einem Schulungszentrum auf das zukünftige Leben in einem Kibbuz vorzubereiten. Dort lebte er von Juli 1937 bis Juli 1938.

Nach der Familienüberlieferung waren die Eltern Wolff anfänglich nicht besonders begeistert über den Kontakt ihrer Tochter zu den Palästinabegeisterten jungen Erwachsenen, weil sie nach ihrer Ansicht einen zu lockeren Lebensstil hatten.
In Regensburg erlitt er jedoch eine heftige Ohrenentzündung und sein Gesundheitszeugnis lief ab. Somit war der große Traum der Auswanderung nach Palästina geplatzt.
In Ostfriesland bestand längst Lebensgefahr – dorthin konnte er nicht zurück. Nur für wenige Wochen konnte Hermann Altberger nach Aurich zurückkehren, um seine Verlobte Erna Wolff zu heiraten. Das geschah am 23. August 1938. Gleich darauf wanderte das junge Paar mit den Schwiegereltern Wolff aus und zog nach Argentinien. Dort kamen sie praktisch mittellos an, weil ihnen ihr ohnehin sehr geringes Hab und Gut im Hafen gestohlen worden war.

Erna Altberger geb. Wolff und Tochter Regine Altberger-Gimenez bei der Begegnungswoche in Aurich 1992                          (Foto G. Lübbers)

In Argentinien kam ihnen die Regensburger Schulung für das spätere Leben in Palästina sehr zugute und über das Hilfswerk (Jewish Colonization Association) des Barons Moritz von Hirsch (1831-1896) konnte ein Stück Land erworben werden. Die Familie widmete sich erfolgreich der Viehzucht und lebte in der jüdischen Siedlung Monigotes in der Provinz Santa Fe.
Zwei Kinder wurden geboren, 1941 die Tochter Regina und 1949 der Sohn Ludovico, benannt nach den früh verstorbenen Großeltern Altberger. Hermann  Altberger starb am 11. November 1986, seine Frau Erna am 25. April 2000. Auch ihre Tochter Regina ist bereits am 19. Juni 2007 verstorben. Ludivico ist verheiratet und hat Kinder und Enkelkinder.

Recherche: Konfirmandengruppe der Kirchengemeinde Victorbur
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.05.2020)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: St. Victor Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Erna Altberger geb. Wolff

Veröffentlicht: 13. Mai 2010 von westermayer in Verlegung

Erna ALTBERGER geb. Wolff
geboren am 8. Juni 1915 in Aurich

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: Flucht nach Argentinien, verstorben 25. April 2000
Todesort: Monigotes, Santa Fe, Argentinien
Erna Wolff wurde am 8. Juni 1915 mitten im ersten Weltkrieg in Aurich als Tochter der Eheleute Abraham und Mathilde Wolff geb. Katz geboren. Ihre Familie war in Aurich sehr angesehen. Während Vater Abraham Isaak Wolff ein gebürtiger Auricher war (geboren am 7.07.1883), stammte seine Ehefrau Mathilde geb. Katz aus dem Kreis Fritzlar.

Die Vorfahren von Erna Wolff haben schon sehr lange in Aurich gelebt und waren über Generationen als Schlachter in der Stadt tätig. Wenn  man bedenkt, dass die Familie Wolff durch mehrere Jahrhunderte in Aurich lebte und arbeitete, wird das Unrecht der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung so vieler Mitglieder dieser Familie auf ganz besondere Weise deutlich. Es waren ja keine „Fremden“ oder „Neuzugezogene“, denen so Schlimmes geschah, sondern Leute, die über Jahrhunderte das Leben in der Stadt Aurich mitgeprägt hatten. Darum haben wir uns die Kette der Generationen einmal genau angesehen:

Der erste Vorfahre, auf den wir bei unseren Nachforschungen gestoßen sind, hieß Levi Abraham Wolff. Er wurde etwa 1750 geboren und starb 1804 in Aurich. Er war verheiratet mit Gütel Wolff, die beiden hatten fünf Kinder. Diese waren Ernas Urururgroßeltern.  Ihr ältester Sohn hieß Jakob Levi Wolff und wurde 1775 geboren. Er arbeitete in Aurich als Schlachter und war verheiratet mit Minkel Jonas Wolff. Aus dieser Ehe stammten neun Kinder und uns interessiert besonders der älteste Sohn, Abraham Jakob Levi Wolff, geboren 1803 in Aurich, gestorben 1877 in Aurich. Er war verheiratet mit Breine Isaak de Beer (1816-1867). Aus ihrer Ehe stammten vier Kinder, und uns interessiert besonders das dritte Kind: das war nämlich Ernas Großvater, geboren 1848 in Aurich, gestorben 1933 in Aurich, verheiratet mit Regine Schulenklopper aus Norden. Dieses Ehepaar hatte sieben Kinder, von denen Ernas Vater Abraham das Älteste war. Ernas Vater Abraham wurde am 7. 07.1883 geboren. Er musste gemeinsam mit seiner Frau Mathilde Wolff geb. Katz, seiner Tochter Erna und dem Schwiegersohn Hermann Altberger 1938 vor den Nationalsozialisten  aus seiner Heimat fliehen und verstarb in Argentinien.

Hermann Altberger kam 1931 nach Aurich und arbeitete hier als kaufmännischer Angestellter in der Firma H. C. Knurr. Das Geschäft der Familie Knurr war sehr bekannt in und um Aurich für Bekleidung, Pelze, Teppiche, Gardinen und Stoffe. In Aurich lernte er nun seine zukünftige Frau, Erna Wolff, kennen und freundete sich mit einer Gruppe junger Zionisten an, die nach Palästina auswandern wollten. Dieser Idee schloss sich Hermann Altberger in Aurich mit Begeisterung an und gab seine Anstellung in Aurich auf, um sich in Regensburg in Bayern in einem Schulungszentrum auf das zukünftige Leben in einem Kibbuz vorzubereiten. Dort lebte er von Juli 1937 bis Juli 1938.

Nach der Familienüberlieferung waren die Eltern Wolff anfänglich nicht besonders begeistert über den Kontakt ihrer Tochter zu den Palästinabegeisterten jungen Erwachsenen, weil sie nach ihrer Ansicht einen zu lockeren Lebensstil hatten. In Regensburg erlitt er jedoch eine heftige Ohrenentzündung und sein Gesundheitszeugnis lief ab. Somit war der große Traum der Auswanderung nach Palästina geplatzt. In Ostfriesland bestand längst Lebensgefahr – dorthin konnte er nicht zurück. Nur für wenige Wochen konnte Hermann Altberger nach Aurich zurückkehren, um seine Verlobte Erna Wolff zu heiraten. Das geschah am 23. August 1938. Gleich darauf wanderte das junge Paar mit den Schwiegereltern Wolff aus und zog nach Argentinien. Dort kamen sie praktisch mittellos an, weil ihnen ihr ohnehin sehr geringes Hab und Gut im Hafen gestohlen worden war.

In Argentinien kam ihnen die Regensburger Schulung für das spätere Leben in Palästina sehr zugute und über das Hilfswerk (Jewish Colonization Association) des Barons Moritz von Hirsch (1831-1896) konnte ein Stück Land erworben werden. Die Familie widmete sich erfolgreich der Viehzucht und lebte in der jüdischen Siedlung Monigotes in der Provinz Santa Fe.

Erna Altberger geb. Wolff und Tochter Regine Altberger-Gimenez bei der Begegnungswoche in Aurich 1992   (Foto G. Lübbers)

Zwei Kinder wurden geboren, 1941 die Tochter Regina und 1949 der Sohn Ludovico, benannt nach den früh verstorbenen Großeltern Altberger. Hermann  Altberger starb am 11. November 1986, seine Frau Erna am 25. April 2000. Auch ihre Tochter Regina ist bereits am 19. Juni 2007 verstorben. Ludivico ist verheiratet und hat Kinder und Enkelkinder.

Auch Ernas drei Geschwistern Isaak Abraham, Manfred und Ruth gelingt die Flucht nach Argentinien (s. Biographie Isaak Abraham „Bubi“ Wolff).

So wie die Familie Wolff über viele Generationen in Aurich verwurzelt war, so war es bei Ernas Großmutter und ihrer Familie in Norden genauso. Dort war die Familie Schulenklopper auch schon um 1800 beheimatet und Ernas Urgroßvater Joseph Schulenklopper (1823-1912) war ein bekannter Viehhändler in Norden. Der ungewöhnliche Familienname kommt wahrscheinlich von einem alten Brauch bei den Bibelsegnungen der jüdischen Gemeinde. Wenn bei der Verlesung des Buches Esther ein bestimmter Name genannt wurde, dann klopften alle Zuhörer „in der Schul“ auf die Tische und diesen Brauch nannte man „Schulkloppen“.

Nun aber noch zu Ernas Mutter: Mathilde Wolff geb. Katz wurde am 22. April 1884 in Gilsa bei Zimmersrode in Hessen geboren. Ihre Eltern hießen Moses Katz und Esther Katz geb. Katz. Moses Katz arbeitete dort als Viehhändler. Zimmersrode liegt in der Nähe von Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis. In Zimmersrode wurden der Auricher Schlachtersohn Abraham Wolff und Mathilde Katz am 21.Februar 1913 getraut. Auch für die Familie Katz galt in Gilsa, was wir für die Familie Wolff in Aurich feststellten: sie waren dort viele Generationen lang ansässig. Und es war eine große Familie: Erna Altberger geb. Wolff hatte viele Onkel und Tanten in Hessen: Jettchen, Lina, Auguste, Jeanette, Bertha und Adolf hießen die Geschwister der Mutter. Soweit wir bisher herausfinden konnten, sind auf jeden Fall zwei von ihnen ermordet worden. Jettchen starb 1942 in Theresienstadt, Auguste 1942 im Ghetto Belzyce.

Auch wenn die Inschrift nicht direkt mit der jüdischen Gemeinde in Aurich zusammenhängt, wollen wir die Grabinschrift für Mathilde Wolffs Eltern hier anhängen, da sie uns sehr beeindruckt hat:

Hier ruht
ein redlicher und aufrichtiger Mann,
gerecht auf allen seinen Pfaden.
Er kämpfte im Krieg im Jahr 660 n.d.k.Z.
Er fand Gefallen bei Gott und Menschen,
liebte das Recht und jagte der Gerechtigkeit nach,
war Kranken und anderen
Menschen behilflich.
Herr Moses, Sohn des Jecheskiel
Katz ha-Kohen aus der heiligen Gemeinde Gilsa.
Er starb in gutem Ruf am Mittwoch,
am 14. Tamus 674 n.d.k.Z.,
und er wurde begraben am Freitag, den 16. desselben.
Seine Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens.

Hier ruht eine gottesfürchtige Frau,
die stets auf geradem Pfade wandelte.
Ihre Hände reichte sie den Armen und Elenden.
Sie war die Krone ihres Mannes und ihrer Kinder.
sittsam war sie auf all ihren Wegen:
Esther, Tochter des Salomon ha-Kohen.
Sie starb plötzlich zum Kummer
ihres Mannes und der Kinder
am Mittwoch, den 9. Tewet,
und wurde begraben mit großer Ehre
m Freitag, den 12. desselben
im Jahre [5] 674 n.d.k.Z.
Ihre Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens.

Recherche: Konfirmandengruppe der Kirchengemeinde Victorbur
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.05.2020)
Foto: – Erna Altberger geb. Wolff und Tochter 1992 – Günther Lübbers
– Grabsteine: https://www.lagis-hessen.de/juf
Opfergruppe: Juden
Quellen: Grabinschrift: https://www.lagis-hessen.de/juf
Literatur:
Patenschaft: St. Victor Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Ruth Kugelmann

Veröffentlicht: 19. April 2010 von westermayer in Verlegung

Ruth KUGELMANN
geboren am 10. August 1934 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: Flucht nach Argentinien 1937
Todesort:
Ruth Kugelmann, die älteste Tochter des Kaufmanns  Fritz Kugelmann und seiner Frau Herta Kugelmann geb. Wolff,  wurde am 10. August  1934 in Aurich geboren und für die Adresse Lüchtenburger Weg 8  gemeldet. Seit dem 1. März 1937 ist sie jedoch für die von Jheringstr.27 bei Glück gemeldet und ab 1. Juli für die Marktstr. 13 bei Katz. Die Gründe dafür sind nicht klar und lassen sich nur vermuten.

Ihre Eltern haben mit ihr im Oktober 1937, als sie drei Jahre alt war,  die Flucht nach Argentinien angetreten. Dort in Rosario wird 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter, Evelyn.

Ruth lebt dort bis zu ihrem 17. Lebensjahr. Sie besucht verschiedene Schulen und hat Schwierigkeiten und Herausforderungen durchzustehen.

1951 verlässt die ganze Familie Buenos Aires und zieht um nach Johannesburg in Südafrika, wo Ruths Vater Manager der Farm seines Schwagers Iwan Wolff wird, also des Bruders seiner Frau Herta.  Ruth wird in Johannesburg Schwesternhelferin, keine examinierte Krankenschwester, und sie arbeitet jahrelang in verschiedenen privaten Krankenhäusern.

1956 geht sie für etwa ein Jahr nach Israel, wo es für sie nicht einfach ist, deshalb kehrt sie zurück nach Johannesburg. Dort bekommt sie 1966 die Staatsangehörigkeit der Südafrikanischen Union.

Sie bleibt unverheiratet und hat auch keine Kinder, lebt bei ihren Eltern und hat immer engen Kontakt zu ihrer Familie, dies gibt ihrem Leben Sinn.

Ihr Bruder Manuel verlässt 1967 mit 23 Jahren Südafrika und geht nach Israel, ihre jüngste Schwester, Evelyn, folgt ihm 1969 mit 21 Jahren. Ruth und Rita bleiben mit ihren Eltern in Südafrika. Ihr Vater, Fritz Kugelmann, stirbt 1972 mit 65 Jahren.

Ruth Kugelmann

Nachdem ihre Mutter, Herta Kugelmann, 1988 nach Israel umgezogen ist, wo Manuel und Evelyn leben, zieht Ruth 1992 auch für immer nach Israel  und verbringt sehr viel Zeit mit ihrer Mutter. Nach deren Tod 1999 hilft sie älteren Menschen und bleibt in engem Kontakt zur Familie. Sie ist streng gläubig und lebt nach den Vorschriften der jüdischen Religion.

Wie ihre Schwester sagt, hat Ruth ihr Leben damit verbracht, anderen Menschen zu helfen, und wird es weiterhin tun.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.04.2019)
Foto: Evelyn Rosenberg
Opfergruppe: Juden
Quellen: Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Inka und Werner Kugelmann
Verlegetermin: 19. September  2018

Herta Kugelmann geb. Wolff

Veröffentlicht: 19. April 2010 von westermayer in Verlegung

Herta KUGELMANN geb. Wolff
geboren am 26. April 1909 in Aurich

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 1999, Flucht nach Argentinien 1937
Todesort: Israel
Herta Kugelmann  wird am 26. April 1909 in Aurich geboren. Sie ist das ältestes Kind des Viehhändlers und Schlachters Moses Jonas Wolff und seiner Ehefrau Rebekka Wolff geb. van der Walde aus Emden. Herta Wolff hat zwei jüngere Brüder: Iwan, geboren im  Juni 1910, und Jonas, geboren im Mai 1916. Ihr Vater stirbt bereits im Juni 1922 an einem Krebsleiden. Ihre Mutter wohnt als Witwe mit ihren Kindern in der Wallstr. 37, sie stirbt im November 1929. Im Sterberegister ist zu lesen, sie sei „tot im Neuen Hafen aufgefunden“ worden, was einen Suizid vermuten lässt.  Die Söhne ziehen 1930 in das Mehrfamilienhaus Lüchtenburger Weg 8, ihre Schwester Herta ist seit Mai 1931 auch dort gemeldet  Für sie ist als Beruf angegeben: Lehrling.

Sie lernt den Kaufmann Fritz Kugelmann aus Hannover kennen, der 1907 in Osnabrück geboren wurde. Im September 1933 heiraten die beiden. Fritz Kugelmanns Berufsbezeichnung jetzt: Geschäftsreisender, und die von Herta Wolff:  Haustochter. Trauzeugen sind der 62-jährige Viehhändler Wolff Jonas Wolff und der 23-jährige Viehhändler Iwan Wolff, Hertas Bruder.

Im August 1934 wird die Tochter Ruth geboren.

Die Eltern Kugelmann aus Hannover scheinen darauf bestanden zu haben, dass die Familie Deutschland verlässt, und beantragten Visa für die Einreise nach Argentinien. Nach einer beträchtlichen Frist sind sie bewilligt worden.

So verlässt die Familie im Oktober 1937 Deutschland mit dem Schiff ab Hamburg. Der Weg führt sie nach Rosario in Argentinien, wo 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren wird. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter Evelyn.

Ein anderer Bewohner des Hauses Lüchtenburger Weg 8, Hermann Wolffs, geb. 1903, ist schon 1936 nach Argentinien geflohen.

Herta und Fritz Kugelmann

Hertas Bruder Iwan Wolff, der Deutschland schon einige Jahre früher verlassen hat, um nach Südafrika zu fliehen, rät der Familie Kugelmann bei einem Besuch, nach Johannesburg umzuziehen. Denn seiner Meinung nach hatte die Familie in Argentinien keine Zukunft. So verlassen sie 1951 Buenos Aires und gehen nach Südafrika.  Fritz Kugelmann wird Manager  der Farm seines Schwagers Iwan in Johannesburg, die mit 1000 Milchkühen sehr groß war und das ganze Futter selbst produzierte.

Der Sohn Manuel, genannt Mannie, geht 1967 nach Israel  und Evelyn folgt ihm 1969. Die Eltern bleiben mit ihren Töchtern Ruth und Rita in Südafrika. 1972 stirbt Fritz Kugelmann mit 65 Jahren. Seine Frau,  Herta Kugelmann, zieht 1988 um nach Israel,  Ruth folgt ihr 1992. Herta Kugelmann stirbt 1999 im Alter von 90 Jahren.  Ruth, Manuel und Evelyn leben noch in Israel.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.04.2019)
Foto: Evelyn Rosenberg
Opfergruppe: Juden
Quellen: Nds. Landesarchiv Aurich, Rep. 248, Nr. 943, Rep. 249b, Nr. 312 und Nr. 4549, Dep. 34e Nr. 1203/2,
Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Abiturjahrgang 1963, Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Fritz Kugelmann

Veröffentlicht: 19. April 2010 von westermayer in Verlegung

Fritz KUGELMANN
geboren am 29. November 1907 in Osnabrück

Straße: Lüchtenburger Weg 8
Todesdatum: 1972, Flucht nach Argentinien 1937
Todesort: Johannesburg, Südafrika
Fritz Kugelmann wurde am 29. November 1907  in Osnabrück geboren. Seine Eltern waren Max und Senta Kugelmann, die in Hannover lebten. Sie hatten insgesamt drei Kinder:  eine Tochter und einen weiteren Sohn mit Namen Eric.

Fritz wird Kaufmann  und zieht Ende Mai 1931 von Hannover nach Aurich.

Er lernt Herta Wolff kennen, die am 26. April 1909 in Aurich geboren wurde als ältestes Kind des Viehhändlers und Schlachters Moses Jonas Wolff und seiner Ehefrau Rebekka Wolff geb. van der Walde aus Emden. Herta Wolff hat zwei jüngere Brüder: Iwan, geboren im  Juni 1910, und Jonas, geboren im Mai 1916. Der Vater ist bereits im Juni 1922 an einem Krebsleiden gestorben, die Mutter wohnt als Witwe mit ihren Kindern in der Wallstr. 37, sie stirbt im November 1929, sie sei „tot im Neuen Hafen aufgefunden“ worden, heißt es im Sterberegister.  Die Söhne ziehen 1930 in das Mehrfamilienhaus Lüchtenburger Weg 8, ihre Schwester Herta ist seit Mai 1931 auch dort gemeldet  Für sie ist als Beruf angegeben: Lehrling.

Im September 1933 heiraten Fritz Kugelmann, Berufsbezeichnung jetzt: Geschäftsreisender, und Herta Wolff, die Haustochter. Trauzeugen sind der 62-jährige Viehhändler Wolff Jonas Wolff und der 23-jährige Viehhändler Iwan Wolff, Hertas Bruder.

Im August 1934 wird die Tochter Ruth geboren.

Die Eltern Kugelmann aus Hannover scheinen darauf bestanden zu haben, dass die Familie Deutschland verlässt, und beantragten Visa für die Einreise nach Argentinien. Nach einer beträchtlichen Frist sind sie bewilligt worden.

So verlässt die Familie im Oktober 1937 Deutschland mit dem Schiff ab Hamburg. Der Weg führt sie nach Rosario in Argentinien, wo 1938 die zweite Tochter, Rita, geboren wird. Es folgen 1944 der Sohn Manuel, genannt Mannie, und 1948 die jüngste Tochter Evelyn.

Ein anderer Bewohner des Hauses Lüchtenburger Weg 8, Hermann Wolffs, geb. 1903, ist schon 1936 nach Argentinien geflohen.

Herta und Fritz Kugelmann

Hertas Bruder Iwan Wolff, der Deutschland schon einige Jahre früher verlassen hat, um nach Südafrika zu fliehen, rät der Familie Kugelmann bei einem Besuch, nach Johannesburg umzuziehen. Denn seiner Meinung nach hatte die Familie in Argentinien keine Zukunft. So verlassen sie 1951 Buenos Aires und gehen nach Südafrika.  Fritz Kugelmann wird Manager der Farm seines Schwagers Iwan in Johannesburg, die mit 1.000 Milchkühen sehr groß war und das ganze Futter selbst produzierte.

Der Sohn Manuel, genannt Mannie, geht 1967 nach Israel  und Evelyn folgt ihm 1969. Die Eltern bleiben mit ihren Töchtern Ruth und Rita in Südafrika. 1972 stirbt  Fritz Kugelmann mit 65 Jahren. Seine Frau,  Herta Kugelmann, zieht 1988 um nach Israel, ihre Tochter Ruth folgt ihr 1992. Herta Kugelmann stirbt 1999 im Alter von 90 Jahren.  Ruth, Manuel und Evelyn leben noch in Israel.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.04.2019)
Foto: Evelyn Rosenberg
Opfergruppe: Juden
Quellen: Geburtsregister des Standesamtes in Osnabrück, Nr.: 1951,.
Nds. Landesarchiv Aurich, Meldekarte, Rep. 249 b, Nr. 4549,  Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Bernhard Siebelds
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Jonas Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Jonas WOLFF
geboren am 10. September 1911 in Aurich

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 2.03.1943
Todesort: Auschwitz

 

 

 

 

 

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Jonas Wolff wird am 10.09.1911 als jüngstes von drei Kindern von Calmer Jonas Wolff und seiner Frau Helene geb. Goldwein in Aurich geboren.  Er hat zwei ältere Geschwister:  Wilhelm  (*11.06.1907 +21.03.1943 Sobibor) und Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Der Vater Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.

Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Jonas Vater Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helene wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Jonas Bruder Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Jonas  Schwester  Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Am 8.04.1938 ziehen Jonas  Eltern Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto: Kennkarte NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015

 

 

 

Wilhelm Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Wilhelm WOLFF
geboren am 11. Juni 1907 in Aurich

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: 21.05.1943
Todesort: Sobibor
Wilhelm Wolff wird am 11.06.1907 als ältester Sohn  von Calmer Jonas Wolff und seiner Frau Helene geb. Goldwein in Aurich geboren. Er hat zwei  jüngere Geschwister:  Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz) und Jonas (*10.09.1911 in Aurich + Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Der Vater Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helene wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Wilhelms Schwester  Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Wilhelms jüngster Bruder  Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Am 8.04.1938 ziehen Wilhelms Eltern Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015

Helene Wolff geb. Goldwein

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Helene WOLFF geb. Goldwein
geboren am 15. August 1884 in Meimbressen

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: 2.01.1943
Todesort: Theresienstadt
Helene Goldwein wurde dort am 15.08.1884 in Meimbressen (Krs. Hofgeismar) geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Sie heiratet Calmer „Karl“ Jonas Wolff aus Aurich.

Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer und Helene Wolff bekommen drei Kinder: Wilhelm (*11.06.1907 in Aurich + 21.05.1943 Sobibor), Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz) und Jonas (*10.09.1911 in Aurich + Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.

Von 1927 bis 1935 sind auf der Meldekarte „Hausmädchen“ verzeichnet.

Ihr ältester Sohn Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Das zweite Kind von Calmer und Helene Wolff, Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Der jüngste Sohn von Calmer und Helene Wolff, Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Am 8.04.1938 ziehen Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto: Kennkarte NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:  
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015

 

 

 

Calmer „Karl“ Jonas WOLFF

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Calmer „Karl“ Jonas WOLFF
geboren am 20. Juli 1874 in Aurich

Straße: Wallstraße 37
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 18. Mai 1944
Todesort: Auschwitz

Calmer Jonas Wolff (Foto der Kennkarte v. 16.05.1939, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Calmer Jonas Wolff wurde am 20. Juli 1874 in Aurich geboren. Er war das 4. Kind von 10 Kindern des Schlachters Jonas Wolff Wolffs (*1.06.1838 in Aurich  + 22. Juni 1911 in Aurich) und Hindrina Hindel Moses Pels (*17.05.1842 in Emden  + 23.10.1892 in Aurich). Seine sechs jüngeren Geschwister verstarben alle kurz nach der Geburt. Lt. Einwohnerverzeichnis von 1880 wohnte die Familie in der Wallstraße 56.

Für seinen  Bruder Wolf Jonas Wolff (*29.05.1871 in Aurich +26.09.1943 in Treblinka) wurde am 14.12.13 ein Stolperstein in der Marktstraße 15 verlegt, ebenso für dessen Ehefrau Jeanette Samson (*12.11.1879 in Aurich + 26.09.1943 in Treblinka).

Calmer „Karl“ Wolff heiratet Helene Goldwein aus Meimbressen (Krs. Hofgeismar). Helenen wurde dort am 15.08.1884 geboren. Ihre Eltern waren Marcus Goldwein (*18.08.1849 + 14.01.1922) und Sara Katzenstein (*15.04.1859 + 6.07.1935). Sie war das älteste von 5 Kindern.

Calmer und Helene Wolff bekommen drei Kinder: Wilhelm (*11.06.1907 in Aurich + 21.05.1943 Sobibor), Erna (*5.02.1909 in Aurich +Auschwitz) und Jonas (*10.09.1911 in Aurich + Auschwitz). Die Familie wohnt in der Wallstraße 37. Calmer (gen. „Karl“) arbeitet als Viehhändler.

Von 1927 bis 1935 sind auf der Meldekarte „Hausmädchen“ verzeichnet.

Ihr ältester Sohn Wilhelm Wolff flieht nach der Reichskristallnacht 1938 von Papenburg nach Ter Apel/Holland in die Hoofdstraat 8 zu einer Familie From, die dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er arbeitet in dem Geschäft mit und wird innerhalb kurzer Zeit sehr erfolgreich. Das Geschäft beliefert einen großen Teil der nördlichen Niederlande mit Matzos, einem traditionellen jüdischen Gebäck (ähnlich Knäkebrot).

Am 6. September 1939 heiratet Wilhelm Wolff die älteste Tochter des Ladenbesitzers, Jette From (*19.03.1908). Am 29.04.1941 wird ihre Tochter Johanna Selma geboren. Wilhelm Wolff wohnt weiter mit seiner Frau bei seinen Schwiegereltern in der Hoofdstraat 8 in Ter Apel. Unter dieser Adresse ist auch Elli Katz gemeldet.

Elli Katz, die Tochter von Gustav und Erna Katz geb. Wolff (die Schwester von Wilhelm), wird spätestens als ihre Eltern Ostfriesland in Richtung Berlin verlassen müssen im Alter von 5 Jahren zu ihrem Onkel Wilhelm Wolff nach Ter Apel in Holland geschickt. Ein genaues Datum ihrer Flucht nach Holland ist nicht bekannt.

Wilhelm Wolff wird am 19.08.1942 in Westerbork interniert. Einige Wochen später, am 3.10.1942 wird auch seine Ehefrau Jette Wolff mit ihrer Tochter Johanna und der Nichte Elli Katz dort interniert. Nach 7 Monaten im Lager Westerbork werden Wilhelm, Jette und Johanna Selma sowie ihre Nichte Elli am 18.05.1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert.  Der Transort nach Sobibor dauerte in der Regel etwa 3 Tage. Da Sobibor ein Vernichtungslager war, wurden die Deportierten mit dem Datum vom 21. Mai 1943 für tot erklärt.

Das zweite Kind von Calmer und Helene Wolff, Erna, heiratet am 8. März 1933 den Händler Gustav Katz. Er wurde am 9. November 1898 in Jesberg bei Wetzlar, damals in Hessen-Nassau, geboren.  Am 29. November 1934 wird Elli Katz als einziges Kind von Gustav und Erna Katz geboren.

Erst am 22. Februar 1940 kommen Erna und Gustav Katz der für alle jüdischen Bürger geltenden Aufforderung zum Verlassen Ostfrieslands nach. Sie ziehen nach Berlin C2 in die Oranienburger Str. 90. Am 27.02.43 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden. Da Erna und Gustav Katz mit den ersten Osttransporten im Rahmen dieser „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert werden, kann angenommen werden, dass sie in Berlin in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leistet mussten.

Am 1. März 1943 wird Erna Katz (Lt. Transportliste: Nr. 1351) – getrennt von ihrem Mann – mit dem 31. Osttransport, zugleich dem ersten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“, nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht feststellbar (s. Biografie „Erna Katz geb. Wolff“ auf dieser Homepage).

Der jüngste Sohn von Calmer und Helene Wolff, Jonas, zieht am 15.08.1926 im Alter von 15 Jahren für einige Jahre nach Meimbressen, vermutlich zur Familie seiner Mutter. 1930 kehrt er lt. Meldekarte zurück nach Aurich.

In der Reichspogromnacht wird er – wie alle männlichen Juden –  in der „Bullenhalle“ und am folgenden Tag auf dem Ellernfeld schikaniert und gequält. Anschließend wird er bis zum 23.12.1938 im KZ Sachsenhausen interniert.

Jonas zieht – vermutlich mit seinen Eltern – nach Berlin. Von dort wird er am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Am 8.04.1938 ziehen Calmer und Helene Wolff in die Osterstraße 25. Die dortigen Bewohner sind nach Groningen geflohen. Am 19.12.1938 ziehen sie in die Wallstraße 10.

Am 12.02.1940 verlassen sie im Alter von 66 bzw. 56 Jahren gezwungener maßen ihre Heimatstadt Aurich und ziehen nach Berlin. Am 14.09.1942 werden sie von dort mit 1.000 Personen nach Theresienstadt deportiert. Helene Wolff stirbt dort am 2.01.1943 im Alter von 58 Jahren. Calmer wird am 18.05.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von fast 70 Jahren ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.07.2015)
Foto: Kennkarte NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarten
Liste Westerbork
Judenregister Aurich – Geburtsregister 1844-1931 (Rep. 248, Nr. 943)
http://www.joodsmonument.nl/person/447380/en
D. Wolf, De kille Ter Apel. Geschiedenis van de Joodse Gemeente Ter Apel (Ter Apel 1998) 88
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden: Geburtsregister der Juden von Meimbressen (Calden) 1846-1888 (HHStAW Abt. 365 Nr. 587), Scan S. 31, Buch S. 59:
Literatur:
Patenschaft: IGS Aurich-Waldschule
Verlegetermin: 3. Juli  2015

 

 

 

Hannelore/Laura Hillman geb. Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Hannelore Wolff - SteinHannelore/Laura HILLMAN, geb. Wolff
geboren am 16. Oktober 1923 in Aurich

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Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: 4. Juni 2020
 Todesort: Rossmoor, Kalifornien, USA
Wolff, Hannelore, geb. 16.10.1923 in Aurich (1)

Hannelore Wolff 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

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Hannelore Wolff ist das dritte Kind von Karoline (*1897) und Martin Wolff (1894-1942). Sie wird am 16. Oktober  1923 in Aurich geboren.

Ihr Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Hannelore wächst mit ihren Geschwistern Roesel, Hildegard, Wolfgang und Selly in der Leerer Landstraße 18 auf. Dort steht im Garten der Fliederbaum, an den sie sich später unter den unmenschlichen Lagerbedingungen so gern erinnert und der den Titel zu ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ gibt. Ihr späterer Mann verspricht ihr im KZ, dass er für sie einmal einen solchen Fliederbusch pflanzen wird.
Hannelore bleibt bis zur Ausweisung aus Aurich im Februar 1940 mit kurzen Unterbrechungen (s. Meldekarte: 30.1.-21.3.39 Hamburg, 7.6.39 Neuenburg) bei ihren Eltern, wohnt also in Sandhorst beim Gut Eschen und später in der Marktstraße 4.
Die Schrecken der Reichspogromnacht erlebt Hannelore als 15-jährige und schreibt später die traumatischen Erlebnisse dieser Nacht nieder (Gedicht „Die Nacht, in der sie unsere Synagoge verbrannten“).
Als die Familie Wolff 1940 Aurich verlassen muss, schicken die Eltern Hannelore nach Berlin. Sie macht dort in „Dr. Frenkels Internat für jüdische Mädchen“ (Wangenheimstraße 36) eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Als ihre Mutter in Weimar den Deportationsbefehl erhält, fährt sie zu ihr. Von dort wird Hannelore am 10. Mai 1942 mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern Wolfgang und Selly nach Lublin  deportiert.  Hannelore kann sich vor der mit Erschießungen begleiteten Räumung des Ghettos verstecken und wird in das KZ Belzyce deportiert. Sie durchläuft in den folgenden drei Jahre sechs weitere Konzentrationslager, darunter auch Auschwitz-Birkenau und erleidet unbeschreibliche körperliche und psychische Qualen. In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ schildert sie in einfacher, nüchterner Sprache sehr eindrucksvoll das Elend, die Entbehrungen, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit des Lagerlebens – aber auch die Momente des Glücks, wenn sie gute Freundinnen findet oder die Liebe zu ihrem späteren Mann Dick Hillman, einem jüdischen polnischen Kriegsgefangenen.
Hannelore hat das Glück, dass sie als Nr. 287 auf Schindlers Liste gesetzt wird. So kommt sie – wie auch ihr Dick Hillman mit den „Schindler Leuten“ nach Tschechien in das KZ Brünnlitz, das am 8. Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit wird.
Hannelore heiratet am 22.10.1945 Bernhard (Dick) Hillman (*5.05.1914- 1986). Sie beschließen in die USA auszuwandern und irren aber noch fast zwei Jahre als „displaced persons“ in Deutschland umher. Aus Bremerhaven kommend treffen sie am 4.01.1947 in New York ein. Das Ehepaar wohnt in Los Alamitos in der Nähe von Los Angeles, Kalifornien, hat eine  Sohn  und zwei Enkelkinder.

Im Juli 2004 überwindet sich Hannelore/Laura Hillman dazu, ihrer Geburtsstadt Aurich gemeinsam  mit ihrem Enkelsohn Aryeh und ihrer Nichte Carolyn, Tochter der Schwester Roesel aus Manchester und deren Mann Michael einen Besuch abzustatten. Sie will ihnen unbedingt zeigen, wo sie herkommt, damit sie ihre Geschichte verstehen können. Die Menschen, denen sie in Aurich begegnet, erleben sie als freundliche, liebenswürdige und liebenswerte Persönlichkeit. (Fotos vom Besuch s. unten).

Im Jahr 2005 erscheint ihr Buch „I will plant you a lilac  tree“. In Gedichtform und hier auch in Prosa versucht Hannelore ihre Erinnerungen für sich zu verarbeiten und weiterzugeben. Dies fällt ihr nicht leicht. Nach den Erinnerungen plagen sie regelmäßig Alpträume und sie versucht dann durch Spaziergänge am Meer wieder ihr Gleichgewicht zu finden. Auch im Verlauf der Korrespondenz zur Verlegung der Stolpersteine für ihre Familie schreibt sie „Going back to that time is not a good idea. It evokes nightmares I can’t afford to have. Hope you understand.“

Hannelores Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Ihr Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Ihre Brüder Wolfgang und Selly wurden im KZ Majdanek bzw. im KZ Budzyn ermordet.
Ihre Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, ihrer Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina.

Eine ausführliche Biografie von Hannelore Wolff/Laura Hillman findet sich in dem Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

Anlässlich ihres 100sten Geburtstages am 16. Oktober 2023 wird ihr  zu Ehren eine Straße in die „Hannelore-Wolff-Straße“ benannt.

Hannelore zeigt im Juli 2004 ihrer Familie ihre Geburtsstadt, hier das Auricher Schloss.

Das ehemalige Gut Eschen in der Auricher Lützowallee.

Gunter Demnig mit Schülern und Lehrer Friedhelm Veith von der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II. Hans-Jürgen Westermayer verliest eine Biographie.

Das Haus Leerer Landstraße 18

Jörg Peter mit einem Foto von Wolfgang und Selly Wolff.

Verlesung weiterer Biographien. In der Bildmitte steht Frau Margarete Trapp, die Patin von Hannelores Stolperstein

 

Straßenbenennung am 16. Oktober 2023

Fotos Günther Lübbers

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013, ergänzt durch Günther Lübbers am 26.02.2025
Foto:  – Hannelore Hillman geb. Wolff (1939, Foto der Kennkarte, StA Aurich)
– Hannelore Hillman, geb. Wolff (ca. 1939)
– Hannelore und Dick Hillman (1945), in Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006), S. 243
– Laura Hillman (2004), in: Ostfriesland Magazin 4/2006
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:  Laura Hillman, I will plant you a lilac tree (2006) – (z. B. bei Amazon erhältlich). Die Übersetzung erschien im Jahre 2019 im Eckhaus Verlag Weimar unter dem Titel „Ich pflanze einen Flieder für dich“ (ISBN 978-3-945294-31-4)
Patenschaft: Margarete Trapp
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Hannelore Wolff 16J.

Lilac Tree 3, S. 243OMA Artikel 4-2005 S. 48OMA Artikel 4-2005 S. 49OMA Artikel 4-2005 S. 51