Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Levy Benjamin Wallheimer

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Levy Benjamin WALLHEIMER
geboren am 20. November 1881 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben im September 1961
Todesort: Buenos Aires
Levy Benjamin Wallheimer ist am 20. November 1881 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Benjamin Baruch Wallheimer, geboren am 08. Juni 1856 in Aurich Und Eva Maria Wallheimer, geborene Herzberg, geboren am 19. Dezember 1856.

Seine Großeltern sind Levy Abraham Wolffs, genannt Wallheimer, geboren am 28. April 1819 in Aurich und Beta Betty Nathan Wolffs, geborene Rosenstein, geboren 1816, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Markus Mordechai Herzberg, geboren 1822, und Rebekka Herzberg, geborene Mannheim, geboren 1825.

Levy Benjamin Wallheimer hat siebzehn Geschwister. Acht  Geschwister sterben (nachweislich) bereits im Säuglings- und Kindesalter. Fünf Geschwister haben den Holocaust nicht überlebt. Für sie sind Stolpersteine in Breiter Weg 1, in der Rudolf-Eucken-Allee 4 und in der Wallstraße 19 verlegt. Der Vater Benjamin Baruch Wallheimer stirbt am 17. Juni 1923, die Mutter Eva Markus Wallheimer am 03. April 1926. Beide Eltern sind auf dem Jüdischen Friedhof in Aurich beigesetzt.

Levy Benjamin Wallheimer heiratet (das Datum ist nicht angegeben) Regine Reichel Joseph Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich. Das Ehepaar hat drei Kinder. Die Tochter Eva ist am 13. März 1911 in Aurich geboren, der Sohn Benjamin Levy ist am 16. Mai 1912 in Aurich geboren und der Sohn Josef ist am 12 Juni 1915 geboren, ebenfalls in Aurich.

Levy Benjamin Wallheimer ist von Beruf Schlachter und wohnt in der Norder Straße 19 und betreibt dort, so ist anzunehmen, eine Schlachterei. Seine Frau Regine Reichel Joseph Wallheimer stirbt 1931 an einer schweren Krankheit und ist in Ibbenbüren beisetzt.

Levy Benjamin Wallheimer  zieht ab dem 01. April 1932 mit den Kinder Eva, Benjamin Levy und Josef in das Haus der Eltern Benjamin Baruch und Eva Maria Wallheimer, Breiter Weg 1. Es ist anzunehmen das nach dem Tod der Eltern dort auch Geschwister von Levy Benjamin wohnen.

Am 12. Mai 1933 heiratet Levy Benjamin Wallheimers Tochter Eva in Aurich Siegfried Wolff, geboren am 19. Oktober 1908 in Aurich. Das Ehepaar wohnt in der Wallstraße 56 im Haus der Mutter von Siegfried Wolff, Henriette Wolff. Am 10. September 1935 zieht Levy Benjamin Wallheimer mit den Söhnen Benjamin Levy und Josef in das Haus der Witwe und Geschäftsfrau Henriette Wolff in die Wallstraße 56, heute 54.

Levy Benjamins Sohn Josef ist ab dem Jahr 23. Juli 1934 zwischenzeitlich in Rüstringen, kehrt aber 1935 nach Aurich zurück, und ist dann wieder ab dem 08. Januar 1936 noch einmal in Wilhelmshaven/Rüstringen.

Am 20. August 1936 heiratet Levy Benjamin Wallheimer in Aurich die Witwe und Geschäftsfrau Henriette Wolff, geborene Heß.

Ab dem 05. Januar 1937 ist Josef Wallheimer aus Aurich abgemeldet nach Barill-Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires, Argentinien.

Am 19. November 1937 sind Levy Benjamin Wallheimer und Henriette Wallheimer, verwitwete Wolff, geborene Heß, und Sohn Benjamin Levy aus Aurich abgemeldet nach Barill-Siedlung, Entre Rios, Buenos Aires, Argentinien. Hier teilt sich die Familie, so ist es dem Bericht des Enkels Levy Wolff zu entnehmen. Einige Mitglieder der Familie Wallheimer und später auch der Familie Wolff bleiben in Buenos Aires und arbeiten als Schlachter und Kaufleute.

Levy Benjamin Wallheimer, im Jahr 1938 kommt der Enkel Levy Wolff dazu, geht in die Barill-Siedlung, Entre Rios, und bearbeitet ein etwa 100 ha großes landwirtschaftliches Anwesen. Es gibt keinen Strom und keine Autos. Nach Buenos Aires sind es mit der Kutsche und der Eisenbahn zwei Tagesreisen.

Wann Levy Benjamin Wallheimer wieder nach Buenos Aires kommt, ist nicht bekannt.

Levy Benjamin Wallheimer stirbt im September 1961 in Buenos Aires.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Roberto Lichtenstein
Verlegetermin: 19. September  2018

Levy „Tito“ Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Levy „Tito“ WOLFF
geboren am 11. April 1936 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Überlebt den Völkermord
Todesort:
Levy Wolff ist am 11. April 1936 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Siegfried Wolff, geboren am 29. Oktober 1908 in Aurich, und Eva Wolff geborene Wallheimer, geboren  am 13. März 1911 in Aurich. Levy Wolffs Bruder ist Wilhelm Wolff, geboren am 28. Juli 1933 in Aurich.

Die Großeltern sind  Wilhelm Samuel Wolff, geboren am 12. Mai 1881 in Aurich, und Henriette Wolff geborene Heß, geboren am 31. März 1889 in Dornum, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Levy Benjamin Wallheimer, geboren am 20. November 1881 in Aurich und Regine Reichel Wallheimer, geborene Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich.

Levy Wolff lebt mit seinen Eltern Siegfried und Eva Wolff und seinem Bruder Wilhelm im Haus der Großmutter Henriette Wolff in der Wallstraße 56. Der Großvater Wilhelm Samuel Wolff ist bereits am 11. April 1924 verstorben.

Am 01. Juni 1936 verlassen Siegfried und Eva Wolff  und ihre Kinder Wilhelm und Levy Aurich und ziehen nach Amsterdam in den Stadtteil Laandam ( so die Eintragung), heute Zaandam, in die Niederlande. Levy Wolff verlässt Aurich also im Säuglingsalter von zwei Monaten.

Am 04. April 1938 kommt die Familie über Amsterdam nach Argentinien, nach Buenos Aires. Levy Wolff  ist fast zwei Jahre alt. Hier teilt sich die Familie. Levy Wolff kommt zu seinem Großvater Levy Benjamin Wallheimer in die Barill-Siedlung, Entre Rios. (Entre Rios ist eine Provinz im Nordosten Argentiniens – Anmerkung des Verfassers).  Es sind von dort nach Buenos Aires zwei Tagesreisen mit der Kutsche und der Eisenbahn, so berichtet Levy Wolff.

Hier bewirtschaftet der Großvater ein etwa 100 ha großes landwirtschaftliches Anwesen. Es gibt keinen Strom und keine Autos, aber Pferde und Kutschen. Hier erhält Levy Wolff auch den Namen „Tito“, weil, so erzählt er, die Nachbarn  mit dem Namen Levy nicht klarkommen. „Tito“ kommt aus dem Spanischen und heißt so viel wie „kleiner Onkel“.

Im Alter von 8 Jahren kommt Levy „Tito“ Wolff, wie er jetzt heißt, wieder zu seinen Eltern nach Buenos Aires.

Im Jahr 1958 gründet der Vater Siegfried Wolff zusammen mit seinem Sohn Levy Wolff die Importfirma  SIGFRIDO WOLFF e HIJO S. A., dessen alleiniger Firmeninhaber heute Levy Wolff ist.

Ein paar Mal im Jahr besucht Levy „Tito“ Wolff immer noch das „Camp“ (gemeint ist wohl die Barill-Siedlung), so erzählt er. Er besucht dort einen Freund im gleichen Alter wie er, der dort mit ihm zusammen angekommen ist.

Im Mai 1992 besucht Tito Wolff zusammen mit seinem Bruder Wilhelm und seinem Onkel Benjamin Levy „Benni“  Wallheimer im Rahmen der Begegnungswoche in Aurich  seine Geburtsstadt.

Tito ist regelmäßiger Gast bei den Stolpersteinverlegungen in Aurich.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Wolfgang Ontijd
Verlegetermin: 19. September  2018

Wilhelm „Willi“ Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Wilhelm „Willi“ Guillermo WOLFF
geboren am 28. Juli 1933 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben am 30. Januar 2006
Todesort: Buenos Aires
Wilhelm Wolff ist am 28.Juli 1933 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Siegfried Wolff, geboren am 29. Oktober 1908 in Aurichund Eva Wolff, geborene Wallheimer, geboren  am 13. März 1911 in Aurich. Wilhelm Wolffs Bruder ist Levy Wolff, geboren am 11. April 1936 in Aurich.

Die Großeltern sind  Wilhelm Samuel Wolff, geboren am 12. Mai1881 in Aurich, und Henriette Wolff, geborene Heß, geboren am 31. März 1889 in Dornum, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Levy Benjamin Wallheimer, geboren am

20. November 1881 in Aurich und Regine Reichel Wallheimer, geborene Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich.

Wilhelm Wolff lebt mit seinen Eltern Siegfried und Eva Wolff und seinem Bruder Levy im Haus der Großmutter Henriette Wolff in der Wallstraße 56. Der Großvater Wilhelm Samuel Wolff ist bereits am 11. April 1924 verstorben.

Am 01. Juni 1936 verlassen Siegfried und Eva Wolff  und ihre Kinder Wilhelm und Levy Aurich und ziehen nach Amsterdam in den Stadtteil Laandam (so die Eintragung), heute Zaandam, in die Niederlande. Wilhelm Wolff verlässt Aurich also im Kleinkindalter von fast drei Jahren.

Am 04. April 1938 kommt die Familie über Amsterdam nach Argentinien, nach Buenos Aires. Wilhelm Wolff ist fast 5 Jahre alt.

Wilhelm Wolff bleibt mit der Familie in Buenos Aires. Angehörige der  Familie Wallheimer, die ein Jahr zuvor hier angekommen sind, arbeiten hier als Schlachter und Kaufleute. Wilhelm „Willi“ Wolff wird später Architekt.

Im Mai 1992 besucht Wilhelm „Willi“ Wolff  im Rahmen der Begegnungswoche in Aurich zusammen mit seinem Bruder Levy „Tito“ und dem Onkel Benjamin Levy Wallheimer seine Geburtsstadt.

Wilhelm „Willi“ Wolff stirbt am 30. Januar 2006 in Buenos Aires.

Bei der Verlegung  am 18. September 2018 bedankt sich seine Witwe Martha Wolff in einem Brief sehr herzlich für den Stolperstein ihres Mannes.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Elfriede und Günther Lübbers
Verlegetermin: 19. September  2018

Eva Wolff geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Eva WOLFF geb. Wallheimer
geboren am 13. März 1911 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben am 17. November 1995
Todesort: Buenos Aires
  Eva Wallheimer ist am 13. März 1911 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Levy Benjamin Wallheimer, geboren am 20. November 1881 in Aurich und Regine Reichel Joseph Wallheimer, geborene Samson, geboren am 24. Februar 1882 in Aurich.

Die Großeltern sind Benjamin Baruch Levy Wallheimer, geboren am 08. Juni 1856 in Aurich und Eva Maria Wallheimer, geborene Herzberg, geboren am 19. Dezember in Aurich, väterlicherseits. Die Großeltern mütterlicherseits sind Markus Mordechai Herzberg, geboren 1822, und Rebekka Herzberg, geborene Mannheim, geboren 1825.

Eva Wallheimer hat zwei Brüder. Benjamin Levy Wallheimer ist am 06. Mai 1912 in Aurich geboren  und Josef Wallheimer ist am 12. Juni 1915 in Aurich geboren.

Eva Wallheimer wohnt mit ihren Eltern Levy Benjamin und Regine Reichel und ihren Brüdern Benjamin Levy und  Josef zunächst in der Norderstraße 19, dann nach dem Tod der Mutter Regine Reichel am 07. September 1931, ab dem 01.April 1932 im Haus der Großeltern Benjamin Baruch und Eva Maria Wallheimer, Breiter Weg 1. Ab dem 10. September 1935  wohnt Eva Wallheimer mit dem Vater Levy Benjamin und den Brüdern Benjamin Levy und Josef im Haus der Witwe Henriette Wolff  in der Wallstraße 56, heute Wallstraße 54.

Am 12. Mai 1933 heiratet Eva Wallheimer in Aurich Siegfried Wolff, geboren am 29. Oktober 1908 in Aurich, den Sohn der Henriette Wolff. Das Paar hat zwei Söhne. Wilhelm ist am 28. Juli 1933 in Aurich geboren und Levy am 11. April 1936, ebenfalls in Aurich.

Die Familie lebt im Haus der Mutter Henriette Wolff in der Wallstraße 56, heute Wallstraße 54.

Am 20. August 1936 heiratet Eva Wallheimers Vater Levy Benjamin Wallheimer die Witwe und Geschäftsfrau Henriette Wolff, geborene Heß.

Nicht ganz drei Monate zuvor, am 01. Juni 1936, verlassen Eva und Siegfried Wolff mit ihren Kindern Wilhelm und Levy Aurich und ziehen nach Amsterdam, in den Stadtteil Laandam (so die Eintragung im Melderegister), heute Zaandam , in die Niederlande.

Nach nicht ganz zwei Jahren dort, verlässt die Familie die Niederlande und kommt am  04. April 1938 nach Argentinien, nach Buenos Aires. Dort arbeiten andere Familienangehörige, so berichtet Levy Wolff, als Schlachter und Kaufleute.

Hier geht der Sohn Levy Wolff zunächst mit dem Großvater Levy Benjamin Wallheimer in die Barill-Siedlung und kehrt später im Alter von acht Jahren zur Familie nach Buenos Aires zurück.

Im Jahr 1958 gründet Siegfried Wolff  zusammen mit seinem Sohn Levy eine Importfirma und arbeiten  mit Firmen in Asien. So hat die Familie immer ein gutes Auskommen. Das erzählt der heutige Firmeninhaber Levy.

Eva Wolff, geborene Wallheimer, stirbt am 17. November 1995 in Buenos Aires.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen:  
Literatur:  
Patenschaft: Stadtwerke Aurich
Verlegetermin: 19. September  2018

 

 

 

Siegfried Wolff

Veröffentlicht: 13. März 2010 von westermayer in Verlegung

Siegfried WOLFF
geboren am 29. Oktober 1908 in Aurich

Straße: Wallstraße 54
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstorben am 9. Mai 1995
Todesort: Buenos Aires
Siegfried Wolff ist am 29. Oktober 1908 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Wilhelm Wolff, geboren am 12. Juni 1881 in Aurich, undHenriette Wolff, geborene Heß, geboren am 31. März 1889 in Dornum.

Die Großeltern sind Samuel Wolff, geboren am 02. Januar 1846 in Aurich, und Lina Karoline Wolff, geborene Löwenthal, geboren am 01. Oktober 1859 in Aurich, väterlicherseits.

Die Großeltern mütterlicherseits sind Moses Heß, geboren am 27. Februar 1861, und Bertha Pess Wolff Heß, geborene Wolff, geboren am 02. März 1863in Großefehn.

Bertha Wolff ist die Schwester von Siegfried Wolff. Sie ist am 02. April 1910 in Aurich geboren. Ihr Todesdatum ist der 17. Juli 1942, der Todesort Auschwitz. Für sie ist in der Wallstraße 56 ein Stolperstein verlegt.

Siegfried und Bertha Wolffs Vater Wilhelm Samuel Wolff stirbt am 11. April 1924 an einer Lungenentzündung und ist auf dem Jüdischen Friedhof in Aurich beigesetzt.

Am  12. Mai 1933 heiratet Siegfried Wolff in Aurich die am 13. März 1911 in Aurich geborene Eva Wallheimer. Das Paar hat zwei Söhne. Wilhelm ist am 28. Juli 1933 in Aurich geboren und Levy am 11. April 1936, ebenfalls in Aurich. Die Familie lebt im Haus der Mutter Henriette Wolff in der Wallstraße 56, heute Wallstraße 54.

Am 20. August 1936 heiratet Evas Vater Levy Benjamin Wallheimer in Aurich die Witwe und Geschäftsfrau  Henriette Wolff, die Mutter des Siegfried Wolff.

Nicht ganz drei Monate zuvor, am 01. Juni 1936, verlassen Siegfried und Eva Wolff mit ihren Kindern Wilhelm und Levy Aurich und ziehen nach Amsterdam, in den Stadtteil Laandam (so die Eintragung im Melderegister), heute Zaandam , in die Niederlande.

Nach nicht ganz zwei Jahren dort, verlässt die Familie die Niederlande und kommt am  04. April 1938 nach Argentinien, nach Buenos Aires. Dort arbeiten andere Familienangehörige, so berichtet Levy Wolff, als Schlachter und Kaufleute.

Hier geht der Sohn Levy Wolff zunächst mit dem Großvater Levy Benjamin Wallheimer in die Barill-Siedlung und kehrt später im Alter von acht Jahren zur Familie nach Buenos Aires zurück.

Im Jahr 1958 gründet Siegfried Wolff  zusammen mit seinem Sohn Levy eine Importfirma. Sie machen ihre Geschäfte mit Firmen in Asien. So hat die Familie immer ein gutes Auskommen. Das erzählt der heutige Firmeninhaber Levy Wolff.

Siegfried Wolff stirbt am 09. Mai 1995 in Buenos Aires.

Recherche: Hinrich Schmidt
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.09.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Stadtwerke Aurich
Verlegetermin: 19. September  2018

Gisela Gertrud Wolff

Veröffentlicht: 12. März 2010 von westermayer in Verlegung

Gisela Gertrud WOLFF
geboren am 29. Dezember 1926 in Aurich

Straße: Große Mühlenwallstr. 36 (früher: Ostertorplatz 13)
Todesdatum: 20. März 1943, Deportation nach Sobibor am 17. März 1943
Todesort: Auschwitz

Gisela Gertrud Wolff, Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich

Gisela wird am 29. Dezember 1926 in Aurich geboren. Sie ist das zweite Kind von Jakob Isaak Wolff und seiner Frau Hertha geb. Löwenstein. Mehr als fünf Jahre zuvor, am 5. Mai 1921, wird ihr Bruder Fritz geboren.

Ihre Mutter Hertha Löwenstein wird am 9. Januar 1894 in Obernkirchen im Kreis Schaumburg im südlichen Niedersachsen geboren. Sie ist die Tochter des Lehrers Sussmann Löwenstein und dessen Ehefrau Sara. Hertha ist das zweite von insgesamt sechs Kindern des Ehepaares. Sie zieht am 26.03.1920 aus Obernkirchen nach Aurich. In diesen Tagen hat sie Jakob Isaak Wolff aus Aurich geheiratet.

Ihr Vater Jacob Isaak Wolff wird am 15. März 1887 in Aurich geboren. Er ist der dritte von sieben Söhnen des Schlachters Isaak Abraham Wolff und dessen Frau Regina, geb. Schulenklopper. Jacobs Brüder heißen Abraham, Joseph, David, Levy, Siegfried und Wilhelm. Jacobs Mutter Regina stammt aus Norden, sie ist die Tochter des Kaufmanns Joseph Hartog Schulenklopper und dessen Frau Rosette. 1901 ziehen die Eltern von Jacob nach Norden, wohl zu den Großeltern, der Grund hierfür ist unklar. Erst 1919, im Alter von 32 Jahren, kehrt Jacob nach Aurich zurück. Er ist beruflich nicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern wird wie sein Großvater mütterlicherseits Kaufmann. Gemeinsam mit seinem Bruder David führt er einen kleinen Betrieb am Ostertorplatz Nr. 14. Jacob selbst lebt zunächst in der Lindenstraße 12. Dorthin zieht im März 1920 auch Jacobs frisch angetraute Ehefrau Hertha, geb. Löwenstein.

Rund ein Jahr nach ihrer Hochzeit bekommen Hertha und Jacob ihr erstes Kind: Am 05. Mai 1921 kommt ihr Sohn Fritz auf die Welt. Fünfeinhalb Jahre später, am 29. Dezember 1926, wird dann Töchterchen Gisela Gertrud geboren. Spätestens ab 1925 scheinen die Geschäfte von Jacob recht gut zu laufen, denn Hertha wird von diesem Zeitpunkt an im Haushalt von Hausmädchen unterstützt. Im Februar 1931 zieht die Familie in das Haus am Ostertorplatz 13 um, möglicherweise, weil die Familie durch die Geburt der kleinen Gisela mehr Platz benötigt.

Ein erster Hinweis darauf, dass die Familie zunehmend unter den Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden hat, findet sich 1938: Im April zieht die Familie erneut um, und zwar in das Haus am Ostertorplatz 14, wo sich auch die Geschäftsräume befinden: So konnte Miete gespart werden. Fritz war zu diesem Zeitpunkt zudem bereits ausgezogen. Er hatte Aurich 1936 im Alter von fast 15 Jahren verlassen und war für ein dreiviertel Jahr nach Frankfurt am Main gezogen, möglicherweise, um eine Ausbildung zu beginnen. Nach seiner Rückkehr nach Aurich lebt er für rund drei Monate wieder hier, bevor er Ende April 1937 endgültig Ostfriesland verlässt und in die Niederlande emigriert. Er ist dort zunächst in Rotterdam und später in Leeuwarden gemeldet. Unklar ist, ob der sechzehnjährige Fritz ganz allein lebt oder – was wahrscheinlich ist – ob er familiäre Unterstützung hat: Seine Tante Johanna, die ältere Schwester seiner Mutter Hertha, lebt mit ihrem Mann bereits seit längerem in den Niederlanden.

In Deutschland indes werden die Schikanen der Nationalsozialisten immer schlimmer. Am 9. November 1938 wird in der Pogromnacht die Auricher Synagoge niedergebrannt und alle jüdischen Männer werden verhaftet. Auch Jacob wird zur Auricher „Bullenhalle“ an der Emder Straße getrieben und dort die ganze Nacht über schikaniert: Er und die übrigen Verhafteten müssen unter dem Gejohle der Zuschauer beten, religiöse Lieder singen und Exerzierübungen machen. Auch am nächsten Tag wird dies fortgeführt: Die Männer müssen zum Ellernfeld laufen, wo eine Sportanlage gebaut werden soll, und dort beispielsweise Sand von einer Seite des Platzes auf die andere bringen. Überlebende des Holocausts berichten später, vor dem aufgeschütteten Sandhügel Todesängste ausgestanden zu haben: Die Verhafteten fürchteten, an diesem Tag auf dem Ellernfeld erschossen zu werden. Doch die Männer werden am Abend schließlich im Auricher Gefängnis eingesperrt, wo sie nun auch zum ersten Mal seit ihrer Verhaftung etwas zu essen und zu trinken bekommen. Am nächsten Morgen werden Jacob und die übrigen Männer zunächst nach Oldenburg und dann in das KZ Sachsenhausen bei Hamburg gebracht. Ziel der Maßnahme ist es, die letzten noch arbeitenden jüdischen Unternehmen zu ruinieren.
Jacob ist bis zum 15. Dezember 1938 in Sachsenhausen unter schlimmsten Bedingungen interniert, denn die Versorgung mit Kleidung und Essen ist nur unzureichend und geheizt wird trotz des schlechten Wetters fast gar nicht. Gleichzeitig sind die Gefangenen immer wieder der Gewalt der Aufseher ausgesetzt.

Die Ereignisse im Herbst/Winter 1938 müssen bei Jacob und Hertha zu dem Entschluss geführt haben, auch ihre Tochter schnellstmöglich ins Ausland in Sicherheit zu bringen – auch wenn Gisela gerade erst zwölf Jahre alt geworden war. Im März 1939 verlässt daher auch Gisela Aurich und geht wie ihr Bruder nach Rotterdam. Wie oft sich die Geschwister noch sehen konnten, ist jedoch unklar, denn Gisela ist unter einer anderen Adresse gemeldet und zieht schon nach wenigen Monaten von Rotterdam nach Groningen um und lebt schließlich in Winschoten.

Am gleichen Tag, an dem Gisela Aurich verlässt, beziehen Jacob und Hertha ihre letzte Wohnung in Aurich in der Marktstraße 25, denn das Geschäftshaus, in dem sie bisher lebten, musste verkauft werden. Im Februar 1940 ziehen schließlich auch Jacob und Hertha fort, sie melden sich nach Bremen ab. Hier verliert sich scheinbar ihre Spur. Einen letzten Hinweis liefert eine Polizeiauskunft aus dem Jahre 1950: Darin heißt es, beide seien am 17. November 1941 aus Bremen „evakuiert“ worden. Weitere Recherchen ergaben, dass am 17. November 1941 tatsächlich Juden aus Bremen verhaftet und auf dem Schulhof des „Gymnasiums am Barkhof“ festgehalten wurden, die dann am nächsten Morgen mit einem Zug über Hamburg nach Minsk in Weißrussland deportiert wurden. Hier verliert sich die Spur der Eheleute, ihre Verwandten haben nie wieder etwas von ihnen gehört. Am 28. August 1951 werden Jacob und Hertha für tot erklärt.

Auch ihre Kinder Fritz und Gisela überleben den Holocaust nicht: Beide werden schließlich im Lager Westerbork interniert und von dort aus deportiert.

Fritz wurde am 24. August 1942 nach Auschwitz verbracht, laut den Totenbüchern von Auschwitz starb er am 7. September 1942 im Alter von einundzwanzig Jahren.

Gisela wurde am 17. März 1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert und dort am 20. März vergast. Sie wurde sechzehn Jahre alt.

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.03.2020)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: geni.com (Genealogie Datenbank)
https://www.geni.com/people/Jacob-Wolff/6000000009297695151
Literatur:
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

Fritz Jakob Wolff

Veröffentlicht: 12. März 2010 von westermayer in Verlegung

Fritz Jakob WOLFF
geboren am 5. Mai 1921 in Aurich

Straße: Große Mühlenwallstr. 36 (früher: Ostertorplatz 13)
Todesdatum: 7. September 1942, Deportation nach Auschwitz am 24. August 1942
Todesort: Auschwitz
Fritz Jakob Wolff wird am 5. Mai 1921 in Aurich geboren. Er ist das erste Kind von Jakob Isaak Wolff und seiner Frau Hertha geb. Löwenstein. Mehr als fünf Jahre später bekommt er eine Schwester: Gisela Gertrud, geboren am 26. Dezember 1926.

Seine Mutter Hertha Löwenstein wird am 9. Januar 1894 in Obernkirchen im Kreis Schaumburg im südlichen Niedersachsen geboren. Sie ist die Tochter des Lehrers Sussmann Löwenstein und dessen Ehefrau Sara. Hertha ist das zweite von insgesamt sechs Kindern des Ehepaares. Sie zieht am 26.03.1920 aus Obernkirchen nach Aurich. In diesen Tagen hat sie Jakob Isaak Wolff aus Aurich geheiratet.

Sein Vater Jacob Isaak Wolff wird am 15. März 1887 in Aurich geboren. Er ist der dritte von sieben Söhnen des Schlachters Isaak Abraham Wolff und dessen Frau Regina, geb. Schulenklopper. Jacobs Brüder heißen Abraham, Joseph, David, Levy, Siegfried und Wilhelm. Jacobs Mutter Regina stammt aus Norden, sie ist die Tochter des Kaufmanns Joseph Hartog Schulenklopper und dessen Frau Rosette. 1901 ziehen die Eltern von Jacob nach Norden, wohl zu den Großeltern, der Grund hierfür ist unklar. Erst 1919, im Alter von 32 Jahren, kehrt Jacob nach Aurich zurück. Er ist beruflich nicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern wird wie sein Großvater mütterlicherseits Kaufmann. Gemeinsam mit seinem Bruder David führt er einen kleinen Betrieb am Ostertorplatz Nr. 14. Jacob selbst lebt zunächst in der Lindenstraße 12. Dorthin zieht im März 1920 auch Jacobs frisch angetraute Ehefrau Hertha, geb. Löwenstein.

Rund ein Jahr nach ihrer Hochzeit bekommen Hertha und Jacob ihr erstes Kind: Am 05. Mai 1921 kommt ihr Sohn Fritz auf die Welt. Fünfeinhalb Jahre später, am 29. Dezember 1926, wird dann Töchterchen Gisela Gertrud geboren. Spätestens ab 1925 scheinen die Geschäfte von Jacob recht gut zu laufen, denn Hertha wird von diesem Zeitpunkt an im Haushalt von Hausmädchen unterstützt. Im Februar 1931 zieht die Familie in das Haus am Ostertorplatz 13 um, möglicherweise, weil die Familie durch die Geburt der kleinen Gisela mehr Platz benötigt.

Ein erster Hinweis darauf, dass die Familie zunehmend unter den Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden hat, findet sich 1938: Im April zieht die Familie erneut um, und zwar in das Haus am Ostertorplatz 14, wo sich auch die Geschäftsräume befinden: So konnte Miete gespart werden. Fritz war zu diesem Zeitpunkt zudem bereits ausgezogen. Er hatte Aurich 1936 im Alter von fast 15 Jahren verlassen und war für ein dreiviertel Jahr nach Frankfurt am Main gezogen, möglicherweise, um eine Ausbildung zu beginnen. Nach seiner Rückkehr nach Aurich lebt er für rund drei Monate wieder hier, bevor er Ende April 1937 endgültig Ostfriesland verlässt und in die Niederlande emigriert. Er ist dort zunächst in Rotterdam (Lumeystraat 11a, bis 12.04.1941) und später in Leeuwarden (Slootmakersstraat 10) gemeldet. Unklar ist, ob der sechzehnjährige Fritz ganz allein lebt oder – was wahrscheinlich ist – ob er familiäre Unterstützung hat: Seine Tante Johanna, die ältere Schwester seiner Mutter Hertha, lebt mit ihrem Mann bereits seit längerem in den Niederlanden.

In Deutschland indes werden die Schikanen der Nationalsozialisten immer schlimmer. Am 9. November 1938 wird in der Pogromnacht die Auricher Synagoge niedergebrannt und alle jüdischen Männer werden verhaftet. Auch Jacob wird zur Auricher „Bullenhalle“ an der Emder Straße getrieben und dort die ganze Nacht über schikaniert: Er und die übrigen Verhafteten müssen unter dem Gejohle der Zuschauer beten, religiöse Lieder singen und Exerzierübungen machen. Auch am nächsten Tag wird dies fortgeführt: Die Männer müssen zum Ellernfeld laufen, wo eine Sportanlage gebaut werden soll, und dort beispielsweise Sand von einer Seite des Platzes auf die andere bringen. Überlebende des Holocausts berichten später, vor dem aufgeschütteten Sandhügel Todesängste ausgestanden zu haben: Die Verhafteten fürchteten, an diesem Tag auf dem Ellernfeld erschossen zu werden. Doch die Männer werden am Abend schließlich im Auricher Gefängnis eingesperrt, wo sie nun auch zum ersten Mal seit ihrer Verhaftung etwas zu essen und zu trinken bekommen. Am nächsten Morgen werden Jacob und die übrigen Männer zunächst nach Oldenburg und dann in das KZ Sachsenhausen bei Hamburg gebracht. Ziel der Maßnahme ist es, die letzten noch arbeitenden jüdischen Unternehmen zu ruinieren.

Jacob ist bis zum 15. Dezember 1938 in Sachsenhausen unter schlimmsten Bedingungen interniert, denn die Versorgung mit Kleidung und Essen ist nur unzureichend und geheizt wird trotz des schlechten Wetters fast gar nicht. Gleichzeitig sind die Gefangenen immer wieder der Gewalt der Aufseher ausgesetzt.

Die Ereignisse im Herbst/Winter 1938 müssen bei Jacob und Hertha zu dem Entschluss geführt haben, auch ihre Tochter schnellstmöglich ins Ausland in Sicherheit zu bringen – auch wenn Gisela gerade erst zwölf Jahre alt geworden war. Im März 1939 verlässt daher auch Gisela Aurich und geht wie ihr Bruder nach Rotterdam. Wie oft sich die Geschwister noch sehen konnten, ist jedoch unklar, denn Gisela ist unter einer anderen Adresse gemeldet und zieht schon nach wenigen Monaten von Rotterdam nach Groningen um und lebt schließlich in Winschoten.

Am gleichen Tag, an dem Gisela Aurich verlässt, beziehen Jacob und Hertha ihre letzte Wohnung in Aurich in der Marktstraße 25, denn das Geschäftshaus, in dem sie bisher lebten, musste verkauft werden. Im Februar 1940 ziehen schließlich auch Jacob und Hertha fort, sie melden sich nach Bremen ab. Hier verliert sich scheinbar ihre Spur. Einen letzten Hinweis liefert eine Polizeiauskunft aus dem Jahre 1950: Darin heißt es, beide seien am 17. November 1941 aus Bremen „evakuiert“ worden. Weitere Recherchen ergaben, dass am 17. November 1941 tatsächlich Juden aus Bremen verhaftet und auf dem Schulhof des „Gymnasiums am Barkhof“ festgehalten wurden, die dann am nächsten Morgen mit einem Zug über Hamburg nach Minsk in Weißrussland deportiert wurden. Hier verliert sich die Spur der Eheleute, ihre Verwandten haben nie wieder etwas von ihnen gehört. Am 28. August 1951 werden Jacob und Hertha für tot erklärt.

Auch ihre Kinder Fritz und Gisela überleben den Holocaust nicht: Beide werden schließlich im Lager Westerbork interniert und von dort aus deportiert.

Fritz wurde am 24. August 1942 nach Auschwitz verbracht, laut den Totenbüchern von Auschwitz starb er am 7. September 1942 im Alter von einundzwanzig Jahren.

Gisela wurde am 17. März 1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert und dort am 20. März vergast. Sie wurde sechzehn Jahre alt.

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.03.2020)
Foto: Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA Aurich Rep. 34c, Nr. 1203/1+2Rep. 248, Nr. 94, 947  / Rep. 107, Nr. 1415 / Rep. 34c, Ne. 186a und 1069 /Rep. 85/V, Nr. 1/2 /Rep. 121, Nr. 1735

https://www.geni.com/people/Jacob-Wolff/6000000009297695151

Literatur:
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

Hertha Wolff geb. Löwenstein

Veröffentlicht: 12. März 2010 von westermayer in Verlegung

Hertha WOLFF geb. Löwenstein
geboren am 9. Januar 1894 in Obernkirchen

Straße: Große Mühlenwallstr. 36 (früher: Ostertorplatz 13)
Todesdatum: Deportation nach Minsk 17. November 1941
Todesort: unbekannt
Hertha Löwenstein wird am 9. Januar 1894 in Obernkirchen im Kreis Schaumburg im südlichen Niedersachsen geboren. Sie ist die Tochter des Lehrers Sussmann Löwenstein und dessen Ehefrau Sara. Hertha ist das zweite von insgesamt sechs Kindern des Ehepaares. Sie zieht am 26.03.1920 aus Obernkirchen nach Aurich. In diesen Tagen hat sie Jakob Isaak Wolff aus Aurich geheiratet.

Jacob Isaak Wolff wird am 15. März 1887 in Aurich geboren. Er ist der dritte von sieben Söhnen des Schlachters Isaak Abraham Wolff und dessen Frau Regina, geb. Schulenklopper. Jacobs Brüder heißen Abraham, Joseph, David, Levy, Siegfried und Wilhelm.

Jacobs Mutter Regina stammt aus Norden, sie ist die Tochter des Kaufmanns Joseph Hartog Schulenklopper und dessen Frau Rosette. 1901 ziehen die Eltern von Jacob nach Norden, wohl zu den Großeltern, der Grund hierfür ist unklar. Erst 1919, im Alter von 32 Jahren, kehrt Jacob nach Aurich zurück. Er ist beruflich nicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern wird wie sein Großvater mütterlicherseits Kaufmann. Gemeinsam mit seinem Bruder David führt er einen kleinen Betrieb am Ostertorplatz Nr. 14. Jacob selbst lebt zunächst in der Lindenstraße 12. Dorthin zieht im März 1920 auch Jacobs frisch angetraute Ehefrau Hertha, geb. Löwenstein.
Rund ein Jahr nach ihrer Hochzeit bekommen Hertha und Jacob ihr erstes Kind: Am 05. Mai 1921 kommt ihr Sohn Fritz auf die Welt. Fünfeinhalb Jahre später, am 29. Dezember 1926, wird dann Töchterchen Gisela Gertrud geboren. Spätestens ab 1925 scheinen die Geschäfte von Jacob recht gut zu laufen, denn Hertha wird von diesem Zeitpunkt an im Haushalt von Hausmädchen unterstützt. Im Februar 1931 zieht die Familie in das Haus am Ostertorplatz 13 um, möglicherweise, weil die Familie durch die Geburt der kleinen Gisela mehr Platz benötigt.

Ein erster Hinweis darauf, dass die Familie zunehmend unter den Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden hat, findet sich 1938: Im April zieht die Familie erneut um, und zwar in das Haus am Ostertorplatz 14, wo sich auch die Geschäftsräume befinden: So konnte Miete gespart werden. Fritz war zu diesem Zeitpunkt zudem bereits ausgezogen. Er hatte Aurich 1936 im Alter von fast 15 Jahren verlassen und war für ein dreiviertel Jahr nach Frankfurt am Main gezogen, möglicherweise, um eine Ausbildung zu beginnen. Nach seiner Rückkehr nach Aurich lebt er für rund drei Monate wieder hier, bevor er Ende April 1937 endgültig Ostfriesland verlässt und in die Niederlande emigriert. Er ist dort zunächst in Rotterdam und später in Leeuwarden gemeldet. Unklar ist, ob der sechzehnjährige Fritz ganz allein lebt oder – was wahrscheinlich ist – ob er familiäre Unterstützung hat: Seine Tante Johanna, die ältere Schwester seiner Mutter Hertha, lebt mit ihrem Mann bereits seit längerem in den Niederlanden.

In Deutschland indes werden die Schikanen der Nationalsozialisten immer schlimmer. Am 9. November 1938 wird in der Pogromnacht die Auricher Synagoge niedergebrannt und alle jüdischen Männer werden verhaftet. Auch Jacob wird zur Auricher „Bullenhalle“ an der Emder Straße getrieben und dort die ganze Nacht über schikaniert: Er und die übrigen Verhafteten müssen unter dem Gejohle der Zuschauer beten, religiöse Lieder singen und Exerzierübungen machen. Auch am nächsten Tag wird dies fortgeführt: Die Männer müssen zum Ellernfeld laufen, wo eine Sportanlage gebaut werden soll, und dort beispielsweise Sand von einer Seite des Platzes auf die andere bringen. Überlebende des Holocausts berichten später, vor dem aufgeschütteten Sandhügel Todesängste ausgestanden zu haben: Die Verhafteten fürchteten, an diesem Tag auf dem Ellernfeld erschossen zu werden. Doch die Männer werden am Abend schließlich im Auricher Gefängnis eingesperrt, wo sie nun auch zum ersten Mal seit ihrer Verhaftung etwas zu essen und zu trinken bekommen. Am nächsten Morgen werden Jacob und die übrigen Männer zunächst nach Oldenburg und dann in das KZ Sachsenhausen bei Hamburg gebracht. Ziel der Maßnahme ist es, die letzten noch arbeitenden jüdischen Unternehmen zu ruinieren.

Jacob ist bis zum 15. Dezember 1938 in Sachsenhausen unter schlimmsten Bedingungen interniert, denn die Versorgung mit Kleidung und Essen ist nur unzureichend und geheizt wird trotz des schlechten Wetters fast gar nicht. Gleichzeitig sind die Gefangenen immer wieder der Gewalt der Aufseher ausgesetzt.

Die Ereignisse im Herbst/Winter 1938 müssen bei Jacob und Hertha zu dem Entschluss geführt haben, auch ihre Tochter schnellstmöglich ins Ausland in Sicherheit zu bringen – auch wenn Gisela gerade erst zwölf Jahre alt geworden war. Im März 1939 verlässt daher auch Gisela Aurich und geht wie ihr Bruder nach Rotterdam. Wie oft sich die Geschwister noch sehen konnten, ist jedoch unklar, denn Gisela ist unter einer anderen Adresse gemeldet und zieht schon nach wenigen Monaten von Rotterdam nach Groningen um und lebt schließlich in Winschoten.

Am gleichen Tag, an dem Gisela Aurich verlässt, beziehen Jacob und Hertha ihre letzte Wohnung in Aurich in der Marktstraße 25, denn das Geschäftshaus, in dem sie bisher lebten, musste verkauft werden. Im Februar 1940 ziehen schließlich auch Jacob und Hertha fort, sie melden sich nach Bremen ab. Hier verliert sich scheinbar ihre Spur. Einen letzten Hinweis liefert eine Polizeiauskunft aus dem Jahre 1950: Darin heißt es, beide seien am 17. November 1941 aus Bremen „evakuiert“ worden. Weitere Recherchen ergaben, dass am 17. November 1941 tatsächlich Juden aus Bremen verhaftet und auf dem Schulhof des „Gymnasiums am Barkhof“ festgehalten wurden, die dann am nächsten Morgen mit einem Zug über Hamburg nach Minsk in Weißrussland deportiert wurden. Hier verliert sich die Spur der Eheleute, ihre Verwandten haben nie wieder etwas von ihnen gehört. Am 28. August 1951 werden Jacob und Hertha für tot erklärt.

Auch ihre Kinder Fritz und Gisela überleben den Holocaust nicht: Beide werden schließlich im Lager Westerbork interniert und von dort aus deportiert.

Fritz wurde am 24. August 1942 nach Auschwitz verbracht, laut den Totenbüchern von Auschwitz starb er am 7. September 1942 im Alter von einundzwanzig Jahren.

Gisela wurde am 17. März 1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert und dort am 20. März vergast. Sie wurde sechzehn Jahre alt.

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.03.2020)
Foto: Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA Aurich Rep. 34c, Nr. 1203/1+2

Rep. 248, Nr. 94, 947  / Rep. 107, Nr. 1415 / Rep. 34c, Ne. 186a und 1069 /Rep. 85/V, Nr. 1/2 /Rep. 121, Nr. 1735

https://www.geni.com/people/Jacob-Wolff/6000000009297695151

Literatur:
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

Jacob Isaak Wolff

Veröffentlicht: 12. März 2010 von westermayer in Verlegung

Jacob Isaak WOLFF
geboren am 15. März 1887 in Aurich

Straße: Große Mühlenwallstr. 36 (früher: Ostertorplatz 13)
Todesdatum: Deportation nach Minsk 17. November 1941
Todesort: unbekannt

Jacob Isaak Wolff 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Jacob Isaak Wolff wird am 15. März 1887 in Aurich geboren. Er ist der dritte von sieben Söhnen des Schlachters Isaak Abraham Wolff (19.03.1848 in Aurich – 28.04.1933 in Aurich) und dessen Frau Regina, geb. Schulenklopper (26.05.1853 in Norden – 14.05.1936).

Jacobs Brüder heißen
Abraham *7.07.1883 Flucht nach Argentinien
Joseph *14.04.1985 überlebt, New York
David Isaak *13.05.1889 +19.02.1942 Auschwitz (Stolperstein)
Levy *28.05.1892 +15.03.1979 Nahariyya, Israel
Siegfried *4.09.1894    überlebt
Wilhelm *20.08.1899 +23.07.1984 Argentinien

Jacobs Mutter Regina stammt aus Norden, sie ist die Tochter des Kaufmanns Joseph Hartog Schulenklopper und dessen Frau Rosette.  Sie hat 10 Geschwister. 1901 ziehen die Eltern von Jacob nach Norden, wohl zu den Großeltern, der Grund hierfür ist unklar. Erst 1919, im Alter von 32 Jahren, kehrt Jacob nach Aurich zurück. Er ist beruflich nicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern wird wie sein Großvater mütterlicherseits Kaufmann.

Gemeinsam mit seinem Bruder David führt er einen kleinen Betrieb am Ostertorplatz Nr. 14. Das Haus kauften sie 1919 für 45.000 RM wobei man aber nicht sagen kann, dass das Haus auch so viel Wert war, da im Jahre 1919 die Inflation begann und das Geld einen hohen Wertverlust erlitt. Das Geschäftshaus in der unteren Etage hatte eine Grundfläche von ca.  100m², die Wohnung im Obergeschoss hatte ca. 60m² Wohnfläche. Das Textilhaus lag in einer Straße mit der besten Stadtlage und die Brüder waren häufig auf Märkten mit einem Stand vertreten. Irgendwann im Laufe der Jahre stieg Siegfried Wolff aus der Firma aus. Im Jahre 1938 beauftragten die Gebrüder David und Jakob Wolff einen Auktionator mit dem Verkauf des Hauses. Der Grund des angeblich freiwilligen Verkaufes war die Finanzierung einer Auswanderung ins Ausland von.
Daraufhin meldeten sich einige Interessenten, die allerdings erst von der Industrie- und Handelskammer überprüft werden musste, ob sie dazu berechtigt sind ein Manufakturwaren- und Fertigkleidungsgeschäft zu leiten.
In der Reichspogromnacht wurde das Geschäft zerstört und geplündert. Das Warenlager hatte zu der Zeit einen Wert von 40.000RM, das Wohn-und Geschäftshaus hatte einen Wert von 60.000RM. Die Nationalsozialisten brachten die Waren aus dem Lager in ein Zwischenlager im Brems Garten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die beiden Brüder im Konzentrationslager Sachsenhausen und konnten den Verbleib der Waren und Möbel nicht überwachen. Am 20. Dezember 1938 wurde das Haus an einen Kaufmann aus Haren für 32.000RM verkauft.
Nach Kriegsende wurde in einem Antrag auf Rückerstattung von Vermögen über das Erbe von David und Jakob Wolff verhandelt. Der Bevollmächtigte für das Verfahren war Dr. jur. Anklam, ehemaliger Bürgermeister von Aurich. Antragsteller war der Bruder Abraham Wolff der vor dem Krieg nach Argentinien flüchtet. Durch das Wiedergutmachungsverfahren, wurde das Erbe der Brüder gerecht auf beide Familien aufgeteilt.

Zum Zeitpunkt der Gründung des Geschäftes lebt Jacob Isaak selbst zunächst in der Lindenstraße 12. Dorthin zieht im März 1920 auch Jacobs frisch angetraute Ehefrau Hertha, geb. Löwenstein.

Hertha Löwenstein stammt ursprünglich aus Obernkirchen im Kreis Schaumburg im südlichen Niedersachsen. Sie ist die Tochter des Lehrers Sussmann Löwenstein und dessen Ehefrau Sara. Hertha ist das zweite von insgesamt sechs Kindern des Ehepaares.

Rund ein Jahr nach ihrer Hochzeit bekommen Hertha und Jacob ihr erstes Kind: Am 05. Mai 1921 kommt ihr Sohn Fritz auf die Welt. Fünfeinhalb Jahre später, am 29. Dezember 1926, wird dann Töchterchen Gisela Gertrud geboren. Spätestens ab 1925 scheinen die Geschäfte von Jacob recht gut zu laufen, denn Hertha wird von diesem Zeitpunkt an im Haushalt von Hausmädchen unterstützt. Im Februar 1931 zieht die Familie in das Haus am Ostertorplatz 13 um, möglicherweise, weil die Familie durch die Geburt der kleinen Gisela mehr Platz benötigt.

Ein erster Hinweis darauf, dass die Familie zunehmend unter den Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden hat, findet sich 1938: Im April zieht die Familie erneut um, und zwar in das Haus am Ostertorplatz 14, wo sich auch die Geschäftsräume befinden: So konnte Miete gespart werden. Fritz war zu diesem Zeitpunkt zudem bereits ausgezogen. Er hatte Aurich 1936 im Alter von fast 15 Jahren verlassen und war für ein dreiviertel Jahr nach Frankfurt am Main gezogen, möglicherweise, um eine Ausbildung zu beginnen. Nach seiner Rückkehr nach Aurich lebt er für rund drei Monate wieder hier, bevor er Ende April 1937 endgültig Ostfriesland verlässt und in die Niederlande emigriert. Er ist dort zunächst in Rotterdam und später in Leeuwarden gemeldet. Unklar ist, ob der sechzehnjährige Fritz ganz allein lebt oder – was wahrscheinlich ist – ob er familiäre Unterstützung hat: Seine Tante Johanna, die ältere Schwester seiner Mutter Hertha, lebt mit ihrem Mann bereits seit längerem in den Niederlanden.

In Deutschland indes werden die Schikanen der Nationalsozialisten immer schlimmer. Am 9. November 1938 wird in der Pogromnacht die Auricher Synagoge niedergebrannt und alle jüdischen Männer werden verhaftet. Auch Jacob wird zur Auricher „Bullenhalle“ an der Emder Straße getrieben und dort die ganze Nacht über schikaniert: Er und die übrigen Verhafteten müssen unter dem Gejohle der Zuschauer beten, religiöse Lieder singen und Exerzierübungen machen. Auch am nächsten Tag wird dies fortgeführt: Die Männer müssen zum Ellernfeld laufen, wo eine Sportanlage gebaut werden soll, und dort beispielsweise Sand von einer Seite des Platzes auf die andere bringen. Überlebende des Holocausts berichten später, vor dem aufgeschütteten Sandhügel Todesängste ausgestanden zu haben: Die Verhafteten fürchteten, an diesem Tag auf dem Ellernfeld erschossen zu werden. Doch die Männer werden am Abend schließlich im Auricher Gefängnis eingesperrt, wo sie nun auch zum ersten Mal seit ihrer Verhaftung etwas zu essen und zu trinken bekommen. Am nächsten Morgen werden Jacob und die übrigen Männer zunächst nach Oldenburg und dann in das KZ Sachsenhausen bei Hamburg gebracht. Ziel der Maßnahme ist es, die letzten noch arbeitenden jüdischen Unternehmen zu ruinieren.

Jacob ist bis zum 15. Dezember 1938 in Sachsenhausen unter schlimmsten Bedingungen interniert, denn die Versorgung mit Kleidung und Essen ist nur unzureichend und geheizt wird trotz des schlechten Wetters fast gar nicht. Gleichzeitig sind die Gefangenen immer wieder der Gewalt der Aufseher ausgesetzt.

Die Ereignisse im Herbst/Winter 1938 müssen bei Jacob und Hertha zu dem Entschluss geführt haben, auch ihre Tochter schnellstmöglich ins Ausland in Sicherheit zu bringen – auch wenn Gisela gerade erst zwölf Jahre alt geworden war. Im März 1939 verlässt daher auch Gisela Aurich und geht wie ihr Bruder nach Rotterdam. Wie oft sich die Geschwister noch sehen konnten, ist jedoch unklar, denn Gisela ist unter einer anderen Adresse gemeldet und zieht schon nach wenigen Monaten von Rotterdam nach Groningen um und lebt schließlich in Winschoten.

Am gleichen Tag, an dem Gisela Aurich verlässt, beziehen Jacob und Hertha ihre letzte Wohnung in Aurich in der Marktstraße 25, denn das Geschäftshaus, in dem sie bisher lebten, musste verkauft werden. Im Februar 1940 ziehen schließlich auch Jacob und Hertha fort, sie melden sich nach Bremen ab. Hier verliert sich scheinbar ihre Spur. Einen letzten Hinweis liefert eine Polizeiauskunft aus dem Jahre 1950: Darin heißt es, beide seien am 17. November 1941 aus Bremen „evakuiert“ worden. Weitere Recherchen ergaben, dass am 17. November 1941 tatsächlich Juden aus Bremen verhaftet und auf dem Schulhof des „Gymnasiums am Barkhof“ festgehalten wurden, die dann am nächsten Morgen mit einem Zug über Hamburg nach Minsk in Weißrussland deportiert wurden. Hier verliert sich die Spur der Eheleute, ihre Verwandten haben nie wieder etwas von ihnen gehört. Am 28. August 1951 werden Jacob und Hertha für tot erklärt.

Auch ihre Kinder Fritz und Gisela überleben den Holocaust nicht: Beide werden schließlich im Lager Westerbork interniert und von dort aus deportiert.

Fritz wurde am 24. August 1942 nach Auschwitz verbracht, laut den Totenbüchern von Auschwitz starb er am 7. September 1942 im Alter von einundzwanzig Jahren.

Gisela wurde am 17. März 1943 von Westerbork aus nach Sobibor deportiert und dort am 20. März vergast. Sie wurde sechzehn Jahre alt.

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.03.2020)
Foto: Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA Aurich Rep. 34c, Nr. 1203/1+2

Rep. 248, Nr. 94, 947  / Rep. 107, Nr. 1415 / Rep. 34c, Ne. 186a und 1069 /Rep. 85/V, Nr. 1/2 /Rep. 121, Nr. 1735

https://www.geni.com/people/Jacob-Wolff/6000000009297695151

Literatur:
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

Hans „Henry“ Samson

Veröffentlicht: 11. März 2010 von westermayer in Verlegung

Hans “Henry“ SAMSON
geboren am 7. November 1929 in Aurich

Straße: Breiter Weg 21
Todesdatum: Flucht nach Belgien, überlebt den Holocaust
Todesort:

Hans „Henry“ Samson 1939 Foto der Kennkarte, NLA Aurich

Hans Samson wird als zweites Kind des Viehhändlers Iwan Samson und seiner Frau Hannchen geb. Wolff am 7. November 1929 in Aurich geboren. Seine ältere Schwester Marga kommt am 14. September 1926 zur Welt. Während die Kinder den Holocaust in Belgien überleben (s. u.), weil es gelingt, sie mit Hilfe eines katholischen Priesters zu verstecken, werden die Eltern dort verraten, nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Ihre Mutter, Hannchen Wolff, stammt aus einer Familie von Schlachtern und Viehhändlern. Ihre Eltern sind Wolff Jacob Wolff und Marianne, geb. Aschendorf, aus Norden. Hannchen wird am 12. März 1900 geboren, im Abstand von rund zwei Jahren kommen jeweils ihre jüngeren Brüder Jacob, Richard und Walter zur Welt. Richard und Walter sollte später die Flucht nach New York bzw. nach Argentinien gelingen.

Hannchen lernt Iwan Wolff kennen. Das junge Paar heiratet am 2. Mai 1926 und zieht eine Woche später in die erste gemeinsame Wohnung in der Esenser Straße 14.

Iwan Samson ist der Sohn des Viehhändlers Ruben Samson und dessen Frau Amalie, geb. Simon. Iwan wird am 11. Mai 1899 in Aurich geboren, er ist das erste Kind seiner Eltern. Rund eineinhalb Jahre später erblickt sein jüngerer Bruder Josef am 17. Dezember 1900 das Licht der Welt. Josef Samson arbeitet als Viehhändler. Er kann mit Frau und Tochter nach Frankreich fliehen, wird aber nach der deutschen Besetzung interniert und wie seine Frau in Auschwitz ermordet. Für seine Familie wurden Stolpersteine in der Straße Am Neuen Hafen 2 verlegt.

Die Samsons sind eine seit langem in Ostfriesland eingesessene und angesehene Familie: Iwans Vater, sein Großvater und seine Onkel sind erfolgreiche Schlachter und Viehhändler. Den Großeltern gehört das große Gut Coldehörn in Sandhorst und sein Onkel „Benjamin“ Bendit Samson sitzt schließlich sogar in Aurich im Stadtparlament. Wie sein Vater und Großvater und auch sein Bruder ergreift Iwan den Beruf des „Schlachters und Viehhändlers“. Ursprünglich wohnten Iwan und seine Eltern in der Wilhelmsstraße 19 (heute Burgstraße), 1926 kommt es jedoch zu mehreren Umzügen: Während die Eltern von Iwan sich zunächst in diesem Haus im Breiten Weg niederlassen, zieht Iwan in die Esenser Straße 14. und gründet nämlich nun seinen eigenen Haushalt mit Hannchen.
Schon bald nach der Hochzeit kommt das erste Kind des jungen Ehepaares zur Welt: Am 14. September 1926 wird Tochter Marga geborgen und nur wenige Monate später wird Hannchen erneut schwanger: Am 30. Januar 1928 erblickt der älteste Sohn Walter das Licht der Welt. Leider stirbt Walter jedoch plötzlich im Alter von nur 9 Monaten, am 20. November 1928. Im Sterberegister der Stadt ist als Todesursache „Herzschlag“ angegeben – möglicherweise verstarb er am „plötzlichen Kindstod“. Für Hannchen und Iwan muss dies ein schlimmer Schlag gewesen sein, über den auch Hannchens erneute Schwangerschaft wohl kaum hinwegtrösten konnte. Am 7. November 1929, fast ein Jahr nach dem Tode Walters, kommt schließlich Hans Samson zur Welt.

Der jungen Familie geht es finanziell gut, Iwan arbeitet zunächst im erfolgreichen Betrieb seines Vaters und seiner Onkel mit und hat schließlich auch selbst ein Gewerbe angemeldet. Hannchen wird im Haushalt sogar noch bis 1938 von Hausmädchen unterstützt.

Am 1. Februar 1933 zieht die junge Familie um in das Haus im Breiten Weg 21. Die Gründe für den Umzug zu diesem Zeitpunkt sind unklar – möglicherweise geht es Amalie, Iwans Mutter, gesundheitlich nicht mehr so gut und Hannchen und Iwan möchten die Eltern stärker unterstützen. Amalie Samson verstirbt schließlich am 15. Oktober 1933 im Alter von gerade einmal 60 Jahren.

In den folgenden Jahren geht es der Familie wirtschaftlich immer schlechter, so dass sie das Haus im Breiten Weg 1937 schließlich verkaufen müssen. In der Folge ziehen Iwan, Hannchen und die Kinder am 1. Juli 1937 in die Von-Jhering-Straße 27 um. Ruben Samson zieht bei seinem Bruder Bendit ein, dem das Haus in der Zingelstraße 3 gehört.
In der Von-Jhering-Straße wohnen die Samsons jedoch nur knapp neun Monate, dann zieht die Familie um nach Süderneuland – dort leben die Eltern von Hannchen. Von dort aus wandern Iwan und Hannchen mit ihren beiden Kindern schließlich nach Belgien aus und lassen sich in Brüssel nieder. Als Belgien von den Deutschen besetzt wird, taucht die Familie unter. Es gelingt den Eltern, ihre beiden Kinder mit Hilfe eines katholischen Priesters erfolgreich zu verstecken. Iwan und Hannchen jedoch werden verraten und verhaftet. Am 4. April 1944 werden beide gemeinsam mit dem Transport Nr. 24 vom Sammellager Malines aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Auf den Transportlisten sind sie unter Nr. 276 und 277 aufgeführt. Dies ist das letzte Lebenszeichen von Iwan und Hannchen. Mit dem Transport verliert sich ihre Spur. Nach dem Krieg werden beide schließlich für tot erklärt. Iwan wurde 44 Jahre alt, seine Frau Hannchen 43.

Hans und Marga überleben Dank der Hilfe des Priesters. Nach Ende des Krieges planen beide, in die USA auszuwandern. Doch Marga kommt etwas Entscheidendes „dazwischen“: Sie verliebt sich in den Belgier Gerard Vangeebergen, den sie heiratet und mit dem sie einen Sohn bekommt: Ivan. Sie lebt bis heute in Brüssel hat inzwischen einen Enkelsohn, Vincent. Leider geht es ihr gesundheitlich nicht gut.

Hans wandert tatsächlich in die USA aus. Er dient dort zwei Jahre in der US-Army und lässt sich in Edison, New York, als Kaufmann nieder. Während er in Belgien unter dem Namen „Jean“ gelebt hatte, nennt Hans sich nun „Henri H.“ (Hans) Samson. 1956 lernt er Esther Meworach kennen, die über Italien und die Schweiz schließlich in die USA geflohen war und die ebenfalls viele Familienmitglieder im Holocaust verloren hat. 1966 heiratet das Paar. Esther und Hans/Henri bekommen zwei Töchter, Annette und Shari, und haben drei Enkelkinder: Andrew, Randy und Alexa. Henry und Esther nehmen an der „Woche der Begegnung“ im Jahre 2002 teil. Am 27. April 2006 stirbt Hans/Henri. Seine Frau lebt anschließend bis zu ihrem Tod am 21. März 2020 in Somerset/New Jersey, nahe bei ihren Töchtern.

Dr. Sandra Weferling mit einem Foto aus dem Jahre 2002

 

Recherche: Dr. Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer, Ergänzungen und Fotos von der Stolpersteinverlegung: Günther Lübbers
(Stand 17. Januar 2024)
Foto: Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA Aurich Rep. 34c, 186a und 143
Rep. 248, Nr. 943 / Rep. 249b, Nr. 2930 / Rep. 248, Nr. 947 / Rep. 127, Nr. Acc 2010/064 Nr. 1449 / Rep., 54 Nr. 195
Literatur:
Patenschaft: Günther und Elfriede Lübbers
Verlegetermin: 21. Oktober  2016