Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Sophie Aron geb. Aron

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

Sophie ARON geb. Aron
geboren am 21. Januar 1873 in Leer

Straße: Oldersumer Str. 53 (ehemals Georgstr. 53)
Todesdatum: 5. Februar 1943
Todesort: Auschwitz
Sophie Aron wird am 21. Januar 1873 in Leer geboren. Ihre Eltern sind der Optiker Abraham Hirsch Aron und Johanne Meyer, geb. David. Sie hat noch drei Brüder, Adolf Aron [siehe: Stolperstein in der Norderstr. 8], geboren 1869, Louis geboren 1875 und den jüngsten Bruder Moritz (auch Moses) 1878.

Sophie Aron erlernt den Beruf der Putzmacherin und ist 28 Jahre alt, als sie am 3. März 1901 in Leer den in Aurich wohnenden Optiker und Brillenhändler Gottschalk Hirsch Aron heiratet. Gottschalk, geboren am 31.12.1842, stammt aus der Nähe von Bremen, aus Lesum, Kreis Blumenthal. Sophie zieht zu ihrem Mann nach Aurich, der in der Norderstraße 37 sein Optikergeschäft betreibt. Ihr Sohn Hermann kommt am 2. August 1901 in Aurich zur Welt.

Ihr zweites Kind Johanna wird drei Jahre später geboren, am 18. Januar 1904. Ihr drittes Kind Paula bringt sie in ihrer Heimatstadt Leer am 4. Oktober 1905 zur Welt. Zwei Wochen später kehrt Sophie aber wieder nach Aurich zurück.

Ihr Ehemann Gottschalk Hirsch Aron stirbt am 19. November 1919 im Alter von 76 Jahren an einem Schlaganfall und Sophie verlässt das gemeinsame Haus in der Norderstraße wahrscheinlich kurz nach dem Tod ihres Ehemannes. Im Auricher Adressbuch von 1926 ist sie unter ihrer neuen Anschrift verzeichnet: Georgstraße 53. Hier sind auch ihre Kinder Hermann, Johanna und Paula gemeldet.

Es war ein großes Haus mit mehreren Wohnungen. Außerdem wohnen in diesen Jahren hier noch die Witwe eines Predigers, ein Referendar und eine Hausdame.

Im Dezember 1933 verlassen ihre Töchter Aurich und ziehen in die Niederlande. Anfang Oktober 1935 folgt Sophie mit ihrem Sohn Hermann den beiden Töchtern in das vermeintlich sichere Amsterdam. Doch am 10. Mai 1940 werden die Niederlande von der deutschen Wehrmacht besetzt. Hermann, der sich 1936 Richtung Ruhrgebiet abmeldet, gilt seitdem als verschollen. Im Februar 1941 wohnen die drei Frauen aus Aurich noch in der „Nieuwe Keizersgracht 74 I“, eine Straße, in der damals viele jüdische Flüchtlinge leben.

Sophie kann noch im Januar 1942 miterleben, wie ihre Tochter Paula den Angestellten Maurits Leonardus Blitz (geboren 24. April 1903) heiratet. Dann wird sie von ihren Töchtern getrennt, die 1942 im Lager Westerbork interniert und nach Auschwitz deportiert werden.

Am 14. Januar 1943 wird die mittlerweile 69-jährige Sophie Aron nach Vught und in das Lager Herzogenbosch gebracht. Ihr Leidensweg ist aber noch nicht zu Ende. Schon zwei Wochen später, am 29. Januar, wird sie mit weiteren 436 alten und kranken jüdischen Gefangenen in das Lager Westerbork überführt. Am 2. Februar 1943 erfolgt die Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie am 5. Februar 1943 ermordet wird.

Von ihren nächsten Angehörigen überlebt nur ein Neffe, der Sohn ihres Bruders Moritz. Er kann sich nach Uruguay retten. Ihr Bruder Louis flieht in die Niederlande, er wird vom Lager Westerbork am 17. März 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich kommt auch  Moritz in den Vernichtungslagern um.

Gunther Demnig bei der Arbeit

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.03.2018)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA- Standort Aurich- : Meldekartei der Stadt Aurich (Dep. 34 C Nr. 1203/1)
Auskunft von Jose Martin, Erinnerungszentrum Lager Gedenkstätte Westerbork
Literatur:
Patenschaft: Staatsarchiv Aurich
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

 

 

Paula Aron verh. Blitz

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

Paula ARON verh. Blitz
geboren am 4. Oktober 1905 in Leer

Straße: Oldersumer Str. 53 (ehemals: Georgstr.53)
Todesdatum: 18. August 1942
Todesort: Auschwitz
Paula ist das dritte Kind von Sophie Aron, geb. Aron und Gottschalk Aron Hirsch. Ihr Vater betreibt in der Norderstr. 37 ein Optikergeschäft, ihre Mutter arbeitet als Putzmacherin. Sie hat noch zwei Geschwister: den älteren Bruder Hermann, geboren 2.08.1901, und die ältere Schwester Johanna, geboren 18.01.1904. Paula arbeitet wie ihre Mutter und die Schwester als Näherin und Schneiderin.

Nach dem Tod des Vaters, der am 19. November 1919 einem Schlaganfall erliegt, zieht die Familie in die Georgstraße 53 (heute Oldersumer Str. 53), einem großen Haus, in dem noch eine Witwe eines Predigers, ein Referendar und eine Hausdame wohnen.

Am 1. Dezember 1933 meldet sich Paula mit ihrer Schwester Johanna, die sich schon 1932 kurz in den Niederlanden aufgehalten hat, nach Amsterdam ab. Vielleicht haben sie die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 richtig gedeutet.

Im Oktober 1935 ziehen auch ihre Mutter Sophie und ihr Bruder Hermann nach Amsterdam. Hermann, der sich am 6. Februar 1936 wieder nach Essen abmeldet, werden sie nicht wiedersehen. Sein weiteres Schicksal ist bis jetzt noch nicht geklärt, er wird 1954 für tot erklärt.

Paula verbringt mit ihrer Schwester Johanna und der Mutter Sophie die kommenden Jahre zusammen in Amsterdam. Im Februar 1941 wohnen die drei Frauen aus Aurich in der „Nieuwe Keizersgracht “. Am 28. Januar 1942 heiratet sie den Angestellten Maurits Leonardus Blitz, geboren 24. April 1903 in Amsterdam.

Am 10. Mai 1940 werden die Niederlande von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Deutschen beschließen Ende 1941, das Lager in Westerbork als zentrales Sammellager für die bevorstehende Deportation der sich in den Niederlanden aufhaltenden Juden einzurichten. Ab Juli 1942 treffen Juden aus allen Teilen des Landes in Westerbork ein. Auch Paula und ihr Ehemann sowie ihre Schwester Johanna werden in Westerbork interniert. Der erste Deportationszug in die Vernichtungslager verlässt das Lager am 15. Juli 1942. Am 16. Juli folgt der zweite. Unter den 895 Deportierten befinden sich Paula und ihr Ehemann Maurits Leonardus Blitz. Der Zug erreicht Auschwitz am 17./ 18. August 1942. Paula und Maurits Blitz werden sofort nach der Ankunft ermordet.

Gunter Demnig bei der Arbeit

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.03.2018)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA- Standort Aurich- : Meldekartei der Stadt Aurich (Dep. 34 C Nr. 1203/1)

Auskunft von Jose Martin, Erinnerungszentrum Lager Gedenkstätte Westerbork Datenbank: Joods Monument (https://www.joodsmonument.nl/)

Literatur:
Patenschaft: Gerda Wollberg-Broer
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

 

 

Johanne Aron

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

Johanne ARON
geboren am 18. Januar 1904 in Aurich

Straße: Oldersumer Str. 53 (ehemals Georgstr. 53)
Todesdatum: 15. Dezember 1942
Todesort: Auschwitz
Johanna ist das zweite Kind von Sophie Aron, geb. Aron und Gottschalk Aron Hirsch. Ihr Vater betreibt in der Norderstr. 37 ein Optikergeschäft, ihre Mutter arbeitet als Putzmacherin. Sie hat noch zwei Geschwister: den älteren Bruder Hermann, geboren 2.08.1901, und die jüngere Schwester Paula, geboren 4.10.1905. Johanna arbeitet wie ihre Mutter und ihre Schwester als Näherin und Schneiderin.

Nach dem Tod des Vaters, der am 19. November 1919 einem Schlaganfall erliegt, zieht die Familie in die Georgstraße 53 (heute Oldersumer Str. 53), einem großen Haus, in dem noch eine Witwe eines Predigers, ein Referendar und eine Hausdame wohnen.

Johanna zieht es im März 1932 ein erstes Mal in die Niederlande, nach Sneek in die Provinz Friesland. Am 1. Dezember 1933 meldet sich Johanna mit ihrer Schwester Paula nach Amsterdam ab. Vielleicht haben sie die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 richtig gedeutet.

Im Oktober 1935 folgen auch ihre Mutter Sophie und ihr Bruder Hermann nach Amsterdam. Hermann, der sich am 6. Februar 1936 wieder nach Essen abmeldet, werden sie nicht wiedersehen. Sein weiteres Schicksal ist bis jetzt noch nicht geklärt, er wird 1954 für tot erklärt.

Johanna verbringt mit ihrer Schwester Paula und ihrer Mutter Sophie die kommenden Jahre zusammen in Amsterdam. Im Februar 1941 wohnen die drei Frauen aus Aurich in der „Nieuwe Keizersgracht “, eine Straße, in der viele Juden lebten. Am 28. Januar 1942 kann sie noch an der Hochzeit ihrer Schwester Paula teilnehmen.

Am 10. Mai 1940 werden die Niederlande von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Deutschen beschließen Ende 1941, das Lager in Westerbork als zentrales Sammellager für die bevorstehende Deportation der sich in den Niederlanden aufhaltenden Juden einzurichten. Ab Juli 1942 treffen Juden aus allen Teilen des Landes in Westerbork ein. Auch Johanna wird wie ihre Schwester und ihr Schwager in Westerbork interniert. Am 12. Dezember 1942 wird sie von dort mit 757 weiteren Juden nach Auschwitz deportiert. Der Zug erreicht Auschwitz am 14. Dezember, einen Tag später am 15. Dezember wird sie ermordet.

Gunter Demnig bei der Arbeit

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.03.2018)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA- Standort Aurich- : Meldekartei der Stadt Aurich (Dep. 34 C Nr. 1203/1)

Auskunft von Jose Martin, Erinnerungszentrum Lager Gedenkstätte Westerbork
Datenbank: Joods Monument (https://www.joodsmonument.nl/)

Literatur:
Patenschaft: Arno Wirdemann
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

 

 

Hermann Aron

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

Hermann ARON
geboren am 2. August 1901 in Aurich

Straße: Oldersumer Str. 53 (ehemals Georgstr. 53)
Todesdatum: verschollen
Todesort:
Hermann Aron wird am 2. August 1901 in Aurich geboren. Seine Eltern sind Sophie Aron, geb. Aron, und Gottschalk Hirsch Aron. Sein Vater betreibt in der Norderstr. 37 ein Optikergeschäft, seine Mutter arbeitet als Putzmacherin.

Er ist der ältere Bruder von Johanne und Paula. Hermann wächst mit seinen Schwestern in der Norderstraße 8 auf.

Nach dem Tod des Vaters, der am 19. November 1919 einem Schlaganfall erliegt, zieht die Familie Anfang der 20er Jahre in die Georgstraße 53, heute Oldersumer Straße 53, einem großen Haus, in dem noch eine Witwe eines Predigers, ein Referendar und eine Hausdame wohnen.
Hermann arbeitet als Händler.

Seine Schwestern melden sich am 1. Dezember 1933 nach Amsterdam ab. Vielleicht haben sie die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 richtig gedeutet.

Hermann bleibt zunächst in Aurich bei seiner Mutter Sophie. Gemeinsam folgen sie Johanne und Paula erst Anfang Oktober 1935 nach Amsterdam. Am 6. Februar 1936 meldet er sich von dort schon wieder ab (sein Wegzug wird in Aurich am 23.07.1936 amtlich vermerkt): Er will zurück nach Deutschland, allerdings nicht nach Aurich, sondern ins Ruhrgebiet, nach Essen. Dort verliert sich seine Spur. Ob er je im Ruhrgebiet angekommen ist, lässt sich derzeit nicht feststellen. 1954 beschließt das Amtsgericht Aurich ihn für tot zu erklären, und zwar für den 6. Februar 1936.

Seine Mutter Sophie Aron und seine Schwestern Paula und Johanne werden zunächst in Westerbork interniert und von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Gunter Demnig bei der Verlegung

Recherche: Astrid Parisius
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 7.03.2018)
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: NLA- Standort Aurich- : Meldekartei der Stadt Aurich (Dep. 34 C Nr. 1203/1)

Auskunft von Jose Martin, Erinnerungszentrum Lager Gedenkstätte Westerbork

Literatur:
Patenschaft: Paulusgemeinde Aurich-Kirchdorf
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Helmut Wolff

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

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Helmut WOLFF
geboren am 8. Mai 1929 in Aurich

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 6.10.1944
Todesort: Auschwitz

Helmut Wolff, Foto der Kennkarte 1939, NLA Aurich

Helmut Wolff, Foto Caroline Wolff jetzt Lea Rotfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Helmut Wolff wird am 8. Mai 1929 als jüngstes von vier Kindern seiner Eltern Daniel Wolff und Henny Wolff geb. Hartogsohn in Aurich geboren. Er wächst bei seiner Familie in der Fockenbollwerkstraße 12 auf. Im Jahr 1936 zieht die Familie vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen, da der Vater seinen Betrieb als Schlachter und Viehhändler aufgrund der Repressalien aufgeben musste,  in die Wallstraße 56 um.
Daniel und Henny planen, mit dem zehnjährigen Sohn Helmut in die Niederlande auswandern, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges macht diese Pläne letztendlich zunichte. Als alle jüdischen Einwohner Aurichs Anfang 1940 die Aufforderung erhalten, Ostfriesland bis zum 1. April zu verlassen, ziehen Daniel und Henny nach Dortmund, in die Märkische Straße 70. Später sind sie unter der Adresse Ostenhellweg 41 gemeldet. Da sie nicht wissen, ob und wann sie eine ausreichend große Unterkunft finden, wird der elfjährige Helmut in Köln, vermutlich in einem jüdischen Kinderheim, untergebracht. Viele Kinder aus Ostfriesland wurden damals vorübergehend nach Köln oder Hildesheim geschickt. Sowohl Helmut als auch Senta ziehen später jedoch auch nach Dortmund, wobei das genaue Datum hierfür nicht bekannt ist. Daniel, seine Frau Henny und ihr Sohn Helmut werden am 29. Juli 1942 von Dortmund aus nach Theresienstadt deportiert (Transport X/1, Liste s.u.). Über zwei Jahre leben sie in dem Ghetto. Am 28. September 1944 muss sich Daniel von seiner Frau und seinem Sohn Helmut verabschieden: Er wird von Theresienstadt nach Auschwitz, ins Vernichtungslager, deportiert. Er wird dort vermutlich direkt nach seiner Ankunft ermordet. Daniel wurde 58 Jahre alt. Sein vierzehnjähriger Sohn Helmut und seine Frau Henny werden nur acht Tage nach ihm nach Auschwitz deportiert und dort ebenfalls umgebracht. Lediglich zwei der Kinder, Ernst und Caroline, überleben den Holocaust.In der Biografie von Helmuts Vater Daniel Wolff finden sich ausführliche Informationen über seine Eltern und Geschwister.

Hier der Text der Konfirmanden:
Unsere Konfirmandengruppe hat die Patenschaft für den Stolperstein von Helmut Samuel Wolff übernommen.
Er wurde am 8.05.1929 in Aurich geboren und wohnte in der Wallstraße 26, zwischen der heutigen 54 und 54a. Am 20.04.1940 wurde er im Alter von 10 Jahren von seinen Eltern in den Zug gesetzt mit der Hoffnung, in Köln in einem Kinderheim der jüdischen Gemeinde besser überleben zu können als in Aurich. Er wurde von Köln nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz  gebracht. Dort endete sein Leben.

Wir haben im Staatsarchiv Aurich ein Photo von ihm gefunden, das ihn als 10-jährigen Jungen zeigt. Er trägt dabei eine Trachtenhose. Mit seinem Bruder Ernst Wolff haben wir am 15.10.2014 telefoniert und ihm eine E-Mail gesandt. Sein Bruder Ernst Wolff war 5 Jahre älter als Helmut. Er hat erzählt, dass er selbst im Alter von 14 Jahren nach Holland geflüchtet ist. Dort ist er 1942 gefangen genommen worden und nach Westerbork ins KZ gekommen. Von dort kam er nach Theresienstadt, nach Auschwitz, Schwarzheide und wieder nach Theresienstadt, wo er seine Eltern und seinen Bruder wiedertraf. Als er aus dem KZ befreit wurde, wog er nur noch 27kg. Er konnte nicht mehr laufen. Am Tag vor dem Abtransport konnte er wählen, ob er lieber mit dem LKW transportiert werden möchte. Er entschied sich, doch zu Fuß zu gehen. Das war seine Rettung. Der LKW wurde während des Transports am nächsten Tag zerbombt.

Jetzt lebt Ernst Wolff in Israel. Er ist 90 Jahre alt (2015) und lebt in einem Altersheim. Seine Frau ist am 3. Oktober 2014 verstorben. Die Kosten des Altersheims sind so hoch, dass er sie kaum bezahlen kann.
Er wirkte beim Telefonat offen und gab gerne Auskunft, aber er war auch traurig. Wir hörten gespannt zu, was er erzählte.
Zum Schluss fragten wir ihn, ob er uns noch etwas sagen möchte. Daraufhin sagte er: Ich schätze Euer Gedenken an die Opfer des Dritten Reiches, an die noch Lebenden und die nicht mehr Lebenden. Darauf sagten wir: Wir denken am 9.11. und am 27.1. besonders an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Darauf sagte er: Ich denke jeden Tag daran, jede Stunde.
Und wir sagten, dass wir seinem Sohn ein Bild geben möchten von unserer Gruppe, aufgenommen vor dem Haus der Familie in der Wallstraße und auf dem jüdischen Friedhof.

Recherche: Konfirmandengruppe der ev. – ref. Kirche Aurich (2015) und Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.03.2020)
Foto: https://photos.yadvashem.org/photo-details.html?language=en&item_id=976650&ind=8
NLA, Kennkarte Helmut Wolff, 1939
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943
Literatur:
Patenschaft: Konfirmandengruppe Ev.-ref. Kirche Aurich 2015
Verlegetermin: 27. Januar  2015

wolff transportliste

 

 

Senta Wolff

Veröffentlicht: 8. März 2010 von westermayer in Verlegung

Senta Sara WOLFF
geboren am 26. August 1922 in Aurich

 

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Zamosc ab Dortmund am 30.04.1942
Todesort: Unbekannt

Senta Sara Wolf

Senta Wolff wird am 26. August 1922 als drittes von vier Kindern ihrer Eltern Daniel Wolff und Henny Wolff geb. Hartogsohn in Aurich geboren. Senta wächst bei ihrer Familie in der Fockenbollwerkstraße 12 auf.
Nach dem Umzug in die Wallstraße 56 im Jahr 1936 geht Senta „in Stellung“ bei Familie Sternberg, später arbeitet sie als Hausmädchen bei Knurrs – beides bekannte Kaufmannsfamilien.

Später findet sie einen Platz auf einem Lehrgut das sie auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet soll, dem Gut Gehringshof bei Fulda. Mit einer abgeschlossenen landwirtschaftlichen Ausbildung konnte man von der britischen Regierung, die Palästina damals verwaltete, ein Zertifikat zur Einwanderung erhalten. Die Anzahl der Zertifikate, die es erlaubten, nach Palästina zu immigrieren, war jedoch sehr begrenzt. Senta erhält die begehrten Papiere nicht.

Spätestens im Herbst 1941, als die Ausbildungsstätte von den Nationalsozialisten geschlossen wird, zieht sie nach Dortmund. Es spricht allerdings einiges dafür, dass Senta nicht bei ihren Eltern und Helmut in der Wohnung im Ostenhellweg eingezogen ist, da sie nicht mit diesen gemeinsam deportiert wird: Senta wird bereits am 30. April 1942 nach Zamosc deportiert. Diese Deportation wird ausführlich dargestellt in: Ralf Piorr / Peter Witte (Hg.), Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942 (auch als PDF, s. u.).
An diesem Tag werden 790 Menschen in das Ghetto in Polen verbracht, der Zug kommt am 3. Mai 1942 an. Wenige Tage zuvor waren bereits zwei Züge mit insgesamt fast 2000 Gefangenen aus Theresienstadt in Zamosc angekommen. Die vielen Neuankömmlinge werden im Ghetto notdürftig untergebracht und schnellstmöglich weiter deportiert: Keinen Monat später sind von den fast 3000 Menschen, die Anfang Mai angekommen waren, nur noch rund 1000 im Ghetto. Das Schicksal von Senta bleibt im Dunkeln, von ihr fehlt jede Spur.
In der Biografie von Sentas Vater Daniel Wolff finden sich ausführliche Informationen über ihre Eltern und Geschwister.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 2.03.2020)
Foto: Senta: https://photos.yadvashem.org/photo-details.html?language=en&item_id=9029023&ind=29
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943
http://www.schoah.org/schoah/todesmarsch.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/Atlit_detainee_camp
http://www.hagalil.com/archiv/2000/11/patria.htm
Literatur: http://de.wikipedia.org/wiki/Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014
http://fuldawiki.de/fd/index.php?title=Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014
Ralf Piorr / Peter Witte (Hg.), Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942,
auch als PDF:
http://zamosc-jews.com/wb/media/articles/shoa/Deportation%20Arnsberg-Zamosc_April1942.pdf
Patenschaft:

Verlegetermin:

Rosemarie und Hans-Hermann Harms

27.01.2015

Röschen Sternberg geb. Stein

Veröffentlicht: 23. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Röschen STERNBERG geb. STEIN
geboren am 11. Juni 1861 in Emden

Straße: Osterstraße 16/18
Todesdatum: 19. Februar 1937
Todesort: Aurich
Röschen Stein wird am 11. Juni 1861 in Emden geboren. Sie ist die Tochter des Schlachters Abraham Isaac Stein (20.06.1816 Emden – 14.04.1897 Emden) und Betty Behla Benjamin Stein geb. Wolffs (19.01.1828 Aurich – 20.07.1898 Emden). Diese heiraten am 3.06.1851 und haben neun Kinder: Benjamin Baruch Bendit Abraham Stein (*3.03.1852), Therese Stein verh. Gossel-Stein (*27.02.1854), Isaac Stein (*13.04.1856), Bernhard Stein (*30.10.1858), Röschen, Levi Stein (*8.10.1863), Wolf Abraham Stein (*23.12.1865), Guste Stein (* 4.08.1867) und Zerline verh. de Taube (*29.04.1870).Benjamin, Levi und Wolf sterben bereits im Kindesalter. Therese Gossel-Stein stirbt am 30.12.1942 in Haarlemmermeer (NL). Die jüngste Tochter Zerline de Taube geb. Stein wird am 19.07.1942 nach Treblinka deportiert und dort am 21.07.1942 ermordet. Über die anderen Geschwister von Röschen konnten wir nichts herausfinden.

Röschen wächst in Emden auf. Sie heiratet im Jahr 1887 den Auricher Kaufmann Jacob Meyer Sternberg (s. Biografie) und zieht nach Aurich. Jacob Meyer Sternberg führt in Aurich das Geschäft seines Vaters, ein Kaufhaus in der Osterstraße.

Jacob und Röschen Sternberg mit ihren Kindern ca, 1904, v. l. Röschen, Max, Erich, Leo (sitzend), Alfred, Jakob und Joseph. Der Sohn Bruno war zum Zeitpunkt des Fotos bereits verstorben. (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 9)

Röschen und Jacob Sternberg haben sieben Söhne: Max (*1889), Alfred (*1890), Bruno/Bendix (*1892), Leo (*1894), Joseph (*1896), Bendix (*1900) und Erich (*1901). Bruno und Bendix sterben bereits im Kindesalter. Alfred zieht 1907 mit seinem Onkel Siegfried Sternberg und seiner Tante Anna geb. Lichtenfeld nach North Carolina, als die ihn nach einem Besuch in Aurich bei sich aufnehmen.

Die Söhne Max, Leo und Joseph dienen im 1. Weltkrieg. Joseph fällt bereit am 5.12.1914 in Russland. Max und Leo werden verletzt und erhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse sowie weitere Auszeichnungen.

Im Jahr 1919 übernehmen Max (s. Biografie) und Erich Sternberg (s. Biografie) das Geschäft ihres Vaters Jacob Sternberg. Zu der Zeit arbeiten dort 28 Angestellte. Leo heiratet Recha Wolff aus Leer und steigt dort in das Geschäft seines Schwiegervaters Salomon Wolff (s. Biografie) ein.

Kaufhaus Meyer Sternberg ca. 1923 (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 11)

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird auch in Aurich zum Boykott von jüdischen Geschäften aufgerufen. Der darauffolgende Rückgang des Geschäftes, die persönlichen Anfeindungen und Ausgrenzungen aus dem öffentlichen Leben führen dazu, dass die Familie eine Auswanderung in die USA erwägt.

Erich Sternberg flieht im Januar 1936 in die USA und kann dort mit Unterstützung seines Onkels Siegfried Fuß fassen. Im Dezember 1936 können Erichs Frau Lea geb. Knurr und ihre drei Kinder ihm in die USA folgen.

Max Sternberg bleibt zunächst mit seiner Frau Frieda und ihrem Sohn Manfred noch in Aurich. Er möchte bei seinen Eltern bleiben, die nicht auswandern wollen, und hofft, dass er das Geschäft weiterführen kann.

Auch Leo Sternberg flieht Ende 1936 aus Emden in die USA. Im April 1937 können Leos Frau Resi, die Tochter Irmgard und der Neffe Manfred (Sohn von Max und Frieda Sternberg) ihm in die USA folgen.

Röschen Sternberg verstirbt am 19.02.1937 im Alter von 75 Jahren und liegt auf dem Auricher Judenfriedhof begraben. Eigentlich hatte sie vor, mit ihrem Mann nach Berlin zu ziehen.

Im Jahr 1938 ist dann auch Max entschlossen, in die USA zu emigrieren und kann seinen Vater, der nun Witwer ist, davon überzeugen, nicht nach Berlin zu ziehen, sondern mit auszuwandern.

Am 6.06.1938 kommt Jacob im Alter von 81 Jahren zusammen mit seinem Sohn Max und dessen Frau in den USA an – gerade noch rechtzeitig vor dem Novemberpogrom 1938.

Hans-Joachim Sternberg (s. Biografie), Sohn von Erich Sternberg, berichtet, dass sein Großvater Jacob Sternberg seine Frau Röschen und seine alte Heimat sehr vermisste. Er erzählt, dass für ihn als Kind sein Großvater sein bester Freund war, dass er viel mit ihm spielte und mit ihm Deutsch sprach.

Jacob Sternberg lernte nicht mehr so richtig die englische Sprache, obwohl die Enkelkinder versuchten, es ihm beizubringen. Er stirbt am 22.10.1941 im Alter von 84 Jahren in Baton Rouge, Louisiana, an Magenkrebs.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 1.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Datenbanken:
https://www.geni.com/people/Jakob-Meyer-Sternberg/6000000023057512244
https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I6254&lang=de
Literatur: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009
Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012.
Patenschaft: Bündnis 90/Die Grünen
Verlegetermin: Geplant: April 2023

Jacob Meyer Sternberg

Veröffentlicht: 23. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Jacob Meyer STERNBERG
geboren am 24. Dezember 1856 in Aurich

Straße: Osterstraße 16/18
Todesdatum: 22. Oktober 1941
Todesort: Baton Rouge
Jacob Meyer Sternberg wird am 24. Dezember 1856 in Aurich geboren. Nach der Familiengeschichte („We were merchants“, S. 8) ist Jacob das älteste von neun Kindern des Kaufmanns Meyer Salmon Sternberg (18.08.1821 Aurich – 28.04.1885 Aurich) und seiner Ehefrau Eva Jakob Sternberg geb. Hoffmann (1831 Aurich – 28.04. 1914 Aurich). Sie heirateten im Jahr 1854.
In der Datenbank „genealogy.net“ (Link s. u.) finden sich zu Jacobs Geschwistern abweichende Angaben.
Zwei von Jacobs Brüdern, Joseph und Siegfried, emigrieren bereits in jungen Jahren im April 1891 in die USA. Das sollte sich später für die Familienmitglieder, die in den 30er Jahren vor dem Naziterror in die USA fliehen wollten, als hilfreich erweisen.Jacob Meyer Sternberg führt das Geschäft seines Vaters, ein Kaufhaus in der Osterstraße weiter. Er heiratet 1887 Röschen Stein aus Emden (11.06.1861 Emden – 19.02.1937 Aurich). Sie haben sieben Söhne: Max (*1889), Alfred *1890, Bruno/Bendix *1892, Leo *1894, Joseph *1896, Bendix *1900 und Erich *1901. Bruno und Bendix sterben bereits im Kindesalter. Alfred zieht 1907 mit seinem Onkel Siegfried Sternberg und seiner Tante Anna geb. Lichtenfeld nach North Carolina, als die ihn nach einem Besuch in Aurich bei sich aufnehmen.

Jacob und Röschen Sternberg mit ihren Kindern ca, 1904, v. l. Röschen, Max, Erich, Leo (sitzend), Alfred, Jakob und Joseph. Der Sohn Bruno war zum Zeitpunkt des Fotos bereits verstorben. (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 9)

Die Söhne Max, Leo und Joseph dienen im 1. Weltkrieg. Joseph fällt bereit am 5.12.1914 in Russland. Max und Leo werden verletzt und erhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse sowie weitere Auszeichnungen.

Im Jahr 1919 übernehmen Max (s. Biografie) und Erich Sternberg (s. Biografie) das Geschäft ihres Vaters Jacob Sternberg. Zu der Zeit arbeiten dort 28 Angestellte. Leo heiratet Recha Wolff aus Leer und steigt dort in das Geschäft seines Schwiegervaters Salomon Wolff (s. Biografie) ein.

Kaufhaus Meyer Sternberg ca. 1923 (Foto: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009, S. 11)

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird auch in Aurich zum Boykott von jüdischen Geschäften aufgerufen. Der darauffolgende Rückgang des Geschäftes, die persönlichen Anfeindungen und Ausgrenzungen aus dem öffentlichen Leben führen dazu, dass die Familie eine Auswanderung in die USA erwägt.

Erich Sternberg flieht im Januar 1936 in die USA und kann dort mit Unterstützung seines Onkels Siegfried Fuß fassen. Im Dezember 1936 können Erichs Frau Lea geb. Knurr und ihre drei Kinder ihm in die USA folgen.

Max Sternberg bleibt zunächst mit seiner Frau Frieda und ihrem Sohn Manfred noch in Aurich. Er möchte bei seinen Eltern bleiben, die nicht auswandern wollen, und hofft, dass er das Geschäft weiterführen kann.

Auch Leo flieht Ende 1936 aus Emden in die USA. Im April 1937 können Leos Frau Resi, die Tochter Irmgard und der Neffe Manfred (Sohn von Max und Frieda Sternberg) ihm in die USA folgen.

Im Jahr 1938 ist dann auch Max entschlossen, in die USA zu emigrieren und kann seinen Vater, der seit dem 19.02.1937 Witwer ist, davon überzeugen, nicht nach Berlin zu ziehen, sondern mit auszuwandern.

Am 6.06.1938 kommt Jacob im Alter von 81 Jahren zusammen mit seinem Sohn Max und dessen Frau in den USA an – gerade noch rechtzeitig vor dem Novemberpogrom 1938.

Hans-Joachim Sternberg (s. Biografie), Sohn von Erich Sternberg, berichtet, dass sein Großvater Jacob Sternberg seine Frau Röschen und seine alte Heimat sehr vermisste. Er erzählt, dass für ihn als Kind sein Großvater sein bester Freund war, dass er viel mit ihm spielte und mit ihm Deutsch sprach.

Jacob Sternberg lernte nicht mehr so richtig die englische Sprache, obwohl die Enkelkinder versuchten, es ihm beizubringen. Er stirbt am 22.10.1941 im Alter von 84 Jahren in Baton Rouge, Louisiana, an Magenkrebs.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 1.03.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Datenbanken:
https://www.geni.com/people/Jakob-Meyer-Sternberg/6000000023057512244
https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I6254&lang=de
Literatur: Hans-J. Sternberg, We were Merchants, 2009

Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012.

Patenschaft: Sibylle Nixdorf und Carsten Wilhelm-Nixdorf
Verlegetermin: Geplant: April 2023

Merri Therese Gidansky verh. Knurr

Veröffentlicht: 21. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Merri Therese GIDANSKY verh. Knurr
geboren am 25. Mai 1911 in Aurich

Straße: Marktplatz 31
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, verstirbt am 14. März 2002
Todesort: Chicago
Merri Therese Gidansky wird am 25. Mai 1911 als Tochter von Karl Gidansky und Gertrude  Gidansky geb. Hoffmann in Aurich geboren. Die Familie wohnt zunächst in einer Wohnung oberhalb der Synagoge, denn Karl Gidansky ist dort Hausmeister und Gelli ist verantwortlich für die rituellen Bäder der Frauen.

Merri mit ihrer Mutter Gertrude „Gelli“ Gidansky

Im April 1914 wird Merris Bruder Erich geboren. 1921 zieht die Familie um in das Haus Marktplatz 31, das der Vater gekauft hat, um dort im Erdgeschoss einen Tabakladen zu betreiben.

Merri  besucht in Aurich das Mädchengymnasium. Sie wäre gern Zahnärztin geworden, aber entweder die Einschränkungen für Juden oder ein Mangel am nötigen Geld (oder beides zusammen) verhindern das. Anfang der dreißiger Jahre macht sie mehrere Reisen, ihrem Reisepass des „Deutschen Reiches“  und ihrer Meldekarte zufolge nach Memel in Litauen.     Dort besucht sie vermutlich Familienmitglieder, denn ihr Vater Karl Gidansky stammt von dort. Im Spätsommer 1930 muss eine Verwandte von ihr, nämlich Paula Gidansky aus Memel, wie Merri Jahrgang 1911, für einige Wochen als „Haustochter“ bei den Gidanskys in Aurich gewohnt haben. Merri lebt nach ihren Reisen weiter bei ihren Eltern im Haus am Marktplatz und hilft im Tabak-Geschäft aus, bis ihr Vater Karl 1936 vermutlich an einem Krebsleiden stirbt.  Danach ist Merri überwiegend  mit ihrer Mutter zu Hause.

Mary Knurr geb. Gigansky – Anfang der 1930ger Jahre

Das Leben für Menschen jüdischen Glaubens wird immer schwieriger, so dass sie und ihre Mutter daran denken, aus Deutschland zu fliehen. Im August 1938 verkauft ihre Mutter das Haus am Marktplatz.

Die Pogromnacht ( 9./10. November 1938) behält Merri in sehr bedrückender Erinnerung. Im Dezember 1938 wird ihr von der Reichsregierung mitgeteilt , dass ihr 2. Name nun „Sarah“ sei.  Am 15. November 1938 bekommt sie vom Amerikanischen Konsulat ein Visum für ihre Flucht. Sie muss im Januar 1939 von Hamburg aus allein gestartet sein. Zuerst fährt sie nach New York City, wo sie für eine kurze Zeit bei Verwandten bleibt, danach geht sie nach Pittsburg PA, um die Familie ihres Onkels und ihrer Tante, die Levys, wiederzusehen, die schon viele Jahre früher aus Memel gekommen sind. In deren großem Haus bleibt sie, bis ihre Mutter  und ihr Verlobter, Hermann Knurr, 1940 auch in die USA kommen können.

Merri (nun Mary) und Hermann, der auch aus Aurich stammt (geb. 1908), heiraten am 23. Februar 1941 im Haus von Verwandten in Chicago und ziehen danach um nach Baton Rouge, in Begleitung von Mary‘s Mutter, Gertrude. Sie leben dort viele Jahre. Hermann und Mary arbeiten beide in dem Kaufhaus, das Hermanns Schwester und seinem Schwager gehört  (Lea und Erich Sternberg). 1944 wird ihre Tochter Carol geboren, und ihre Großmutter Gertrude kümmert sich um sie und um den Haushalt der Familie.  In den 1950-er Jahren bekommt Mary Probleme mit der Wirbelsäule und kann nicht mehr in dem Geschäft arbeiten. Nach einer Operation beginnt sie für die Regierung in Louisiana zu arbeiten und bleibt dort für längere Zeit.

Hermann und Mary Knurr – 1962

Am 24. Juli 1974 stirbt ihr Mann Hermann. Mary kehrt danach als Büroangestellte ins Kaufhaus Sternberg zurück, wo sie bis über ihren 80. Geburtstag hinaus arbeitet. In ihrer Synagogen-Gemeinde ist sie ein treues Mitglied und besucht regelmäßig die Gottesdienste.

Nach dem Tod ihrer Mutter (1983) lebt sie allein bis 1997 in Baton Rouge. Zu dem Zeitpunkt verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand so sehr, dass sie nach Chicago umzieht, wo ihre einzige Tochter, Carol, mit ihrer Familie lebt. Die letzten Jahre ihres Lebens verbringt sie in Chicago in einer Selbsthilfe-Einrichtung für ältere Menschen. Die ist in den 1950-er Jahren von anderen deutschen Juden, die auch  aus Deutschland fliehen mussten, für deren Eltern gegründet worden. Sie lebt dort zusammen mit vielen anderen Bewohnern, die wie sie selbst aus Deutschland geflohen sind.

Mary stirbt am 14. März 2002  und wird in Baton Rouge in der Nähe der Gräber ihres Mannes Hermann und ihrer Mutter Gertrude beigesetzt.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 16.02.2019)
Foto: Carol Kain
Opfergruppe: Juden
Quellen: Nds. Landesarchiv Aurich, Rep. 16/1;
Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Familie Knurr/Gidansky
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

Dina Wolff verh. Selka

Veröffentlicht: 21. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Dina WOLFF verh. Selka
geboren am 29. April 1920 in Aurich

Straße: Norderstraße 29
Todesdatum: Überlebt den Völkermord, stirbt 2005
Todesort: Kwa Saba, Israel
Eltern: Julius Wolff (geb.  12. 08.1891 in Aurich; verstorben 1946 in Haifa), Henriette Wolff geb. Katz (geb. 10.01.1891 in Guxhagen; verstorben 1954 in Israel)29.04.1920    Dina wird in Aurich geboren, Wohnung und Geschäft der Eltern in der Norderstraße 29

20.03.1927    Bruder Heinz Wolff (in Israel: Schlomo) wird geboren

1./ 2. 03. 1939   Nach der Pogromnacht vom 9. Nov. 1938 verlässt die Familie Aurich mit dem Ziel Palästina.

März 1939     Ankunft der Eltern mit Heinz in Palästina

August 1939  Ankunft Dina Wolff in Palästina

Dina konnte ihren Eltern erst fünf Monate später nach Palästina folgen, da sie auf Grund ihrer Volljährigkeit eine getrennte/eigene Einwanderungserlaubnis benötigte.

Seit 1940      Gemeinsam mit anderen baut Familie Wolff den Moshav‘  Bet-Jizchak auf.

1941   Heirat mit Zwi Selka, den sie in Bet-Jizchak kennenlernt. Er stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main. Dina Selka lebt dann mit ihrem Mann Zwi und ihren Kindern im Moshav Bet-Jizchak, bis beide 1993 nach Kfar-Saba in ein Seniorenheim umziehen.

1983         Seit dem ersten Besuch Jugendlicher bei Ex-Aurichern nehmen Dina Selka und ihr Mann an solchen Treffen regelmäßig teil. Dabei erklären sie den jungen Leuten gegenüber immer ihr vorrangiges Interesse, über die Entwicklung der alten Heimat zu hören und die Jugendlichen nicht mit der Historie der vorausgegangenen Generation zu belasten.

Foto vom Treffen 1983: rechts außen v. r. n.l.: Zwi Selka, Dina Selka geb. Wolff, Schlomo Wolff

1984          Besucht Dina Selka mit ihrem Mann Aurich, trifft auch (wie auch bei allen späteren Besuchen) zu einem Teenachmittag mit den jetzigen Besitzern ihres elterlichen Hauses zusammen.

1992          Mit vielen anderen Ex-Aurichern aus aller Welt besuchen Dina Selka und ihr Ehemann für eine „Woche der Begegnung“ Aurich. Dabei verzichten sie gerne auf eine Unter-bringung im Hotel und sind auch bereit, von Aurichern privat untergebracht zu werden.

Dina Selka im März 1988

2002          Besuch Aurichs zur zweiten „Begegnungswoche“ mit Einweihung der Gedenksteine auf dem Platz der ehemaligen Auricher Synagoge.

2005       stirbt Dina Selka in Kwa Saba, Israel

I Moshav = genossenschaftliche Siedlung (Dorf) mit gemeinsamer Wasserverwaltung, Landvergabe; oft auch gemeinsames Marketing; Gemeinschaftseinrichtungen;    aber in Abhebung zu Kibbuzim: erarbeiteter Gewinn bleibt privat, Nutzung des zugewiesenen Landes ist Einzelentscheidung.

Zwi und Dina Selka bemühen sich bis zu Ihrem Tode sehr intensiv um die Kontakte zu Dina Selkas Heimatstadt. Auch nach ihrem Tod vergeht kein Weihnachtsfest ohne Anruf aus Beth Jitzchak bzw. später aus Kfar-Saba.

Weg nach Palästina

Die Ankunft erfolgte im August 1939.
Die Eltern von Dina befanden sich bereits mit dem Bruder Heinz seit März 1939 in Palästina. Die Tochter benötigte eine getrennte Einwanderungserlaubnis aufgrund eines „Affidavit“ (= Bürgschaftserklärung), da sie das 18. Lebensjahr bereits vollendet hatte. Die Einwanderung erfolgte legal mit Erlaubnis der britischen Mandatsbehörden, die sich solche Zertifikate teuer bezahlen ließ.

August 1939 – Überfahrt nach Palästina; auf einem Rettungsbot, links Dina Wolff

Der Aufbau Israels

Recht bald nach ihrer legalen Ankunft begeben sich die Eltern Julius und Henriette mit ihrer Tochter Dina und den Sohn Heinz (nun: Schlomo) in einen neu gegründeten Moshav. (Ein Moshav ist eine genossenschaftliche, landwirtschaftliche Siedlung. Anders als im Kibbuzz — wo Produktionsmittel und Arbeitserträge als Gemeinschaftseigentum gelten — stellt der Moshav zwar auch eine Selbstverwaltungsform dar. Land- und Wasserzuteilung sowie andere Lebensnotwendigkeiten werden unter den Mitgliedern zugeteilt. Das Einkommen der Familie ist aber weitgehend privat verfügbar.)

Ende der 30er Jahre war der Moshav Bet Jizchak gerade neu gegründet worden. Besonders viele deutschsprachige Auswanderer ließen sich dort nieder. (Noch heute sind einige alte Hinweistafeln aus der Gründerzeit deutschsprachig dort zu finden.) Die Probleme bei der Gründung einer solchen landwirtschaftlichen Siedlung waren viel¬schichtig: Das Gelände war vorher nicht landwirtschaftlich genutzt und musste erst mühsam hergerichtet werden. Zum anderen waren diejenigen, die sich nun nach ihrer Vertreibung solchen Aufgaben gegenüber sahen, hierfür überhaupt nicht vorgebildet. Deshalb konnte 1941 das Foto entstehen, das einen britischen Instrukteur zeigt, der die jüdischen Neueinwanderer darin unterweist, wie Gurkensamen fachgerecht auszubringen waren.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

Fotos aus den 1940er Jahren zeigen Bet Jizchak in karger Umgebung. Heutige Besucher können in der üppig blühenden Umgebung der Dorfgemeinschaft die Aufbauleistung dieser Generation kaum noch erahnen.

1974 hat die Familie Selka/Wolff Kontakt zu dem Vorsitzenden des Kreissportbundes, Bruno Drees, aufgenommen, als sie von dessen Anwesenheit in Israel zufällig erfuhren. Im darauf folgenden Jahr entstanden Kontakte zu Johannes Diekhoff, der als Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Aurich mit einer Schülerarbeitsgemeinschaft über die Geschichte der jüdischen Gemeinde arbeitete. 1982 wurde ein erstes bescheidenes Treffen ehemaliger Auricher für eine Zusammenkunft mit dem stellver-tretenden Landrat Günter Lüttge organisiert.

Nachdem 1983 erstmalig Schülerinnen und Schüler der IGS Aurich-West Bet Jizchak besuchten, entschloss sich das Ehepaar Selka 1984 seinerseits an einer Fahrt nach Aurich, der alten nun gewandelten Heimatstadt von Dina, teilzunehmen. Seitdem bestehen zwischen Jugendlichen der Schule und den Selka’s regelmäßige Kontakte.

(nach Tonband-Gesprächsaufzeichnungen, März 1988)

Von Dr. Franz-Josef Wittstamm aus Bochum erhielten wir den folgenden Link zu Hermann Selka, der sich später in Zwi umbenannte.

Spuren im Vest

Juden im Vest Recklinghausen

Selka Hermann

 

Recherche: Wolfgang Freitag
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.02.2019)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Ulla und Heinrich Winkelmann
Verlegetermin: 19. September  2019