Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Lazarus Louis Hoffmann

Veröffentlicht: 4. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Lazarus Louis HOFFMANN
geboren am 14. Februar 1877 in Aurich

Straße: Wallstraße 20
Todesdatum: Überlebt, Flucht in die USA 1939
Todesort:
Lazarus Hoffmann wird am 14. Februar 1877 in Aurich geboren. Er nimmt später den Namen Louis dazu. Seine Eltern sind Zwi Aron Hoffmann und Caroline Elbeile de Vries. Von Beruf ist Lazarus Tischlermeister und Möbelhändler. Er hat drei Brüder Adolf, David und Zwi Levi und eine Schwester Trude. David stirbt im Holocaust, Adolf durch Verfolgung in Luxemburg. Lazarus heiratet Lina. Zusammen haben sie zwei Söhne: Manfred und Harri.

Foto 1 Familie Hoffmann im Garten der Wallstraße: Vorne links die Mutter Caroline, dann der Vater Zwi Aron. Zweite Reihe 1.v.re. Lina, dann Lazarus Louis, dann wahrscheinlich Jacob Zwi Levi mit Ehefrau Hannchen Nathan Wolff; dritte Reihe hinten Manfred Hoffmann

Er betreibt mit seinem Sohn und seinem Bruder Jakob Zwi eine Tischlerei und einen Möbelhandel in der Wallstraße. „Möbelhandlung und Tischlerei Levi und Harry Hoffmann“, so heißt der Betrieb.

Foto 2 – die Familie vor Wallstraße 20, von links Harri, seine Mutter Lina, Manfred und ganz rechts Lazarus Louis

– Am 10.11.1938 im Zuge der Aktion gegen die Juden [d.h. die Reichspogromnacht]  wird ergeschlossen. So steht es in den Akten. Das bewegliche Inventar wird sämtlich beschlagnahmt und es werden 500 RM in bar von der SA entwendet. Seine zwei Söhne werden mit vielen anderen verhaftet, ein Tag lang öffentlich drangsaliert und am nächsten Tag mit dem Bus nach Oldenburg, dann mit der Eisenbahn nach Sachsenhausen transportiert. Auf der Fahrt täuscht sein Sohn Harri eine offene und fortgeschrittene Tuberkulose vor. Man läßt ihn aussteigen und er kann nach Aurich zurück, während der andere Sohn Manfred zum KZ Sachsenhausen weiterreisen muss.

Am 9.03.1939 besteigt Lazarus mit seiner Frau, den Söhnen und Schwiegertöchtern und den Eltern Goldschmidt (von Schwiegertochter Herta) den Dampfer HANSA (vormals ALBERT BALLIN – Gründerunternehmer der Hapag und sog. Kaiserjude, deshalb spätere Schiffsumbenennung) in Hamburg. Seine Frau Lina stirbt bei der Ankunft in Ellis-Island-New York am 17.03.1939.

Manfred, Lazarus Louis und Harri Hoffmann

Das neue Leben in Amerika ist schwer für ihn. Die neue Sprache konnte er nicht mehr erlernen. Lazarus lebt zuerst bei seinem Sohn Manfred in Chicago, später, nachdem Manfred 1962 stirbt, zieht er zu seinem Sohn Harri nach Milwaukee.

Lazarus stirbt am 31.12.1966.

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 3.01.2018)
Foto: Fotonachweis Nr. 1, 2 Lorraine Hoffmann, Nr. 3 Carol Kain
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Staatsarchiv Aurich: Rep. 20 Nr. 743
– Meldeblätter
– Kennkarten
– Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Sparkasse Aurich-Norden
Verlegetermin: 23. Oktober 2017

 

 

 

Dr. Manfred Hoffmann

Veröffentlicht: 4. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Dr. Manfred Louis HOFFMANN
geboren am 20. Oktober 1907 in Aurich

Straße: Wallstraße 20
Todesdatum: Überlebt, Flucht in die USA 1939
Todesort:

Dr. Manfred Hoffmann 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

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Manfred ist das erste Kind der Familie Louis Lazarus und Lina Hoffmann. Er hat noch einen jüngeren Bruder Harri.
Sein Vater Louis Lazarus betreibt mit seinem Sohn Harri und Lazarus’ Bruder Jakob Zwi eine Tischlerei und einen Möbelhandel.
Manfred macht 1926 sein Abitur am Ulricianum als Jahrgangsbester, studiert Medizin und lebt mehrfach in Köln und Hamburg. Am 14.01.1938 heiratet er Rosi Ronsheim aus Abterode bei Eschwege in Nordhessen.
Er hat seine Praxis und Wohnhaus in der Wallstraße 24. Am 30. September 1938 verliert er per 4. Verordnung zum Reichsbürgergesetz seine Approbation. Er darf sich nicht mehr Arzt, sondern nur noch Krankenbehandler nennen. Zuvor verliert er in Aurich schon viele nichtjüdische Patienten, die ihn aus Angst vor Denunziation nicht mehr aufsuchen. Er muss deshalb weite Fahrten in Ostfriesland und bis ins Emsland unternehmen, um seine jüdischen Patienten aufzusuchen.Widerruflich wird ihm am 11.11.1938 auf Vorschlag der Reichsärztekammer §2 der 4. VO zum Reichsbürgergesetz gestattet, den ärztlichen Beruf mit Auflagen auszuüben:
• Sie dürfen sich nicht als Arzt oder ä. Sanitätsrat bezeichnen.
• Sie haben ein Schild zu führen das auf blauem Grund einen gelben Kreis mit blauem Davidstern zeigt. Dieses Zeichen auf Rezepten, Briefbogen usw. zu führen. Zu vermerken ist: zur ärztlichen Behandlung ausschließlich von Juden berechtigt.
• Sie dürfen keine Krankheitserreger züchten, Impfstoffe oder Sera herstellen und syphilis-diagnostische Blutuntersuchungen vornehmen.

Krankenbehandlerausweis des Dr. Manfred Hoffmann: So könnte er ausgesehen haben

Zuvor in der Reichspogromnacht stürmen SA-Leute seine Wohnung und zerstören sämtliche Praxisgegenstände, Türen und Fenster. Sie entwenden ihm sein Auto, ein Fahrrad und einen Photoapparat im Wert von insgesamt 1.800 RM. 500 RM in bar werden beschlagnahmt. Zuvor schlägt eine Pistolenkugel über dem Bett seiner Frau in die Wand. Manfred wird mit vielen anderen und seinem Bruder festgenommen und in das KZ Sachsenhausen gebracht (wie sein Cousin Werner). Erst nach vielen Wochen wird er entlassen. Wahrscheinlich körperlich und seelisch schwer misshandelt und geschädigt – so die Schilderung seines mitinhaftierten Cousins.

Manfred, Louis, and Harri Hoffmann

Die Familie wandert am 9.03.1939 von Hamburg mit seinen Eltern, Bruder, Schwägerin und deren Eltern, nach Amerika aus.

Er wohnt mit seiner Familie in Chicago. 1942 wird Sohn Howard geboren.

Howard ein Monat alt, die Eltern Manfred und Rosi Hoffmann 1942

Es müssen schwere und wirtschaftlich enge Jahre gewesen sein. Wohnung und Praxis waren über einem Laden in der Devon Avenue, einer stark befahrenen Ausfallstraße. Alle schlafen in einem Raum. Wohnzimmer und Praxis-/ Patientenempfang sind ein Raum. Zusätzlich lebt sein Vater, in Amerika Witwer geworden, in seiner Familie.
Am 16.11.1962 stirbt er.

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 3.01.2018)
Foto:  Bildnachweis Bild 2, 3 – Carol Kain
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Staatsarchiv Aurich: Rep. 20 Nr. 743
– Meldeblätter
– Kennkarten
– Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Sparkasse Aurich-Norden
Verlegetermin: 23. Oktober 2017

 

 

 

Samuel Semmi Hoffmann

Veröffentlicht: 3. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

 Samuel Semmi  HOFFMANN
geboren am 3. Mai 1888 in Aurich

Straße: Fockenbollwerkstr. 7
Todesdatum: 4. Mai 1944
Todesort: Auschwitz
Semmi Hoffmann wird am 3. Mai 1888 als jüngstes von fünf Kindern seiner Eltern Zwi Aron Hoffmann (*11.06.1839 Aurich +17.11.1930 Aurich) und Susanne Sätje Moses Leers (*4.07.1845 Aurich +23.02.1931 Aurich geboren.
Drei seiner Geschwister (Gelli *28.09.1882, Marianne *2.02.1884 und Moses *12.03.1886) sterben schon bald nach der Geburt. Nur seine Schwester Gelli Gertrud (*21.01.1885 Aurich) erreicht das Erwachsenenalter.
Semmi Hoffmann hat noch vier Stiefbrüder (Aron Zwi *7.07.1875., David Hoffmann *24.02.1877 +1942 Minsk – Stolperstein Wallstr. 28 -, *Lazarus 14.02.1879 +April 1966 Milwaukee, Jacob Zwi am 21.03.1881 +19.01.1935) aus der ersten Ehe seines Vaters mit Caroline Jakob deVries, die bei der Geburt des 4. Sohnes verstarb.

Seine Schwester Gelli Gertrud Zwi Hoffmann (*21.02.1885 Aurich +29.03.1983 Baton Rouge, USA) heiratet Karl Gidanski und kann mit ihrer Familie rechtzeitig vor dem Völkermord – zunächst im Januar 1939 zu ihrem Bruder Semmi nach Luxemburg, dann über Hamburg in die USA – fliehen.

Semmi Hoffmann zieht aus Aurich nach Luxemburg (Datum unbekannt). Er heiratet Rosalie Kahn (*26.06.1893 Everlange, Luxemburg) und hat mit ihr eine Tochter Marcelle. In Luxemburg wohnt er in der Rue Goethe 11. Dort besucht ihn 1939 seine Schwester Gelli/Gertrud Gidanski mit ihrer Familie bevor sie in die USA emigrieren.

Am 10. Mai 1940 zieht Semmi Hoffmann nach Eymoutier, Haute Vienne, Frankreich. Er wird später in dem Lager Drancy interniert und am 29. April 1944 nach Auschwitz deportiert. Am 1. Mai trifft der Transport mit 1.004 Personen in Auschwitz ein. 91 Frauen und 48 Männer als Häftlinge übernommen, 865 werden nach ihrer Ankunft ermordet. Das genaue Schicksal von Semmi Hoffmann kennen wir nicht.

Semmis Tochter Marcelle überlebt den Völkermord. Sie heiratet einen Herr Cerf und hat mit ihm ein Kind. Die Tochter von Semmis Schwester Gertrud, Merri Knurr, besuchte mit ihrer Tochter im Jahr 1992 ihre Cousine Marcelle Cerf in Metz und nahm im selben Jahr an der Begegnungswoche in Aurich teil.

Für Gelli Gertrude Hoffmann verh. Gidanski wurde am 23.10.2017 am Marktplatz 31 in Aurich ein Stolperstein verlegt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.01.2023)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Transport ab Drancy: http://www.tenhumbergreinhard.de/taeter-und-mitlaeufer/dokumente/auschwitz-teil-6-januar—juni-1944.html

Literatur:  
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Semmi Hoffmann wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er schon frühzeitig Aurich verließ, um in Luxemburg zu wohnen.

 

 

Ida Wolffs geb. Dannenberg

Veröffentlicht: 3. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

 Ida WOLFFS geb. DANNENBERG
geboren am 9. Mai 1875 in Felsberg

Straße: Zuletzt wohnhaft in Leer
Todesdatum: 8. September 1942
Todesort: Riga
Ida Dannenberg wird am 9. Mai 1875 in Felsberg Kreis Melsungen in Hessen, ca. 20 km südlich von Kasssel, geboren. Sie ist das 14. von 16 Kindern ihrer Eltern Levi Leib Dannenberg (24.08.1825 Altenburg über Felsberg – 09.07.1887) und Rebekka Levi (27.09.1837 Ungedanken – 1904), die am 28.05.1857 geheiratet hatten.
In Felsberg bestand eine jüdische Gemeinde seit dem 18. Jahrhundert. Idas Bruder Susmann Dannenberg (*25.05.1868 +13.07.1932 Felsberg) unterrichtete viele Jahre an der jüdischen Volksschule des Ortes.Ida Dannenberg heiratet am 9.05.1909 in Kassel den Auricher Schlachter und Viehhändler Joseph Wolffs.
Joseph Wolffs wird am 16. März 1880 in Aurich geboren. Er ist das sechste von sieben Kindern der Eheleute Wolff Benjamin Abraham Wolffs (9.11.1839 Aurich – 26.12.1912 Aurich) und Gelli Cosmann Wolffs geb. Hoffmann (16.06.1843 Aurich – 19.02.1884 Aurich). Joseph war noch nicht 4 Jahre alt; als seine Mutter starb, sein Vater hat danach noch einmal geheiratet (Fanny Wolffs 1856-1934).

Ida und Joseph Wolffs wohnen zunächst in Aurich in der Lilienstraße 12 bei Familie Abraham Levy Wolff. Hier werden ihre Kinder Werner (*12.03.1911) und Ruth (*13.06.1912) geboren.

Im Jahr 1914 zieht die Familie in die Große Mühlenwall Str. 13 und wohnt dort 12 Jahre lang. Ihre Tochter Ruth besucht die „Höhere Töchter Schule“ in Aurich.

Am 9.03.1926 zieht die Familie nach Wittmund. Sie ist dort am 15.03.1926 gemeldet. Sohn Werner verbleibt noch bis 1929 in Aurich und zieht dann nach Frankfurt am Main.

Von Wittmund aus ziehen Joseph und Ida Wolffs mit ihrer Tochter Ruth am 1.04.1929 nach Leer in die Heisfelder Straße 44 – wohl auch, weil es in Wittmund keine geeignete Schule für ihre Tochter gab. An allen Orten ist Joseph in der Synagoge als Vorbeter/Vorsänger tätig. In Leer wohnt er als Synagogendiener gleich bei der Synagoge. Die Enkeltochter berichtet: „Die Familie war ziemlich streng religiös, und mein Vater (Werner) konnte aus seiner Kindheit noch alle Melodien, die man damals dort gesungen hat, auswendig.“

Ihre Tochter Ruth betätigt sich auch in Leer als erfolgreiche Turnerin und gewinnt verschiedene Wettbewerbe. Im August 1933 emigriert Ruth nach Groningen in die Niederlande, wohnt dort bei Familie Moritz Gerzon in der Jozef Israelstraat 44 (Lt. Meldekarte 18.12.1933) und verdient ihren Lebensunterhalt als Näherin. Als hervorragende Sportlerin wird sie im April 1935 zur Makkabiade nach Palästina geschickt. Ihr Bruder Werner veranlasst sie dort zu bleiben, was ihr das Leben rettete. Diese Makkabiade war für viele Sportler aus Europa eine Gelegenheit, in Palästina zu bleiben. Ruth musst eine Scheinehe (für 4 Jahre) mit einem Araber eingehen, damit sie nicht von den britischen Behörden ausgewiesen wird.

Joseph und Ida Wolffs müssen die Reichspogromnacht 9./10.11.1938 in Leer erleben. Dort erhielt das Einsatzkommando in Leer gegen drei Uhr nachts von Bürgermeister Erich Drescher genaue Instruktionen, die besagten, dass das Synagogengebäude an der Heisfelderstraße in Brand gesetzt und dabei auch die Wohnung des Synagogendieners „ausgeräuchert“ werden sollte. Außerdem wurde die SA angewiesen, die Schaufenster aller noch vorhandenen jüdischen Geschäfte zu demolieren.

An der Synagoge angekommen, wurden zunächst die Wolffs‘schen Möbel aus der Wohnung nach draußen geschafft. Der Kantor der jüdischen Gemeinde Joseph Wolffs und seine Frau Ida wurden rüde aus dem Schlaf gerissen. In Nachtkleidung mussten sie mit ansehen, wie der Bürgermeister Maßnahmen in die Wege leitete, ihr Mobiliar zu verladen und für Absperrungsmaßnahmen Sorge trug, wodurch er erst die Voraussetzungen für die Brandstiftung schaffte.

Anschließend wurden die jüdischen Bürger in der Viehhofanlage auf der Nesse zusammengetrieben (vgl. Darstellung s. Link unten).

Aus Leer wurden 56 Männer in das KZ Sachsenhausen verbracht, darunter auch Joseph Wolffs. Er kam am 15.12.1938 als gebrochener Mann nach Leer zurück.

Als alle Juden Ostfriesland bis zum 1.04.1940 verlassen müssen, ziehen Joseph und Ida Wolffs nach Berlin (C2, Neue Königstraße 42, heute Otto-Braun-Straße).

Von dort werden sie am 31. August 1942 ab Berlin-Moabit in das Ghetto Riga deportiert (Nr. 34 und 35 auf der Transportliste, s.u.) und kamen am 3. September 1942 in Riga an. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie gleich nach der Ankunft ermordet.

(Im Gedenkbuch Bundesarchiv findet sich der 5.09.1942 als Transportbeginn und der 8. September als Tag der Ankunft in Riga.)

Ihre Kinder konnten dem Völkermord durch Flucht nach Israel entkommen. Die Kinder Werner (dort neuer Name: Benjamin Seewi – 12.03.1911 Aurich – 27.07.1995 Jerusalem) und Ruth (13.06.1912 Aurich – 8.05.1996 Jerusalem), verheiratet mit Arnold Rund (*1906 Berlin), nahmen an der Begegnungswoche 1992 in Aurich teil, Ruth mit Sohn Emanuel.

Werners war seit 1964 mit Eleonore Wolffs, später: Liora Seewi geb. Kraus – 15.03.1926 Augsburg – 3.01.2018 Jerusalem) verheiratet. Ihre Tochter Ada (*10.02.1965 Duisburg) lebt in Jerusalem. Sie ist verheiratet und hat 4 Kinder. Ihre Tochter Schulamith (*1.08.1967 Duisburg) wohnt in Ramat Gan, Israel. Sie ist verheiratet und hat 2 Kinder.

Zu den Geschwistern von Ida Wolffs geb. Dannenberg:
Elf ihrer Geschwister sind im Kinder- oder Jugendalter verstorben. Vier Geschwister erreichen das Erwachsenenalter. Drei davon sterben vor 1933. Nur ihr Bruder Abraham (13. Kind) überlebt den Holocaust und verstilbt 1963 (vgl. Datenbanken).

Zu den Geschwistern von Joseph Wolffs:
Zwei seiner Geschwister (Cossmann Wolff 1870-1873 und Sara 1874-1876) sterben bereits im Kindesalter. Über die jüngste Schwester Sara (*31.10.1882) konnten wir nichts in Erfahrung bringen.

Sein ältester Bruder Abraham 28.03.1868) zog aus Aurich nach Stettin. Er wurde am 12.02.1940 in das Ghetto Glusk deportiert. Dort verliert sich seine Spur.
Seine Schwester Clara „Clärchen“ Wolff geb. Wolffs heiratete den Auricher Schlachter Levy Abraham Wolff (1862-1937) und hatte mit ihm vier Kinder. Sie wohnte in der Osterstraße 25, floh 1938 zu ihrem Sohn Abraham Levy Wolff nach Groningen in die Folkingerstraat 19, wurde am 12. März 1943 im Durchgangslager Westerbork interniert, kurz darauf in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort am 25. März 1943 ermordet.

Für Clara Wolff geb. Wolffs wurde am 24.06.21 ein Stolperstein in der Osterstraße 25 verlegt.

Für Joseph und Ida Wolffs wurden am 5.02.2023 Stolpersteine in Leer verlegt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Meldekarte Aurich
Meldebuch WittmundDatenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I4288&nachname=Dannenberg&lang=de
Datenbank: https://www.geni.com/people/Ida-Wolffs/6000000009215218624

Pogromnacht Leer: https://pogrome1938-niedersachsen.de/leer/
Transportliste: https://www.statistik-des-holocaust.de/OT19-2.jpg Ghetto Riga: https://todesortriga.lv/ueber-die-deportationen/
Jüdische Gemeinde Felsungen: https://www.alemannia-judaica.de/felsberg_synagoge.htm
Sportlerin Ruth: Lorenz Peiffer, Henry Wahlig

Juden im Sport während des Nationalsozialismus (eBook, PDF)

Ein historisches Handbuch für Niedersachsen und Bremen

 

 

 

Literatur: Dr. Dieter Vaupel, „Etwas Schaden ist wohl bei den meisten Juden eingetreten“ – Jüdisches Leben in Felsberg: Integration – Verfolgung –Erinnerung. 2020 (ISBN 978-3-7410-0270-0)

Dieter Vaupel: Flucht oder Vernichtung. Stolpersteine zur Erinnerung an die Felsberger Familie Dannenberg/Deutsch. 2019 (ISBN 978-374-851-9096)

Patenschaft:
Verlegetermin: Für Joseph Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er bereits 1926 Aurich verließ.

 

 

Joseph Wolffs

Veröffentlicht: 3. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Joseph WOLFFS
geboren am 16. März 1880 in Aurich

Straße: Zuletzt wohnhaft in Leer
Todesdatum: 8. September 1942
Todesort: Riga
Joseph Wolffs wird am 16. März 1880 in Aurich geboren. Er ist das sechste von sieben Kindern der Eheleute Wolff Benjamin Abraham Wolffs (9.11.1839 Aurich – 26.12.1912 Aurich) und Gelli Cosmann Wolffs geb. Hoffmann (16.06.1843 Aurich – 19.02.1884 Aurich). Joseph war noch nicht 4 Jahre alt; als seine Mutter starb, sein Vater hat danach noch einmal geheiratet (Fanny Wolffs 1856-1934).

Joseph arbeitet wie sein Vater als Schlachter und Viehhändler. Er heiratet am 9.05.1909 in Kassel Ida Dannenberg (*9.05.1875 Felsberg Krs. Melsungen). Das Paar wohnt zunächst in Aurich in der Lilienstraße 12 bei Familie Abraham Levy Wolff. Hier werden ihre Kinder Werner (*12.03.1911) und Ruth (*13.06.1912) geboren.

Im Jahr 1914 zieht die Familie in die Große Mühlenwall Str. 13 und wohnt dort 12 Jahre lang. Ihre Tochter Ruth besucht die „Höhere Töchter Schule“ in Aurich.

Am 9.03.1926 zieht die Familie nach Wittmund. Sohn Werner verbleibt noch bis 1929 in Aurich und zieht dann nach Frankfurt am Main.

Von Wittmund aus ziehen Joseph und Ida Wolffs mit ihrer Tochter Ruth am 1.04.1929 nach Leer in die Heisfelder Straße 44 – wohl auch, weil es in Wittmund keine geeignete Schule für ihre Tochter gab. An allen Orten ist Joseph in der Synagoge als Vorbeter/Vorsänger tätig. In Leer wohnt er als Synagogendiener gleich bei der Synagoge. Die Enkeltochter berichtet: „Die Familie war ziemlich streng religiös, und mein Vater (Werner) konnte aus seiner Kindheit noch alle Melodien, die man damals dort gesungen hat, auswendig.“

Ihre Tochter Ruth betätigt sich auch in Leer als erfolgreiche Turnerin und gewinnt verschiedene Wettbewerbe. Im August 1933 emigriert Ruth nach Groningen in die Niederlande, wohnt dort bei Familie Moritz Gerzon in der Jozef Israelstraat 44 (Lt. Meldekarte 18.12.1933) und verdient ihren Lebensunterhalt als Näherin. Als hervorragende Sportlerin wird sie im April 1935 zur Makkabiade nach Palästina geschickt. Ihr Bruder Werner veranlasst sie dort zu bleiben, was ihr das Leben rettete. Diese Makkabiade war für viele Sportler aus Europa eine Gelegenheit, in Palästina zu bleiben. Ruth musst eine Scheinehe (für 4 Jahre) mit einem Araber eingehen, damit sie nicht von den britischen Behörden ausgewiesen wird.

Joseph und Ida Wolffs müssen die Reichspogromnacht 9./10.11.1938 in Leer erleben. Dort erhielt das Einsatzkommando gegen drei Uhr nachts von Bürgermeister Erich Drescher genaue Instruktionen, die besagten, dass das Synagogengebäude an der Heisfelderstraße in Brand gesetzt und dabei auch die Wohnung des Synagogendieners „ausgeräuchert“ werden sollte. Außerdem wurde die SA angewiesen, die Schaufenster aller noch vorhandenen jüdischen Geschäfte zu demolieren.

An der Synagoge angekommen, wurden zunächst die Wolffs‘schen Möbel aus der Wohnung nach draußen geschafft. Der Kantor der jüdischen Gemeinde Joseph Wolffs und seine Frau Ida wurden rüde aus dem Schlaf gerissen. In Nachtkleidung mussten sie mit ansehen, wie der Bürgermeister Maßnahmen in die Wege leitete, ihr Mobiliar zu verladen und für Absperrungsmaßnahmen Sorge trug, wodurch er erst die Voraussetzungen für die Brandstiftung schaffte.

Anschließend wurden die jüdischen Bürger in der Viehhofanlage auf der Nesse zusammengetrieben (vgl. Darstellung s. Link unten).

Aus Leer wurden 56 Männer in das KZ Sachsenhausen verbracht, darunter auch Joseph Wolffs. Er kam am 15.12.1938 als gebrochener Mann nach Leer zurück.

Als alle Juden Ostfriesland bis zum 1.04.1940 verlassen müssen, ziehen Joseph und Ida Wolffs nach Berlin (C2, Neue Königstraße 42, heute Otto-Braun-Straße).
Von dort werden sie am 31. August 1942 ab Berlin-Moabit in das Ghetto Riga deportiert (Nr. 34 und 35 auf der Transportliste, s.u.) und kamen am 3. September 1942 in Riga an. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie gleich nach der Ankunft ermordet.
(Im Gedenkbuch Bundesarchiv findet sich der 5.09.1942 als Transportbeginn und der 8. September als Tag der Ankunft in Riga.)

Ihre Kinder konnten dem Völkermord durch Flucht nach Israel entkommen. Die Kinder Werner (dort neuer Name: Benjamin Seewi – 12.03.1911 Aurich – 27.07.1995 Jerusalem) und Ruth (13.06.1912 Aurich – 8.05.1996 Jerusalem), verheiratet mit Arnold Rund (*1906 Berlin), nahmen an der Begegnungswoche 1992 in Aurich teil, Ruth mit Sohn Emanuel.
Werner war seit 1964 mit Eleonore Wolffs, später: Liora Seewi geb. Kraus – 15.03.1926 Augsburg – 3.01.2018 Jerusalem) verheiratet. Ihre Tochter Ada (*10.02.1965 Duisburg) lebt in Jerusalem. Sie ist verheiratet und hat 4 Kinder. Ihre Tochter Schulamith (*1.08.1967 Duisburg) wohnt in Ramat Gan, Israel. Sie ist verheiratet und hat 2 Kinder.

Zu den Geschwistern von Joseph Wolffs:
Zwei seiner Geschwister (Cossmann Wolff 1870-1873 und Sara 1874-1876) sterben bereits im Kindesalter. Über die jüngste Schwester Sara (*31.10.1882) konnten wir nichts in Erfahrung bringen.

Sein ältester Bruder Abraham 28.03.1868) zog aus Aurich nach Stettin. Er wurde am 12.02.1940 in das Ghetto Glusk deportiert. Dort verliert sich seine Spur.
Seine Schwester Clara „Clärchen“ Wolff geb. Wolffs heiratete den Auricher Schlachter Levy Abraham Wolff (1862-1937) und hatte mit ihm vier Kinder. Sie wohnte in der Osterstraße 25, floh 1938 zu ihrem Sohn Abraham Levy Wolff nach Groningen in die Folkingerstraat 19, wurde am 12. März 1943 im Durchgangslager Westerbork interniert, kurz darauf in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort am 25. März 1943 ermordet.

Für Clara Wolff geb. Wolffs wurde am 24.06.21 ein Stolperstein in der Osterstraße 25 verlegt.

Für Joseph und Ida Wolffs wurden am 5.02.2023 Stolpersteine in Leer verlegt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Meldekarte Aurich, NLA AurichDatenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8069&lang=de

Pogromnacht Leer: https://pogrome1938-niedersachsen.de/leer/
Transportliste: https://www.statistik-des-holocaust.de/OT19-2.jpg Ghetto Riga: https://todesortriga.lv/ueber-die-deportationen/

 

 
Literatur:  

 

Patenschaft:
Verlegetermin: Für Joseph Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er bereits 1926 Aurich verließ.

 

 

Wilhelmine „Helmi“ Wolffs geb. Nathans

Veröffentlicht: 3. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Wilhelmine „Helmi“ WOLFFS geb. NATHANS
geboren am 12. August 1907 in Dortmund (Dorstfeld)

Straße: Wohnte seit Anfang der 1930er Jahre in den Niederlanden
Todesdatum: 11. Juni 1943
Todesort: Sobibor, Vernichtungslager
Wilhelmine Nathans wird am 12. August 1907 in Dortmund geboren.

Wilhelmine heiratet am 1.04.1936 in Amsterdam Ludwig Meyer Wolffs (*21.06.1904 Großefehn).
Ludwig zieht bereits 1927 von Aurich nach Dülken Krs. Kempen.
Ludwig und Wilhelmine Wolffs emigrieren (anscheinend gemeinsam) in die Niederlande und wohnen zunächst in Zuid en West Schermer, Gemeinde Alkmaar.

Ludwig Wolffs‘ Vater Meyer Zwi Wolffs wird am 2.11.1870 als Sohn des Schlachters und Viehhändlers Zwy Jacob Wolffs und Süsje Meyer Hoffmann in Aurich geboren. In der ersten Lebenshälfte wohnt er in Ostgroßefehn, wohin vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Er ist von Beruf Viehhändler wie sein Vater. Er heiratet die neun Jahre jüngere Helene Cohen aus Emden. Fünf von insgesamt acht Kindern werden in Großefehn geboren: 1900: Hanna Wolffs, 1901: Käthe Wolffs, 1903: Hermann Wolffs, 1904: Ludwig Wolffs und 1907: Elsa Wolffs. Im Jahr 1907 zieht die Familie nach Aurich in den Lüchtenburger Weg Nr. 8, wo 1913, 16 und 18 die drei jüngsten Kinder Edith, Jakob und Grete geboren werden.

Am 15.09.1934 sind Ludwig und Wilhelmine Wolffs in Amsterdam, Moddermolensteeg 2 als Einwohner eingetragen. Ludwig betreibt dort einen kleinen Lebensmittel- und Milchladen. Am 9.11.1937 wird dort ihr Sohn Maurits Simon Wolffs geboren, am 7.01.1941 ihr Sohn Jacques Wolffs.

Es existiert noch eine mit Schreibmaschine geschriebene Meldung von Ende Juli 1941 (hier übersetzt aus dem Niederländischen):
„Ludwig Meijer Israel Wolffs, geboren in Großefehn am 21.06.1904, Milchhändler, wohnhaft Moddermolensteeg 2, Haus hier, gibt zur Kenntnis, dass am 29.07.1941 zwischen 7 Uhr morgens und 15 Uhr nachmittags aus einem Vorraum seiner Wohnung eine Klebefolie verschwunden ist, auf der ungefähr 90 Buttergutscheine Nr. 25 befestigt waren. Ein bestimmter Verdacht besteht nicht.“

Zu diesem Zeitpunkt muss Ludwig Wolffs also noch seinen Laden betrieben haben, allerdings schon mit dem von den Nazis aufgezwungenen Vornamen „Israel“.

Die Familie wird am 26.05.1943 im Lager Westerbork interniert, am 8. Juni 1943 von dort in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort nach ihrer Ankunft ermordet. Als Todesdatum gilt der 11. Juni 1943.

Ludwigs Eltern und seine Geschwister Käthe, Jakob und Grete können rechtzeitig in die USA fliehen, sein Bruder Hermann nach Argentinien. So können sie dem Völkermord entgehen.

Für Ludwigs Eltern Meyer Zwi und Helene Wolffs sowie für die Geschwister Hermann, Jakob und Grete wurden am 21.10.2016 Stolperstein in Aurich im Lüchtenburger Weg 8 verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 30.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte Amsterdam, Kamp Westerbork
Datenbank: https://www.joodsmonument.nl/nl/page/189476/ludwig-meijer-wolffsBiographie von Ludwigs Bruder Hermann Wolffs: https://stolpersteineaurich.wordpress.com/2010/01/30/hermann-wolffs/
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Wilhelmine Wolffs geb. Nathans wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da ein Aufenthalt in Aurichnicht nachweisbar ist.

 

 

 

Amalie Melach van der Wyk geb. Wolffs

Veröffentlicht: 3. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Amalie Melach van der WYK geb. WOLFFS
geboren am 25. Juli 1881 in Aurich

Straße: Wohnhaft in Emden
Todesdatum: Deportation Warschau Ghetto am 31. März 1942
Todesort: Warschau Ghetto

Amalie van der Wyk geb. Wolffs 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Amalie Wolffs wird am 25. Juli 1881 in Aurich geboren. Sie ist das sechste von zehn Kindern ihrer Eltern Melach Elimelech Wolffs (19.08.1841 Aurich – 24.06.1923 Aurich) und Zerle Wolffs, geborene Wallheimer (4.02.1845 Aurich – 18.10.1909 Aurich).

Zur Zeit ihrer Heirat mit dem Schlachter Sigmund van der Wyk wohnte sie in der Hofstraße. Die Ehe blieb kinderlos. Nach der Verheiratung wohnte das Paar zunächst in Petkum, um 1921 in der Neue Straße 50 (Friedrich-Ebert-Straße) ihr Schlachtergeschäft zu eröffnen.
1937 verkaufte Sigmund van der Wyck seine Schlachterei, die er wegen der repressiven NS-Gesetzgebung gegen jüdische Schlachter nicht mehr zum Lebensunterhalt führen konnte.
Am 20.12.1937 meldete sich das Ehepaar unter der Adresse Stahlbogengang 4 an.
Am 14. März 1940 wurden Amalie und Sigmund van der Wyk nach Hannover ausgewiesen. Sie wohnten dort im Judenhaus an der Schmiedestraße.
Am 31. März 1942 erfolgte die Deportation in das Ghetto Warschau. Hier wurden Amalie und Sigmund van der Wyk gleich nach ihrer Ankunft erschossen.

Für Amalie Melach van der Wyk und ihren Ehemann Sigmund van der Wyk wurden Stolpersteine in Emden, Am Gasthof 5 (gegenüber) verlegt.

Zwei Geschwister von Amalie van der Wyk verstarben schon 1917 (Levie Melach Wolffs 26.06.1886 – 16.04.1917 Frankreich) bzw. 1920 (Simon Melach Wolffs (25.05.1891 – 21.10.1920 Aurich), eine Schwester (Eva Gradenwitz geb. Wolffs 17.10.1874 – 28.01.1968 Harrow, GB) konnte rechtzeitig nach England fliehen. Die anderen sechs Geschwister wurden Opfer des Völkermordes.

Bertha Melach de Vries (10.02.1885 – 6.03.1943 Auschwitz) und Hannchen Melach Nordheim (15.04.1889 – 25.01.1942 Riga) wurden Opfer der Shoa, ebenso wie die vier Geschwister von Amalie Melach für die Stolpersteine in Aurich verlegt wurden:
Clara Melach Wolffs (geb. 15.11.1870, verschollen 1942 in Riga) in der Osterstraße 8,
Abraham Melach Wolffs (geb. 14.09.1872, Deportation 1942) in der Kleinen Mühlenwallstraße 4,
Betty Melach de Vries (geb. 7.04.1877, ermordet 5.03.1943 in Theresienstadt) in der Osterstraße 8 und
Goldine Melach Hoffmann, geb. Wolffs, (geb. 10.03.1879, verschollen 1942 in Riga) in der Fockenbollwerkstraße 7.

Recherche: Dr. Rolf Uphoff (Emden)
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.geni.com/people/Amalie-Melach-van-der-Wyk/6000000027523789938

Stolpersteine Emden: https://www.emden.de/fileadmin/media/stadtemden/PDF/Stolpersteine/neu/stahlbgg4_-_vd_wyk_amalie_melach_-_mai_2013.pdf

 

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Amalie Melach van der Wyk geb. Wolffs wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie schon vor 1920 Aurich erließ.

 

 

Harry Hoffmann

Veröffentlicht: 2. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Harry HOFFMANN
geboren am 22. Februar 1911 in Aurich

Straße: Wallstraße 120
Todesdatum: überlebt den Völkermord, Flucht in die USA 1939
Todesort:

Harry Hoffmann 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der junge Harri vorm Elternhaus. Vorne Benno Wolffs, hinten Frieda Hoffmann seine Cousine, später verheiratete Wildstrom

Harri ist das zweite Kind der Familie Louis Lazarus und Lina Hoffmann. Er hat noch einen älteren Bruder Manfred.
Er und sein Vater Lazarus betreiben mit Lazarus’ Bruder Jakob Zwi eine Tischlerei und einen Möbelhandel.

Harri ist von Beruf Möbeltischler wie sein Cousin Werner Hoffmann. Am 5.03.1939 kurz vor der Flucht heiratet er Herta Goldschmidt.

von links Dina Buxbaum, Julius Samson, Emmi Samson = Julius‘ Schwester, Harri Hoffmann, dann Martha Moses des Lehrers Moses‘ Tochter und Hanna Sondhelms Mutter, Manfred Hoffman in den Armen von Herta Goldschmidt = zukünftige Frau von Harri. und vorne sind Mary Gidansky und Henry Lachmann.

„Möbelhandlung und Tischlerei Levi und Harry Hoffmann“ – so heißt der Betrieb  „sind am 10.11.38 im Zuge der Aktion gegen die Juden [d.h. die Reichspogromnacht]  geschlossen worden“. So steht es in den Akten im Amtsdeutsch, ein Terminus der ordnungsmäße

Durchführung bedeuten soll. Das bewegliche Inventar wird sämtlich beschlagnahmt und es werden 500 RM in bar von der SA entwendet.
Harri und sein Bruder Manfred werden mit vielen anderen Männern verhaftet und am nächsten Tag mit dem Bus nach Oldenburg, dann mit der Eisenbahn nach Sachsenhausen transportiert. Auf der Fahrt täuscht Harri eine offene und fortgeschrittene Tuberkulose vor. Man lässt ihn aussteigen und er kann nach Aurich zurückkehren.

Harri wandert am 9.03.1939 in Hamburg mit Frau Herta geb. Goldschmidt, seinen Eltern, Bruder, Schwägerin und den Eltern seiner Frau, nach Amerika aus.

Er wohnt mit Herta und den Eltern Goldschmidt in Milwaukee. Das neue Leben in Amerika war anfangs nicht leicht. Schwer war es, Englisch zu lernen, wo sie doch zu 100 Prozent deutsch wie Klein-Aurich (Sonja Samson) und beengt wie Sardinen zusammenlebten. Und das in der Stadt Milwaukee, die ebenso sehr deutsch war..

Harris erster Job war in einer Gerberei der J. Greenebaum Tanning Co. in Milwaukee. Die Tochter Lorraine wird geboren. Zufällig bekommt Harri eine Probe eines besonderen Schuhputzmittels. Seine Frau Herta versucht dieses Mittel auf ihrem Ofen nachzukochen. Das war der Beginn der späteren Schuhcreme- Sattelfett und Lederseifenfabrikation unter dem Namen Hoffco. Sie besteht noch heute an ihrem ursprünglichen Platz.

1962 kann Harri das mehrstöckige Lagerhaus einer früheren Schiffstakelei an der Water Street kaufen. Bis heute arbeitet Hoffco an diesem Platz.

Zu Besuch in Aurich 1992: Harri, Lorraine, Herta im Gemeindehaus Wallinghausen

 

1992 besucht Harri mit seiner Frau Herta und Tochter Lorraine die alte Heimat Aurich. Es ist die zweite Begegnung mit vielen anderen Ehemaligen, welche zum Teil von weit her aus Übersee angereist kamen. Wie sicher oft beim Besuch ehemaliger Auricher heißt es gleich zu Anfang: Erstmal nach Kukelorum fahren (Berni Wallheimer). Also fährt die Gruppe mit dem Ausflugsschiff auf dem Kanal zur Schleuse und Gaststätte Kukelorum.

Harri Hoffmann stirbt am 31.12.1999. Seine Frau Herta und später auch Tochter Lorrai-ne führen das Geschäft weiter.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer(Stand 3.01.2018)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Staatsarchiv Aurich: Rep. 20 Nr. 743
– Meldeblätter
– Kennkarten
– Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Sparkasse Aurich-Norden
Verlegetermin: 23. Oktober 2017

 

 

 

Louis Watermann

Veröffentlicht: 2. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Louis WATERMANN
geboren am 1. November 1891 in Marienhafe

Straße: Wallstr. 4
Todesdatum: 22. Januar 1942
Todesort: Lodz
Louis Watermann wurde am 1. November 1891 in Marienhafe geboren. Seine Eltern, der Kaufmann Simon Meyer Watermann (26.12.1855) und Helene Watermann geb. de Loewe (5.02.1866) bekamen drei Kinder.

Simon Meyer Watermann

Der ältere Bruder Sally wurde am 7.05.1888 geboren. Der jüngere Bruder August wurde am 25.04.1890 geboren. Er ging nach Hamburg und wurde ein angesehener Psychiater.

Die Familie lebte in Marienhafe, wo sie ein Geschäft betrieben. Louis Mutter kam aus einer Kaufmannsfamilie, die ein Modewarengeschäfts in Norden hatten. Seine Mutter stirbt am 9.11.1925 im Alter von 69 Jahren, sein Vater 14.11.1933 im Alter von 77 Jahren.

Sein Bruder Sally mit seiner Frau Gerta Wallheimer steigen in das Geschäft in der Rosenstraße in Marienhafe ein.

Louis diente im 1. Weltkrieg und war Mitte 20, als er als Kriegsinvalide zurückkehrt. Er blieb unverheiratet und hatte keine Kinder. Er muss schwerst behindert gewesen sein, denn er bekam einen gesetzlichen Vormund, den Kaufmann Harry Knurr, dessen Ehefrau Louis Schwägerin war.
Laut Meldekartei wohnte Louis seit 15.12.1934 in der Wallstr. 4 bei  Moritz Moses Wolff. Eine kurze Zeit, bis zum 15.12.1938, dem Zeitpunkt der Auswanderung der Familie Knurr, hatte er bei ihnen in Leer, in der Hindenburgstr. 24 gewohnt.

Anfang 1940 erhalten alle Juden die Aufforderung, Ostfriesland zu verlassen – aus „sicherheitspolizeilichen Gründen“ sollte die Region „judenfrei“ werden.

Louis Watermann zieht am 5. März 1940 zusammen mit der Familie seines Vermieters Moritz Moses Wolff und dessen Frau Lilly nach Essen, zuerst in die Schützenstr. 24, dann am 7.03. in die  Laut Meldekartei wohnte Louis seit 15.12.1934 in der Wallstr. 4 bei  Moritz Moses Wolff.
Eine kurze Zeit, bis zum 15.12.1938, dem Zeitpunkt der Auswanderung der Familie Knurr, hatte er bei ihnen in Leer, in der Hindenburgstr. 24 gewohnt. Lindenallee 96.

Am 27.10.1941 wird er mit 1.003 anderen Juden in das Ghetto Lodz deportiert (s. u. „Transportliste“, 2. Zeile). Dort stirbt er drei Monate nach seiner Ankunft am 22. Januar1942 im Alter von 51 Jahren.

Sein Bruder August Watermann floh bereits  1933 vor dem Naziregime aus Hamburg in die Niederlande, wo er sich als Psychiater/Psychoanalytiker niederließ (s. u.  Artikel „Hamburgs erste Psychoanalytiker“) und die Niederländerin Deena Vecht heiratete. Nach einigen Wirren wurde er Mitglied der Niederländischen Vereinigung für Psychoanalyse. Unter der deutschen Besatzung, ab Mai 1940, konnte er fast zwei Jahren nicht mehr weiterarbeiten. Er wurde mit seiner Frau und seinem 7-jährigen Sohn John Jack über Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 06. Oktober 1944 ermordet.

Sally Watermann stellt einen Widergutmachungsantrag. Er erhält nach einem langjährigen Verfahren (1948–1953) im Rahmen eines Vergleichs 5.000 Mark.

Beschreibung der Deportation mit dem auch Louis Watermann  von Düsseldorf in Ghetto Lodz deportiert wird: Am 27.10.1941 um 7:50 Uhr verlässt ein Sonderzug mit 1.003 Niederrheiner darunter Männer, Frauen und Kinder den Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf mit Ziel Lodz. Der Zug erreicht Lodz am 28.10.1941.

Geschichte des Transportes
Der Transport geht am Montag den 27.10.1941 ab Düsseldorf um 7:50 Uhr ab.
Es muss pro Person mitgenommen werden:
Zahlungsmittel bis zu 100.- RM
Ein Koffer mit Ausrüstungsgegenständen bis zu 50 Kg
Vollständige Bekleidung.
Bettzeug mit Decke.
Verpflegung für 8 Tage (Brot, Mehl und Hülsenfrüchte)
Marschverpflegung für 2 Tage. (Butterbrote)

Vermögenseinziehung
Das Vermögen der zu evakuierenden Juden wird mittels kleinem Formular staatspolizeilich sichergestellt und beschlagnahmt. Das Formular ist daher bei der Vorladung von den Juden zu unterschreiben und festzuhalten. Die vorliegenden Vermögenserklärungen sind von jedem Juden auszufüllen und zu unterschreiben und zurückzugeben. Sämtliche Formulare müssen bis Freitag, den 24.10.1941 vormittags in Düsseldorf Stapoleitstelle, II B 4, Zimmer 226, sein.
Die Wohnungen der Juden sind zu verschließen und zu versiegeln.

Ankunft in Lodz
1.003 Niederrheiner wurden am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto Lodz deportiert, darunter Männer, Frauen und Kinder. Lediglich 16 aus diesem Transport haben Ghetto und Konzentrationslager überlebt.
Es ist zwölf Grad Celsius unter Null, als die Juden aus dem Rheinland im Getto eintreffen. Der erste Schnee ist gefallen. Und aufgrund vieler Verspätungen erreichen sie Lodz erst mitten in der Nacht. Die Unterkunft der 1.003 Juden sind zwei leere Schulsäle. Leer meint hier wirklich leer: keine Schränke, Tische oder Stühle, nicht einmal Pritschen stehen bereit. 500 Menschen werden auf jeden Saal verteilt, drei Latrinen gibt es und eine Wasserpumpe im Hof.

Recherche: Christiane Meissner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 23.10.2017)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich, Geburtsbücher
Staatsarchiv Aurich, Rep. 107, acc.2009/075 Nr. 1500
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411027-20a.jpg
http://www.tenhumbergreinhard.de/05aaff9c310b0fe15/05aaff9c360ff9610/index.html
http://www.Joodsemonument.nl
http://www.alemannia-judaica.de/norden_synagoge.htm
http://www.geni.com
http://www.myheritage.com
Literatur:
Patenschaft: Aktion 9.11.2014
Verlegetermin: 23. Oktober  2017

Sally Ludwig Wolff

Veröffentlicht: 1. Februar 2010 von westermayer in Verlegung

Sally Ludwig WOLFF
geboren am 1. August 1928 in Aurich

Straße: Große Mühlenwallstr. 34 (früher: Ostertorplatz 14)
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 1.03.1943
Todesort: Auschwitz
Sally Ludwig Wolff wird am 1. August 1928 als erstes Kind von Ludwig Wolff und Hildegard Auguste Woff geb. Simson geboren.

Sein Vater Ludwig Wolff wird im Jahr 2.07.1899 als viertes von zwölf Kindern seiner Eltern Henriette und Selly Wolff geboren. Die Familie lebt in der Lilienstr. 9. Dort wurden bereits mehrere Stolpersteine verlegt. Von den zwölf Kindern überleben nur drei den Völkermord.

Ludwigs Vater, Selly Wolff, war ein nicht nur in der Stadt Aurich, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus  bekannter und geachteter Viehhändler und Schlachter, der regelmäßig in den „Ostfriesischen Nachrichten“ sein „Ausstellungs- Fleisch, Das Beste vom Besten“ annoncierte. Selly Wolff verstirbt im Jahr 1930. Seine Söhne Ludwig , Magnus und Abraham, die schon 1926 als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet  werden, führen das Geschäft ihres Vaters unter seinem Namen  weiter.

Familie Hugo Simson mit den Kindern Wilhelm Feodor, Gustav, Fanny und Hildegard Auguste (der späteren Ehefrau von Ludwig Wolff (*1899). Ca. 1915

Seine Mutter Hildegard Auguste Simson wird am 4. November 1906 in Mettmann im Kreis Mettmann geboren. Hildegard Simson ist Tochter von Hugo Simson (*17.09.1863) und Henrietta Simson geb. Mayer (*10.03.1880). Ihr Vater, ein Viehhändler und Metzger, ist relativ wohlhabend und ein angesehener Bürger der Stadt, der sogar Mitglied im Rat der Stadt war. Er stirbt am 29.01.1929. Hildegard hat drei ältere Geschwister (Wilhelm Feodor Simson *1902, Gustav Simson *1903 und Fanny Simson *1905, die alle Opfer des Völkermordes an den Juden wurden und für die Stolpersteine in Mettman, Goethestraße (früher: Pfingstgarten 288) verlegt sind. Ihre Mutter wird am 1.03.1943 zusammen mit ihrem damals 15 Jahre alten Enkelsohn Sally Ludwig nach Auschwitz deportiert.

Am 18.08.1926 heiraten Hildegard Auguste und Ludwig Wolff. Das junge Paar Ludwig und Hildegard Wolff zieht zunächst für einige Jahre in die Leererstr. 32. Im Jahr 1928 wird ihr Sohn „Hans“ Sally Ludwig geboren, ein Jahr später ihre Tochter  Helga.
Im Jahr 1932 zieht die Familie in die Georgstr. 39, zwei Jahre später zum Ostertorplatz 14. Hier ist ihr letzter frei gewählter Wohnort, an dem wir heute die Steine verlegen.  Als die Lebensbedingungen für die jüdische Bevölkerung immer schwieriger werden, muss Ludwig Wolff mit seiner Frau und den beiden Kindern im Juli 1938 zu seiner Tante Hedwig Wolff in die Lilienstr. 9 ziehen (s. unten 1). Dieses Haus war zu einem „Judenhaus“ geworden.

Als in der Reichspogromnacht die Auricher Juden in der Bullenhalle zusammengetrieben  werden, ist Ludwig Wolff mit Sicherheit auch dabei. Auch von seiner Internierung in Sachsenhausen ist auszugehen. Nach diesen Erfahrungen bleibt für ihn und seine Familie nur die Hoffnung auf eine Flucht aus Deutschland.
Am 25.07.1939 zieht die Tochter Helga Wolff im Alter von knapp 10 Jahren allein nach England, vermutlich mit einem „Kindertransport“. Einen Monat später (30.08.1939) flüchtet ihr Vater Ludwig Wolff ebenfalls nach England. Vermutlich wollte er – wie bei vielen jüdischen Familien, die die Flucht planten –  den Nachzug von Frau und Sohn vorbereiten. Durch den Beginn des Krieges wenige Tage nach seiner Flucht wird dieses verhindert. Die Familie bleibt getrennt.

Im Februar 1940 wird Hildegard Wolff – ebenso wie die letzten noch in Aurich verbliebenen jüdischen Bürger – gezwungen,  mit ihrem Sohn die Stadt zu verlassen. Sie zieht nach Berlin zu ihrer Mutter Henriette Simson (Kreuzberg, Skalitzerstr. 20). Dort muss sie vermutlich wie die meisten anderen Juden Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion leisten.
Nach den Beschlüssen der Wannseekonferenz  beginnen die Judendeportationen nach Osten. Anfang 1943 werden in einer reichsweiten Aktion sämtliche noch in den Rüstungsbetrieben beschäftigte Juden von ihren bisherigen Arbeitsstätten entfernt. Sie sollen für den Arbeitseinsatz im Buna-Werk nach Auschwitz deportiert werden.
Der erste im Rahmen der sog. „Fabrikaktion“ aus Berlin abgehende Transport vom 1.März 1943 war zugleich der 31. Osttransport. Von den 1.736 Deportierten werden am nächsten Tag in  Auschwitz 677 als arbeitsfähig registriert. Die übrigen 1.059 Männer, Frauen und Kinder werden demnach sofort ermordet. Unter den Opfern ist auch Sally Ludwig Wolff (Nr. 697), der zusammen mit seiner Großmutter Henriette Simson (Nr. 696), aber getrennt von seiner Mutter, mit diesem Transport nach Auschwitz deportiert und im Alter von knapp 15 Jahren dort ermordet wird.
Zwei Wochen später wird auch seine Mutter, Hildegard Wolff, nach Auschwitz deportiert (Nr. 936).  Von den 964 deportierten Juden werden nur 218 Männer und 147 Frauen zum Arbeitseinsatz eingeteilt. Wir wissen nicht, ob auch Hildegard Wolff – damals 37 Jahre alt – noch zum Arbeitseinsatz eingeteilt wurde. Es ist davon auszugehen, dass auch sie in Auschwitz ermordet wurde.

Sallys Vater Ludwig Wolff gelingt es über viele Umwege zusammen mit seiner bei Kriegsende 16 Jahre alten Tochter Helga von England in die USA nach Kalifornien auszuwandern (Brief Minna Wolff  an Johannes Diekhoff v. 16.03.1982). Seine Schwester Minna Wolff, die sich vor der Verfolgung in die Schweiz retten konnte, zieht 1955 zu ihrem Bruder Ludwig und sorgt sich um ihn, nachdem sie schon zuvor ihren Bruder Abraham in Australien gepflegt hatte. Ludwig Wolff stirbt 1971 an seinem 72. Geburtstag in Lakewood, Kalifornien.

Sallys Schwester lebt ebenfalls in Kalifornien. Über ihr Leben dort konnten wir bisher nichts in Erfahrung bringen.

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1) In einem  Verzeichnis vom 27.06.1939 (Der Bürgermeister Aurich des bei jüdischem Hauseigentum vorhandenen Wohnraums) ist folgendes aufgelistet:)

„Lilienstraße 12, Hauseigentümer: Abraham Levy Wolff, Witwe, Beilen/Holland
Zweifamilienhaus
Zahl der Wohnräume:
Erdgeschoß 2 Küchen und 6 Zimmer
1. Stock            2 Küchen und 5 Zimmer
Hausboden 2 Zimmer und Wohnraum

Zur Zeit benutzt:
1) Karl Wolff:  1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
2) Ludwig Wolff: 1 Küche und 3 Zimmer (Erdgeschoß)
3) Libmann Knurr: 1 Küche und 4 Zimmer (1. Stock)
4) Abraham Wolff u. Hermann Alsberger: 1 Küche
5)  Nachmon und Jakob Wolff: Hausboden

Zahl der Hausangehörigen: 16
a) Erwachsene:       16
b) Kinder:     2
c) Untermieter:        —
Jude oder Nichtjude: Juden

Mietvertrag läuft auf unbestimmte Zeit.
Ist die Aufnahme weiterer Personen möglich?     Nein“

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 3.01.2018)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot36.html
http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot31.html
Literatur:  
Patenschaft: Bernd Clemenz-Weber
Verlegetermin: 23. Oktober 2017