Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Erna Wolff verh. Meyer

Veröffentlicht: 18. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Erna WOLFF verh. Meyer
geboren am 4. Mai 1908 in Aurich

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: überlebt
Todesort:  
  Für Erna Wolff verh. Meyer wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie bereits 1930 Aurich verließ und nach ihrer Hochzeit mit Moses Meyer zu ihm nach Groningen verzog. Für sechs ihrer Geschwister sind in Aurich Stolpersteine verlegt.

Erna Meyer ist das einzige Kind Hedwigs, das den Holocaust überlebte. In ihrem Brief teilt mir Lea, die Tochter von Erna mit, dass sie sich während des Krieges dreieinhalb Jahre versteckt hielten. Ihre Eltern wurden von einem Bauern versteckt, Lea von einem Pastor. Nach der Befreiung der Niederlande gingen sie zurück nach Groningen. Leas Eltern adoptierten einen 10-jährigen Jungen, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind. 1951 wanderten sie nach Israel aus. Weiter schreibt Lea, dass ihre Mutter Erna 2006 im Alter von 98 Jahre gestorben. Lea ist Ernas einzige Tochter. Sie hat fünf Kinder und acht Enkelkinder.

Erna Wolff verh. Meyer wird am 4. Mai 1908 in Aurich geboren. Sie  ist das vierte  von neun Kindern von Abraham Levy und Hedwig Wolff, geb. von/van der Walde. Abraham Levy Wolff, der Vater von Iwan, betreibt in Aurich einen Viehhandel. Ihm gehören das Haus in der Lilienstraße 12, in dem die Familie wohnt, sowie Acker- und Weideland im Hammerkeweg.

Die Lilienstrasse 12 – das Haus hat Abraham im Jahr 1907 erworben – ist Hedwigs Zuhause und bleibt es 37 Jahre lang. Das Ehepaar führt einen Rinderhof und betreibt  Viehhandel. Aus der Meldekartei der Stadt Aurich ist zu entnehmen, dass mehrere, auch nichtjüdische Mieter in ihrem Haus zur Untermiete wohnten. Im Hammerkeweg 32 hatten sie Weide- und Ackerland.

Am 23. Dezember 1923, wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag, stirbt Hedwigs Ehemann Abraham Levy Wolff an einer Lungenentzündung. Hedwig ist erst 40 Jahre alt. Im selben Jahr bringt sie ihr jüngstes Kind Ruth Senathe zur Welt, das nun ohne Vater aufwachsen muss.

Hedwig bringt neun Kinder zur Welt, vier Töchter und fünf Söhne:
Nachman geb. 6.Dezember 1903
Ludwig 14. Oktober 1905
Jakob geb. 25. Februar 1907
Erna geb. 4. Mai 1908
Herta geb. 18. Dezember 1909
Iwan geb. 15. Februar 1913
Sophie geb. 1917
Alfred geb. 25. Juni 1919 und
Senathe Ruth geb. 10. März 1923.
Tochter Sophie stirbt 1917 einen Tag nach ihrer Geburt.

1929 zieht Herta als erste Tochter aus dem Elternhaus aus und heiratet Isaak ter Berg aus Delmenhorst, der gebürtig aus Zuidbroek in Holland stammt. Sie bekommen zwei Kinder – Sigmund wird im Dezember 1930 und Hedwig im Juni 1933 geboren. Es sind Hedwigs erste Enkelkinder.
Tochter Erna heiratet 1930 Moses Meyer aus Groningen, wo sie fortan lebt. Erna bringt eine Tochter, Lea Leni, zur Welt.

Herta ter Berg flieht am 9. Mai 1936 mit ihrem Ehemann Isaak, ihren Kindern Hedwig und Siegmund aus Delmenhorst nach Holland und lebt in Hoogeveen, südlich von Beilen sind.

Hertas Bruder Ludwig Wolff lebt mit seiner Frau Johanna Wolff-Samson und den drei Kindern Albert (*1937), Simon (*1938) und Hedwig (*1941) seit ihrer Emigration am 25. März 1938 in Beilen, wo die beiden jüngsten Kinder zur Welt kommen.
Beilen liegt 7,5 Kilometer von der Ortschaft Westerbork entfernt. Zu dieser Zeit befindet sich bei Westerbork ein Flüchtlingslager. Es wurde von den Niederlanden im Jahr 1939 errichtet, um die vielen geflüchteten und verfolgten Juden, Sinti und Roma und Widerstandskämpfer aus Deutschland und Österreich aufzunehmen.

Am 10. Mai 1940 beginnt die Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen. Am 1. Juli 1942 wird aus dem Zentralen Flüchtlingslager Westerbork offiziell ein Durchgangslager unter direkter deutscher Verwaltung (KZ-Sammellager) für die Deportation der niederländischen und deutschen Juden in die Vernichtungslager.

Herta ter Berg (34 J.) wird zusammen mit ihren Kindern Siegmund (12 J.) und Hedwig ( 10 J.) am 23. Oktober 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 26.Oktober 1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann Isaak (51 J.) wird am 24. März 1945 in Auschwitz ermordet.

Alfred Wolff (24 Jahre) und seine Frau Resi Wolff-Samson  (24 Jahre) wurden am 18. Mai von Westerbork nach Sobibor deportiert und beide am 21.Mai1943 in Sobibor ermordet.

Iwan Wolff wurde (lt. Gedenkbuch Bundesarchiv) am 30. April 1943 (lt. Liste Westerbork am 16.02.1943) im Alter von 30 Jahren nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.

Ruth Senathe Wolff wurde am 9.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 12. Februar 1943 im Alter von 19 Jahren ermordet.

Ludwig Wolffs Frau Johanna (29 J.) wurde mit ihren Kindern Albert (5 J.), Simon (3 J.) und Hedwig (1 J.) am 9. November 1942 in Auschwitz ermordet. Ludwig Wolff (38 J.) wird am 31. März 1944 ermordet.

Nachman und Jakob Wolff wurden nach der Liste der aus Berlin Deportierten, beide am 26.Oktober 1942 mit dem Transport 22 von Berlin mit 796 weiteren Menschen nach Riga in Lettland deportiert. Dort wurden sie nach der Ankunft am 29.Oktober 1942 umgebracht.

In Beilen / Niederlande sind drei Stolpersteine in der Stationslaan 24 verlegt worden, für Hedwig Wolff, Iwan Wolff und Ruth Senathe Wolff.  Fünf Stolpersteine wurden im Eursingerweg 1 für die Familie Ludwig, Johanna, Albert, Simon und Hedwig Wolff verlegt.

  Recherche: Christiane Meißner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto:  
Opfergruppe: Juden
Quellen: s. Hedwig Wolff
Literatur:  
Patenschaft:  
Verlegetermin:  

 

 

 

Herta Wolff verh. ter Berg

Veröffentlicht: 18. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Herta WOLFF verh. ter Berg
geboren am 18. September 1909 in Aurich

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: 26. Oktober 1942
Todesort: Auschwitz

Izaak ter Berg

 

 

Für Herta Wolff verh. ter Berg wurde in Aurich kein  Stolperstein verlegt, da sie bereits 1929 Aurich verließ und nach Delmenhorst verzog. Dies war ihr letzter frei gewählter Wohnsitz und dort wurden auch Stolpersteine für sie und ihrem Ehemann verlegt. (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stolperstein_Delmenhorst_-_Herta_ter_Berg_(1909).JPG)

Herta Wolff verh. ter Berg wird am 18. September 1909 in Aurich geboren. Sie  ist das fünfte  von neun Kindern von Abraham Levy und Hedwig Wolff, geb. von/van der Walde. Abraham Levy Wolff, der Vater von Iwan, betreibt in Aurich einen Viehhandel. Ihm gehören das Haus in der Lilienstraße 12, in dem die Familie wohnt, sowie Acker- und Weideland im Hammerkeweg.

Die Lilienstrasse 12 – das Haus hat Abraham im Jahr 1907 erworben – ist Hedwigs Zuhause und bleibt es 37 Jahre lang. Das Ehepaar führt einen Rinderhof und betreibt  Viehhandel. Aus der Meldekartei der Stadt Aurich ist zu entnehmen, dass mehrere, auch nichtjüdische Mieter in ihrem Haus zur Untermiete wohnten. Im Hammerkeweg 32 hatten sie Weide- und Ackerland.

Am 23. Dezember 1923, wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag, stirbt Hedwigs Ehemann Abraham Levy Wolff an einer Lungenentzündung. Hedwig ist erst 40 Jahre alt. Im selben Jahr bringt sie ihr jüngstes Kind Ruth Senathe zur Welt, das nun ohne Vater aufwachsen muss.

Hedwig bringt neun Kinder zur Welt, vier Töchter und fünf Söhne:
Nachman geb. 6.Dezember 1903
Ludwig 14. Oktober 1905
Jakob geb. 25. Februar 1907
Erna geb. 4. Mai 1908
Herta geb. 18. Dezember 1909
Iwan geb. 15. Februar 1913
Sophie geb. 1917
Alfred geb. 25. Juni 1919 und
Senathe Ruth geb. 10. März 1923.
Tochter Sophie stirbt 1917 einen Tag nach ihrer Geburt.

1929 zieht Herta als erste Tochter aus dem Elternhaus aus und heiratet Isaak ter Berg aus Delmenhorst, der gebürtig aus Zuidbroek in Holland stammt. Sie bekommen zwei Kinder – Sigmund wird im Dezember 1930 und Hedwig im Juni 1933 geboren. Es sind Hedwigs erste Enkelkinder. Tochter Erna heiratet 1930 Moses Meyer aus Groningen, wo sie fortan lebt. Erna bringt eine Tochter, Lea Leni, zur Welt.

Herta ter Berg flieht am 9. Mai 1936 mit ihrem Ehemann Isaak, ihren Kindern Hedwig und Siegmund aus Delmenhorst nach Holland und lebt in Hoogeveen, südlich von Beilen sind.

Hertas Bruder Ludwig Wolff lebt mit seiner Frau Johanna Wolff-Samson und den drei Kindern Albert (*1937), Simon (*1938) und Hedwig (*1941) seit ihrer Emigration am 25. März 1938 in Beilen, wo die beiden jüngsten Kinder zur Welt kommen.

Beilen liegt 7,5 Kilometer von der Ortschaft Westerbork entfernt. Zu dieser Zeit befindet sich bei Westerbork ein Flüchtlingslager. Es wurde von den Niederlanden im Jahr 1939 errichtet, um die vielen geflüchteten und verfolgten Juden, Sinti und Roma und Widerstandskämpfer aus Deutschland und Österreich aufzunehmen.

Am 10. Mai 1940 beginnt die Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen. Am 1. Juli 1942 wird aus dem Zentralen Flüchtlingslager Westerbork offiziell ein Durchgangslager unter direkter deutscher Verwaltung (KZ-Sammellager) für die Deportation der niederländischen und deutschen Juden in die Vernichtungslager.

Herta ter Berg (34 J.) wird zusammen mit ihren Kindern Siegmund (12 J.) und Hedwig ( 10 J.) am 23. Oktober 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 26.Oktober 1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann Isaak (51 J.) wird am 24. März 1945 in Auschwitz ermordet.

Bis auf Hertas Schwester Erna werden alle ihre Geschwister Opfer des Völkermordes. Auch ihre Mutter Hedwig wird in Auschwitz ermordet.

Alfred Wolff (24 Jahre) und seine Frau Resi Wolff-Samson  (24 Jahre) wurden am 18. Mai von Westerbork nach Sobibor deportiert und beide am 21.Mai1943 in Sobibor ermordet.

Iwan Wolff wurde (lt. Gedenkbuch Bundesarchiv) am 30. April 1943 (lt. Liste Westerbork am 16.02.1943) im Alter von 30 Jahren nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.

Ruth Senathe Wolff wurde am 9.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 12. Februar 1943 im Alter von 19 Jahren ermordet.

Ludwig Wolffs Frau Johanna (29 J.) wurde mit ihren Kindern Albert (5 J.), Simon (3 J.) und Hedwig (1 J.) am 9. November 1942 in Auschwitz ermordet. Ludwig Wolff (38 J.) wird am 31. März 1944 ermordet.

Nachman und Jakob Wolff wurden nach der Liste der aus Berlin Deportierten, beide am 26.Oktober 1942 mit dem Transport 22 von Berlin mit 796 weiteren Menschen nach Riga in Lettland deportiert. Dort wurden sie nach der Ankunft am 29.Oktober 1942 umgebracht.

Erna Meyer ist das einzige Kind Hedwigs, das den Holocaust überlebte. In ihrem Brief teilt mir Lea, die Tochter von Erna mit, dass sie sich während des Krieges dreieinhalb Jahre versteckt hielten. Ihre Eltern wurden von einem Bauern versteckt, Lea von einem Pastor. Nach der Befreiung der Niederlande gingen sie zurück nach Groningen. Leas Eltern adoptierten einen 10-jährigen Jungen, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind. 1951 wanderten sie nach Israel aus. Weiter schreibt Lea, dass ihre Mutter Erna 2006 im Alter von 98 Jahre gestorben. Lea ist Ernas einzige Tochter. Sie hat fünf Kinder und acht Enkelkinder.

In Beilen / Niederlande sind drei Stolpersteine in der Stationslaan 24 verlegt worden, für Hedwig Wolff, Iwan Wolff und Ruth Senathe Wolff.  Fünf Stolpersteine wurden im Eursingerweg 1 für die Familie Ludwig, Johanna, Albert, Simon und Hedwig Wolff verlegt.

Recherche: Christiane Meißner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto:  Izaak ter Berg: https://www.joodsmonument.nl/nl/page/33583/izaak-ter-berg
Opfergruppe: Juden
Quellen: s. Hedwig Wolff
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin:

 

 

 

Irma Stern

Veröffentlicht: 18. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Irma STERN
geboren am 1. August 1908 in Bigge, Westfalen (Hochsauerland)

Straße: 15.06.1932 bis 30.04.1933 Leerer Landstr. 20
Todesdatum: 31. August 1942
Todesort: Auschwitz
Irma Stern wird als erstes von fünf Kindern ihrer Eltern Moritz Stern (*4.10.1974 Bigge) und Minna geb. Udenwald (24.05.1879 Beverungen) in Bigge geboren.
Ihr Vater arbeitet als Hausierer.
Ihre Geschwister sind Sidonie verh. Katz (*4.02.1912 Bigge), Margaretha (*5.11.1913 Bigge), Max (*21.12.1920 Bigge) und Fritz (*23.05.1922 Bigge).Irma zieht am 15.06.1932 aus Bigge nach Aurich und wohnt in der Leerer Landstraße 20 bei Familie Sternberg, vermutlich als Hausmädchen. Sie verlässt Aurich am 30.04.1933 und emigriert in die Niederlande, zunächst nach Doetinchem und am 17.11.1934 nach Amsterdam.
Ihre Schwester Margaretha folgt ihr im Februar 1934 dorthin.

Auch ihre Eltern und ihre Brüder Max und Fritz fliehen im Mai 1937 vor dem Naziterror in die Niederlande nach Amsterdam.

Die Hoffnung auf ein Leben ohne Repressionen erfüllte sich nicht. Irma Stern wird im August 1942 in Westerborg interniert und gleich anschließend am 28. August 1842 nach Auschwitz deportiert, wo sie gleich nach der Ankunft am 31. August 1942 ermordet wird.

Ihre gesamte Familie wird Opfer der Shoa. Ihr Bruder Fritz wird 1941 ab Westerbork in das KZ Mauthausen (Österreich) deportiert und dort ermordet. Ihre Schwester Sidonie und ihr Bruder Max werden am 10. August 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort nach ihrer Ankunft ermordet. Ihre Eltern Moritz und Minna Stern werden am 2. März 1943 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und nach ihrer Ankunft ermordet. Ihre Schwester Margaretha wird ab Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort am 17. September 1943 ermordet.

Für die gesamte Familie sind Stolpersteine in Bigge in der Hauptstraße 40 verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 15.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Meldekarte Aurich, NLA Aurich
Stolpersteine Bigge
Yad Vashem
Meldekarte Amsterdam
Informationen aus Westerbork von Jose Martin
Zur jüdischen Gemeinde in Bigge: https://docplayer.org/83595958-Die-juden-im-frueheren-amtsbezirk-bigge.html
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Irma Stern wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie nur wenige Monate in Aurich wohnte und bereits im April 1933 Aurich verließ.

 

 

Josef Cohen

Veröffentlicht: 17. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Josef COHEN
geboren am 25. März 1917 in Aurich

Straße: Marktstraße 16
Todesdatum: 26. Juni 1941
Todesort: Hamburg

 

 

 

 

 

 

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Josef Cohen wird  am 25.03.1917 als jüngstes Kind seiner Eltern Jakob Abraham Cohen und „Jettchen“ geb. Hess in Aurich geboren. Er hat fünf Geschwister. Sein ältester Bruder Moses stirbt bereits im Alter von 2 Jahren; seine Geschwister Moritz und Betti können 1933 bzw. 1936 zunächst nach Holland fliehen, werden aber später im Lager Westerbork interniert, nach Sobibor bzw. Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Seine Brüder Abraham und Wolff Wilhelm können nach Equador bzw. Australien auswandern und so überleben. Informationen zur Familie finden sich in der Biografie von Josefs Vater Jakob Abraham Cohen.

Josef Cohen hat keine leichte Kindheit. Seine Mutter verlässt die Familie als die Kinder noch klein sind. Der Vater berichtet später, dass er – als er 1918 aus dem Krieg zurückkommt – seinen jüngsten Sohn Josef mit Kopfaussatz in einer Bremer Hautklinik vorgefunden habe, da seine Mutter die Kinder vernachlässigt habe.
Bereits 1929 im Alter von 12 Jahren verlässt Josef Cohen Aurich, zieht nach Düsseldorf in ein jüdisches Lehrlingsheim und lernt dort das Schlosserhandwerk. Danach wechselt er häufig die Arbeitsstelle ehe er in Hamburg an der Köhlbrandwerft angestellt wird und schließlich 1938 als Heizer auf dem Schlepper „Reiher“ der Elbe-Dampfschifffahrts AG anheuert.

Josef Cohen (Mitte links) mit Kollegen der „Reiher“ und unbekannten Frauen

Josef Cohen ist ein gut aussehender junger Mann, der bei den Frauen ankommt. Er hält sich gern in Gaststätten und bei Tanzveranstaltungen auf und macht dabei diverse Frauenbekanntschaften. Eine wird ihm zum Verhängnis. Im September 1939 wird er verhaftet, weil er nach einer Tanzveranstaltung eine junge Frau vergewaltigt haben soll. Als Jude wird er der „Rassenschande“ angeklagt. In den sogenannten „Nürnberger Gesetzen“ von 1935 wurde von den Nazis der sexuelle Umgang von Juden und „Arier“ unter Strafe gestellt, wie es hieß: „zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“.

Obwohl die Umstände des Tathergangs unklar sind – z. B. ob tatsächlich Gewaltanwendung stattfand und ob der Verkehr nicht doch mit Einwilligung der Frau stattfand – wird nicht „im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden. Am 29. April 1941 wird Josef Cohen als Gewaltverbrecher wegen Notzucht vom Hamburger Sondergericht zum Tode verurteilt und am 26. Juni 1941 im Alter von 24 Jahren hingerichtet.

Sein Fall ist ein Musterbeispiel für nationalsozialistische Willkürjustiz: Widersprüchliche Aussagen über den Tathergang der Notzucht werden nicht berücksichtigt, in den Verhörprotokollen lässt sich eine Vorverurteilung des „Judenlümmels“ deutlich erkennen, Rechtsverordnungen werden rückwirkend auf seinen Fall angewendet und die sofortige Vollstreckung des Urteils trotz bestehender Zweifel im Eilverfahren durchgesetzt.

Josef Cohen bei seiner Verhaftung 1939

Das Todesurteil gegen Josef Cohen spielte Anfang der 1960er Jahre bei Ermittlungsverfahren gegen belastete Justizjuristen eine herausragende Rolle. Hier wurde wegen Rechtsbeugung und Totschlags vorgegangen. Das Verfahren beim Landgericht Hamburg wurde allerdings wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Die beteiligten NS-Richter hatten sich auf das Beratungsgeheimnis berufen.

Eine ausführliche Biografie von Josef Cohen mit einigen Fotos findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“.

Auch in Hamburg wurde ein Stolperstein für Josef Cohen verlegt. Er liegt seit Juli 2018 vor dem Haus Simon-von-Utrecht-Straße 65 in Hamburg Mitte, St. Pauli.

Hier findet sich der Link zur Hamburger Stolperstein Homepage.

https://www.stolpersteine-hamburg.de/index.php?&MAIN_ID=7&p=43&BIO_ID=5627

 

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 17.01.2018)
Foto: ·    Staatsarchiv Hamburg, Prozessakte Josef Cohen, Signatur 621-1/85 447
Opfergruppe: Juden
Quellen: ·    Staatsarchiv Hamburg, Prozessakte Josef Cohen, Signatur 621-1/85 447
Literatur: • Alexandra Przyrembel, Rassenschande, Reinheitsmythos und

Vernichtungslegitimation im Nationalsozialismus, Göttingen 2003, S. 417–421

• Hans Robinsohn, Justiz als politische Verfolgung, Die Rechtsprechung in „Rassenschandefällen“ beim Landgericht Hamburg 1936–1943, Stuttgart 1977

Patenschaft: Wilhelm Borchers
Verlegetermin: 19. September 2018

 

Iwan Abraham Wolff

Veröffentlicht: 17. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Iwan Abraham WOLFF
geboren am 15. Februar 1913 in Aurich

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 30.04.1943
Todesort: Auschwitz
Iwan Wolff wird am 15. Februar 1913 in Aurich geboren. Er ist das sechste von neun Kindern von Abraham Levy und Hedwig Wolff, geb. von/van der Walde.

Hedwig bringt neun Kinder zur Welt, vier Töchter und fünf Söhne:

Nachman geb. 6.Dezember 1903,
Ludwig 14. Oktober 1905,
Jakob geb. 25. Februar 1907,
Erna geb. 4. Mai 1908,
Herta geb. 18. Dezember 1909,
Iwan geb. 15. Februar 1913,
Sophie geb. 1917,
Alfred geb. 25. Juni 1919, und
Ruth geb. 10. März 1923.
Tochter Sophie stirbt 1917 einen Tag nach ihrer Geburt.

Abraham Levy Wolff, der Vater von Iwan, betreibt in Aurich einen Viehhandel. Ihm gehören das Haus in der Lilienstraße 12, in dem die Familie wohnt, sowie Acker- und Weideland im Hammerkeweg.

Die Lilienstrasse 12 – das Haus hat Abraham im Jahr 1907 erworben – ist Hedwigs Zuhause und bleibt es 37 Jahre lang. Das Ehepaar führt einen Rinderhof und betreibt  Viehhandel. Aus der Meldekartei der Stadt Aurich ist zu entnehmen, dass mehrere, auch nichtjüdische Mieter in ihrem Haus zur Untermiete wohnten. Im Hammerkeweg 32 hatten sie Weide- und Ackerland.

Am 23. Dezember 1923, wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag, stirbt Hedwigs Ehemann Abraham Levy Wolff an einer Lungenentzündung. Hedwig ist erst 40 Jahre alt. Im selben Jahr bringt sie ihr jüngstes Kind Ruth Senathe zur Welt, das nun ohne Vater aufwachsen muss.

Ganz auf sich gestellt, ist Hedwig nun gezwungen, allein die Arbeit im Kuhstall sowie den Viehhandel zu organisieren, teilt Lea, Hedwigs Enkeltochter in einem Brief mit. Vermutlich wird sie von ihren Söhnen bei der Arbeit unterstützt, die ebenfalls als Viehhändler tätig sind. Hedwigs Kinder sind zu dieser Zeit zwischen 19 Jahren und acht Monaten alt.  Lea teilt weiter mit, dass ihre Mutter Erna (Hedwigs Tochter)  für den Haushalt verantwortlich war. Hedwig beschäftigt eigene Hausangestellte und beherbergt weiterhin Untermieter. Das Haus wird 1926 auf Hedwigs Namen umgeschrieben. Im Verzeichnis des jüdischen Grundbesitzes in der Stadt Aurich ist sie bis 1941 als Besitzerin eingetragen.

1929 zieht als erste ihre Tochter Herta aus dem Elternhaus aus und heiratet Isaak ter Berg aus Delmenhorst, der gebürtig aus Zuidbroek in Holland stammt. Sie bekommen zwei Kinder – Sigmund wird im Dezember 1930 und Hedwig im Juni 1933 geboren. Es sind Hedwigs erste Enkelkinder. Tochter Erna heiratet 1930 Moses Meyer aus Groningen, wo sie fortan lebt. Erna bringt eine Tochter, Lea Leni, zur Welt.

Seit 1935 wird das Leben der jüdischen Bürger Aurichs durch die antisemitischen „Nürnberger Gesetze“ erheblich erschwert. Ihre Entrechtung und die wachsende Feindschaft gipfeln vorerst in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Zerstörung der Synagoge in Aurich. An diesem Tag wurden alle jüdischen  Mitbürger jeden Alters von SS und SA aus ihren Häusern geholt und in die sogenannte Bullenhalle, eine landwirtschaftliche Viehauktionshalle getrieben, begleitet von Beschimpfungen, körperlicher Gewalt und Sachbeschädigungen ihrer Wohnungen und Geschäfte. (Diekmann 1993 S. 274 f.)

Iwan Wolff muss diese Misshandlungen nicht mehr miterleben. Wie aus der Meldekartei zu entnehmen ist, war er bereits am 23. Juni 1938 nach Beilen in Holland zu seinem älteren Bruder Ludwig und dessen Familie in verzogen.

Seine Geschwister Nachman, Jakob, Ludwig, Alfred und Ruth Senathe leben zunächst noch im Haus ihrer Mutter. Nachman und Jakob bleiben als einzige Kinder unverheiratet und verlassen als letzte das Elternhaus. Sie bleiben bis zu ihrer erzwungenen Abreise im Februar 1940 und gehören zu den letzten jüdischen Bürgern Aurichs.

Ende Januar 1940 wurde die jüdische Gemeinde durch SS und Gestapo aufgefordert, alle Anstalten für einen Abzug der jüdischen Familien aus Aurich in andere Städte außerhalb des Regierungsbezirks zu treffen. Dies sollte bis zum 1. April 1940 geschehen sein.
Am 26. Februar 1939 verkaufte Nachman als Bevollmächtigter seiner Mutter das Haus. Nachman und Jakob verabschieden sich,  am 27. Februar 1940 endgültig von ihrer Heimatstadt Aurich, ihrem Elternhaus und ziehen nach Berlin um, wo sie in der Friedrichstraße 77 gemeldet sind. Nur der Untermieter Lippmann Knurr mit seiner Schwägerin Henny Knurr verharren noch zwei Tage länger in Hedwigs Haus und verlassen es als letzte am 29. Februar 1940 (Rep. 251, Nr.365). 1943 wird das Haus in der Lilienstraße 12 durch einen Bombenangriff vollständig zerstört werden.

Zu diesem Zeitpunkt (27.06.1939) lebt Hedwig Wolff nicht mehr in Aurich. Sie fasst den Entschluss, mit ihrer 17-jährigen Tochter Ruth nach Holland zu emigrieren. Hedwig verlässt ihr Haus in der Lilienstraße, ihren Viehhof und lässt zwei ihrer Söhne zurück. Die erste Station im Ausland ist Winschoten, wohin sie laut Eintragung in der Meldekartei der Stadt Aurich am 8. März 1939 zusammen mit ihrer Tochter Ruth Senathe emigriert.  Später wohnt sie mit ihrer Tochter und ihrem Sohn Iwan in der Stationslaan 24 in Beilen.

Hedwig Wolff unternimmt den Versuch, sich ein neues Leben aufzubauen, in der Nähe ihrer Kinder und nunmehr sechs Enkelkinder.

In Groningen lebt bereits seit 1930 ihre Tochter Erna mit Ehemann Moses und Tochter Lea. Auch ihre Tochter Herta ter Berg mit ihrem Ehemann Isaak, ihren Kindern Hedwig und Siegmund aus Delmenhorst sind am 9. Mai 1936 nach Holland geflohen und leben in Hoogeveen, südlich von Beilen (Gedenkbuch). Ludwig Wolff lebt mit seiner Frau Johanna Wolff-Samson und den drei Kindern Albert (*1937), Simon (*1938) und Hedwig (*1941) seit ihrer Emigration am 25. März 1938 in Beilen, wo die beiden jüngsten Kinder zur Welt kommen (Gedenkbuch). Alfred Wolff lebt mit seiner Frau Resi Wolff-Mildenberg ebenfalls in den Niederlanden.

Beilen liegt 7,5 Kilometer von der Ortschaft Westerbork entfernt. Zu dieser Zeit befindet sich bei Westerbork ein Flüchtlingslager. Es wurde von den Niederlanden im Jahr 1939 errichtet, um die vielen geflüchteten und verfolgten Juden, Sinti und Roma und Widerstandskämpfer aus Deutschland und Österreich aufzunehmen.

Am 10. Mai 1940 beginnt die Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen. Am 1. Juli 1942 wird aus dem Zentralen Flüchtlingslager Westerbork offiziell ein Durchgangslager unter direkter deutscher Verwaltung (KZ-Sammellager) für die Deportation der niederländischen und deutschen Juden in die Vernichtungslager.
Mit ihrer Internierung in Westerbork muss Hedwig nun vollständig und endgültig alles Hab und Gut verlassen und miterleben, wie alle Familienangehörigen, außer ihre Tochter Erna mit ihrem Ehemann Moses Meyer und ihrer Tochter Lea, zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Lager Westerbork interniert werden. Von dort werden sie in die Vernichtungslager im Osten deportiert werden.
Am 9. November 1942 wurde Hedwig Wolff im Alter von 59 Jahren in Ausschwitz ermordet.

Iwan Wolff wurde zusammen mit seiner Mutter Hedwig, Schwester Senathe Ruth und seiner Schwester Herta und ihrer Familie am 3.10.1942 in Westerbork interniert.  Am 12.11.1942 wird auch sein Bruder Alfred dort interniert.

Iwan Wolff wurde (lt. Gedenkbuch Bundesarchiv) am 30. April 1943 (lt. Liste Westerbork am 16.02.1943) im Alter von 30 Jahren nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.
Ruth Senathe Wolff wurde am 9.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 12. Februar 1943 im Alter von 19 Jahren ermordet.

Herta ter Berg (34 J.) wurde zusammen mit ihren Kindern Siegmund (12 J.) und Hedwig ( 10 J.) am 23. Oktober 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 26.Oktober 1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann Isaak (51 J.) wurde am 24. März 1945 in Auschwitz ermordet.

Alfred Wolff (24 Jahre) und seine Frau Resi Wolff-Samson  (24 Jahre) wurden am 18. Mai von Westerbork nach Sobibor deportiert und beide am 21.Mai1943 in Sobibor ermordet.

Ludwig Wolffs Frau Johanna (29 J.) wurde mit ihren Kindern Albert (5 J.), Simon (3 J.) und Hedwig (1 J.) am 9. November 1942 in Auschwitz ermordet. Ludwig Wolff (38 J.) wird am 31. März 1944 ermordet.

Nachman und Jakob Wolff wurden nach der Liste der aus Berlin Deportierten, beide am 26.Oktober 1942 mit dem Transport 22 von Berlin mit 796 weiteren Menschen nach Riga in Lettland deportiert. Dort wurden sie nach der Ankunft am 29.Oktober 1942 umgebracht. (Gedenkbuch Bundesarchiv)

Erna Meyer ist das einzige Kind Hedwigs, das den Holocaust überlebte. In ihrem Brief teilt mir Lea, die Tochter von Erna mit, dass sie sich während des Krieges dreieinhalb Jahre versteckt hielten. Ihre Eltern wurden von einem Bauern versteckt, Lea von einem Pastor. Nach der Befreiung der Niederlande gingen sie zurück nach Groningen. Leas Eltern adoptierten einen 10-jährigen Jungen, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind. 1951 wanderten sie nach Israel aus. Weiter schreibt Lea, dass ihre Mutter Erna 2006 im Alter von 98 Jahre gestorben. Lea ist Ernas einzige Tochter. Sie hat fünf Kinder und acht Enkelkinder.

In Beilen / Niederlande sind drei Stolpersteine in der Stationslaan 24 verlegt worden, für Hedwig Wolff, Iwan Wolff und Ruth Senathe Wolff.  Fünf Stolpersteine wurden im Eursingerweg 1 für die Familie Ludwig, Johanna, Albert, Simon und Hedwig Wolff verlegt. (www.google/maps)

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

 

 

 

Recherche: Christine Meissner und Maria Deters (Stand 1.01.2013)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Meldekartei der Stadt Aurich 1900 bis 1940
– Staatsarchiv Aurich: Heiratsregister, Geburtsregister, Sterberegister der Stadt Aurich- Stadtarchiv Emden, Dr.Rolf Uphoff
– Rep. 251, Nr.365, Entschädigungsakte;
– Lea, Enkelin von Hedwig Wolff, Ihr Brief vom 13.10.2012
Literatur: – db.yadvashem.org, letzter Zugriff 01.11.2012

– Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in deutschland von 1933 bis 1945“ Website, letzter Zugriff 01.1.201

– Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde von 1930-1945, in: Herbert Reyer (Hg.): Aurich im Nationalsozialismus 1993, S. 271f.

http://www.allemannia-judaica.de/aurich_synagoge.htm , letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.geni.com, letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.ancestry.de, letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.joodsmonument.nl, letzter Zugriff 01.11.2012

– Grabinschrift aus:
www.allemannia-judaica.de/aurich_synagoge.htm

Toekomstige locatie Stolpersteine Beilen – Google Maps

– Thorsten Harms: Die Familien der jüdischen Gemeinden in Ostfriesland, Buch in Vorbereitung

http://www.leer.de/lebens_und_leidenswege_archivpädagogische_ anlaufstelle

Patenschaft: FW Wiegboldsbur, Stefan Regolin
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

Senathe Ruth Wolff

Veröffentlicht: 17. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Senathe Ruth WOLFF
geboren am 10. März 1923 in Aurich

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: Deportation nach Auschwitz am 9.02.1943, ermordet am 12.02.1943
Todesort: Auschwitz
Senathe Ruth Wolff wird am 10. März 1923 in Aurich geboren. Sie ist das jüngste von neun Kindern von Abraham Levy und Hedwig Wolff, geb. von/van der Walde.

Hedwig bringt neun Kinder zur Welt, vier Töchter und fünf Söhne: Nachman geb. 6.Dezember 1903
Ludwig 14. Oktober 1905
Jakob geb. 25. Februar 1907
Erna geb. 4. Mai 1908
Herta geb. 18. Dezember 1909
Iwan geb. 15. Februar 1913
Sophie geb. 21.10.1917
Alfred geb. 25. Juni 1919 und
Ruth geb. 10. März 1923.
Tochter Sophie stirbt 1917 einen Tag nach ihrer Geburt.

Abraham Levy Wolff, der Vater von Iwan, betreibt in Aurich einen Viehhandel. Ihm gehören das Haus in der Lilienstraße 12, in dem die Familie wohnt, sowie Acker- und Weideland im Hammerkeweg.

Die Lilienstrasse 12 – das Haus hat Abraham im Jahr 1907 erworben – ist Hedwigs Zuhause und bleibt es 37 Jahre lang. Das Ehepaar führt einen Rinderhof und betreibt  Viehhandel. Aus der Meldekartei der Stadt Aurich ist zu entnehmen, dass mehrere, auch nichtjüdische Mieter in ihrem Haus zur Untermiete wohnten. Im Hammerkeweg 32 hatten sie Weide- und Ackerland.

Am 23. Dezember 1923, wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag, stirbt Hedwigs Ehemann Abraham Levy Wolff an einer Lungenentzündung. Hedwig ist erst 40 Jahre alt. Im selben Jahr bringt sie ihr jüngstes Kind Ruth Senathe zur Welt, das nun ohne Vater aufwachsen muss.

Ganz auf sich gestellt, ist Hedwig nun gezwungen, allein die Arbeit im Kuhstall sowie den Viehhandel zu organisieren, teilt Lea, Hedwigs Enkeltochter in einem Brief mit. Vermutlich wird sie von ihren Söhnen bei der Arbeit unterstützt, die ebenfalls als Viehhändler tätig sind. Hedwigs Kinder sind zu dieser Zeit zwischen 19 Jahren und acht Monaten alt.  Lea teilt weiter mit, dass ihre Mutter Erna (Hedwigs Tochter)  für den Haushalt verantwortlich war. Hedwig beschäftigt eigene Hausangestellte und beherbergt weiterhin Untermieter. Das Haus wird 1926 auf Hedwigs Namen umgeschrieben. Im Verzeichnis des jüdischen Grundbesitzes in der Stadt Aurich ist sie bis 1941 als Besitzerin eingetragen.

1929 zieht als erste ihre Tochter Herta aus dem Elternhaus aus und heiratet Isaak ter Berg aus Delmenhorst, der gebürtig aus Zuidbroek in Holland stammt. Sie bekommen zwei Kinder – Sigmund wird im Dezember 1930 und Hedwig im Juni 1933 geboren. Es sind Hedwigs erste Enkelkinder. Tochter Erna heiratet 1930 Moses Meyer aus Groningen, wo sie fortan lebt. Erna bringt eine Tochter, Lea Leni, zur Welt.

Seit 1935 wird das Leben der jüdischen Bürger Aurichs durch die antisemitischen „Nürnberger Gesetze“ erheblich erschwert. Ihre Entrechtung und die wachsende Feindschaft gipfeln vorerst in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Zerstörung der Synagoge in Aurich. An diesem Tag wurden alle jüdischen  Mitbürger jeden Alters von SS und SA aus ihren Häusern geholt und in die sogenannte Bullenhalle, eine landwirtschaftliche Viehauktionshalle getrieben, begleitet von Beschimpfungen, körperlicher Gewalt und Sachbeschädigungen ihrer Wohnungen und Geschäfte (Diekmann 1993 S. 274 f.).

Iwan Wolff muss diese Misshandlungen nicht mehr miterleben. Wie aus der Meldekartei zu entnehmen ist, war er bereits am 23. Juni 1938 nach Beilen in Holland zu seinem älteren Bruder Ludwig und dessen Familie in verzogen.

Senathe Ruth lebt zunächst noch mit ihren Geschwistern Nachman, Jakob, Ludwig und im Haus ihrer Mutter. Nachman und Jakob bleiben als einzige Kinder unverheiratet und verlassen als letzte das Elternhaus. Sie bleiben bis zu ihrer erzwungenen Abreise im Februar 1940 und gehören zu den letzten jüdischen Bürgern Aurichs.

Ende Januar 1940 wurde die jüdische Gemeinde durch SS und Gestapo aufgefordert, alle Anstalten für einen Abzug der jüdischen Familien aus Aurich in andere Städte außerhalb des Regierungsbezirks zu treffen. Dies sollte bis zum 1. April 1940 geschehen sein.

Am 26. Februar 1939 verkauft Nachman als Bevollmächtigter seiner Mutter das Haus. Nachman und Jakob verabschieden sich,  am 27. Februar 1940 endgültig von ihrer Heimatstadt Aurich, ihrem Elternhaus und ziehen nach Berlin um, wo sie in der Friedrichstraße 77 gemeldet sind. Nur der Untermieter Lippmann Knurr mit seiner Schwägerin Henny Knurr verharren noch zwei Tage länger in Hedwigs Haus und verlassen es als letzte am 29. Februar 1940 (Rep. 251, Nr.365). 1943 wird das Haus in der Lilienstraße 12 durch einen Bombenangriff vollständig zerstört werden.

Zu diesem Zeitpunkt (27.06.1939) lebt Hedwig Wolff nicht mehr in Aurich. Sie fasst den Entschluss, mit ihrer 17-jährigen Tochter Ruth nach Holland zu emigrieren. Hedwig verlässt ihr Haus in der Lilienstraße, ihren Viehhof und lässt zwei ihrer Söhne zurück. Die erste Station im Ausland ist Winschoten, wohin sie laut Eintragung in der Meldekartei der Stadt Aurich am 8. März 1939 zusammen mit ihrer Tochter Ruth Senathe emigriert.  Später wohnt sie mit ihrer Tochter und ihrem Sohn Iwan in der Stationslaan 24 in Beilen.

Hedwig Wolff unternimmt den Versuch, sich ein neues Leben aufzubauen, in der Nähe ihrer Kinder und nunmehr sechs Enkelkinder.

In Groningen lebt bereits seit 1930 ihre Tochter Erna mit Ehemann Moses und Tochter Lea. Auch ihre Tochter Herta ter Berg mit ihrem Ehemann Isaak, ihren Kindern Hedwig und Siegmund aus Delmenhorst sind am 9. Mai 1936 nach Holland geflohen und leben in Hoogeveen, südlich von Beilen (Gedenkbuch). Ludwig Wolff lebt mit seiner Frau Johanna Wolff-Samson und den drei Kindern Albert (*1937), Simon (*1938) und Hedwig (*1941) seit ihrer Emigration am 25. März 1938 in Beilen, wo die beiden jüngsten Kinder zur Welt kommen (Gedenkbuch). Alfred Wolff lebt mit seiner Frau Resi Wolff-Mildenberg ebenfalls in den Niederlanden.

Im September 1941 wurde Senathe Ruth Wolff in die 1. Klasse des Lyceums in Den Haag aufgenommen. Im Oktober 1941 musste Senat Ruth Wolff in die Klasse 2a des Joods-Lyzeums wechseln.

Daten über jüdische Schüler an Schulen in Den Haag. Die Aufzeichnungen des Joods Lyceums in Den Haag enthalten Listen von Schülern an Schulen in Den Haag, einschließlich einer Liste von Schülern am Joods Lyceum. Diese Aufzeichnungen werden im Stadtarchiv in Den Haag aufbewahrt.

Beilen liegt 7,5 Kilometer von der Ortschaft Westerbork entfernt. Zu dieser Zeit befindet sich bei Westerbork ein Flüchtlingslager. Es wurde von den Niederlanden im Jahr 1939 errichtet, um die vielen geflüchteten und verfolgten Juden, Sinti und Roma und Widerstandskämpfer aus Deutschland und Österreich aufzunehmen.

Am 10. Mai 1940 beginnt die Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen. Am 1. Juli 1942 wird aus dem Zentralen Flüchtlingslager Westerbork offiziell ein Durchgangslager unter direkter deutscher Verwaltung (KZ-Sammellager) für die Deportation der niederländischen und deutschen Juden in die Vernichtungslager.
Mit ihrer Internierung in Westerbork muss Hedwig nun vollständig und endgültig alles Hab und Gut verlassen und miterleben, wie alle Familienangehörigen, außer ihre Tochter Erna mit ihrem Ehemann Moses Meyer und ihrer Tochter Lea, zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Lager Westerbork interniert werden. Von dort werden sie in die Vernichtungslager im Osten deportiert werden.
Am 9. November 1942 wurde Hedwig Wolff im Alter von 59 Jahren in Ausschwitz ermordet.

Ruth Senathe Wolff wurde am 9.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 12. Februar 1943 im Alter von 19 Jahren ermordet.

Iwan Wolff wurde zusammen mit seiner Mutter Hedwig, Schwester Senathe Ruth und seiner Schwester Herta und ihrer Familie am 3.10.1942 in Westerbork interniert.  Am 12.11.1942 wird auch sein Bruder Alfred dort interniert.

Iwan Wolff wurde (lt. Gedenkbuch Bundesarchiv) am 30. April 1943 (lt. Liste Westerbork am 16.02.1943) im Alter von 30 Jahren nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.

Herta ter Berg (34 J.) wurde zusammen mit ihren Kindern Siegmund (12 J.) und Hedwig ( 10 J.) am 23. Oktober 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 26.Oktober 1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann Isaak (51 J.) wurde am 24. März 1945 in Auschwitz ermordet.

Alfred Wolff (24 Jahre) und seine Frau Resi Wolff-Samson  (24 Jahre) wurden am 18. Mai von Westerbork nach Sobibor deportiert und beide am 21.Mai1943 in Sobibor ermordet.

Ludwig Wolffs Frau Johanna (29 J.) wurde mit ihren Kindern Albert (5 J.), Simon (3 J.) und Hedwig (1 J.) am 9. November 1942 in Auschwitz ermordet. Ludwig Wolff (38 J.) wird am 31. März 1944 ermordet.

Nachman und Jakob Wolff wurden nach der Liste der aus Berlin Deportierten, beide am 26.Oktober 1942 mit dem Transport 22 von Berlin mit 796 weiteren Menschen nach Riga in Lettland deportiert. Dort wurden sie nach der Ankunft am 29.Oktober 1942 umgebracht. (Gedenkbuch Bundesarchiv)

Erna Meyer ist das einzige Kind Hedwigs, das den Holocaust überlebte. In ihrem Brief teilt mir Lea, die Tochter von Erna mit, dass sie sich während des Krieges dreieinhalb Jahre versteckt hielten. Ihre Eltern wurden von einem Bauern versteckt, Lea von einem Pastor. Nach der Befreiung der Niederlande gingen sie zurück nach Groningen. Leas Eltern adoptierten einen 10-jährigen Jungen, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind. 1951 wanderten sie nach Israel aus. Weiter schreibt Lea, dass ihre Mutter Erna 2006 im Alter von 98 Jahre gestorben. Lea ist Ernas einzige Tochter. Sie hat fünf Kinder und acht Enkelkinder.

In Beilen / Niederlande sind drei Stolpersteine in der Stationslaan 24 verlegt worden, für Hedwig Wolff, Iwan Wolff und Ruth Senathe Wolff.  Fünf Stolpersteine wurden im Eursingerweg 1 für die Familie Ludwig, Johanna, Albert, Simon und Hedwig Wolff verlegt. (www.google/maps)

Für Alfred und seine Frau Resi wurden am 8. Dezember 2016 zwei Stolpersteine in Groningen vor dem Haus Wassenberghstraat 23 verlegt.

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

Recherche: Christine Meissner und Maria Deters (Stand 1.01.2013)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Meldekartei der Stadt Aurich 1900 bis 1940
– Staatsarchiv Aurich: Heiratsregister, Geburtsregister,
Sterberegister der Stadt Aurich- Stadtarchiv Emden, Dr.Rolf Uphoff;
– Rep. 251, Nr.365, Entschädigungsakte;
– Lea, Enkelin von Hedwig Wolff, Ihr Brief vom 13.10.2012

https://map.stolpersteine.app/nl/groningen/locaties/wassenberghstraat-23

Literatur: – db.yadvashem.org, letzter Zugriff 01.11.2012

– Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in deutschland von 1933 bis 1945“ Website, letzter Zugriff 01.1.201

– Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde von 1930-1945, in: Herbert Reyer (Hg.): Aurich im Nationalsozialismus 1993, S. 271f.

http://www.allemannia-judaica.de/aurich_synagoge.htm , letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.geni.com, letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.ancestry.de, letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.joodsmonument.nl, letzter Zugriff 01.11.2012

– Grabinschrift aus:
www.allemannia-judaica.de/aurich_synagoge.htm

Toekomstige locatie Stolpersteine Beilen – Google Maps

– Thorsten Harms: Die Familien der jüdischen Gemeinden in Ostfriesland, Buch in Vorbereitung

http://www.leer.de/lebens_und_leidenswege_archivpädagogische_ anlaufstelle

Patenschaft: IGS Aurich-West
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

Alfred Abraham Wolff

Veröffentlicht: 17. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Alfred Abraham WOLFF
geboren am 25. Juni 1919 in Aurich

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: 21.05.1943
Todesort: Sobibor
Alfred Wolff wird am 25. Juni 1919 in Aurich geboren. Er ist das achte von neun Kindern von Abraham Levy und Hedwig Wolff, geb. von/van der Walde.

Hedwig bringt neun Kinder zur Welt, vier Töchter und fünf Söhne: Nachman geb. 6.Dezember 1903,
Ludwig 14. Oktober 1905,
Jakob geb. 25. Februar 1907,
Erna geb. 4. Mai 1908,
Herta geb. 18. Dezember 1909,
Iwan geb. 15. Februar 1913,
Sophie geb. 1917,
Alfred geb. 25. Juni 1919, und
Ruth geb. 10. März 1923.
Tochter Sophie stirbt 1917 einen Tag nach ihrer Geburt.

Abraham Levy Wolff, der Vater von Iwan, betreibt in Aurich einen Viehhandel. Ihm gehören das Haus in der Lilienstraße 12, in dem die Familie wohnt, sowie Acker- und Weideland im Hammerkeweg.

Die Lilienstrasse 12 – das Haus hat Abraham im Jahr 1907 erworben – ist Hedwigs Zuhause und bleibt es 37 Jahre lang. Das Ehepaar führt einen Rinderhof und betreibt  Viehhandel. Aus der Meldekartei der Stadt Aurich ist zu entnehmen, dass mehrere, auch nichtjüdische Mieter in ihrem Haus zur Untermiete wohnten. Im Hammerkeweg 32 hatten sie Weide- und Ackerland.

Am 23. Dezember 1923, wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag, stirbt Hedwigs Ehemann Abraham Levy Wolff an einer Lungenentzündung. Hedwig ist erst 40 Jahre alt. Im selben Jahr bringt sie ihr jüngstes Kind Ruth Senathe zur Welt, das nun ohne Vater aufwachsen muss.

Ganz auf sich gestellt, ist Hedwig nun gezwungen, allein die Arbeit im Kuhstall sowie den Viehhandel zu organisieren, teilt Lea, Hedwigs Enkeltochter in einem Brief mit. Vermutlich wird sie von ihren Söhnen bei der Arbeit unterstützt, die ebenfalls als Viehhändler tätig sind. Hedwigs Kinder sind zu dieser Zeit zwischen 19 Jahren und acht Monaten alt.  Lea teilt weiter mit, dass ihre Mutter Erna (Hedwigs Tochter)  für den Haushalt verantwortlich war. Hedwig beschäftigt eigene Hausangestellte und beherbergt weiterhin Untermieter. Das Haus wird 1926 auf Hedwigs Namen umgeschrieben. Im Verzeichnis des jüdischen Grundbesitzes in der Stadt Aurich ist sie bis 1941 als Besitzerin eingetragen.
1929 zieht als erste ihre Tochter Herta aus dem Elternhaus aus und heiratet Isaak ter Berg aus Delmenhorst, der gebürtig aus Zuidbroek in Holland stammt. Sie bekommen zwei Kinder – Sigmund wird im Dezember 1930 und Hedwig im Juni 1933 geboren. Es sind Hedwigs erste Enkelkinder. Tochter Erna heiratet 1930 Moses Meyer aus Groningen, wo sie fortan lebt. Erna bringt eine Tochter, Lea Leni, zur Welt

Seit 1935 wird das Leben der jüdischen Bürger Aurichs durch die antisemitischen „Nürnberger Gesetze“ erheblich erschwert. Ihre Entrechtung und die wachsende Feindschaft gipfeln vorerst in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Zerstörung der Synagoge in Aurich. An diesem Tag wurden alle jüdischen  Mitbürger jeden Alters von SS und SA aus ihren Häusern geholt und in die sogenannte Bullenhalle, eine landwirtschaftliche Viehauktionshalle getrieben, begleitet von Beschimpfungen, körperlicher Gewalt und Sachbeschädigungen ihrer Wohnungen und Geschäfte. (Diekmann 1993 S. 274 f.)

Alfred Wolff muss diese Misshandlungen nicht mehr miterleben. Er war bereits am 20. April 1938 nach Groningen in Holland zu seinen Schwestern Erna und Herta und deren Familien verzogen. Zwei Monate später flieht auch sein Bruder Iwan nach Holland zu seinem älteren Bruder Ludwig und dessen Familie in Beilen.
Alfred Wolff wohnte seit 1942 bei Familie Kan in der Wassenberghstraat. Er ist Hausdiener.

Am 10.08.1942 heiratet Alfred in Groningen Resi Mildenberg (*1.09.1919 in Lengerich). Sie war 1939 aus Essen nach Groningen  geflohen.

Resi ist die Tochter von Julius Mildenberg und Rosa Weinberg. Sie ist die älteste von 3 Mädchen, von denen eine, Ingeborg, am Beginn des Krieges in die USA immigriert und den Krieg überlebt. Ingeborg verstirbt im Jahre 1993.Seit 1938 wird Resi gezwungen, ihrem Vornamen Sara hinzuzufügen. Dies ist eine Folge der Nazi-Gesetzgebung. Wer nicht schon durch den Vornamen als Jude erkennbar ist, erhält als Frau den Extra-Vornamen Sara und als Mann den Extra-Vornamen Israel. Dieser sogenannte Zwangsname musste in den Geburts- und Heiratsbüchern bei den Standesämtern eingetragen werden. Erst im Jahre 1952 wurde der Zwangsname posthum wieder aus den Büchern gestrichen.

Resi zieht aus Mülheim an der Ruhr in Deutschland am 15. Juli 1939 in das Haus Agnesstraat 1 a in Den Haag. Wie und warum sie in Den Haag landet, ist nicht deutlich geworden.

Am 18. Oktober 1940 verzieht Resi nach Beilen, da es nicht arischen Ausländern nicht länger erlaubt ist, im Küstenbereich zu wohnen. Sie wohnt unter der Adresse Paltz 1.

Resi wird am 4. Juni 1942 in das Einwohnerregister von Groningen eingetragen unter der Anschrift Jan Lutmanstraat 2. Sie heiratet am 10. August 1942 Alfred Wolff. Gemeinsam ziehen sie bei Familie Kan-Elias ein, wo Alfred bereits seit dem 7. April wohnt. Sie ist – in jedem Fall für eine bestimmte Zeit ihres Lebens – zunächst Dienstbote und anschließend Näherin von Beruf. Eine Nichte (die Tochter der einzigen Schwester von Alfred, die den Krieg überlebte) hat an die Nähmaschine von “Tante Resi” noch sehr deutliche Erinnerungen.

Alfreds Geschwister Nachman, Jakob, Ludwig und Ruth Senathe leben zunächst noch im Haus ihrer Mutter. Nachman und Jakob bleiben als einzige Kinder unverheiratet und verlassen als letzte das Elternhaus. Sie bleiben bis zu ihrer erzwungenen Abreise im Februar 1940 und gehören zu den letzten jüdischen Bürgern Aurichs.

Ende Januar 1940 wurde die jüdische Gemeinde durch SS und Gestapo aufgefordert, alle Anstalten für einen Abzug der jüdischen Familien aus Aurich in andere Städte außerhalb des Regierungsbezirks zu treffen. Dies sollte bis zum 1. April 1940 geschehen sein.

Am 26. Februar 1939 verkaufte Nachman als Bevollmächtigter seiner Mutter das Haus. Nachman und Jakob verabschieden sich,  am 27. Februar 1940 endgültig von ihrer Heimatstadt Aurich, ihrem Elternhaus und ziehen nach Berlin um, wo sie in der Friedrichstraße 77 gemeldet sind. Nur der Untermieter Lippmann Knurr mit seiner Schwägerin Henny Knurr verharren noch zwei Tage länger in Hedwigs Haus und verlassen es als letzte am 29. Februar 1940 (Rep. 251, Nr.365). 1943 wird das Haus in der Lilienstraße 12 durch einen Bombenangriff vollständig zerstört werden.

Zu diesem Zeitpunkt (27.06.1939) lebt Hedwig Wolff nicht mehr in Aurich. Sie fasst den Entschluss, mit ihrer 17-jährigen Tochter Ruth nach Holland zu emigrieren. Hedwig verlässt ihr Haus in der Lilienstraße, ihren Viehhof und lässt zwei ihrer Söhne zurück. Die erste Station im Ausland ist Winschoten, wohin sie laut Eintragung in der Meldekartei der Stadt Aurich am 8. März 1939 zusammen mit ihrer Tochter Ruth Senathe emigriert.  Später wohnt sie mit ihrer Tochter und ihrem Sohn Iwan in der Stationslaan 24 in Beilen.

Hedwig Wolff unternimmt den Versuch, sich ein neues Leben aufzubauen, in der Nähe ihrer Kinder und nunmehr sechs Enkelkinder.

In Groningen lebt bereits seit 1930 ihre Tochter Erna mit Ehemann Moses und Tochter Lea. Auch ihre Tochter Herta ter Berg mit ihrem Ehemann Isaak, ihren Kindern Hedwig und Siegmund aus Delmenhorst sind am 9. Mai 1936 nach Holland geflohen und leben in Hoogeveen, südlich von Beilen (Gedenkbuch). Ludwig Wolff lebt mit seiner Frau Johanna Wolff-Samson und den drei Kindern Albert (*1937), Simon (*1938) und Hedwig (*1941) seit ihrer Emigration am 25. März 1938 in Beilen, wo die beiden jüngsten Kinder zur Welt kommen (Gedenkbuch). Alfred Wolff lebt mit seiner Frau Resi Wolff-Mildenberg ebenfalls Groningen.

Beilen liegt 7,5 Kilometer von der Ortschaft Westerbork entfernt. Zu dieser Zeit befindet sich bei Westerbork ein Flüchtlingslager. Es wurde von den Niederlanden im Jahr 1939 errichtet, um die vielen geflüchteten und verfolgten Juden, Sinti und Roma und Widerstandskämpfer aus Deutschland und Österreich aufzunehmen.

Am 10. Mai 1940 beginnt die Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen. Am 1. Juli 1942 wird aus dem Zentralen Flüchtlingslager Westerbork offiziell ein Durchgangslager unter direkter deutscher Verwaltung (KZ-Sammellager) für die Deportation der niederländischen und deutschen Juden in die Vernichtungslager.
Mit ihrer Internierung in Westerbork muss Hedwig nun vollständig und endgültig alles Hab und Gut verlassen und miterleben, wie alle Familienangehörigen, außer ihre Tochter Erna mit ihrem Ehemann Moses Meyer und ihrer Tochter Lea, zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Lager Westerbork interniert werden. Von dort werden sie in die Vernichtungslager im Osten deportiert werden. Am 9. November 1942 wurde Hedwig Wolff im Alter von 59 Jahren in Ausschwitz ermordet.

Alfred Wolff wird zusammen mit seiner Frau Resi am 12.11.1942 in Westerbork interniert. Dort wurden bereits seine Mutter Hedwig zusammen mit seinem Bruder Iwan, seiner Schwester Senathe Ruth und seiner Schwester Herta und ihrer Familie am 3.10.1942 interniert.

Alfred Wolff (24 Jahre) und seine Frau Resi Wolff-Samson  (24 Jahre) wurden am 18. Mai von Westerbork nach Sobibor deportiert und beide am 21.Mai

1943 in Sobibor ermordet.
Iwan Wolff wurde (lt. Gedenkbuch Bundesarchiv) am 30. April 1943 (lt. Liste Westerbork am 16.02.1943) im Alter von 30 Jahren nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.
Ruth Senathe Wolff wurde am 9.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 12. Februar 1943 im Alter von 19 Jahren ermordet.

Herta ter Berg (34 J.) wurde zusammen mit ihren Kindern Siegmund (12 J.) und Hedwig ( 10 J.) am 23. Oktober 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 26.Oktober 1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann Isaak (51 J.) wurde am 24. März 1945 in Auschwitz ermordet.

Ludwig Wolffs Frau Johanna (29 J.) wurde mit ihren Kindern Albert (5 J.), Simon (3 J.) und Hedwig (1 J.) am 9. November 1942 in Auschwitz ermordet. Ludwig Wolff (38 J.) wird am 31. März 1944 ermordet.

Nachman und Jakob Wolff wurden nach der Liste der aus Berlin Deportierten, beide am 26.Oktober 1942 mit dem Transport 22 von Berlin mit 796 weiteren Menschen nach Riga in Lettland deportiert. Dort wurden sie nach der Ankunft am 29.Oktober 1942 umgebracht. (Gedenkbuch Bundesarchiv)

Erna Meyer ist das einzige Kind Hedwigs, das den Holocaust überlebte. In ihrem Brief teilt mir Lea, die Tochter von Erna mit, dass sie sich während des Krieges dreieinhalb Jahre versteckt hielten. Ihre Eltern wurden von einem Bauern versteckt, Lea von einem Pastor. Nach der Befreiung der Niederlande gingen sie zurück nach Groningen. Leas Eltern adoptierten einen 10-jährigen Jungen, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind. 1951 wanderten sie nach Israel aus. Weiter schreibt Lea, dass ihre Mutter Erna 2006 im Alter von 98 Jahre gestorben. Lea ist Ernas einzige Tochter. Sie hat fünf Kinder und acht Enkelkinder.

In Beilen / Niederlande sind drei Stolpersteine in der Stationslaan 24 verlegt worden, für Hedwig Wolff, Iwan Wolff und Ruth Senathe Wolff.  Fünf Stolpersteine wurden im Eursingerweg 1 für die Familie Ludwig, Johanna, Albert, Simon und Hedwig Wolff verlegt. (www.google/maps).

Für Alfred und seine Frau Resi wurden am 8. Dezember 2016 zwei Stolpersteine in Groningen vor dem Haus Wassenberghstraat 23 verlegt.

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

Recherche: Christine Meissner und Maria Deters (Stand 1.01.2013)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: – Meldekartei der Stadt Aurich 1900 bis 1940
– Staatsarchiv Aurich: Heiratsregister, Geburtsregister,
Sterberegister der Stadt Aurich- Stadtarchiv Emden, Dr.Rolf Uphoff- Rep. 251, Nr.365, Entschädigungsakte;
– Lea, Enkelin von Hedwig Wolff, Ihr Brief vom 13.10.2012

https://map.stolpersteine.app/nl/groningen/locaties/wassenberghstraat-23

Literatur: – db.yadvashem.org, letzter Zugriff 01.11.2012

– Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in deutschland von 1933 bis 1945“ Website, letzter Zugriff 01.11.2012

– Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde von 1930-1945, in: Herbert Reyer (Hg.): Aurich im Nationalsozialismus 1993, S. 271f.

http://www.allemannia-judaica.de/aurich_synagoge.htm , letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.geni.com, letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.ancestry.de, letzter Zugriff 01.11.2012

http://www.joodsmonument.nl, letzter Zugriff 01.11.2012

– Grabinschrift aus: www.allemannia-judaica.de/aurich_synagoge.htm

Toekomstige locatie Stolpersteine Beilen – Google Maps

– Thorsten Harms: Die Familien der jüdischen Gemeinden in Ostfriesland, Buch in Vorbereitung

http://www.leer.de/lebens_und_leidenswege_archivpädagogische_ anlaufstelle

Patenschaft: Kirchenamt Aurich
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

Ludwig „Louis“ Schwab

Veröffentlicht: 16. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Ludwig „Louis“ SCHWAB
geboren am 22. Dezember 1909 in Schlitz (Lauterbach, Hessen)

Straße: Wilhelmstr. 21 (4.09.1933 – 1.03.1934)
Todesdatum: 26. März 1945
Todesort: KZ Mauthausen

Ludwig „Louis“ Schwab, Anfang der 1940er Jahre in der Uniform der Fremdenlegion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ludwig Schwab wird am 2.Dezember 1909 in Schlitz geboren. Seine Eltern sind Abraham Schwab (+2.04.1918) und Franziska Schwab geb. Strauss (*28.02.1869 Grebnau +7.11.1950 Frankfurt). Ludwig hat zwei ältere Schwestern: Elsa (*1.11.1896) und Selma (*15.09.1901).

Ludwig Schwab ist Geschäftsmann in Miltenberg am Main. Vom 4. 09.1933 bis zum 1.03.1934 wohnt er in Aurich in der Wilhelmstraße 21 (heute: Burgstraße) bei Familie van Dyk.
Von Aurich aus zieht er nach Rotenburg/Wümme.

Noch in den 30ger Kahren emigriert er nach Frankreich und meldet sich zur Fremdenlegion. An seinem letzten Standort in Lyon ist er im Rang eines Sergeanten.

Ludwig Schwab wird am 7.12.1942 inhaftiert und am 11.02.1943 von Drancy im Transport Nr. 47 nach Auschwitz deportiert. Am 25.01.1945, zwei Tage vor der Befreiung des Lagers, erfolgt seine Überstellung in das KZ Mauthausen in Ebensee, Österreich.
Seine Gefangenennummer in Mauthausen lautet 120 361.
Am 26. März 1945 verstirbt Ludwig Schwab.

Seine Schwester Elsa heiratet am 9.02.1920 Siegmund Rosenblatt (*15.11.1889 Zimmerode). Elsa und Siegmund leben in Kassel. Sie haben drei Kinder: Ruth, Arno und Margo. Die Familie kann 1937 oder 1938 nach Buenos Aires, Argentinien auswandern.

Seine Schwester Selma heiratet Felix Neuhaus (*30.11.1889 Baumbach). Sie haben eine Tochter Brunhilde (*20.01.1924 in Baumbach). Am 1.06.1942 wird die Familie von Kassel in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und nach Ankunft am 3.06.1942 ermordet.

Seine Mutter, Franziska Schwab geb. Strauss, wird am 16.09.1942 von Frankfurt aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebt, ist aber erblindet und zieht in ein Altersheim in Frankfurt am Main.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 15.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Mauthausen
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Ludwig/Louis Schwab wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er sich nur wenige Monate in Aurich aufhielt und sein Lebensmittelpunkt in Rotenburg/Wümme lag.

 

 

Werner Hoffmann (später: Nathan Meron)

Veröffentlicht: 16. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Werner HOFFMANN (später: Nathan MERON)
geboren am 14. August 1915 in Aurich

Straße: Wallstraße 24
Todesdatum: überlebt
Todesort:

Werner Hoffmann 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Werner Hoffmann, später Nathan Meron, wurde am 14.08 1915 als Sohn des Möbelhändlers Jakob Hoffmann und dessen Ehefrau Hanchen Hoffmann geb. Wolff in Aurich in der Wallstr. 24 geboren. Hier wuchs er gemeinsam mit seiner 3 Jahre älteren Schwester Friederike auf.
Sein Vater diente im 1. Weltkrieg und starb am 19.01.1935 im Alter von 53 Jahren an den Spätfolgen seiner Kriegsverletzungen. Er ruht auf dem jüdischen Friedhof in Aurich. Nach der Schulzeit ging Werner Hoffmann in die Tischlerlehre und schloss diese mit der Gesellenprüfung ab.
Ich habe mich mit einigen Bürgern und Bürgerinnen der Stadt Aurich unterhalten, die Werner Hoffmann noch kannten. Sie konnten sich gut an ihn erinnern und an seine Verlobte Ruth Salomons, die 1942 mit 23 Jahren in Ausschwitz ermordet wurde. Werner Hoffmann und Ruth Salomons verlobten sich 1938.Seine Schwester Friederike verließ bereits 1933 Deutschland und lebte mit ihrem Ehemann Moritz Wildstrom in den Niederlanden. Hierhin floh 1938, nach der Pogromnacht seine Mutter (s. Biographie Friederike). Hanchen Hoffmann wird 1942 in Ausschwitz für tot erklärt. Seine Schwester Friederike überlebte mit ihrer Familie den Holocaust und wohnte zuletzt in Amsterdam. Sie wurde 96 Jahre alt.Meine eigentlichen Informationen habe ich allerdings aus dem Buch „Auf den Spuren der jüdischen Geschichte“. Eindrucksvoll wird hier von Nathan Meron, früher Werner Hoffmann, berichtet.

In den 80gern nahm die Auricher Gesamtschule IGS-West Kontakt zu überlebenden, ehemaligen, jüdischen Auricher Bürgern in Israel auf. Hierzu gehörte auch Nathan Meron. Bis dahin hatte er jeglichen Kontakt zu Deutschland und zu Deutschen vermieden, zu sehr war er verletzt und gedemütigt worden.
Ergreifend erzählte Nathan Meron der Besuchergruppe seine Lebensgeschichte. Sie begann in der Pogromnacht 1938 im Haus, am Fischteichweg, von seiner Verlobten Ruth Salomons. Ruth S. und ihre Mutter hatten Angst. Sie wollten nicht alleine sein und somit übernachtete Werner H. bei ihnen. Als die SA nachts klopfte und alle Männer holen wollte, fanden sie ihn nicht, weil er ja dort nicht gemeldet war.

Das war der letzte gemeinsame Abend mit seiner Verlobten Ruth S. und ihrer Mutter, denn noch in dieser Nacht floh er zu Fuß nach Großefehn. Dort kannte er zwei jüdische Familien. Er wollte zur holländischen Grenze. 1933 hatte seine Schwester, mit ihrem Ehemann Moritz W., Deutschland bereits verlassen und wohnte in den Niederlanden.

In Großefehn angelangt, holte die SA Werner Hoffmann jedoch ein. Da sie inzwischen auch hier die Menschen verhafteten. Sie konnten Werner H. nicht einordnen, daher wollten sie ihn zwischen zwei Häusern erschießen. Er fing laut an zu schimpfen und sagte seine Meinung über Hitler und seine Politik. Dadurch sammelten sich Menschen an und die SA steckte ihre Revolver wieder ein. Werner H. musste im Dauerlauf, bewacht von Aufsehern auf Motorrädern oder auch Fahrrädern, von Großefehn nach Aurich zur „Bullenhalle“ laufen. Dort angekommen wurde er von SA-Leuten mit Gewehrkolben geschlagen, musste Spalier laufen vor der SA, die Treppen rauf und runter und oben auf der Tribüne den Satz:“ Ich, Werner Hoffmann – der Ausreißer von Aurich – die Blutschande Deutschlands“ , rufen. Dreimal musste er das sagen. Er hat nie verstanden, warum er diesen Satz sagen musste, waren doch seine Eltern jüdisch. In der „Bullenhalle“ sah er seine Gemeinde wieder, Sie saßen alle da, jung und alt. Von hier aus wurden sie zum Ellernfeld geschafft. Sie mussten Feldarbeiten leisten, Erde transportieren. Viele brachen unter der harten Arbeit zusammen.

Noch heute erzählt man, dass Kinder mit ihren Laternen, Martinilieder singend, am Leid der jüdischen Menschen am Ellernfeld vorbeizogen.

Werner H. wird gemeinsam mit anderen Juden in verschlossenen Waggons ins KZ Oranienburg gebracht. Nachts wurden sie dort mit Hunden und mit Peitschen empfangen. Zwei bis drei Monate blieb er dort. Täglich gab es 10 – 12 Tote, es waren 24 Grad unter Null.
Werner H. gelang Anfang 1939 die Flucht aus Deutschland. Im Dezember 1939 reiste er illegal, mit Namens – und Identitätswechsel, als Nathan Meron, in Palästina ein. Im Kibbuz Bet Hashita fand er eine neue Heimat. Als gelernter Tischler konnte er sich immer in die Gemeinschaft einbringen. Hier lernte er 1943 seine Frau Esther geb. Mayer, kennen. Esther und Nathan Meron haben drei Kinder. Leider ist mir kein Kontakt mehr bestätigt worden und somit weiß ich nicht, ob Nathan Meron noch lebt. Er wäre im August 2015 100 Jahre alt geworden.

Recherche: Lenchen Holthuis
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 19.10.2017)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Anna und Udo Kettwig
Verlegetermin: 5. Dezember 2015

 

 

 

Susanne Zwy Moses geb. Hoffmann

Veröffentlicht: 16. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Susanne Zwy MOSES geb. HOFFMANN
geboren am 14. März 1882 in Aurich

Straße: Wohnte überwiegend in Hamburg
Todesdatum: 25. Oktober 1941 Deportation nach Litzmannstadt/Lodz Ghetto
Todesort: unbekannt

Susanne Zwy Moses geb. Hoffmann, 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Susanne Hoffmann wird am 15. März 1882 in Aurich geboren. Sie ist das achte von neun Kindern ihrer Eltern Zwy Meyer Hoffmann, geboren 6.03.1833 in Aurich, verstorben 2.01.1905 in Hamburg, und Sophie Zippor geborene Cossen, geboren 29.06.1844 in Norden, verstorben 3.12.1926 in Hamburg.

Ihre Geschwister sind:
– Reitzje Zwy HOFFMANN ✶ 27.03.1870 in Aurich (nicht im Gedenkbuch)
– Therese Zwy HOFFMANN verh. Strellnauer ✶ 07.10.1871 in Aurich  +Minsk
– Gütel Zwy HOFFMANN ✶ 23.06.1873 in Aurich (nicht im Gedenkbuch)
– (?) HOFFMANN ✶ 24.03.1875 in Aurich, ✡ 05.04.1875 in Aurich
– Meyer Zwi HOFFMANN ✶ 19.03.1876 in Aurich (nicht im Gedenkbuch)
– Hannchen Zwi HOFFMANN verh. Fromme ✶ 20.02.1878 in Aurich + Minsk
– Selig Zwi HOFFMANN ✶ 04.11.1879 in Aurich (nicht im Gedenkbuch)
– Susanne Zwi HOFFMANN verh. Moses ✶ 14.03.1882 in Aurich  +1941 Litzmannstadt
– Aron Zwi HOFFMANN ✶ 17.06.1884 in Aurich, ✡ 03.08.1915 in Frankreich

Über das Leben von Susanne Moses konnten wir leider nicht viel in Erfahrung bringen. Sie muss mit ihrer Familie nach Hamburg gezogen sein. Dort verstarben ihre Eltern und dort lebten auch ihre Schwestern.
Sie heiratete offensichtlich einen Herrn Moses. Über ihn und mögliche Kinder ist uns nichts bekannt.

Am 25.Oktober 1941 wird Susanne Moses ab Hamburg in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz deportiert. Hier verliert sich ihre Spur.

Auch ihre Schwestern Therese und Hannchen werden Opfer der Shoa. Therese Strellnauer geb. Hoffmann und deren Mann Julius Strellnauer werden am 18. November 1941 nach Minsk deportiert.
Hannchen Fromme geb.Hoffmann wird ebenfalls mit diesem Transport nach Minks deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. Sie war zu diesem Zeitpunkt 59 Jahre alt.

Für Therese Strellnauer und ihren Mann Julius sind Stolpersteine in Hamburg in der Susannenstraße 4, für Hannchen Fromme in der Haynstraße 7 verlegt.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 15.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Stolpersteine Hamburg: https://www.stolpersteine-hamburg.de/index.php?r_name=Strellnauer&r_strasse=&r_bezirk=&r_stteil=&MAIN_ID=7&r_sort=Nachname_AUF&recherche=recherche&submitter=suchen#Suchergebnisse
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Susanne Moses geb. Hoffmann wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da ihr letzter frei gewählter Wohnort in Hamburg lag und dort ihr Lebensmittelpunkt war.