Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Wilhelm Wolffs

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Wilhelm WOLFFS
geboren am 26. Mai 1905 in Fraustadt (Provinz Posen)

Straße: Wallstraße14
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Litzmannstadt/Lodz am 23.10.1941)
Todesort: Unbekannt
Wilhelm Wolffs wird am 26.05.1905 in Fraustadt (Provinz Posen) geboren als Sohn des Ehepaares Glasermeister Meyer Moritz Wolffs, geb. 13.02.1876 in Aurich und Cäcilie Wolffs geb. Schwarzwald, geb. 08.09.1869 in Fraustadt. Die Eltern seines Vaters sind Wolff Selig Wolffs (18.11.1838 – 03.04.1891 in Aurich) und Eva Abraham Wolffs (01.11.1845 – 11.03.1920 in Aurich). (Wolff Selig Wolffs ist der Bruder von Abraham Wolff Wolffs, also Wilhelm Wolffs Onkel).

Wilhelm Wolffs hat eine Schwester Johanna Wolffs, geb. 26.08.1908 in Fraustadt, später verh. Loeb in Buenos Aires. Sein Vater Meyer Wolffs fällt am 24.11.1915 (s. allemania-judaica.de/aurich)

Am 16.11.1915 kommt er offensichtlich allein nach Aurich und wechselt mindestens 8x seine Wohnadresse innerhalb Aurichs.
Sein Beruf wird mit „Reisender“ angegeben, aber auch mit „Kaufmannsgehilfe, ev. bei seinem Onkel Abraham Wolffs, der im Adressbuchbuch von 1926 als „Kaufmann“ geführt wird. Ein Ladenraum in der Wallstr. 14, in dem nach der „Kristallnacht“ 1938 der Schulunterricht stattfindet, weist darauf hin.

Aus einem „Bericht über die Verhältnisse der Synagogengemeinde im Reg.-Bez. Aurich“ von 1927 wird Wilhelm als „Synagogendiener“ geführt, an anderer Stelle „Kultusbeamter der jüdischen Gemeinde“ genannt.

Am 29.02.1940 zieht er in ein Waisenhaus nach Emden in die Klaas-Tholen-Str. 19. Am 23.10.1941 wird er nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert, von wo er seinem Onkel Siegfried Wolffs, Münster, noch einen Brief, allerdings mit unbekanntem Datum, schreibt. Danach gilt er als verschollen.

Seine Schwester Johanna Loeb geb. Wolffs stellt aus Buenos Aires 1955 den Antrag auf seine Todeserklärung. Am 09.07.1956 wird er per Beschluss des Amtsgerichts Emden mit dem 31.12.1945 für tot erklärt.

Helga Oldermann trägt die Biographien der Opfer vor dem Haus Wallstraße 14 vor

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto: Geburtsurkunde Wilhelm Wolffs v. 27.05.1905 (Quelle: Archiwum Państwowego w Lesznie)
Opfergruppe: Juden
Quellen: Rep.124 Nr. 6109

Meldekarte
http://www.emden-lodz.de/?Recherche

Literatur:
Patenschaft: SPD-Fraktion im Auricher Stadtrat
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

Benno Benjamin Wolffs

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Benno Benjamin Baruch WOLFFS
geboren am 23. Oktober 1910 in Aurich

Straße: Wallstraße 14
Todesdatum: 25. Oktober 1995
Todesort: Atlanta, USA
Geboren wird Benno Wolffs am 23.10.1910 in Aurich als Sohn des Ehepaares Malermeister Abraham Wolff Wolffs, (18.01. 1872 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno nad Nerem), und Betty Benjamin Wolffs, geb. Wallheimer, (19.11. 1877 in Aurich – 7. 09.1942 in Chelmno nad Nerem). Er ist der jüngste von drei Kindern. Sein älterer Bruder ist Wolff Wollfs, seine ältere Schwester Erna Wolffs.

Benno lernt das Malerhandwerk und zieht 1930 nach Eldagsen Kr. Springe. 1932 zieht er für 7 Jahre nach Brüggen am Niederrhein und ist ab Februar 1939 in Hamburg Blankenese gemeldet. Dort heiratet er am 27.07.1939 Irma Frank geb. 21.12.1914 in Vlotho. Sein Bruder Wolff berichtet, dass die Hochzeit in Aurich stattfindet. Es sei die letzte jüdische Hochzeit in Aurich gewesen.

Zwischenzeitlich muss sich Benno auch in Aurich aufgehalten haben, denn sein Bruder Wolff beschreibt, dass beide die „Kristallnacht“ in Aurich miterlebt hätten (s. Beschreibung bei der Biografie von Abraham Wolffs) und nach dem 09.11.1938 mit anderen jüngeren Juden in das Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen transportiert wurden. Nach einigen Monaten werden sie freigelassen und kehren nach Aurich zurück.

Ab 01.04.1940 sind Benno und seine Frau Irma in Berlin, Rosenstr. 2-4. (Vor der endgültigen Deportation bringen die Nazis Juden in einem ehemaligen Gebäude der Sozialverwaltung der jüdischen Gemeinde unter).

Das Ehepaar immigriert anschließend, noch 1940, illegal mit dem Schiff „Patria“ nach Israel, lebt in Haifa, wo am 24.05.1944 ihr Sohn Michael geboren wird.

1952 immigrieren sie in die USA und leben in Milwaukee.

Ende der 70er Jahre ziehen sie nach Atlanta.

Bennos Sohn Michael stirbt am 20.08.1990 an einem unheilbaren Leiden.

Im Mai 1992 nehmen Irma und Benno Wolffs noch an der ersten Woche der Begegnung (ehemalige Mitbürger jüdischen Glaubens besuchen ihre Heimatstadt) teil.

Benno stirbt dann am 25.10.1995 und Irma am 16.07.2001. Sie sind alle in Atlanta beigesetzt.

Im Historischen Museum der Stadt Aurich wird in der Vitrine mit den jüdischen Exponaten ein Siddur, ein jüdisches Gebetsbuch aus dem Besitz von Irma und Benno Wolffs gezeigt.

Siddur bedeutet „Ordnung und bezeichnet die Ordnung und Reihenfolge der Gebete. Auf die gleiche Wurzel geht auch die Bezeichnung „Seder“ für die häusliche Feier an Pessach zurück.

Bei der „Woche der Begegnung“ überreicht Benno Wolffs Bürgermeister Wolfgang Ontijd ein selbst gemaltes Gemälde der Klagemauer in Jerusalem

Die Stolpersteine vor dem Haus Wallstraße 14 am Tag der Verlegung

Helga Oldermann trägt Biographien der Opfer vor

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Wolff Wolffs: Schreibmaschinengeschriebener Bericht von 1972

Meldekarte

Literatur:
Patenschaft: Liesel und Dietmar Thiel
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

Thea Salomons

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Thea SALOMONS
geboren am 21. Juni 1937 in Aurich

Straße: Wallstraße14
Todesdatum: 12. Oktober 1942
Todesort: Auschwitz
Thea Salomons wird am 21.06.1937 in Aurich geboren. Sie ist die einzige Tochter ihrer Eltern Isaak Salomons und Erna geb. Wolffs.

Erna Wolffs wird am 11.11.1905 in Aurich als Tochter des Ehepaares Malermeister Abraham Wolff Wolffs, (18.01.1872 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno), und Betti Benjamin Wolffs, geb. Wallheimer, (19.11.1877 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno). Sie ist die mittlere von drei Kindern. Ihr älterer Bruder ist Wolff Wollfs, ihr jüngerer Benno Wolffs.
Am 12.01.1927 zieht Erna Wolffs nach Borken i. W., danach hielt sie sich in Norderney und Kiel auf. Ihr Beruf wird mit „Verkäuferin“ angegeben. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt bei ihren Eltern in Aurich im August 1933, zieht sie nach Luxemburg, von wo sie am 9.09.1935 nach Aurich zurückkehrt.

Am 08.05.1936 heiratet sie den Viehhändler Isaak Salomons. Am 30.10.1931 heiratet er in Aurich. Dessen erste Ehefrau, die er am 30.10.1931 heiratete, verstarb am 25.04.1933.

Isaak Salomos wurde am 24.12.1901 in Vlagtwedde (Provinz Groningen)/NL geboren. Bis zum 22.02.1918 ist er in Schüttorf, Kr. Bentheim gemeldet (ab wann ist nicht bekannt).
Seit dem 10.10.1925 ist er in Aurich gemeldet mit verschiedenen Wohnadressen.

Nach der Hochzeit ziehen Isaak und Erna Wolffs am 19.05.1936 nach Aurich in die Wallstr. 14. Am 21.06.1937 wird ihre Tochter Thea Salomons geboren, mit der Erna ein Jahr später, am 9.05.1938, nach Groningen emigriert. Ihr Mann Isaak ist schon am 19.04.1938 in Aurich abgemeldet.

Zwischen dem 3. und 5.10.1942 werden sie inhaftiert und in das Lager Westerbork gebracht, von wo sie am 9.10.1942 nach Auschwitz deportiert werden.

Erna Salomons und ihre Tochter Thea werden am 12.10.1942 ermordet, ihr Mann Isaak am 3.01.1943.

Recherche: Helga Oldermann/Kirchengemeinde Victorbur
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte

Inhaftierungsliste Westerbork

Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

Erna Salomons geb. Wolffs

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Erna SALOMONS geb. Wolffs
geboren am 11. November 1905 in Aurich

Straße: Wallstraße14
Todesdatum: 12. Oktober 1942
Todesort: Auschwitz
Erna Wolffs wird am 11.11.1905 in Aurich als Tochter des Ehepaares Malermeister Abraham Wolff Wolffs, (18.01.1872 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno nad Nerem), und Betti Benjamin Wolffs geb. Wallheimer, (19.11.1877 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno nad Nerem). Sie ist die mittlere von drei Kindern. Ihr älterer Bruder ist Wolff Wolffs, ihr jüngerer Benno Wolffs.Am 12.01.1927 zieht Erna Wolffs nach Borken i. W., danach hielt sie sich in Norderney und Kiel auf. Ihr Beruf wird mit „Verkäuferin“ angegeben. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt bei ihren Eltern in Aurich im August 1933, zieht sie nach Luxemburg, von wo sie am 9.09.1935 nach Aurich zurückkehrt.

Am 08.05.1936 heiratet sie den Viehhändler Isaak Salomons. Dessen erste Ehefrau, die er am 30.10.1931 geheiratet hatte, verstarb am 25.04.1933.

Isaak Salomos wurde am 24.12.1901 in Vlagtwedde (Provinz Groningen/NL) geboren. Bis zum 22.02.1918 ist er in Schüttorf, Kr. Bentheim gemeldet (ab wann ist nicht bekannt).

Seit dem 10.10.1925 ist er in Aurich gemeldet mit verschiedenen Wohnadressen.

Nach der Hochzeit ziehen Isaak und Erna Wolffs am 19.05.1936 nach Aurich in die Wallstraße 14. Am 21.06.1937 wird ihre Tochter Thea Salomons geboren, mit der Erna ein Jahr später, am 9.05.1938, nach Groningen emigriert. Ihr Mann Isaak ist schon am 19.04.1938 in Aurich abgemeldet

Zwischen dem 3. und 5.10.1942 werden sie inhaftiert und in das Lager Westerbork gebracht, von wo sie am 9.10.1942 nach Auschwitz deportiert werden.

Erna Salomons und ihre Tochter Thea werden am 12.10.1942 ermordet, ihr Mann Isaak am 3.01.1943.

Helga Oldermann trägt die Biographien der Opfer vor dem Haus Wallstraße 14 vor

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Rep. 124 Nr. 6128

Meldekarte

Inhaftierungsliste Westerbork

Literatur:
Patenschaft: Irmtraut Hausmann
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

Isaak Salomons

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Isaak SALOMONS
geboren am 24. Dezember 1901 in Vlagtwedde (Provinz Groningen, NL)

Straße: Wallstraße14
Todesdatum: 3. Januar 1943
Todesort: Auschwitz
Isaak Salomos wurde am 24.12.1901 in Vlagtwedde (Provinz Groningen)/NL geboren. Bis zum 22.02.1918 ist er in Schüttorf, Kr. Bentheim gemeldet (ab wann ist nicht bekannt). 

Seit dem 10.10.1925 ist er in Aurich gemeldet mit verschiedenen Wohnadressen.

Am 30.10.1931 heiratet er in Aurich. Die Ehefrau stirbt am 25.04.1933 in Aurich. Am 08.05.1936 heiratet er in 2. Ehe Erna Wolffs, geb. 11.11.1905 in Aurich.

Erna Wolffs wird am 11.11.1905 in Aurich als Tochter des Ehepaares Malermeister Abraham Wolff Wolffs, (18.01.1872 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno), und Betti Benjamin Wolffs, geb. Wallheimer, (19.11.1877 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno). Sie ist die mittlere von drei Kindern. Ihr älterer Bruder ist Wolff Wollfs, ihr jüngerer Benno Wolffs.

Am 12.01.1927 zieht Erna Wolffs nach Borken i. W., danach hielt sie sich in Norderney und Kiel auf. Ihr Beruf wird mit „Verkäuferin“ angegeben. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt bei ihren Eltern in Aurich im August 1933, zieht sie nach Luxemburg, von wo sie am 9.09.1935 nach Aurich zurückkehrt.

 

Nach der Hochzeit ziehen Isaak und Erna Wolffs am 19.05.1936 nach Aurich in die Wallstr. 14. Am 21.06.1937 wird ihre Tochter Thea Salomons geboren, mit der Erna ein Jahr später, am 9.05.1938, nach Groningen emigriert. Ihr Mann Isaak ist schon am 19.04.1938 in Aurich abgemeldet

 

Zwischen dem 3. und 5. 10.1942 werden sie inhaftiert und in das Lager Westerbork gebracht, von wo sie am 9.10.1942 nach Auschwitz deportiert werden.

Erna Salomons und ihre Tochter Thea werden am 12.10.1942 ermordet, ihr Mann Isaak am 3.01.1943.

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte

Inhaftierungsliste Westerbork

Literatur:
Patenschaft: Dr. Hedwig Hangen
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

Wolff Benjamin Wolffs

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Wolff Benjamin WOLFFS
geboren am 29. Februar 1904 in Aurich

Straße: Wallstraße 14
Todesdatum: 7. November 1987
Todesort: Beit-Jitzchak (Israel)
Geboren wird Wolff Benjamin Wolffs am 29.02.1904 (an einigen Stellen ist das Geburtsdatum mit dem 01.03.1904 angegeben) in Aurich als Sohn des Ehepaares Malermeister Abraham Wolff Wolffs (18.01.1872 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno) und Betty Benjamin Wolffs, geb. Wallheimer, (19.11.1877 in Aurich – Sept. 1942 in Chelmno). Er ist das älteste von drei Kindern. Sein jüngerer Bruder ist Benno Wolffs, seine jüngere Schwester Erna Wolffs. Wolff Wolffs besucht die jüdische Schule in Aurich, anschließend eine höhere Schule in Wolfenbüttel und arbeitet dann ab 1929 in Osnabrück. Sein Beruf wird als Verkäufer angegeben. Mitte der 30iger Jahre kehrt er nach Aurich zurück und arbeitet in dem Betrieb seines Vaters als Maler. Später eröffnet er ein Ladengeschäft.

Er wird zusammen mit seinem Bruder Benno Zeuge der „Kristallnacht“ in Aurich, die er in einem Bericht ausführlich beschreibt (s. auch Abraham Wolffs).

„Die Synagoge brannte, alle jüdischen Häuser und Eigentum wurden geplündert, und die jüdischen Mitbürger litten unter grausamer und brutaler Behandlung.“

Nach dem 09.11.1938 werden die jüngeren Juden, darunter auch Wolff und Benno Wolffs, in das Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen transportiert. Sie werden nach einigen Monaten wieder entlassen und kehren nach Aurich zurück.

Am 01.04.1940 fährt Wolff Wolffs nach Berlin, Rosenstr. 2-4. (Vor der endgültigen Deportation brachten die Nazis Juden in einem ehemaligen Gebäude der Sozialverwaltung der jüdischen Gemeinde unter). Von da aus immigriert Wolff Wolffs mit seinem Bruder Benno und dessen Frau Irma noch 1940 illegal mit dem Schiff „Patria“ nach Palästina.

Anschließend kommen sie in ein Internierungslager nach Atlit. (Während des Zweiten Weltkriegs errichtete Großbritannien das Flüchtlingslager von Atlit, in welchem von den Behörden illegale jüdische Einwanderer nach Palästina interniert wurden. Am 10. Oktober 1945 wurden die Internierten in einer von Jitzchak Rabin geplanten Aktion von der Hagana befreit.)

Nach seiner Freilassung aus dem Internierungslager in Atlit lebt Wolffs in Haifa und arbeitet zusammen mit seinem Bruder Benno als Maler in britischen Armeelagern und macht sich später selbstständig.

Am 28.02.1950 heiratet er Rose Shoshana Hirsch/Boekdrukker. Sie leben in Kiryat-Motzkin, in der Nähe Haifas, wo am 09.10.1951 ihr Sohn Abraham Arje geboren wird.

Im selben Jahr geht Wolff zurück nach Deutschland, um nach Details über die Aufenthaltsorte seiner Eltern, seiner Familie und jüdischen Mitbürgern aus Aurich und Ostfriesland nach dem Holocaust zu suchen. Er versucht dem Schicksal jüdischen Eigentums nachzugehen. Er kehrt mit der bitteren Botschaft der großen Zerstörung zurück und schwört nie wieder einen Fuß auf deutsches Land zu setzen.

1953 zieht die Familie nach Beit-Jitzchak um, wo er als Maler und Rose Shoshana als Kindergartenlehrerin arbeitet. In diesen Jahren wird der Kontakt mit seiner ehemaligen Heimat Aurich wieder aufgenommen. Nach sehr langem Zögern und mit sehr gemischten Gefühlen ist er einverstanden, junge Deutsche aus Aurich, die nach Israel kommen, zu treffen. Er sieht es als sehr wichtig an, ihnen über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Aurich zu erzählen, das bittere Ende eingeschlossen, ebenfalls seine Kindheit und seine reifenden Erinnerungen.

Wolff Wolffs wird die Adresse für alle Verwandten und ehemaligen jüdischen Mitbürger aus Aurich und Ostfriesland, die nach Neuigkeiten aus ihren Familien nach dem Holocaust suchen. In einigen Fällen hat er Erfolg und findet Überlebende, die den Kontakt zu ihren Verwandten verloren hatten.

1980 ziehen Wolff und Rose in die Heimat der Eltern der Niederländischen Königin Juliana, nach Herzliya, wo sie ihre letzten Jahre verbringen

Rose stirbt am 11.09.1982 und Wolff am 07.11.1987. Sie sind beide auf dem Friedhof in Beit-Jitzchak beigesetzt.
Ihr Sohn Abraham heiratet am 08.07.1979 in Buenos Aires/Argentinien Juanita Jakob, geb. 21.09.1952. Sie haben drei Kinder: Bilha Michal genannt nach ihrer Urgroßmutter Bertha Bilha, geb. 19.07.1980, Vered, genannt nach ihrer Großmutter Rose, geb. 01.08.1983 und Benjamin (Ben), genannt nach seinem Großvater Wolff Benjamin, geb. 03.05.1987. Die Familie lebte zuletzt in Beth-Jitzchak, wo Abraham am 7.02.2017 und Juanita am 28.06.2024 verstorben ist.

Eine ausführliche Biografie von Wolff Benjamin Wolffs findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

Helga Oldermann trägt die Biographien der Opfer vor dem Haus Wallstraße 14 vor

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Wolff Wolffs: Schreibmaschinengeschriebener Bericht von 1972

Meldekarte

Literatur: Johannes Diekhoff: Die Juden in Aurich
Patenschaft: Edith und Rainer Gleibs
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

Betty (Betti) Wolffs geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Betty (Betti) WOLFFS  geb. Wallheimer
geboren am 19. November 1877 in Aurich

Straße: Wallstraße 14
Todesdatum: September 1942
Todesort: Chelmno nad Nerem (Kulmhof)
Geboren wird Betti Wallheimer am 19.11.1877 in Aurich als Tochter des Ehepaares Benjamin Wallheimer (1856 – 1923) und Eva Wallheimer geb. Herzberg (1857 – 1926). Betti Wallheimer ist die älteste von 19 Kindern, von denen nur 10 über das Kindesalter hinausgelangen, die im Haus am Breiten Weg 1, das nachweislich seit 1888 im Familienbesitz ist, aufwachsen.

Ich zitiere aus einem Vortrag von Johannes Diekhoff, den er anlässlich der feierlichen Namensgebung „Haus Wallheimer“ des Neubaus des Europahauses am 3.11.1992 hält: “Auf Bettis Großvater, den Viehhändler Joseph Wallheimer, folgt 1897 ihr Vater Benjamin als Besitzer und Gewerbenachfolger. Mit ihm scheint die Familie hier ihre Blütezeit erlebt zu haben.“

Sein Enkel Benno Wolffs, geb. 1910 in der Wallstr. 14, kann auf seiner Flucht nach Israel ein Ölgemälde des Wohnhauses seiner Großeltern am Breiten Weg retten. Er lässt eine Kopie fertigen, die er dem Europahaus schenkt, im Gefühl der Freude und Genugtuung darüber, dass das neue Gebäude von nun an den Namen „Haus Wallheimer“ tragen wird.

Betti Wallheimer heiratet am 28.12.1902 den Malermeister Abraham Wolff Wolffs und lebt mit ihm in der Wallstr. 14.

Aus der Ehe gehen 3 Kinder hervor: Wolff Abraham Wolffs, geb. 1904 in Aurich, Erna Abraham Wolffs, geb. 1905 in Aurich und der eben schon erwähnte Benno Wolffs, geb. 1910 in Aurich.

Ihr Schicksal gleicht dem ihres Mannes Abraham, in dessen Biographie ich ausführlich berichtet habe. Sie gehört mit Ihrem Mann zu den älteren Mitbürgern, die, nachdem Aurich am 10.4.1940 für „judenfrei“ erklärt wird, nach Emden in ein Altenheim zieht. Abraham Wolffs und seine Frau Betti, werden am 22.10.1941 über Berlin, Rosenstr. 2-4, nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Im September 1942 werden sie in Kulmhof (Chelmno nad Nerem) ermordet.

Ihr Sohn Wolff stellt aus Palästina den Antrag auf ihre Todeserklärung. Am 29.12.1950 werden sie per Beschluss des Amtsgerichts Emden mit dem 08.05.1945 für tot erklärt.
Anmerkung: Im Historischen Museum der Stadt Aurich wird in der Vitrine mit den jüdischen Exponaten ein Megillot Esther aus der Familie Wallheimer gezeigt, ein Geschenk des Enkels Berni Wallheimer.

(Megillot (pl. zu hebr. מְגִלָּה megilla, „Buchrolle“, „Buch“) ist im Judentum die Bezeichnung für fünf Schriften aus dem Tanach. Sie gehören zum dritten Teil der hebräischen Bibel, den Ketuvim („Schriften“). Die fünf Bücher Rut, Hoheslied, Kohelet, Klagelieder und Ester werden den wichtigsten fünf Festen Schawuot, Pessach, Sukkot, Tischa beAv und Purim zugeordnet und daher auch als „Festrollen“ bezeichnet.)

Ebenfalls im Museum ist ein Foto eines gedeckten Sabbathtisches der Familie Wallheimer am Breiten Weg 1 zu sehen.

Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Kulmhof

Gedenktafeln erinnern an die vielen Tausend ermordeten und in Massengräbern verscharrten Opfer in der KZ-Gedenkstätte Chelmno nad Nerem (Kulmhof)

Helga Oldermann trägt die Biographien der Opfer vor dem Haus Wallstraße 14 vor

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte

Vortrag von Johannes Diekhoff vom 03.11.1992, „Haus Wallheimer“
Weiter Quellen s. Abraham Wolffs

https://spurenimvest.de/2020/06/30/wolffs-betty/

Literatur:
Patenschaft: Helga Oldermann
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

 

 

Abraham Wolff Wolffs

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham Wolff WOLFFS
geboren am 18. Januar 1872 in Aurich

Straße: Wallstraße14
Todesdatum: September 1942
Todesort: Chelmno nad Nerem (Kulmhof)
Geboren wird Abraham Wolff Wolffs am 18.01.1872 in Aurich als Sohn des Ehepaares Wolff Selig Wolffs (18.11.1838 – 03.04.1891 in Aurich) und Eva Abraham Wolffs (01.11.1845 – 11.03.1920 in Aurich). Er ist der zweitälteste von 7 Geschwistern.

Am 28.12.1902 heiratet er die Haustochter Betti Wallheimer aus Aurich, Breiter Weg 1, geb. 19.11.1877, Tochter des Schlachters Benjamin Levy Wallheimer und seiner Frau Eva Markus Wallheimer geb. Herzberg.  Die Familien Wolffs und Wallheimer entstammen einem Zweig einer großen „Wolff-Familie“, Nachkommen der „marrones“, die im 17.Jh. nach Norddeutschland, nach einem langen Aufenthalt in Venice, Italien, kamen.

Aus der Ehe gehen 3 Kinder hervor: Wolff Abraham Wolffs, geb. 1904 in Aurich, Erna Abraham Wolffs, geb. 1905 in Aurich und Benjamin Benno Baruch Abraham Wolffs, geb. 1910 in Aurich.

Der Malermeister Abraham Wolffs, genannt „Pinseler“, lebt mit seiner Familie in der Wallstr. 14. (1919 gibt es unter den Berufen der Juden nur 3% Handwerker, 1833 gar keine).  Im 1. Weltkrieg dient er als Landsturmmann im Landsturmbataillon XI/21, stationiert in Diedenhofen, und gehört nach dem Krieg der Sicherheitswehr der Stadt Aurich an.

Nachdem durch gesetzliche Bestimmung der vorläufigen preußischen Regierung eine Neuwahl der Stadtvertretungen angeordnet worden war, war gemäß einem Beschluss sämtlicher Parteien eine gemeinschaftliche Liste zur Bürgervorsteherwahl aufgestellt. Bei der am 23.02.1919 stattfindenden Wahl werden 24 Herren zu Bürgervorstehern gewählt, darunter auch Abraham Wolffs.

1927 wird Wolffs laut einem „Bericht über die Verhältnisse der Synagogengemeinden im Regierungsbezirk Aurich“ neben Abraham van Dyk und Lippmann Knurr als Synagogenvorsteher genannt. Das ist die Bezeichnung einer jüdischen Person, deren Amt es ist, der Unterstützung des synagogalen Betriebes zu Diensten zu sein. Hierzu zählt insbesondere die Unterstützung des Ablaufs der jüdischen Gottesdienste in der Synagoge. Daneben wird er auch als der persönliche Assistent eines Rabbiners bezeichnet. Das Amt des Synagogenvorstehers schließt auch die mögliche Organisation von jüdischen Begräbnissen ein.

Am 12.03.1933 kandidiert er mit seinen jüdischen Mitbürgern, seinem Schwager Levi Wallheimer und Benjamin Samson bei der 1. Kommunalwahl auf der Liste „Handel und Gewerbe“. Auf die Liste entfallen 220 Stimmen, aber sie bleibt ohne Mandat.

Als Synagogenvorsteher ist Abraham Wolffs auch gleichzeitiger Ortsschulvorsteher. Als solcher schreibt er am 10.06.1939 einen Brief an den Bürgermeister mit der Bitte um Weiterleitung an den Reg.-Schulrat. Der bisherige jüdische Schulleiter Max Moses sei in die USA ausgewandert, und es seien schon einige Bewerbungen auf die vakante Stelle hin eingegangen. Der jüdischer Lehrer Hartog aus Norden habe sich bereiterklärt, für eine Übergangszeit 18 Wochenstunden an den Nachmittagen zu unterrichten.  Bemerkung des Bürgermeister in einer Randnotiz an den Reg.-Schulrat: „Meines Erachtens geht es nicht an, dass die Stadt heute noch Kosten für jüdische Schulen trägt. Gibt es hierzu Bestimmungen?“  Auszug aus der Antwort des Reg.-Schulrats an Abraham Wolffs vom 30.06.1939 sinngemäß:„ Ein Lehrer kann nur mit voller Stundenzahl eingestellt werden, Teilzeitunterricht sei nicht ausreichend. Die Synagogengemeinde muss die Kosten selbst tragen.“

Am 30.06.1939 sind noch 28 Wohnhäuser im Eigentum jüdischer Familien. Aus einem Bericht des städtischen Bauamtes vom 10.06.1939 geht hervor, dass zu dem Zeitpunkt noch 29 Wohnhäuser in jüdischem Besitz sind, darunter auch das Zweifamilienhaus der Familie Wolffs, Wallstr. 14.

Abraham Wolffs Söhne Wolff und Benno sind Augenzeugen der „Kristallnacht“ in Aurich am 09.11.1938.  Wolff Wolffs schreibt am 21.09.1975 in Beth Jizchak in Israel, seinem damaligen Wohnort, in einem Bericht: „Meine Erlebnisse in der „Kristallnacht“ 1938“ auch über seinen Vater:

„Am 9. November 1938 gingen wir wie gewöhnlich schlafen. Mitten in der Nacht hörte ich, dass auf der Straße etwas vorging. Ich sprang aus dem Bett und konnte einen großen Feuerschein sehen. Sofort war mir klar, dass dies nur die Synagoge sein konnte oder die jüdische Schule. Im gleichen Augenblick wurde unsere Haustüre eingeschlagen, und eine Gruppe Nazis drang in das Haus ein. Mein Vater, der Malermeister Abraham Wolffs, sowie mein Bruder Benno und ich konnten uns nur notdürftig anziehen und wurden durch die Markt-, Lilien- und Gartenstraße  zur Viehhalle an der Emder Straße gebracht.  Auf dem Wege dorthin konnten wir natürlich sehen, dass die Synagoge brannte.

Im Laufe der Nacht wurden alle Juden in der Halle zusammengetrieben. Dort konnte dann jeder seinem Judenhass freien Lauf lassen.  Auch war natürlich die ganze Prominenz der Nazis des Kreises vertreten. Jeder von ihnen konnte mit uns machen, was er wollte. Fast jeder wurde geschlagen oder musste rennen bis man umfiel.

Mein Vater wurde von einem Händler hervorgerufen, der ein Lebensmittelgeschäft en gros betrieb. Dieser hatte einen besonderen Hass auf meinen Vater. Als mein Vater sich geweigert hatte, weiter von ihm koschere Margarine zu beziehen, für die dieser Händler die Vertretung hatte, und das der Fabrik mitteilte, entzog diese dem Händler die Vertretung. Jetzt konnte der sich rächen. Er schlug auf meinen Vater ein und beschimpfte ihn. Er hörte erst mit dem Schlagen auf, als ein anderer ihm sagte: ‚Wir wollen jetzt noch keine Leichen haben.‘“

Nach der Pogromnacht findet der Unterricht für die verbliebenen jüdischen Kinder in der Wallstraße 14, in einem ehemals als Laden genutzten Raum, statt. Nach einer Zählung der gemeldeten Juden am Stichtag 20.11.1939 liegen zwei unterschiedliche Listen vor, die von 151 bzw. 154 Personen ausgehen, darunter auch Familie Abraham Wolffs.

In einem weiteren Bericht seines Sohnes Wolff werden die Ereignisse um den Akt der Vertreibung der Juden aus Aurich geschildert. Diesen Bericht übergibt er am 11.11.1966 der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Abgedruckt ist er in dem Buch „Die Juden in Aurich“ im Kapitel „Die Auricher Judengemeinde von 1930 – 1940“ von Johannes Diekhoff.  Der Stadt gegenüber unterschreiben Wolff Wolffs und ein jüdischer Glaubensbruder Jakob Wolff am 26.01.1940 für Abraham Wolffs, der krank im Bett liegt, eine Erklärung, aus der hervorgeht, wie sie sich zu verhalten hätten, so dass es dann am 10.04.1940 heißen kann: „Aurich ist judenfrei!“

Lediglich ältere Menschen dürfen noch in einem Altenheim in Emden, einem früheren Waisenhaus, verbleiben.

Dazu gehören auch Abraham Wolffs und seine Frau Betti, die dann am 22.10.1941 über Berlin, Rosenstr. 2-4, nach Litzmannstadt (Lodz) abtransportiert werden. Im September 1942 werden sie in Kulmhof (Chelmno nad Nerem) ermordet.

Ihr Sohn Wolff stellt aus Palästina den Antrag auf ihre Todeserklärung. Am 29.12.1950 werden sie per Beschluss des Amtsgerichts Emden mit dem 08.05.1945 für tot erklärt.

Die Häuser Wallstraße 14 und 16 werden im März 1942 zum Verkauf freigegeben. Der Wert des Grundstücks Wallstraße 14 ist mit 11.600RM angegeben, das Haus ist mit 3705,23 RM belastet. Eine Anfrage des Finanzamtes Emden vom 10.03.1942 an die Stadt Aurich, ob diese an der Immobilie interessiert sei, wird am 31.03.1942 mit Nichtinteresse beschieden.

Anmerkung: Im Historischen Museum der Stadt Aurich wird in der Vitrine mit den jüdischen Exponaten ein Tallit (Gebetsschal) von Abraham Wolffs gezeigt, den er vor 1930 benutzt hat.

Des Weiteren besitzt das Museum einen Tallitbeutel und ein Gebetsbuch aus dem Nachlass von Eva Wolffs, der Mutter von Abraham Wolffs.

Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Kulmhof

Gedenktafeln erinnern an die vielen Tausend ermordeten und in Massengräbern verscharrten Opfer in der KZ-Gedenkstätte Chelmno nad Nerem (Kulmhof)

Helga Oldermann trägt die Biographien der Opfer vor dem Haus Wallstraße 14 vor

Recherche: Helga Oldermann
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Rep 16/2 Nr. 2288
Gedenkbuch Bundesarchiv
Wolff Wolffs: Schreibmaschinengeschriebener Bericht von 1972 und 1975
Dep. 34 B Nr. 860 (Liste der Sicherheitswehr der Stadt Aurich)
Dep. 34C Nr. 889 (Immobilienangebot 1942)
Dep. 34 Nr. 3118 (Protokollbücher der städtischen Vertreter.
Literatur: Hans-Joachim Habben: „ Wirtschaftliche Verhältnisse“ in „Die Juden in Aurich“, Johannes Diekhoff:“ Die Auricher Judengemeinde von 1930-1940 in „Die Juden in Aurich“
Patenschaft: Förderverein Historisches Museum Aurich
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

 

 

Karoline Leers

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Karoline  LEERS
geboren am 5. Juli 1858 in Aurich

Straße: Osterstraße 30
Todesdatum: 9. Januar 1943
Todesort: Ghetto Theresienstadt

Karoline Leers 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

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Zu der Zeit, als die Jüdin Karoline Leers zur Welt kam, hatte weder sie selbst noch irgendjemand von ihren Angehörigen geahnt, dass zwei Weltkriege bevorstehen sollten, die das Schicksal von Karoline bestimmen würden. Karoline Leers wurde am 05. Juli 1858 in Aurich geboren und verbrachte ihre Kindheit sowie ihre Jugend in der ostfriesischen Stadt. Neben den bevorstehenden Weltkriegen hat die damals junge Jüdin mehrere weitere geschichtliche Ereignisse erlebt.

Während der 1860er Jahre herrschte in Deutschland noch eine Zeit des Aufruhrs. Das Land war in mehrere einzelne Gebiete „zersplittert“, was dazu führte, dass die Menschen einen einheitlichen Nationalstaat anstrebten.

Nach einigen gescheiterten Versuchen gelang es Otto von Bismarck 1871, den ersten deutschen Nationalstaat mit einem preußischen König an der Spitze zu gründen. Womöglich könnte dieses Ereignis die damals noch junge Karoline erfreut haben, da sie auch eine preußische Staatsangehörigkeit besaß.

Karoline Leers wuchs heran und erlernte den Beruf der Handarbeitslehrerin. Sie erhielt einen Arbeitsplatz an der jüdischen Volksschule in Aurich und übte den genannten Beruf einige Jahre dort aus. Sie wurde mehrmals beurlaubt und vertreten, nahm ihren Beruf an der Volksschule jedoch wieder an.

Als der I. Weltkrieg ausbrach, war Karoline Leers im Alter von 56 Jahren. Sie überlebte den Krieg, konnte jedoch nicht ahnen, dass sich der Antisemitismus in den darauffolgenden Jahren verstärken würde.

Sie blieb in Aurich und zog in die Osterstraße 30 als Untermieterin ein, wo heute ein Stolperstein für sie verlegt wird. Ab 1932 wechselte sie dann ihren Wohnsitz des Öfteren.

Am 04. März 1932 wohnte sie bis 1939 in der Fockenbollwerkstraße 7 und wechselte ihren Wohnsitz am 29. März 1939 mit 80 Jahren ein weiteres Mal, indem sie in die Wallstraße 16 umzog.

In diesem Jahr begann auch der 2. Weltkrieg.

Im Februar 1940 musste Karoline Leers die Stadt Aurich endgültig verlassen und wurde am 22. Februar 1940 in einer Wohnung in Berlin in der Rosenstraße 2-4 untergebracht.

Nachdem sie auch diesen Ort gegen die Badenstraße 14 austauschte, wurde sie schließlich am 19. November 1942 in das Ghetto der Theresienstadt deportiert.

An diesem Ort verbrachte die ledig gebliebene Karoline Leers die letzten Monate ihres Lebens. Am 09. Januar 1943 wurde sie im Alter von 84 Jahren ermordet.

Karolines Stolperstein vor dem Haus Osterstraße 30

Recherche: Angelika Enders
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto: Kennkarte v. 16.05.1939
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Angelika Enders
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

 

 

Agnes Hirschberg geb. Ballin

Veröffentlicht: 12. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Agnes HIRSCHBERG geb. BALLIN
geboren am 10. April 1869 in Aurich

Straße: Wohnhaft in Barsinghausen und Bremen
Todesdatum: 7. Oktober 1942, Deportation 23. Juli 1942
Todesort: Theresienstadt Ghetto

Agnes Hirschberg 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Agnes Keyle Zwy Ballin wird am 10. April 1869 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Hermann Hirsch Zwy Moses Ballin (*31.12.1829 Aurich +13.05.1920 Aurich) und Julie Gütel geb. Hoffmann (*3.05.1840 Wolbeck +13.05.1923 Hamburg).
Agnes hat fünf ältere Geschwister: Bernhardine Dine Zwy Ballin (*11.03.1860 Aurich +28.07.1932), ein Geschwister (ohne Namen) ist gleich nach der Geburt gestorben (*3.01.1861 Aurich +4.01.1861 Aurich), Marie Mirjam Zwy Ballin (*10.12.1861 Aurich +20.03.1943 Theresienstadt), Joseph Zwy Ballin (*9.02.1863 Aurich +22.05.1863 Aurich), Eduard Manoch Zwy Ballin (*26.02.1865 *unbekannt).Agnes heiratet in den 1890er Jahren den in Barsinghausen geborenen Hermann Hirschberg und zieht dorthin. Ihre Tochter Irma Hirschberg wird dort am 22.10.1899 geboren.

Ihr Mann Hermann Hirschberg verstirbt am 12. August 1933 im Alter von 65 Jahren. Danach zieht Agnes nach Bremen – vermutlich zu ihrer Tochter.

Am 23.07.1942 wird Agnes Hirschberg in das Ghetto Theresienstadt deportiert und stirbt dort am 7.10.1942 im Alter von 73 Jahren.

Ihre Tochter Irma heiratet am 11.09.1925 in Bremen den Kaufmann Leon Laufer. Sie bekommen am 14.07.1926 eine Tochter Ilse. Die Ehe wird am 30.07.1932 geschieden.
Irma lebt weiter in Bremen und wird am 18.03.1942 in das KZ Ravenbrück deportiert und dort ermordet. Dieser Tag gilt als ihr Todesdatum.

Auch Irmas Mann, Leon Laufer, wird Opfer der Shoa. Er heiratet erneut und hat eine Tochter. Von März 1939 bis September 1943 arbeitet er als Lagerist und kaufmännischer Angestellter bei verschiedenen Firmen.
Am 6.9.1944 wird er von der Gestapo verhaftet, weil er als Jude in einem öffentlichen Luftschutzbunker gesessen und damit einem „Arier“ den Platz weggenommen habe. Er wird noch am selben Tag in das Arbeitserziehungslager Farge überstellt.
Leon Laufer wird am 22.12.1944 in das KZ Neuengamme überstellt, wo sich seine Spur verliert. Er wurde am 8.9.1948 für tot erklärt.

Auch Ilse Laufer, die Tochter von Irma und Leon Laufer, wird Opfer der Shoa. Aus dem weiteren Verlauf ihres Schicksals kann der Schluss gezogen werden, dass sie vermutlich in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben war. Im April 1937 kam sie in das jüdische Waisenhaus Hamburg, Laufgraben 37, und wurde am 14.7.1939 im jüdischen Kinderheim in Beelitz/Brandenburg aufgenommen.

Am 14.4.1942 wurde die erste Gruppe mit 24 Kindern und Jugendlichen, zwei Erziehern, der Köchin und einer Kindesmutter zur Deportation zusammengefasst. Unter ihnen war auch die 15-jährige Ilse Laufer. Der 13. Berliner Transport mit insgesamt 940 Menschen erreichte am 16.4. das Ghetto Warschau. Dort verliert sich ihre Lebensspur.

Recherche: und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 11.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv

Datenbank: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I8059&lang=de

Leon Laufer: http://www.stolpersteine-bremen.de/detail.php?id=280
Ilse Laufer: http://www.stolpersteine-bremen.de/detail.php?id=643

 

 

Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Agnes Hirschberg geb. Ballin wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da sie Aurich schon vor 1900 verließ.