Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Netta Izaaks geb. Wolff

Veröffentlicht: 30. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Izaaks, Netta gebNetta IZAAKS geb. WOLFF
geboren am 2. März 1915 in Aurich

 

 

 

Straße: Große Mühlenwallstraße 1
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 16.10.1942
Todesort: Auschwitz
In der Großen Mühlenwallstraße 1 wurden die Stolpersteine für Levy David Wolff und seine sechs Kinder – auch für die drei Überlebenden – als eine Art „Familienzusammenführung“ verlegt.Netta Wolff wurde am 2. März 1915 in Aurich als viertes Kind des Schlachters Levy David Wolff (1877-1942) und seiner Ehefrau Julia „Julchen“ Wolff geb. Salomons (1883-1926) aus Lage im Kreis Bentheim geboren.

Die Familie Levy David Wolff lebt seit Geburt des zweiten Kindes Karl (1909-1989) im Jahr 1909 in Aurich und wohnt spätestens seit Anfang der 20ger Jahre in der Großen Mühlenwallstraße 1.

Das dritte Kind von Levy David und Julia Wolff, David Levy Wolff (1913-1914), benannt nach dem Großvater, verstirbt bereits nach wenigen Monaten. Netta hat noch zwei weitere Schwestern und drei Brüder: Marianne Wolff verh. Salomons (*15.04.1908), Karl Wolff (9.06.1909), David Levi Wolff (*31.07.1917), Max Wolff (*20.09.1920 +12.02.2014) und Gertrud Wolff (4.05.1924).
Nettas Vater, Levy David Wolff, arbeitet wie viele seiner jüdischen Mitbürger als Viehhändler. Ihre Mutter stirbt bereits 1926 als ihre jüngste Tochter Gertrud erst zwei Jahre alt ist.

Bei Nettas Vater wohnen in der Großen Mühlenwallstr.1 zunächst alle seine Kinder. Karl arbeitet wie sein Vater als Viehhändler, Netta als Angestellte und David als Kaufmann. Vorübergehend wohnt hier auch der in Vlagtwedde geborene Isaak Salomons (*24.12.1901) aus der Familie des späteren Ehemanns von Marianne.

Marianne (1908-1942) zieht nach Rotterdam (Abmeldung aus Aurich erst am 4.08.1933) und heiratet dort am 6.03.1933 Samuel Salomons (*5.12.1898 in Vlagtwedde +31.03.1944). Samuel wohnte zunächst in Windschoten, dann in Den Haag und seit 1929 in Rotterdam. Am 27.06.1938 wird ihr Sohn Menno Salomons in Rotterdam geboren.
Auch Netta zieht nach Holland und heiratet dort. Am 28.10.1935 zieht sich nach Denekamp und heiratet Emanuel Izaaks (*13.01.1917). Die beiden ziehen nach Rotterdam, wo auch Ihre Schwester Marianne mit ihrem Mann und Sohn wohnt. Sie bekommen am 24.04.1940 ihren Sohn Salomon und 13.02.1942 ihren Sohn   Levy. Die Söhne werden nach den Großvätern benannt.

Im Januar 1938 muss Nettas Vater Levi David Wolff das Haus in der Großen Mühlenwallstraße 1 verlassen und in die Wallstraße 16 zu Familie Hoffmann ziehen. Zu diesem Zeitpunkt wohnt nur noch die jüngste Tochter Gertrud bei ihrem Vater. In der Wallstraße 16 wohnten früher die Eltern von Levy David Wolff.
Levy David Wolff zieht noch im Januar 1938 zu seinen Töchtern nach Rotterdam.

Nachdem deutsche Truppen die Niederlande überfallen und besetzt haben, beginnt auch hier die Judenverfolgung.

Netta Izaaks, ihr Mann und ihre Kindern Salomon (2 Jahre) und Levi (8 Monate) werden Anfang Oktober 1942 in Westerbork inhaftiert, am 16. Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert und nach ihrer Ankunft ermordet.

Mit demselben Transport werden auch ihr Vater und ihre Schwester Marianne mit ihrem Mann und ihrem Sohn Menno (4 Jahre) nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Die Ehemänner von Marianne und Netta, Samuel Salomons und Emanuel Izaaks haben wahrscheinlich noch einige Zeit gelebt. Möglicherweise sind sie in Cosel/Kosel (in der Nähe von Oppeln, Oberschlesien) aus dem Transport geholt worden. Zwischen August und Dezember 1942 werden arbeitsfähige Männer von der SS aus den Transporten geholt und in Arbeitslager gebracht. In dieser Zeit lässt die SS „Organisation Schmelt“ mit Erlaubnis Himmlers mehrere Deportationszüge aus Westeuropa in Kosel halten, um dort insgesamt 8.000 bis 10.000 kräftige Juden als Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Alte Leute und Frauen mit Kindern werden nach Auschwitz weitertransportiert und viele von ihnen dort sofort ermordet.

Als Todesdatum wird für Samuel Salomons und für Emanuel Izaaks der 31.03.1944 angegeben, ein Todesort ist nicht bekannt.

Nur Nettas Brüder Karl Levi Wolff (1909-1989), David Levi Wolff (*1917) und Max Wolff (*20.09.1920 +12.02.2014 San Diego, USA) können in die USA fliehen und somit überleben. Über das Schicksal der jüngsten Schwester Getrud (*1924) wissen wir nur wenig.

 Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Ostfriesische Landschaft
Verlegetermin: 27. Januar 2015

 

 

 

Marianne Salomons geb. Wolff

Veröffentlicht: 30. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Salomons, Marianne gebMarianne SALOMONS geb. WOLFF
geboren am 15. April 1908 in Gildehaus, Kreis Bentheim

 

 

 

Straße: Große Mühlenwallstraße 1
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 16.10.1942
Todesort: Auschwitz
In der Großen Mühlenwallstraße 1 wurden die Stolpersteine für Levy David Wolff und seine sechs Kinder – auch für die drei Überlebenden – als eine Art „Familienzusammenführung“ verlegt.

Marianne Wolff wurde am 15. April 1908 in Gildehaus (Kreis Bentheim) als Tochter des Schlachters Levy David Wolff (1877-1942) und seiner Ehefrau Julia „Julchen“ Wolff geb. Salomons (1883-1926) aus Lage im Kreis Bentheim geboren. Sie erhält den Vornamen ihrer Großmutter Marianne Wolff geb. von Oss.

 

Sie ist das erste Kind von Levy David und Julia Wolff und wird noch in Gildehaus, Kreis Bentheim, – in der Nähe der Familie ihrer Mutter – geboren.

Die Familie Levy David Wolff lebt seit Geburt des zweiten Kindes Karl (1909-1989) im Jahr 1909 in Aurich und wohnt spätestens seit Anfang der 20ger Jahre in der Großen Mühlenwallstraße 1.

Das dritte Kind von Levy David und Julia Wolff, David Levy Wolff (1913-1914), benannt nach dem Großvater, verstirbt bereits nach wenigen Monaten. Marianne hat noch zwei weitere Schwestern und Brüder: Netta (2.03.1915), David Levi Wolff (*31.07.1917), Max Wolff (*20.09.1920 +12.02.2014) und Gertrud (4.05.1924).
Mariannes Vater, Levy David Wolff, arbeitet wie viele seiner jüdischen Mitbürger als Viehhändler. Ihre Mutter stirbt bereits 1926 als ihre jüngste Tochter Gertrud erst zwei Jahre alt ist.

Bei Mariannes Vater wohnen in der Großen Mühlenwallstr.1 zunächst alle seine Kinder. Karl arbeitet wie sein Vater als Viehhändler, Netta als Angestellte und David als Kaufmann. Vorübergehend wohnt hier auch der in Vlagtwedde geborene Isaak Salomons (*24.12.1901) aus der Familie des späteren Ehemanns von Marianne.

 

Marianne (1908-1942) zieht nach Rotterdam (Abmeldung aus Aurich erst am 4.08.1933) und heiratet dort am 6.03.1933 Samuel Salomons (*5.12.1898 in Vlagtwedde +31.03.1944). Samuel wohnte zunächst in Windschoten, dann in Den Haag und seit 1929 in Rotterdam.

Am 27.06.1938 wird ihr Sohn Menno Salomons in Rotterdam geboren.
Im Januar 1938 muss Mariannes Vater Levi David Wolff das Haus in der Großen Mühlenwallstraße 1 verlassen und in die Wallstraße 16 zu Familie Hoffmann ziehen. Zu diesem Zeitpunkt wohnt nur noch die jüngste Tochter Gertrud bei ihrem Vater. In der Wallstraße 16 wohnten früher die Eltern von Levy David Wolff.
Levy David Wolff zieht noch im Januar 1938 zu seiner ältesten Tochter nach Rotterdam.

 

Nachdem deutsche Truppen die Niederlande überfallen und besetzt haben, beginnt auch hier die Judenverfolgung.

Marianne Wolff und ihre Familie werden Anfang Oktober 1942 in Westerbork inhaftiert, am 16. Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert und nach ihrer Ankunft ermordet.

Mit demselben Transport werden auch ihr Vater und ihre Schwester Netta mit ihrer Familien nach Auschwitz deportiert. Marianne und ihr 4 Jahre alter Sohn Menno werden ebenso wie ihre Schwester Netta mit ihren Kindern Salomon (2 Jahre) und Levi (8 Monate) nach ihrer Ankunft ermordet.
Die Ehemänner von Marianne und Netta, Samuel Salomons und Emanuel Izaaks haben wahrscheinlich noch einige Zeit gelebt. Möglicherweise sind sie in Cosel/Kosel (in der Nähe von Oppeln, Oberschlesien) aus dem Transport geholt worden. Zwischen August und Dezember 1942 werden arbeitsfähige Männer von der SS aus den Transporten geholt und in Arbeitslager gebracht. In dieser Zeit lässt die SS „Organisation Schmelt“ mit Erlaubnis Himmlers mehrere Deportationszüge aus Westeuropa in Kosel halten, um dort insgesamt 8.000 bis 10.000 kräftige Juden als Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Alte Leute und Frauen mit Kindern werden nach Auschwitz weitertransportiert und viele von ihnen dort sofort ermordet.

Als Todesdatum wird für Samuel Salomons und für Emanuel Izaaks der 31.03.1944 angegeben, ein Todesort ist nicht bekannt.

 

Nur Mariannes Brüder Karl Levi Wolff (1909-1989), David Levi Wolff (*1917) und Max Wolff (*20.09.1920 +12.02.2014 San Diego, USA) können in die USA fliehen und somit überleben. Über das Schicksal der jüngsten Schwester Getrud (*1924) wissen wir nur wenig.

 

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Ostfriesische Landschaft
Verlegetermin: 27. Januar 2015

 

 

 

Levy David Wolff

Veröffentlicht: 30. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Wolff, Levy DavidLevy David WOLFF
geboren am 25. September 1877 in Aurich

 

 

 

Straße: Große Mühlenwallstraße 1
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 16.10.1942
Todesort: Auschwitz
In der Großen Mühlenwallstraße 1 wurden die Stolpersteine für Levy David Wolff und seine sechs Kinder – auch für die drei Überlebenden – als eine Art „Familienzusammenführung“ verlegt.

Levy David Wolff wird am 25. September 1877 in Aurich als Sohn des Schlächters David Levy Wolff (1847-1911) und seiner Ehefrau Marianne Wolff geb. von Oss (1855-1931) in Aurich geboren. Er ist das älteste von 15 Kindern. Fünf seiner Geschwister versterben bereits im Kindesalter. Sieben Geschwister – darunter Gelle Wolff, für die wir gerade einen Gedenkstein in der Wallstraße 16 verlegt haben – werden ebenso wie Levy David Wolff Opfer des Völkermordes an den Juden. Drei seiner Geschwister können nach Australien, nach Paraguay bzw. in die USA fliehen.

Levy David Wolff heiratet Julia „Julchen“ Wolff geb. Salomons (1883-1926) aus Lage im Kreis Bentheim. Das Ehepaar bekommt sieben Kinder. Ihr erstes Kind (Marianne *15.04.1908) wird noch in Gildehaus, Kreis Bentheim, geboren, die anderen Kinder in Aurich. Ihr drittes Kind (David Levy Wolff, benannt nach dem Großvater, 1913-1914) verstirbt bereits nach wenigen Monaten. Die Töchter Marianne (1908-1942) und Netta (1915-1842) heiraten in den Niederlanden, werden aber mit ihren Ehemännern und Kindern aufgegriffen, in Westerbork interniert und in Auschwitz ermordet. Nur die Söhne Karl Levi Wolff (1909-1989), David Levi Wolff (*1917) und Max Wolff (*20.09.1920 +12.02.2014 San Diego, USA) können in die USA fliehen und somit überleben. Über das Schicksal der jüngste Tochter Getrud (*1924) wissen wir nur wenig.

Die Familie Levy David Wolff lebt seit Geburt des zweiten Kindes im Jahr 1909 in Aurich und wohnt spätestens seit Anfang der 20ger Jahre in der Großen Mühlenwallstraße 1. Levy David Wolff arbeitet wie viele seiner jüdischen Mitbürgen als Viehhändler. Seine Frau stirbt bereits 1926 als die jüngste Tochter Gertrud erst zwei Jahre alt ist.

Bei ihrem Vater wohnen in der Großen Mühlenwallstr.1 zunächst alle seine Kinder. Kurt arbeitet wie sein Vater als Viehhändler, seine Kinder Netta als Angestellte und David als Kaufmann. Vorübergehend wohnt hier auch der in Vlagtwedde geborene Isaak Salomons (*24.12.1901) aus der Familie des späteren Ehemanns von Levy Davids Tochter Marianne.

Im Januar 1938 muss die Familie Levi David Wolff das Haus in der Großen Mühlenwallstraße 1 verlassen und in die Wallstraße 16 zu Familie Hoffmann ziehen. Zu diesem Zeitpunkt wohnt nur noch die jüngste Tochter Gertrud bei ihrem Vater. In der Wallstraße 16 wohnten früher die Eltern von Levy David Wolff. Levy zieht noch im Januar 1938 zu seiner Tochter Marianne nach Rotterdam, seine Tochter Gertrud zieht am 14. März 1938 in das jüdische Altenheim und Waisenhaus in Emden an der Claas-Tholen-Straße 19. Dort wohnt sie nur etwas mehr als drei Monate. Lt. Meldekarte kehrt sie nach Aurich zurück. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Nachdem deutsche Truppen die Niederlande überfallen und besetzt haben, beginnt auch hier die Judenverfolgung. Levy David Wolff wird Anfang Oktober 1942 in Westerbork inhaftiert, am 16. Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert und nach seiner Ankunft ermordet.
Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.01.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Ostfriesische Landschaft
Verlegetermin: 27. Januar 2015

Carla Samson

Veröffentlicht: 30. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Carla Samson
geboren als Hoffmann am 26. 8. 1906 in Dillingen

 

 

 

Straße: Am Neuen Hafen 2
Carla Samson ist das zweite Kind der Familie Adolf Hoffmann und Hildegard geborene Löw. Sie hat einen zwei Jahre älteren Bruder Ludwig. Carlas Vater Adolf (Aaron) –er stammt aus Aurich, Sohn des Zwi aus der Wallstraße 24 – ist Textilhändler und hat ein großes Kaufhaus in der Stummstraße in Dillingen, bei den ersten Häusern am Platz. Adolf wird Gemeindevorsteher der 1927 gegründeten jüdischen Gemeinde Dillingens. Die Hoffmanns kommen zu großem Wohlstand. Hausbedienstete und Chauffeur und Auslandsaufenthalte bestimmen das Leben der Kinder. Eine zeitgenössische Stimme bezeichnen Ludwig und Carla als verzogene Gören. Carla verbringt eine Zeit in einer Internatsschule in Lausanne. Dies verschafft ihr die Französischkenntnis und auch sonst die Weltläufigkeit einer modernen Frau, die sich nicht in hergebrachtes, rollenbestimmtes Familienleben einfindet.Carla heiratet am 13.04.1928 in Dillingen Josef Samson aus Aurich. Josef Samson ist Viehhändler. Am 3.06.1928 zieht das junge Paar nach Aurich, Am Neuen Hafen 2. Dieses Haus hat ihr Vater 1928 gekauft. Am 30.01.1931 wird Sonja geboren, das einzige Kind. Die Ehe ist jedoch von Anbeginn nicht glücklich. Die Eltern Samson mit bodenständigem ostfriesischem Habitus lehnen die Schwiegertochter ab. Die Familien Samson und Hoffmann, sowohl Dillingen als auch Aurich-Wallstraße, verstehen sich nicht wirklich gut. Ständig gibt es kleine Streits aus Neid oder Eifersucht. Carla ist oft auf Reisen mit vermutlichen Affären und überlässt ihr Kind dem Vater und der Kinderfrau. Aurich ist für sie ein langweiliges Kaff.

Ihr Ehemann Josef lebt streng nach den jüdischen Gesetzen. Carla ist liberal. Dennoch werden die Speiseregeln eingehalten. Koscheres nie bei Trayfes. Es sind vier verschiedene Geschirre in ebenso vielen Schränken im Haus am Neuen Hafen. Es gibt zwei Esstische und zwei separate Spülen.

Carla und ihr Mann erkennen früh die Zeichen der Gefahr der neuen Zeit. Zudem wollen sie an einem neuen Ort einen neuen Anfang aus ihrer schwierigen Ehe machen. Ihre Tochter Sonja bringt sie ein Jahr vorher zu ihren Eltern nach Luxemburg. Am 13. Mai 1937 verlassen sie Aurich und ziehen nach Frankreich nach Rocquigny in den Ardennen. Josef, er kann kein Wort Französisch, bemüht sich schnell darum. Er baut sich wieder einen Viehhandel auf.

Ihre Eltern und ihr Bruder sind schon Ende 1935 nach Ettelbruck in Luxemburg und später nach Belgien ausgewandert. Die Eltern Hoffmann hatten 1935 in der Volksabstimmung im von Frankreich regierten Mandatsgebiet der Saar, nicht für Deutschland gestimmt. Die für Frankreich stimmten, hatten die Option auszuwandern. Sie konnten ihr Geschäft in Dillingen verkaufen und das Vermögen transferieren. 1938 stirbt ihr Vater an Hautkrebs. Carla verspricht ihm noch, nicht mehr am Shabbes noch am Yom Kippur zu rauchen. Das hält sie, obwohl sie Kettenraucherin ist – wie später ihre Tochter Sonja und die vermutlich daran vor der Zeit stirbt.

Carla trifft ihre Tochter Sonja erst in wieder. Frankreich. Carla und Josef beschließen, sich scheiden zu lassen. Ob dies formell vollzogen wurde, ist nicht bekannt, es ist irrelevant: In den folgenden Jahren der zunehmenden Verfolgung durch die Polizeiorgane des Pétain-Regimes stehen sie füreinander ein. Josef, später in Gurs interniert, richtet aus seinem Schweizer Vermögen einen laufenden Unterhalt für seine getrennte Familie ein.

Josef meldet sich im April 1939 freiwillig zur Armee. Doch mit Kriegsausbruch wird er entlassen und im Lager Gurs vor den Pyrenäen als feindlicher Ausländer interniert.

Das Haus Am Neuen Hafen 2 wird nicht im Wege der Arisierung zwangsverkauft, sondern 1940 geht es in den Besitz der Schwiegermutter, der Witwe Hildegard geborene Löw über. Es wird zu einer Sammel- und Durchgangsstation vieler jüdischer Bürger, ein „Judenhaus“ also. Nach 1940 geht es an einen beauftragten Verwalter, den Sparkassendirektor i. R. Blotekamp. 1943, nachdem die Besitzerin Hilde Hoffmann deportiert und ermordet wird, wird es nach § 3 der 11. Durchführungsverordnung zum Reichsbürgergesetz von der Oberfinanzdirektion Oldenburg vereinnahmt. Der Sohn Ludwig, Carlas Bruder wird ebenfalls Opfer der Shoa.

Carla ist mit ihrer Tochter nun allein. Im Mai 1940, bevor deutsche Kanonen Rocquigny bestreichen können, müssen die beiden dieses Departement zur Ostgrenze verlassen. Sie ziehen nach La Roche-sur-Yon an der Atlantikküste. Sie wohnen in einem Hotel. Die Möbel und der Hausrat sind untergebracht.

Die ganze Familie wird mit Übernahme der rassistischen Verfolgungsgesetzte von Vichy kurzeitig in Gurs interniert. Danach leben sie frei in Garlin, einem Dorf in der Nähe. Josef wohnt und arbeitet auf einem Bauernhof im nächsten Ort. Am 26. August 1942 werden Carla und Sonja von der französischen Polizei in einer Razzia aufgebracht, auf einen Lastwagen verladen, auf dem sich der zuvor schon festgenommene Josef bereits befindet und erneut in Gurs inhaftiert. Anfang September 1942 werden sie nach Rivesaltes bei Perpignan verlegt.

Carla ist in diesen Tagen schwer krank. Vermutlich hat sie einen Polypen in der Gebärmutter mit der Folge nicht enden wollender Blutungen. Sie verlangt nach ärztlicher Behandlung. Sie bekommt keine. Alle paar Tage werden Insassen in Listen erfaßt und mit der Bahn abtransportiert. Es soll in ein Lager nach Polen gehen. Einem Ziel, wovon alle wissen, es ist das Ende.

Am 16.09.1942 wird ein neuer Transport zusammengestellt. Alle müssen sich in alphabetischer Reihung aufstellen, auf dass  die Liste getippt wird, Zeile um Zeile in sauberer Ordnung, eine jede vom Leben zum Tod. Carla versucht ihre Tochter bei einer auf dem Lagergelände arbeitenden Hilfsorganisation für jüdische Kinder, der Œuvre de Secours aux Enfants (OSE), abzugeben. Sie soll nicht in die Reihe zur Erfassung. Die Herbergsdame lehnt ab, das Haus ist schon komplett voll mit werdenden Waisen. Dann – nur noch eine Person vor dem Buchstaben S – erscheint plötzlich  die Herbergsmutter und ruft: „Wir nehmen sie doch!“ Sonja wird im letzten Moment aus der Reihe herausgezogen. Der Abtransport der dann komplett Registrierten erfolgt sofort.

Der Zug, Convoi No°33, fährt nach Drancy bei Paris zur Aufnahme weiterer Deportationshäftlinge. Carla schreibt aus dem Zug noch eine Postkarte an ihre Tochter: Sonja uns geht es gut, alles ist gut, … Liebe und Küsse. Das ist ihr letztes Lebenszeichen. Es ist wahrscheinlich, daß Carla und Josef nicht in dem berüchtigten Gebäudekomplex von Drancy zur Zwischensammlung inhaftiert wurden. In nicht ganz sicheren Quellen wurde notiert, daß Carla bereits auf dem Transport nach Auschwitz verstorben ist.

 

Recherche und Eingabe: Jörg Peter (Stand 5.03.2014)
Fotos  – Am Neuen Hafen 2
– Hochzeitsfoto Carla Hoffmann und Joseph Samson
– Carla Samson mit Tochter Sonja, Südfrankreich, Datum unbekannt
– Carla Samson mit Tochter Sonja
Opfergruppe: Jüdische Bürger
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158; Rep. 16/1, 5398http://www.gratz.edu/default.aspx?p=11288 … Abschrift eines Tonbandinterviews mit Sonja Samson aus fünf Audio-Kassetten, durchgeführt am 3. Juni 1985 von Nora Lewin
Patenschaft: Recke, Rolf von der
Verlegetermin: 22. März 2012
- Am Neuen Hafen 2

Am neuen Hafen 2

Carla Hoffman & Joseph Samson wed(1)

Hochzeitsfoto von Carla und Joseph Samson

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Carla Samson mit Tochter Sonja, Südfrankreich, Datum unbekannt

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Carla Samson mit Tochter Sonja

 

Foto von der Stolpersteinverlegung am 22. März 2012 (Günther Lübbers)                                                             

Karoline Käthe Hess

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Hess, Karoline KätheKaroline (Käthe) HESS
geboren am 20. Juni 1901 in Dornum

 

 

 

Straße: Wallstraße 54 (früher 56)
Todesdatum: 3. Mai 1942
Todesort: Litzmannstadt/Lodz
Karoline Hess wird am 20. Juni 1901 in Dornum geboren. Sie ist die Tochter des Schlachters und Viehhändlers Moses Hess und dessen Frau Bertha, geborene Wolffs. Die Familie ist sehr groß und hat insgesamt dreizehn Kinder, Karoline hat zehn ältere und zwei jüngere Geschwister. Die Familie lebt in Dornum in der Bahnhofsstraße 150, dort betreibt der Vater auch seine Viehhandlung mit angeschlossener Schlachterei. Die Familie ist in Dornum gut integriert, ihr Vater ist u.a. Mitglied im Schützenverein – und war sogar 1920 Dornumer Schützenkönig.Karoline hat eine leichte geistige Behinderung und heiratet nicht. Sie arbeitet als Hausmädchen und zieht daher am 7. Juli 1936 nach Aurich. Ihre erste Station ist das Haus in der Wallstraße 56, hier wohnt sie für etwas über ein Jahr, bis zum 1. Dezember 1937, bei ihrer Cousine Bertha Gottheim/Wolff. Es folgt eine Anstellung bei Familie Wolff im Breiten Weg 8, die mit den hier im Haus wohnenden Wolffs verwandt sind, und ab dem 1. April 1938 wohnt Karoline, die meist Käthe genannt wird, in der Marktstraße 2. Im November 1939 wohnt sie schließlich wieder in der Wallstraße, dieses Mal im Haus Nr. 14.

Als sie wie alle jüdischen Einwohner Aurichs im Februar 1940 die Aufforderung erhält, die Stadt bis zum 1. April zu verlassen, siedelt Karoline nach Emden über: In der Schoonhovenstraße gibt es ein jüdisches Altenheim. Hierhin und in das andere jüdische Altenheim in der Claas-von-Tholen Straße werden die alten, sehr gebrechlichen Juden verbracht. Karoline ist zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre alt und wird nicht als Bewohnerin des Altenheims dort gelebt haben, sondern hat möglicherweise im Altenheim als Haushaltshilfe gearbeitet. Die Bewohner der Altenheime sind die letzten Juden, die schließlich noch in Emden leben.

Am 18. Oktober 1941 werden die Emder Juden zum Altenheim in der Claas-von-Tholenstraße gebracht, wo ihre Namen aufgenommen werden. 23 sehr gebrechliche Personen, die nicht mit dem Zug transportiert werden können, werden am 22. Oktober mit einem Omnibus in das jüdische Altenheim in Varel und später weiter nach Theresienstadt deportiert. Karoline gehörte zu den übrigen Menschen, die Emden am Tag darauf, dem 23. Oktober, verlassen müssen: Per Eisenbahn werden Karoline und 121 weitere Emder Juden über Berlin nach Litzmannstadt/ Lodz deportiert.

Die Lebensbedingungen im Ghetto sind katastrophal, die Menschen müssen in baufälligen Wohnungen mit mangelhaften sanitären Anlagen leben, es gibt nicht genügend Brennmaterial und und viel zu wenige Lebensmittel. Immer wieder brechen Typhusepidemien aus. Das Ghetto ist bereits überbelegt, als im September 1941 beschlossen wird, weitere 20.000 Menschen, unter ihnen Karoline, dorthin zu deportieren. Als Karoline am 25. Oktober, nach zwei Tagen Zugfahrt und einem Marsch von vier Kilometern vom Bahnhof ins Ghetto, ihre neue Unterkunft schließlich sieht, muss sie entsetzt gewesen sein.

Trotz der schrecklichen Bedingungen und des harten Winters gelingt es Karoline zunächst, zu überleben – die Behandlung der Juden im Ghetto zielte darauf ab, dass möglichst viele durch Unterernährung und Krankheit zu Tode kamen, die Überlebenden wurden schließlich im angeschlossenen, nur 60 Kilometer entfernten Vernichtungslager Kulmhof (Chelmo) ermordet. Karoline stirbt am 3. Mai 1942 im Ghetto, nur einen Tag, bevor die dritte Vernichtungswelle in Kulmhof eingeleitet wird. Es ist unklar, auf welche Weise sie zu Tode kommt. Karoline wurde 41 Jahre alt.

 

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 16/1, Nr. 4412; Rep. 248, Nr. 953; Rep. 251, Nr. 612.
Literatur: Rolf Uphoff: Reise ohne Wiederkehr, Wege in das Grauen. Die Deportation der letzten jüdischen Bürger Emdens, Nordens und Aurichs, Emden 2011.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Litzmannstadt, Zugriff vom 16.01.2015.

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_Dornum, Zugriff vom 13.12.2014.

http://www.alemannia-judaica.de/dornum_synagoge.htm, Zugriff vom 13.12.2014

http://www.emden-lodz.de, Zugriff vom 16.01.2015.

Patenschaft: Gisela Bergmann
Verlegetermin: 27. Januar 2015

 

 

Menno Hoffmann

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Hoffmann, MennoMenno HOFFMANN
geboren am 26. März 1926 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 9.12.1942
Todesort: Auschwitz/Lodz

Menno Hoffmann 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

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Menno Hoffmann wird am 26. März 1926 in Aurich geboren. Er ist das erste Kind des Pferde- bzw. Viehhändlers Friedrich Hoffmann und dessen Frau Rahel, geb. Wolff. Menno hat zwei jüngere Schwestern, Jutta, die eineinhalb Jahre nach ihm geboren wird und bereits im Alter von 18 Monaten verstirbt und Mirjam, die am 23. September 1929 zur Welt kommt. Menno und seine Schwester wachsen in Aurich wohl recht behütet auf, die Geschäfte des Vaters laufen zunächst gut und Mutter Rahel wird im Haushalt regelmäßig von Dienstmädchen unterstützt. Zudem leben die Großeltern sowie viele Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen von Menno in der Stadt, denn die Familien seiner Eltern sind „alteingesessene“ Auricher.

Seit März 1929 wohnt die Familie im Haus in der Wallstraße 16, das Mennos Großeltern mütterlicherseits gehört und vor dem die Stolpersteine verlegt werden. Im Haus wohnen auch Mennos Tante Gelle, eine Schwester seiner Mutter, sowie bis zu ihrem Tod 1931 Großmutter Marianne.

Bald nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten ändert sich die gute finanzielle Lage der Familie, doch Vater Friedrich tut sein Bestes, um für seine Frau und seine Kinder zu sorgen. Den Viehhandel muss er offensichtlich aufgeben, doch ist er später als Kohlenhändler und letztlich als Arbeiter tätig. Möglicherweise wird er wie andere jüdische Männer aus Aurich als Arbeiter im Straßenbau eingesetzt. Immerhin gelingt es der Familie, das Haus in der Wallstraße noch lange in Besitz zu halten. Erst am 4. März 1940 verkauft Mennos Vater schließlich das Haus: Alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde hatten zu Beginn des Jahres 1940 die Aufforderung erhalten, Ostfriesland bis zum 1. April des Jahres zu verlassen – Aurich sollte „judenrein“ werden.

Mennos Eltern beschließen, nach Berlin zu fliehen, denn dort hat die Familie Verwandte: Zwei Schwestern seiner Mutter, Bertha Wolff und Dora Herzog, leben dort. Menno soll seine Eltern jedoch nicht nach Berlin begleiten, seine Eltern haben für den inzwischen Vierzehnjährigen einen Platz in einem Vorbereitungscamp gefunden.

In Steckelsdorf im Kreis Rathenow in Brandenburg gab es ein Umschulungsgut, das junge Menschen auf eine Auswanderung nach Israel vorbereiten sollte. Das Gut ist zugleich ein Kinderheim, Menno lebt vermutlich mehrere Jahre dort. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf dem Erlernen gärtnerischer und landwirtschaftlicher Berufe. Es ist unklar, bis wann Menno in Steckelsdorf bleibt, die Ausbildungsstätte wird jedoch am 21. Mai 1942 von den Nationalsozialisten geschlossen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt kehrt Menno zu seinen Eltern zurück und lebt in Berlin.

Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester Mirjam wird er 9. Dezember 1942 von Berlin aus nach Auschwitz deportiert. Der Zug brachte die ganze Familie direkt ins Vernichtungslager. Hier verliert sich ihre Spur. Menno wurde sechzehn Jahre alt.

 Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)
Foto:  Kennkarte, Staatsarchiv Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Hauseigentümer Juni 1939; Rep. 251, Nr. 819; Rep. 107, Nr. 1268; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 249b, Nr. 208
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10. 10.2014
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-8.jpg, Zugriff vom 18.12.2014
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-7.jpg
Literatur: http://www.spurensuche-online.net/zeitzeugen/roberg/steckelsdorf.html
http://www.geni.com/people/Fritz-Hoffmann/5190405380500123758
http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp
http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php, Zugriff vom 18.12.2014
http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Moabit#Moabit_als_G.C3.BCterbahnhof, Zugriff vom 18.12.2014
Patenschaft: Johann-Peter Schmidt
Verlegetermin: 27. Januar 2015

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Mirjam Hoffmann

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Hoffmann, MirjamMirjam HOFFMANN
geboren am 23. September 1929 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 9.12.1942
Todesort: Auschwitz/Lodz

Mirjam Hoffmann 1939, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mirjam Hoffmann ist das dritte und jüngste Kind von Friedrich Hoffmann und dessen Frau Rahel, geb. Wolff. Sie wird am 23. September 1929 in Aurich geboren. Mirjam hat einen großen Bruder, Menno, der dreieinhalb Jahre älter ist als sie. Ihre ältere Schwester Jutta hat sie nie kennen gelernt – Jutta verstarb im Alter von 18 Monaten ein halbes Jahr vor Mirjams Geburt.Die Familie lebt im Haus in der Wallstraße 16, dem Elternhaus von Mirjams Mutter Rahel. Im Haus wohnen neben Mirjam, ihren Eltern und ihrem Bruder auch Mirjams Tante Gelle sowie bis zu ihrem Tod 1931 Mirjams Großmutter Marianne. Da die Familien beider Eltern von Mirjam schon lange in Aurich leben, wohnen zudem viele weitere Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen von Mirjam in der Stadt oder der näheren Umgebung.

Mirjams Vater Friedrich ist Viehhändler, er hat sich wie ein Vater auf den Pferdehandel spezialisiert, und bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten laufen die Geschäfte gut, sodass Mirjams Mutter im Haushalt bis 1936 durchweg von Dienstmädchen unterstützt wird. Schon bald nach 1933 muss Mirjams Vater jedoch den Viehhandel aufgeben und die Situation für die Familie ändert sich nicht nur finanziell zum Schlechteren. Wie die übrigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde haben die Hoffmanns unter Schikanen und Repressalien zu leiden. Friedrich Hoffmann tut sein Bestes, um die Familie zu ernähren, er ist zunächst als Kohlenhändler und schließlich als Arbeiter tätig.

Als alle Auricher Juden Anfang 1940 aufgefordert werden, Ostfriesland zu verlassen, verkaufen Mirjams Eltern das Haus und beschließen, nach Berlin zu gehen. Allerdings wissen sie wie viele andere Familien nicht, ob sie schnell bzw. überhaupt eine Wohnung finden würden. Die jüdische Gemeinde in Aurich hatte daher gemeinsam mit anderen ostfriesischen und der Hildesheimer jüdischen Gemeinde eine Notlösung organisiert, um zumindest die Kinder der Vertriebenen sicher unterzubringen: In Hildesheim gab es eine jüdische Volksschule, die nun zu einem Kinderheim umfunktioniert wird. Am 20. Februar 1940 muss sich Mirjam von ihrem großen Bruder verabschieden – dieser wird von den Eltern nach Steckelsdorf, auf ein Ausbildungsgut, geschickt, wo er auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet werden soll. Zwei Tage später verlässt Mirjam selbst ihre Eltern und Ostfriesland und zieht nach Hildesheim um, sehr wahrscheinlich in das Kinderheim. Der Elfjährigen ist es sicher nicht leicht gefallen, sich auf unbestimmte Zeit von ihrer Familie zu trennen.

Eine Aufnahme aus dem jüdischen Kinderheim „Am Lappenberg“ zeigt ein etwas schüchtern schauendes, aber breit lächelndes Mädchen, das mit großer Wahrscheinlichkeit als Mirjam Hoffmann identifiziert werden kann (2. v. l. stehend in der 1. Reihe, Foto ca. September 1940). Die Mitarbeiter im Heim haben sicher alles getan, um den Kindern den Aufenthalt so angenehm wie irgend möglich zu machen.

Es ist unklar, wann Mirjam zu ihren Eltern zurückkehren konnte, doch lebt sie spätestens ab März 1942 (als das jüdische Kinderheim von den Nationalsozialisten geschlossen wirde) wieder in Berlin, in der Weinmeisterstraße Nr. 10, zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder.

Am 9. Dezember 1942 müssen sich alle vier am Bahnhof Berlin-Moabit einfinden, einem Güterbahnhof. Von dort aus wird die Familie gemeinsam mit 996 anderen Menschen direkt nach Auschwitz deportiert. Der Zug kommt einen Tag später, am 10. Dezember, im Vernichtungslager an. Über Mirjams weiteres Schicksal ist nichts bekannt – sicher wurde sie bereits am Tag der Ankunft in Auschwitz ermordet. Mirjam wurde 13 Jahre alt.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)
Foto:  Kennkarte, Staatsarchiv Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Hauseigentümer Juni 1939; Rep. 251, Nr. 819; Rep. 107, Nr. 1268; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 249b, Nr. 208
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10. 10.2014
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-8.jpg, Zugriff vom 18.12.2014
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-7.jpg
Literatur: http://www.spurensuche-online.net/zeitzeugen/roberg/steckelsdorf.html
Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim Bd. 79 (2007), S. 219-232.
http://www.geni.com/people/Fritz-Hoffmann/5190405380500123758
http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp
http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php, Zugriff vom 18.12.2014
http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Moabit#Moabit_als_G.C3.BCterbahnhof, Zugriff vom 18.12.2014
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 9. Februar 2022

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Rahel Hoffmann geb. Wolff

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Hoffmann, Rahel geb(1)Rahel HOFFMANN geb. Wolff
geboren am 19. August 1892 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 9.12.1942
Todesort: Auschwitz/Lodz

Rahel Hoffmann geb. Wolff, Foto der Kennkarte, NLA Aurich

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Rahel Hoffmann wird am 19. August 1892 in Aurich geboren. (Auf dem Gedenkstein steht der Name „Rachel“, da ihr Name entsprechend im jüdischen Geburtenregister geschrieben steht. In späteren Verzeichnissen wird sie ohne „c“ geschrieben, so auch als Mutter im jüdischen Geburtenregister.)
Sie ist die Tochter des Viehhändlers David Levy Wolff und dessen Frau Marianne, geb. van Oss. Die Familie ist sehr kinderreich: Rahel hat vierzehn Geschwister, allerdings versterben fünf von ihnen bereits im Kleinkindalter.Am 10. Mai 1925 heiratet Rahel Friedrich Hoffmann, dessen Vater Meyer auch im Viehhandel tätig ist. Friedrich und Meyer Hoffmann haben sich jedoch auf den Pferdehandel spezialisiert.Das junge Paar zieht zunächst in die Leerer Landstr. Nr. 40 und bald darauf in die Norderstr. 11.Am 26. März 1926 bekommt Rachel ihr erstes Kind: Sohn Menno wird geboren. Rund eineinhalb Jahre später, am 15. Oktober 1927, kommt Töchterchen Jutta auf die Welt. Die junge Familie zieht nun in die Ukenastraße 2 in Aurich, das Haus gehört der Familie von Rahels Mann Friedrich. Finanziell geht es der Familie recht gut und Rahel wird im Haushalt von Dienstmädchen unterstützt.Das Jahr 1929 muss für Rahel ein Wechselbad der Gefühle gewesen sein: Ihre Tochter Jutta verstirbt am 13. Februar in Münster – zu diesem Zeitpunkt ist Rahel zugleich mit ihrem dritten Kind schwanger. Am 23. September wird Tochter Mirjam geboren.
Kurz nach dem Tod von Jutta war die kleine Familie erneut umgezogen. Rahel, ihr Mann und ihr Sohn Menno zogen am 4. März 1929 in Rachels Elternhaus in der Wallstraße 16. Die ursprünglich gute wirtschaftliche Lage der Familie muss sich nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten rasch eingetrübt haben. Rahels Mann Friedrich muss den Viehhandel aufgeben, er ist nacheinander zunächst als Kohlenhändler und letztlich als Arbeiter tätig. Dennoch gelingt es der Familie, das Haus zu halten. Erst als Rahel und ihr Mann wie alle übrigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde die Aufforderung erhalten, Aurich bis zum 1. April 1940 zu verlassen, verkauft ihr Mann das Haus.Rahel und Friedrich ziehen nach Berlin, dort leben bereits zwei Schwestern von Rachel. Wie viele aus Ostfriesland vertriebene Juden hofft sicher auch Rachel auf eine zumindest etwas bessere Situation in einer größeren jüdischen Gemeinde in einer Großstadt. Langfristig scheinen Rahel und ihr Mann aber zumindest für ihre Kinder keine Zukunft in Deutschland gesehen zu haben, denn sie melden Menno zur Ausbildung auf dem jüdischen Umschulungsgut „Landwerk“ in Steckelsdorf an. Menno soll dort auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet werden. Auch von ihrer Tochter Mirjam muss sich Rahel beim Wegzug aus Aurich zumindest vorübergehend verabschieden. Auf der Einwohnermeldekarte ist vermerkt, die elfjährige Mirjam sei allein nach Hildesheim verzogen: Vermutlich lebt Mirjam dort im Kinderheim „Am Lappenberg“. Dort werden viele Kinder aus Ostfriesland zunächst untergebracht, bis ihre Eltern eine neue Bleibe gefunden haben.Rahel und Friedrich finden in Berlin eine Unterkunft in der Weinmeisterstr. 10 und holen Mirjam schließlich wieder zu sich. Spätestens ab Ende Mai 1942 lebt auch Menno wieder bei seinen Eltern, denn die Nationalsozialisten schließen das Ausbildungsgut. Die Familie ist somit im Sommer 1942 wieder vereint.
Am 9. Dezember 1942 müssen sich Rahel, ihr Mann Friedrich und ihre beiden Kinder am Bahnhof in Berlin-Moabit einfinden – einem Güterbahnhof. Sie werden von hier aus mit dem „Osttransport Nr. 24“ direkt nach Auschwitz deportiert. Der Zug kommt am 10. Dezember 1942 im Vernichtungslager Auschwitz an, Rahel und ihre Familie werden vermutlich noch am gleichen Tag ermordet.
Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)
Foto:  Kennkarte, Staatsarchiv Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Hauseigentümer Juni 1939; Rep. 251, Nr. 819; Rep. 107, Nr. 1268; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 249b, Nr. 208
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10. 10.2014
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-7.jpg, Zugriff vom 18.12.2014
Literatur: http://www.spurensuche-online.net/zeitzeugen/roberg/steckelsdorf.html
Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim Bd. 79 (2007), S. 219-232.
http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp
http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php, Zugriff vom 18.12.2014
http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Moabit#Moabit_als_G.C3.BCterbahnhof, Zugriff vom 18.12.2014
Patenschaft: Markus Schulte-Hötzel
Verlegetermin: 27. Januar 2015

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Daniel Samuel Wolff

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Daniel Samuel WOLFF
geboren am 18. Oktober 1895 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 54/54a
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 28. September 1944)
Todesort: Auschwitz

Daniel Samuel Wolff (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Daniel Wolff wird am 18. Oktober 1895 in Aurich geboren. Er ist das achte von neun Kindern des Schlachters und Viehhändlers Samuel Wolff und dessen Ehefrau Caroline, geborene Löwenthal. Daniel tritt in die Fußstapfen seines Vaters und wird wie dieser Schlachter und Viehhändler.

Am 19. Februar 1920 heiratet Daniel Henny Hartogsohn, die Tochter von Asher Elias Hartogsohn und dessen Frau Sara, geb. Hartogsohn in Emden. Das junge Paar lässt sich nach der Hochzeit in Aurich nieder, und hier werden auch die vier Kinder von Daniel geboren: Am 5. Februar 1921 kommt Tochter Caroline zur Welt, eineinhalb Jahre später folgt die zweite Tochter Senta Sara, die mit Zwischennamen nach ihrer Großmutter benannt wird. Wieder eineinhalb Jahre darauf, genau am Hochzeitstag von Daniel und Henny am 19. Februar 1924, wird ihr erster Sohn Ernst geboren, der sich heute nach seinem Großvater Asher nennt. Am 8. Mai 1929 erblickt schließlich das Nesthäkchen der Familie das Licht der Welt: Sohn Helmut.

Die junge Familie wohnt in Aurich zunächst in der Fockenbollwerkstraße Nr. 12, später Nr. 16. Am 29. April 1936 erfolgt schließlich der Umzug in das Haus in der Wallstraße 56, wo die Stolpersteine verlegt werden. Die Familie hat die gesamte obere Etage mit sieben Räumen gemietet. Bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten laufen die Geschäfte von Daniel offenbar gut, davon zeugen beispielsweise die zahlreichen Hausmädchen, die auf der Einwohnermeldekarte vermerkt sind und die Henny zur Hand gehen.

Die positive Situation der Familie änderte sich jedoch rasch nach dem 30. Januar 1933, denn die Familie hatte nun wie alle übrigen Angehörigen der jüdischen Gemeinde unter den Schikanen und Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden. Daniel muss seinen Betrieb als Schlachter und Viehhändler aufgeben – auf einer Aufstellung aus dem Jahre 1939 ist vermerkt, dass er als „Arbeiter“ tätig sei. Mehrere Brüder von Daniel wandern bereits mit Machtantritt der Nationalsozialisten mit ihren Familien aus: Jonas emigriert in die USA, Hermann und Levi (Louis) in die Niederlande. Spätestens ab der Pogromnacht am 9. November 1938 macht sich auch Daniel Gedanken darüber, Deutschland zu verlassen: Wie alle erwachsenen männlichen Juden wird in der Pogromnacht auch Daniel zunächst verhaftet und zur Bullenhalle in der Emder Straße gebracht. Hier müssen die Männer Exerzierübungen machen und zur Erheiterung der Anwesenden Gebete und Lieder singen. Am Morgen werden sie dann zum Ellernfeld gebracht, wo sie den ganzen Tag lang unsinnige Erdarbeiten und weitere Marschierübungen ausführen müssen. Erst am Abend bringt man die Männer ins Auricher Gefängnis und gibt ihnen zu trinken und zu essen, wobei viele Sorge haben, das angebotene Essen zu sich zu nehmen, da das Fleisch wohl nicht koscher war. Am nächsten Morgen werden die Verhafteten ins KZ Sachsenhausen verbracht, von wo die meisten erst im Laufe des Januar 1939, teilweise schwerstkrank, zurückkehren.

Daniel hat noch einmal Glück – er gehört zu den wenigen Männern, die nach der Nacht im Gefängnis freigelassen werden. Der Grund für die Freilassung ist, dass Daniel im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war. Der Umstand, dass der Familie kein Haus gehörte, spielte aber möglicherweise auch eine Rolle, denn die Verhaftung und Verschleppung der Familienväter und somit „Ernährer“ zielte darauf ab, die Juden endgültig finanziell zu ruinieren und zum Verkauf ihres Besitzes zu zwingen.

Spätestens die Erlebnisse dieser Tage haben Daniel die Augen geöffnet – möglicherweise hatte er zuvor, wie viele andere Juden auch geglaubt, er und seine Familie seien aufgrund seines Engagements im Ersten Weltkrieg vor zu weitgehenden Übergriffen gefeit. Kurz nach der Pogromnacht schickt Daniel seinen vierzehnjährigen Sohn Ernst in die Niederlande zu seinem Bruder Hermann. Er selbst plant, mit seiner Frau und dem zehnjährigen Sohn Helmut nachzukommen, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges macht diese Pläne letztendlich zunichte.

Als alle jüdischen Einwohner Aurichs Anfang 1940 die Aufforderung erhalten, Ostfriesland bis zum 1. April zu verlassen, ziehen Daniel und Henny nach Dortmund, in die Märkische Straße 70, um. Später sind sie unter der Adresse Ostenhellweg 41 gemeldet. Da sie nicht wissen, ob und wann sie eine ausreichend große Unterkunft finden, wird der elfjährige Helmut in Köln, vermutlich in einem jüdischen Kinderheim, untergebracht. Viele Kinder aus Ostfriesland wurden damals vorübergehend nach Köln oder Hildesheim geschickt. Daniels Töchter Caroline und Senta wohnen zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in Aurich: Caroline lebt in Frankfurt und Senta auf dem Gehringshof bei Fulda, wo sie sich auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet.

Sowohl Helmut als auch Senta ziehen wieder zu ihren Eltern nach Dortmund, wobei das genaue Datum hierfür nicht bekannt ist und einiges dafür spricht, dass Senta unter einer anderen Adresse als ihre Eltern gemeldet war: Senta wird bereits am 30. April 1942 nach Zamosc deportiert, hier verliert sich ihre Spur.

Daniel, seine Frau Henny und ihr Sohn Helmut werden am 29. Juli 1942 von Dortmund aus nach Theresienstadt deportiert. Sie leben über zwei Jahre in dem Ghetto und treffen dort sogar Ernst wieder, der nach der Besetzung Hollands über Westerbork nach Theresienstadt deportiert worden war. Ernst bleibt jedoch nur drei Monate in Theresienstadt und wird ins Arbeitslager nach Auschwitz verbracht.

Am 28. September 1944 muss sich Daniel von seiner Frau und seinem Sohn Helmut verabschieden: Er wird von Theresienstadt nach Auschwitz, ins Vernichtungslager, deportiert. Er wird dort vermutlich direkt nach seiner Ankunft ermordet. Daniel wurde 58 Jahre alt. Sein Sohn Helmut und seine Frau Henny werden nur acht Tage nach ihm nach Auschwitz deportiert und dort ebenfalls umgebracht. Lediglich zwei seiner Kinder, Ernst und Caroline, überleben den Holocaust.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)
Foto:
Kennkarte v. 31. Juli 1939, Staatsarchiv Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943
http://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp? book=133459&lang=eng&site=gfh, Zugriff vom 12.10.2014
http://www2.holocaust.cz/de/victims/PERSON.ITI.696814, Zugriff vom 12.10.2014
http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=5628610&language=en
http://www.statistik-des-holocaust.de/X1-4.jpg, Zugriff vom 15.12.2014
Literatur: http://records.ancestry.com/henny_hartogsohn_records.ashx?pid=76251347, Zugriff vom 12.10. 2014
https://stolpersteineaurich.wordpress.com/1914/12/08/levi-louis-wolff/, Zugriff vom 3.12.2014
http://de.wikipedia.org/wiki/Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014
http://fuldawiki.de/fd/index.php?title=Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10.10.2014
http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp
Patenschaft: Ulrich Rehwald
Verlegetermin: 27. Januar 2015

wolff transportliste

Ernst Wolff

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Ernst/Asher WOLFF
geboren am 19. Februar 1924 in Aurich

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Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: 13. Januar 2021
Todesort: Nazareth
Ernst Wolff wird am 19. Februar 1924 in Aurich geboren. Er ist der Sohn des Viehhändlers Daniel Wolff und dessen Frau Henny, geborene Hartogsohn. Ernst hat zwei ältere Schwestern, Caroline und Senta, die drei bzw. eineinhalb Jahre älter sind als er. Als Ernst viereinhalb Jahre alt ist, wird sein Bruder Helmut geboren.
Die Kinder wachsen in Aurich behütet auf, die Familie Wolff ist in Aurich „alteingesessen“ und Ernsts Vater Daniel hat eine ganze Reihe von Geschwistern, die in Aurich und der näheren Umgebung leben. Die Familie wohnt zunächst in der Fockenbollwerkstraße Nr. 12, später in Nr. 16. Die Geschäfte des Vaters laufen gut, sodass Henny, Ernsts Mutter, im Haushalt regelmäßig von Hausmädchen unterstützt wird.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 ändert sich diese positive Situation grundlegend: Noch im selben Jahr wird ein Gesetz erlassen, dass das Schächten von Tieren verbietet und damit Ernsts Vater die Ausübung seines Berufes unmöglich macht. Drei von Ernsts Onkeln verlassen Deutschland bereits in jenem Jahr: Jonas emigriert in die USA, Hermann und Levi (genannt Louis) ziehen in die Niederlande.Daniel, Ernsts Vater, bleibt mit seiner Familie jedoch zunächst in Aurich, er ist nach der Aufgabe seines Betriebes als Arbeiter tätig. Da er im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war, hofft er möglicherweise auch, dass ihm und seiner Familie zu weitgehende Schikanen erspart bleiben.
1936 zieht die Familie in das Haus in der Wallstraße 56 um, hier bewohnen die Wolffs fortan die gesamte obere Etage. Bald nach dem Umzug ziehen Ernsts Schwestern kurz nacheinander aus: Caroline geht nach Frankfurt und Senta beginnt bei Familie Sternberg als Hausmädchen.Die Ereignisse des 09. November 1938 beweisen jedoch Daniel, dass seine Familie in Deutschland nicht mehr sicher ist. Daniel und Henny beschließen daher, Ernst ins Ausland zu schicken, sie selbst wollen später mit Helmut, ihrem jüngsten Sohn, nachkommen. Ernst zieht daher im Dezember 1938 zu seinem Onkel Hermann und dessen Familie nach Haren in die Niederlande. Ernsts Eltern bemühen sich zudem, für ihren vierzehnjährigen Sohn einen Platz in einem Ausbildungsgut zu bekommen, denn mit einer abgeschlossenen landwirtschaftlichen Ausbildung hatte man die Möglichkeit, von der britischen Regierung die Genehmigung für eine Einwanderung nach Israel zu erhalten. Der Krieg und die Besetzung der Niederlande machen jedoch sämtliche Pläne zunichte.

Im Juli 1942 wird Ernst gemeinsam mit der gesamten Familie seines Onkels – seiner Tante Jeanette und seinen Cousins Adolf, Siegbert, Louis, Ewald und Werner – ins Lager Westerbork verbracht und dort für über eineinhalb Jahre inhaftiert.

Im Januar 1944 wird Ernst von Westerbork nach Theresienstadt deportiert, wo er seine Eltern und seinen Bruder Helmut wiedersieht: Nachdem im Februar 1940 der Befehl erteilt worden war, dass alle Juden Ostfriesland bis zum 1. April 1940 zu verlassen hatten, waren Daniel, Henny und Helmut Wolff nach Dortmund übergesiedelt. Von dort waren sie am 29. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Das Wiedersehen mit seinen Eltern und seinem Bruder war jedoch nicht von langer Dauer, denn er wurde bereits im April 1944 nach Auschwitz deportiert.

Im Juli 1944 geht seine Odyssee weiter: Ernst wird ins KZ-Außenlager Schwarzheide nördlich von Dresden gebracht, wo er als Zwangsarbeiter dazu eingesetzt wird, die durch alliierte Bombardierung zerstörte Braunkohlen- und Benzin AG (Brabag, heute BASF) wieder in Stand zu setzen. Für diese Arbeit waren 1000 Häftlinge aus Auschwitz angefordert worden – im April 1945 werden die Arbeiten für die Häftlinge überraschend eingestellt: Die zu diesem Zeitpunkt noch lebenden rund 600 Gefangenen werden am 18. April auf einen Todesmarsch nach Theresienstadt geschickt. Als sie am 8. Mai 1945 dort ankommen, lebt nur noch ein Drittel der Häftlinge, rund 400 Menschen starben an Krankheit und Erschöpfung oder waren unterwegs vom Wachpersonal erschossen worden. Der inzwischen zwanzigjährige Ernst ist bei der Ankunft in Theresienstadt auf 27 Kilogramm Körpergewicht abgemagert und schwer an Tuberkulose erkrankt.

Nach seiner Genesung kehrt er in die Niederlande zurück, wo er erfährt, dass einzig seine Schwester Caroline den Holocaust überlebt hat – ihr war noch im August 1940 die Auswanderung nach Palästina geglückt. Die Familie seines Onkels Hermann wurde vollständig ausgelöscht. Ernst tritt in den Niederlanden in ein Ausbildungszentrum nahe Utrecht ein, um sich auf eine Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Hier lernt er Riwka Meefout kennen, die er später heiraten sollte.
1946 emigrieren Ernst und Riwka gemeinsam nach Palästina, wie schon Ernsts Schwester Caroline auf illegalem Wege: Noch immer war die Einwanderung nach Palästina von der britischen Regierung beschränkt, die Situation sollte sich erst mit der Gründung des Staates Israel 1948 verbessern.

Das Schiff „Biriah“, das Ernst und Riwka nach Palästina bringen soll, wird jedoch von den Briten aufgebracht und beide werden zunächst für sechs Wochen im Lager Atlit festgehalten – dem gleichen Lager, in dem sechs Jahre zuvor bereits Ernsts Schwester Caroline interniert war. Nach ihrer Freilassung lassen sich Ernst und Riwka zunächst im Kibbuz Kfar Giladi nieder, 1949 ziehen sie nach Moshav Regba und später nach Kiryat Bialik. Das Paar bekommt drei Söhne. Ernst ändert seinen Vornamen: Nach seinem Großvater, dem Vater seiner Mutter Henny, nennt er sich Asher. Den größten Teil seines beruflichen Lebens ist er für die israelische Marine tätig, später arbeitete er zudem als ziviler Angestellter für die israelische Armee (IDF).

Ernst/Asher Wolff (2014)
Asher ist 91 Jahre alt und lebt in einem Altenheim in Haifa, als das obige Foto entsteht. Seine Frau Riwka starb nach 68 gemeinsam verbrachten Jahren im Oktober 2014, Asher vermisste sie sehr.

Günther Lübbers und Ernst Wolff bei einem Besuch im Museum von Kiryat Bialik in Israel im Mai 2014

In einem Telefongespräch im Januar 2015 erklärte er, wie wichtig es für ihn sei, dass in Aurich Stolpersteine verlegt werden: Keinen Tag seines Lebens habe er vergessen können, was ihm und seiner Familie damals angetan worden sei, und es sei wichtig, die Erinnerung wach zu halten. Etwas Derartiges darf sich niemals wiederholen.

Über Freunde aus Haren in den Niederlanden erhielten wir die traurige Nachricht, dass Ernst Wolff am 13. Januar 2021 in Israel verstorben ist. Er hatte sich mit Covid-19 infiziert. Ernst erlag der Krankheit im Krankenhaus in Nazareth. Er wurde 97 Jahre alt. Zuletzt lebte er im Altersheim Beit Horiem in Haifa, nachdem er seine liebe Gattin Riwka bereits am 3. Oktober 2014 zu Grabe tragen musste.
Ernst wurde am 19. Februar 1924 in Aurich in der Wallstraße 56 geboren. Hier wurden am 27. Januar 2015 für ihn und seine Familie fünf Stolpersteine verlegt. Sein Sohn Jair war dazu aus Israel angereist. Die Fotos entstanden bei der Stolpersteinverlegung sowie bei der abendlichen Gedenkveranstaltung (Jair und Tito Wolff aus Buenos Aires).

Im Jahre 2013 wurde Ernst Wolff von Jörg Armbruster (er schrieb auch das Vorwort für das Auricher Stolpersteinbuch) in Israel besucht. Er interviewte ihn für sein Buch „Willkommen im gelobten Land? Deutschstämmige Juden in Israel“, welches 2016 im Verlag Hoffmann und Campe mit der ISBN978-433-50417-0 erschienen ist.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943http://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp? book=133459&lang=eng&site=gfh, Zugriff vom 12.10.2014
Literatur: http://records.ancestry.com/henny_hartogsohn_records.ashx?pid=76251347, Zugriff vom 12.10. 2014http://www.schoah.org/schoah/todesmarsch.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Au%C3%9Fenlager_Schwarzheide

http://de.wikipedia.org/wiki/Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://fuldawiki.de/fd/index.php?title=Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

http://de.wikipedia.org/wiki/Atlit

http://www.hagalil.com/israel/geschichte/palaestina-5.htm

https://stolpersteineaurich.wordpress.com/1914/12/08/levi-louis-wolff/, Zugriff vom 3.12.2014

Patenschaft: Elfriede und Günther Lübbers
Verlegetermin: 27. Januar 2015