Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Ludwig Abraham Wolff

Veröffentlicht: 27. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Ludwig Abraham WOLFF Ludwig Abraham Wolff
geboren am 14. Oktober 1905 in Aurich

 

 

 

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: 31. März 1944
Todesort: Cosel/Kosel (heute: Kozle in Polen)
Ludwig Abraham Wolff wurde am 14. Oktober 1905 als zweites von neun Kindern der Eheleute Abraham Wolff und Hedwig Wolff geb. van der Walde geboren, die in der Lilienstraße 12 wohnten. Das Haus gehörte seit 1907 dem Vater, später (ab 1926) der Mutter.
Ludwig Wolff wurde, wie auch sein Vater, Viehhändler. Der Vater starb im Dezember 1923, als Ludwig 18 Jahre alt war. Am 16. Juni 1936 heiratete er Johanna Samson (*28.02.1913), die auch aus Aurich stammte. Sie hatten zusammen drei Kinder: Albert, Simon und Hedwig. Das älteste, Albert, wurde am 20.8.1937 in Aurich geboren.
Am 25. März 1938 floh die damals noch 3-köpfige Familie nach Beilen in Holland und wohnte dort zunächst in der Marktstraße. Als spätere Adresse ist „Eursingerweg 1“ zu finden.
Der zweite Sohn Simon wurde am 11. November 1938 in Beilen geboren und die Tochter Hedwig am 6. Juni 1941.
Ludwig Wolff arbeitete in Beilen als Landarbeiter.
Anfang Oktober 1942 wurde er mit seiner Familie im Lager Westerbork inhaftiert und am 6. November 1942 mit ihnen nach Auschwitz deportiert.
Gestorben ist Ludwig Wolff am 31. März 1944.
Als Todesort gibt die Westerbork-Liste für ihn „Midden-Europa“ an, an anderer Stelle Cosel (ein Landkreis im heutigen Polen), also nicht Auschwitz. Daher erscheint es denkbar, dass Ludwig Wolff noch in einem der Zwangsarbeitslager im oberschlesischen Industriegebiet arbeiten musste und dort mit 38 Jahren umgekommen ist. Es gab Ende 1943 über 500 KZ-Außenlager, die Industriebetrieben zugeordnet waren.
Wahrscheinlich hat Ludwig Wolff noch einige Zeit gelebt, weil er möglicherweise in Cosel/Kosel (in der Nähe von Oppeln, Oberschlesien) aus dem Transport geholt worden; zwischen August und Dezember 1942 werden arbeitsfähige Männer von der SS aus den Transporten geholt und in Arbeitslager gebracht. Zwischen dem 26. August und dem 9. November 1942 lässt die SS „Organisation Schmelt“ mit Erlaubnis Himmlers mehrere Deportationszüge aus Westeuropa in Kosel halten, um dort insgesamt 8.000 bis 10.000 kräftige Juden als Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Alte Leute und Frauen mit Kindern werden nach Auschwitz weitertransportiert und viele von ihnen dort sofort ermordet.
Als Todesdatum für Ludwigs Ehefrau Johanna und seine Kinder wird der 9. November 1942 angegeben, was bedeutet, dass sie gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet wurden.

Die Stolpersteine vor dem Haus Lilienstraße 12

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 9.12.2012)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Weinmann, Das nationalsozialistische Lagersystem, 2001         (4.Aufl.), S.126
Patenschaft: Winfried Moritz
Verlegetermin: 9. Dezember 2012

 

 

 

Resi Samson

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Resi SAMSONResi Samson - Stein
geboren am 29. August 1906 in Aurich

 

 

 

Straße: Nürnburger Straße 24
Todesdatum: 27.09.1940 (Einlieferung in die Tötungsanstalt Brandenburg)
Todesort: Brandenburg
Resi Samson wird am 29. August 1906 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jakob Hartog und Jenny Salomon geb. Windmüller. Sie hat eine jüngere Schwester Betti und einen noch jüngeren Bruder Hugo. Ihr Vater ist Schlachter zusammen mit seinem Bruder Simon Hartog im Betrieb in der Markstraße 19. Der Vater Jakob Hartog Samson betreibt zusätzlich im Sommer einen Schlachterladen auf Norderney um jüdische Gäste mit koscherem Fleisch zu versorgen. Er stirbt 1934. Resi arbeitet nach dem Besuch der Volksschule im mütterlichen Haushalt und hat später, stets saisonbezogen, viele Haushaltsstellungen in Hotels und Pensionen inne. Auch ist sie 2 Jahre lang einmal in Holland (Farmsum bei Delfzijl). Im Januar 1937 kommt sie zurück, weil sie Heimweh hat und schwanger ist.

Resi arbeitet z. T. auch mehrfach in:
1926 Magdeburg
1927 Camberg (Limburg)
·         Hamburg,
·         Norderney, Langestraße 17 (verm. 13 Schlachter Siegfried de Vries)
·         Norderney, Moltkestraße 11 (Pensionshaus des Dr. Ferdinand Steingießer
·         Norderney, Benekestraße 44   Kindererholungsheim der Zions-Loge Hannover
(dort arbeitet auch ihre Schwester Betti)
·         Farmsum.

1937 erkrankt Resi psychisch und kommt erstmalig in der privaten Heil- und Pflegeanstalt Ilten bei Hannover unter. Nach ihrer Entlassung kommt Resi nach Aurich zurück. Die häuslichen Probleme spitzen sich wieder zu, so dass ihre Mutter eine Untersuchung bei Dr. Müller veranlasst. Dieser vermerkt am 17.12.1938:

Frl. Samson ist seit mehreren Wochen geistesgestört, sie ist sehr bösartig und wird handgreiflich. Anstaltsaufnahme ist notwendig.

Der Amtsarzt Dr. Meyer darauffolgend am 19.12.1938:  Sie stellt zweifellos für sich selbst, ihre Familienangehörigen und auch für arischen Nachbarn eine Gefahr dar und die Unterbringung der R. Samson in einer geschlossenen Anstalt ist somit dringend erforderlich.

Allerdings protokolliert PM Gruhn:
… ist die Resie Samson nicht gefährlich. Am Tage ist in der Familie S. alles ruhig, nur des Nachts ist ab und zu Streit, der aber in den meisten Fällen von den Geschwistern verursacht wird. Die Nachbarschaft fühlt sich durch das Verhalten der Resie Samson nicht gefährdet.

Als Resi am 28.12.1938 nach Osnabrück abgeholt wird bringt sich anschließend ihr Freund, Nichtjude und Vater ihres noch zu gebärenden Kindes, um.

Im Juli 1939 wird eine Reichsarbeitsgemeinschaft (RAG) „Heil- und Pflegeanstalten“ gegründet im Columbushaus am Potsdamer Platz 1. Diese Organisation besteht aus SS-Ärzten und Juristen der Reichskanzlei. Sie hat die Aufgabe alle organisatorischen und pseudorechtlichten Schritte zu planen zur Durchführung der reichsweiten Ermordung von Pflegebedürftigen. Die Mitglieder der Reichsarbeitsgemeinschaft überzeugen sich zuvor durch eine Probevergasung im Zuchthaus Brandenburg von der Wirkung ihrer geplanten Lösung.

Diese Organisation erstellt ein Meldeformular zur reichsweiten Erfassung aller nutzlosen Existenzen. Alle Direktoren der Landesheil- und Pflegeanstalten werden unter dem Siegel der Geheimhaltung angeschrieben und zur Beteiligung aufgefordert. Nach den Kriterien des Meldeformulars fällt Resi sofort unter diesen Auftrag – als Jüdin, als andersstämmiger Untermensch ohnehin.

Am 21.09.1940 wird Resi mit sieben weiteren jüdischen Insassen in Osnabrück von einem grauen Bus der sogen. Gemeinnützigen [! ] Transportgesellschaft m.b.H., einem Zweig unterhalb der RAG, abgeholt und zur Heilanstalt Wunstorf gebracht. Am 27.09.1940 wird sie mit 152 weiteren jüdischen Patienten nach Brandenburg in die Tötungsamnstalt weiterbefördert.

Die letzten Stunden der Resi Samson vermittelt der Bericht eines Augenzeugen* In Brandenburg über eine vorhergehende Mordaktion eines Transports Berliner jüdischer Patienten: Es wurden die Personen nach Geschlecht getrennt in Zellen untergebracht […] sofort nach der Ankunft wurden jeweils immer etwa 20 Personen aus den Zellen geholt […] diese mußten sich völlig nackt ausziehen, da ihnen gesagt wurde, dass sie vor der Verlegung in einen anderen Bau baden und ungezieferfrei gemacht werden müßten. Zuerst hat man die Frauen und Kinder zu den bevorstehenden Vergasungen herangezogen. Um die kranken Menschen nicht zu beunruhigen, wurden sie von Ärzten oberflächlich untersucht und mußten anschließend in einen Raum treten, in dem Holzpritschen standen und […] der aussah wie ein Baderaum. Bevor jedoch die untersuchten Personen in den Raum gingen, bekamen sie einen Nummernstempel mit fortlaufender Nummer aufgedrückt. . Wenn nun die vorgesehene Zahl von Personen in dem ‚Baderaum’ war, wurde die Tür verschlossen. An der Decke des Raumes waren in Form von Brausen Installationen angebracht, durch welche man Gas in den Raum ließ. Nach etwa 15-20 Minuten wurde das Gas aus dem Raum gelassen, da man durch einen Spion festgestellt hatte, dass sämtliche Personen nicht mehr am Leben waren. Nun hat man auf aufgrund der aufgedrückten Nummer die Person festgestellt, bei denen zuvor bei der Untersuchung festgestellt wurde, dass sie Goldzähne hatten. Den Toten wurden die Goldzähne ausgebrochen. Ihre Leichen werden durch Hilfskräfte, Brenner genannt, aus den Kammern gezogen, auf Lastwagen geworfen und im anstaltseigenen Krematorium verbrannt.

Die Ermordung wird vom zweiten Anstaltsarzt Aquilin Ullrich überwacht. Er nutzt die vorangegangene Visitation um auffallende Kennzeichen zu finden, die für die Benennung einer späteren Todesursache geeignet sind.

Den Hinterbliebenen schreibt er als Dr. Schmitt in Berlin angefertigte Beileidsschreiben, „Trostbriefe“ genannt, über ein ad hoc eingerichtetes Pseudomeldeamt Cholm in Ostpolen. Allerdings dies erst mit ca. halbjähriger Verzögerung. Solange wird der Pflegesatz von den Sozialträgern weiterkassiert, in den Fällen der jüdischen Patienten hat die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland über 350 000 Reichsmark für angebliche Pflege und Unterkunft bereits ermordeter, gezahlt*.

Nach dem Krieg taucht Aquilin Ullrich zuerst unter, kann aber durch Unterstützung alter Kameraden 1952 wieder als Fach- und Belegarzt an einer Stuttgarter Klinik einsteigen. Auch findet er den Weg zurück zur katholischen Kirche.

Im Nachgang zum sogen. Heyde-Sawade-Prozeß wird Ullrich 1961 verhaftet. Seine Täterschaft in der Beihilfe zur Ermordung von mindestens 1.815 Geisteskranken wir festgestellt. Er wird allerdings:
… wie alle anderen Mitangeklagten wegen des fehlenden „Bewußtseins der Rechtswidrigkeit“ (unvermeidbarer Verbotsirrtum) seines Tuns freigesprochen. „Die Angeklagten sind davon ausgegangen, dass sie nur bei der Tötung von Geisteskranken‚ ohne natürlichen Lebenswillen‘ mitwirkten und daß deren Tötung erlaubt war. Da hiermit die Schuld entfällt, waren die Angeklagten freizusprechen.

Einer Wiederaufnahme entzieht sich Ullrich durch Beibringen eines Gutachtens:
… wonach er durch die schwerwiegende Gefährdung bei akuten Streßsituationen nicht mehr als verhandlungsfähig angesehen werden könne.
Diese Einschätzung wurde amtsärztlich am 14. Dezember 1971 bestätigt.

Aus den Dokumenten geht mittelbar, aber deutlich hervor, dass alle anderen verantwortlich Beteiligten, d. h. Ärzte, Pfleger, Verwaltungen, von den Ermordungen wussten. Die Frage, ob dieses Wissen und Gewähren, als Mittäterschaft zu werten ist, hat die Forschung in vielen Beiträgen mittlerweile genügend beantwortet – mit ‚Ja’. Diese Feststellung hat noch mehr Gewicht, angesichts der Weigerung und der Verschleppungstaktik der Strafverfolgung diese Taten in den späteren Jahren aufzuklären. Die medizinischen Kollegen in den entscheidenden Korporationen und Netzwerken halfen den Tätern in jeder Weise wieder in den Beruf einzusteigen.

Eine ausführliche Biografie von Resi Samson findet sich im Buch „Stolpersteine Aurich“ und kann auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden.

Die Stolpersteine vor dem Haus Nürnburger Straße 24

Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bei der Verlegung

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.02.2013)

Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158, Rep. 34 C 494; Meldeblätter; Kennkarten; Staatsarchiv Hannover; Staatsarchiv Osnabrück Rep 727 Akz. 13,85 Nr3941;
Literatur: *Holger Frerichs Spurensuche: Das jüdische Altenheim in Varel 1937-1942 Jever 2012
Patenschaft: Elisabeth Abs und Willi Buschmann
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

 

 

Hugo Samson

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Hugo SAMSON Hugo Samson - Stein
geboren am 22. Januar 1914 in Aurich

 

 

 

Straße: Nürnburger Straße 24
Todesdatum: 7. Juni 1977
Todesort: Berlin
samson-hugo-geb-22-01-1914-in-aurich

Hugo Samson (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

Hugo wird am 22. Januar 1914 in Aurich geboren als jüngstes Kind der Eltern Jakob Hartog Samson und Jenny Salomon, genannt „Minna“, geb. Windmüller. Er hat zwei ältere Schwestern, Resi und Betti. Sein Vater Jakob betreibt mit Hugos Onkel Simon Hartog eine Schlachterei in der Marktstraße 19 in der er auch mitarbeitet. Hugo verbringt langjährige Lehr- und Wanderzeiten als Schlachtergeselle an vielen Orten in Deutschland. Er muss ohnehin eine besondere Kraftnatur gewesen sein, was sich im Weiteren erzählen lässt.

Hugo kommt gerade von auswärts nach Aurich, als er gewahr wird, wie Auricher Juden eingesammelt und nach Sachsenhausen transportiert werden. Er kann sich verstecken bis die Hetzjagd vorbei ist. Am 13.06.1939 meldet er sich aus Aurich ab nach Gut Winkel in Spreenhagen, einem Hachschara-Lehrgut östlich von Berlin – obwohl er ja einen praktischen Pionierberuf hat. Dort lernt er Irene Beck *15.3.1912 kennen. Sie ist ebenfalls jüdischer Abstammung.

Schnell wird den jungen Leuten in Gut Winkel klar, dass sie auf eine geordnete Ausreise nach Palästina per Zertifikat kaum noch hoffen können. Mit Kriegsausbruch zerschlägt sich dies endgültig. Die Jungen von Gut Winkel fürchten in Lager des nun errichteten Generalgouvernements Polen abgeschoben werden. Erste Deportationen fanden auch bald danach statt.

Schon während des 21. Internationalen Zionisten- Kongresses im August 1939 begannen jüdische Untergrundkämpfer (aus ihnen wurde später der Mossad) in Absprache mit Adolf Eichmann – der sich im übrigen diese Zustimmung für viel Geld abhandeln ließ – die Pionier-Hechaluz-Lager in Deutschland und Österreich aufzulösen, um eine illegale Ausreise über die Donau zum Schwarzen Meer zu organisieren. Diese Aktion wurde Aliyah Beth (- die zweite) genannt. Aliyah, hebräisch, heißt Aufstieg – die Rückkehr aus dem Exil in das Gelobte Land.

Hugo und Irene flüchten mit anderen Hechaluz von Gut Winkel über die Donau mit der DDG nach Sulina am Schwarzen Meer. Dort liegt bereits die von Mossad Agenten gecharterte Hilda, ein kleiner Donau-Kohlefrachter mit 792 BRT von 1884. 729 Flüchtlinge müssen im kalten Laderaum unterkommen. Die Abreise verzögert sich, denn es wird noch auf weitere nachfolgende Flüchtlinge gewartet. Das Schiff friert fest. Es gibt kein Wasser, keinen Brennstoff. Zwei Frauen kommen in unbeschreiblichem Dreck und Gestank nieder. Am 9.12.1939 läuft die Hilda endlich zum abgelegenen Dobrudschahafen Balcik aus, um dort weitere Flüchtige aufzunehmen.

Mitte Januar 1940 verlässt die Hilda Balcik. Beim Auslaufen aus den Dardanellen wird die Hilda von einem britischen Kriegsschiff aufgebracht und darf nur unter bewaffneter Aufsicht weitersegeln. Als den Flüchtlingen vor Haifa eröffnet wurde, sie können nicht mit einer Landung rechnen, beginnen sie sämtliche wichtigen Schiffseinrichtungen zu zerstören, um eine Weiterfahrt zu verhindern. Am 24.01.1940 macht die Hilda nun in Haifa fest. Die Frauen werden freigelassen, die Männer im Lager Athlit interniert.

Hugo beschließt in die britische Armee einzutreten. Er will gegen Deutschland kämpfen und es von den Nazis befreien. Er heiratet Irene. So kommen beide zu ihrem legalen Status im britischen Mandatsgebiet.

Hugo wird kämpfender Soldat, zuerst in Nordafrika, später in der Invasionsarmee in der Normandie. Und kämpft bis Kriegsende bei Magdeburg. Er erhält eine Tapferkeitsauszeichnung.

Das junge Paar lässt sich nach dem Krieg in Herzlya/Israel nieder. 1950 wird Sohn Joram geboren. 1952 schreibt Hugo als alleiniger Erbe an Dr. Anklam wg. Rückübertragung des geraubten Samson-Vermögens. Es gibt einen Wiedergutmachungsvergleich, den Hugo widerstrebend aber doch letztendlich annimmt.

Er fragt auch nach seiner verschollenen Schwester Resi, von der er nur von Osnabrück als letzten Lebenspunkt weiß. Er erhält von der Auricher Staatsanwaltschaft folgende Nachricht:
„… ist sie am 3. 2. 41 in Chelm gestorben und im Sterbebuch 399/1941 eingetragen“
Und das Landeskrankenhaus Wunstorf antwortet ihm am 11.07.1952 die bekannten Tatsachen gleichermaßen verschleiernd:
„Die Patientin Resi Samson, die hier vorübergehend untergebracht war, ist am 27. 9. 40 in eine jüdische Sammelanstalt im dam. Gen. Gov. verlegt worden. Nach einer mir später gewordenen Auskunft ist der größte Teil der Kranken ins Heil- und Pflegeanstalt Chelm bei Lublin überführt. Frau Jenny Jakob Samson und Betti Samson sind hier [Wunstorf] nie gewesen [?].“
(Ergänzung: Diese Auskünfte waren falsch. Sie basierten auf den von den Organisatoren der Tötungsaktion gefälschten Unterlagen. Tatsächlich wurde Hugos Schwester Resi am 27.09.1940 in die Tötungsanstalt Brandeburg eingeliefert und dort ermordet. Eine ausführliche Biografie findet sich auf dieser Homepage: Resi Samson und im Buch „Stolpersteine Aurich“, das auch auf dem Blog des Verlages eingesehen werden kann.)

1956 drängt Irene wieder nach Deutschland zurückzukehren. Hugo betreibt die Wiedereinbürgerung. Nach umfangreichem bürokratischem Procedere, Hugo war auf der Flucht das Lichtbild seiner Meldekarte verlorengegangen, schreibt der Landrat in Aurich am 23. 10. 56
„[…] bestehen keine Bedenken gegen eine Wiedereinbürgerung“.

Am 9.01.1957 wohnt die Familie in Berlin in der Nassauischen Straße 2. Hugo leitet ein jüdisches Wohnheim in Lichterfelde, Baseler Straße 11. Am 7.06.1977 stirbt er und wird auf dem jüdischen Friedhof an der Heerstraße/Scholzplatz begraben, Irene gestorben am 22.07.2003, daneben.

Von ursprünglicher Kraft und Lebensmut ist Hugo in Deutschland nicht viel geblieben. Er kann über den Verlust seiner Familie nicht sprechen. Anfangs besucht er Aurich mehrmals, kann aber keine Verbindung mehr zum Ort seines Ursprungs aufbauen.

Die Stolpersteine vor dem Haus Nürnburger Straße 24

Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bei der Verlegung

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.02.2013)
Foto:  Kennkarte Staatsarchiv Aurich
Gut Winkel Spreenhagen
Das Schiff HILDA in BalcikFotos von der Legung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich
Staatsarchiv Osnabrück
Stadtarchiv Hannover
Interview Joram Samson mit Autor 2012
Literatur:
Patenschaft: Ev.-ref. Kirchengemeinde Aurich
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Gut Winkel, Spreenhagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die HILDA in Balcik

 

Jenny Salomon „Minna“ Samson, geb. Windmüller

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Jenny Salomon „Minna“ SAMSON geb. WINDMÜLLER Jenny Samson - Stein
geboren am 26. September 1881 in Emden

 

 

 

Straße: Nürnburger Straße 24
Todesdatum: unbekannt (Deportation Ghetto Warschau am 31.03.1942)
Todesort: unbekannt
Jenny Salomon gen. „Minna“ Samson geb. Windmüller wird am 26. September 1881 in Emden geboren. Sie heiratet 1908 den Schlachter Jakob Hartog, welcher 1934 stirbt. Jenny hat drei Schwestern und einen Bruder. Ihre Zwillingsschwester Betti ist die erste Frau von Jakob Hartog. Als diese 1905 kinderlos stirbt heiratet Jakob Jenny. Jakob betreibt mit seinem Bruder Simon Hartog Samson einen Schlachterbetrieb in der Markstraße 19 und auf Norderney in der Winterstraße 5.

Jenny bekommt drei Kinder: Hugo, Betti und Resi. Hugo lernt Schlachter und arbeitet an vielen Stellen in Deutschland. Die Töchter gehen in Stellung in jüdischen Ferienheimen und Pensionen vorwiegend auf Norderney, weiter in Emden, Groningen, Farmsum und Esens.

1937 erkrankt Jennys Tochter Resi psychisch und kommt erstmalig in der privaten Heil- und Pflegeanstalt Ilten bei Hannover unter. Wieder in Aurich veranlasst die Mutter eine neue Einweisung ihrer Tochter. Ein Dr. Müller aus Aurich vermerkt:

Frl. Samson ist seit mehreren Wochen geistesgestört, sie ist sehr bösartig und wird handgreiflich. Anstaltsaufnahme ist notwendig. In der Familie mütterlicherseits sind mehrere Familienmitglieder gemütskrank, Resi nach eigenem Bekunden nervenkrank.  
Jenny muss am 20.03.1940 nach behördlicher Anweisung Aurich verlassen. Sie zieht nach Hamburg zu einem Verwandten der Samsons aus Norden. Später wohnt sie im Daniel-Wormser-Haus in der Westerstraße 27. Das Daniel Wormser-Haus ist ein Auswandererheim der jüdischen Wohlfahrtspflege. Mittellose osteuropäische Auswanderer, welche auf die Überseefahrt warten, konnten dort unterkommen. Mit Kriegsbeginn wird es ein Judenhaus.

Am 1.04.1941 schreibt Jenny, zum Zeitpunkt als ihre Tochter bereits vor einem halben Jahr in Brandenburg ermordet wurde, an den Direktor der Heil- und Pflegeanstalt:

Sehr geehrter Herr Direktor: Da ich solange nichts von meiner Tochter Resi Samson gehört habe, bitte ich um Mitteilung, wo dieselbe sich aufhält oder ob sie noch in Osnabrück ist.

Der Anstaltsleiter Kracke macht dazu eine Bleistiftnotiz:

Sie ist am 21/9 40 abtransportiert – Gemeinnützige Transportgesellschaft mbH Berlin W9 Potsdamer Platz 1.

(Foto s. unten)
Aus der Interpretation der Archiv-Dokumente und dem heutigen Wissen über den Ablauf und typische Vertuschungsmuster der Euthanasie-Aktionen, wird deutlich: Die Samsons sollten das Schicksal von Resi nicht erfahren, und die Fürsorgeverantwortlichen wussten über Ziel und Zweck der letzten Verlegung ihrer Schützlinge. Sie waren Teil der geheimen staatlichen Organisation zur Ermordung „nutzloser Existenzen“ oder „andersstämmiger Untermenschen“. Sie heißt später T4-Aktion nach der Adresse Tiergartenstraße 4, Berlin. Zum Zeitpunkt des Schreibens agierte diese Organisation noch im Columbus-Haus am Potsdamer Platz.

Der Anstaltsleiter weigert sich die Fragebögen (zur Selektion) der „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten“ auszufüllen, bzw. legt der Anzahl nicht genügend vor, so dass am 8. Mai 1941 ein Schreiben an die aufsichtsführende Behörde ergeht:

„Sehr geehrter Herr Landesrat!

Auf Ihr Schreiben erwidere ich Ihnen, dass die Herren Dr. Steinmeyer und Dr. Sträub beauftragt waren, in Osnabrück eine Nachprüfung vorzunehmen. Diese Nachprüfung ist deswegen notwendig, weil die Anstalt Osnabrück unverhältnismässig wenig Meldebogen übersandt hatte. Ich bitte Sie, sich zunächst über die Art der Ausfüllung der Meldebogen eingehend berichten zu lassen und mir diesen Bericht zugänglich zu machen. Ich betone schon jetzt, dass nach meinem Dafürhalten die Anstalt Osnabrück wesentlich mehr Meldebogen hätte ausfüllen müssen, und dass sich ein Besuch durch Beauftragte der Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten wohl kaum umgehen lassen wird.

Heil Hitler! gez. Heyde .

Anm.: Dr. Heyde, verantwortlich für die Ermordung von 100.000 Menschen, nennt sich nach dem Krieg Dr. Sawade und arbeitet unbeschadet als nervenärztlicher Gutachter für viele Institutionen in Schleswig-Holstein. Erst die Ermittlungen des Frankfurter Generalstaatswaltes Fritz Bauer machen diesem ein Ende. Sawade begeht vor Prozessbeginn am 13. Februar 1964 im Zuchthaus Butzbach Selbstmord. Die Geschichte der Aufdeckung Heydes ist zugleich die exemplarische Geschichte der fortgesetzten Vertuschung krimineller Handlungen früherer Staatseliten. Beteiligt in der Heyde-Sawade-Affäre waren unzählige bis in höchste Staats- und Verbandsspitzen.
In Osnabrück gibt man 1941 dem Druck nach und schickt im gleichen Monat 99 weitere Meldebogen ab.

Jenny zieht zu ihrer Tochter Betti und Ehemann nach Hannover in der Celler Straße 152. Kurz vor der Deportation werden Jenny, ihre Tochter Betti und Ehemann Alfred in dem nahegelegenen KZ Ahlem, einst eine israelitische Gartenbauanstalt und Hachschara[1]-Schule (Foto s. unten), zur Sammlung inhaftiert.

Am 31.03.1942 werden alle in das Ghetto Warschau deportiert. Im Wege der Ghettoräumung werden sie wahrscheinlich weiter nach Treblinka deportiert. Von Jenny Samson, genannt Minna, gibt es nach dem 31.03.1942 kein Lebenszeichen mehr.

 

[1] Hachschara (hebräisch הכשרה „Vorbereitung, Tauglichmachung“) wurde die systematische Vorbereitung von Juden auf die Alija (Aufstieg nach Israel) bezeichnet

Die Stolpersteine vor dem Haus Nürnburger Straße 24

Schüler der Berufsfachschulklasse Bautechnik der BBS Aurich II bei der Verlegung

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)

Fotos der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158, Rep. 34 C 494; Meldeblätter; Kennkarten; Staatsarchiv Hannover; Staatsarchiv Osnabrück Rep 727 Akz. 13,85 Nr3941
Literatur:
Patenschaft: Fa. Pollmann&Renken
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

Samson, Jenny Rep727Akz13,85Nr3941,008 Samson, Jenny Die Israelitische Gartenbauschule Ahlem

 

 

Agathe Schirling

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Agathe SCHIRLING Agathe Schirling - Stein
geboren am 24. März 1911 in Rauschenberg, heute Landkreis Marburg-Biedenkopf

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 24
Todesdatum: 30.09.1942 (ungesichert)
Todesort: Auschwitz
 

Agathe Schirling ist das dritte Kind und dritte Tochter des Lehrers Menko Schirling und seiner Frau Frieda, geb. Stern. Agathes ältere Schwestern heißen Ilse und Jenni.

Die Familie zieht 1925 durch den Beruf des Vaters nach Hoof im Schwalm-Eder-Kreis. Menko Schirling ist dort der letzte Lehrer der kleinen jüdischen Gemeinde. Dort ist er 1936 als letzter auf dem jüdischen Friedhof begraben. Die Israelitische Volksschule wurde Anfang 1934 aufgelöst.
Das Beispiel der Agathe Schirling steht für viele in dieser Zeit, einmal als Frau, unverheiratet und überdies jüdisch. Sie mussten als Angehörige einer Minderheit überall dort hinziehen und arbeiten, wo es eine Gelegenheit gab, auf unterster Stufe einer Dienstschaft unterzukommen, denn sie hatten außerhalb ihrer jüdischen Gemeinschaft keinen gesellschaftlichen Anschluss aus beruflichem Ansehen oder örtlicher Zugehörigkeit. Sie lebten und arbeiteten, aber sie hinterließen kaum Spuren, die wir heute suchen können.
Es bestanden zahlreiche verwandtschaftliche Bindungen der Auricher Juden mit denen aus dem nördlichen Hessen im Umkreis von Kassel. Vermutlich rührt dies aus gemeinsamer sephardischer Abstammung. Dessen waren sie sich traditionell bewusst – auch im Bewusstsein jahrhundertelanger Verfolgung und alltäglicher Diskriminierung.

So gehen alle drei Schirling-Schwestern als Hausgehilfinnen nach Norddeutschland in jüdische Haushalte. Agathe meldet sich am 18.05.1933 in der Leerer Straße 24 an. Sie ist Hausgehilfin im Haushalt von Erich Sternberg, wie die Meldekarte vermerkt. Ihre ältere Schwester Jenni war schon vorher in Ostfriesland, zuerst in Leer, Ostersteg 67, dann in Aurich bei Wallheimer, Kirchdorfer Weg 36 und zuletzt bei Lippmann Knurr in der Norderstraße 2. Jenni verläßt Aurich 1934 nach Twistringen. Sie heiratet Paul Vogel aus Hoof.
Am 16.04.1934 geht Agathe in die Niederlande. Sie wohnt in Utrecht, Amsterdam, Den Haag, dann wieder Amsterdam an drei Wohnplätzen. Sie bleibt unverheiratet und kinderlos. Zuletzt wohnt sie mit der Familie Abraham Cohen in der Jan-van Eijckstraat 39.

Agathe wird festgenommen und zusammen mit den Cohens nach Westerbork verbracht. Am 28.09.1942 wird sie mit 609 weiteren nach Auschwitz deportiert. Die Familie Cohen dagegen wird nach Sobibor deportiert und bei Ankunft umgebracht. Nur das dritte Kind der Cohens kann in Amsterdam versteckt werden und überlebt.

Am 30.09.1942 ist der Transport mit Agathe in Auschwitz angekommen. Dieser Tag ist als ihr Todestag anzusehen, denn es gibt keine Einträge über sie in den Auschwitzer Häftlingsregistern.

Agathes Schwester Ilse, deren Mann Arthur Cohen aus Neustadtgödens, deren gemeinsame Kinder Ingrid und Hannelore sowie Agathas Mutter, Frieda, müssen zusammen nach Vegesack in ein Judenhaus in der Hafenstraße 23 ziehen. Sie werden alle zusammen am 28.07.1942 nach Minsk deportiert und dort an offenen Gruben erschossen.
Agathas Schwester Jenni und ihr Mann Paul Vogel können rechtzeitig in die Vereinigten Staaten emigrieren.

Das Haus Leerer Landstraße 24

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.02.2013)

Fotos von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158; 360; 107, 2618, Digitaal Monument Joodse Gemeenschap in Nederland; Meldekarte Stadsarchief Amsterdam
Literatur:
Patenschaft: Ilse Siefke
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Schirling, Agathe Meldekarte_ASD

 

 

Emma „Emmy“ Wolffs, geb. Weinberg

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Emma „Emmy“ WOLFFS geb. WEINBERG Emma Wolffs - Stein
geboren am 28. November 1891 in Esens

Straße: Leerer Landstraße 40
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 28.10.1944)
Todesort: Auschwitz
Emma Wolffs, genannt Emmy, war die Tochter von Joseph und Johanna Weinberg, geb. Marx. Emmy wird am 28. November 1891 als erstes von sechs Kindern geboren, wobei drei ihrer jüngeren Brüder, davon ein Zwillingspärchen, bereits kurz nach der Geburt wieder versterben. Emmys Familie lebt in Esens in der Jücherstr. 15 (heute Nr. 10), ihr Vater Joseph trägt den Spitznamen „Bismarck“ und gilt als „Esenser Original“. Er betreibt einen Viehhandel mit Schlachterei, den sein Sohn Isaak (Ihno) später gemeinsam mit dessen Cousin Hans-Jürgen Driels (später Johnny Dreels) fortführen sollte.

Emmy heiratet den Auricher Schlachter und Viehhändler Moses Wolffs und zieht nach Aurich in die Leerer Landstraße 40. Die Ehe bleibt kinderlos. In dem Haus, das ihrem Ehemann gehört und in dem auch dessen Schwester Rosa wohnt, richtet Emmy ein Pensionat für jüdische Kinder ein. Bei der Arbeit im Haushalt wird sie von Haushaltshilfen und Kindermädchen unterstützt, wie die Eintragungen auf der Einwohnermeldekarte belegen. Möglicherweise geht ihr auch ihre Schwägerin Rosa zur Hand.

Im Laufe der dreißiger Jahre dürfte sich die ursprünglich wohl recht gute finanzielle Situation der Eheleute verschlechtert haben, da den jüdischen Schlachtern ihre Erwerbsmöglichkeiten genommen wurden. Als Emmy Ende 1937 die Möglichkeit erhält, die Leitung des neuen jüdischen Altenheims in Emden in der Claas-Tholen-Straße zu übernehmen, haben Emmy und Moses dies wohl als Chance wahrgenommen. Am 25. März 1938 meldet sich Emmy nach Emden ab. Ihr Mann bleibt noch bis zum 3. Juni 1938 in Aurich wohnen und regelt den Verkauf des Familienbesitzes, der neben dem Haus in der Leerer Landstraße auch Grundstücke in der „Kleinen Glupe“ in Aurich umfasst.

Im Februar 1940 erhalten alle jüdischen Einwohner Ostfrieslands die Aufforderung, ihre Heimat „aus sicherheitspolizeilichen Gründen“ bis zum 1. April des Jahres verlassen. Eine Ausnahme bilden hierbei die Bewohner des Altenheims in der Claas-Tholen-Straße, die bis zum Oktober 1941 in Emden verbleiben dürfen.

Am 22. Oktober 1941 werden Emmy und ihr Ehemann per Bus in das jüdische Altenheim in Varel gebracht, wo sie mehrere Monate bleiben. Emmy hält in dieser Zeit Kontakt zu Freunden und Verwandten aus Aurich und Emden, die beispielsweise, wie ihre Schwägerin Rosa, nach Lodz deportiert wurden. Im Archiv des Ghettos von Lodz bezeugt eine Postkarte von Sara Hartog an Emmy Wolffs deren Versuch, die im Ghetto internierten Freunde zu unterstützen.

Im Juli 1942 wird Emmy und Moses mitgeteilt, dass sie gemeinsam mit den anderen Bewohnern des Altenheims in Varel mit einem Transport in ein angeblich „besseres Alten- und Pflegeheim“ verlegt werden sollen. Am 22. Juli 1942 erfolgt schließlich die Deportation der gesamten Gruppe nach Theresienstadt – wobei von „besseren“ Lebensbedingungen keine Rede sein kann. Emmy und Moses leben bzw. überleben in dem völlig überfüllten Ghetto jedoch bis zum Oktober 1944. Am 28. Oktober 1944 werden sie gemeinsam ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. Emmy war damals 53 Jahre alt.

Ihr Bruder Ihno Weinberg, der Deutschland gemeinsam mit seiner Frau 1938 verlassen hatte, überlebte den Holocaust und strengte in den 50er Jahren gemeinsam mit den überlebenden Neffen und Nichten seiner Schwester die Rückerstattung des Besitzes der Familie Wolffs an.

Die Stolpersteine vor dem Haus Leerer Landstraße 40

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 288, Nr. 963; Rep. 107, Nr. 2664; Rep. 107, Nr. 2334; Rep. 107, Nr. 2348; Rep. 251, Nr. 834; Rep. 251, Nr. 341;http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

http: //www.holocaust.cz

http://emden-lodz.de/?Recherche___Bericht_-_Sara_Hartog

http://www.ghetto-theresienstadt.info

http://august-gottschalk-haus.de/index.php/juedische-gemeinde-in-esens

Literatur: Rolf Uphoff: Reise ohne Wiederkehr, Wege in das Grauen. Die Deportation der letzten jüdischen Bürger Emdens, Nordens und Aurichs, Emden 2011.Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Esens von ihren Anfängen im 17. Jahrhundert bis zu ihrem Ende in nationalsozialistischer Zeit, Aurich 1994 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 65).
Patenschaft: Gunther Siebels-Michel
Verlegetermin: 21. Februar 2013

20130110_9961.Ausschnitt3 20130110_9961.Ausschnitt2 20130110_9961.Ausschnitt1

Rosa Wolffs

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Rosa WOLFFS Rosa Wolffs - Stein
geboren am 2. Oktober 1879 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 40
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Lodz/Litzmannstadt
wolffs-rosa-geb-02-10-1879-in-aurich

Rosa Wolffs (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rosa Wolffs kommt am 2. Oktober 1879 als siebtes Kind des Schlachters und Viehhändlers Wolff Benjamin Wolffs und dessen Ehefrau Gütel Juda, geb. van der Wall, auf die Welt. Rosa bleibt ledig und lebt im Haushalt ihres älteren Bruders Moses, der wie sein Vater als Schlachter und Viehhändler tätig ist. Seine Ehefrau Emmy betreibt im gemeinsamen Haus in der Leerer Landstraße ein Pensionat für jüdische Kinder. Möglicherweise geht Rosa ihr hierbei zur Hand.

Ende 1937 erhält Emmy die Möglichkeit, die Leitung des neuen jüdischen Altenheims in der Claas-Tholen-Straße in Emden zu übernehmen. Moses verkauft daher das Haus in der Leerer Landstraße sowie den übrigen Grundbesitz und siedelt mit seiner Frau nach Emden um. Rosa bleibt in Aurich und kommt zunächst bei einem ihrer anderen Brüder, Heymann Wolffs, in der Lindenstraße 12 unter. Am 10. Oktober 1939 verlässt jedoch auch sie Aurich für immer und zieht erneut zu Emmy und Moses nach Emden.

Als die jüdischen Einwohner Ostfrieslands im Februar 1940 die Aufforderung erhalten, ihre Heimat zu verlassen, haben die Bewohner des Altenheims in der Claas-Tholen-Straße als einzige die Möglichkeit, in Emden zu bleiben. Rosa, ihr Bruder Moses und dessen Frau Emmy wohnen daher noch bis zum Oktober 1941 gemeinsam in dem Altenheim.
Am 22. Oktober trennen sich jedoch ihre Wege: An diesem Tag bringt ein Bus besonders gebrechliche Personen, darunter auch Emmy und Moses Wolffs, in das jüdische Altenheim in Varel, wo sie bis zum Juli 1942 leben. Rosa hingegen besteigt am 23. Oktober 1941 einen Zug mit unbekanntem Ziel. Am 25. Oktober erfährt sie bei der Ankunft, dass sie nach Radegast gebracht wurde. Vom Bahnhof aus muss sie mit ihrem Gepäck rund vier Kilometer zu Fuß marschieren, um im Ghetto Litzmannstadt, dem Ziel ihrer Deportation, anzugelangen. Hier verliert sich ihre Spur. Wie viele wurde sie vermutlich ein Opfer der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto. Kurz bevor sie Emden verlassen musste, feierte Rosa ihren 63. Geburtstag.

Die Stolpersteine vor dem Haus Leerer Landstraße 40

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.02.2013)
Foto von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Fotokennkarten; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 2664; Rep. 107, Nr. 2334; Rep. 107, Nr. 2348; Rep. 251, Nr. 834; Rep. 251, Nr. 341;http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

http://www.emden-lodz.de

http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/lodz/

Literatur: Rolf Uphoff: Reise ohne Wiederkehr, Wege in das Grauen. Die Deportation der letzten jüdischen Bürger Emdens, Nordens und Aurichs, Emden 2011.
Patenschaft: Nils Bode
Verlegetermin: 21. Februar 2013

20130110_9961.Ausschnitt3 20130110_9961.Ausschnitt2 20130110_9961.Ausschnitt1

Moses Wolffs

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Moses WOLFFS Moses Wolffs - Stein
geboren am 30. Juni 1873 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 40
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 28.10.1944)
Todesort: Auschwitz
 

wolffs-moses-geb-30-06-1873-in-aurich

Moses Wolffs 1939 (Foto der Kennkarte, StA Aurich)

 

 

 

 

 

 

 

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

..

.

 

Moses Wolffs war der Sohn von Wolff Benjamin Wolffs und dessen Ehefrau Gütel, geborene van der Wall. Moses wird am 30. Juni 1873 als drittes von insgesamt zehn Kindern geboren, von denen jedoch zwei bereits kurz nach der Geburt versterben. Eine seiner Schwestern, Rosa, die sechs Jahre jünger ist als er, bleibt Zeit ihres Lebens ledig und lebt bei Moses und dessen Ehefrau Emmy.

Beruflich tritt Moses in die Fußstapfen seines Vaters und wird wie dieser Schlachter und Viehhändler. Er heiratet Emma Weinberg, die stets „Emmy“ genannt wird. Die Ehe bleibt kinderlos. Während Moses seinen Betrieb als Viehhändler führt, unterhält seine Frau ein Pensionat für jüdische Kinder im Haus in der Leerer Landstraße 40. Neben dem Wohnhaus, das heute leider nicht mehr steht, und dem dazugehörigen Grundstück besitzen die Eheleute mehrere Grundstücke an der Kleinen Glupe in Aurich.
Der Familie geht es demnach wirtschaftlich vermutlich nicht schlecht: Auch die zahlreichen Hausmädchen und Kindermädchen, die als Untermieterinnen im Hause angemeldet sind und die Emmy bei ihrer Arbeit unterstützen, weisen hierauf hin.
Die Machtübergabe an Hitler 1933 und die bald hierauf einsetzenden Boykottaktionen und Repressalien dürften die finanzielle Situation der Familie allerdings verschlechtert haben. Emmy erhält jedoch Ende 1937 die Möglichkeit, die Leitung des neu eingerichteten jüdischen Altenheims in der Claas-Tholen-Straße in Emden zu übernehmen. Sie zieht daher bereits im März 1938 nach Emden. Moses folgt ihr nach dem Verkauf des Hauses und eines Großteils des Grundbesitzes im Juni 1938 in die Claas-Tholen-Straße.

Im Februar 1940 erhalten die jüdischen Einwohner Ostfrieslands die Aufforderung, ihre Heimat zu verlassen: Ostfriesland würde bald „Frontregion“ werden, und da die Nationalsozialisten die Juden als „feindlich“ einstufen, sollen diese die Region aus „sicherheitspolizeilichen Gründen“ bis zum 1. April des Jahres verlassen. Eine Ausnahme bilden hierbei die Bewohner des Altenheims in der Claas-Tholen-Straße, die in Emden verbleiben dürfen. Moses und seine Frau Emmy gehören zu diesen letzten in Ostfriesland verbliebenen Juden.

Am 22. Oktober 1941 schließlich müssen auch Moses und Emmy ihrer Heimat den Rücken kehren: Ein Bus bringt besonders gebrechliche Personen in das jüdische Altenheim in Varel. Auch Moses und Emmy Wolffs verlassen Emden mit diesem Bus. Andere Bewohner des Altenheims hingegen werden mit dem Zug nach Radegast/Lodz deportiert.

Moses und Emmy leben zunächst im Altenheim in Varel und unterhalten von dort aus auch Kontakte zu Freunden und Bekannten, die im Ghetto in Lodz interniert sind. So bedankt sich Sara Hartog aus Aurich in einer Postkarte, die das Ghetto Lodz jedoch nie verlassen hat, für erhaltene Unterstützung und Geschenke von Moses und Emmy. Im Juli 1942 wird dem Ehepaar Wolffs mitgeteilt, dass sie gemeinsam mit den anderen Bewohnern des Altenheims in Varel mit einem Transport in ein angeblich „besseres Alten- und Pflegeheim“ verlegt werden sollen. Am 22. Juli 1942 erfolgt schließlich die Deportation der gesamten Gruppe aus Emden nach Theresienstadt – von „besseren“ Lebensbedingungen kann hierbei jedoch keineswegs gesprochen werden. Das Ghetto ist völlig überfüllt, es mangelt an Nahrung, medizinischer Versorgung und im Winter an Brennstoffen. Moses und Emmy leben bzw. überleben jedoch bis zum Oktober 1944 in Theresienstadt.
Am 28. Oktober 1944 werden sie gemeinsam ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Moses´ Neffen und Emmys Bruder Ihno, die in den 50er Jahren Anträge auf Rückerstattung des Besitzes der Familie Wolffs stellen, versichern, nie wieder von ihrem Onkel bzw. ihrer Schwester gehört zu haben. 1944 war Moses 71 Jahre alt.

Die Stolpersteine vor dem Haus Leerer Landstraße 40

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto von der Verlegung: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Fotokennkarten; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 2664; Rep. 107, Nr. 2334; Rep. 107, Nr. 2348; Rep. 251, Nr. 834; Rep. 251, Nr. 341;
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
http: //www.holocaust.cz
http://www.emden-lodz.de
http://www.ghetto-theresienstadt.info
Literatur: Rolf Uphoff: Reise ohne Wiederkehr, Wege in das Grauen. Die Deportation der letzten jüdischen Bürger Emdens, Nordens und Aurichs, Emden 2011.

Jan Lokers: Boykott und Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben Ostfrieslands (1933-1938), in: Ostfriesland im Dritten Reich. Die Anfänge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Regierungsbezirk Aurich 1933-38, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1999, S. 63-82.

Patenschaft: Anneliese, Peter und Almuth Boesel
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

20130110_9961.Ausschnitt1

20130110_9961.Ausschnitt2

20130110_9961.Ausschnitt3

Benjamin „Benno“ Wolff

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Benjamin 'Benno' WolffBenjamin ‚Benno‘ WOLFF,
geboren am 5. Februar 1883 in Aurich

 

 

 

Straße: Marktstraße 2
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Minsk

Benjamin „Benno“ Wolff

 

 

 

 

 

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

 

Benjamin Wolff wurde am 5. Februar 1883 in Aurich geboren. Er war das zweite von neun Kindern des Schlachters Samuel Wolff aus   Aurich und seiner Ehefrau Caroline Wolff geb. Löwenthal.

Benjamin hatte zwei Schwestern und sechs Brüder. Die Familie wohnte in der Marktstraße 2. Wie sein Vater wurde auch Benjamin Wolff, genannt Benno, Schlachter.
Am 19. August 1919 heiratete er die Haustochter Regine Wolff, geboren am 14.04.1890 in Aurich. Ihr Vater war ebenfalls Schlachter und war mit 62 Jahren einer der beiden Trauzeugen, der andere Trauzeuge war der 35-jährige Schlachter Gerson Stoppelmann aus Aurich, also ein Kollege, vielleicht auch Freund von Benjamin Wolff.

Benjamin und Regina Wolff bekamen drei Töchter. Karoline wurde 07.08.1920 geboren, Fanni am 24.09.1921 und Selma am 15.06.1923. Ihr Name ist im Geburtsregister mit Sara Benjamin angegeben. Die Familie muss in dem Haus Marktstr. 2 zwischen 1926 und 1933 verschiedene Hausmädchen gehabt haben. Es galt als völlig normal, dass christliche Mädchen und Frauen besonders aus den umliegenden Dörfern in Geschäften und Haushaltungen von Auricher Juden angestellt waren. Das wurde mit dem „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ vom 15. September 1935 anders. Bis Ende September 1935 wohnte auch ein Angestellter mit in dem Haus.
Ebenfalls in der Marktstraße 2 lebte Benjamins Vater, bis er im November 1929 mit 83 Jahren an Altersschwäche starb. Seine Frau war schon am 3. Mai 1916 im Alter von 56 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben. Das Haus gehörte seit 1909 dem Vater, Samuel Wolff. Noch zu seinen Lebzeiten, muss er es seinem Sohn Benno überschrieben haben, der scheinbar bis 1942 der Hausbesitzer war. Er, der 1932 neben vielen christlichen Schlachtern noch Mitglied der Fleischer-Zwangsinnung war und zu dem Zeitpunkt einen Lehrling ausbildete, wird die stetige Einengung der wirtschaftlichen Existenz gespürt haben.

Seine Töchter haben bereits seit 1936 Aurich verlassen. Die älteste, Karoline, zog im April 1936 nach Wuppertal-Elberfeld, die zweite, Fanni, ging im Juni 1936 auf das Gut Spreenhagen in der Mark, im Juni 1937 nach Mannheim und kam im Februar 1939 nach Aurich zurück und ging im Juni 1939 erneut nach Spreenhagen in der Mark Brandenburg, wo z.B. junge Menschen auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitet wurden. Die jüngste Tochter Selma zog am 1. Mai 1938 nach Mannheim.

Ihr Vater, Benjamin, wurde nach der Pogromnacht im November 1938 bis   zum 17. Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Unter dem zunehmenden Druck haben beide   Eltern Benno und Regina Wolff   Aurich verlassen und sind am 27. Februar 1940 nach Düsseldorf gezogen,   am gleichen Tag wie Reginas Schwester Marianne Kussel und ihr Mann Hugo. Das Ehepaar Wolff lebte dort in der Steinstr. 33. Am 10.11.1941 gehörte es zu den 997 Deportierten, die von Düsseldorf-Derendorf aus nach Minsk deportiert wurden. In diesem Zug waren ebenfalls Marianne und Hugo Kussel und deren 16-jährige Tochter Elfriede. Sie wurden alle in Minsk ermordet.

Recherche: Irmtraut Schulze-Rodenberg
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Fotos der Verlegung

Günther Lübbers

 Kennkarte, StA Aurich

Gunter Demnig, fotografiert von Klaus Ortgies für die Ostfriesen-Zeitung

Irmtraut Schulze-Rodenberg mit dem Foto von Benno Wolff

Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:  Staatsarchiv Aurich Rep. 248, Nr. 943
Adressbuch für Stadt und Kreis Aurich 1926
Habben, Johannes in: Reyer, Diekhoff, Die Juden in Aurich, Aurich, 1992, S. 124
Patenschaft: Gunter Siebels-Michel
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

 

 

 

Wolff Jonas Wolff

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolff Jonas WolffWolff Jonas WOLFF
geboren am 29. Mai 1871 in Aurich

Straße: Marktstraße 15
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Treblinka
Wolff Jonas Wolff wurde am 29. 5. 1871 geboren. Seine Eltern waren Jonas Wolff Wolff und Hendel Moses Pels, aus Emden stammend. Er hat neun weitere Geschwister, wovon allerdings nur drei das Erwachsenenalter erreichen. Wolf Jonas Wolf ist Schlachter, wahrscheinlich nur Fleischzerleger, nicht Schächter. Er ist mit Jeanette (Joseph) geborene Samson verheiratet. Das Paar bekommt drei Kinder: Jonni, Henni und Joseph.

Die Familie wohnt im Haus Marktstraße 15: Ein kleines einstöckiges, und nach Schilderungen von Zeitgenossen ärmliches Haus. Die Familie wohnt bis zum 30.08.1939 dort. Zuvor muss Wolf Jonas Wolff das Haus infolge Verarmung verkaufen. Im Grundbuch Band 30 Blatt 1005 lfd. Nr. 4 wird die Auflassung zum 20.06.1939 vermerkt, eingetragen aber erst am 18.12.1939. Das Haus mit Grundstück von insgesamt 150 qm wird für 4.800 RM, das war gerade die Höhe des Einheitswerts, an den Nachbarn Theodor Meyer verkauft. Ein Lombardkredit von 3.000 RM des Vorbesitzers Wolff Jonas Wolff wird damit gelöscht, der Überschuss von 1.800 RM auf ein Sperrkonto gezahlt.

Nach dem 30.08.1939 ziehen die Eltern in das Haus am Neuen Hafen 2. Dieses, noch im jüdischen Besitz, wird von den Auricher Ordnungsbehörden zu einem Judenhaus gemacht. Bis auf den Ältesten leben die Kinder nicht mehr in diesem Haushalt.

Mit dem geplanten Krieg gegen die Niederlande und Frankreich im Frühjahr 1940 müssen alle Juden Ostfriesland verlassen. Die Familie Wolff, das sind jetzt die Eheleute Wolf Jonas, Jeanette und der älteste Sohn Jonas (Jonni), müssen nach Berlin ziehen. Als Wohnort ist in den Meldekarten stets Berlin Rosenstraße 2 bis 4 genannt, was natürlich nicht stimmt. Dies ist hingegen das Gebäude der jüdischen Fürsorgeverwaltung. Die Wolffs müssen wie alle Zwangszugewiesenen bei anderen jüdischen Familien zur Untermiete wohnen. Sie leisten Zwangsarbeit in Berliner Rüstungsbetrieben.

Jonas Wolff wird zusammen mit seiner Frau am 24.08.1942 in das Altenghetto Theresienstadt deportiert und von dort weiter am 26.09.1942 nach Treblinka. Von 1.997 nach Treblinka Deportierten hat keiner überlebt.
Die Stadt Aurich beschlagnahmt am 8.05.1940 derweil das ehemalige Haus der Familie Wolff zur Unterbringung Obdachloser.

Am 10.11.1950 meldet die Jewish Trust Corporation beim verwaltenden Treuhänder Engelbert Meyer einen Anspruch an, denn der Eigentümer könnte sich entgegen rechtsstaatlichen Grundsätzen dieses Eigentum verschafft haben. So schreibt am 7.02.1951 das Nds. Landesamt für die Beaufsichtigung gesperrten Vermögens an Theodor Meyer: „Es ist damit zu rechnen, daß das Vermögen ungerechtfertigt entzogen und damit an Rechtsnachfolger zurückgegeben werden muß.“
Der Eigentümer und Anspruchsgegner wendet ein, das Haus sei bei Kauf in sehr schlechtem Zustand gewesen, nur Abbruchwert. Es ist in dieser Zeit von zwei Mitparteien bewohnt, welche je 12 Mark im Monat Miete zahlen. Am 15.11.1951 kommt es zum Vergleich per Zahlung von 1.250 DM des Theodor Meyer an den JTC für die Rechtsnachfolger – die überlebenden Neffen Siegfried David Wolff und Wilhelm David Wolff.

Jörg Peter trägt die von ihm recherchierten Biographien der Familie Wolff vor.

Henni Klerekooper geb. Wolff

Ihr Ehemann Zwi Klerekooper

Brigitte Weber mit zeigt hier ein Foto von Jeanette Wolff geb. Samson,

Jonas „Jonni“ Wolff

Josef Wolff

Die Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 15

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Fotos Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen: Quellen: Ehem. Melderegister, Geburtenbücher der Jüdischen Gemeinde beim Staatsarchiv Aurich, Rückerstattungsverfahren Verfahrensakte ebd.
Literatur:
Patenschaft: GAP Gruppe im Stadtrat Aurich (Wiard Cordes)
Verlegetermin: 14. Dezember 2013