Archiv für die Kategorie ‘Verlegung’

Sara Jacob Wolff

Veröffentlicht: 4. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Sara Jacob WOLFF
geboren am 21. Mai 1861 in Aurich

Straße: Marktstraße 18
Todesdatum: 1. Juli 1940
Todesort: Emden
Sara wurde am 21. Mai 1961 in Aurich als  zweitjüngstes der fünf Kinder von Jakob Wolff Wolff und Raantje Hartog Abraham Samson geboren.
Sara war 8 Jahre alt als Ihre Mutter starb.  4 1/2 Jahre danach starb auch der Vater. Zeitlebens lebte Sara im Kreis ihrer  Geschwister und heiratete nicht. Die Brüder arbeiteten als Schlachter. Die ältere Schwester Fanny hatte als einzige eine Familie gegründet.Alle drei  Geschwister bis auf ihren Bruder Wolff waren  vor Ausbruch der Terrorherrschaft der Nazis bereits verstorben.Seit ihrer frühen Kindheit und später als ledige Frau war es vermutlich immer ihre Aufgabe gewesen, den Haushalt zu führen und für das leibliche Wohl ihrer Familienmitglieder zu sorgen. Außerdem war sie die Tante von drei Nichten.

Seit dem Tod des ältesten Bruders Levy im Jahr 1923  lebte sie mit ihrem sechs Jahre älteren Bruder Wolff in der Marktstraße 18. Schon seit 1933, der Machtergreifung der NSDAP,  wurde der Lebensalltag des betagten Geschwisterpaars  von ständig wachsender  Ausgrenzung und Entrechtung bedroht, die  in der Pogromnacht im November 1938 zunächst ihren Höhepunkt erreichten.

Ungläubig und erschrocken werden sie die Nachricht aufgenommen haben, dass ihre letzten Angehörigen, die drei Nichten Marianne, Regina und Auguste mit ihren Familien nacheinander unfreiwillig von Aurich wegziehen mussten.

Alt, hilflos und allein gelassen,  konnten jetzt auch Sara und ihr Bruder der Aufforderung Aurich endgültig zu verlassen nicht mehr entrinnen. Im März 1940 wurden sie – von den  Behörden und der Ortspolizei  – mit den letzten 20 jüdischen Mitbürgern ihrer Heimatstadt Aurich verwiesen. Am 27. März 1940 verließ Sara das Haus in Aurich, gemeinsam mit Wolff, ihrem Bruder. In Emden wurden sie getrennt.

Das jüdische Altenheim in Emden war im Zuge der letzten  Maßnahmen völlig  mit alten und gebrechlichen  Menschen aus ganz Ostfriesland, die der Ausweisung noch nicht gefolgt waren, überfüllt.

Saras notdürftige Unterkunft wurde eines der sogenannten „Judenhäuser“ im Sandpfad 4. Von hier aus  blickte Sara  auf die Ruine der im November des Vorjahres zerstörten Emder Synagoge.

Die ersten Bomben der alliierten Streitkräfte (der Engländer) waren schon im März 1940 auf Emden gefallen.

Medizinische Versorgung gab es  für jüdische Mitbürger nicht mehr.

Sara Wolff starb am 1. Juli 1940, vier Monate nach der Vertreibung aus Aurich im Alter von 79 Jahren.

Gunter Demnig bei der Verlegung der beiden Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 18

Recherche: Christiane Meissner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 14.12.2013)
Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Christiane Meissner
Verlegetermin: 14. Dezember  2013

 

 

 

Wolff Jacob Wolff

Veröffentlicht: 4. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Wolff Jacob WOLFF
geboren am 25. Oktober 1855 in Aurich

Straße: Marktstraße 18
Todesdatum: 1. Juni 1941
Todesort: Emden
Wolff Jacob Wolff wurde am 25. Oktober 1855 in Aurich geboren. Er war der zweitälteste Sohn von Jakob Wolff Wolff und Raantje Hartog Abraham Samson. Drei seiner Geschwister Levy , Fanny und Gütel Guste waren bereits vor der Terrorherrschaft der Nazis verstorben. Zusammen mit seiner sechs Jahre jüngeren Schwester Sara lebte der unverheiratete und kinderlos gebliebene Rentner in seinem von ihm und seinem Bruder Levy im Jahre 1910 erworbenen Haus. Das Haus hatte ein kleines Hintergebäude und im Jahr 1915 wurde eine kleine Waschküche angebaut.

Wolff Jakob Wolff hatte ein langes Arbeitsleben als Schlachter hinter sich, als sein Leben  in Aurich zunehmend Angriffen physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt war.

Er musste mit ansehen, wie seiner Verwandtschaft und seinen  jüdischen Kollegen mit dem verhängten Boykott gegen jüdische Geschäfte die wirtschaftliche Grundlage entzogen wurde.

Der Alltag  seines verdienten Lebensabends war seit 1933 von Angst, Demütigungen und Entbehrungen geprägt.

1939 hatte er seine Nichte Marianne mit ihrem Mann Hugo Kussel und ihre beiden Töchter bei sich aufgenommen, die ihr Haus in der Wallstraße 10 verlassen mussten.

Ziel der Nazis war es, alle Juden bis zum 1. April 1940 aus ganz Ostfriesland zu verbannen.

Der Sohn des letzten jüdischen Synagogenvorstehers Wolff Wolff  wurde unter Haftandrohung dazu  gezwungen, die Auswanderung und den Wegzug  seiner Gemeindemitglieder zu organisieren und durchzusetzen.

Besonders die alten und armen jüdischen Bürger wussten keinen Ausweg aus dieser verheerenden Situation. Dem Synagogenvorsteher wurde die schwere Aufgabe zuteil, die älteren Menschen mit Wohnraum zu versorgen. Ihm wurde es gestattet, Personen über 70 Jahre in das jüdische Altenheim Emden zu bringen.

(„Eine Initiative ostfriesischer Landräte und des Magistrats der Stadt Emden führte schließlich Ende Januar 1940 zu der Weisung der Gestapo-Leitstelle Wilhelmshaven, wonach Juden Ostfriesland bis zum 1. April 1940 verlassen sollten. Lediglich Personen über 70 Jahre war ein Aufenthalt im jüdischen Altenheim in Emden gestattet“.)

Am 27. März 1940 verließ Wolff Jacob Wolff im  Alter von 84 Jahren  sein Haus in Aurich. In dem jüdischen Gemeindehaus in Emden, das als sogenanntes „Judenhaus“ fungierte, lebte er in eng bedrängten Verhältnissen bis zu seinem Tod.

Wolff Jakob Wolff  starb am  1. Juni 1941 im Emden und entging damit der Deportation der letzten 146 noch in Ostfriesland verbliebenden Juden in das Ghetto Litzmannstadt und das Vernichtungslager Theresienstadt im Oktober 1941.

Im Zuge des Rückerstattungsverfahrens von Eigentum  erhielten  die überlebenden Nachkommen seiner Schwester Fanny eine Entschädigung.

Recherche: Christiane Meissner
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer

 

Gunter Demnig bei der Verlegung der beiden Stolpersteine vor dem Haus Marktstraße 18


(Stand 14.12.2013)

Fotos: Günther Lübbers
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: GAP Aurich
Verlegetermin: 14. Dezember  2013

 

 

 

Friedrich „Fritz“ Hoffmann

Veröffentlicht: 3. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Friedrich „Fritz“ HOFFMANN
geboren am 18. Januar 1989 in Elberfeld

Straße: Wallstraße 19
Todesdatum: Unbekannt (5. Mai 1942 Deportation nach Chelmno)
Todesort: Chelmno nad Nerem (Kulmhof)

Friedrich „Fritz“ Hoffmann (Sammlung Zuntz)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Siegfried Friedrich Hoffmann wird am 18.01.1889 in Elberfeld geboren. Er ist das fünfte Kind des Elberfelder Hoteliers Heinrich Hoffmann (*1. April 1853 in Triest!) und seiner Ehefrau Helene geb. Falk. Er hat eine ältere Schwester Johanna *15. 4. 1886 und noch ältere Brüder Julius *11. 5. 1885, Felix * 28. 11. 1881 und Alexander * 22. 3. 1883.

Sein Vater kauft 1893/94 vom Vorbesitzer Moses von der Wall das 1889 erbaute Wohnhaus mit Hinterhaus und Hof in der Bismarckstraße 4, Ecke Roonstraße, auf Norderney. Er erweitert es und macht es zu einem Haus ersten Ranges, so die Werbung in einer Anzeige …einzigstes Hotel unter Rabbinatsaufsicht auf den Nordsee-Inseln (s. Foto unten).

Die Kinder Julius, Johanna (verh. Hergershausen) und Friedrich übernehmen 1922 diesen Betrieb.

Friedrich heiratet 1920 Rebekka Wallheimer aus Aurich (s. Foto unten). Das Paar bekommt drei Kinder: Eva, Helene und Henry. Mit der Wirtschaftskrise und den schon im Frühjahr 1933 anschließenden Boykottaufrufen gegen jüdische Gäste gerät der Familienbetrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die 1935 in der Zwangsversteigerung enden. Die Familie zieht nach Aurich, dem Geburtsort seiner Frau. Friedrich arbeitet dann als Koch an vielen Orten in Deutschland und der Schweiz: Arosa, Köln, Ohrdruf, Mannheim, Leipzig, Aachen, Leipzig usw.. (Foto als Koch s. u.). Auf seine tropischen Erfahrungen aus der Seefahrt aus Reisen nach Argentinien weist er in Briefen an seine Tochter mehrfach hin. Er ist nur alle paar Monate für wenige Tage zuhause in Aurich.

Die immer schärfer werdende politische und wirtschaftliche Verfolgung in den 30ern veranlasst ihn, seine beiden Töchter ins Ausland zu schicken. Eva im Mai 1938 zu Verwandten nach Italien, dann Helene mit der Jugend-Aliyah im März 1939 nach Palästina. Auch sein Sohn Henry – noch ein Kind – soll nach Erez kommen. Er versucht es mit allen Mitteln über die Reichsvereinigung zu erreichen – wenigstens ein Vorbereitungslager. Dies gelingt aber erst im Frühjahr 1940 im Landwerk Steckelsdorf bei Rathenow.

Das Haus in der Wallstraße 19 muss verkauft werden. Seine Frau Rebekka lebt allein mit ihrem halbwüchsigen Sohn und führt ab 1.01.1938 den Haushalt als Mittelpunkt der nun bald weitverstreuten Familie im Haus Markstraße 4 (ein Judenhaus). Zwischenzeitlich nimmt sie ein Kleinkind – Lora – in Pflege.

Seine letzten Arbeitsstätten als Koch sind das israelitische Krankenhaus in Leipzig (s. Foto unten), und ab 2.05.1939 in Hamburg die Gaststätte Hellmanns (Julius Hellmann) beim Jüdischen Kulturbund Hamburg in der Hartungstraße 9-11 (s. Foto unten). Dort wird ihm zum 6.08.1939 gekündigt, und ab dem 21.08.1939 arbeitet er im Altenheim Emden in der Klaas-Tholen-Straße.

In diesen Zeiten schreibt Friedrich seiner Tochter alle zwei bis drei Tage einen Brief oder eine Postkarte nach Palästina – seine Frau Rebekka tut das auch. Es sind Lebenszeichen und sie enthalten gutväterliche Ratschläge über das richtige Essen, Trinken, Eifer beim Lernen von Ivrith usw. Es ist ein reger fast intimer Gedankenstrom. Er benennt seine Tochter in lustigen Vexierspielen mit allen möglichen Kosenamen, wie auch (Leni-)Möh . Und dies oder jenes dort offenbarte Geheimnis dürfe sie nicht an Mutter verraten (ein Abszess am Achtersteven wofür er vier Wochen im Krankenhaus lag). Natürlich spricht aus diesen Zeilen die seelische Not eines Vaters über sein fortgegangenes Kind: Wenn wir doch auch bald in Erez wären. Zugleich schreibt er, – es geht uns gut, wir haben zu essen, Mutter ist hübsch wie immer und Henry, der sich zuhause ein wenig langweilt, macht sich auch gut – aber es wird alles immer mieser. Dem heutigen Leser teilt sich die Bedrückung aus diesen Zeilen sehr wohl mit.

Mit der Vertreibung der Auricher Juden im Frühjahr 1940 können Friedrich und seine Frau Rebekka ins Altenheim nach Emden umziehen und führen dort die Hauswirtschaft. Bald reißen die Brief-Nachrichten von dort an ihre Tochter Leni ab. Es ist anzunehmen ist, dass sich ihre Lebenslage rapide verschlechtert hat.

Am 23.10.1941 muss er mit seiner Frau und weiteren 121 Insassen des Heims den Weg zum Bahnhof-West in Emden antreten. Sie werden mit einem Zuliefertransport nach Berlin gebracht, der dort am 24. 10. Ankommt, und von dort gleich weiter nach Łódź  deportiert, wo sie am 25.10.1941 eintreffen. Auf der Transportliste ist Friedrich mit Beruf „Koch“ und „arbeitsfähig“ vermerkt und er führt den festgestellten Geldbetrag von 51,91 RM mit – dem man ihm sogleich bei Ankunft im Eintausch mit wertlosem Ghettogeld, abnimmt. Die Emder werden im sogen. Greisenheim in der ul. Gnieźnieńska 26 untergebracht. In Łódź verlieren sich die individuellen Spuren von Friedrich Hoffmann und seiner Frau.

Dieser Transport war einer der ersten zu einer Zeit, als das industrielle System des Massenmords noch nicht etabliert und dementsprechend behelfsmäßig war. Um im Ghetto Platz für zu schaffen, werden ab Januar 1942 Arbeitsunfähige in das 70 km entfernte Chełmno nad Nerem  gebracht. Friedrich Hoffmann und seine Frau sind am 4.05.1942 dabei. Die Opfer werden in bereitstehende Möbellastwagen getrieben. Die umgelenkten Auspuffgase des dann angelassenen Motors ersticken die Eingepferchten. Der Fahrer fährt das Fahrzeug anschließend zum Entladen an vorbereitete Gruben.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2015)

 

Gedenkwand bei den Massengräbern bei Chelmno nad Nerem (Kulmhof)

Freilegung von Gebäuderesten auf dem Museumsgelände des früheren Vernichtungslagers. Fotos Günther Lübbers

Die Stolpersteine für Familie Hoffmann an der Stelle, wo früher das Haus Wallstraße 19 stand, heute ist dort die Zufahrt zum Gebäude der Sparkasse Aurich-Norden.

Fotos: – Friedrich Hoffmann (Datum unbekannt)– Sammlung Zuntz
– Friedrich Hoffmann 1911  – Sammlung Zuntz
– Hochzeitsfoto Rebekka und Fritz Hoffmann – Sammlung Zuntz
– Hoffmanns Hotel Falk 1900 – Pauluhn, a.a.O.
– Die Nachkommen der Helene Hoffmann am Ort des früheren Hotels am 18. 7. 14 Günther Lübbers
– „Das Neue israelitische Krankenhaus in Leipzig“
– Krankenhaus Leipzig heute (Eitingonstraße 12)
– Speisesaal des Gemeindezentrums, später Gaststätte Hellmanns
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich und Kennkartensammlung beim Nds. Staatsarchiv
– Korrespondenz und Sammlung Gabriel Zuntz – Sde Eliahu
– Ingeborg Pauluhn – Zur Geschichte der Juden auf Norderney, Hamburg 2003
– Projekt Emden-Łódź
Literatur:
Patenschaft: Johann Schmidt
Verlegetermin: 17. Juli  2014

Friedrich „Fritz“ Hoffmann (Sammlung Zuntz)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fritz und Rebecca Hoffmann (Sammlung Zuntz)

Hoffmanns Hotel Falk 1900 – Zur Geschichte der Juden auf Norderney, Hamburg 2003

Die Nachkommen der Helene Hoffmann am Ort des früheren Hotelsauf Norderney am 18.07.2014

Krankenhaus Leipzig heute
früher: „Das Neue israelitische Krankenhaus in Leipzig“

Speisesaal des Gemeindezentrums, später Gaststätte Hellmanns

 

 

 

 

 

 

 

Rebekka Hoffmann geb. Wallheimer

Veröffentlicht: 2. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Rebekka HOFFMANN geb. Wallheimer
geboren am 5. Mai 1893 in Aurich

Straße: Wallstraße 19
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Chelmno am 4.05.1942)
Todesort: Chelmno nad Nerem (Kulmhof)

Rebecca Hoffmann ca. 1920

 

 

 

 

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Rebekka Hoffmann wird am 5.05.1893 geboren als das 14. Kind der Eltern Benjamin Baruch Wallheimer und Eva Markus geb. Herzberg. Rebekka hat noch drei jüngere Geschwister. Ihr Vater betreibt mit seinen Onkeln Levy und Abraham Cohen das Viehhändlergeschäft und Schlachterhandwerk im Haus Breiter Weg 1 in Aurich. Hinter dem Haus dort befinden sich Stallungen und Räume einer koscheren Fleischfabrikation. Die Waren werden in ganz Deutschland vertrieben.

Rebekka heiratet den Koch und Hotelbesitzer Friedrich Hoffmann. Sie und Ihr Mann betreiben es – das Hoffmanns Hotel Falk – zusammen mit Friedrichs Bruder Julius und seiner Schwester Johanne auf Norderney. Dort lebt die Familie und es werden drei Kinder geboren: Eva, Helene und Henry.

Mit der Wirtschaftskrise und mit den schon im Frühjahr 1933 anschließenden Boykottaufrufen gegen jüdische Gäste gerät der Familienbetrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die 1935 in der Zwangsversteigerung enden. Die Familie zieht nach Aurich, Rebekkas Geburtsort. Ihr Mann arbeitet dann als Koch an vielen Orten in Deutschland und auch in der Seefahrt. Er ist nur alle paar Monate für wenige Tage zu Hause in Aurich.
Sie bringen die beiden Mädchen ins Ausland. Zuerst Eva im Mai 1938 zu Verwandten nach Italien, dann Helene mit der Jugend-Aliyah im März 1939 nach Palästina. Auch ihr Sohn Henry – noch ein Kind – soll nach Erez Israel kommen. Ihr Mann versucht es mit allen Mitteln über die Reichsvereinigung zu erreichen – wenigstens den Aufenthalt in  einem Vorbereitungslager. Dies gelingt aber erst im Frühjahr 1940 im Landwerk Steckelsdorf bei Rathenow.

Das Haus in der Wallstraße 19 muss verkauft werden. Rebekka lebt allein mit ihrem halbwüchsigen Sohn und führt den Haushalt als Mittelpunkt der nun weitverstreuten Familie im Haus Markstraße 4, einem „Judenhaus“. Zwischenzeitlich nimmt sie ein Kleinkind in Pflege namens Lora oder ähnlich.

Die letzten Arbeitsstätten ihres Mannes sind das Jüdische Krankenhaus in Leipzig und das Jüdischen Gemeindezentrum in der Hartungstraße in Hamburg. Letzteres muss 1939 aus wirtschaftlichen Gründen den Gaststättenbetrieb schließen. Ihr Mann wird wieder arbeitslos und kommt nach Aurich zurück.
Mit der Vertreibung der Auricher Juden im Frühjahr 1940 können Rebekka und ihr Mann ins Altenheim nach Emden umziehen und führen dort die Hauswirtschaft. Bald reißen die Brief-Nachrichten von dort an ihre Tochter Leni ab. Es ist anzunehmen ist, dass sich ihre Lebenslage rapide verschlechtert hat.

Am 23.10.1941 muss sie mit ihrem Mann und weiteren 121 Insassen des Heims den Weg zum Bahnhof-West antreten. Sie werden mit einem Zuliefertransport nach Berlin gebracht, der es am 24.10. erreicht, und gleich weiter nach Łódź deportiert, wo sie am 25.10.1941 eintreffen. Auf der Transportliste ist Rebekka mit Beruf „Köchin“ und „arbeitsfähig“ vermerkt und sie führt den festgestellten Geldbetrag von 52,21 RM mit. Die Emder werden im sogen. Greisenheim in der ulica Gnieźnieńska 26 untergebracht.

In Łódź verlieren sich die individuellen Spuren von Rebekka Hoffmann. Die Lebensumstände im Ghetto aus Enge, Hunger und Kälte fordern schnell Opfer bei den Alten.

Dieser Transport war einer der ersten zu einer Zeit, als das industrielle System des Massenmords noch nicht etabliert und dementsprechend behelfsmäßig war. Um im Ghetto Platz zu schaffen, werden ab Januar 1942 Arbeitsunfähige in das 70 km entfernte Chełmno nad Nerem gebracht. Rebekka Hoffmann und ihr Mann sind am 4.05.1942 dabei. Die Opfer werden in bereitstehende Möbellastwagen getrieben. Die umgelenkten Auspuffgase des dann angelassenen Motors ersticken die Eingepferchten. Der Fahrer fährt das Fahrzeug anschließend zum Entladen an vorbereitete Gruben.

Gedenkwand bei den Massengräbern bei Chelmno nad Nerem (Kulmhof)

Freilegung von Gebäuderesten auf dem Museumsgelände des früheren Vernichtungslagers. Fotos Günther Lübbers

 

Die Stolpersteine für Familie Hoffmann an der Stelle, wo früher das Haus Wallstraße 19 stand, heute ist dort die Zufahrt zum Gebäude der Sparkasse Aurich-Norden.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2015)

Foto: 

 

 

 

– Rebekka Wallheimer verh. Hoffman ca. 1920 (Sammlung Zuntz)
– Rebekka Hoffmann geb. Wallheimer ca. 1938 (Sammlung Zuntz)
– Innenansichten des jüdischen Altenheims in Emden Klaas-Tholenstraße (Stadtarchiv Emden)
– Die Insassen des jüdischen Alten-heims in Emden am 23. 10. 1941 auf dem Weg durch die Stadt zum Bahnhof (Ostfriesische Tageszeitung OTZ vom 11. 2. 42; Stadtarchiv Emden)
– Ausschnitt aus der Lagerregistratur Łódź (Projekt Eine Reise nach Łódź)
– Kennkarte Rebekka Hoffmann (9.01.1939 – Staatsarchiv Aurich)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich und Kennkartensammlung beim Nds. Staatsarchiv
– Korrespondenz und Sammlung Gabriel Zuntz – Sde Eliahu
– Projekt Emden-Łódź
Literatur:
Patenschaft: Anita Schürmann
Verlegetermin: 17. Juli 2014

Rebekka Hoffmann geb. Wallheimer ca. 1938 (Sammlung Zuntz)

Innenansichten des jüdischen Altenheims in Emden Klaas-Tholenstraße (Stadtarchiv Emden)

Kennkarte Rebekka Hoffmann 1939

 

 

 

 

Die Insassen des jüdischen Altenheims in Emden am 23. 10. 1941 auf dem Weg durch die Stadt zum Bahnhof (Ostfriesische Tageszeitung OTZ vom 11. 2. 42; Stadtarchiv Emden)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausschnitt aus der Lagerregistratur Łódź (Projekt Eine Reise nach Łódź)

 

Helene Hoffmann verh. Zunzt

Veröffentlicht: 2. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Helene HOFFMANN verh. Zuntz
geboren am 26. Juni 1923 in Norderney

Straße: Wallstraße 19
Todesdatum: 29.11.2003
Todesort: Kibbuz Sde Eliyahu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Helene Hoffmann wird geboren am 26.06.1923 als das zweite Kind der Eltern Friedrich Hoffmann und Rebekka geb. Wallheimer. Helene hat eine ältere Schwester – Eva und einen jüngeren Bruder – Henry. Helene und Eva können durch rechtzeitige Auswanderung der Shoah entgehen. Ihre Eltern betreiben mit den Geschwistern ihres Vaters ein großes Hotel auf Norderney – Hoffmanns Hotel Falk. Mit der Wirtschaftskrise und den anschließenden Boykottaufrufen gegen jüdische Gäste gerät der Betrieb 1935 in die Zwangsversteigerung. Ihre Eltern ziehen nach Aurich, dem Geburtsort der Mutter. Ihr Vater arbeitet dann als Koch an vielen Orten in Deutschland und auch in der Seefahrt.

Als sich die Ausweglosigkeit des weiteren Bleibens in Deutschland abzeichnet, können ihre Eltern zuerst Eva zu Verwandten nach Italien, dann Helene 1939 mit der Jugend-Aliyah ins sichere Ausland bringen. Der Bruder Henry soll auch nach Erez kommen. Das versucht der Vater mit allen Mitteln über die Reichsvereinigung zu erreichen – wenigstens ein Vorbereitungslager.

Am 8.03.1939 kommt Helene mit der Bahn in Triest an und besteigt ein Schiff nach Palästina, wo sie am 11.03.1939 ankommt. Sie wohnt im Iwdi-Heim bei der Hauswirtschaftsschule Beth Zeiroth in der Raschistraße 60 in Jerusalem. In dieser Schule lernt sie alle Fertigkeiten der Hauswirtschaft für ein Pionierlebens beim Aufbau eines Kibbuz’s. Ihre Koch- und Backkünste werden noch heute von ihren Kindern und Enkeln hoch gepriesen.

Sie muss alle Umstände der Tropen wie Hitze, Durchfall und Hygiene durchleben. Sie hat sogleich Kontakt zu einigen anderen Aurichern, die bereits dort leben oder vorhaben dorthin zu kommen. Ihre Verwandten schreiben: Es sind ihre Cousinen und Cousins und Tanten und Onkel. Aus allen Briefen ist nicht zu erahnen, was den Zurückgebliebenen bevorsteht. Ihre Cousins Wolff und Benno Wolffs (+Irma) schreiben recht nonchalant über den Sprengstoffanschlag auf die PATRIA, dem sie unverletzt entkamen. Sie erzählen über die Kälte nachts im Lager Atlit und es würde durch undichte Fenster ziehen.

Ihr Vater schreibt stets im Sinn von – es ist alles gut, wir haben was zu essen und Deine Mutter (Rebekka) sieht hübsch aus wie eh’ und je. Zum Jahresende 1939 und Anfang 1940 werden die Briefe kürzer und die Frequenz geringer.

Als die Eltern im Frühjahr 1940 nach Emden in das Altersheim umziehen müssen, hören sie ganz auf. Möglich ist auch, dass die Reichspost sie nicht mehr befördert. Zuvor wurde per Gesetz verfügt: Juden dürfen keine Pakete senden oder empfangen.

Helene heiratet 1942 Walter (Meir) Zuntz. Ein Teil der Familie Zuntz, sie stammt aus dem Rheinland, emigriert vor dem Krieg noch nach Palästina. Das Paar bekommt fünf Kinder, es sind: Gabriel *1943, Efrat *1945, Amram *1949, Elon *1954 und Miryam *1961.  Helene Zuntz lebt bis zu ihrem Tod am 29. 11. 2003 im Kibbuz Sde Eliyahu. Einen Kontakt nach Deutschland nahm sie nie auf. Lediglich mit ihrer Schwester Eva ist sie nach dem Krieg noch einmal zusammengekommen. Aber es folgte nichts weiteres. Die heute in Israel lebenden Angehörigen wissen nicht warum.

Mitglieder der Familie Zuntz bei der Stolpersteinverlegung am 17. Juli 2014

Im Vorfeld dieser Stolpersteinrecherche ist ein Kontakt mit dem ersten Sohn von Helene, Gabriel, zustande gekommen. Es folgte die Einladung, bei der Stolpersteinlegung am 17.07. 2014 dabei zu sein. Es kamen 21 Familienmitglieder – und es waren nicht alle, es fehlten die Urenkel aus der Wurzel Leni und Meir Zuntz zu Besuch nach Aurich. Der Verfasser deklamierte in diesen Momenten der Wiederfindung den Psalm 126 über die Erlösung des Volkes Israel aus der Gefangenschaft, mit den Worten endend: Die mit Tränen sähen, werden mit Freuden ernten.

Familie Zuntz mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 9 E2 der Realschule Moordorf, den Paten des Stolpersteines für Helenes Bruder Heinz (Henry).

Die Stolpersteine für Familie Hoffmann an der Stelle, wo früher das Haus Wallstraße 19 stand, heute ist dort die Zufahrt zum Gebäude der Sparkasse Aurich-Norden.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2015)

Fotos: 

 

– Leni Zuntz geb. Hoffmann – 1949 (Sammlung Zuntz)
– Leni Zuntz geb. Hoffmann – als Pionier im Kibbuz Sde Eliyahu, 1942 (Sammlung Zuntz)
– Kinder und Enkelkinder von Leni Zuntz bei der Stolpersteinverlegung  in Aurich am 17.06.2014- weitere Fotos der Stolpersteinverlegung (Günther Lübbers)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv
– Korrespondenz und Sammlung Gabriel Zuntz – Sde Eliahu.
Literatur:
Patenschaft: Hans-Gerd Meyerholz
Verlegetermin: 17. Juli  2014

Helene Zuntz im Kibbuz Sde Eliyahu

 

 

Eva Hoffmann verh. Fabbri

Veröffentlicht: 2. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Eva HOFFMANN verh. Fabbri
geboren am 10. November 1921 in Norderney

Straße: Wallstraße 19
Todesdatum: 2009
Todesort: Unbekannt (vermutlich in Italien)

Eva Hoffmann verh. Fabbri Januar 1939

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Eva Hoffmann, geboren am 10.11.1921 in Norderney, ist das erste Kind der Eltern Friedrich Hoffmann und Rebekka geborene Wallheimer. Eva hat noch eine Schwester Helene und einen Bruder Heinz (Henry). Dieser überlebt die Shoah nicht

Ihre Eltern betreiben mit den Geschwistern ihres Vaters ein großes Hotel auf Norderney, „Hoffmanns Hotel Falk“. Mit der Wirtschaftskrise und den anschließenden Boykottaufrufen gegen jüdische Gäste gerät der Betrieb 1935 in die Zwangsversteigerung. Ihre Eltern ziehen nach Aurich, dem Geburtsort der Mutter. Ihr Vater arbeitet dann als Koch an vielen Orten in Deutschland und auch in der Seefahrt.

Eva Hoffmann kann wie alle jungen Juden in Aurich weder eine Schul- noch Berufsausbildung anfangen. Sie geht als Hausmädchen am 3. Juli 1937 nach Gießen und weiter am 23. Dezember nach Ludwigshafen. Am 17. Mai 1938 zieht sie nach Palermo auf Sizilien. Die Familie Hoffmann hat verwandtschaftliche Beziehungen nach Italien, ihr Großvater stammt aus Triest.

Eva Hoffmann heiratet Piero Fabbri. Mit dieser Verbindung sind die Eltern nicht einverstanden. Jedenfalls spricht ihr Vater nur schlecht darüber und möchte, dass seine andere Tochter, Leni in Palästina, keinen Kontakt mit ihr unterhält. Eva beschreibt ihr glückliches Leben mit ihrem Mann Piero. Sie will etwas für ihre Eltern, Henry und Leni tun. Aber Evas Beschreibungen ihres Lebens und der Hilfebekundung wirken in ihrer Naivität, Selbstzufriedenheit und Allgemeinheit seltsam kontrastiert zu den realen Nöten ihrer Eltern und dem harten Pionierleben ihrer Schwester in Palästina. Die Eltern antworten nicht auf ihre Offerten und auch nicht auf das Telegramm über die Geburt ihres Kindes. Ob Leni in Palästina Hilfe von ihrer Schwester erhalten hat, ist nicht überliefert.

Eva schreibt ihrer Schwester Leni jedoch mehrmals und berichtet von ihrem Familienleben, ihren Kindern, Mirella *5. 10. 1939 und Frederico [sic!]. Nach dem Krieg besucht sie ihre Schwester in Israel. Aus der Zeit danach gibt es keine weiteren Zeugnisse. Von den anderen nach Palästina emigrierten Aurichern hat keiner mehr Kontakt zu ihr bekommen. Sie stirbt 2009.

Die Stolpersteine für Familie Hoffmann an der Stelle, wo früher das Haus Wallstraße 19 stand, heute ist dort die Zufahrt zum Gebäude der Sparkasse Aurich-Norden.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2015)

Fotos: – Eva Fabbri geb. Hoffmann Jan. 1939 (Sammlung Zuntz)
– Eva und Piero Fabbri – undatiert (Sammlung Zuntz)

-Stolpersteine (Günther Lübbers)

Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsar-chiv,

– Korrespondenz und Sammlung Gabriel Zuntz – Sde Eliahu

Literatur:
Patenschaft: Uwe und Elke Hemmelskamp
Verlegetermin: 17. Juli 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eva und Piero Fabbri

Veröffentlicht: 2. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Eva HOFFMANN verh. Fabbri
geboren am 10. November 1921 in Norderney

Straße: Wallstraße 19
Todesdatum: 2009
Todesort: Unbekannt (vermutlich in Italien)

Eva Hoffmann 1939

 

 

 

 

 

 

 

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Eva Hoffmann, geboren am 10.11.1921 in Norderney, ist das erste Kind der Eltern Friedrich Hoffmann und Rebekka geborene Wallheimer. Eva hat noch eine Schwester und einen Bruder. Dieser überlebt nicht die Shoah.Ihre Eltern betreiben mit den Geschwistern ihres Vaters ein großes Hotel auf Norderney, „Hoffmanns Hotel Falk“. Mit der Wirtschaftskrise und den anschließenden Boykottaufrufen gegen jüdische Gäste gerät der Betrieb 1935 in die Zwangs-versteigerung. Ihre Eltern ziehen nach Aurich, dem Geburtsort der Mutter. Ihr Vater arbeitet dann als Koch an vielen Orten in Deutschland und auch in der Seefahrt.

Eva Hoffmann kann wie alle jungen Juden in Aurich weder eine Schul- noch Berufsausbildung anfangen. Sie geht als Hausmädchen am 3. Juli 1937 nach Gießen und weiter am 23. Dezember nach Ludwigshafen. Am 17. Mai 1938 geht sie nach Palermo auf Sizilien. Die Familie Hoffmann hat verwandtschaftliche Beziehungen nach Italien, ihr Großvater stammt aus Triest.
Eva Hoffmann heiratet Piero Fabbri. Mit dieser Verbindung sind die Eltern nicht einverstanden. Jedenfalls spricht ihr Vater nur schlecht über sie und möchte, dass seine andere Tochter, Leni in Palästina, keinen Kontakt mit ihr unterhält. Eva beschreibt ihr glückliches Leben mit ihrem Mann Piero. Sie will etwas für ihre Eltern, Henry und Leni tun. Aber Evas Beschreibungen ihres Lebens und der Hilfebekundung wirken in ihrer Naivität, Selbstzufriedenheit und Allgemeinheit seltsam kontrastiert zu den realen Nöten ihrer Eltern und dem harten Pionierleben ihrer Schwester in Palästina. Die Eltern antworten nicht auf ihre Offerten und auch nicht auf das Telegramm über die Geburt ihres Kindes. Ob Leni in Palästina Hilfe von ihrer Schwester erhalten hat, ist nicht überliefert.

Eva schreibt ihrer Schwester Leni jedoch mehrmals und berichtet von ihrem Familienleben, ihren Kindern, Mirella *5. 10. 1939 und Frederico [sic!]. Nach dem Krieg besucht sie ihre Schwester in Israel. Aus der Zeit danach gibt es keine weiteren Zeugnisse. Von den anderen nach Palästina emigrierten Aurichern hat keiner mehr Kontakt zu ihr bekommen. Sie stirbt 2009.

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2015)

Foto:

 

 

 

– Eva Fabbri geb. Hoffmann Jan. 1939 (Sammlung Zuntz)
– Eva und Piero Fabbri – undatiert (Sammlung Zuntz)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsar-chiv,

– Korrespondenz und Sammlung Gabriel Zuntz – Sde Eliahu

Literatur:
Patenschaft: Uwe und Elke Hemmelskamp
Verlegetermin: 27. Januar  2015

 

 

 

Heinz „Henry“ Hoffmann

Veröffentlicht: 2. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Heinz „Henry“ HOFFMANN
geboren am 14. Juni 1924 in Norderney

Straße: Wallstraße 19
Todesdatum: unbekannt, wahrscheinlich 1942
Todesort: unbekannt, möglicherweise Theresienstadt
 

Henry Hoffmann 1939

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Henry Hoffmann ist das dritte Kind der Eltern Friedrich Hoffmann und Rebekka geborene Wallheimer. Henry hat zwei ältere Schwestern – Eva und Helene. Sie können durch rechtzeitige Auswanderung der Shoah entgehen. Seine Eltern betreiben mit den Geschwistern seines Vaters ein großes Hotel auf Norderney – Hoffmanns Hotel Falk. Mit der Wirtschaftskrise und den anschließenden Boykottaufrufen gegen jüdische Gäste gerät der Betrieb 1935 in die Zwangsversteigerung. Ihre Eltern ziehen nach Aurich, dem Geburtsort der Mutter. Sein Vater arbeitet dann als Koch an vielen Orten in Deutschland und auch in der Seefahrt. Seine Eltern können zuerst Eva zu Verwandten nach Italien, dann Helene 1939 mit der Beth Aliyah ins sichere Ausland bringen: als sich die Ausweglosigkeit des weiteren Bleibens in Deutschland abzeichnet. Der Vater versucht mit allen Mitteln über die Reichsvereinigung ähnliches für seinen Sohn zu erreichen, wenigstens ein Vorbereitungslager. Aber es gelingt nicht. Henry versucht sich mit kleinen und größeren Diensten nützlich zu machen. Sein Vater beschreibt ihn als noch sehr kindlich und verträumt – und seine Rechtschreibung ließe zu wünschen übrig, wie der Vater schreibt. Aber er repariert für alle Juden die Fahrräder in Aurich. Es wäre zu schön, wenn er auch nach Erez käme, schreibt er an seine Tochter nach Palästina. Und …vielleicht könnte Henry nach Ahlem bei Hannover auf die Gartenbauschule. Hauptsache ist ja jetzt, dass er etwas lernt, was ist egal, nur damit er bald raus kann.

Am 14.08.1939 fängt er bei einem Bauern in Schirum als Gehilfe an, und der Vater hofft, er wird etwas Nützliches lernen. Später ist er bei einem anderen Bauern in Ludwigsdorf. Seine Altersgenossen Siegfried Samson und Menno Cohen sind mit dabei.

Im Frühjahr 1940 müssen alle Juden Aurich aus „militärischen Gründen“ verlassen. Seine Eltern ziehen in das jüdische Altersheim nach Emden in der Claas-Tholen-Straße. Und Henry geht am 20. 2. 40 zum Jüdischen Umschulungsgut Landwerk Steckelsdorf-Ausbau. (heute ein Kinderheim).

Der „Bund religiöser Pioniere“ betriebt dort  die jüdische Ausbildungsstatte für jugendliche Auswanderer, die gärtnerische oder landwirtschaftliche Berufe erlernen sollten. Das Haus diente ursprünglich als Jagdvilla eines Berliner Industriellen, der seiner Jüdischen Gemeinde das Gebäude zur Einrichtung eines Erholungsheims (1936/37) schenkte. Da zum Anwesen auch eine Gärtnerei gehörte, eignete es sich gut für Umschulungszwecke. Nach dem Novemberpogrom 1938 und nachfolgenden Verschleppungen von Ausbildern, kann dieses Heim seinen Auftrag immer weniger erfüllen. Es gerät immer mehr zu einer Zwangsarbeiterunterkunft, dessen Insassen tagsüber 11-12 Stunden in umliegenden Betrieben der Landwirtschaft oder optischen Industrie zu Hungerlöhnen arbeiten müssen.

Am 21. Mai 1942 erhält das Landwerk ein Aufforderungsschreiben der Gestapo, alle hätten sich mit leichtem Gepäck zum Abtransport drei Tage später bereitzuhalten. Über den weiteren Verbleib der Gruppe und damit auch von Henry Hoffmann gibt es keine sicheren Angaben. Eine Gruppe agrarisch aussehender Jugendlicher soll in diesen Tagen in Berlin auf dem Weg in die zur Haftanstalt umfunktionierten Synagoge Levetzowstraße gesehen worden sein. Demnach wäre Henry Hoffmann mit dem nächsten Transport, das war der 2. Juni 1942, nach Theresienstadt gebracht worden. Es gibt keine weiteren Lebenszeichen, die weitere Deportation nach Auschwitz und damit der Todesort dort, ist aber wahrscheinlich.

Familie Zuntz mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 9 E2 der Realschule Moordorf, den Paten des Stolpersteines für Heinz (Henry).

Die Stolpersteine für Familie Hoffmann an der Stelle, wo früher das Haus Wallstraße 19 stand, heute ist dort die Zufahrt zum Gebäude der Sparkasse Aurich-Norden.

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 12.09.2015)

Fotos: 

 

 

 

– Henry Hoffmann – 1939 (Sammlung Zuntz)
– Brief von Henry an seine Schwester Leni in Palästina 1939
(Henry schreibt an seine Schwester Leni nach Palästina. Der Brief, sie erhält ihn am 21. 12. 39, ist über die Schweiz geschickt worden. Der Vater nahm diesen Weg, um der Zensur und damit der Beschlagnahme zu entgehen.So unten rechts die Zufügung der Tante Käthe Ruda geb. Wallheimer: „Gut Chanukka“)
– Im Garten des Landwerks Steckelsdorf 1937 (Jüdisches Museum Berlin)- Fotos der Stolpersteinverlegung (Günther Lübbers)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsar-chiv,

– Korrespondenz und Sammlung Gabriel Zuntz – Sde Eliahu
– Jüdisches Museum Sammlung Sonnenfeld

Literatur: Ezra BenGershôm, DAVID. Aufzeichnungen eines Überlebenden. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main 1993
Patenschaft: Klasse 9R der RS Moordorf
Verlegetermin: 17. Juli  2014

Henry schreibt an seine Schwester Leni nach Palästina. Der Brief, sie erhält ihn am 21. 12. 39, ist über die Schweiz geschickt worden. Der Vater nahm diesen Weg, um der Zensur und damit der Beschlagnahme zu entgehen. So unten rechts die Zufügung der Tante Käthe Ruda geb. Wallheimer: „Gut Chanukka“ (Sammlung Zuntz)

Jugendliche Garten Landwerk Steckelsdorf 1937

 

 

Moritz Artmann

Veröffentlicht: 2. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Moritz ARTMANN
geboren am 3. Mai 1911 in Duisburg

Straße: Hammerkeweg 1
Todesdatum: 21. April 1944
Todesort: Auschwitz
Moritz Artmann wird am 3. Mai 1911 in Duisburg geboren. Über seine Familie konnten wir nichts in Erfahrung bringen. Der Name Artmann ist aber auch heute noch in Duisburg anzutreffen.

Moritz Artmann zieht am 17.01.1933 im Alter von 22 Jahren aus Minden nach Aurich. Laut Meldekarte arbeitet er als Angestellter/Kaufmann und ist ledig.

Er wohnt für 7 Monate in Aurich, zunächst in der Norderstraße 11 bei Familie Wolff, dann in der Osterstraße 16-18 bei Familie Sternberg. Am 15.08.1933 zieht er nach Jever in die Schlachtstraße 9, kommt aber nach 6 Wochen schon wieder zurück nach Aurich und wohnt erneut bei Familie Sternberg in der Osterstraße. Von dort zieht er am 1.12.1933 zu Familie Wolffs in die Lindenstraße 12 und wohnt dort etwa 2 Jahre. Schließlich zieht er für 7 Monate in den Hammerkeweg 1 zu Familie Wolffs.

Am 4.09.1935 verlässt Moritz Artmann Aurich und zieht wieder in seine Geburtsstadt Duisburg. Soweit die Informationen aus der Meldekarte.

Über sein weiteres Leben konnten wir nur in Erfahrung bringen, dass er am 2.03.1943 von Bielefeld  aus nach Auschwitz deportiert wurde.

„Am 2.3.43 wurden mit dem 32. Osttransport und zugleich 2. Transport nach der „Fabrikaktion“ 1.529 Berliner Juden nach Auschwitz deportiert … Anhand der dabei vergebenen Häftlingsnummern lässt sich feststellen, dass an diesem Tag neben den Berliner Juden auch zahlreiche Deportierte aus weiteren Orten in ganz Deutschland in Auschwitz eingetroffen sind, darunter aus Stuttgart, Trier, Essen, Frankfurt/Main, Dortmund, Paderborn, Bielefeld, Hannover, Leipzig und Dresden. Mit Hilfe der Statistik der Reichsvereinigung kann deren Gesamtzahl mit 1360 ermittelt werden.“ (32. Osttransport: Abfahrtsdatum: 02.03.43, Deportierte: 1758, Deportationsziel: Auschwitz“, In: Statistik und Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich).

Für den Teiltransport aus Bielefeld können mithilfe der Dokumentation des Stadtarchivs Bielefeld mit Auswertung der Meldedaten [M. Minninger u.a., Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45, Bielefeld 1985] die Teilnehmer rekonstruiert werden. (https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_43a.html)

„Die Deportierten aus dem westlichen Deutschland, die bei der Ankunft in Auschwitz am 3.3.43 für den Arbeitseinsatz in Monowitz selektiert wurden, hatten ausnahmslos Häftlingsnummern im Bereich von 104890-105172 und 105457-105506 erhalten.“

„Für weitere männliche Deportierte der Teiltransporte aus Dortmund und Bielefeld können die in Auschwitz am 3.3.43 vergebenen Häftlingsnummern mit Hilfe der Unterlagen des ITS ermittelt werden (siehe Tabelle).“

Lt. dieser Tabelle erhielt Moritz Artmann in Auschwitz die Häftlingsnummer 104893 (Teiltransport aus Bielefeld) und musste im Lager Auschwitz-Monowitz Zwangsarbeit leisten.

(https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_43a.html)

Moritz Artmann wird am 21.April 1944 in Auschwitz ermordet.

https://spurenimvest.de/2023/06/29/artmann-moritz/

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 1.01.2023)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekarte, NLA Aurich
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_43a.html
Literatur:
Patenschaft:
Verlegetermin: Für Moritz Artmann wurde in Aurich kein Stolperstein verlegt, da er nur relativ kurze Zeit hier wohnte und hier nicht sein letzter freiwillig gewählter Wohnort war.

Abraham Joseph Samson

Veröffentlicht: 1. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham Josef SAMSON
geboren am 6. März 1885 in Aurich

Straße: Wallstraße 22
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 29.01.1943)
Todesort: Auschwitz

 

 

 

 

 

 

 

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Abraham Josef Samson wird am 6.03.1885 geboren. Er ist das dritte Kind der Eltern Josef Samson und Johanna geborene Blitz. Seine Geschwister Jeanette und Simon Josef mit ihren jeweils großen Familien werden Opfer der Shoah, die erste ausnahmslos, von der zweiten überleben drei Kinder.

Abraham Josef Samson ist Viehhändler, wie alle Auricher Samsons. Von seiner Tochter wird er so beschrieben: Er war streng und gewissenhaft. Er arbeitete ständig. Er hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft, und man verlieh ihm das Eiserne Kreuz. Er hatte einen guten Ruf und war entsprechend angesehen. Er ist konservativ in den religiösen Dingen und bestimmt die Einhaltung der Gesetze. Sein ältester Sohn Josef arbeitet schon im Geschäft und ist ausersehen, dieses später zu übernehmen.

Die staatlichen Verfolgungen der Juden beginnen gleich nach der Machtübernahme. Bei der Wirtschaftsordnung wirken sie sich sofort bei den Samsons aus. Abraham Josef muss das Unternehmen auflösen und das Haus verkaufen. Seinen Kindern ist eine weitere Ausbildung nach der jüdischen Grundschule nicht möglich. Er und seine Söhne können nur noch als landwirtschaftliche Hilfskräfte bei umliegenden Bauern arbeiten. Die Familie zieht als Untermieter in das Haus der Jüdischen Gemeinde in der Emder Straße 16 ein. Die Familie will auswandern, aber sie haben keinen Verwandten in Amerika, der der Familie die begehrte Bürgschaft, das Affidavit verschaffen kann. Es reicht nur zur Zuteilung einer Vormerknummer auf einer Warteliste bei der Amerikanischen Botschaft.

Seine älteste Tochter Herta geht bereits 1938 als Au pair nach England, sein Sohn Josef mit einem Kindertransport auch dorthin. Zuvor musste Abraham Josef seinen in der Reichspogromnacht verschleppten Sohn gegen Lösegeld aus dem KZ Sachsenhausen freikaufen.

Er und seine Familie müssen am 27. Februar 1940 nach Berlin ziehen. Sie wohnen im Hinterhof der Rosenthalerstraße 40-41 (Hackesche Höfe). Tochter Grete lebt bereits in Berlin und lernt Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus in Gesundbrunnen. Sie müssen Zwangsarbeit leisten.

Der Sohn Siegfried kann zuvor in eine bei Berlin gelegene jüdische Bildungseinrichtung (Hachscharah) zur Vorbereitung für Palästina gehen.

Am 28.01.1943 bekommen Abraham Samson und seine Frau den Befehl, sich am nächsten Tag für die Abholung bereitzuhalten. Er ruft abends noch seine Tochter aus der Telefonzelle an. Sie, Grete, will mit ins Lager, ihre Eltern nicht alleine lassen. Abraham Joseph antwortet in den letzten überlieferten Worten: „Keine Frage, Du musst Dein Leben retten. Es ist nicht gut, wenn Eltern ihre Kinder leiden sehen, noch schlechter ist es wenn Kinder ihre Eltern leiden sehen. Hüte dich. Sei stark. Und esse genug, alles was Du bekommst ohne Rücksicht auf die Religion“.

Josef und Frieda besteigen am 29.01.1943 den Deportationszug nach Auschwitz. Unmittelbar nach ihrer Ankunft werden beide ermordet.
Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 29.05.2015)

Familie Samson 1937

Das Foto erhielt Günther Lübbers von Dr. Samson Munn. Es entstand im Juli 1958 im Hafen von New York an Bord eines kurz danach nach Argentinien auslaufenden Schiffes. Samson (Bildmitte) besuchte mit seiner Mutter Grete (3. von links) unter anderem Siegfried Wolff (links) und Eva Wolff (rechts).

Die Stolpersteine vor dem Haus Wallstraße 22

Dr. Samson Munn (Bildmitte) mit Ehefrau Rachel und den Kindern Amalia und Saul nahmen in Begleitung einer befreundeten Familie aus Berlin sowie Joan Chantrell aus England an der Verlegung teil.

Foto:

 

 

 

 

 

– Kennkarte (Staatsarchiv Aurich)
– Geburtsurkunde
– Reichsvereinigung der Juden, 26.02.1940
– Wartenummer der Amerikanischen Botschaft, 7.05.1940
– Arbeitsbescheinigung, 1940- Stolpersteinverlegung (Günther Lübbers)
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsar-chiv,

– Standesregister Standesamt Aurich,

– Korrespondenz und Sammlung Samson Munn – Boston

Literatur:
Patenschaft: Jakob Jungenkrüger
Verlegetermin: 17. Juli  2014

Geburtsurkunde Abraham Joseph Samson

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bescheinigung der Reichsvereinigung der Juden v. 26.02.1940

Wartenummer der Amerikanischen Botschaft v. 7.05.1940

Arbeitsbescheinigung Abraham Joseph Samson v. 1940